Kitabı oku: «Selbstcoaching»
Stefanie Demann
Selbstcoaching
Stefanie Demann
Selbstcoaching
Die 86 besten Tools

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Informationen sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Lektorat: Dr. Michael Madel, Ruppichteroth
Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen | www.martinzech.de
Umschlagfoto: Yuri Arcurs/fotolia
Autorenfoto: Nina Thilo, Fürth
Foto auf Seite 145: © VivitoArt Angela Parszyk – Fotolia.com
Copyright © 2015 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem Titel „Selbstcoaching“ von Stefanie Demann, ©2013 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-483-4
ISBN epub: 978-3-95623-290-9
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise,
nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
Lebenslanges Selbstcoaching
Selbstcoaching begleitet Sie Ihr Leben lang: sich Klarheit verschaffen, Entscheidungen treffen, allen Mut zusammennehmen, loslegen, sich immer wieder neu motivieren, innehalten, Inventur machen … Das alles passiert nicht an einem Tag und auch nicht in einem Workshop oder Seminar. Selbstcoacher coachen sich ihr Leben lang, um das Beste aus sich und ihrem Potenzial zu machen. Die besten Selbstcoaching-Tools begleiten Sie dabei. Welches Tool dabei für Sie persönlich das beste ist, entscheiden immer noch Sie selbst.
Vier Selbstcoaching-Phasen
Die Phasen des Selbstcoaching-Prozesses sind hier in vier Kapiteln und in 25 Schritten dargestellt: sich Klarheit verschaffen, sich entscheiden, loslegen, dranbleiben. Selbstcoaching verläuft dabei nicht linear von einem Anfang bis zu einem bestimmten Ende. Die Phasen können auch wild durcheinandergewürfelt werden. Ein Leben verläuft ja auch nicht schnurgerade von einem Abschnitt zum nächsten. Dasselbe gilt für die hier vorgestellten Tools: Je nachdem, in welcher Situation Sie sich gerade befinden, ist mal das eine, mal das andere Tool das richtige. Es wird auch immer ein Tool geben, mit dem Sie gar nichts anfangen können. Das ist normal. Lassen Sie es einfach links liegen. Dieses Tool passt offenbar besser zu jemand anderem.
Selbstcoaching-Tools nutzen
Ich stelle Ihnen hier die besten Tools vor, ausgewählt nach Wirksamkeit, Aktualität, wissenschaftlichem Background, Praxisnähe und Anwendbarkeit im Alltag. Auf die Tools können Sie jederzeit zugreifen, auch ohne das Buch vollständig gelesen zu haben. Mithilfe der Matrix der besten Selbstcoaching-Tools im hinteren Teil des E-Books finden Sie schnell die jeweils passende Anregung zu Ihrem Anliegen. So können Sie, auch nachdem Sie das Buch ins Regal gestellt haben, immer mal wieder einen Blick hineinwerfen und sich Klarheit verschaffen, Entscheidungen vorbereiten, sich einen Schubs geben oder Ihre Motivation auffrischen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen Ihre

Stefanie Demann
1Verschaffen Sie sich Klarheit: Was steckt in Ihnen?

Nach der Lektüre dieses Kapitels werden Sie klar erkennen:
■ was mit Ihnen los ist
■ was Sie motiviert und was Sie ausbremst
■ was Sie wirklich wollen
■ was in Ihnen steckt
■ was Sie aus sich herausholen können
Schritt 1: Wie geht es Ihnen? Was treibt Sie um?
Was ist los mit Ihnen? Warum halten Sie jetzt ausgerechnet dieses Buch in Ihren Händen, anstatt es sich gut gehen zu lassen? Gehen Sie spazieren! Ins Theater! Ins Kino! Joggen! Machen Sie einen Ausflug, lassen Sie sich massieren, kochen Sie was Feines mit Ihren Freunden. Planen Sie den nächsten Urlaub, kaufen Sie sich ein Paar Schuhe oder wenigstens einen Krimi und machen Sie es sich irgendwo gemütlich. Ach, nach Gemütlichkeit und Ausruhen steht Ihnen gerade nicht der Sinn? Irgendwas treibt Sie um? Sie wollen sich jetzt nicht amüsieren, unterhalten oder ablenken lassen? Dann ist ja gut. Dann lesen Sie nur ruhig weiter. Erst einmal müssen Sie gar nichts weiter tun. Überzeugen Sie sich davon, dass die besten Selbstcoaching-Tools Ihnen dabei helfen, Klarheit über sich selbst zu bekommen. Dann macht auch alles andere wieder mehr Spaß!
Coaching im stillen Kämmerlein
Gratuliere! Sie gehören zu denjenigen, die nicht erst über sich nachdenken, wenn es zu spät ist. Wenn die Familie weg ist, weil Sie nonstop gearbeitet haben. Wenn der Job weg ist, weil Sie von den Veränderungen überrollt wurden. Wir sind heute alle permanent mit irgendetwas beschäftigt, machen oft mehrere Dinge gleichzeitig und sehen vor lauter To-dos oft nicht mehr rechtzeitig, dass wir in die völlig falsche Richtung marschieren. Dann haben Sie schon Jahre in einem Job malocht, der Ihnen gar nicht liegt. Weil es sich eben so ergeben hat oder die Veränderungen in Ihrem Unternehmen Sie in diese Richtung manövriert und Sie einfach weitergemacht haben. Weil es von Ihnen erwartet wurde. Weil Sie dachten, dass es von Ihnen erwartet wird. Oder weil Sie einfach nie Zeit hatten, darüber nachzudenken.
Wer hält heute schon einfach an in dem, was er tut, um darüber nachzudenken, ob es das Richtige ist? Ob es das ist, womit er sein Leben verbringen will? Wer will schon herausfinden, dass er Jahre seines Lebens mit etwas verbracht hat, ohne sich damit weiterentwickelt zu haben? In seinem Bestseller „Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ schreibt der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Malcom Gladwell, dass viele Menschen durchgehend damit beschäftigt sind, die Karriereleiter hinaufzuklettern. Nur, um dann oben festzustellen, dass die Leiter an der falschen Mauer steht.
Sehr schön – Sie selbst haben nicht so lange gewartet, und das ist gut. Auch wenn Sie jetzt vielleicht denken, dass Sie schon viel zu lange gewartet haben. Sie dürfen stolz auf sich sein, dass Sie sich jetzt die Zeit nehmen. Sie können Ihre Leiter immer noch an die richtige Mauer stellen.
Coachen Sie sich selbst
Und das geht auch im stillen Kämmerlein. Ja, Sie können sich selbst coachen. Sie können natürlich auch einen Coach hinzuziehen, müssen aber nicht. Denn das klassische Coaching zwischen Coach und Coachee hat ja ohnehin zum Ziel, dass der Coachee (also in diesem Fall Sie) in die Lage versetzt wird, sich selbst voranzubringen. Ein Coach unterstützt Sie dabei, zu reflektieren, zu erkennen, sich zu entscheiden und zu handeln, um anschließend das Handeln wieder zu reflektieren – und so weiter. Wenn Sie das lieber für sich tun möchten, werden Sie einfach zum Selbstcoacher.
Selbstcoaching – wofür?
]
Selbstcoaching ist weder eine neue Disziplin noch handelt es sich hierbei um Zauberei oder eine Geheimwissenschaft. Die Methoden, Techniken und Mechanismen des Selbstcoaching sind seit Jahrtausenden bekannt. Nur hießen sie bei den alten Griechen noch nicht Selbstcoaching, sondern zum Beispiel „Kultivierung des Charakters“ (ἕξιϚ, hexis). Aristoteles beschreibt in seiner „Nikomachischen Ethik“ die Charakterbildung als einen lebenslangen Prozess mit dem Ziel, als guter Mensch glücklich zu werden. Auch wenn die Moralvorstellungen der Antike nicht mehr ganz der heutigen Norm entsprechen, hat sich das Ziel doch herzlich wenig verändert: Wir wollen glücklich sein – auf unsere ganz persönliche Art und Weise.
Einsatzbereiche des Selbstcoaching
Konkret können Sie Selbstcoaching einsetzen bei Fragen zu den Be reichen:
■ Selbstfindung
■ Stärkung Ihres Selbstbewusstseins
■ Ausbildung Ihrer Persönlichkeit
■ Motivationsprobleme
■ Entscheidungsangst
■ Sackgassen-Gefühl
■ Umbrüche
■ Frust und Unzufriedenheit
■ Torschluss-Panik und Midlife-Crisis
■ Burn-out-Prävention
■ Orientierung vor neuen Lebensabschnitten
■ Festigung des eigenen Standings
■ Erfolge und Misserfolge
Persönlich Einfluss nehmen
Selbstcoaching hilft Ihnen dabei, jene Bereiche weiterzuentwickeln, auf die Sie persönlich Einfluss haben: Ihr Denken, Ihr Verhalten und Ihre Gefühle. Dafür bietet Ihnen dieses Buch die besten Tools. Die hier vorgestellten Selbstcoaching-Tools sind erprobt, einfach anzuwenden und funktionieren wirklich. Trauen Sie sich zu, sie anzuwenden.
Den Lauf der Dinge werden Sie mit Selbstcoaching zwar nicht aufhalten. Mit Selbstcoaching werden Sie die Welt nicht aus den Angeln heben. Es werden auch immer wieder Dinge passieren, ohne dass Sie etwas dagegen tun können. Dennoch brauchen wir nicht fatalistisch die Hände in den Schoß zu legen: „Ich kann ja sowieso nichts ausrichten.“ Als Selbstcoacher tun Sie das Beste, zu dem Sie imstande sind – und das ist mehr, als die meisten anderen Menschen tun.
Herausfinden, was Sie tun wollen
Aber was jetzt tun? Etwas treibt Sie um und Sie möchten dem auf den Grund gehen. Vielleicht wissen Sie schon, was Sie ändern möchten, aber nicht wie. Möglicherweise haben Sie nur ein Gefühl, das Ihnen sagt, dass Sie etwas tun müssen. Sie wissen aber noch nicht, was. Egal, was jetzt gerade los ist: Sie können mit Selbstcoaching herausfinden, was es ist und welche Möglichkeiten Sie haben, etwas zu tun.
SELBSTCOACHING-TOOL
1
Mit dem Drei-Minuten-Selbstcheck herausfinden, was gerade mit Ihnen los ist
Nehmen Sie sich drei Minuten Zeit, in denen Sie unbeobachtet sind, jetzt sofort, heute Abend, morgen früh. Setzen oder legen Sie sich hin. Schließen Sie die Augen. Atmen Sie einfach so weiter, wie Sie möchten. Was spüren Sie in diesem Augenblick?
Ruhe – Nervosität
Frieden – Erschöpfung
Entspannung – Anspannung
Zufriedenheit – Rastlosigkeit
Glück – Trauer
Nach dieser kleinen Übung, die Sie übrigens gerne ab und zu wiederholen können, brauchen Sie weder sich noch Ihre Gefühle zu bewerten. Egal, wie Sie sich gefühlt haben, es gibt weder Richtig noch Falsch. Im Augenblick müssen Sie noch gar nichts unternehmen. Denn in diesem Kapitel geht es um die Fragen, wie es Ihnen geht und was Sie umtreibt. Der Selbstcheck dient zu Beginn Ihres Selbstcoaching dazu, zur Ruhe zu kommen und sich eine Pause zu gönnen, ohne Druck und Aktionismus.
Wenn Sie gerne meditieren, habe ich hier noch eine weitere Übung für Sie:
SELBSTCOACHING-TOOL
2
Mit dem Fünf-Minuten-Selbstcheck herausfinden, was Sie gerade bewegt
Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit, in denen Sie unbeobachtet sind, jetzt sofort, heute Abend, morgen früh. Setzen oder legen Sie sich hin. Lesen Sie langsam weiter und lassen Sie sich einfach mitnehmen, ohne entscheiden, bewerten oder etwas tun zu müssen. Und das ist Ihr Meditationstext:
„Ich bin müde von einem stressigen Tag, fühle die Anstrengung und den Frust über alles, was nicht so verlaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe. Ich darf mich so fühlen. Ich muss nichts tun.
Ich spüre meinen Kopf, meinen Rücken, meine Beine. Die Beschwerden, die da sind.
Ich darf sie fühlen. Ich muss nichts tun.
Egal, welche Gefühle mich jetzt durchfluten, ich lasse sie zu. Alles ist erlaubt: Trauer, Scham, Ärger, Wut, Angst, Überforderung.
Ich fühle mich so und muss nichts tun.
Ich suche jetzt keine Lösung, alles darf so sein, wie es ist.
Ich danke mir selbst, dass ich zulasse, wie es ist. Ich danke mir selbst, dass ich so fühlen darf. Ich genieße es, dass ich mir das einfach so erlaube.“
Aufschreiben, was Sie denken
Für alle, die gerade die Augen verdreht und die mit Meditation nichts am Hut haben, gibt es mit Tool 3 eine Alternative: Der Zehn-Minuten-Selbstcheck bietet Ihnen eine ganze Reihe von Fragen, die Sie sich selbst beantworten. Bitte ohne Seitenblick darauf, was wohl andere dazu sagen würden. Niemand bekommt Ihre Antworten zu sehen, also seien Sie ehrlich. Antworten Sie spontan, ohne lange alle Möglichkeiten, Konsequenzen oder Bedeutungen abzuklopfen – am besten schriftlich. Diese zehn Minuten bringen Ihnen den größten Nutzen, wenn Sie wirklich aufschreiben, was Sie denken. Färben Sie Ihre Antworten nicht schön, pfeifen Sie auf rhetorisch ausgefeilte Formulierungen, verbannen Sie den inneren Kritiker, der gleich wieder alles bewerten will und Ihnen einflüstert:
■ „Na ja, sooo gut warst du in Sport nun auch wieder nicht, der drahtige Thorsten hat bessere Körbe aus der Distanz geworfen!“
■ „Wie süß! Du wolltest wirklich mal Imker werden?“
■ „Ach ja? Du möchtest der Welt ein selbst geschriebenes Buch hinterlassen?! Hat nicht dein Deutschlehrer noch in der elften Klasse gesagt, dass du Kommas setzt wie mit dem Salzstreuer?“
■ „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist also dein Lieblingsfilm, na ja, geht es auch etwas origineller?“
Also: Niemand liest in diesem Moment Ihre Gedanken, niemand bekommt jemals diese Aufzeichnungen zu sehen. Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf und schreiben Sie Ihre Antworten so auf, wie Sie Ihnen einfallen.
SELBSTCOACHING-TOOL
3
Mit dem Zehn-Minuten-Selbstcheck herausfinden, was mit Ihnen gerade los ist
■ Womit habe ich mich früher am wohlsten gefühlt? Was habe ich am liebsten getan? Mit wem war ich am liebsten zusammen?
■ Welche Fächer habe ich in der Schule am liebsten gemacht? Was ist mir leichtgefallen? Was konnte ich besser als andere Kinder meines Alters?
■ Wobei habe ich momentan den meisten Spaß?
■ Was muss passieren, damit ich einen Tag gelungen nenne?
■ Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeiten müsste?
■ Was mache ich am liebsten?
■ Wofür gebe ich gern Geld aus?
■ Welche Filme schaue ich am liebsten? Was gefällt mir an ihnen?
■ Wofür setze ich mich gern ein?
■ Was fällt mir leicht?
■ Fragen mich andere um Rat? Wenn ja, zu welchen Themen?
■ Welche Dinge mache ich ungern? Worüber ärgere ich mich? Was lehne ich an mir selbst ab?
■ Wann bin ich besonders gestresst?
■ Worauf bin ich besonders stolz? Welche Erinnerungen machen mich glücklich?
■ Was möchte ich hinterlassen?
■ Mit welchen Menschen bin ich heute am liebsten zusammen? Was gefällt mir an diesen Menschen?
■ Was würde ich tun, wenn ich nur noch drei Monate zu leben hätte?
■ Wie möchte ich in fünf Jahren leben?

Es gibt kein Richtig oder Falsch. Was Sie denken, was Sie fühlen, was Sie umtreibt, ist in diesem Augenblick, wie es ist. Nehmen Sie es erst einmal so hin. Sie müssen jetzt noch nichts tun. Als Selbstcoacher haben Sie die Wahl, innezuhalten, den Dingen auf den Grund zu gehen und etwas zu ändern – wenn Sie es wollen.
Schritt 2: Wer sind Sie? Was zeichnet Sie aus?
Wer bin ich? Wow! Das ist wirklich eine grundlegende Frage. Was macht mich aus, was ist mein wahrer Kern? Als Selbstcoacher müssen Sie nicht Philosophie studieren, um sich darüber klar zu werden, ob Sie bereits das Beste aus sich gemacht haben oder ob nicht doch noch mehr in Ihnen steckt, als Sie bislang vermutet haben. Die Frage nach dem Potenzial, das in Ihnen steckt, stellen sich Menschen oft dann,
■ wenn sie das Gefühl haben, festzustecken
■ wenn ihnen klar wird, dass das Leben nicht ewig dauert
■ wenn sie ihre Zeit besser nutzen möchten
■ wenn sie ihre Fähigkeiten gezielter einsetzen möchten
■ wenn sie etwas erreichen wollen, um der Welt etwas zu hinterlassen
■ wenn sie auf der Suche nach einem sinnvollen Ziel sind
■ wenn sie etwas bewirken wollen
■ wenn sie merken, dass sie sich lange Zeit selbst etwas vor gemacht haben
Ihre Persönlichkeit und Ihre Stärken
Egal, wie Sie ticken – irgendwie ticken Sie: schnell, langsam, laut, leise. Und ob nun schnell, langsam, laut, leise: Interessant ist, was es für Sie, Ihre Persönlichkeit und Ihre Stärken bedeutet. Auch hier gilt: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Sind Sie eher der brausende Macher oder der stille Denker? Arbeiten Sie gern nach klaren Regeln oder empfinden Sie ein streng strukturiertes Umfeld als Freiheitsberaubung? Brauchen Sie den Austausch mit anderen, um Ihre Gedanken anzuregen, oder tun Sie das lieber für sich? Lieben Sie Details oder sind Sie eher der Typ fürs „Big Picture“?
Je nachdem, wie Sie ticken, können Sie daraus Schlüsse ziehen, wo Ihre Stärken liegen. Mit Sicherheit werden Sie sich an vielen Stellen wiedererkennen und innerlich sagen: „Ja, genauso geht es mir“ oder „Stimmt, das liegt mir überhaupt nicht“.
Anhand der Tools 4 bis 9, die auf dem MBTI, dem Myers-Briggs-Typ-Indikator, und dem P5-Tool von Katja Kruckeberg (siehe ihr Buch „Leadership and Personal Development“, S. 29) basieren, können Sie sich und was Sie auszeichnet, auf die Spur kommen. Dabei werden vor allem zentrale Themen berücksichtigt wie zum Beispiel:
■ die Frage, ob Sie vom Typ her eher introvertiert sind oder extrovertiert und was es für Ihre Art und Weise bedeutet, die Welt zu betrachten, mit der Gesellschaft, mit Aufgaben und Problemen umzugehen
■ die Frage, wie Sie die Welt begreifen und welchen Blickwinkel Sie bevorzugen
■ die Frage, wie Sie Probleme lösen und welche Denkmuster Sie dabei verfolgen
■ die Frage, wie Sie arbeiten und welche Lösungsansätze Sie favorisieren
Lesen Sie sich die Gegenüberstellungen einfach nur durch und entscheiden Sie, bei welchen Aussagen Sie sich tendenziell einordnen würden.
SELBSTCOACHING-TOOL
4
Wie ticke ich?
| Intro | Extro |
| Reflektiert lieber in Ruhe ohne andere Menschen | Äußert Gedanken spontan vor anderen Menschen |
| Erst denken, dann reden | Es ist o. k., Gedanken erst einmal zu äußern, man muss nicht immer erst alles im stillen Kämmerlein durchdenken |
| Lieber noch mal nachdenken, bevor man handelt | Machen statt quatschen |
| Bevorzugt kleinere Gruppen oder Vieraugengespräche, um Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen | Mag große Gruppen und den abwechslungsreichen Austausch |
| Verbringt gern Zeit mit sich | Verbringt gern Zeit mit anderen |
| Gewinnt Energie aus sich selbst | Gewinnt Energie durch Begegnung mit anderen |
SELBSTCOACHING-TOOL
5
Wie erfasse ich die Welt?
| Detail | Big Picture |
| Äußert eher Zahlen, Daten, Fakten | Spricht offen über Erfahrungen und Gefühle, bringt gern persönliche Beispiele |
| Bevorzugt Logik und analytisches Denken | Bevorzugt ganzheitliches, systemisches Denken |
| Immer der Reihe nach, Schritt für Schritt, klare Strukturen, roter Faden | Assoziationen, Gedankensprünge, Querdenken, spontane Ideen und Eingebungen |
| Bemerkt sofort, wenn in Ausführungen ein Zwischenschritt ausgelassen wurde | Fragt gern nach dem Sinn des Ganzen |
| Fragt sich, was das Beispiel in der Präsentation sollte | Wünscht sich mehr konkrete Beispiele in einer Präsentation |
| Arbeitet sehr genau | Arbeitet gern visionär |
| Findet die Big-Picture-Typen chaotisch | Stempelt die Detail-Typen als Korinthenkacker ab |
| Orientiert sich an Tatsachen | Erkennt Muster, Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen |
| Vertraut wissenschaftlichen Erkenntnissen | Vertraut Erfahrungen |
SELBSTCOACHING-TOOL
6
Schnelltest – Detail oder Big Picture
Was haben Sie zuerst gesehen, als Sie einen Blick auf die unten stehende Figur geworfen haben?

Also – was haben Sie gesehen: Ein H? Viele Ts? Eine Brücke? Türme? Ein Tor?
■ Den Blick fürs Detail haben Sie, wenn Sie Ihr Augenmerk zunächst auf die Ts gelenkt haben.
■Eher fürs Big Picture zu gewinnen sind Sie, wenn Sie das H oder ein Bild (Brücke, Türme, Tor) gesehen haben.
SELBSTCOACHING-TOOL
7
Wie löse ich Probleme?
| Ratio | Emotio |
| Problemanalyse basierend auf Logik und Tatsachen | Problemanalyse basierend auf Werten, Beziehungen und Gefühlen |
| Objektivität ist wichtig, um die richtige Entscheidung zu treffen | Objektivität gibt es nicht |
| Prüft zuerst, ob ein Lösungsansatz in sich konsistent ist, und dann, welche Auswirkungen er auf andere hat | Prüft zuerst, welche Auswirkungen ein Lösungsansatz auf andere hat, und dann, ob er in sich konsistent ist |
| Geht in die Distanz, um ein Problem möglichst sachlich zu durchleuchten | Identifiziert sich mit den Beteiligten, um die Dimensionen eines Problems möglichst gut nachvollziehen zu können |
| Sachlich und kühl | Persönlich und emotional |
| Legt an sich und andere dieselbe Messlatte an | Flexible Beurteilung anderer aufgrund unterschiedlicher Lebensläufe und Erfahrungen |
SELBSTCOACHING-TOOL
8
Wie arbeite ich?
| Struktur | Entwicklung |
| Vorausschauend planend, strukturiert | Akut, spontan, flexibel |
| Hält sich an die Grundzüge des Projektmanagements | Kreativer Ansatz der Aufgabenbewältigung |
| Methodische und systematische Vorgehensweise | Zwanglose Umgangsweise mit Zeit und Aufgaben |
| Zielorientiert | Leitstern-orientiert (Ziele können sich ändern) |
| Erstellt detaillierte Kurz- und Langzeitpläne | Hat die wichtigsten Meilensteine vor Augen |
| Vermeidet Zeitdruck | Kann gut mit Zeitdruck umgehen |
| Treibt Projekte zu einem klaren Abschluss | Hält sich bis zuletzt Optionen offen |
Tendenz feststellen
Finden Sie heraus, ob Ihre Vermutung, zu welcher Seite Sie gehören, stimmt. Machen Sie den Tick-Test (Tool 9). Wie ticken Sie? Beachten Sie dabei, dass es bei diesen Gegenüberstellungen (Ratio – Emotio etc.) lediglich um eine Tendenz geht und niemals eine Entwederschwarz-oder-weiß-Trennung geben kann. Kein Mensch ist nur rational, niemand nur emotional:
■ Jemand, der gern für sich ist, ist ein brillanter Vortragsredner.
■ Jemand, der gern Zeit mit anderen verbringt, denkt trotzdem viel im Stillen nach.
■ Jemand, der sehr genau arbeitet, lässt auch mal fünf gerade sein.
■ Jemand, der seine Freiheit liebt, stützt sich auch mal auf feste Strukturen.
■ Jemand, der sich sonst auf Fakten stützt, vertraut bei Gelegenheit lieber auf sein Bauchgefühl.
■ Jemand, der eher intuitiv entscheidet, prüft in anderen Fällen sämtliche Aspekte ganz genau.
■ Jemand, der sehr werteorientiert denkt, fällt im Business knallharte Entscheidungen.
■ Jemand, der sehr zielorientiert agiert, beißt sich nicht unbedingt an einer einmal getroffenen Entscheidung fest.
Verallgemeinerungen vermeiden
Es wäre unsinnig, aus einer Ratio-Tendenz zu schließen, dass jemand keine Gefühle hat, oder jemandem, der eher auf der Emotio-Seite steht, zu unterstellen, er wäre zu keiner analytischen Tätigkeit fähig. Für Sie geht es lediglich darum, herauszufinden, in welche Richtung Sie tendieren. Sie werden sich garantiert in einigen Aussagen wiedererkennen, bei anderen wird es Ihnen vielleicht schwererfallen zu entscheiden, ob es auf Sie zutrifft oder nicht.
Interessant ist der Tick-Test,
■ weil Sie sich selbst besser kennenlernen,
■ weil Sie erkennen, wo Ihre Stärken liegen,
■ weil Sie andere besser verstehen lernen und
■ weil Sie die Fähigkeiten anderer besser einzuschätzen lernen.
Die Perspektive erweitern
Sie werden weniger mit sich hadern („Ich krieg diesen ganzen Informationswust einfach in keine vernünftige Ordnung“ oder „Wieso krieg ich es eigentlich nie mit, wenn es jemandem schlecht geht?“), sich selbst mit mehr Wohlwollen begegnen und Ihre Stärken schätzen lernen, weil Sie erkennen, dass nicht jeder diese Stärke hat. Jemand, der anders tickt als Sie, hat diese Fähigkeit nicht. Und nicht zuletzt werden Sie wohlwollender mit anderen umgehen, weil Sie verstehen, welche Stärken und Schwächen andere Menschen haben – je nachdem, wie sie eben ticken. Also dann los.
SELBSTCOACHING-TOOL
9
Mit dem Tick-Test herausfinden, wo Ihre Stärken liegen
Hier lesen Sie 64 Aussagen, denen Sie entweder zustimmen können oder nicht. Anschließend schauen Sie in der Auflösung weiter unten nach, welche Kategorien Ihre Zustimmung erhalten haben.



Schauen Sie nach, aus welcher Kategorie die Aussage stammt, der Sie zugestimmt haben:
| Nr. | Kategorie | Zustimmung |
| 1. | Ratio | |
| 2. | Emotio | |
| 3. | Big Picture | |
| 4. | Detail | |
| 5. | Struktur | |
| 6. | Entwicklung | |
| 7. | Intro | |
| 8. | Extro | |
| 9. | Entwicklung | |
| 10. | Detail | |
| 11. | Emotio | |
| 12. | Intro | |
| 13. | Entwicklung | |
| 14. | Struktur | |
| 15. | Big Picture | |
| 16. | Ratio | |
| 17. | Ratio | |
| 18. | Detail | |
| 19. | Entwicklung | |
| 20. | Intro | |
| 21. | Extro | |
| 22. | Extro | |
| 23. | Entwicklung | |
| 24. | Struktur | |
| 25. | Big Picture | |
| 26. | Emotio | |
| 27. | Intro | |
| 28. | Struktur | |
| 29. | Extro | |
| 30. | Emotio | |
| 31. | Emotio | |
| 32. | Big Picture | |
| 33. | Ratio | |
| 34. | Ratio | |
| 35. | Big Picture | |
| 36. | Struktur | |
| 37. | Emotio | |
| 38. | Entwicklung | |
| 39. | Intro | |
| 40. | Extro | |
| 41. | Struktur | |
| 42. | Emotio | |
| 43. | Ratio | |
| 44. | Big Picture | |
| 45. | Emotio | |
| 46. | Ratio | |
| 47. | Struktur | |
| 48. | Entwicklung | |
| 49. | Ratio | |
| 50. | Entwicklung | |
| 51. | Intro | |
| 52. | Emotio | |
| 53. | Emotio | |
| 54. | Struktur | |
| 55. | Extro | |
| 56. | Ratio | |
| 57. | Detail | |
| 58. | Intro | |
| 59. | Entwicklung | |
| 60. | Big Picture | |
| 61. | Ratio | |
| 62. | Struktur | |
| 63. | Extro | |
| 64. | Emotio | |
Können Sie eine klare Tendenz für eine bestimmte oder für mehrere Kategorien feststellen?
| Kategorie | Anzahl |
| Intro | |
| Extro | |
| Detail | |
| Big Picture | |
| Ratio | |
| Emotio | |
| Struktur | |
| Entwicklung |
Testergebnisse nachwirken lassen
Fühlen Sie sich durch den Tick-Test bestätigt? Sind Sie überrascht? Nehmen Sie sich ruhig noch einen Moment Zeit, bevor Sie den nächsten Abschnitt beginnen, und werfen Sie nochmals einen Blick auf die Beschreibungen der einzelnen Kategorien. Die Aspekte, die Sie an sich wiedererkennen, werden Ihnen in Zukunft vielleicht öfter bewusst werden. Daneben sind jetzt vielleicht auch Aspekte aufgetaucht, die Sie sich selbst nicht so spontan zugeordnet hätten. Entweder stimmen diese Aspekte tatsächlich nicht mit Ihrer Art und Weise überein, die Welt zu sehen, Entscheidungen zu fällen oder an die Arbeit zu gehen. Oder es ist Ihnen bisher einfach noch nicht aufgefallen. Denn manchmal ist jeder von uns mit Blindheit geschlagen – vor allem dann, wenn es um uns selbst geht. Da haben andere schon längst erkannt, wie wir ticken – nur wir selbst haben es noch nicht gemerkt. Lassen Sie den Tick-Test daher einfach nachwirken. Sie werden im Laufe der Zeit immer mehr Erkenntnisse über sich gewinnen, die Ihnen dabei helfen, Ihr Potenzial freizulegen.

Immer noch gilt: Es gibt weder Richtig noch Falsch. Egal, wie Sie ticken, es ist gut so. Selbstcoacher hadern nicht, sie machen das Beste draus.
Schritt 3: Was wollen Sie? Was ist Ihnen wichtig?
Wenn Sie beim Tick-Test herausgefunden haben, dass Sie eher der Emotio-Seite angehören, wird Ihnen die Übung in Tool 10 gefallen. Warum? Weil Ihnen Werte besonders wichtig sind, Sie eher auf Werte vertrauen als auf Logik. Aber auch wenn das Tick-Ergebnis etwas anderes hervorgebracht hat, lesen Sie ruhig weiter: Werte bestimmen unser Denken und Handeln. Was für den einen okay ist, geht für jemand anderen gar nicht.
Wichtige Werteorientierung
Werte haben Revolutionen ausgelöst (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Unsere Gesellschaft basiert auf gemeinsamen Werten (Würde des Menschen, Gleichberechtigung, Menschenrechte). Dabei zählt hier nur Ihre persönliche Definition, deshalb werden die gleich folgenden Begriffe nicht erklärt oder definiert. Wir alle wissen, was mit „Gerechtigkeit“ gemeint ist – aber nur Ihnen ist daran möglicherweise etwas besonders wichtig. Nur für Sie hat der Wert „Sinn“ eine besondere Bedeutung. Dem einen ist die Unterscheidung zwischen „Freude“ und „Spaß“ besonders wichtig, jemand anders zuckt nur mit den Schultern. Manche fassen Werte zusammen, zum Beispiel „Unabhängigkeit“, „Selbstbestimmung“, „Zeitsouveränität“. Für andere sind „Unabhängigkeit“ und „Selbstbestimmung“ zwei völlig verschiedene Dinge.
Relativität der Werte
Werte können sich überdies ändern. Wenn ich arm bin, ist mir Geld vielleicht wichtiger als Schönheit. Wenn ich zu Geld gekommen bin, bedeutet es mir nicht mehr so viel. Dann treten andere Werte in den Vordergrund. Werte weisen außerdem auf Stärken hin. Jemand, der darunter leidet, „harmoniesüchtig“ zu sein, vergisst, dass „Harmonie“ auch Stärken beinhaltet, zum Beispiel feine Antennen zu haben, sensibler für die Gefühle anderer zu sein und leichter Beziehungen aufbauen zu können.
Grundsätzlich gilt, dass alle Werte gleichwertig sind. „Geld“ oder „Status“ sind nicht unanständig, „Gerechtigkeit“ ist nicht heroischer als „Sicherheit“. Fakt ist, unsere Wert sind uns etwas wert. Die einen mehr, die anderen weniger. Die persönlichen Werte zu kennen, hilft Ihnen klarer zu sehen,
■ was Sie umtreibt,
■ warum Sie unzufrieden sind,
■ weshalb Sie die Dinge plötzlich hinterfragen,
■ was nicht passt oder wo es hakt und
■ wo Sie beginnen können, etwas zu ändern.
SELBSTCOACHING-TOOL
10
Was ist mir was wert?
Sie sehen jetzt 48 Begriffe, die wir Werte nennen. Wenn Sie ermitteln möchten, welche Werte Ihnen momentan am wichtigsten sind, gehen Sie folgendermaßen vor:
■ Streichen Sie 20 Werte weg. Dann weitere zehn und noch mal zehn.
■Es bleiben acht Werte übrig – von denen streichen Sie noch einmal fünf weg und bringen dann die drei verbleibenden Werte in eine Reihenfolge.

Schreiben Sie jetzt Ihre drei wichtigsten Werte auf!
Diese Übung ist schwierig und wird Sie ins Grübeln bringen. Über bestimmte Werte haben Sie wahrscheinlich noch nie nachgedacht. Das ist in Ordnung. Vielleicht denken Sie in ein paar Wochen auch anders über das, was Sie hier ermittelt haben, und ändern Ihre Meinung. Keine Sorge, Selbstcoaching ist ein andauernder Prozess, in dem sich unsere Erkenntnisse ständig neuen Gegebenheiten anpassen.
Wichtig ist für Sie im Moment nur eines: Was bedeuten die drei Werte für Sie?
SELBSTCOACHING-TOOL
11
Mit Werte-Fragen feststellen, was die Werte für Sie bedeuten und wo es hakt
■ Finden sich diese Werte in Ihrem Leben wieder?
■ Spielen diese Werte eine Rolle in Ihrem Beruf?
■ Verhelfen die Werte Ihnen in Ihrer augenblicklichen Situation zu Zufriedenheit?
■ Bringen diese Werte auch Probleme mit sich? In der Familie? Im Beruf? Im Freundeskreis?
■ Können Sie die Werte und das, was Ihnen daran wichtig ist, ausleben?
Mit den Werten leben – gegen die Werte leben
Wenn Sie jetzt ein wenig aufgewühlt sind, weil Sie die Vermutung oder gar die Gewissheit haben, dass Ihre Suche nach Klarheit mit Ihren Werten zu tun hat: Glückwunsch! Sie sind auf dem besten Weg, ein erfolgreicher Selbstcoacher zu werden. Machen Sie jetzt nicht den Fehler, gleich alles verändern zu wollen. Lassen Sie sich Zeit. Niemand behauptet, dass wir das, was uns wirklich wichtig ist, ständig und zu unserer vollsten Zufriedenheit ausleben können. Es ist völlig normal, dass die Umstände uns zwingen, gegen unsere Werte zu leben. Kritisch wird es für Sie, wenn der Großteil dessen, was Sie tun oder tun müssen, nicht dem entspricht, woran Sie glauben oder was Ihnen etwas bedeutet. Doch woran erkenne ich, dass es der Großteil ist?
Pareto: 80-20-Check
Sie kennen vielleicht die 80-20-Regel, auch Pareto-Prinzip genannt. Vilfredo Pareto, ein italienischer Ökonom und Soziologe, fand heraus, dass 20 Prozent der Italiener über 80 Prozent des Volksvermögens verfügten. Inzwischen gilt die Erkenntnis von der 80-20-Gewichtung für eine Reihe ganz unterschiedlicher Fragestellungen, zum Beispiel:
■ sorgen 20 Prozent der Kunden für 80 Prozent des Umsatzes,
■ sind 20 Prozent der (anderen) Kunden für 80 Prozent des Ärgers verantwortlich,
■ werden in 20 Prozent der Gesamtzeit eines Projekts 80 Prozent der Ergebnisse erreicht,
■ verursachen die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse die meiste Arbeit und verbrauchen 80 Prozent der Gesamtzeit,
■ beziehen sich 80 Prozent der Anfragen in einem Support-Center auf dieselben 20 Prozent der Themen
■ laufen Sie 80 Prozent Ihres Teppichs auf nur 20 Prozent der gesamten Fläche in Ihrer Wohnung ab
SELBSTCOACHING-TOOL
12
Mit 80-20-Check analysieren, wie sehr es hakt
Versuchen Sie jetzt, Ihre Werte zu gewichten:
■ Wie sieht es mit der Gewichtung bei mir aus?
■ Wie sehr, wie oft, wie lange verbiege ich mich, um bestimmten Menschen (etwa Chef, Kollegen, Kunden, Partner, Freunden, Nachbarn) und Aufgaben gerecht zu werden?
Auch wenn Sie das nicht aufs Prozent genau tun können: Vielleicht hilft es Ihnen festzustellen, dass mit der Gewichtung etwas nicht stimmt und Sie deshalb den Wunsch verspüren, etwas zu verändern. Oder Sie können sich jetzt entspannen, weil Sie nicht mehr darauf hinarbeiten müssen, dass alles hundertprozentig passt.
Kröten schlucken
Die sinnbildlichen 20 Prozent an Kröten, die wir eben schlucken müssen, sind es uns wert. Jede Person, mit der wir zu tun haben, verlangt uns etwas ab, worauf wir keine Lust haben. Jede Aufgabe, die wir wählen, hat einen Anteil, bei dem wir die Zähne zusammenbeißen müssen. Aber wenn das große Ganze stimmt, die Gewichtung, dann ist alles in Ordnung.
Anhand der genannten 48 Werte haben Sie für sich festgehalten, was Ihnen wichtig ist und wofür Sie stehen. Sie können im zweiten Schritt die ganze Sache auch von der Rückseite begutachten und überlegen, was Sie ablehnen. Erstellen Sie hier Ihre ganz persönliche Unwerte-Liste.
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Mit Unwerte-Liste herausfinden, was Sie nicht wollen
Um Ihre Unwerte zu ermitteln, können Sie die folgenden Sätze vervollständigen und überlegen, welcher Wert sich dahinter verbirgt. Ein Beispiel: „Um Menschen, die über andere lästern, mache ich einen großen Bogen.“ Die Unwerte, die hier drinstecken, sind: Intoleranz, Respektlosigkeit, Arroganz, Überheblichkeit, Verachtung, Engstirnigkeit.
■Ich lehne ________________ ab.
■ Ich bin gegen ________________.
■ ________________ ist mir zuwider.
■ Um Menschen, die ________________ mache ich einen großen Bogen.
Schreiben Sie jetzt auch Ihre Unwerte auf!
Träum doch mal am Tag
Dachten Sie bisher, dass Träume nur in der Nacht vorkommen? Keineswegs. Selbstcoacher dürfen auch am Tag träumen. Wussten Sie, dass nicht nur der Lottogewinn Menschen froh und glücklich macht, sondern schon die Aussicht darauf? Und – verrückt, aber erforschte Tatsache – dass Sie dafür nicht einmal Lotto spielen müssen? Allein die Vorstellung, im Lotto zu gewinnen und davon träumen zu können, was man mit 30 Millionen Euro alles machen könnte, versetzt uns in selige Glückserwartung.
Unsere Tagträume verraten uns etwas darüber, was wir gern machen würden, wenn … Ja, wenn. Wenn wir die Zeit hätten. Wenn die Kinder groß wären. Wenn mehr Geld da wäre. Tun Sie doch mal so, als ob Sie die Zeit hätten, die Kinder aus dem Haus wären, das Konto zum Bersten voll wäre.
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Mit Tag-Traum herausfinden, was Ihr größter Wunsch ist
Was würden Sie tun, wenn:
■ Sie den berühmten Cent mehr hätten, als Sie bräuchten, kurzum, mehr Geld, als Sie ausgeben können?
■ Sie so viel Zeit hätten, wie Sie nur wollten. Sie brauchen nicht zu arbeiten, irgendwer erledigt den Haushalt, für alles ist gesorgt?
■ Sie niemand der üblichen Verdächtigen (Kinder, Partner, Eltern) bräuchte?
■ Sie wirklich einfach tun und lassen könnten, was Sie wollen?
Die Wenns vergessen
Am besten, Sie grübeln gar nicht so lange darüber nach, wie viel Sinn jetzt in dieser Übung steckt und welche Antwort Sie wohl geben sollten. Nein, schreiben Sie spontan auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Was würden Sie tun? Ehrlich! Niemand guckt. Sie müssen niemandem Rechenschaft ablegen, sich vor niemandem rechtfertigen. Sie müssen es auch nicht in die Tat umsetzen. Jetzt geht es lediglich darum, dass Sie Ihren Träumen auf die Spur kommen. Wovon träumen Sie, wenn es alle diese „Wenns“ nicht gäbe?
Je nachdem, wie Ihre Antwort ausfällt, können Sie Schlüsse daraus ziehen, was Ihnen wichtig ist. Vieles lässt sich vielleicht nicht erreichen oder umsetzen. Oder Sie denken bis jetzt bloß, dass es sich nicht erreichen lässt. Vielleicht ist es ja doch möglich. Vielleicht muss es ja auch nicht genau so sein, wie Sie es sich erträumen. Aber bevor Sie gänzlich darauf verzichten, können Sie vielleicht einen Weg finden, Ihren Traum auf eine realistische Weise auszuleben. Ergänzen Sie darum noch den folgenden Satz:
■ Wenn ich völlig frei wäre, würde ich …
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Mit der Beruf/ungs-Frage feststellen, was Ihr größter Wunsch ist
■ Welchen Beruf üben Sie aus? Welchen Beruf würden Sie gern ausüben? Wenn Sie könnten? Wenn alles möglich wäre?
■ Notieren Sie fünf Berufe, die Sie ausüben würden, wenn Sie nicht das machen würden, was Sie machen.
Veränderung wagen
Was hindert Sie? Haben Sie nicht die richtige Ausbildung? Können Sie sie wirklich nicht mehr nachholen? Haben Sie nicht die richtigen Voraussetzungen? Können Sie Ihren Wunsch auf andere Weise erfüllen? Fühlen Sie sich zu alt, um etwas Neues auszuprobieren? Scheuen Sie das Risiko? Holen Sie sich Unterstützung und Beratung. Tun Sie sich mit anderen zusammen, die einen ähnlichen Wunsch hegen. Bereiten Sie etwas vor oder stellen Sie etwas Ehrenamtliches auf die Beine, das Sie weitermachen können, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder wenn Sie in Rente gehen.

Werte erinnern uns daran, was uns wirklich wichtig ist. Träume sind nicht nur in der Nacht erlaubt.
Schritt 4: Was bringen Sie mit? DNA und Erziehung
Was macht unsere Persönlichkeit aus? Machen wir sie uns selbst? Ist sie uns mitgegeben? Macht die Gesellschaft aus uns, was wir sind? Woher kommt meine Persönlichkeit und wie wird aus ihr etwas? Geben Sie einmal „+DNA +Persönlichkeit“ bei Google ein – Sie erhalten lediglich drei Links. Alle drei zu Vaterschaftstests.
Fällt der Apfel weit vom Stamm?
„Wie der Vater, so der Sohn“. „Wie die Mutter, so die Tochter.“ „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ So heißt es im Volksmund. Besonders über das Aussehen können wir familiäre Verbindungen erkennen. Was heute als Binsenweisheit gilt, faszinierte Wissenschaftler bis ins 19. Jahrhundert. Erst 1865 entdeckte der katholische Priester und Forscher Gregor Johann Mendel die Regeln der Vererbung und erklärte, was schon Aristoteles aufgefallen war: dass Kinder oft dieselben körperlichen Merkmale tragen wie ihre Eltern. Heute lernen Kinder in der Schule, dass Vater und Mutter jeweils 23 Chromosomen, also die Strukturen, die die Gene enthalten, an ihr Kind weitergeben. Jeder gesunde Mensch verfügt über 46 Chromosomen, die ungefähr 25.000 Gene enthalten. Damit es bei der Weitergabe der Chromosomen nicht von Generation zu Generation immer mehr werden, reduziert sich die Anzahl der Chromosomen jeweils vor der Ausbildung der Keimzellen um die Hälfte. Welche Chromosomen es anschließend ins Team 23 schaffen, ist Zufall. Und damit ist auch bei der Vererbung der Gene durch Mutter und Vater die Verteilung von etwa 25.000 Genen zufällig.
Gene für die Persönlichkeit?
Viele Gene haben für die Wissenschaft bereits ihre Funktion enthüllt, zum Beispiel für Haar- und Augenfarbe oder Erbkrankheiten. Doch gibt es auch Gene für unsere Persönlichkeit? Wird unser Charakter durch das Erbgut festgelegt? Ist die Entwicklung unserer Persönlichkeit genetisch festgelegt, analysier- und vorhersagbar? Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Veranlagung etwa die Hälfte unserer persönlichen Konstitution ausmacht. Intelligenz, Temperament und Charakter sind danach zu 50 Prozent genetisch bedingt. Gefunden hat jedoch bislang noch niemand diese speziellen Gene oder Gen-Kombinationen, die die Persönlichkeit bestimmen.
Dennoch würde heute niemand mehr behaupten, dass alles, was uns ausmacht, anerzogen ist. Vielmehr ist die Sache so komplex, dass man Persönlichkeitsmerkmale nicht an einzelnen Genen festmachen kann. „Es gibt keine Einbahnstraße vom Genom zur Persönlichkeit“, schreibt Jens B. Asendorpf, Professor für Persönlichkeitspsychologie von der Humboldt Universität Berlin, „sondern ein viele Aktivitätsebenen umspannendes Wirkungsnetz“ (siehe „Persönlichkeitspsychologie für Bachelor“, S. 147).
Dass Vererbung einen Anteil an unserer Persönlichkeit hat, steht heute jedoch fest. Nehmen wir es wie den Fall Aristoteles – Mendel: Aristoteles ahnte bereits 2000 Jahre vor der Entdeckung der Gene, dass Menschen etwas in sich tragen, das sie an künftige Generationen weitergeben. Wie konnte es sonst sein, dass der Sohn dem Vater oder der Mutter so ähnlich war? Ebenso gehen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen heute davon aus, dass nicht nur unser Aussehen, sondern auch unsere Intelligenz, unser Charakter und unser Temperament zumindest teilweise angeboren sind.
Vererbung und Umwelteinfluss
Auch wenn die Bausteine für unsere Persönlichkeit noch nicht gefunden sind, ist klar, dass wir nicht nur durch unser Umfeld geformt sind. Diese Annahme aus den 1960er-Jahren, bei der so weit gegangen wurde, zu behaupten, dass nur Erziehung und Umwelt aus einem Mädchen ein Mädchen und aus einem Jungen einen Jungen machen, ist hinlänglich widerlegt. Und mal ehrlich: Welche Eltern haben das nicht selbst an ihren Kindern beobachtet: Da ziehen sie ihr Töchterchen bewusst nicht rosa Schühchen an, um sie nicht in das Klein-Mädchen-Schema zu pressen. Und womit liegt die Kleine ihnen dann ständig in den Ohren? Mit den pinkfarbenen Ballerinas. Und der Bruder? Schnappt sich auf dem Spazierweg ein Stöckchen und macht: „Peng! Peng!“
Der Kern Ihrer Persönlichkeit
Wir kommen nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt. Wissenschaftler gehen von folgender Annahme aus: Jeder Mensch hat einen genetisch festgelegten Kern seiner Persönlichkeit. Das bedeutet für Sie: Teile Ihres Temperaments, Ihrer Art zu denken, Ihres Charakters, Ihrer Intelligenz sind angeboren. Das erklärt auch, warum mehrere Menschen, die in derselben Umgebung aufwachsen, sich völlig unterschiedlich entwickeln. Geschwister, die von denselben Eltern erzogen wurden, streben in völlig unterschiedliche Richtungen, benehmen sich unterschiedlich, bilden sogar krasse Gegensätze. Der Kern ihrer Persönlichkeit unterscheidet sie voneinander und die gleiche Umwelt macht aus ihnen nicht automatisch gleiche Menschen. Selbst wenn sie miteinander verwandt sind – ihr Erbgut ist in einem Maße verschieden, dass sie sich unterschiedlich entwickeln und ihre ureigene Persönlichkeit ausleben. Nur eineiige Zwillinge stellen einen Sonderfall dar: Ihr Erbgut ist im Gegensatz zu anderen Verwandten identisch. Eineiige Zwillinge, die in verschiedenen Umgebungen aufwachsen, entwickeln daher zum Teil dieselben Vorlieben, Abneigungen, ja sogar Ticks oder Macken. Ihr übereinstimmender genetisch veranlagter Persönlichkeitskern sorgt dafür.
Umwelt und Erziehung
Gleichzeitig ist es sonnenklar, dass wir nicht unter einer sterilen Vakuum-Glocke aufwachsen. Bereits im Mutterleib werden wir mit unzähligen Impulsen konfrontiert: mit Berührungen, Geräuschen, Temperaturschwankungen. Wir agieren, reagieren, interagieren – permanent. Später kommen die Sinne voll zum Einsatz: Wir hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken. Auch das permanent. Dabei unterliegt das, was wir hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken – kurz: was wir wahrnehmen –, unserem persönlichen Filter.
Verschiedene Wahrnehmungsfilter
Dieser Filter entsteht durch die Erfahrungen, die wir machen, und die Schlüsse, die wir daraus ziehen. Weil wir unfähig sind, die Millionen von Eindrücken zu verarbeiten, die sekündlich auf uns einprasseln, haben wir uns darauf verlegt, eine Auswahl zu treffen. Wir nehmen etwas wahr (das nur ein geringer Teil dessen ist, was wirklich passiert) und leiten daraus eine Bedeutung (die nur eine Möglichkeit aus vielen ist) ab. Tatsächlich passiert gleichzeitig sehr viel mehr, was wir gar nicht wahrgenommen haben. Und es sind immer mehrere Bedeutungen dessen möglich, was wir wahrgenommen haben. Das ist der Grund, warum verschiedene Menschen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen: Aufgrund ihrer unterschiedlichen Veranlagung und ihres individuellen Erfahrungshintergrunds haben sie unterschiedliche Filter entwickelt – dazu ein Beispiel:
Verschiedene Erfahrungen – verschiedene Wahrnehmungsfilter
■ Sophie sieht, dass Mama böse guckt. Sie hat gelernt, dass jemand, der böse guckt, verärgert ist und dass es dafür einen Grund gibt. Sophie verfügt in ihrem Erfahrungsschatz über diverse Erinnerungen, in denen sie Anlass zu Verärgerung gegeben zu haben glaubt. Sie folgert daraus: „Ich habe etwas falsch gemacht. Ich war nicht brav genug. Ich muss mich entschuldigen.“
■ Ihre Schwester Klara geht da ganz anders vor: „Mama guckt böse? Ach, sie ist mal wieder schlecht drauf. Wahrscheinlich hat sie zu wenig geschlafen oder Ärger bei der Arbeit. Ich gehe mal besser in mein Zimmer und lasse sie in Ruhe.“
■ Der kleine Bruder, Paul, zieht seinerseits wiederum einen anderen Schluss: „Mama geht es nicht gut. Das macht mich traurig. Ich unternehme etwas, dann geht es ihr wieder gut.“ Er geht in den Garten und kommt mit einem Strauß Gänseblümchen zurück.
So nützlich unser Filter ist, um uns vor Reizüberflutung und Überforderung zu schützen, so wichtig ist es für Sie zu wissen, dass der Filter nur Ihre persönliche Sicht auf die Dinge zulässt. Er behindert Sie immer dann, wenn Sie:
■ das ganze Bild sehen wollen,
■ andere Menschen verstehen wollen,
■ Klarheit gewinnen wollen oder
■ sich neue Wahlmöglichkeiten eröffnen möchten.
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Filter öffnen, um festzustellen, was von Ihrem persönlichen Blickwinkel ausgeblendet wird
Immer dann, wenn Sie
■ die Antwort auf eine Frage nicht finden,
■ Sie das Gefühl haben, im Nebel zu versinken,
■ sich über andere wundern oder aufregen,
■ wichtige Entscheidungen treffen müssen,
■ sich schlecht, unfähig oder minderwertig fühlen oder
■ sich neue Handlungsmöglichkeiten erschließen wollen,
erinnern Sie sich an den Filter in Ihrem Kopf!
Darum: Wenn es Ihnen hilft, stellen Sie sich die Belüftungsschlitze im Auto vor. Sie stellen sie normalerweise von Ihrem Platz für sich ein und meistens bleiben sie so – bis sich irgendwas ändert, es heiß wird und Sie mehr direkte Luft haben wollen. Dann fällt Ihnen ein, dass Sie die Schlitze auch nach oben, unten, rechts, links ausrichten können.
Und so machen Sie sich Ihren Filter bewusst:
■ Spielen Sie alle Möglichkeiten durch, wirklich alle, auch die scheinbar noch so idiotischen. Alles, was denkbar ist, ist eine Möglichkeit!
■ Mama guckt sauer? Was könnte alles ein Grund dafür sein? Sie ärgert sich. Sie ist müde. Sie konzentriert sich. Sie erinnert sich an ein Erlebnis. Sie denkt an ihren Chef. Sie ist im Stress wegen des Kindergeburtstages. Sie übt für ein Theaterstück. Sie zählt ihre Stirnfalten. Sie freut sich, will es aber nicht zeigen. Sie probt für ihre nächste Gehaltsverhandlung. Sie muss etwas reklamieren. Sie muss gleich jemanden anrufen, den sie nicht mag. Die Mikrowelle ist schon wieder kaputt. Die Waage hat das falsche Gewicht angezeigt. Die Werkstatt-Rechnung ist viel höher ausgefallen als erwartet.
Sie sehen, diese Liste ließe sich noch beliebig verlängern. Denken Sie daran: Auch wenn Sie sich sicher sind, richtigzuliegen: Es gibt immer auch noch andere Deutungsmöglichkeiten. Bevor Sie sich festlegen, verschaffen Sie sich lieber Klarheit. Interpretieren Sie nicht so viel, prüfen Sie die Fakten. Besonders, wenn andere Menschen betroffen sind. Fragen Sie lieber nach, bevor Sie Ihre Schlüsse ziehen. Vielleicht ist alles ganz anders. Ob und was Sie daraus machen, ist eine andere Frage. Allein die Tatsache, dass Sie Ihren Filter öffnen, unterscheidet Sie von den meisten anderen Menschen.
Also: Das nächste Mal, wenn
■ Sie keine andere Lösung sehen,
■ Sie nicht wissen, was Sie tun sollen,
■ Sie etwas nicht nachvollziehen können,
■ Sie denken, Sie wüssten, wie etwas wirklich ist,
erinnern Sie sich daran, dass Ihr Filter Ihnen die Sicht auf andere Möglichkeiten versperrt.
Ihr Einfluss auf die Persönlichkeit
Auch wenn ein Kern unserer Persönlichkeit von Anfang an feststeht: Dieses Buch wäre total überflüssig, wenn wir nicht auch irgendwie Einfluss darauf hätten, was wir sind und was wir tun. Wie Sie in der Filter-Übung in Tool 16 gerade gesehen haben, haben Sie es selbst in der Hand, was Sie aus Ihren Wahrnehmungen und Erfahrungen machen. Sie sind ein denkender Mensch und damit in der Lage, die Schlüsse, die Sie ziehen oder bisher gezogen haben, und Ihre Handlungen zu hinterfragen.
Fähigkeit zur Selbstreflexion nutzen
Für die Zukunft bedeutet das, dass Sie Ihr Verhalten und Ihre Handlungen zu einem größeren Teil selbst steuern als bisher. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion gibt Ihnen den Einfluss, den Sie benötigen, um das Beste aus sich zu machen, und sie ist zugleich Voraussetzung für Ihren Erfolg als Selbstcoacher. Wer nie darüber nachdenkt, wer er ist und warum er denkt und handelt, wie er denkt und handelt, der lebt sein Leben vor sich hin. Wer nie auf die Idee kommt, dass er auch anders denken und handeln kann, als er es tut, dessen Horizont reicht nur bis zur Schuhspitze.
Vom Selbstbewusstsein zur Selbsterkenntnis
Machen Sie sich bitte den folgenden Prozess bewusst:
■ Mit Selbstbewusstsein ist das Bewusstsein des eigenen Ichs gemeint. Kein Selbstbewusstsein zu haben, führt dazu, dass jemand sich entweder über- oder unterschätzt, da der Prozess der Selbstreflexion dann hier auch schon wieder endet.
■ Die Selbstbeobachtung setzt die Fähigkeit voraus, einen möglichst objektiven Standpunkt sich selbst gegenüber einzunehmen.
■ Selbstreflexion bedeutet das gezielte Nachdenken über sich selbst.
■ Daraus erwächst die Selbstkritik: das kritische Hinterfragen und Beurteilen des eigenen Ichs.
■ Das kritische Hinterfragen und Beurteilen des eigenen Ichs führt zur Selbsterkenntnis: sich klar werden und erkennen, wer man ist und wodurch das eigene Denken und Handeln geprägt ist.
■ Ziel der Selbsterkenntnis ist es, das eigene Denken und Handeln so zu verändern,
– dass es einem besser geht als vorher,
– dass man besser mit anderen klarkommt,
– dass man sich nicht länger mit lähmenden Gedanken quält,
– dass man sich nicht länger selbst im Weg steht,
– dass man mit sich ins Reine kommt und
– dass man das Beste aus sich macht.
Das Problem der objektiven Betrachtung
Dabei geht es gar nicht unbedingt nur ums Ego. Selbsterkenntnis und Veränderung kommen meist auch den Mitmenschen zugute. So selbstverständlich der Prozess „vom Selbstbewusstsein zur Selbsterkenntnis“ hier erscheint, so schwierig ist es, ihn wirklich bis zum Ende zu durchschreiten. Und das liegt nicht daran, dass wir am Ende dann doch davor zurückzucken, etwas zu ändern. Die größte Schwierigkeit, vom Selbstbewusstsein zur Selbsterkenntnis zu gelangen, liegt darin, sich selbst objektiv zu betrachten. Denn wie kann ich gleichzeitig Forscher und Forschungsgegenstand in einem sein? Der Käfer kann nicht gleichzeitig auf dem Glasplättchen unter dem Mikroskop liegen und oben durchs Mikroskop auf sich selbst herunterschauen. Wie soll dann ein Mensch sich selbst unter die Lupe nehmen?
Farbe der Erkenntnisbrille beachten
Objektivität im Sinne von persönlicher, emotionaler Unabhängigkeit können wir uns selbst gegenüber nicht erreichen. Das ist aber auch nicht notwendig. Sie sind keine Wissenschaftler, die an der Promotion über sich selbst schreiben. Es genügt, wenn Sie sich dessen bewusst sind, dass Sie:
1. immer Ihre ganz persönliche Brille auf der Nase haben und
2. in der Lage sind, diese Brille gegen ein anderes Modell auszutauschen.
Wir Menschen sind in der Lage, uns, unser Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Wir können Grundannahmen hinterfragen, die uns beeinflussen. Wir können uns entscheiden unseren Horizont zu erweitern, indem wir erkennen, dass es nicht nur diese eine Annahme gib, sondern auch andere Sichtweisen möglich sind. Wenn Sie glauben, sich in einer bestimmten Situation nur so und nicht anders verhalten zu können, dann erinnern Sie sich daran, dass Sie die Brille, die Sie auf der Nase haben, ablegen und ein anderes Modell aufsetzen können. Das erfordert Mut. Und vergessen Sie nicht: Auch die neue Brille ist Ihre persönliche Sicht der Dinge.
Im Ego-Tunnel
Objektivität gibt es nicht. Der Philosoph Thomas Metzinger nennt das den Ego-Tunnel. Egal, was wir erleben, es ist unsere persönliche Art, es zu erleben. Auch dann, wenn wir uns das Erleben bewusst machen. Trotzdem gilt: Je mehr Brillen Sie in der Schublade haben, desto mehr Sichtweisen eröffnen Sie sich. Und je mehr Sichtweisen Sie sich eröffnen, desto eher sind Sie in der Lage, anders zu handeln als bisher. Sie vergrößern Ihre Auswahl an Handlungsmöglichkeiten.

Sie haben die Wahl. Selbstcoacher sind weder Sklaven ihrer Gene noch ihrer Erziehung.
Schritt 5: Was war? Was ist? Was wird sein?
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Für Selbstcoacher gehören diese drei Zeitebenen zusammen. Aber die Vergangenheit kann man doch nicht mehr ändern, wenden Sie jetzt vielleicht ein, empört oder bedauernd. Was vergangen ist, ist vergangen und lässt sich nicht mehr ändern. Ich glaube, doch.
Der Blick auf das, was war
„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ ist der Titel eines Bestsellers des finnischen Psychiaters Ben Furman, internationaler Experte für lösungsorientierte Therapie, Coaching und Organisationsberatung. Darin belegt er nicht nur, dass eine verkorkste Kindheit nicht automatisch auch ein verkorkstes Leben bedeutet, sondern dass Erwachsene ihre Sicht auf die Vergangenheit verändern können. Alles, was uns in unserem Leben bislang passiert ist, hat eine Bedeutung. Was wir jedoch oft vergessen, ist, dass wir diese Bedeutung selber vergeben. Wir sind es, die einem Erlebnis eine bestimmte Bedeutung verleihen.
Erlebnissen eine neue Bedeutung verleihen
Wenn Sie sich jetzt an den Filter erinnern, der beeinflusst, auf welche Art und Weise Sie sich die Welt erklären, dann verstehen Sie, was das für Ihre Vergangenheit bedeutet: Sie können Erlebnisse durch eine andere, neue Brille sehen und ihnen eine neue Bedeutung verleihen. Brian Tracy, einer der namhaftesten Erfolgstrainer der Welt, sagt: „Wie Sie sich fühlen, hängt nicht davon ab, was Ihnen passiert, sondern davon, wie Sie die Dinge, die Ihnen passieren, auslegen.“
Neue Bedeutungsebenen
Das heißt: Wie Sie heute über Ihre Vergangenheit denken, können Sie morgen ändern. Die Bedeutung, die Sie den Geschehnissen verliehen haben, könnte auch eine ganz andere sein. Jemand, der einen schrecklichen Unfall hatte, hadert sein Leben lang mit den Folgen. Jemand anders, der einen schrecklichen Unfall hatte, bedauert, dass es andere noch schlimmer getroffen hat. Ein Dritter hat nach seinem Unfall eine ganz neue Erkenntnis darüber, was im Leben wirklich wichtig ist, und ist sogar dankbar für das, was ihm passiert ist.
Vor Ihrer Zeit
„Das war vor deiner Zeit.“ Wer hat das nicht schon einmal zu hören bekommen oder selbst zu jemandem gesagt? Damit ist man fein raus. Was vor meiner Zeit war, hat mit mir nicht viel zu tun. Oder vielleicht doch? Wenn Sie Eltern oder Großeltern haben, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, könnte der folgende Abschnitt Sie besonders interessieren.
Einfluss traumatischer Erlebnisse
In den vergangenen Jahren haben sich mit zunehmender Intensität unterschiedliche Wissenschaftler – Psychologen, Pädagogen, Biologen, Genetiker – mit den Folgen traumatischer Erlebnisse für die nachfolgenden Generationen beschäftigt. In Deutschland steht dabei zumeist der Zweite Weltkrieg im Fokus. Allerdings war es lange Zeit tabu, über die selbst erlebten Gräuel zu sprechen. Erst nach und nach kommen Erkenntnisse darüber ans Licht, welchen Einfluss die Erlebnisse vor 70 Jahren auf die nachfolgenden Generationen haben. Eine neue, bis zur Niederschrift dieser Zeilen noch nicht veröffentlichte Studie von Michael Ermann, Leiter der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik der Psychiatrischen Universitätsklinik München, belegt, dass Kinder und Enkel auch heute noch unter den Erlebnissen ihrer Eltern und Großeltern leiden. Und zwar stärker, als bislang angenommen.
Kriegserlebnisse und ihre Folgen
Selbst in Familien, in denen nicht über den Krieg gesprochen wurde, sind Denk- und Verhaltensmuster an die nächste Generation weitergegeben worden. Heute gehen Psychologen und Epigenetiker – also Biologen, die sich auf die Prozesse von Zellen spezialisiert haben – davon aus, dass sich Traumata weitervererben, und zwar nicht nur durch das Verhalten der Eltern ihren Kindern gegenüber, sondern im wahrsten Sinne des Wortes: über genetisch veränderte Zellen. Demnach können traumatische Erlebnisse das Erbgut verändern und sich so über Generationen weitervererben.
Nachdenken über die Zeit vor der Zeit
Um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was in Ihnen steckt, was Sie antreibt, wie viel Einfluss Ihre Vergangenheit auf Ihre persönliche Weltsicht hat, ist es nützlich, auch über die Zeit vor Ihrer Zeit nachzudenken. Dies gilt vor allem, wenn diese Zeit von Unruhen, Unsicherheit und Gewalt geprägt war. Erst seit einigen Jahren gehen die in Frieden und Wohlstand aufgewachsenen Menschen der Frage nach, woher ihre Rastlosigkeit kommt: das Gefühl von Entwurzelung, Heimatlosigkeit und Verunsicherung. Kriegskinder leiden laut Michael Ermann heute weit häufiger unter psychischen Störungen wie Ängsten, Depressionen und psychosomatischen Beschwerden als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Was treibt Sie an?
Natürlich bietet dieses Selbstcoaching-Buch keine persönlichen Fallanalysen noch stellt es Therapiemöglichkeiten psychischer Erkrankungen vor. Hier geht es lediglich darum, Ihnen so viel Klarheit bezüglich „der Zeit vor Ihrer Zeit“ wie möglich zu verschaffen. Überlegen Sie,
■ ob Sie Großeltern oder Eltern haben, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben,
■ was Sie über deren Erlebnisse wissen,
■ welche Angewohnheiten Ihre Vorfahren haben oder hatten, die Sie den Kriegserlebnissen zuschreiben, und
■ welche Angewohnheiten und Einstellungen Sie vielleicht geerbt haben könnten.
Das „Erbe“ der Vorfahren
Viele Nachfahren der Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, haben ganz typische Einstellungen, Verhaltensmuster, Gefühle, Angewohnheiten und Überzeugungen geerbt. Dieses Erbe hat großen Einfluss darauf, wie sie heute leben, Entscheidungen treffen und mit ihren Gefühlen umgehen.
Die folgende Übersicht erläutert, welche Merkmale von Kriegskindern und Kriegsenkeln möglicherweise auf Kriegserlebnisse der Eltern oder Großeltern zurückzuführen sind.
| Merkmale von Kriegskindern und -enkeln | Mögliches Kriegserlebnis der Eltern oder Großeltern |
| ■ Fernweh, die Sehnsucht, immer wieder neu anzufangen | Flucht, Vertreibung, Verlust der Heimat, Odyssee über zahlreiche Stationen |
| ■ Von einem Ort wegzustreben, in der Hoffnung, am neuen Ort Frieden zu finden | |
| ■ Häufiger Wohnungs- und Arbeitswechsel | |
| ■ Gefühl, nie irgendwo anzukommen | |
| ■ Gefühl, nicht zu wissen, wohin man gehört | |
| ■ Gefühl, Außenseiter zu sein, nicht dazuzugehören | |
| ■ Zu kleine Wohnungen | Vorläufige Anlaufstellen, Auffanglager, Baracken; Annahme, später in die Heimat zurückkehren zu können |
| ■ Vorläufige oder halbherzig eingerichtete Wohnungen | |
| ■ Klammern an Menschen | Flucht im letzten Moment, Verfolgung, ständige Bedrohung, Ausgeliefert-Sein, Panik, Chaos |
| ■ Starkes Bedürfnis nach Sicherheit | |
| ■ Schreckhaftigkeit | |
| ■ Ängstlichkeit | |
| ■ Gefühle innerer Leere, ohne dies anderen gegenüber zu zeigen | Selbst erlebte oder beobachtete Gewalt, Verzweiflung, Verlust, Todesangst; Tabu, darüber zu sprechen; fehlendes Mitleid, da alle betroffen waren; heutige Nöte erscheinen dagegen trivial |
| ■ Heile-Welt-Spielen, Stärke zeigen | |
| ■ Eine perfekte Fassade aufrechterhalten | |
| ■ Mangel an Empathie | |
| ■ Unverständnis, Desinteresse oder Härte anderen gegenüber | |
| ■ Unwillen oder Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen | |
| ■ Träume oder Albträume mit Kriegsund Fluchtszenen | |
| ■ Eltern sind einem fremd, kein emotionaler Zugang, fehlende körperliche Nähe | |
| ■ Minderwertigkeitsgefühle | Verlust allen Hab und Guts, sozialer Abstieg, totaler Neuanfang, Entbehrungen, Hunger |
| ■ Hohe Leistungsbereitschaft | |
| ■ Alles selbst tun wollen, von anderen nichts annehmen können | |
| ■ Ehrgeiz und Drang, sich beweisen müssen | |
| ■ Existenzangst | |
| ■ Wichtig, etwas zu besitzen | |
| ■ Lagern von Vorräten, Hamstern, Schnäppchenjagd | |
| ■ Überzeugung, es nicht gut haben zu dürfen | |
| ■ Starkes Verantwortungsbewusstsein für die Eltern, das Gefühl, etwas gutmachen zu müssen | |
| ■ Devotes Verhalten, Duldsamkeit, unauffällige Lebensweise | Unterbringung von Flüchtlingen oder Vertriebenen bei fremden Familien; Besatzung, Kriegsschuld |
Haben Sie sich, Ihre Eltern oder Großeltern in dieser Liste wiedererkannt? Dann informieren Sie sich über das Thema Kriegskinder und Kriegsenkel und sprechen Sie mit Ihren Großeltern, Eltern, Geschwistern und Verwandten, sofern das noch möglich ist. Reflektieren Sie die typischen Merkmale, die Sie bei sich bestätigt sehen. Worin zeigen sie sich konkret? Was möchten Sie ändern, nun, da Sie der Ursache auf den Grund gegangen sind?
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Mit Vor-meiner-Zeit-Übung die ehernen Lebensgesetze erkennen
Fragen Sie sich: Welche Einstellungen, Verhaltensmuster, Gefühle, Angewohnheiten und Überzeugungen haben Sie geerbt? Welche „ehernen Gesetze“ gelten in Ihrem Leben? Sind Sie auch schon ein Mal zu oft umgezogen? Haben Sie auch noch keine Zeit dafür gehabt, Gardinen in Ihrer Wohnung anzubringen? Brauchen Sie immer mindestens vier Packungen Spaghetti zu Hause? Haben Sie Ihr Grundstück auch meterhoch eingezäunt? Wird Ihnen mulmig, wenn jemand Ihnen sein Herz ausschütten will? Finden Sie die Gefühlsregungen anderer oft übertrieben? Beißen Sie lieber die Zähne zusammen, als jemanden um einen Gefallen zu bitten?
Die Fragen vor dem Hintergrund der Kriegserlebnisse Ihrer Familie gehen ans Eingemachte, und vielleicht fragen Sie sich, was das Thema in einem Selbstcoaching-Buch zu suchen hat. Das Ziel dieses Tools ist:
1. sich und den eigenen Angehörigen mit mehr Wohlwollen zu begegnen, Verständnis für eigene Angewohnheiten und Macken sowie die der anderen aufzubringen,
2. das Erkennen, Loslassen oder Durchbrechen von ehernen Gesetzen und
3. Frieden zu finden.
Beispiel: Die Erlebnisse der Mutter als Traumstoff
Die Schauspielerin Esther Schweins hatte jahrelang immer den gleichen Albtraum, mit beängstigenden Szenen von Krieg und Untergang. Als Kind lässt sie sich von ihren Eltern trösten, ohne zu wissen, dass sie von den Kriegserlebnissen ihrer Mutter träumt.
Erst als erwachsene Frau erfährt Esther Schweins von den Erlebnissen der Mutter und erkennt darin die Szenen ihrer Alpträume wieder. Nach diesem Gespräch verschwindet der Traum für immer.
Quelle: Esther Schweins im ZEITmagazin LEBEN
Leben im Hier und Jetzt
Wir können die Vergangenheit mit neuen Augen sehen und die Zukunft planen, aber es schadet auch nicht, ab und zu im Hier und Jetzt zu leben. Was ist jetzt gerade bei Ihnen los? Womit verbringen Sie Ihre Zeit? Was davon machen Sie gern? Was ungern? Was käst Sie so richtig an? Manchmal sind es die täglichen kleinen Dinge, die nervigen Dauerbrenner, die uns die Energie rauben, etwas Großes auf die Beine zu stellen. Die Energie, die wir brauchen, um durch den Tag zu kommen, um etwas zu bewegen, Spuren zu hinterlassen oder etwas zu verändern, ist nicht begrenzt. Es kommt uns nur oft so vor. So als hätten wir ein Glas mit einer bestimmten Menge Energie pro Person, aus dem wir durch den Tagesstrohhalm trinken, und dann macht es irgendwann dieses Letzte-Tropfen-Chrchchchchr-Geräusch, und dann war es das.
Was jetzt los ist
Tatsächlich berauben wir uns oft selbst der notwendigen Energie, indem wir viel zu viele Dinge tun, Gedanken denken und Gefühle zulassen, die uns Energie rauben. Diese Leute, die immer so viel Energie für alles zu haben scheinen und abends noch frisch aussehen, die haben auch kein größeres Glas. Die haben bloß nicht so viele Energieräuber – und deshalb ist ihr Glas nicht so schnell leer. Was sind Ihre Energieräuber?
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Mit der 24-Stunden-Uhr Inventur machen

Erstellen Sie Ihre persönliche 24-Stunden-Uhr. Tragen Sie alle Aktivitäten ein, die Sie mindestens eine halbe Stunde pro Tag ausüben. Wenn Sie etwas nicht jeden Tag tun, es aber wichtig für Sie ist: Tragen Sie es ein. Tragen Sie auch Ihre durchschnittliche Schlafdauer in Stunden ein. Unterteilen Sie Ihren Arbeitstag in die verschiedenen Tätigkeiten. Bewerten Sie anschließend jede Tätigkeit mit einem + oder einem – , je nachdem, ob diese Tätigkeit Sie erfüllt oder Ihnen Kraft, Energie und Freude raubt. Was macht Ihnen Spaß (+)? Was nervt Sie (–)?
■ Und welche Ideen haben Sie, um Ihre Energieräuber zu minimieren?
■ Ein Tipp: Sie können Ihre Energieräuber delegieren, mit anderen tauschen, weglassen, verändern oder einen Spaßfaktor hinzufügen. Was fällt Ihnen selbst noch ein?
Sich selbst loben
Haben Sie sich schon einmal selbst gelobt? Haben Sie sich heute schon gelobt? Nein? Dann fangen Sie gleich damit an. Zum Beispiel, weil Sie mit Ihrem Selbstcoaching schon so weit gekommen sind. Sie haben heute mindestens schon zehn tolle Dinge getan, würdigen Sie das! Klopfen Sie sich auf die Schulter, bestaunen Sie sich und Ihre Leistung, bringen Sie Ihre Bewunderung zum Ausdruck. Selbstlob stinkt? Nur, wenn Sie es vor anderen tun. Loben Sie sich selbst, aber tun Sie es ganz für sich allein. Tun Sie das mindestens einmal am Tag – zum Beispiel:
■ „Toll, dass ich diesmal den Einkaufszettel nicht zu Hause liegen gelassen habe!“
■ „Wie gut ich heute wieder aussehe!“
■ „Wow, schon das halbe Konzept fertig!“
■ „Richtig schön habe ich diesen Entwurf hingekriegt!“
■ „Nett von mir, das Paket für die Nachbarin anzunehmen!“
■ „Klasse, heute die Kinder ganz ohne Gemecker in den Kindergarten gebracht!“
■ „Lecker, mein Mittagessen!“
■ „Schön, wie entspannt ich im Gespräch mit dem Chef war!“
Weg mit der Selbstablehnung
Gewöhnen Sie sich nach und nach die blockierende Selbstablehnung ab und begegnen Sie sich stattdessen mit Anerkennung, Dankbarkeit und Respekt. Jeder Mensch ist zunächst einmal okay. Jeder Mensch hat einen liebenswert Kern, der sich zum Guten entwickeln kann, auch wenn wir uns manchmal anders verhalten.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.