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2 Schwimmen in jungen Jahren
In Anlehnung an den gesundheitlichen Wert schwimmerischer Bewegung (vgl. Kapitel 1) soll nun gezeigt werden, warum es wichtig ist, das Schwimmen bereits in jungen Jahren zu erlernen.
Schwimmvereine sind in der Regel daran interessiert, frühzeitig Nachwuchs zu etablieren, weshalb schon sogenannte Mutter-Kind-Schwimmkurse oder Babyschwimmkurse angeboten werden, die durchaus als sinnvoll zu erachten sind [vgl. 342]. In Irland wurde bereits um 1980 über frühe Erfolge mit Babyschwimmkursen berichtet [vgl. 223], wobei sich das Angebot dieser Kurse mittlerweile auch bei uns vervielfacht hat.
Bei diesen Kursen wird sehr früh das Bewegungsgefühl im Wasser geschult, was später von großem Wert für die Kinder sein kann. Auch wenn die Kleinkinder hier noch nicht die Techniken der vier Grundschwimmarten lernen, so erfahren sie doch unbewusst die Fähigkeit, den Wasserwiderstand und den hydrostatischen Auftrieb des Wassers zu spüren. Außerdem lernen sie, sich in dem Medium Wasser zurechtzufinden und entwickeln Bewegungsformen, die für das Schwimmenlernen wertvoll sein könnten. Auch unter Wasser können bereits Erfahrungen gesammelt werden, wie zum Beispiel die Vorform des Tauchens, indem die Mutter mit dem Kind einen kleinen Moment unter Wasser geht [vgl. 342]. Dabei verhindert der Atmungsreflex des Kindes (nur bis ca. sechs bis acht Monate alte Kinder) das Verschlucken [vgl. 2, 3]. Anhand der methodischen Vorgehensweise, kurzzeitig Wasser über Säuglinge zu gießen und anschließend kurz zu tauchen, kann die Bereitschaft zum Tauchen von Säuglingen offenbar bestens beurteilt werden [vgl. 2].
Durch solche einfachen Übungsformen im Mutter-Kind-Schwimmen werden Vorformen der richtigen Atmung erlernt, die für das Schwimmen essentiell sind. Bei vielen Freizeitschwimmern ist zu beobachten, dass eine ungleichmäßige Atmung einen leistungsbestimmenden Faktor darstellt. Oft wird die Luft unter Wasser nicht komplett ausgeatmet, daher kann anschließend weniger Sauerstoff über Wasser aufgenommen werden. Als Folgen davon sind eine rasche Ermüdung und hektische Kurzatmung zu nennen [vgl. 299]. Die Atmung ist einer der wichtigsten Aspekte beim Schwimmen [vgl. 265, S. 36], da die Muskeln bei unzureichender Atmung nicht wieder mit genug Sauerstoff versorgt werden können. Außerdem besteht bei unkoordinierter Atmung die Gefahr, Wasser zu aspirieren, was gleichermaßen eine Pause erfordert.
Ahrendt/Kohl [4] schreiben, dass frühe Bewegung der Kinder im Wasser nicht nur eine gesunde Verfassung zur Folge hat, sondern auch die motorischen Fähigkeiten fördert. Bewegungsformen im Wasser müssen nicht immer auf den Schwimmsport selbst beschränkt sein. Der Bewegungsraum Wasser bietet eine Reihe weiterer Möglichkeiten, wie Spiel, Vergnügen, Entspannung, Ausgleich, Fitness, Therapie und soziale Kontakte [vgl. 4].
Dieses Kapitel soll aufzeigen, wie hoch der Stellenwert von Kinderschwimmkursen einzuordnen ist. Die Kinder sammeln bereits frühzeitig Bewegungserfahrungen im Wasser, die sie meist mit Spaß und Freude verbinden und die außerdem einen positiven Einfluss auf die motorische und soziale Entwicklung der Kinder haben. Hervorzuheben ist, dass die Fähigkeit, Schwimmen zu können, Leben retten kann. Jahr für Jahr ertrinken immer noch Kinder und Erwachsene in Schwimmbädern oder Seen, weil sie nicht schwimmen können [vgl. 17]. Jemand, der das Schwimmen beherrscht, kann in gefährlichen Situationen nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das anderer Personen retten. Um die Gefahr des Ertrinkens zu unterbinden, sollte ausnahmslos jedes Kind frühzeitig schwimmen lernen.
2.1 Angst vor dem Wasser
Angst kann als unangenehm erlebter Erregungszustand aufgefasst werden, der in Situationen auftritt, die als bedrohlich wahrgenommen werden [vgl. 284, 291]. Im psychologischen Sinn wird Angst differenziert in Furcht und Ängstlichkeit [vgl. 315, 316]. Furcht ist die Reaktion auf einen bestimmten Reiz, der als Bedrohung registriert wird [vgl. 284]. Davon grenzt die Psychologie die Ängstlichkeit, oder auch Angstneigung ab, die sie als Persönlichkeitseigenschaft darstellt [vgl. 291], bei der tendenziell auf bedrohlich empfundene Reize mit Angst reagiert wird.
Das Wasser, als ungewohntes und neues Medium, stellt für viele Anfänger ein Angstrisiko dar, da Bewegungsformen darin ungewohnt und unbekannt sind [vgl. 305]. Der Angstauslöser bezieht sich einerseits auf eine neue und fremde Lernumgebung (das erste Mal im Schwimmbad) und/ oder andererseits auf fremde Personen, wie Trainer oder weitere Kursteilnehmer [vgl. 142, 304].
Weitere Ursachen für Angst sind oftmals auf gefährliche, traumatische und belastende Ereignisse in der Vergangenheit zurückzuführen [vgl. 30, 99, 131]. Hat sich dieses Ereignis in Verbindung mit Wasser oder dem Aufenthalt in diesem zugetragen, so entwickelt sich daraus nicht selten bei Kindern sowie Erwachsenen ein gestörtes Verhältnis zum Medium Wasser. Dieses Missverhältnis muss nicht ausschließlich durch Angsterlebnisse entstehen, sondern kann auch aus mangelnder und unzureichender Wassergewöhnung resultieren. Ängstliche Personen fühlen sich in Gefahrensituationen in ihrer Existenz bedroht [vgl. 142]. Bezogen auf das Element Wasser äußert sich diese Existenzangst in der Furcht vor dem Ertrinken.
Viele Schwimmanfänger zeigen bei den ersten Schwimm- und Tauchversuchen Verhaltensweisen, bei denen sie ihren Kopf hektisch aus dem Wasser reißen, um Luft zu holen und um sich zu orientieren. Im Grunde ist dieser Kopfstellreflex eine natürliche Schutzreaktion des Menschen. Die Angst bezieht sich daher auf zweierlei Aspekte. Einmal hat der Mensch als Landsäugetier Angst, nicht mehr atmen zu können, wenn sich der Kopf unter Wasser befindet, zum anderen fehlt dem Menschen der Halt und eventuell die Orientierung [vgl. 30]. Aus den Befunden einer Meta-Analyse [158] konnte unter anderem gezeigt werden, dass Angst die sportliche Leistungsfähigkeit Jugendlicher im Alter von 10–14 Jahren in größerem Maß beeinflusst als Sportler älterer Altersklassen. Nach Wilke [345] geht Angst mit einem Stillstand des Lernfortschritts einher, was bis zur Flucht aus dem Wasser führen kann.
Unbestimmte Angst oder Ängstlichkeit äußert sich in Spannung, Enge, quälender Unruhe, aber auch Verzweiflung und Entsetzen [vgl. 315]. Prinzipiell können Verhaltensformen auf folgenden Ebenen operationalisiert werden [vgl. 284]: sprachliche Mitteilung, körperliche Erregung, offenes Verhalten und Gefühlsausdruck.
Ausdrucksformen der Angst, die sich in diesen Ebenen zeigen, werden wie nachfolgend beschrieben. Sie werden entweder in einzelnen oder gar mehreren Formen gezeigt [vgl. 142, 284, 315]:
– Muskelspannung bis zur Verkrampfung, sowie motorische Verspannung
– steife, gehemmte Bewegungen
– beschleunigte Atmung
– starrer, furchtsamer Gesichtsausdruck mit weit geöffneten Augen, gelegentlich sogar im Wechsel mit verlegenem Lächeln
– Brechreiz
– ständiger Harndrang (schon vor Eintritt ins Wasser)
– die Aussagen, Angst oder »weiche Knie« zu haben
– Ausflüchte/Ausreden, am Schwimmunterricht nicht teilnehmen zu können.
Furcht ist, wie oben erwähnt, bestimmt und zeichnet sich meist durch panische Verhaltensweisen aus. Flucht und Vermeidungsverhalten in Angstsituationen führen meist zum Rückgang der aktuellen Angst, gehen aber nicht mit einem dauerhaften Lernprozess zur Überwindung der Angst einher.
Nach Tunner [315] schaltet der angsterfüllte Körper auf Abwehr, was sich in Muskelverspannungen, Erhöhung des Blutdrucks, Beschleunigung der Atmung, Erhöhung der Herzfrequenz, Erweiterung der Pupillen und einer erhöhten Schweißabsonderung zeigt. Es gilt anzumerken, dass nicht alle dieser Verhaltensweisen beim Schwimmunterricht erkannt werden können (wie z. B. Erhöhung des Blutdrucks und hohe Schweißabsonderung), daher gilt es den hör- und sichtbaren Indikatoren für Angst, wie zum Beispiel Ausflüchte/Ausreden, Unruhe, Muskelverspannungen, Beschleunigung der Atmung Rechnung zu tragen.
Bezogen auf den Schwimmunterricht lassen sich folgende Ängste unterscheiden [vgl. 305, 342, 345]:
• Furcht vor Misserfolg und eventuell daraus resultierender sozialer Blamage
• Furcht vor dem Lehrer
• Furcht vor Tiefe und/oder Weite des Wassers
• Furcht vor Wasserschlucken (verschlucken)
• Furcht vor Bedrohung durch das Wasser
Furcht vor Misserfolg wirkt sich beim Nichtschwimmer so aus, dass er seine Schwimmunfähigkeit verheimlicht, oder sich gar sämtlichen Bewegungsformen im Wasser entzieht [vgl. 342, 345]. Dieses drohende Leistungsversagen führt dazu, dass sich Kinder den Aufgaben des Trainers nicht gewachsen fühlen [vgl. 305].
Soziale Blamagen kommen nach Thomas [305] beispielsweise dann zum Ausdruck, wenn der Trainer bei Misserfolg auf Bestrafungen, Disqualifikation, Ausschluss aus der Mannschaft oder Beschimpfung zurückgreift. Die letzten beiden Aspekte müssen nicht zwangsläufig vom Trainer ausgehen, sondern können auch durch Mannschaftskameraden provoziert werden. Besonders eine Blamage vor anderen Schwimmern oder Publikum birgt die Gefahr, dass Anfänger dem Schwimmen den Rücken kehren.
Daher liegt es am Trainer, solche Situationen möglichst zu verhindern, indem das Anforderungsniveau angemessen gewählt wird. Sicher wird ein Lernfortschritt nur dann erfolgen, wenn sich an bestimmten Anforderungen und Zielsetzungen orientiert wird. Insofern besteht die Schwierigkeit des Trainerberufes unter anderem darin, ein geeignetes Anforderungsprofil unter Berücksichtigung des Leistungsstandes und der psychischen Leistungsbereitschaft für die jungen Athleten zu entwickeln. Ist das Anforderungsniveau nicht an das Alter oder den Lernfortschritt angepasst, entsteht eine dauerhafte Überforderung, was sich durch Furcht vor dem Lehrer ausdrückt [vgl. 342, 345]. Eine Reduktion der Furcht vor dem Wasser ist dann erkennbar, wenn der Schwimmunterricht nicht in der Öffentlichkeit stattfindet [vgl. 345].
Angstgefühle treten nicht nur in der Grundausbildung der Anfänger auf, sondern auch in Form objektbezogener Furcht, wie zum Beispiel der Angst vor einem Wettkampf [vgl. 265 S. 27, 360]. Ein Wettkampf, bei dem die Leistung des Schwimmers durch Eltern, Schwimmkollegen oder Trainer als Versagen dargestellt wird, schürt die Furcht vor Misserfolg in Wettkämpfen. Daher sollte diese Art von Kritik unbedingt vermieden werden. Ein weiterer Grund für Angst vor einem Wettkampf ist zum Beispiel ein schlechter Trainingszustand [vgl. 265 S. 27, 304]. Folglich kann die Ursache der Angst nicht unabwendbar beim Athleten, sondern gleichfalls beim Trainer und dessen Trainingsplanung begründet sein. Angst gilt somit als Faktor, der die Leistung beim Schwimmenlernen oder beim Schwimmen selbst limitiert [vgl. 316].
Bei Anfängerkursen entstehen Ängste vor der Tiefe und Weite des Wassers, was sich beim Wechsel vom Nichtschwimmerbereich in den Schwimmerbereich zeigt [vgl. 345]. Fehlt dem Schwimmer der sichere Boden unter den Füßen, scheinen Schwimmbewegungen, die im Nichtschwimmerbereich beherrscht wurden, für ängstliche Kinder nur schwer durchführbar [vgl. 342]. Werden fälschliche Informationen bezüglich der Wassertiefe mitgeteilt, so folgen möglicherweise weitere Negativerlebnisse. Folglich wird von dieser Art der Täuschung abgeraten [vgl. 345]. Besonders ängstlichen Kindern sollten einerseits immer Auftriebshilfen wie Schwimmnudel oder Schwimmbrett erlaubt sein, da bei ihnen – als unsichere Anfänger – ein erhebliches Sicherheitsrisiko besteht. Andererseits bewährt sich in der Praxis, wenn ängstliche Schwimmanfänger ihre ersten Schwimmbewegungen nahe dem Beckenrand ausführen, sodass sie sich stets am Rand festhalten können und der Trainer im Notfall schnell eingreifen kann.
Eine weitere Furcht kann im Wasserschlucken gesehen werden. Anfänger reagieren angsterfüllt, wenn Wasser in die Atemwege eintritt. Das Wasserschlucken bewirkt meist einen Hustenreiz in Verbindung mit Atemnot [vgl. 342, 345].
Furcht vor der Bedrohung durch das Wasser kann sowohl durch Darstellungen über Wasserkatastrophen (Flutwellen, Tsunami etc.) als auch durch ein ängstliches Vorbild der Eltern entstehen. Kinder, deren Eltern Angstverhalten bezüglich Wasseraktivitäten aufzeigen, können diese Verhaltensweisen ebenfalls entwickeln [vgl. 315].
Beim Anfängerschwimmen im Verein wie auch in den Schulen sollten solche Ängste behoben werden, damit die Bewegungen im Wasser ungehindert erlernt werden können. Zur Behebung von Ängsten empfehlen Psychologen [vgl. 315] die Auseinandersetzung mit den Angstauslösern unter optimalen Lernbedingungen, wie zum Beispiel angenehme Wassertemperatur, ausreichend Auftriebshilfen, geringer Lärmpegel, eventuell die Anwesenheit der Eltern des Kindes, geduldiger Schwimmtrainer etc.
Der Lehrer sollte frühzeitig auf angstauslösende Faktoren achten und diese – wenn möglich – sogleich mit Einfühlungsvermögen beheben, damit ein angstfreier Lernprozess möglich ist [vgl. 1, 305]. Durch eine ausführliche Wassergewöhnung (siehe Kapitel 3.2) sollen positive Erlebnisse und freudvolle Bewegungen sowie Orientierung im Wasser gewährleistet werden.
Um die Wettkampfangst von Leistungsschwimmern zu reduzieren, wurde in einem Versuch ein wöchentliches mentales Training als Interventionsmaßnahme gestartet [vgl. 360]. Sowohl kognitive als auch somatische Angstgefühle der Schwimmer konnten nach dem achtwöchigen Mentaltraining verringert werden, weshalb solch eine psychologische Betreuung von Spitzenathleten sicher von Vorteil ist.
2.2 Bedeutung der Wassergewöhnung
Die Wassergewöhnung ist im Grunde die Anpassung des Körpers und der Sinne an das Medium Wasser und somit Voraussetzung für den Anfängerschwimmunterricht [vgl. 101, 265 S. 395]. Die Gewöhnung an das Wasser wird unter anderem durch das Tauchen, das Gleiten in Brust- und Rückenlage und durch das Springen ins Wasser mitbestimmt [vgl. 265, S. 395]. Die Wassergewöhnung soll garantieren, dass Kinder Schwimmen frühzeitig mit Spaß verbinden.
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Abb.2: Elemente der Wassergewöhnung (nach Bissig et al. [30, S. 11])
Die Kernelemente der Wassergewöhnung werden unten dargestellt (Abb.2).
Diese Teilschritte erfüllen laut Bissig et al. [30] alle Funktionen, die die Anfänger für das Schwimmen benötigen. Die Übungsformen werden entweder komplett unter Wasser oder an der Wasseroberfläche durchgeführt.
Anhand der Ausführungen wird deutlich, dass viele dieser Teilelemente nahezu unter Wasser erfahren werden sollen, das heißt, dass der grundlegende Schritt des Schwimmenlernens vom Tauchen zum Schwimmen beschrieben werden könnte [vgl. 30, 69]. Dieses methodische Konzept bietet eine Reihe von wichtigen Lernschritten, die für den Erfolg des sicheren Schwimmens von Bedeutung sind.
Kritisch anzumerken ist dabei, dass der erste Wasserkontakt sowie Spielformen im Wasser kaum Erwähnung finden. Ersteres ist gerade bei ängstlichen Schwimmanfängern besonders zu beachten, auch auf letzteres darf bei Kindern nicht verzichtet werden, da es einerseits einen Ausgleich zum strikten Bewegungslernen, andererseits die Aufrechterhaltung der Lernmotivation bietet [vgl. 244].
Das Modell der Wassergewöhnung nach Beck et al. [24] beschreibt die Stationen der Wassergewöhnung differenzierter. Gleichzeitig ist es Grundlage für das Erlernen der Schwimmtechniken (Abb.3).
Dieses Konzept gewährleistet eine sichere Hinführung an den Prozess des Schwimmenlernens und beinhaltet nahezu alle wesentlichen Elemente, die zur Schaffung optimaler Voraussetzungen benötigt werden, um die vier elementaren Schwimmlagen (Kraul-, Brust-, Rückenkraul- und Schmetterlingsschwimmen) zu erlernen.
Aus der Kombination beider Modelle ergibt sich ein umfangreiches Modell der Wassergewöhnung. Es vervollständigt die einzelnen Modelle um die jeweils fehlenden Teilelemente und kann im Anfängerbereich aller Altersklassen angewendet werden (Abb.4).
Die Methodik und Anordnung dieses Modells sind dadurch gekennzeichnet, dass besonders einfache Aufgaben vorgeschaltet werden und somit den Ergebnissen von Junge/Blixt/Stallman [147] entsprechen. Schwierige Bewegungsformen, wie zum Beispiel das Antreiben durch Kraul- oder Brustbeinschlag finden sich am Ende dieser methodischen Reihe.
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Abb.3: Stationen der Wassergewöhnung (nach Beck et al. [24, S. 14])
In frühen Jahren sollten zunächst Grundfertigkeiten im und am Wasser gelernt werden. Der erste Wasserkontakt findet am Beckenrand oder in seichtem Gewässer statt und wird meist in Form von einfachen Spielformen durchgeführt [vgl. 24]. Wasser ist für Kinder nicht selten ein ungewohntes Medium, wenn sie noch keinen Schwimmkurs besucht haben und die Eltern wenig Engagement bezüglich dem Erlernen von Bewegungsformen im Wasser zeigen. Nicht selten entsteht bei den Kindern ein Angstgefühl. Es gilt, wer Angst vor dem Wasser hat, kann nur schwerlich Schwimmen lernen. Diese Angst soll durch eine ausführliche Wassergewöhnung behoben und ihr somit vorgebeugt werden. Dies garantiert die optimale Hinführung zum angstfreien und effektiven Erlernen der Schwimmarten. Auch Spielformen im flachen Wasser tragen zum Spaß und der Motivation der Kinder bei [vgl. 244] und nehmen ein Stück weit die Angst vor dem Wasser. Hier können unter anderem das erste Mal Geräte für Spielformen verwendet werden. Welche Übungsformen hierfür sinnvoll sind, wird in Kapitel 3.2.2 und 3.4 beschrieben. Mit welchen Geräten solche Übungsformen zu verwirklichen sind, wird in Kapitel 3.3 aufgezeigt.
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Abb.4: Kombiniertes Modell der Wassergewöhnung (nach Beck et al. [24, S. 14]; Bissig et al. [30, S. 11]; Wilke [342, S. 46], leicht verändert)
Als nächstes Teilelement der Wassergewöhnung folgt das richtige Atmen (vgl. Kapitel 3.2.3). Da das Schwimmen ohne Atmung auf Dauer nicht möglich ist, stellt sie einen wichtigen Grundpfeiler im Prozess des Schwimmenlernens dar [vgl. 265, S. 36].
Das Tauchen, als weiteres Element der Wassergewöhnung, ist nach einigen Schwimmexperten [u. a. 30] besonders hervorzuheben, was auch anhand ihres Modells der Wassergewöhnung (siehe Abb.2 bis 4) deutlich wird. Die Kinder erlernen bei diesem Schritt, durch welche Verhaltensweise der Körper absinkt oder wieder auftreibt. Das Gefühl der Schwerelosigkeit ist ein weiterer Aspekt, den die Kinder beim Tauchen erfahren können. Hierfür gibt es eine Reihe von Spiel- und Übungsformen, die im Laufe der nächsten Kapitel (3.2.4; 3.4) beschrieben werden.
Das Springen vom Beckenrand, als einer der beliebtesten Punkte bei Kindern sind Vorformen für spätere Startsprünge. Sie sollen sowohl Hemmungen abbauen als auch die Wassersicherheit verbessern [vgl. 252]. Anfangs sollten Kinder jedoch aus Sicherheitsgründen nur fußwärts bei einer Wassertiefe von mindestens 1,80 Meter springen und noch nicht vom Sprungbrett oder Startblock. Es gilt diese Wassertiefe einzuhalten, da die Geschwindigkeit des Schwimmers beim Eintauchen nicht signifikant gebremst wird, wenn er nicht mindestens 1,50 Meter tiefes Gewässer erreicht [vgl. 243].
Das Schweben und Gleiten gehört als sechstes Teilelement gleichermaßen zur Wassergewöhnung und somit zu den Grundfertigkeiten der Schwimmausbildung [vgl. 265, S. 144]. Das Erlernen dieser Fähigkeiten soll – wenn möglich – ohne Auftriebshilfen (Schwimmflügel, Schwimmreifen etc.) erfolgen, da diese nicht für das Wassergefühl förderlich sind [vgl. 30]. Der Entwicklung des Wassergefühls kommt später im Schwimmsport eine herausragende Bedeutung zu und gilt als Indiz für eine hochentwickelte Bewegungstechnik im Wasser [vgl. 53, 343].
Beim letzten Schritt, dem Antreiben, werden isoliert Arm- oder Beinbewegung zur erstmaligen Fortbewegung eingesetzt.
Bei nahezu allen Schritten wird gezielt auf die Entwicklung des Wassergefühls hingearbeitet. Nach Rudolph [265, S.395] ist das Wassergefühl eine »komplexe koordinative Fähigkeit, [die] als Folge von Veranlagung und Erfahrung im Umgang mit dem Wasser [auftritt]«. Vortrieb und geringer Widerstand sind daher die wesentlichen Kenngrößen des Wassergefühls. Erfahren wird das Wassergefühl sowohl durch taktile, visuelle, vestibuläre und vor allem durch kinästhetische Sinne [vgl. 265, S. 395]. Bei Leistungsschwimmern spricht man nicht selten von einem perfekten Wassergefühl. Damit ist gemeint, dass sie bewusst den Wasserwiderstand so gering wie möglich halten [vgl. 349]. Sie können das Wasser »anfassen und wegdrücken« [vgl. 265, S. 395, nach Aussage von F. v. Almsick]. Dieses Wassergefühl ist in späteren Jahren nur noch schwer zu erlernen. Daher sollte die Wassergewöhnung bereits in jungen Jahren ausführlich gestaltet sein, um einen wichtigen Beitrag zum Erlernen des Wassergefühls zu leisten.
Explizit zu erwähnen ist, dass alle der oben genannten Schritte durchlaufen werden sollten, denn um schwimmerische Erfolge zu erlangen, ist eine solide Grundausbildung in allen Bereichen notwendig [vgl. 226]. Sie bildet nicht nur das Grundgerüst der Fertigkeiten im Schwimmsport, sondern führt Schritt für Schritt an das Medium Wasser heran. Wenn für die Lernschritte der Wassergewöhnung anfänglich viel Zeit investiert wird, könnte ein späteres Umlernen auf ein Minimum reduziert werden. Folglich kann ein ausführliches Programm der Wassergewöhnung als lohnend für die schwimmerische Entwicklung eines jeden Anfängers gesehen werden.