Kitabı oku: «Der geheimnisvolle Mord im Thale von Boscombe»
Sir Arthur Conan Doyle
Der geheimnisvolle Mord im Thale von Boscombe
Saga
Der geheimnisvolle Mord im Thale von BoscombeCopyright © 1891, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726372397
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Der geheimnisvolle Mord im Thale von Boscombe.
Wir sassen eines Morgens beim Frühstück, meine Frau und ich, als uns das Dienstmädchen eine Depesche hereinbrachte. Sherlock Holmes telegraphierte folgendes:
„ Hast du zwei Tage frei? Werde soeben telegraphisch nach Westengland gerufen wegen des Mordes im Thale von Boscombe. Freute mich, wenn du mitkämest. Luft und Gegend köstlich. Ab Paddington 11. 15.“
„Was meinst du, lieber Mann, fährst du mit?“ fragte meine Frau, zu mir herüberblickend.
„Ich weiss wirklich nicht, was ich sagen soll; meine Krankenliste ist eben jetzt ziemlich lang.“
„Ach was, Anstruther wird dich vertreten. Du siehst in letzter Zeit etwas angegriffen aus, und ein Ausspannen thut dir gut; überdies interessieren dich ja Sherlock Holmes’ Fälle stets ganz besonders.“
„Wie sollten sie auch nicht, da ich ja einem derselben deine Bekanntschaft verdanke. Soll ich aber wirklich mit, so muss ich mich beeilen, es bleibt mir ja nur eine halbe Stunde.“
Das Lagerleben in Afghanistan hatte wenigstens den Vorteil gehabt, aus mir einen jederzeit fix und fertigen Reisenden zu machen. Ich brauchte nicht viel unterwegs, sass deshalb bald mit meiner Reisetasche im Wagen und rollte dem Bahnhof von Paddington zu. Sherlock Holmes schritt bereits dort auf und ab; seine hohe, hagere Gestalt erschien im langen, grauen Reisemantel und in der knappen Tuchmütze noch grösser und abgemagerter als sonst.
„Das ist wirklich hübsch von dir, dass du kommst, Watson,“ sagte er. Für mich ist’s ein grosser Vorteil, einen ganz zuverlässigen Begleiter bei mir zu haben. Hilfe am Ort ist stets entweder wertlos oder parteiisch. Willst du zwei Eckplätze belegen, so hole ich die Fahrkarten.“
Wir blieben allein im Wagen mit einem ganzen Stoss Zeitungen und Papieren, die Holmes mitgebracht hatte.
Bis zur Station Reading blätterte er hin und her, las, schrieb Notizen auf und dachte dazwischen nach. Dann raffte er plötzlich alles zusammen und warf es oben in das Gepäcknetz.
„Hast du schon von dem Fall gehört?“ fragte er.
„Kein Wort; ich las in den letzten Tagen keine Zeitung.“
„Die Londoner Presse brachte wenig ausführliche Berichte. Ich sah soeben die neuesten Zeitungen durch, um die Einzelheiten zu überblicken. Wie mir scheint, ist es einer jener ganz einfachen Fälle, die so ausserordentlich schwierig sind.“
„Das lautet etwas widersprechend.“
„Und doch liegt tiefe Wahrheit darin. Je weniger absonderlich, je gewöhnlicher ein Verbrechen ist, desto schwieriger lässt es sich entdecken. In diesem Fall liegt eine schwere Anklage gegen den Sohn des Ermordeten vor.“
„Also handelt es sich um einen Mord?“
„Wenigstens nimmt man einen solchen an. Ich aber nehme nichts an, ehe ich nicht die Sache persönlich geprüft habe. Ich will dir in aller Kürze den Thatbestand mitteilen, soweit ich ihn selbst zu erkennen vermag.
„Das Thal von Boscombe ist ein Landbezirk, nicht gar weit von Ross in Herefordshire gelegen. Der grösste Landbesitzer dort ist ein Herr John Turner, der in Australien reich wurde und vor Fahren in die alte Heimat zurückkehrte. Eines seiner Güter, es heisst Hatherley, war an Herrn Charles Mc. Carthy verpachtet — gleichfalls ein ehemaliger Australier. Die beiden Männer hatten sich in den Kolonien kennen gelernt, und so war es begreiflich, dass sie sich möglichst nahe beisammen niederliessen. Turner war offenbar der reichere von beiden, deshalb wurde Mc. Carthy sein Pächter, was ihn jedoch nicht abgehalten zu haben scheint, auf völlig gleichem Fusse mit jenem zu verkehren. Mc. Carthy hatte einen Sohn von achtzehn Jahren, Turner eine Tochter in gleichem Alter, und beide waren Witwer. Sie scheinen jeden Verkehr mit den englischen Familien der Umgegend gemieden zu haben und lebten sehr zurückgezogen, obwohl Vater und Sohn Mc. Carthy den Sport liebten und sich oft bei den Pferderennen der Nachbarschaft einfanden. Mc. Carthy hielt zwei Diensthoten, einen Diener und eine Köchin, während Turner deren weit mehr, wenigstens ein halbes Dutzend, im Hause hatte. Das ist so ziemlich alles, was ich über die Familien zu erfahren vermochte. Und nun zu den Thatsachen, die mit dem Verbrechen selbst zusammenhängen.
„Am 3. Juni — also vorigen Montag — verliess Mc. Carthy sein Haus in Hatherley, ungefähr um 3 Uhr nachmittags, und ging hinab nach dem Boscombe-Teich, einem kleinen See, der durch die plötzliche Verbreiterung des Flusses unten im Thal entsteht. Am Morgen war er mit seinem Diener in Ross gewesen und hatte sich diesem gegenüber geäussert, er müsse sich beeilen, weil er auf 3 Uhr eine wichtige Besprechung verabredet habe; von dieser kehrte er nicht mehr lebendig zurück.
„Das Pachthaus Hatherley liegt eine Viertelmeile vom Teich entfernt, und auf dem Wege dahin wurde. Mc. Carthy von zwei Personen gesehen: von einer alten Frau, deren Name nicht genannt wird, und von William Crowder, einem Wildhüter im Dienste Herrn Turners. Beide Zeugen sagen aus, dass Mc. Carthy allein ging. Der Wildhüter fügt hinzu, er sei, wenige Minuten nachdem Mc. Carthy vorübergegangen, auch dessen Sohne, John Mc. Carthy, mit einer Flinte unterm Arm, auf demselben Wege begegnet, und er glaubt gewiss, der Vater müsse noch in Sicht gewesen sein, als ihm der Sohn folgte.
„Er habe nicht weiter an die Sache gedacht, bis er abends von dem schrecklichen Ereignis hörte.
„Auch noch später wurden die beiden Mc. Carthy gesehen, nachdem sie der Wildhüter aus den Augen verloren hatte. Der Boscombe-Teich ist rings von dichtem Wald umgeben, nur hart am Ufer wächst ein Streifen Gras und Rohr. Patience Moran, die Tochter des Gutsaufsehers von Boscombe, war gerade im Walde, um Blumen zu pflücken. Sie sagt aus, dass sie von dort Herrn Mc. Carthy und seinen
Sohn dicht am Teich in augenscheinlich heftigem Streit gesehen habe; sie hörte, wie der Vater dem Sohn sehr harte Worte zurief, und sah auch, dass letzterer die Hand erhob, als wolle er den Vater schlagen. Ueber die Heftigkeit der beiden Männer erschrocken, rannte das junge Mädchen nach Hause, erzählte der Mutter, was sie bei dem Boscombe-Teich gesehen, und äusserte ihre Befürchtung, die beiden könnten zu Thätlichkeiten übergehen. Kaum hatte sie dies gesprochen, so stürzte auch schon der junge Mc. Carthy herbei. Er rief, er habe seinen Vater tot im Walde gefunden, und bat den Aufseher um Hilfe. Er war sehr aufgeregt, trug weder Hut noch Gewehr, und an seiner rechten Hand und am rechten Aermel waren Blutspuren sichtbar. Die Leute folgten dem jungen Mann und fanden die Leiche des Vaters im Grase neben dem Teich ausgestreckt. Der Schädel war durch wiederholte Schläge mit einer stumpfen Waffe eingeschlagen worden. Die Verletzungen konnten sehr wohl vom Flintenkolben des Sohnes herrühren; die Flinte lag nur wenige Schritte von der Leiche entfernt im Grase. Unter diesen Umständen wurde der junge Mann sofort verhaftet, und da nach der Voruntersuchung am Dienstag die Anklage auf ,vorsätzliche Tötung‘ lautete, wurde er am Mittwoch der Staatsanwaltschaft von Ross zugeführt, die den Fall vor die nächste Schwurgerichtssession bringen wird. Das ist der einfache Hergang, wie er sich vor dem Untersuchungsrichter und auf dem Polizeiamt herausgestellt hat.“
„Ich kann mir kaum einen Fall denken,“ bemerkte ich, „wo alle Umstände so bestimmt auf den Thäter hinweisen, wie hier.“
„Mit diesen Indicienbeweisen steht es oft misslich,“ meinte Holmes nachdenklich. „Oft weisen sie sehr deutlich auf einen bestimmten Punkt hin, verändert man aber den eigenen Standpunkt nur ein klein wenig, so ergiebt sich leicht, dass sie in ebenso unzweideutiger Weise ganz wo anders hinzielen. Hier freilich treten die Thatsachen sehr ernst gegen den jungen Mann auf, und es ist wohl möglich, dass er der Schuldige ist. Jedoch glauben einige in der Nachbarschaft — unter diesen auch Fräulein Turner, die Tochter des benachbarten Gutsherrn — an seine Unschuld; sie hat Lestrade, den du aus einer andern Geschichte kennst, 1 gebeten, den jungen Mann zu verteidigen. Lestrade, dem die Sache etwas rätselhaft erschien, übertrug sie mir, und darum fahren wir zwei gesetzte Herren jetzt eben mit dem Schnellzug nach Westen, statt behaglich daheim unser Frühstück zu verdauen.“
„Ich fürchte, die Thatsachen sprechen hier so unverkennbar, dass für dich bei dieser Geschichte wenig Ruhm zu holen ist.“
„Nichts täuscht leichter als eine ,unverkennbare Thatsache‘,“ erwiderte Holmes lachend. „Ausserdem haben wir vielleicht Glück und stossen auf eine andere ,unverkennbare Thatsache‘, die Herr Lestrade trotzdem verkannte. Nun, — ohne ruhmredig sein zu wollen, was ich nicht bin, wie du weisst — möchte ich doch behaupten, dass ich seine Theorie entweder bestätigen oder zu nichte machen werde durch Mittel, zu deren Anwendung er nicht fähig ist, und die er vielleicht nicht einmal begreift. Nehmen wir einmal das erste beste Beispiel: Ich weiss genau, wenn ich dich ansehe, dass das Fenster in deinem Schlafzimmer auf der rechten Seite liegt, und doch bezweifle ich, ob Herr Lestrade selbst etwas so Unverkennbares bemerken würde.“
„Wie in aller Welt — — —?“
„Mein lieber Freund, ich kenne dich genau, kenne deine ganz militärische Pünktlichkeit. Du rasierst dich jeden Morgen, und zu dieser Jahreszeit rasierst du dich bei Tageslicht; da aber dein Rasieren immer mangelhafter wird, je weiter es nach links kommt, ja an der Rundung der Kinnlade geradezu nachlässig ist, so muss offenbar die linke Seite nicht so hell beleuchtet sein, wie die rechte. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ein Mann wie du mit einem solchen Ergebnis zufrieden wäre, wenn er sich in gleichmässigem Licht rasierte. Ich erwähne dies nur als ein geringfügiges Beispiel von Beobachtung und Folgerung. Darin eben liegt mein Handwerk, und möglicherweise wird es in der uns bevorstehenden Untersuchung von einigem Nutzen sein. Es sind einige nebensächliche Punkte in der Voruntersuchung zur Sprache gekommen, die der Betrachtung wert sind.“
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