Kitabı oku: «Das Landhaus in Hamshire»
Sir Arthur Conan Doyle
Das Landhaus in Hamshire
Saga
Das Landhaus in HamshireCoverbild/Illustration: Shutterstock The Adventure of the Copper Beeches
Copyright © 1892, 2020 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont
All rights reserved
ISBN: 9788726619003
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 2.0
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Lachend legte Holmes die letzte Nummer des „Telegraph“ aus der Hand. Eine gute Zigarre — hm, das wäre auch für ihn jetzt kein schlechter Gedanke. Er angelte mit dem Fuss den Rauchtisch näher heran, schnupperte in den verschiedenen Kistchen herum und wählte endlich eine schwarze Brasil aus, die er mit Wohlgefallen zu rauchen begann.
Endlich kehrte Watson zurück. „Man kommt kaum vom Fleck vor Nebel“, sagte er.
„Nun — ging alles gut mit dem Kind?“ erkundigte sich Holmes.
„Danke, besser als ich dachte. Es gab ein paar tüchtige Schrammen zu nähen, aber die Kleine hielt ganz tapfer stand.“
„Du warst so lange weg“, meinte Holmes.
„Ja, weisst du, ich habe mir dann den Mann gleich vorgeknöpft, der das Kind angefahren hat. Da war nämlich nicht mal ’n Stück Brot im Hause bei der Kleinen.“
„Und hattest du Erfolg?“
„Ja — man konnte ganz vernünftig mit ihm sprechen. Aber du, Holmes, womit hast du dir inzwischen die Zeit vertrieben?“
„Oh — mir war es durchaus nicht langweilig. Ich habe Zeitungsartikel gelesen — höchst interessante Artikel!“
Watson warf einen etwas verlegenen Blick auf die durcheinandergeratenen Nummern des „Telegraph“.
„Ja — so kommt alles ans Licht, mein lieber Watson“, sagte Holmes und zwinkerte lustig mit den Augen. „Aber du hast deine Sache nicht so übel gemacht. Vor allem hat es mir wirklich gefallen, dass du dabei nicht den alleinigen Wert auf die sensationellen Fälle gelegt hast, sondern dich auch der kleinen, wenn auch nicht alltäglichen Fälle angenommen hast. Denn sie sind es ja, die mir meist mehr Gelegenheit zu den streng folgerichtigen Beweisführungen und Schlüssen geben, die meine eigenste Spezialität bilden.“
„Und doch“, versetzte Watson, „kann ich mich selbst nicht ganz von dem Vorwurf der Sensationssucht freisprechen, der gegen meine Berichte schon erhoben worden ist.“
„Du hast vielleicht den Fehler gemacht“, fuhr Holmes fort, während er mit einem Stückchen glühender Kohle aus dem Kamin eine neue Zigarre anbrannte, „du haft vielleicht den Fehler gemacht, dass du dich bemüht hast, allen unseren Leistungen Farbe und Leben zu verleihen, statt dich auf die Darstellung meiner streng logischen Schlussfolgerungen von der Ursache auf die Wirkung zu beschränken, die in Wirklichkeit das einzig Bemerkenswerte an der ganzen Sache bilden.“
„Ich denke doch, ich habe dir dabei volle Gerechtigkeit angedeihen lassen“, entgegnete Watson etwas kühl, denn ihm war das starke Selbstgefühl zuwider, welches einen ziemlich ausgesprochenen Zug in Sherlock Holmes merkwürdigem Charakter bildete.
„Nein, es ist nicht Eigenliebe oder Einbildung von mir“, bemerkte Holmes darauf, indem er nach seiner Gewohnheit nicht allein Watsons Äusserung beantwortete, sondern zugleich auch das, was dieser sich dabei gedacht hatte. „Wenn ich volle Gerechtigkeit für meine Fähigkeiten verlange, so tue ich das, weil ich sie als etwas Unpersönliches — als etwas über mir Stehendes betrachte. Verbrechen kommen alle Tage vor, streng folgerichtiges Denken findet sich selten. Deshalb hättest du dich mehr bei dem letzteren aufhalten sollen. Statt einer Reihe belehrender Vorträge sind unter deiner Hand ganz gewöhnliche Geschichten entstanden.“
Watson stand auf und blickte zum Fenster hinaus. Noch immer wallte ein dicker Nebel zwischen den Häuserreihen.
„Sensationssucht“, fuhr Holmes nach einer langen Pause in seiner Vorlesung über Watsons schriftstellerische Missgriffe fort, während er den Rauch seiner Zigarre in die Luft blies, „Sensationssucht wird man dir übrigens kaum zur Last legen können; handelt es sich doch bei einem guten Teil der Fälle, die du behandelt hast, gar nicht um Verbrechen im strengen Sinne des Wortes. Eher bist du vielleicht über dem Bestreben, dem Sensationellen aus dem Wege zu gehen, ins Alltägliche verfallen.“
„Dies lässt sich wohl manchmal von dem Ausgang sagen, die Methode aber, nach der die Behandlung der Fälle erfolgte, war stets eigenartig und interessant, dabei bleibe ich“, entgegnete Watson.
„Ach was, mein lieber Junge, was kümmert sich das Publikum, das grosse, oberflächliche Lesepublikum, um die feineren Schattierungen streng logischer Ableitung und Schlussfolgerung! Aber wahrhaftig, wenn deine Erzählungen trivial ausfallen, so kann man dir keinen Vorwurf daraus machen, denn die Tage der grossen Fälle sind vorüber. Die Menschheit, oder zum wenigsten die Verbrecherwelt, hat alle Kühnheit und Originalität verloren. Meine eigene bescheidene Praxis befindet sich allem Anschein nach auf dem besten Wege, zu einem Fundbüro für verlorene Gegenstände und zu einer Auskunftsstelle für Schullehrerinnen herabzusinken. Schlimmer kann es übrigens jetzt wohl kaum mehr werden. Mit dieser Zuschrift, die ich heute früh erhielt, dürfte ich vermutlich beim Nullpunkt angelangt sein. Da, lies!“ Damit warf Holmes mir einen ganz zerknitterten Brief hin. Er war den Abend vorher am Montague-Platz geschrieben und lautete:
Werter Herr Holmes!
Ich bin im Zweifel, ob ich eine mir angebotene Erzieherinnenstelle annehmen soll oder nicht, und möchte sehr gerne Ihren Rat in der Sache in Anspruch nehmen. Wenn ich Sie nicht störe, werde ich morgen vormittag um halb elf Uhr bei Ihnen vorsprecher.
Ihre ergebene
Violet Hunter.
„Kennst du die Schreiberin?“ fragte Watson.
„Nein.“
Watson meinte: „Die Sache kann vielleicht interessanter ausfallen, als du denkst; du erinnerst dich doch der Geschichte mit dem blauen Karfunkel 1 , die sich zuerst ganz wie eine Posse ausnahm und sich dann zu einem wichtigen Kriminalfall entwickelte. So kann es diesmal auch gehen.“
„Nun, wir wollen hoffen!“ sagte Holmes. Dann trennten sie sich und gingen zur Ruhe.
Am nächsten Morgen, pünktlich zur angekündigten Stunde betrat die Schreiberin des Briefes das Haus. Es war ein junges Mädchen, einfach aber hübsch gekleidet, sie hatte ein frisches aufgewecktes Gesicht voll Sommersprossen und verriet durch ihr entschiedenes Auftreten, dass sie sich bis dahin allein hatte durch die Welt schlagen müssen.
„Sie nehmen mir doch nicht übel, dass ich Sie belästige?“ begann sie, als Holmes sich erhob, um sie zu begrüssen; „aber es ist mir etwas sehr Sonderbares begegnet, und da ich keine Eltern oder sonstige Angehörige habe, die ich um Rat fragen könnte, so dachte ich, Sie wären vielleicht so freundlich, mir zu sagen, was ich tun soll.“
„Bitte, nehmen Sie Platz, Fräulein Hunter. Ich stehe Ihnen gerne in jeder Weise zu Diensten.“
Es war wohl zu sehen, dass Holmes sich von dem Wesen und der Ausdrucksweise seiner neuen Klientin angenehm berührt fühlte. Er liess den Blick prüfend über sie hingleiten und setzte sich dann mit gesenkten Lidern und aneinandergelegten Fingerspitzen zurecht, um ihrer Geschichte zuzuhören.
„Ich war fünf Jahre lang Erzieherin in der Familie des Obersten Spence Munro“, begann sie. „Allein vor etwa zwei Monaten erhielt der Oberst einen Posten in Halifax in Neu-Schottland und nahm seine Kinder mit, so dass ich meine Stelle verlor. Längere Zeit suchte ich durch die Zeitungen nach einem passenden Platz, jedoch ohne Erfolg. Zuletzt begann die kleine Summe, die ich mir erspart hatte, auf die Neige zu gehen, und ich wusste mir nun nicht mehr zu helfen.
In dem bekannten Westawayschen Stellenvermittlungsbüro im Westend pflegte ich so ziemlich jede Woche einmal nachzufragen, ob sich nicht etwas für mich gezeigt habe. Als ich nun vorige Woche von der Inhaberin des Büros, Fräulein Stoper, in ihr Privatkontor gerufen wurde, fand ich einen Herrn an ihrer Seite sitzen. Er war von ungeheurer Körperfülle, und sein mächtiges Kinn fiel ihm in mehrfachen Falten auf die Brust herab; dabei hatte er sehr freundliche Züge und trug einen Zwicker auf der Nase, durch den er die eintretenden jungen Damen angelegentlich musterte.
Bei meinem Eintritt schnellte er förmlich von seinem Stuhl empor und wandte sich hastig zu Fräulein Stoper. ,Das ist die Rechte,‘ sagte er, ich könnte gar nichts Besseres finden. Herrlich, herrlich!‘ Er schien ganz entzückt, rieb sich die Hände vor Vergnügen und machte einen solchen Eindruck von Wohlbehagen, dass es eine wahre Freude war, ihn anzuschauen.
,Sie wollen sich nach einer Stelle umsehen, Fräulein?‘ redete er mich an.
,Jawohl.‘
„Als Erzieherin?‘
,Ja.‘
,Und welches sind Ihre Gehaltsansprüche?‘
,In meiner letzten Stelle, bei Oberst Munro, hatte ich vier Pfund monatlich.‘
,Oh, ho, ho! Eine wahrhaft schlechte Bezahlung!‘ rief er, mit seinen fetten Händen in der Luft herumfahrend, als befände er sich in höchster Aufregung. ,Wie kann man nur einer Dame von so hervorragenden Eigenschaften und Leistungen eine so lächerliche Summe bieten!‘
„Meine Leistungen sind doch vielleicht nicht so bedeutend, als Sie glauben‘, bemerkte ich. ,Etwas Französisch, etwas Deutsch, Musik und Zeichnen.‘ —
,Ach, das kommt bei mir alles nicht in Frages‘, rief er. ,Ob Sie Erscheinung und Benehmen einer Dame von Stand haben oder nicht, darauf allein kommt es an. Ist dies nicht der Fall, so eignen Sie sich nicht zur Erziehung eines Kindes, dem eines Tages vielleicht eine wichtige Rolle in der Geschichte des Landes zufallen wird. Trifft es aber zu, wie konnte Ihnen dann ein anständiger Mann zumuten, sich mit weniger als hundert Pfund zu begnügen? Bei mir würde Ihr Gehalt mit diesem Betrage beginnen.‘
Sie können sich vorstellen, Herr Holmes, dass mir in meiner bedrängten Lage dies Angebot so verlockend erschien, dass ich kaum meinen Ohren traute. Der Herr jedoch, der vielleicht den ungläubigen Ausdruck auf meinem Gesicht bemerkte, nahm nun eine Banknote aus seiner Brieftasche.
„Es ist ausserdem meine Gewohnheit‘, fuhr er fort und verzog dabei sein Gesicht zu einem so liebenswürdigen Lächeln, dass seine Augen nur noch wie zwei glänzende Streifen zwischen den sie umgebenden Falten hervorblitzten, meinen jungen Damen die Hälfte ihres Gehaltes im voraus einzuhändigen, damit ihnen die kleinen Auslagen für die Reise und für ihre Garderobe nicht schwer fallen.‘
Eine derartige Liebenswürdigkeit und Rücksicht war mir, soweit ich mich erinnern konnte, in meinem ganzen Leben noch nirgends vorgekommen. Da ich bereits Schulden bei meinen Bekannten hatte, so kam mir der Vorschuss sehr gelegen; aber trotzdem lag etwas Unnatürliches in dem ganzen Handel, das in mir den Wunsch erweckte, noch einiges Nähere zu erfahren, ehe ich mich völlig band.
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