Kitabı oku: «Blutdienst», sayfa 3
Er richtete seinen Blick wieder auf. »Komm, wir gehen alle ins Haus. Lasst uns essen und trinken. Heute ist ein freudiger Tag.«
Er grinste und drehte sich um. Mit schnellen Schritten ging er ins Haus und im Vorbeigehen sagte er zu den zwei Jungs: »Begrüßt euren Bruder Sigvart. Er hat bestimmt viele Geschichten mitgebracht, die er uns heute beim Essen erzählen wird.«
Die beiden Burschen kamen auf mich zu. Sigbart, der mich erst nicht erkannt hatte, lief nun mit schnellen Schritten auf mich zu und umarmte mich. »Ich habe dich vermisst, Sigvart.«
Ich lachte und streichelte seinen Kopf. Er war groß und stark geworden. Damals war er ungefähr sechs. Auch er mochte Abenteuer erleben und vor allem Jungfrauen retten. Das wollte er schon immer.
»Ich habe dich auch vermisst, Sigbart. Sei so gut und hilf Borg mit den Sachen. Dann können wir schnell essen.« Er nickte und lief zu Borg, um meine Tasche zu holen, und bat Borg hinein.
Währenddessen ging ich auf den kleinen Halef zu und kniete mich vor ihm hin. »Hallo Halef. Ich bin Sigvart, dein ältester Bruder. Es freut mich, dich kennenzulernen.« Ich streckte ihm eine Hand hin. Etwas schüchtern nahm er sie in seine kleine Hand.
»Hallo«, piepste er.
Wir gingen ins Haus. Horald hatte bereits einen Kessel aufgesetzt, in dem Wildfleisch kochte. Es gab Eintopf. Den hat Vater immer gemacht, wenn er eine gute Jagd hatte oder es etwas zu feiern gab. An diesem Tag war wohl beides der Fall. Vater holte ein paar Flaschen selbstgebrauten Bieres und Mets hervor und Sigbart verteilte die Becher auf dem Tisch. Borg roch genüsslich am Topf. Er liebte Eintopf fast noch mehr als Braten.
Wenig später saßen wir alle am Tisch, aßen und tranken. Ich erzählte Vater von meinen Erlebnissen auf der Straße und im Krieg. Er machte große Augen, als ich ihm erzählte, dass ich nun der Leibwächter von Jarl Thortryg dem Wolf war. Erst wollte er es nicht glauben, also zeigte ich ihm den schwarzen Wolfsmantel. Sein Gesicht verriet mir Stolz und Besorgnis. Besorgnis darüber, dass er vielleicht seinen ältesten Sohn begraben müsste, bevor er selbst sterben würde. Meine Brüder hingen wie gebannt an meinen Lippen. Sie wollten jede Einzelheit wissen. Ich erzählte nicht viel von der Schlacht. Nur, wie ich Jarl Thortryg gerettet habe und Thjodrec mich verletzt hat.
Mein Vater sah mir allerdings an, dass diese Schlacht meinen Geist sehr schwer belastete. Um das Thema zu wechseln, fragte er mit einem schelmischen Grinsen: »Wie sieht es mit einer Frau aus?«
Ich musste schmunzeln. »Tatsächlich rettete ich erst heute früh eine junge Frau vor ihrem grausamen Vater. Aber das war es auch schon. Für mehr habe ich momentan keine Zeit. Borg und ich müssen bald wieder zurück sein, um Jarl Thortryg zu dienen.«
Es war nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich ging mir das Gesicht von Weylef nicht mehr aus dem Kopf. Zwar sprach ich mit Borg viel über den Krieg, doch die Augen der schönsten Frau ließen meinen Geist nicht in Ruhe. Sie überdeckten die schrecklichen Bilder des Krieges.
Mein Bruder Sigbart zeigte großes Interesse daran, den Jarl kennenzulernen. Vater verwies ihn allerdings auf nächstes Jahr. Es war ein schöner Abend mit vielen Gesprächen und ausgelassener Stimmung.
Halef schlief schon lange, als Borg in sein Lager ging, das lediglich eine Überdachung neben dem Haupthaus war, um ebenfalls zu schlafen. Sigbart, mein Vater und ich gingen noch kurz nach draußen, um den Abendhimmel zu genießen.
Während mein Vater zum Mond blickte, sprach er: »Ich bin froh, nicht mehr kämpfen zu müssen. In vier Schlachten habe ich gekämpft für Thortrygs Vater. Alle vier waren grausam. Nur mit viel Glück habe ich sie überlebt.«
Auch ich hatte nicht vor, ewig zu kämpfen. Ich wollte irgendwann auch einen Hof haben und die Ruhe des Lebens genießen. Aber ich sagte nichts dazu.
Ein Feuerschein durchdrang die Nacht am gegenüberliegenden Hügel. Mein Vater und mein Bruder sahen es ebenfalls. Es sah aus, als hielte jemand eine Fackel. Dann landete sie auf dem Boden und eine Gestalt fiel neben daneben.
Mein Vater war der erste auf dem Hügel und beugte sich bereits über die Gestalt. Ich ging an seine Seite und erkannte ihr Gesicht.
»Wer ist sie?«, fragte mein Vater.
»Das ist Weylef. Die Frau, die ich heute vor ihrem Vater beschützt habe«, antwortete ich vollkommen erstaunt über ihr plötzliches Auftauchen.
Da sie bewusstlos war, trugen mein Vater und ich sie ins Haus und legten sie auf mein Lager, direkt rechts neben der Feuerstelle.
»Lass sie ausruhen, mein Junge«, sprach mein Vater, während seine Hand auf meiner Schulter ruhte. Er spürte meine Unsicherheit. Was sollte ich nur tun? In diesem Moment war mein Vater mein Schiff. Er gab mir Sicherheit und so ließ ich sie schlafen.
Am Morgen schreckte sie aus ihrem tiefen Schlaf hoch. Verwirrt schaute sie sich um.
»Ganz ruhig, Weylef. Du bist in Sicherheit«, sagte ich zu ihr. Ihr Blick verriet mir Erleichterung. Offenbar war sie auf der Suche nach mir gewesen.
»Sigvart.« Ihre Stimme überschlug sich. »Mein Vater war schrecklich wütend, nachdem Ihr ihn in der Gosse habt liegen lassen«, sprach sie weiter. »Er schlug mich erneut und meinte, Ihr könntet es ja versuchen, ihn zu töten. Ich stieß ihn fort und rannte, so schnell ich konnte. Am Tor griff ich schnell nach einer Fackel an der Holzwand. Die Wachen riefen mir zwar nach, doch ich beachtete sie nicht. Einzig das Glück führte mich hierher. Auf dem Hügel war ich allerdings zu erschöpft …« Ihre Stimme war weiterhin ganz aufgeregt.
Ich legte sie wieder hin. »Schhh … Ist ja gut. Du hast mich gefunden und ich passe auf dich auf. Dein Vater wird ein späteres Problem sein. Ruhe dich aus und komm zu Kräften. Ich schaue später nochmal nach dir.«
Sie legte sich hin und fiel direkt wieder in den Schlaf. Vor dem Haus hörte ich wie mein Vater Holz hackte. Also stand ich auf und ging hinaus zu meinem Vater.
»Ein wirklich schönes Mädchen ist das«, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Ich hatte für so etwas keine Zeit. »Vater, ich muss nach Karpgat und ein Versprechen einlösen. Der Vater des Mädchens hat ihr wieder Gewalt angetan. Ich habe versprochen, ihn zu töten, wenn er es noch mal tut.«
Mein Vater stand aufrecht vor mir. »Ich verstehe. Aber lass dich nicht hinreißen zum Zorn. Handle bedacht und lass niemals das Gefühl der Rache über deinen Geist siegen.«
Nachdem ich ihn noch einmal umarmt habe, nahm ich mein Wolfsfell, meine Tasche und meine Axt.
Borg kam von dem Platz, an dem wir einen Tag zuvor stehen geblieben waren, auf mich zu. Der Hüne stolperte noch über einen Erdhaufen, der im höheren Gras versteckt sich erhob, bevor er den Fuß des Hügels erreichte. »Was ist los?«
»Ich muss jemanden töten. Komm, ich erkläre dir alles auf dem Weg«, antwortete ich.
Borg nahm ohne weitere Worte sein Schwert und kam mit mir.
Am späten Nachmittag kamen wir in Karpgat an. Ohne Umwege suchte ich Jarl Thortryg auf. Dieser empfing mich direkt. »Sigvart? Ich dachte, du seist bei deiner Familie?«, fragte er.
»Ja, Herr. Ich möchte Euch um Erlaubnis bitten, den Wirt in der Nähe des Krankenlagers herauszufordern, der seine Tochter misshandelt hat und dem ich versprochen habe, ihn zu töten, falls er es nochmal tut. Seine Tochter ist nun bei meiner Familie in Sicherheit und nun möchte ich diesen fetten Wirt töten. Er soll sich allerdings wehren dürfen.«
Thortryg runzelte die Stirn. »Hast du vor, diese Frau zu ehelichen?«
Ich dachte darüber einen kleinen Moment nach. »Ja«, war meine Antwort.
Thortryg stand auf. »Du bist meine Leibwache und du hast mein Vertrauen, weil du mir das Leben gerettet hast. Ich danke dir, dass du vorher zu mir gekommen bist. Es geht hier in diesem Fall um Ehre. Du hast dich schützend vor eine Frau gestellt, die du, wie du sagst, auch ehelichen möchtest. Der Täter hat sein Wort gebrochen und sein Opfer weiter misshandelt, obwohl du ihm versprochen hast, ihn zu töten, wenn er es noch einmal tut. Dass du ihn herausfordern willst und ihn nicht einfach getötet hast, ist ehrenhaft von dir. So gibst du den Göttern die Möglichkeit, über Recht und Unrecht zu urteilen«, sagte er.
»Ich glaube aufrichtig, dass er unrecht handelt und den Willen der Götter verdient, indem er mit mir in den Zweikampf geht.«
Thortryg wartete einen Moment. Schließlich befahl er: »So sei es. Holt diesen Wirt und bereitet die Kampffläche vor!«
Zwei Männer schwärmten aus, um den Wirt zu holen. Andere Männer kündigten einen Zweikampf an. Das Volk erfuhr, dass die Götter über einen Streit urteilen würden, wenn die Sonne ihren Niedergang antrat, am Fuß der Halle. Ich holte meinen Schild und überprüfte die Schärfe meiner Axt. Dann setzte ich mich vor die Halle und wartete. Borg saß in dieser Zeit in der Halle und bekam von einer drallen Dienerin etwas zu essen gereicht. Ich wunderte mich, wie diese Frau so kräftig werden konnte, bekamen Dienerinnen doch weniger zu essen und bewegten sich die ganze Zeit. Borg klopfte ihr auf den Hintern, als sie sich von ihm abwandte. Er starrte ihr lüstern hinterher.
Der Kampfplatz vor der Halle war rasch gefüllt. Die ganze Stadt wollte einen Zweikampf auf Leben und Tod sehen. Der Wirt wurde in den Kampfring geschleudert. Er wehrte er sich vehement dagegen.
»Hallo, Wirt«, rief ich. »Erkennst du mich noch?«
Ungläubig trat der Wirt ein paar Schritte fort von mir.
»Ich habe dir gesagt, dass ich dich töten würde, wenn du deiner Tochter … meiner baldigen Frau etwas antust.«
»Baldige Frau?«, fragte er verständnislos.
»Nimm deinen Schild und dein Schwert. Dann kämpfen wir.«
Der Wirt bekam einen Schild und ein Schwert in die Hand gedrückt. Er war sprachlos und wusste nicht, wie ihm geschah.
Thortryg stand am Eingang seiner Halle und erhob das Wort: »Bürger von Karpgat. Heute werden die Götter über Gerechtigkeit entscheiden. Diese beiden Männer kämpfen auf Leben und Tod.«
Währenddessen war Rolf aus der Halle getreten und stellte sich neben den Jarl. Ich sah, wie Rolf versuchte gegen dieses Urteil zu protestieren. Ich wusste nicht, wieso. Was wollte er von dem Wirt?
Meine Gedanken verloren sich kurz, was dem dicken Wirt auffiel. Er stürmte auf mich los, ohne dass Jarl Thortryg das Kommando zum Kampf gegeben hatte. Das war ein Zeichen seiner Niedertracht, die ich nur allzu gerne bestrafte. Rechtzeitig duckte ich mich unter seinem Schwert weg, doch dann zeigte er eine erstaunliche Geschwindigkeit.
Ich spürte nur, wie sein Schild mich wegdrückte. Mit seiner reinen Körpermasse war er mir überlegen. Eine Drehung von mir gegen seinen Druck brachte ihn aus dem Gleichgewicht, sodass er fiel. Sein Schild donnerte auf den Boden und auch sein Schwert ließ er fallen. Reine Kraft ist dem Verstand eines Mannes nicht gewachsen. Ich trat sein Schwert weg, denn dieses fette Wiesel sollte nicht nach Walhalla gehen. Er versuchte, sich zu seinem Schild zu schieben. Doch ich trat auf seinen Arm und ließ meine Axt auf seine Hand schnellen. Genau unter den Fingergliedern durchtrennte ich das Fleisch und die Knochen. Sein Schmerzensschrei war markerschütternd.
Ich griff nach den Fingern, hielt sie hoch, so dass jeder sie sehen konnte, und rief: »Mit diesen Fingern schlug er auf meine zukünftige Frau ein. Schlimmer noch. Es war seine eigene Tochter. Er fasste sie mit diesen Fingern an, um seine eigene Lust zu steigern.«
Die Menge raunte und ich warf die Finger in verschiedene Richtungen davon.
Währenddessen rutschte der dicke Wirt auf dem Boden herum, um mehr Abstand zu mir zu gewinnen. Doch ich kam mit schnellen Schritten und einem entschlossenen Blick auf ihn zu. Ich trat ihm ins Gesicht, so dass er das Bewusstsein verlor. Dann hackte ich ihm noch die andere Hand ab und warf auch diese in die Menge.
Durch den Schmerz gewann der geschändete Mann wieder das Bewusstsein und brüllte. Ich drückte meine Stirn auf seine und flüsterte ihm zu: »Ich sagte doch, dass ich euch hier in der ganzen Stadt verteile.«
Mein Blick war fest auf seine Augen gerichtet, die nun erschrocken zu mir aufblickten. Der Wirt spürte, wie seine Bauchdecke von meiner Axt durchschnitten wurde und ich sein Inneres nach außen riss. So ließ ich ihn ausbluten, bis kein Zucken oder Röcheln mehr von ihm zu sehen oder zu hören war.
Blutverschmiert stand ich in der Menge. Einige der Anwesenden sahen mich schockiert an, andere blickten ungläubig auf den toten Wirt. Es war still. Nicht einmal Thortryg vermochte etwas zu sagen.
»Bürger von Karpgat«, rief ich, »die Götter haben sich entschieden, diesen Mann sterben zu lassen. Sein Schicksal dient als Warnung. Solange ich in der Stadt umherstreife, wird es jedem Mann so ergehen, der sich an seiner Tochter oder Frau so vergreift, wie es dieser fette Wirt getan hat. Er wird nicht nach Walhalla gehen, sondern ohne Hände nach Helheim wandern. Verzweifelt wird er versuchen, seine Eingeweide festzuhalten, um vor dem Seelenverschlinger wegzulaufen.«
Thortryg stand von seinem Platz auf und kam zu mir. Als er neben mir stand, blickte auch er in die Menge. »Die Götter haben gesprochen. Sigvart ist der Sieger.«
Er hob meinen Arm in die Luft und die Menge fing an zu jubeln. Es war ein seltsames Gefühl. Ich bekam Zustimmung dafür, dass ich einen Mann getötet habe.
Ich hatte noch Zeit, mich an einem Wasserfass zu waschen, ehe Jarl Thortryg, Borg, ich und ein paar weitere Männer von der Wolfshorde wieder in der Halle saßen und Bier tranken. Rolf, der sich ebenfalls wieder in die Halle begeben hatte, schaute mich immer wieder aus den Augenwinkeln an. In seinem Blick lag etwas Verächtliches.
Jarl Thortryg beugte sich zu mir rüber. »Was hast du nun vor?«
»Ich werde Weylef heiraten und sie wird auf meinem Hof leben. Sie wird meinem Vater helfen und nach der Hochzeit kehre ich zu Euch zurück«, antwortete ich. Und ich fügte hinzu: »Wenn Ihr gestattet, Herr.«
Jarl Thortryg nickte und stieß mit mir an. Ich trank meinen Becher aus, stand auf und verbeugte mich zum Abschied. Es war wieder einer dieser Momente, in denen ich nicht wusste, wie ich mich dem Jarl gegenüber verhalten sollte. Er hat es mir noch nicht gesagt. Ich spürte Rolfs Blick auf meinem Rücken, aber ich drehte mich nicht um. Diese Nacht verbrachte ich noch in der Halle, bei meinem Freund Borg und meinem Jarl Thortryg. Er war mittlerweile auch so etwas wie ein Freund geworden.
Thortryg liebte es zu feiern. Stets war er der letzte, der sich im Suff erhob und in sein Bett fiel, während Borg eher ein trinkender Glücksspieler war. Sobald sich eine Gelegenheit bot, würfelte er oder versuchte seine Kraft mit anderen Kriegern zu messen. Nicht selten endete das Ganze in einer Schlägerei, die Borg öfter gewann als verlor. Thortryg mochte es, den Schlägereien zuzusehen, doch wenn die Männer unfair kämpften, mit Tritten gegen die Eier oder durch Blendung der Augen, erhob der Jarl seine mächtige Stimme und brachte die Halle damit zum Schweigen. Wer ungerecht kämpfte, wurde aus der Halle geworfen.
Hier und da unterhielt ich mich mit den anderen Wölfen, doch überwiegend hielt ich mich bei Borg und dem Jarl auf, die sich auch gut miteinander verstanden. Witze wurden über ungeschickte betrunkene Männer gemacht, während wir selbst einen Krug nach dem anderen leerten.
Nachdem ich es geschafft hatte, dass die ganze Welt sich um mich drehte, landete mein Kopf hart auf dem Tisch und nichts mehr aus der Halle drang an mein Ohr.
Mit dem ersten Licht des Tages verließ ich Karpgat und machte mich wieder auf den Weg zurück zu meiner Familie.
Ich sah meinen Bruder Sigbart am Mittag holzhacken. Vater reparierte gerade das Dach des Wohnhauses und Weylef spielte mit meinem kleinsten Bruder Halef. Sie sahen mich kommen und begrüßten mich. Mein Vater schloss mich in die Arme, wie auch meine Brüder. Auch ich schloss meine Familie in die Arme, doch ich muss gestehen, ich hatte nur Augen für Weylef. Sie sah mich aus einiger Entfernung unsicher an mit ihren braunen Augen, die mich direkt jeden Schrecken vergessen ließen. Nachdem ich die Umarmung mit Sigbart gelöst hatte, ging zu ihr und nahm ihre Hände.
»Dein Vater ist tot. Ich tat, was ich ihm versprochen hatte«, sagte ich.
Sie senkte den Blick und verharrte kurz. Dann nickte sie und blickte mir wieder in die Augen. »Danke«, flüsterte sie.
»Das ist noch nicht alles.«
Fragend und neugierig sah sie zu mir auf.
»Ich musste dich als meine zukünftige Frau angeben, damit ich mit deinem Vater kämpfen konnte. Du wirst also bei mir bleiben. Mein Vater darf unser Band besiegeln.«
Sie lächelte leicht und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie drückte sich an mich und hielt mich fest. Ich flüsterte ihr zu: »Du wirst nie etwas tun müssen, was dir nicht gefällt, und ich werde dir niemals wehtun.«
Ich bemerkte, wie sie anfing zu weinen und mich noch fester drückte. Offenbar aus Dankbarkeit, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Wie doch das Leben sich in wenigen Tagen ändern kann. Ich schickte Sigbart nach Karpgat. Er sollte Jarl Thortryg einladen und ihm den Weg zu uns erklären.
Es verging eine Woche, bis Jarl Thortryg auf dem Hof meines Vaters eintraf, um bei der Hochzeit dabei zu sein. Er hatte sich herausgeputzt. Ein edles Gewand aus rotem Stoff und mit goldenem Saum bedeckte ihn. Er trug eine große Gürtelschnalle mit der Wolfsrune darauf.
An seiner Seite ritt eine junge Frau. Auch sie war in Rot und Gold gekleidet und trug ihr Haar zu einem Zopf geflochten. Er stellte sie als Riga vor. Seine zukünftige Frau. Sie sollten eine Woche später heiraten.
Mein Vater begrüßte alle Gäste. Er zeigte sich nervös in Anbetracht der Umstände. Dauernd lief er auf und ab. Verlangte von Sigbart ganz widersprüchliche Sachen. Einmal sollte er einen Eimer holen und schon beim nächsten Herzschlag sollte Sigbart eine Schnur holen. Wir wussten alle nicht, wofür er diese Sachen brauchte.
Als Weylef aus der Haustür trat, verschlug es mir den Atem. Sie trug ein einfaches, weißes Leinenkleid, das mit bunten Blumen geschmückt war. Ihr Haar trug sie offen und auch darin waren ein paar Blumen eingeflochten. Sie war so bezaubernd. Ihr Gesichtsausdruck verriet mir, dass sie glücklich und aufgeregt war. Sie hatte rote Wangen und ihr Blick ging von Gast zu Gast.
Ich streckte meine Hand aus und zusammen standen wir vor unseren Freunden und unserer Familie. Auch wenn es ein kleiner Kreis war, so war es ein Kreis der wichtigsten Menschen in meinem Leben.
Mein Vater führte uns in den angrenzenden Wald und dort zu einer Lichtung. In ihrer Mitte stand eine mächtige Eiche. Ich war vorher noch nie an diesem Ort gewesen. Die Eiche sah aus wie ein Baum der Götter. Ebenso alt und ebenso kraftvoll.
Mein Vater wies uns unsere Plätze direkt vor der Eiche zu. Er hatte dort das Holz aus dem Wald so gestapelt und geschmückt, dass es wie ein Schrein aussah. Nachdem sich alle versammelt hatten, begann er zu sprechen.
»Hier an diesem Platz, auf dem eine Donareiche steht, besiegeln wir den Bund zwischen Sigvart Horalds Sohn, genannt Fenris, und Weylef aus Karpgat. Sie werden nach der Zeremonie als Mann und Frau weiterleben. Doch zuerst …«
Er nahm ein Leinentuch und band es um unsere Hände.
»Schwört ihr im Angesicht der Donareiche, die Natur zu ehren und im Einklang mit den Göttern zu leben, auf dass sie euch wohlgesonnen sind?«
Weylef und ich nickten gleichzeitig und sagten: »Ich schwöre.«
Mein Vater nickte zufrieden und sprach weiter: »Hiermit bestätigen alle hier Anwesenden den Bund zwischen Sigvart und Weylef.«
Mein Vater, meine beiden Brüder, Borg und Jarl Thortryg mit seiner Frau jubelten. Das Gefolge von Jarl Thortryg stand mit etwas Abstand zu uns. Es waren nicht viele, denn auch Jarl Thortryg legte großen Wert darauf, nicht wie ein großer Herrscher aufzutreten, sondern sich volksnah zu geben.
Und mein Vater fügte hinzu: »Und nun lasst uns feiern!«
Wir gingen wieder zurück zum Hof und feierten ein kleines, aber sehr schönes Fest. Am Abend verabschiedete sich der Jarl und ritt mit seinem Gefolge in die Nacht hinaus. Ich würde mich ihm bald anschließen, aber diese Nacht war nur für mich und Weylef bestimmt.
Ich durfte noch eine weitere Woche bei meiner Familie verbringen, bevor ich mit Borg aufbrach, um nach Karpgat zu gehen.
Es war an der Zeit, meinen Dienst bei Jarl Thortryg anzutreten.
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