Kitabı oku: «Basiswissen Verschwörungsmythen»

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Die Autorin, der Autor


Sophia Bock promoviert nach ihrem abgeschlossenen Lehramtsstudium (Fächer: Geographie, Deutsch, Bildungswissenschaften; Gymnasiallehramt, Schwerpunkt Sek. II) an der Universität Potsdam zum Thema Verschwörungsideologien als Herausforderung für Schulen und Lehrkräfte.


Wilfried Schubarth hatte bis zu seiner Emeritierung (2021) eine Professur für »Erziehungs- und Sozialisationstheorie« im Bereich Bildungswissenschaften der Universität Potsdam inne. Seine Arbeitsschwerpunkte: Jugend-, Schul- und Bildungsforschung, vor allem Gewalt und (Rechts)Extremismus, Werte- und Demokratiebildung, Lehrkräftebildung, Hochschulforschung. Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Reihe »Brennpunkt Schule«.

Sophia Bock Wilfried Schubarth

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1. Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-041246-0

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-041247-7

epub: ISBN 978-3-17-041248-4

Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

3  Teil I Theorie: Altes in neuem Gewand. Zur Geschichte, Theorie und Empirie von Verschwörungsmythen

4  1 Es ist ein Hoax! Was sind Verschwörungsmythen?

6  1.1 Begriffe, Definitionen und Begriffshistorien

7  1.2 Der »Verschwörungsbaukasten«

8  1.3 Verschwörungsvielfalt – Kategorisierungsversuch

9  2 Hysterie in Historie und Gegenwart – Woher kommen Verschwörungsmythen?

10 

11  3 Paranoide Menschen oder kranke Gesellschaft? Ursachen für Verschwörungsgläubigkeit

12 

13  4 Verschwörungen überall? Studien zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen

14 

15  5 Rechts, links oder geradeaus? Gefährdung der Demokratie

16 

17  5.1 Verschwörungsmythen von »rechts«

18  5.2 Verschwörungsmythen im Kontext von Demokratie-, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt – Empirische Befunde

19  5.3 Verschwörungsmythen in rechtsextremen Medien

20  5.4 Verschwörungsmythen von »links«

21  5.5 Zwischen realen Verschwörungen und legitimer Gesellschaftskritik – Abgrenzungsversuch

22  Teil II Praxis: Verschwörungsmythen in Schule und Gesellschaft begegnen

23  6 FakeLess – Eine Handreichung gegen Verschwörungsideologien

24 

25  6.1 Ziele und Begründung

26  6.2 Konzeptaufbau

27  6.3 Umsetzung in der Schulpraxis

28  7 Verschwörungsmythen als Herausforderung für Schulen

29 

30  7.1 Verschwörungsmythen – Relevanz für Lernende

31  7.2 Umgang mit Verschwörungsmythen – Aufgabe von Schule?

32  7.3 Verschwörungsmythen – Herausforderung für Lehrkräfte und Lehrkräftebildung

33  8 Umgang mit Verschwörungsglauben – Empfehlungen für die Jugendarbeit

34 

35 Frank Winter

36  9 Verschwörungsglaube als Herausforderung im privaten Umfeld

37 

38  10 Verschwörungsmythen begegnen – Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

39 

40  Resümee und Ausblick

41 

42  Anhang

43 

44  Begleitmaterialien zur Fortbildung

45  Weiterführende Links

46  Literaturverzeichnis

Vorwort

Anlass für das vorliegende Buch ist die seit der Corona-Pandemie zunehmende Wahrnehmung von Verschwörungsmythen. Sie haben ein großes Publikum gefunden, mobilisieren Demonstrationen und provozieren Gewalttaten. Der Einfluss rechtsextremer Kräfte wird zu einer Gefahr für die Demokratie. Auch Jugendliche nehmen Verschwörungserzählungen vermehrt wahr. Etwa einem Drittel wird eine Verschwörungsmentalität bescheinigt. Auch ein Teil ihrer Eltern und Lehrkräfte sind verschwörungsgläubig. Vor diesem Hintergrund kommt dem Bildungs- und Erziehungssystem, insbesondere der Schule, eine besondere Rolle im Umgang mit Verschwörungsmythen zu.

Der Band folgt dem Anspruch der Buchreihe, ein aktuelles Phänomen auf dem Stand der Forschung aufzubereiten und pädagogische Gegenstrategien und Fortbildungsangebote abzuleiten. Eine fundierte didaktische Aufarbeitung setzt eine wissenschaftsbasierte Darstellung des Phänomens voraus.

In Teil I (Theorie) wird ein interdisziplinärer Zugang zum Thema (Begriffsdefinitionen, historische Genese u. a.) gewählt. Einen besonderen Fokus bildet der Zusammenhang von Verschwörungsmythen und Rechtsextremismus im Kontext der Medienentwicklung. Darüber hinaus werden empirische Studien zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen einbezogen sowie Konsequenzen für die Prävention abgeleitet. Der erste Teil stellt somit das Basiswissen für Lehrende und Lernende dar.

In Teil II (Praxis) wird das Fortbildungskonzept FakeLess zum Umgang mit Verschwörungsmythen vorgestellt, das Lehrkräften konkrete Hilfestellung beim Unterrichten gibt. Hierzu wurde umfassendes Handreichungsmaterial (Didaktischer Kommentar, Kopiervorlagen, begleitende PowerPoint-Präsentation u. a.) entwickelt. Im Schulalltag bleibt, nicht nur während einer Pandemie, wenig Zeit für größere (fächerübergreifende) Projekte. Zu hoch ist der organisatorische Aufwand und zu gering sind die Ressourcen, sich in das Thema einzuarbeiten. Aufgrund der Vielfalt von Verschwörungserzählungen lassen sich jedoch in jedem Unterrichtsfach konkrete Zugänge herstellen, die als anlassbezogene Intervention oder Prävention in wenigen Unterrichtstunden realisierbar sind. FakeLess richtet sich sowohl an Einsteiger:innen als auch an Fortgeschrittene, die Anregungen für die konkrete Unterrichtsplanung benötigen, um zu Expert:innen zu werden. Durch die Diskussion fiktiver und realer Fallbeispiele ist auch kollegiale Fallberatung Teil des Konzepts. FakeLess kann auch auf andere Berufsgruppen wie Sozialpädagog:innen oder Erzieher:innen übertragen werden.

Darüber hinaus wird die Relevanz des Themas auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen betrachtet. Konkrete Fallbeispiele und praktische Tipps, auch für das familiäre Umfeld und die Jugendarbeit sowie die Einordnung aller Aspekte in den gesamtgesellschaftlichen Kontext, bilden den Abschluss des Bandes, der durch mehrdimensionale Perspektiven und die Verknüpfung von Theorie und Praxis einen Beitrag zur Demokratiebildung in Schule und Gesellschaft leisten will.

Wir würden uns freuen, wenn wir mit unserem Band Lehrkräften und alle am Thema Interessierten zur Auseinandersetzung mit Verschwörungsmythen motivieren könnten, denn »Der Umgang mit Desinformation und Verschwörungserzählungen wird eine der größten Herausforderungen dieses Jahrzehnts werden« (Lamberty in Leber, 2021).

Potsdam, im Sommer 2021

Sophia Bock und Wilfried Schubarth

Teil I

1
Es ist ein Hoax! Was sind Verschwörungsmythen?

In diesem Kapitel werden die vielfältigen Begriffe des Phänomenbereichs sowie der Verschwörungsmythos als unser Leitbegriff unter Einbeziehung der Begriffshistorie näher bestimmt. Darauf aufbauend werden typische Bausteine einer Verschwörungserzählung beschrieben und mit Hilfe eines »Verschwörungsbaukastens« dekonstruiert. Abschließend wird versucht, die Vielzahl der Verschwörungserzählungen mit Hilfe eines Kategorienschemas zu ordnen bzw. zu klassifizieren.

1.1 Begriffe, Definitionen und Begriffshistorien

Das in diesem Buch fokussierte Phänomen wird als Verschwörungsmythos bezeichnet und gehört zu einem facettenreichen semantischen Themenfeld, weshalb Begriffsklärungen notwendig und hilfreich sind. Hinzu kommt, dass die Thematik politisch sehr brisant ist, da sie an kontroverse politische Grundsatzdebatten anschließt und vorhandene (Macht-)Strukturen zu delegitimieren versucht. Dadurch werden die Analysen bezüglich des Phänomenbereichs und die verwendeten Begriffe stets selbst Teil dieser gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Das hat sich insbesondere während der Corona-Pandemie gezeigt.

Die große Begriffsvielfalt zeigt die Übersicht der in diesem Feld verwendeten Begriffe. Die Übersicht basiert auf Google-Suchanfragen und deren jeweilige Treffer. Die Anzahl spiegelt sich in der Größe der Darstellung wider ( Abb. 1).


Abb. 1: Verschwörungsbegriffe und deren Verwendungshäufigkeit (Trefferanzahl bei Google-Suche; eigene Darstellung [Stand: 10.06.2021])

Der mit Abstand am häufigsten verwendete Begriff ist der Begriff der Verschwörungstheorie. Es folgen Verschwörungsmythos, Verschwörungserzählung und Verschwörungsideologie. Diese Begriffe haben sich offenbar im Diskurs etabliert. Weniger häufiger verwendet werden Verschwörungsdenken, -lüge, -fantasie, -glaube, -mentalität oder -narrativ, wobei letzteres ein Synonym für -erzählung ist. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Inhalten, z. B. Verschwörungsmythen und -erzählungen, und Persönlichkeitsmerkmalen, z. B. Verschwörungsdenken oder -mentalität. Einen Sonderfall stellt die Verschwörungslüge dar: einerseits Tautologie (Wortdoppelung), andererseits ein Begriff bzw. eine Annahme aus der Szene der Verschwörungsgläubigen, dass über Verschwörungen Lügen verbreitet werden. Daher erscheint bei der Google-Suche als erster Treffer eine gleichnamige Publikation eines in der Szene bekannten Verlages (Panta, 2020).

Zur Begriffshistorie

Der Terminus Verschwörungstheorie wird im Zyklus moderner Aufmerksamkeitsökonomie inflationär verwendet. Spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York taucht die Verschwörungstheorie als geflügeltes Wort auf. Der Ursprung des Begriffs ist nicht eindeutig belegbar und selbst Gegenstand von Verschwörungsnarrativen. Erstmalig lässt sich die englische Variante conspiracy theory in der US-amerikanischen Presse 1881 nach dem Mordanschlag auf den damaligen Präsidenten James A. Garfield nachweisen. Die Tat ereignete sich im politischen Klima eines Landes, das sich immer noch von dem 1868 beendeten Bürgerkrieg erholte. Nach der Tat wurde der Verdacht geäußert, wahlweise ehemalige Unionisten oder Konföderierte hätten das Attentat in die Wege geleitet (McKenzie-McHarg, 2018).

Eines der wohl prominentesten Narrative bezieht sich auf die Aufarbeitung des Attentates auf den 35. Präsidenten der USA John F. Kennedy im Jahr 1963. Dabei gab es viele Unklarheiten und Verdächtigungen. Als Antwort auf diverse Vorwürfe wurde von Seiten der ermittelnden Behörden der Begriff der conspiracy theory geprägt, um von der offiziellen Version der Ereignisse abweichende Theorien rund um das Attentat zu diskreditieren. So etablierte sich mit der Zeit der Begriff als Abwertung für Theorien, die die Regierungsnarrative hinterfragen. Wie der Religionswissenschaftler Michael Blume in seiner Arbeit zur Phänomenologie der Verschwörungsmythen beschreibt, könnte dieses Narrativ zur Genese des Begriffes selbst wiederum Teil einer Verschwörungserzählung sein, die den öffentlichen Diskurs über Verschwörungstheorien als Teil eines Programms zur Unterdrückung regierungsfeindlicher Meinungen diskreditieren sollte (Röther & Blume, 2020).

Im deutschen Sprachgebrauch tauchte der Begriff erst später auf. Die erstmalige Verwendung wird zwar bereits 1787 in einem Dokument zur »Jakobiner-Verschwörung« erwähnt, findet jedoch keine massenmediale Verbreitung (Giese, 1784). 1945 verwendete der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper in seinem Werk »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« den Ausdruck der »Verschwörungstheorie der Gesellschaft«, womit er sich auf Denkmuster bezieht, die gesellschaftliche Umbrüche gewissen dunklen Mächten, wie etwa einem imaginären »Weltjudentum«, zuschreiben (Popper, 1992). Diese kritische Betrachtungsweise findet sich auch im »Wörterbuch der Soziologie« von 1982, welches Verschwörungs- bzw. Konspirationstheorien als Machtinstrument beschreibt, dessen zentrale Funktion darin bestehe, die Symptome strukturellen oder personellen Versagens in einem Machtsystem – etwa in Form eines offenen Machtkonfliktes – einer (fiktiven) Gruppe von Verschwörer:innen zuzuschreiben, deren Handeln ein ansonsten stabiles System untergrabe (Hartfiel & Hillmann, 1982).

In der jüngsten Vergangenheit haben sich zahlreiche Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Fachdisziplinen intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Im Rahmen seiner Dissertation benennt der Psychologe Sebastian Bartoschek (2017) zentrale Merkmale einer Verschwörungstheorie: »[…] jeder Versuch […] ein Ereignis, einen Verlauf, eine Überzeugung oder einen Zustand durch das zielgerichtete heimliche Wirken einer Gruppe von Personen zu erklären« (Bartoschek, 2017, S. 22). »Gruppe« meint hierbei mindestens zwei Personen, deren Wirken im Kontext von Verschwörungstheorien grundsätzlich als illegitim und/oder illegal wahrgenommen wird. Mit konspirativen, der Allgemeinheit schädlichen Handlungen einer kleinen, oftmals als elitär beschriebenen Gruppe fasst Bartoschek die Grundbausteine des Phänomens Verschwörungstheorie auf (Bartoschek, 2017). Diese Definition deckt sich mit anderen aktuellen Definitionen, wie denen der Ökonomin, Bürgerrechtlerin und Netzaktivistin Katharina Nocun und der Psychologin Pia Lamberty sowie des amerikanischen Philosophen Brian Lee Keeley (Keeley, 1999; Nocun & Lamberty, 2020).

Der Amerikanist Michael Butter bezieht sich auf die Definition des amerikanischen Politikwissenschaftlers Michael Barkun und erweitert die Definition des Begriffs Verschwörungstheorie, indem er ihr drei wesentliche Eigenschaften zuschreibt: Es geschieht erstens nichts durch Zufall. Zweitens ist nichts so, wie es scheint, und drittens ist alles miteinander verbunden (Butter, 2018).

Da sich »Verschwörung« und »Theorie« im wissenschaftlichen Sinne widersprechen, wird der Begriff Verschwörungstheorie zunehmend abgelehnt. Nach dem Politologen Samuel Salzborn geht es nicht um die evidenzbasierte Erklärung tatsächlicher Vorkommnisse, sondern um die Überbrückung von Differenzen zwischen politisch-gesellschaftlichen Realitäten und weltanschaulichen Idealvorstellungen. Diese Verschwörungsfantasien seien vielmehr weitgehend geschlossene Weltbilder, die auf Basis von Glauben und nicht von Evidenzen operierten (Salzborn, 2019). Der australische Philosoph David Coady verweist darauf, dass für Verschwörungstheorien ein negatives Framing der jeweiligen Verschwörergruppen und die machtbasierte Manipulation zentrale Merkmale seien (Coady, 2003).

Nach Nocun und Lamberty ist »[e]ine Verschwörungserzählung […] eine Annahme darüber, dass als mächtig wahrgenommene Einzelpersonen oder eine Gruppe von Menschen wichtige Ereignisse in der Welt beeinflussen und damit der Bevölkerung gezielt schaden, während sie diese über ihre Ziele im Dunkeln lassen« (Nocun & Lamberty, 2020, S. 18). Gemeint ist hier ein konkretes Narrativ, etwa das angesprochene Kennedy-Attentat. Diese Narrative speisen sich bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt aus Verschwörungsmythen. Der Mythos ist zunächst ein abstraktes Narrativ, welches in seiner Realitätskonstruktion ein oftmals ähnlich geschlossenes Weltbild vermittelt, wie es bei religiösen Vorstellungen der Fall sein kann.

Einer der wohl langlebigsten und in seiner Konsequenz auf vielfältige Art zerstörerischste Verschwörungsmythos ist wohl der der »Jüdischen Weltverschwörung«. Das Grundmotiv der Juden als destruktive, im Verborgenen wirkende Macht entzieht sich dabei jeder Logik oder Beweisführung und wird zum kausalen Versatzelement, das in unzählige Sachverhalte narrativ eingestrickt werden kann, so geschehen bei den großen europäischen Pestwellen ebenso wie in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 ( Kap. 2). Die Narrative, die diesen Mythos in ihre Struktur einpflegen, müssen keineswegs miteinander kohärent oder in ihrer Zielrichtung einstimmig sein. Antisemitische Elemente in Verschwörungserzählungen finden sich sowohl in religiösen Kontexten als auch in rechts- wie linksextremen Kreisen (Nocun & Lamberty, 2020) ( Kap. 5).

Neben den inhaltlichen Abgrenzungsmerkmalen ergeben sich auch solche, die sich auf die Verhaltenskomponenten beziehen. Dabei wird zwischen der Verschwörungsmentalität bzw. dem Verschwörungsglauben und der Verschwörungsideologie unterschieden. Erstgenannte beziehen sich auf die psychologischen, soziologischen und theologischen Dispositionen der Anhänger:innen. Grundannahme ist hierbei die Persönlichkeitseigenschaft, sich selbst als »erwacht« gegenüber anderen »Schlafschafen« zu bezeichnen. Die positive Überhöhung durch den Glauben an eine Verschwörungserzählung ist zentrales Merkmal, den der bzw. die Gläubige unter Gleichgesinnten empfindet. Sofern eine problematische weltanschauliche Komponente hinzukommt und konkrete Leitbilder sozialer Gruppen und/oder Organisationen totalitär durchgesetzt werden sollen, entwickelt sich aus dem Verschwörungsglauben bzw. der Verschwörungsmentalität eine Verschwörungsideologie. Diese wird meist von Gruppen oder Bewegungen genutzt, um die Ideologie zu verbreiten. Beispielhaft ist hier die Bewegung der Querdenker zu nennen, bei der sich ganz unterschiedliche Akteure (Impfgegner:innen, (Rechts)Esoteriker:innen, Corona-Leugner:innen, Reichsbürger:innen u. a.) zusammenschließen (Zentrum Ökumene, Koch & Blöser, 2021).

Die verschiedenen Begriffsbestimmungen haben wir in eine eigene zusammenfassende Übersicht integriert ( Abb. 2). Die drei übergreifenden Merkmale – 1) Nichts geschieht durch Zufall, 2) Nichts ist, wie es scheint, und 3) Alles ist miteinander verbunden – durchdringen sowohl die Inhalte von Verschwörungsmythen, -erzählungen usw. als auch die Denk- und Verhaltensweisen der jeweils Betroffenen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass das jeweilige Ereignis durch das Wirken geheimer Mächte erklärt wird. Während Verschwörungsmythos eher ein abstraktes, übergeordnetes Narrativ bezeichnet, stellen Verschwörungserzählungen jeweils ganz konkrete Narrative dar ( Kap. 1.3).


Abb. 2: Begriffseinordnung (eigene Darstellung, angelehnt an Barkun, 2006; Butter, 2018; Nocun & Lamberty, 2020)

Das vorliegende Buch fokussiert sowohl auf Verschwörungsmythen als auch deren exemplarische Beispiele konkreter Verschwörungserzählungen. Zugleich geht es – mit Blick auf Jugendliche und Schule – auch um Persönlichkeitsdimensionen wie die der Verschwörungsideologie und um Möglichkeiten, die Resilienz gegenüber Verschwörungsnarrativen zu erhöhen.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
19 aralık 2025
Hacim:
238 s. 64 illüstrasyon
ISBN:
9783170412484
Telif hakkı:
Bookwire
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