Kitabı oku: «Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter»

Die Reihenherausgeber
Univ.-Prof. Dr. med. Johannes Pantel ist Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinischer Gerontologie am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt. Zuvor war er viele Jahre in leitenden klinischen Funktionen an den Universitätskliniken Heidelberg und Frankfurt am Main tätig. Er ist Mitbegründer und stellvertretender Vorstandssprecher des Frankfurter Forums für Interdisziplinäre Alternsforschung (FFIA). Als Autor und Herausgeber publizierte er über 20 einschlägige Sach- und Fachbücher und ist Co-Chief-Editor der Zeitschrift »GeroPsych – The Journal of Gerontopsychology and Geriatric Psychiatry«.
Univ.-Prof. Dr. med. Johannes Pantel
Leiter Arbeitsbereich Altersmedizin
Institut für Allgemeinmedizin
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
PD Dr. med. Rupert Püllen ist Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS in Frankfurt am Main. Er ist an der Goethe-Universität Frankfurt zuständig für den Querschnittsbereich Medizin des Alterns und des alten Menschen und darüber hinaus Honorarprofessor an der Universität Pecs. Als ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie ist er jetzt Vertreter im Fullboard der European Geriatric Medicine Society (EuGMS) sowie Mitherausgeber der »Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie«.
PD Dr. med. Rupert Püllen
Chefarzt Medizinisch-Geriatrische Klinik
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie 2014–2016
AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS
Wilhelm-Epstein-Straße 4
60431 Frankfurt am Main
Sandra Schütze
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Pharmakologische Daten verändern sich ständig. Verlag und Autoren tragen dafür Sorge, dass alle gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung hierfür kann jedoch nicht übernommen werden. Es empfiehlt sich, die Angaben anhand des Beipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt.
1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-031663-8
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-031664-5
epub: ISBN 978-3-17-031665-2
Die Autorin

© AGAPLESION
Frankfurter Diakonie
Kliniken
PD Dr. med. Sandra Schütze ist Neurologin und Geriaterin und leitet die Sektion Neurogeriatrie der Medizinisch-Geriatrischen Klinik der AGAPLESION Frankfurter Diakonie Kliniken. Bakterielle Infektionen im Alter und bei Neurodegeneration sind Schwerpunkte ihrer experimentellen Forschung. Zudem beschäftigt sie sich als Antibiotic Stewardship-Expertin und Hygiene-beauftragte Ärztin ihrer Abteilung intensiv mit der Verbesserung der Prävention und Therapie von Infektionskrankheiten bei geriatrischen Patienten.
Vorwort zur Reihe
Altersmedizin dient dem älteren Patienten, indem sie wie kein zweites Fach seine Besonderheiten und Bedürfnisse ganzheitlich in den Blick nimmt. Sie ist aber auch vielseitig, spannend und effektiv.
Dies anhand ausgewählter Handlungsfelder deutlich zu machen, ist ein wichtiges Anliegen der Reihe »Altersmedizin in der Praxis«. Das wichtigste Ziel ist es jedoch, das auch in der Altersmedizin exponenziell anwachsende Wissen für den Versorgungsalltag kompakt und praxisnah aufzubereiten.
Doch braucht man dazu heute noch Bücher? Haben nicht Internet und Zeitschriften das Buch längst abgelöst, weil sie häufig einen rascheren Zugriff auf manchmal schnell veraltendes Fachwissen erlauben? Das mag in einzelnen Bereichen und zu manchen Fragestellungen zutreffen; doch wer sich vertieft mit einem Thema auseinandersetzen möchte, wer nicht nur Fachinformationen, sondern auch ausgewogene Bewertungen sucht, wer sich durch einen erfahrenen Autor fundiert in ein Thema hineinführen lassen möchte, der greift besser zu einem Buch. Nicht zuletzt bieten Bücher eher Sponsor-unabhängige Informationen als kostenlos zugängige Publikationen.
Die Reihe »Altersmedizin in der Praxis« erhebt nicht den Anspruch, das weite und wachsende Gebiet der Altersmedizin vollständig darzustellen. Es geht vielmehr darum, einzelne für die altersmedizinische Praxis wichtige Themen aufzuarbeiten und in einer didaktisch gut aufbereiteten Form auf dem neuesten Wissensstand zu präsentieren.
An wen richtet sich die Reihe? Natürlich in erster Linie an Ärzte jeglicher Fachrichtung, die regelmäßig ältere Patienten in der Praxis, dem Krankenhaus oder in einem anderen Kontext betreuen. Die Bücher richten sich ebenfalls an Ärzte in Weiterbildung und an Studenten, aber auch an andere Professionelle des Gesundheitswesens, die Umgang mit älteren Patienten haben. Die einzelnen Bände können dabei sowohl als fundierte Einführungen und Übersichten zu den jeweiligen Themen gelesen werden als auch als kompakte Nachschlagewerke für den Einsatz in der täglichen Praxis dienen.
Die Herausgeber
Johannes Pantel und Rupert Püllen
Inhalt
1 Die Autorin
2 Vorwort zur Reihe
3 Übersicht: Infoboxen
4 Vorwort
5 Einführung
6 I Klinische Besonderheiten und Diagnostik bei Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter
7 1 Infektionsrelevante Besonderheiten älterer Menschen
8 1.1 Immunoseneszenz
9 1.1.1 Altersassoziierte Veränderungen des innaten Immunsystems
10 1.1.2 Altersassoziierte Veränderungen des adaptiven Immunsystems
11 1.1.3 Inflamm-Aging
12 1.2 Organspezifische Alterungsprozesse
13 1.3 Altersassoziierte Veränderungen des Mikrobioms
14 1.4 Erkrankungen und Multimorbidität
15 1.5 Medikamente und Polypharmazie
16 1.6 Geriatrische Syndrome
17 1.6.1 Malnutrition
18 1.6.2 Sarkopenie
19 1.6.3 Kognitive Defizite
20 1.6.4 Dysphagie
21 1.6.5 Immobilität, Urin- und Stuhlinkontinenz
22 1.7 Extrinsische Faktoren
23 1.7.1 Kontakt zu pflegerischen und medizinischen Einrichtungen
24 1.7.2 Invasive diagnostische und therapeutische Maßnahmen
25 2 Epidemiologie, Verlauf und Folgen von Infektionskrankheiten bei älteren Menschen
26 2.1 Erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten
27 2.2 Erhöhte Sterblichkeit bei Infektionskrankheiten
28 2.3 Auswirkungen auf die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen
29 2.4 Auswirkungen auf die Funktionalität und Selbständigkeit
30 3 Klinische Präsentation und Diagnostik von Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter
31 3.1 Atypische klinische Präsentation
32 3.1.1 Geringere Ausprägung typischer Symptome
33 3.1.2 Häufigeres Auftreten unspezifischer Symptome
34 3.2 Herausforderungen bei der klinischen Diagnosestellung
35 3.3 Besonderheiten bei der laborchemischen Diagnostik
36 3.4 Relevanz und Besonderheiten der mikrobiologischen Diagnostik
37 3.5 Wertigkeit und Aussagekraft apparativer Diagnostik
38 II Prävention und Therapie von Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter
39 4 Steigerung der Infektionsresistenz des älteren Menschen
40 4.1 Körperliche Aktivität
41 4.1.1 Bewegung und Krafttraining
42 4.1.2 Frühmobilisierung bei Erkrankungen und Vermeidung von Immobilität
43 4.2 Ernährung
44 4.2.1 Erkennen von Malnutrition und Malnutritionsrisiken
45 4.2.2 Vermeidung und Behandlung einer Protein- und Kalorienmangelernährung
46 4.2.3 Substitution von Vitaminen und Mikronährstoffen
47 4.2.4 Einsatz von Probiotika
48 4.3 Diagnostik und Behandlung der Dysphagie
49 4.4 Optimierte Behandlung von Erkrankungen und Auswahl der Medikation
50 4.5 Experimentelle Strategien zur Steigerung der Infektionsresistenz
51 5 Schutz des älteren Menschen vor Pathogenen
52 5.1 Prävention nosokomialer Infektionen
53 5.2 Prävention und Management von Ausbruchsgeschehen
54 5.3 Rationaler Umgang mit multiresistenten Erregern
55 6 Impfungen im höheren Lebensalter
56 6.1 Relevanz von Impfungen und Empfehlungen für ältere Menschen
57 6.2 Strategien zur Verbesserung des Impfschutzes älterer Menschen
58 6.2.1 Optimierung der Impfantwort im höheren Lebensalter
59 6.2.2 Entwicklung von Impfstoffen gegen weitere Erkrankungen und Steigerung der Impfraten
60 6.3 Influenza-Impfung
61 6.3.1 Relevanz der Influenza-Impfung
62 6.3.2 Effizienz und Effektivität der Influenza-Impfung
63 6.3.3 Impfadhärenz
64 6.3.4 Influenza-Impfstoffe
65 6.3.5 Empfehlungen
66 6.4 Pneumokokken-Impfung
67 6.5 Herpes zoster-Impfung
68 6.6 Weitere empfohlene Impfungen für alle Erwachsenen
69 6.6.1 COVID-19-Impfung
70 6.6.2 Tetanus- und Diphtherie-Impfung
71 6.6.3 Pertussis-Impfung
72 6.6.4 FSME (Tick-Borne-Enzephalitis)-Impfung
73 6.6.5 Hepatitis-Impfungen
74 6.6.6 Reiseimpfungen
75 7 Antibiotikatherapie im höheren Lebensalter
76 7.1 Besondere Herausforderungen und Antibiotic Stewardship (ABS)
77 7.2 Indikationsstellung für Antibiotikatherapien
78 7.3 Substanzwahl des Antibiotikums
79 7.3.1 Beachtung von Umfeld, Begleiterkrankungen und Immunkompetenz des älteren Menschen
80 7.3.2 Beachtung von Kulturergebnissen und Antibiogrammen
81 7.3.3 Beachtung potenzieller unerwünschter Wirkungen von Antibiotika
82 7.3.4 Beachtung der Interaktionen von Antibiotika mit anderen Medikamenten
83 7.3.5 Vermeidung der Selektion von C. difficile und MRE
84 7.4 Dosierung, Dauer und Applikationsart der Antibiotikatherapie
85 7.4.1 Dosierung unter Berücksichtigung von Pharmakokinetik und Pharmakodynamik
86 7.4.2 Therapiedauer
87 7.4.3 Applikationsart
88 III Ausgewählte Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter
89 8 Respiratorische Infektionen
90 8.1 Bakterielle Pneumonien
91 8.2 Virale respiratorische Infektionen und Pneumonien
92 8.3 Exkurs: SARS-CoV-2 und COVID-19
93 8.4 Infektexazerbationen bei COPD
94 9 Harnwegsinfektionen
95 9.1 Zystitis und Pyelonephritis
96 9.2 Harnwegsinfektionen bei liegendem Blasenkatheter
97 10 Gastrointestinale Infektionen
98 10.1 Clostridioides difficile-Enteritis
99 10.2 Norovirus-Infektion
100 11 Haut- und Weichgewebeinfektionen
101 11.1 Erysipel
102 11.2 Fußinfektionen bei Diabetes mellitus
103 11.3 Infektionen von Dekubitalulcera
104 11.4 Postoperative Wundinfektionen
105 12 Knochen- und Gelenkinfektionen
106 12.1 Spondylodiszitis
107 12.2 Prothesen-/Implantatinfektionen
108 13 Blutstrominfektionen
109 13.1 Bakteriämie
110 13.2 Sepsis
111 14 Infektionen des zentralen Nervensystems
112 Literatur
113 Stichwortverzeichnis
Übersicht: Infoboxen
Infobox: Delir
Infobox: Fieber beim älteren Menschen
Infobox: Blutkulturen
Infobox: Empfehlung für körperliche Bewegung und Krafttraining beim älteren Menschen
Infobox: Empfehlung für die Proteinzufuhr bei älteren Menschen
Infobox: Gefahren von Isolationsmaßnahmen bei älteren Menschen
Infobox: Impfung bei Personen mit kognitiven Einschränkungen
Infobox: Influenza
Infobox: Pneumokkokenerkrankungen
Infobox: Herpes zoster
Infobox: Wichtige Prinzipien für den rationalen Einsatz von Antibiotika im höheren Lebensalter
Infobox: Spezialsituation Antibiotikatherapie am Lebensende und bei fortgeschrittener Demenz
Infobox: Clostridioides difficile
Infobox: Empfehlungen zur Einschätzung von Schweregrad und Prognose sowie zur Festlegung des Behandlungssettings bei ambulant erworbener Pneumonie
Infobox: Asymptomatische Bakteriurie
Infobox: Endokarditis
Infobox: Septische Enzephalopathie
Infobox: Experimentelle Ansätze zur Verbesserung der Infektionsresistenz des ZNS
Vorwort
Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter – ein Thema mit hoher klinischer Relevanz, vielen Facetten und Überschneidungen zu fast allen Bereichen der Medizin. Auch Sie behandeln sicherlich regelmäßig ältere und geriatrische Patienten.
Bei meiner klinischen Arbeit in einer großen geriatrischen Klinik wird mir die Relevanz dieses Themas täglich vor Augen geführt. Doch was macht den älteren Menschen so anfällig für Infektionen? Woran liegt es, dass Infektionskrankheiten den älteren Menschen in so ausgeprägter Weise beeinträchtigen? Diese Thematik war in den letzten Jahren Schwerpunkt meiner experimentellen Forschungsarbeit. In diesem Buch versuche ich, die wachsenden Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und aus klinschen Studien mit der praktischen klinischen Anwendung zu verknüpfen.
Mein besonderer Dank gilt Roland Nau und Rupert Püllen, meinen beiden Lehrern und Mentoren auf den Gebieten der Neuroinfektiologie bzw. Geriatrie. Durch sie hatte ich die Möglichkeit, mich intensiv mit dem Thema Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter zu beschäftigen und dieses Buch zu schreiben.
Es ist unmöglich, alle Aspekte eines so breiten Themas umfassend zu behandeln. Das Buch erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll es dem Behandler älterer und geriatrischer Patienten wesentliche Prinzipien, Aspekte und Besonderheiten im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter näherbringen.
Die SARS-CoV-2-Pandemie, die während der Fertigstellung dieses Buches begann, hat die Themen Infektionskrankheiten, Infektionsprävention und die besondere Vulnerabilität älterer Menschen in den gesellschaftlichen Fokus gerückt. Ein Exkurs zum Thema SARS-CoV-2 und COVID-19 wurde daher eingefügt.
Insbesondere bezüglich COVID-19, aber auch bezüglich anderer Erkrankungen, Impfungen und Therapien, entwickeln sich Wissen und Evidenz stetig weiter. Sie sollten daher in Ergänzung zu diesem Buch jeweils neuere Literatur und aktualisierte Leitlinien hinzuziehen, um Ihre älteren Patienten mit Infektionskrankheiten optimal zu behandeln.
Ich wünsche Ihnen eine anregende und hoffentlich lehrreiche Lektüre.
Frankfurt, August 2021
Sandra Schütze
Einführung
Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung nimmt zu. Im Jahr 2020 waren fast 20% der Menschen in Deutschland ≥ 67 Jahre alt, 2040 werden es wahrscheinlich über 25% sein. Die Gruppe der ≥ 80-Jährigen ist dabei die am stärksten wachsende Altersgruppe (Statisches Bundesamt 2020). Die ambulante und stationäre medizinische Versorgung älterer und hochaltriger Menschen gewinnt daher in fast allen medizinischen Fachbereichen an Bedeutung.
Der menschliche Organismus unterliegt kontinuierlichen Alterungsprozessen. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Zahl von Krankheiten und das Ausmaß von Funktionseinbußen zu, gleichzeitig nimmt die Adaptationsfähigkeit des Organismus auf medizinischer, psychischer und sozialer Ebene ab. Organreserven werden geringer, der ältere Organismus wird vulnerabler gegenüber Stressoren. Es kommt daher bei Akutereignissen schneller zu einer Dekompensation, die Rekonvaleszenz ist oft verlängert.
Alterungsprozesse verlaufen interindividuell sehr unterschiedlich, was zu einer großen Heterogenität innerhalb der Gruppe älterer Menschen führt, d. h. es gibt große Unterschiede bezüglich des funktionellen und gesundheitlichen Status zwischen einzelnen Individuen gleichen kalendarischen Alters. Das kalendarische Lebensalter spiegelt daher oft nicht das klinisch deutlich relevantere biologische Alter wider. Die Definition der verschiedenen Altersabschnitte erfolgt dennoch über das kalendarische Lebensalter. In Deutschland und den westlichen Industrieländern werden Personen mit einem Lebensalter ≥ 65 Jahre als »ältere Menschen« und Personen mit einem Lebensalter ≥ 80 Jahre als »hochaltrige Menschen« bezeichnet. Entwicklungspsychologisch gilt der Altersabschnitt zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr als höheres Erwachsenenalter und die Zeit nach dem 80. Lebensjahr als hohes Alter. Diese Altersgrenzen werden in den meisten internationalen Studien und daher auch in diesem Buch verwendet.
Nicht jeder ältere Patient ist ein geriatrischer Patient. Als geriatrische Patienten werden in Deutschland Patienten mit einem Lebensalter ≥ 80 Jahre, also hochaltrige Patienten, sowie Patienten mit einem höheren Lebensalter (in der Regel ≥ 70 Jahre) und einer zusätzlich vorliegenden geriatrietypischen Multimorbidität definiert (Definition der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)). Bei geriatrischen Patienten ist die Alltagskompetenz typischerweise gefährdet oder bereits reduziert.
Infektionen und Infektionskrankheiten stellen ein häufiges Problem bei der Behandlung älterer Menschen und geriatrischer Patienten dar. Unterschiedlichste Erreger, u. a. Bakterien, Viren und Pilze, können Infektionen verursachen. Das breite Spektrum an Infektionskrankheiten kann in diesem Buch nicht umfassend behandelt werden. Hier liegt der Fokus vor allem auf bakteriellen und einigen viralen Infektionskrankheiten, die im klinischen Alltag bei älteren Menschen in den deutschsprachigen Ländern von Bedeutung sind. Auf zahlreiche weitere Infektionskrankheiten, wie z. B. Mykosen, sonstige nicht-bakterielle Erkrankungen, Reise- und Tropenerkrankungen, wird nicht eingegangen. Auch die Tuberkulose und das Thema HIV/AIDS, das aufgrund der guten Behandelbarkeit dieser Infektion auch bei Personen in höherem Lebensalter zunehmend eine Rolle spielt, werden hier nicht behandelt.
Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert. In Teil I werden infektionsrelevante Charakteristika des älteren Menschen und die sich daraus ergebenden Besonderheiten bei Infektionskrankheiten und ihrer Diagnostik dargestellt. Teil II widmet sich der Prävention und Therapie von Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter. In Teil III werden ausgewählte Infektionskrankheiten ausführlicher behandelt und anhand von »Fallbeispielen« praxisnah erläutert. Wesentliche Aspekte werden jeweils in »Merke-Kästen« bzw. als »Tipps für die Praxis« am Ende des Kapitels hervorgehoben. Zu ausgewählten Themen gibt es »Infoboxen«.
Durch vermehrte Forschungsaktivität zum Thema »Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter« und die zunehmende Berücksichtigung älterer Menschen in klinischen Studien ergeben sich ständig neue Erkenntnisse, die sich auch auf Therapieempfehlungen und Präventionsmaßnahmen auswirken. Ergänzend zu diesem Buch ist daher das Hinzuziehen neuerer Literatur und aktualisierter Leitlinien sinnvoll.