Kitabı oku: «Manchmal kann Glück eben stinken»

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ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-245-8

eBook (epub)-ISBN: 978-3-95464-248-9

Gedruckt in Lettland

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Inhaltsverzeichnis

1.Diskussionen im Dickschädeldialog

2.Verräter und andere Helden

3.Na warte!

4.Entengrütze mit Sonnenschein

5.Würfelhusten

6.Wann ist es soweit?

7.Ein Plan ist besser als kein Plan…

8.Er wedelt … also freut er sich

9.Das Wandern ist des Müllers Lust

10. Bellen ist nur die halbe Miete…

11. Was ist das für eine Rasse?

12. Ellie

13. Wie kommt die Info in den Schädel?…

14. Meine Güte, so schwer isses doch nicht!

15. Angriff der Kinder!

16. Was bist du denn?!

17. Mit dem Hund arbeiten heißt Kommandos beibringen … nicht wirklich!

18. … also unterwirf dich gefälligst!

19. Aggressiv … was ist das eigentlich?

20. Zielgerade

21. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird

22. Was Gutes tun

23. E pluribus unum

24. Geringelte Wollsocken

1. Diskussionen im Dickschädeldialog

Nach absolviertem Tagwerk bekommen die Untertanen gerne als Abendbrot ein variierendes Kaudingsbums wie Kopfhaut, Rindernasen, Hühnerfüße, Ochsenziemer et cetera. Es muss oecotrophologisch nicht immer unbedingt ausgewogen sein. Das sind Chips und Schokolade für Menschen auch nicht.

Das Trio darf sich al gusto etwas aus der Futterschatzkiste wählen und mampfend das Nickerchen einläuten.

Oft sind die Futtermittel dieser Kategorie zur längerfristigen Beschäftigung ausgelegt. Jedoch kann der Verdauungsprozess in den Hintergrund rücken, wenn das Spiel „Schnall es endlich“ revitalisiert wird.

Dem Chef des Rudels geht es simpel um ein Statement. Die Kurze (aktuell ein Jahr und erst seit sechs Monaten im Haushalt) hat den Kabelbrand im eigenen Sicherungskasten im Blick.

Jeder hat sein eigenes Teil. Selber ausgesucht (weil: für am besten befunden).

Aaaaber, irgendwie haben die anderen … etwas anderes.

Was’n wohl?

Wie schmeckt das?

Und wie komme ich da sowohl unauffällig als auch kurzfristig dran?

Während Ellie, alias die Kurze, auf Paddys Büffelhautkleinod schielt, sinniert er schon, wann er ihre Portion kassieren wird. Es geht lediglich um das Wann, nicht um das Ob. Elf Jahre länger leben bringt durchaus Vorteile bei Taktik und Umsetzung.

Die Kurze denkt sich: ich glaub, ich geh jetzt ma los.

Sein Blick sagt souverän: brauchste nicht mehr.

Dann folgen jammernde Winselchen, mit Mini-Seufzern garniert. Sie leidet in Unverständnis und aufwallendem Frust. Wieso will er zwei, wenn er keins frisst? Der spinnt doch!

Er liegt mit seinem Beutepaar in Reichweite und genießt die Show des sich windenden Wurms. Das kann sich schon eine Weile hinziehen, mit diversen Versuchen der Akquise ihrerseits. Antäuschen, vorbeischlängeln, direkter Zugriff, Theater machen, Unruhe ins Rudel bringen, um durch Ablenkung ans Ziel zu gelangen. Doof isse nicht, ihm dennoch nicht gewachsen. Irgendwann geht der Kurzen ein wenig die Luft aus und sie kommt zur Ruhe. Ein Moment der Stille. Für die einen ist es Resignation, für die anderen ein klarer Sieg nach Punkten.

Dann steht er auf und geht lässig weg. Haben ist eben besser als brauchen.

Wollen wollte er es die ganze Zeit nicht.

Ihm ging es lediglich um die Verteilung des besitzanzeigenden Fürwortes. Das ist meins.

Ellies Bemühungen, an die Beute zu kommen, verliehen derselben nur eine erhöhte Wertigkeit. Davon wächst nicht der Kohldampf des Besitzers, aber dessen Stellung. Dazu der entspannte Körper, die teilnahmslose Mimik. Noch weniger Spannung und er würde ausgasen.

Und ich profitiere als amtierende Regierung auch.

Der Lernerfolg Ellies: Ruhe bewahren, abartige Hartnäckigkeit reduzieren und dann lösen sich die Probleme von selbst. Terz machen und einem auf den Sack gehen bringt nichts.

So wird ein neues Familienmitglied in der Kooperative erzogen. Alle machen mit.

Ein gutes Gefühl.

Selber sitze ich in erster Reihe und finde es immer wieder spannend, zu beobachten, wie Hunde untereinander kommunizieren. Man achtet auf den Körper, die Atmung, die Mimik, die Energie der Situation. Und ich muss zum Teil dennoch aufpassen, weil ich mich vor Lachen manchmal nicht halten kann.

Jeder noch so niedliche Hund kann auch eiskalt und fies sein. Wenn es das Gegenüber mit sich machen lässt.


2. Verräter und andere Helden

Normalerweise sprudeln meine Untertanen devot und ausgelassen auf mich zu, wenn ich nach Hause komme. Unsere Omi hüpft mit den Vorderläufen auf einem imaginären Pogostab, der Rudelchef winselt und kriegt beim tiefen Wedeln freudig Schlagseite und der Belgier rotiert standesgemäß unter der Decke. Anspringen fällt aus, wegen is nich. Normalerweise.

Und dann kommt man nach Hause und das Einzige, was einen begrüßt, ist die am Briefkasten liegende Post. Gähnende Leere im Eingangsbereich. Man hört keinen Mucks, man sieht keine Nase, das ist nicht nur bei kleinen Kindern verräterisch. Vorsichtiges Schnüffeln meinerseits, soweit alles gut, niemand hat einen in die Bude gebrummt.

Erstmal alles so wie immer, Schuhe aus, Tasche wegstellen, Schlüssel ans Brett. Noch immer nichts.

Ok, offensichtlich ist da etwas faul. Nicht nur die Monster sind zu faul zum Aufstehen.

Der investigative Teil der Hundehaltung beschäftigt sich nicht nur mit den Fragen, warum ein Hund was macht, sondern auch, warum er etwas nicht macht.

Durch den Flur in die Küche. Der Rudelchef fläzt lässig in der Wohnzimmertür.

Guckt mich an, den Chillmodus cool beibehaltend, blickt wieder gen Wohnzimmer. Jedoch hat es einen Beigeschmack von unauffällig bleiben. Er guckt mich wieder an, dann ins Wohnzimmer, guckt mich an, dann ins Wohnzimmer.

Ok, was es auch ist, so cool ist er bei Kollaboration nicht, also scheint er unbeteiligt zu sein.

Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Ich folge seinem Blick, sehe die Omi. Selbige ist nicht ganz so entspannt wie der sich aalende Hunde-Cheffi, aber das gehört bei ihr zur Werkseinstellung. Dennoch adressiert sie mich, guckt weg, schluckt, leckt sich die Lefzen, guckt wieder weg. Astreine Beschwichtigung, also muss irgendwas passiert sein. Immer in die gleiche Richtung.

Na fein, bei zwei Souffleusen lasse ich meinen Blick mal in die anvisierte Richtung schweifen. Und siehe da, ich weiß immer noch nicht, worum es geht, aber zumindest habe ich eine lauwarme Ahnung, wer es war.

Im Korb zwischen Ohrensessel und Hauswand pumpt ein Maikäfer. Und was für einer. Der hellbraune Maikäfer mit schwarzer Maske und den samtigsten Stehohren kann nicht fliegen, wiegt 23 kg und ihr geht ordentlich die Flatter. Meine Belgierin sitzt angenagelt im Korb und schaut mich an wie eine Kuh, wenn es blitzt. Über ihre Stirn läuft in Leuchtbuchstaben AU BACKE, JETZT ISSE DA.

Ich freue mich ja immer, wenn ich bei meinem Fußvolk eine Reaktion auslöse, aber Ungemach ist nicht vorsätzlich dabei. Zudem weiß ich immer noch nicht, was denn nun der Grund für das emotionale Hoch der beiden Petzen ist.

Nach einem Streifzug durch den vermeintlichen Ort des Geschehens kam der Stein des Anstoßes zum Vorschein. Vom Wohnzimmertisch war ein Stoff-Haargummi gefallen.

Auch Hunde können aus einer Mücke einen Elefanten machen. Der Couchtisch ist niedrig, da reicht es, wenn im Vorbeigehen die Rute ihr Ding durchzieht. Ein Wisch plus Schwerkraft und da haben wir den Salat.

Es ist nichts Schlimmes und selbst wenn, es ist passiert. Und die Reaktion sollte darauf auch entsprechend sein.

Man legt das Objekt zurück, schnauft beruhigend ab, entspannt die Mimik (auch, wenn man sich eigentlich amüsiert) und lädt die Hunde zu sich ein. An den Tatorttisch des Geschehens, in die Nähe des Stoffkollateralschadens.

Brutus und Brutine, das pelzige Verrätergespann, werden genauso dazu gebeten wie der Malinois, der sich am liebsten in Luft aufgelöst hätte. Eine stressige Situation wird gemeinschaftlich und ruhig aufgelöst, der Mensch zeigt, dass alles halb so wild ist. Wegen eines Haarbandes sauer werden ist zum einen nicht der Rede wert, zum anderen habe ich das gar nicht nötig.

Wenn mich eine Haarbandlappalie aus der Reserve lockt, was bin ich dann im Ernstfall für eine Niete?

Man hätte sich wegen des Gefallenen aufregen können, den Hunden das Teil erzürnt präsentieren können, allen den gleichen Anranzer verpassen können. Schließlich gilt es doch landläufig als respektlos, sich an den Sachen des anderen zu vergreifen. Aber warum?

Etwas fällt runter, man hebt es auf. Einer baut Mist, es wird korrigiert. Ein Versehen geschieht und man macht es ungeschehen.

Obwohl gerne und häufig propagiert wird, dass Hunde kein Gefühl für Falsch und Richtig haben oder Handlungen nicht bewerten, erlebe ich es immer wieder.

Das Haarband fällt und 1 und 2 des Rudels wissen, dass 3 sich an den Klotten der Regierung vergangen hat. Nicht vorsätzlich, sonst wäre das Teil zur Unkenntlichkeit durchgekaut, vollgelüllert und im eigenen Korb gebunkert worden.

Kommt nun die Regierung nach Hause, können sie sich ganz relaxt der Vorstellung widmen, wie die 3 Blut und Wasser schwitzt. Sie verpfeifen sogar den Belgier, wähnen sich in Sicherheit.

Die Verteilung der Rollen war schon klar, da hatte ich noch keinen Fuß im Haus. Wäre es eine Reaktion auf mich gewesen, hätten mich alle begrüßt und sich dann rubbeldikatz verpieselt, sobald ich den Fauxpas erblickt und darauf eine Reaktion gezeigt hätte.

Das war kein Einzelfall, auch unser Neuzugang Ellie zeigt solches Verhalten. Seit sie bei uns ist, wurde Stufe für Stufe das Alleinbleiben geübt. Wohlgemerkt, die Wuffis sind nun zu viert allein. Manchmal geht durch unseren Gehirnazubi etwas kaputt, manchmal geht viel kaputt. Manchmal auch gar nichts. Was bei ihr jedoch immer gleich ist, wenn ihr schreddernder Kiefer etwas annektiert hat: sie parkt unter dem Esszimmertisch und lugt, in Spannung ausharrend, hervor. Nähert man sich dem Opfer, zum Beispiel einem Sofakissen, was von ihr runtergefallen worden ist, steigt die Spannung. Da wird dann gerne ein kurzintervalliges Zittern nachgelegt, ein wenig rumgefiept und zum Zwinkern bleibt keine Zeit mehr.

Ich nehme das Kissen in die Hand, sie fällt ins Wachkoma.

Das Kissen wird wieder aufs Sofa gelegt, ich breite meine Arme aus, die Augen werden leicht mandelförmig, der Körper steht tendenziell seitlich und ich lade sie ein. Dann guckt die Kurze ganz ungläubig, als ob gleich ein Team von der „Versteckten Kamera“ um die Ecke kommt, und hopst mir freudig entgegen. Wieder ein schöner Tag, um von der Menschin mit Führungsanspruch überrascht zu werden.


3. Na warte!

Paddy, ein Border-Collie-Husky-Mix, kam mit sechs Wochen zu uns. Das ist nicht das richtige Alter, um als Welpe die Mutter und den Wurf zu verlassen. Jedoch war die Vorlage des Halters: Was jetzt nicht abgeholt wird, kommt ins Tierheim. Der Wurf war groß, die Wohnung nicht und die Bande hatte dem Mann das Interieur in Grund und Boden gewohnt.

Wir holten den kleinen Racker ab, machten auf der Rückfahrt alle Stunde eine Pause und soweit lief alles gut.

Unser erster Welpe.

Im Haus, damals war er der erste Vierbeiner (von lebenslang und begleitenden Familienhunden mal abgesehen), gefiel es ihm recht gut und insgesamt war der Knopf mehr als nur gewillt, sein Quäntchen zum Sozialgefüge beizutragen.

Die ersten Spaziergänge, die stetig immer ausgedehnter wurden. Bekanntschaften knüpfen, Lebensformen kennenlernen. Zwischendurch immer Nickerchen, damit der Geist nicht abraucht, sich der Körper erholen und das Gehirn das Gelernte verarbeiten kann.

So weit, so gut.

Wenn da nicht dieses eine Aber gewesen wäre. Er fraß eher mäßig. Anfangs gierig und zuverlässig, dann etwas schlechter. Gut, kann mal vorkommen. Der Kohldampf ist nicht jeden Tag gleich. Das hängt von vielen Parametern ab, wie zum Beispiel Bewegung, Angebot, Wachstum, Beschäftigung, Neid, Hormonstatus und so weiter.

Mit fünfzehn Wochen wurde es zum Teil bedenklich. Da steht die kleine Puderquaste vor einem, die Mini-Plauze gurgelt mangels Füllstand, und dennoch kriegt Hundi die Zähne nicht auseinander.

Ein kurzer Check: Nase gut, Puls gut, Körpertemperatur gut, Augen klar und glänzend, Pfoten warm … scheint soweit gesund zu sein. Na gut, wenn er jetzt nicht will, dann warten wir ein wenig. Somit kam das Futter wieder weg. Trotz massiver Knochen kann ein Gesicht länger werden, wenn Schnuffi die lukullische Collage schwinden sieht.

Das mehr und mehr sporadisch werdende Futter wurde nun via Ausschlussverfahren eruiert.

Was frisst er, was nicht. Was manchmal, was immer. Was gerne, was eher aus Höflichkeit (so zumindest der Eindruck, wenn er gnädig darauf rumkaute).

Zwar verlor der kleine Hund ein wenig Gewicht, aber nichts, was besorgniserregend war. Der Welpendurchschnitt ist eine konsequente Zunahme, wegen der Mischung aus Wachstum und Kohldampf. Mal stagniert es ein wenig, dann wird weitergespachtelt und das Gewicht geht nach oben.

Bei Paddy wurde die Mahlzeit jedoch immer mehr zum zu absolvierenden Tagespunkt. Ok, dann kommen jetzt die harten Bandagen. Wenn Butter nicht geht, dann geht nichts mehr. Butter verfolgt ein ähnliches Konzept wie Schokolade beim Menschen. Süßes Fett, noch Fragen?

Butter ging. Was geht denn noch? Nassfutter ohne Trockenfutter, erst aus dem Napf, später nur noch aus der Hand. Noch später saß man beim Vieh auf den Fliesen.

Und da kommt ein bekanntes Problem, welches Branchen übergreift, ins Spiel. Betriebsblindheit.

Das Füttern wurde mehr und mehr zum Drama, denn dem kleinen Wurm darf es doch an nichts fehlen. Der muss doch mehr brauchen als für nen hohlen Zahn. Oder er verarscht uns nach Strich und Faden.

Verdammte Axt, das geht so nicht. Also das Kummerküken eingepackt und mit Paddy zum Onkel Doktor gefahren.

Beim Paddy-ater, unserem seit Jahrzehnten geschätzten Veterinärmediziner, wurde nach einem physischen Check-up noch ein wenig Blut abgezapft. Der Körpersaft ist aufschlussreich und seine Untersuchung entlarvt manches Geheimnis. Der Doktor zog das Objekt der Besorgnis durch seine kompetenten Finger. Das Ergebnis vom Blutbild sollte am nächsten Tag da sein. Soweit war mit dem kleinen Allwetter-Mikrofon alles paletti.

In unserem Fall war das Geheimnis keines. Der Köter war blitzgesund! Dickköpfig und mit einer Michelin-Ader wollte der Feinkostschmarotzer nur seine Mahlzeiten optimieren.

Er weiß, was er will und das zieht er dann beinhart durch.

Für Paddy ist das souverän und gut, das bringt nur für die zukünftigen Jahre ein krasses Potenzial an Grundsatzdiskussionen mit sich.

Der Border macht ihn fit im Oberstübchen, der Husky anteilig bestimmt bis kurz vor verbohrt. So ist das eben, wenn man sich entscheiden muss, in welche Richtung man bei zweistelligen Minusgraden rennt. Man trifft eine Entscheidung und lebt damit. Oder eben nicht mehr so lange.

Paddy hatte festgestellt, dass er beim Rumbocken immer andere Optionen für seinen kleinen Kullerwanst bekommt, die nicht zwangsläufig schlechter sind als das, was einem die Regierung in wachsender Verzweiflung beim letzten Dinner präsentierte. Da wäre man doch doof, den Gaul nicht zu reiten, bis er umfällt.

Außerdem änderte der Gaul die Präsentation der Tageskalorien von einem Napf, über diverse Napfvariationen und Orte in Handfütterung mit tendenziell verzweifelter Ausstrahlung.

Super, wenn die eigene Funktion als Nabel der Welt endlich vom Zweibeiner anerkannt wird. Schade, dass Menschen so lange für diese Erkenntnis brauchen.

Dumm nur, dass sich der Hottemax für einen ruckartigen Abwurf entschieden hat. Das Blutbild war ausgewertet, dem Tyrann für Anfänger fehlte nichts.

Noch nichts.

Mit dem Ergebnis im Bewusstsein änderte sich Zuhause etwas für Paddy.

Trockenfutter.

Nur Trockenfutter, als Hauptmahlzeit. Gut, dass der Hund keine Waffe besaß, sonst wäre ich standesrechtlich erschossen worden. Trockenfutter ist schon ein Affront gegen das Selbstverständnis des Dickfelligen. Dein popeliges Trockenfutter kannst du mal schön selber fressen! In deutlicher Reaktion verneinte er das offerierte Mahl. Gut, dann nicht.

Nichts, um genau zu sein.

Für die nächsten zwölf Stunden.

Aber so ein armer kleiner Hund, den kann man doch nicht auf Nulldiät setzen! Hab ich auch nicht, denn die Futterabstände haben sich lediglich vergrößert und Wasser gab es in Hülle und Fülle. Man muss sich nur mal die traurigen Augen angucken, wie enttäuscht er doch ist. So, wie der Manipulator guckte, hatte er locker schon beim Kreisveterinär angerufen und die kalorienfreie Haltungsform gemeldet.

Schlecht gelaunt brummelte sich der Flauschomat durch den Tag. Man kann ja winselnd immer wieder anklopfen. Findet nur kein Gehör.

Nach dem ersten Intervall der Selbstkasteiung kam wieder Futter ins Spiel.

Sie geht in die Küche, holt den Napf, raschelt an der Tüte … Speichelsturz aktiviert und auf die Socken gemacht. Aber wofür? Schon wieder Trockenfutter.

Persönlich beleidigt zog der Dickfellige von dannen.

Die Alte schnallt es einfach nicht!

Es geht nicht darum, via erzeugtem Nahrungsentzug dem Hund den eigenen Willen aufzuzwingen. Aber wenn man nur Appetit auf Spirentzchen hat, dann ist es Appetit, kein Hunger. Fehlt nur noch, dass man dem Verzogenen eine Pfauenfeder neben das Mahl, zur Erleichterung seiner selbst, reicht.

Hundi war mittlerweile nicht mehr so wirklich beschwingt unterwegs. Denken ist anstrengend. Mit Kohldampf noch mehr. Um dem Ganzen nicht den Touch von Schikane zu verleihen, bietet es sich an, die Kalorienpause als Mensch mitzumachen. Theoretisch.

Das zweite Zeithäppchen war vorbei. Nun hatte der gnädige Herr in 24 Stunden nichts bekommen. Nicht meinetwegen, sondern wegen seines verbohrten Gaumens und seines Praktikums als Pseudoimperator.

Ich ging in die Küche, holte einen Napf, etwas Trockenfutter rein. Dicht hinter mir stand der Flauschomat mit dem Dickschädel.

Mit dem Napf an den Platz des Fressens. Pott abgestellt. Einen Schritt zurück. Paddy guckte mich an, guckte auf seine Ration und fing mit langen Zähnen an zu mampfen.

Die Oma hat es schon gesagt: Hunger ist der beste Koch.


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