Kitabı oku: «Legend (Arizona Vengeance Team Teil 3)»
Sawyer Bennett
Arizona Vengeance Teil 3: Legend
Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen von Joy Fraser
© 2019 by Sawyer Bennett unter dem Originaltitel „Legend (Arizona Vengeance, Book #3)“
© 2022 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
info@plaisirdamourbooks.com
© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg
(www.art-for-your-book.de)
© Coverfoto: Shutterstock.com
ISBN Print: 978-3-86495-542-6
ISBN eBook: 978-3-86495-543-3
Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.
Dieser Roman darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Anmerkung der Autorin
Autorin
Kapitel 1
Legend
Als ich in die Straße einbiege, kommt sofort das Strahlen von Peppers Haus in Sicht. Es überrascht mich nicht, dass sich ihr Haus einen Tag nach Thanksgiving wie magisch in ein psychedelisches Weihnachtswunderland verwandelt hat. Komplett mit farbigen Lichterketten in jedem Winkel, einem riesigen Plastikweihnachtsmann mit seinen Rentieren auf dem Dach und Lautsprechern an den Bäumen, aus denen Weihnachtslieder schallen. Es gibt sogar einen großen, sich drehenden Schneemann, der alle paar Minuten Kunstschnee in die Gegend bläst.
Die Krönung ist jedoch eine lebensgroße biblische Krippe im Vorgarten, voll ausgestattet mit Maria, Josef, Jesus, Esel, Kuh, zwei Schafen und drei Kamelen mit den drei Weisen aus dem Morgenland auf den Rücken. Die Szene wird von Scheinwerfern angestrahlt.
Mit knirschenden Zähnen biege ich auf die Einfahrt. Ich kann nichts dagegen sagen, weil mich Pepper an Thanksgiving im Poolbillard total fertiggemacht hat. Was bedeutet, dass ich mich nicht mal beim Hauseigentümerverein über sie beschweren kann. Also muss ich das Wochenende bei geschlossenen Rollos verbringen, um nicht von ihrem Haus geblendet zu werden.
Was nicht bedeutet, dass sie nicht noch etwas anderes auf Lager haben wird, um mich zu ärgern. Dafür scheint diese Frau zu leben. Entweder, indem sie mir eine Schar rosa Plastikflamingos in den Garten stellt, oder, indem sie mich schlicht mit ihrem schönen Gesicht und dem umwerfenden Körper in den Wahnsinn treibt. Ich sollte nicht so oft an sie denken, doch mich hat noch nie jemand gleichermaßen fasziniert wie genervt.
Mir fällt auf, dass drei Autos in ihrer Einfahrt stehen, was nicht ungewöhnlich ist. Pepper scheint ständig eine Schar Leute zu Besuch zu haben. Sie ist ein ziemlich geselliger Mensch. Sie hat mich sogar schon zu ihren kleinen intimen Soireen eingeladen, aber ich habe jedes Mal abgelehnt.
Das Einzige, was mir in letzter Zeit sonst noch auffiel, ist die Tatsache, dass ich sie nicht mehr mit meinem Teamkollegen Dax zusammen gesehen habe. Zumindest kommt es mir so vor, und ich bin nicht sicher, wie ich das finden soll. Auf keinen Fall bin ich bereit, den kleinen Eifersuchtsstich zuzugeben, wenn er mit ihr zusammen war, denn das wäre geradezu lächerlich. Ich kann die Frau nicht ausstehen.
Mit einem letzten angewiderten Blick auf das Griswold-Haus neben meinem, halte auf meiner Einfahrt und öffne mit der Fernbedienung das Garagentor. Während es langsam hochfährt, fällt mein Blick nach links auf die vordere Veranda. Sieht aus, als ob da ein Paket liegt, aber ich kann es nicht genau erkennen, weil das Licht an der Haustür nicht brennt. Daran denke ich nie, wenn ich den ganzen Tag weg bin und erst abends nach Hause komme. Ich notiere mir in Gedanken, dass ich auf meiner endlosen Liste von Projekten die Installation einer automatischen Sicherheitsbeleuchtung hinzufügen werde.
Aber Moment mal … das ist doch kein Paket. Ich versuche im Lichtschein von Peppers Haus, der nicht ganz bis zu meiner Haustür reicht, etwas zu erkennen.
Es sieht eher nach einem Kleiderhaufen aus. Verwirrt runzele ich die Stirn, steige aus, gehe zögerlich auf die vordere Veranda zu, denn je näher ich komme, desto stärker wird mein ungutes Gefühl.
Ich betrete die erste der drei Stufen zur Veranda, und alles in mir zieht sich zusammen, als ich sehe, dass es sich um eine Decke handelt, in die etwas Kleines eingewickelt ist. Ich werfe einen Blick auf Peppers Haus. Vielleicht ein übler Scherz von ihr. Dann gehe ich hoch und neben dem Bündel in die Hocke. Vorsichtig ziehe ich den Fleecestoff zur Seite.
Ein Baby fängt an zu weinen.
Ein winziges rosa Baby mit zugekniffenen Augen und einem kleinen Mund, der verzogen ist und wimmernde Laute von sich gibt. Vor lauter Schreck taumele ich rückwärts, bleibe mit dem Stiefel an einer Stufe hängen und lande unten auf dem Hintern.
Was zum Geier soll das?
Mit gespreizten Beinen, den Händen und dem Arsch auf dem Rasen, starre ich auf meine Veranda, als hätte ich soeben eine blutende Person gefunden.
Das Baby weint weiter, was mich in Bewegung versetzt. Ich stehe auf, starre das Bündel kurz an und renne dann zu Pepper hinüber. Ich springe über die niedrigen Büsche zwischen unseren Häusern und lande direkt auf ihrer Veranda. Ich schlage so fest mit der Faust gegen ihre Tür, dass der große bunte Gecko aus Blech, der dort hängt, klappert, als würde er gleich abfallen.
Die Haustür geht schnell auf und fast falle ich mit der Tür ins Haus. Pepper lächelt breit, was ihr sofort vergeht, als sie mich sieht. Wenn ich so aussehe, wie ich mich fühle, verwirrt und panisch, hat sie allen Grund, nicht zu lächeln.
Ich deute mit einem zittrigen Finger auf mein Haus. „Baby. Vor der Haustür.“
Peppers Ausdruck wechselt zu perplex und jemand hinter ihr sagt: „Hey, Pepp, ist das der heiße Eishockeyspieler, der nebenan wohnt? Bitte ihn rein, damit er mit uns Scrabble spielt.“
Genau wie ich ignoriert sie diese Person. Ich greife nach ihrer Hand und zerre sie vor die Tür. Dann drehe ich mich um und renne los, und Pepper folgt mir, ohne zu fragen oder zu meckern.
Ich ziehe sie auf meine Veranda und meine Hand zittert noch heftiger, während ich auf das Baby in der Decke deute. Es wimmert immer noch leise.
„Oh mein Gott.“
Pepper reißt sich von mir los und nimmt das Baby auf den Arm. Sie öffnet die Decke weiter und starrt den Winzling an. Sie reicht dem Baby einen Finger, und ich bin erstaunt, als das Kind ihn fest umklammert.
Sie dreht den Kopf zu mir. „Du hast es eben hier gefunden?“
Ich kann nicht sprechen und nicke nur heftig.
„Wo kommt es her?“
Ich schüttele den Kopf und zucke mit den Schultern.
Pepper tritt einen Schritt zurück und schaut auf die Stelle, wo das Kind gelegen hat. Beide sehen wir einen Zettel, der unter dem Bündel gelegen haben muss. Ich hebe ihn auf. Meine Hände zittern noch, als ich ihn auffalte, und ich merke sofort, dass es zu dunkel ist, um ihn zu lesen. Hölzern stakse ich die Stufen hinunter, und das Gefühl des Unbehagens in meinem Magen bringt mich fast zum Kotzen. Ich stelle mich vor den Tahoe, dessen Scheinwerfer noch an sind und die Umgebung erleuchten, und falte das Papier erneut auseinander. Am Rande nehme ich wahr, dass sich Pepper neben mich stellt und mitliest.
Legend,
es tut mir leid, dir das antun zu müssen, aber ich bin nicht in der Lage, unser Kind zu versorgen. Sie ist zwei Wochen alt und ich habe ihr noch keinen Namen gegeben. Mir ist klar, dass das eine Überraschung für dich ist, aber du kannst viel besser für sie sorgen als ich.
Lida
„Du hast ein Baby?“, fragt Pepper leise.
„Nein“, murmele ich. „Ich meine, falls das die Wahrheit ist, dann ja. Aber ich hatte keine Ahnung davon. Ich habe diese Frau nur kurz kennengelernt, als wir mit den Spartans in Florida waren. Ich hatte keine Ahnung, dass sie schwanger war.“
„Wow“, sagt Pepper, als ich sie ansehe. Ihr Blick ist warm und erstaunt. „Das ist ja eine schöne Bescherung, was?“
Mein Blick fällt auf das kleine Mädchen ohne Namen, das Pepper so natürlich wirkend im Arm hat. „Oh ja. Eine Überraschung auf jeden Fall.“
Kapitel 2
Legend
Das darf einfach alles nicht wahr sein.
Ich schaue zum Krankenwagen, wo ein Sanitäter das Baby untersucht. Es weint und ich drehe gleich durch. Ich habe keine Ahnung, ob das Kind wirklich von mir ist, aber das spielt momentan keine Rolle. Das kleine Ding lag völlig einsam und schutzlos auf meiner Veranda, friert wahrscheinlich und hat Hunger und weiß Gott was alles. Himmel noch mal, hier draußen gibt es verdammte Kojoten. Die hätten sie wegschleppen können …
Nein. Daran darf ich gar nicht erst denken.
Würde Lida jetzt plötzlich meine Einfahrt entlangkommen, würde ich sie erwürgen.
Mein Blick fällt auf Pepper, die neben dem Krankenwagen steht und die Szene beobachtet. Ihre Scrabble-Party hat sich sofort aufgelöst, als der Krankenwagen ankam.
Sie kaut auf ihrer Unterlippe und runzelt die Stirn. Fuck sei Dank war sie zu Hause, denn ich weiß nicht mal, wie man ein Baby richtig hält. Mir war nicht mal in den Sinn gekommen, es hochzuheben. Ich bin einfach nur zu Pepper gerannt.
„Mr. Bay“, sagt ein Polizist und ich drehe mich zu ihm um. „Um welche Uhrzeit sind Sie nach Hause gekommen?“
Der Cop, Officer Brandis, ist einer von zweien, die gekommen sind, nachdem ich die 911 angerufen hatte. Er ist beleibt und die Knöpfe seiner Uniform werden über dem Bauch gedehnt. Ich frage mich, zu wie viel solcher Fälle von aufgefundenen Babys er im Jahr gerufen wird. Wahrscheinlich nicht so oft.
„Um etwa Viertel vor neun.“ Ich schaue wieder kurz zum Krankenwagen. Das Baby weint immer noch und zerfetzt mir die Nerven.
„Und wie lange waren Sie nicht zu Hause?“
Mein Verstand rast, und ich brauche einen Moment, um mich zu erinnern, dass es um die drei Stunden her ist, dass ich mit Dax im Stadion Sport gemacht habe. Guter Gott, das Baby könnte ganze drei Stunden hier gelegen haben.
„Und Sie wussten nicht, dass das Ihr Kind ist?“ Er macht sich Notizen auf einen Block.
„Nein“, antworte ich hoffentlich ruhig genug, denn am liebsten würde ich ihn anbrüllen, dass ich natürlich nichts davon wusste.
„Haben Sie Kontaktdaten von Miss Martin?“
„Ich habe Telefonnummer und Adresse“, antworte ich brüsk, denn diese Daten habe ich ihm bereits gegeben. „Wann kommt jemand vom Jugendamt?“
„Bald“, sagt er knapp und stellt mir weitere Fragen.
Wann haben Sie Miss Martin zum letzten Mal gesehen?
Wussten Sie, dass sie schwanger war?
Könnte es ein übler Scherz sein?
„Ein Streich?“ Ich knurre. „Wer legt ein Baby vor eine Tür als einen verfickten Streich?“
Officer Brandis blinzelt überrascht und hat den Anstand, tatsächlich zu erröten. Er hüstelt. „Entschuldigen Sie. Ich versuche nur, an alle Möglichkeiten zu denken und nichts zu vergessen. So etwas ist mir bisher noch nicht untergekommen.“
Ich atme tief aus und fahre mir mit den Fingern durch die Haare. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich ungehalten war. Sie können sich sicher vorstellen, dass ich unter Stress stehe.“
„Absolut“, sagt er mit einem dankbaren Lächeln, weil ich kein blöder Arsch sein will.
Ein Auto fährt hinter den Polizeiwagen und eine Frau steigt aus. Sie kommt direkt auf mich und den Officer zu und wirft nur einen kurzen Blick auf den Krankenwagen.
„Mr. Bay?“ Sie streckt mir ihre Hand entgegen und hat ein Notizbuch unter dem anderen Arm klemmen.
„Ja“, sage ich und wir schütteln uns die Hände.
„Ich bin Louise Mankle.“ Sie drückt kurz zu und lässt meine Hand los. Sie ist schätzungsweise eine Endfünfzigerin und ihr sachlicher Ton ist beruhigend. „Ich bin vom Jugendamt.“
„Schön, Sie kennenzulernen“, antworte ich lahm.
Louise sieht Officer Brandis an. „Wenn Sie nichts dagegen haben, hätte ich gern ein paar Informationen und würde dann gern dem Krankenwagen zur Klinik folgen. Ich bin jetzt für das Kind verantwortlich und muss dabei sein, wenn er oder sie untersucht wird.“
„Es ist ein Mädchen“, sagt Officer Brandis stolz, als ob er schon alles untersucht hätte. Er sieht auf seine Notizen. „Mr. Bay hat das Kind ungefähr um 20:45 Uhr vor seiner Tür gefunden. Es lag ein Zettel dabei, angeblich von einer Lida Martin aus Miami, Florida. Mr. Bay hat bestätigt, dass es sich um ihre Handschrift handelt.“
Louise nickt kurz und sieht mich wieder an. „Mr. Bay … gibt es einen Grund, daran zu zweifeln, dass es sich um Ihr Kind handelt?“
Ich zucke mit den Schultern. Nicht, weil es mir egal wäre, sondern weil ich total überfordert bin. „Ich weiß es nicht. Ich hatte eine intime Beziehung mit Lida. Wir hatten immer geschützten Sex, aber …“
„Das ist ja nicht narrensicher, nicht wahr?“, sagt sie freundlich.
„Nein.“ Meine Wut kommt wieder hoch. „Ich meine, was für eine Art Mensch lässt ein Baby einfach so liegen? Versteht sie nicht, dass das Kind hätte sterben können? Oder von Kojoten gefressen? Und woher hat sie überhaupt gewusst, dass ich heute nach Hause kommen werde?“
Louise sieht mich mitfühlend an und tätschelt meinen Arm. „Das ist wirklich schrecklich. Aber jetzt wird die Kleine medizinisch gut versorgt und wir werden uns um sie kümmern.“
Ich nicke und fahre mir erneut durch die Haare. Ich schaue zum Krankenwagen. Pepper beobachtet mich und in ihrem Blick liegt Sorge.
Ich seufze und wende mich Louise zu. „Was passiert als Nächstes?“
„Ich fahre mit ins Krankenhaus. Sie wird ärztlich untersucht, und wenn alles okay ist, gebe ich sie in eine Notfall-Pflegefamilie, bis die Vaterschaft bestätigt ist. Sie müssen sich einen Speichelabstrich machen lassen.“
Vaterschaft?
Jesus im Himmel, fuck, ich könnte Vater sein?
Ich schaue wieder zu Pepper. Ich weiß nicht, was sie in meinem Ausdruck liest, doch sie kommt zu mir herüber. Ich bin erstaunt, als sie meine Hand nimmt und kurz drückt. Ich habe nicht vor, mich von ihr zurückzuziehen, und erwidere den Druck. „Sie nehmen das Kind mit in die Klinik und ich muss für einen Vaterschaftstest hin.“
Sie nickt und lässt meine Hand los. „Ich fahre dich, okay?“
„Okay“, murmele ich, unfassbar dankbar, diese Frau, die mir sonst ein Dorn im Auge ist, an meiner Seite zu haben.
Mir kommt ein Gedanke und ich wende mich wieder an Louise. „Wenn sie meine Tochter ist, sollte sie dann nicht bei mir sein statt bei einer Pflegefamilie?“
Louise schenkt mir noch ein freundliches Lächeln. „Mr. Bay, wir müssen uns an die Gesetze halten, und Sie sind keine zertifizierte Pflegefamilie. Unsere Familien haben alle ein intensives Training und durchlaufen Hintergrundrecherchen. Aber ich habe schon eine Pflegefamilie angerufen, die wundervoll ist. Ein Rentnerehepaar, das dies schon seit Jahren tut. Dort ist sie in guten Händen.“
Ich nicke stumm, denn ich kann auf keinen Fall heute ein Baby aufnehmen. Ich habe weder ein Kinderbett noch Windeln oder Milch. Und habe immer noch keine Ahnung, wie man ein Baby überhaupt hält.
Ein Sanitäter kommt zu uns herüber. „Wir können jetzt fahren. Das Baby ist stabil und in guter Verfassung.“
„Wunderbar“, sagt Louise. „Wir können Sie in dem Babysitz hinten in meinem Wagen transportieren.“ Das überrascht mich, doch bevor ich Fragen stellen kann, erklärt Louise es mir. „Da die Untersuchung ergeben hat, dass sie gesund ist, ist es viel sicherer für sie, in einem Kindersitz transportiert zu werden als im Arm eines Sanitäters.“
Ich nicke. Das ergibt Sinn. Denke ich.
Louise öffnet ihr Notizbuch und holt eine Visitenkarte heraus. „Wir sehen uns in der Klinik, wo ich den Vaterschaftstest bestelle, aber falls ich es später vergesse, hier sind meine Kontaktdaten. Ich weiß, dass es nicht ideal ist, aber vor dem Ergebnis des Vaterschaftstests können wir leider nichts machen, also schlage ich vor, dass Sie einfach abwarten.“
Das kommt mir nicht wie ein angebrachter Plan vor. Wenn es mein Kind ist, sollte ich dann nicht bei ihr sein, wenn es untersucht wird? Sollte ich sie bei der Pflegefamilie nicht besuchen dürfen?
Als ob sie meine Gedanken lesen würde, fügt sie hinzu: „Mr. Bay, ich weiß, dass es Ihnen schwerfällt, aber nach dem Gesetz ist das Baby jetzt unter dem Schutz des Staates Arizona. Momentan haben Sie praktisch keine gesetzlichen Rechte. Aber möchten Sie sie noch mal sehen, bevor wir fahren?“
Ich bin gleichzeitig entsetzt und erleichtert. Ich nicke schon wieder lahm und dann nimmt Pepper meine Hand und führt mich zum Krankenwagen. Louise folgt uns. Eine junge Sanitäterin legt das kleine Mädchen Louise in die Arme, die mir vorher noch ihr Notizbuch in die Hand drückt.
Ohne zu zögern, nehme ich es ihr ab, trete näher und sehe mir das Baby genauer an. Ich habe mir noch keine Details angesehen, weil ich damit beschäftigt war, durchzudrehen. Jetzt erkenne ich dichtes dunkles Haar, das entweder von mir oder Lida vererbt worden sein könnte. Ihre Augen sind dunkelblau wie meine, aber ich weiß nicht, ob das etwas bedeutet. Sie weint jetzt nicht und starrt irgendwie blicklos hoch zu Louise. Vielleicht weil sie noch so klein ist und nicht versteht, was vor sich geht. Ich will doch schwer hoffen, dass sie es nicht versteht. Dass ihre Mutter sie verlassen und abends vor eine fremde Tür gelegt hat.
Nachdem ich eine Weile das Kind, das meins sein könnte, betrachtet habe, geht Louise zu ihrem Auto. Pepper und ich folgen ihr. Während Louise das Kind in dem Kindersitz festschnallt, fahren Polizei und Krankenwagen ab.
Louise schließt die Tür und ich sehe das Baby durch die Scheibe an. Sie nimmt mir das Notizbuch ab, doch ich wende den Blick nicht von dem Kind. Im Hintergrund höre ich, wie Louise zu Pepper sagt, dass wir durch die Notaufnahme reingehen sollen, wo sie uns treffen wird.
Erst als Louises Auto außer Sichtweite ist, spricht Pepper. „Alles in Ordnung?“
Ich sehe sie an. „Nein.“
„Kann ich mir vorstellen“, sagt sie leise. Dann nickt sie zu meinem SUV hinüber, der immer noch mit Licht dort steht. „Geh dein Auto in die Garage fahren und ich hole schnell meine Handtasche. Auf dem Weg zur Klinik halten wir irgendwo auf einen Kaffee an, okay?“
Ich kann nichts machen, außer zustimmend zu nicken. Meine Welt wurde gerade auf den Kopf gestellt, und ich weiß nicht, ob ich allein in der Lage wäre, zu fahren. Ich könnte Bishop anrufen, aber er könnte nichts anderes tun, als das, was Pepper bereits freiwillig tut.
Ich sehe ihr hinterher, wie sie zu ihrem Haus geht, das vor albernen Weihnachtslichtern strahlt, die mir gar nicht mehr so albern erscheinen.
Mir wird klar, dass es gerade Wichtigeres gibt, worüber ich mir Gedanken machen sollte.