Kitabı oku: «Wenn Liebe fliegen lernt»

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Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Epilog

Impressum neobooks

Wortzähler: 32601

Prolog

»Sofia, hören Sie mir überhaupt zu?«, hörte ich Helga fragen. Sie beugte sich mit ihrer Brille auf der Nase nach vorne. Dabei lösten sich ein paar Haarsträhnen aus ihrem locker gebundenen Dutt. Tatsächlich hörte ich ihr heute wirklich nicht besonders gut zu. Ich war müde und fühlte mich wie schon mal gegessen, um es nett auszudrücken. Eigentlich hätte ich die heutige Therapiestunde am liebsten ausfallen lassen, aber ich wusste einfach nur zu gut, dass ich diese Stunden brauchte. Mittlerweile war es die neunte von zehn und wenn ich Glück hatte, würde die Krankenkasse mir noch weitere verschreiben. Ich setzte mich etwas aufrechter hin und räusperte mich. »Entschuldigung Helga, ich habe wenig geschlafen.« Ein leises Gähnen entwich mir.

»Gibt es denn einen Grund warum Sie nicht schlafen konnten?«, fragte sie mich und notierte sich etwas auf ihrem Notizblock.

Ich seufzte. Früher oder später würde ich es ihr erzählen müssen. Therapeuten wussten ganz genau wie und wann sie die passenden Knöpfe drücken mussten.

»Gestern war mein letzter Arbeitstag, ich habe gekündigt.« Als ich die Worte aussprach, klangen sie immer noch surreal. Zehn Jahre war ich Arzthelferin in diesem Krankenhaus. Wir hatten gemeinsam gelacht, geweint und auch gestritten. Doch alles hatte sich geändert.

Helga lächelte mich an. »Das ist ein wichtiger Schritt, Sofia. Ich bin sehr stolz auf Sie. Das bedeutet, wir können einen weiteren Punkt auf unserer Liste abhaken.«

Die Liste. In meiner fünften Therapiestunde war Helga zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich von vielen Sachen in meinem Leben trennen sollte. Dies gestaltete sich nicht wirklich leicht, wie sich herausstellte. Ich nippte an meinem Kaffee. Wie immer war er viel zu stark.

»Okay, welche Punkte fehlen noch?« Ich schloss die Augen und atmete tief ein und wieder aus.

Helga blätterte in ihrem Notizbuch, bis sie fand, was sie suchte. Sie schaute wieder zu mir und lächelte. »Gar nichts, dies war der letzte Punkt.«

Das war der Moment, in dem ich zurücklächeln und mich erleichtert fühlen sollte. Aber aus irgendeinem Grund tat ich es nicht. Ich hatte eher das Gefühl zu ersticken. Meine Lungen füllten sich nicht genug mit Sauerstoff, ich fing an zu schwitzen. Helga bemerkte es und war schnell an meiner Seite. Sie setzte sich neben mich und strich mir über den Rücken.

»Sofia, atmen. Ein und wieder aus.« Dabei machte sie die Übung vor.

Langsam fing ich an, wieder gleichmäßiger zu atmen.

»Sie wissen, was jetzt kommt oder?«, fragte sie mich und wich mir immer noch nicht von der Seite. Natürlich wusste ich das, und genau das machte mir Angst. Helga und ich waren uns einig, dass ich, wenn die Liste abgearbeitet war und ich alle Brücken hinter mir gelassen hatte, komplett neu anfangen konnte.

»Ich weiß, dass Ihnen das Angst macht. Das ist nichts Unnormales, aber es gehört zu Ihrem Heilungsprozess dazu und es ist sehr wichtig für Sie, um mit allem ins Reine zu kommen«, sprach Helga weiter.

Ich nickte und atmete noch einmal tief durch. Es würde unheimlich schwer werden, das wusste ich. Aber ich hatte keine andere Wahl, wenn ich wieder gesund werden wollte.

Helga nahm meine Hand. »Wissen Sie schon, wo die Reise hingeht?«

Nun erwiderte ich ihren Blick und nickte. »Nach Dänemark.«

Kapitel 1

Drei Wochen später

Ich lenkte meinen VW Polo Richtung Ausfahrt auf einen Rastplatz. Nach zwei Stunden Fahrt hatte ich dringend eine Pause nötig. Ich war es nicht gewohnt, so lange am Stück Auto zu fahren. Tom und ich waren sehr oft in Dänemark gewesen, aber damals fuhr immer er. Dieses Kapitel war Geschichte. Einer der Punkte, die ich auf meiner Liste abgehakt hatte. Wir waren ganze zehn Jahre ein Paar gewesen. Tom war meine erste große Liebe. Damals dachte ich, dass wir füreinander bestimmt sind. Doch nachdem wir große Schwierigkeiten hatten, ein Kind zu bekommen, mein Papa sehr krank wurde und Tom nur noch gestresst von seiner Arbeit nach Hause kam, merkte ich immer mehr, dass wir uns auseinanderlebten. Ich wollte es nicht wahrhaben. Während der Therapiestunden kristallisierte sich aber immer mehr heraus, dass er mir die Luft zum Atmen nahm. Wir taten uns gegenseitig nicht gut. Aus diesem Grunde zog ich vor drei Monaten den Schlussstrich.

Ich parkte direkt vor dem Eingang der Raststätte. Als Erstes brauchte ich ganz dringend einen Kaffee, denn ich hatte noch ganze sechs Stunden Fahrt vor mir. Die Auswahl war recht übersichtlich. Cappuccino, Latte Macchiato oder einfach nur schwarzer Kaffee. Da ich oftmals die Milch nicht sehr gut vertrug, entschied ich mich für die einfachste Variante. Ich bestellte einen mittelgroßen schwarzen Kaffee und dazu eine Laugenstange. Diese verstaute ich schon mal im Auto, den Kaffee trank ich direkt, während ich mir die Beine vertrat. Das heiße Getränk tat unheimlich gut. Mittlerweile war es frisch geworden. Man merkte, dass der Herbst Einzug hielt. Da es Richtung Norden ging, schnitt der Wind einem schon ordentlich durchs Gesicht. Dieser konnte in Dänemark teilweise unerbittlich sein, da brauchte man schon ordentliche wetterfeste Kleidung. Nur gut, dass ich bestens ausgerüstet war. Die frische Luft war wohltuend und mein Rücken dankte mir die Bewegung. Ich nahm nochmal einen letzten großen Schluck von meinem Kaffee und schmiss den leeren Becher in den nächstbesten Mülleimer. Bevor ich weiterfuhr, sollte ich besser nochmal zur Toilette gehen. Ich kramte in meiner Brieftasche nach dem nötigen Kleingeld und achtete gar nicht darauf, wohin ich lief. Prompt stieß ich mit einer Person so kräftig zusammen, dass ich den Halt verlor und auf meinem Allerwertesten landete.

»Autsch, können Sie nicht aufpassen, wo Sie hinlaufen?«, rief ich sauer und versuchte wieder aufzustehen.

»Es tut mir total leid, ich hab dich gar nicht gesehen«, entschuldigte sich eine männliche Stimme und hielt mir die Hand hin.

»Das schaffe ich schon alleine!«, murrte ich und stand auf. Ich wischte mir die Hose ab und schaute meinem Gegenüber ins Gesicht. Mir stockte der Atem. Sämtliche Wut verrauchte und mein Puls raste. Ozeanblaue Augen schauten mich mitfühlend an.

»Geht es dir gut? Ich habe gerade mein Handy gesucht und einen Moment nicht aufgepasst.« Er wuschelte sich nervös durch sein schulterlanges blondes Haar. Ich machte den Mund auf, aber es kam kein Laut heraus. Verdammt Sofia, jetzt reiß dich zusammen und sag etwas! »Ähm kein Problem ... ich habe selbst nicht aufgepasst.« Unsicher lächelte ich ihn an und hielt ihm meine Hand hin. »Ich bin Sofia«, stellte ich mich vor.

»Nils.« Er lächelte mich nun etwas mutiger an und schüttelte meine Hand, die ich länger wie nötig hielt. Er kratzte sich nervös an seiner Schläfe und räusperte sich. »Darf ich dich als Wiedergutmachung auf einen Kaffee einladen?«

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, denn eigentlich war ich genauso schuld an unserem Zusammenstoß wie er.

»Gerne, aber ich bezahle selbst.« Ich zwinkerte ihm zu und sein Lächeln wurde breiter. Zum Vorschein kamen kleine Grübchen, die ich unheimlich sexy fand.

Wir steuerten dasselbe Café an, in welchem ich mir vorhin schon meinen Kaffee geholt hatte.

Nils hielt mir die Tür auf. »Dann mal los, immer nach Ihnen junge Dame.«

Ich machte einen gespielten Knicks. »Vielen Dank der Herr.«

Wir setzten uns an einen Fensterplatz. Nils holte uns beiden einen schwarzen Kaffee. Ich schmunzelte. »Du bevorzugst also auch eher die schwarze Brühe?«

»So sieht es aus.« Er lächelte und stellte die Becher auf den Tisch.

Ich nahm meinen in die Hand und nippte dankbar. »Und wohin gehts? Bist du auf der Durchreise?«, versuchte ich ein unverfängliches Gespräch anzufangen.

Er lächelte und nahm auch einen Schluck. »Kann man so sagen. Ich besuche meine Tante. Sie wohnt in Dänemark. Ganz oben in Blokhus.«

Meine Augen wurden immer größer. Das konnte doch kein Zufall sein, dass wir dasselbe Ziel hatten. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und spielte mit meinem Becher.

»Was ist los? Verrätst du mir denn auch wo es hingeht?« Er grinste und legte seinen Kopf schief.

Ein Blick in seine Augen und mein Herz pochte schneller. Warum bringt er mich so durcheinander? Ich versuchte, ein neutrales Grinsen aufzusetzen. »Tja, ich bin auf den Weg nach Blokhus um Urlaub zu machen.«

Nils Augen würden plötzlich größer und fingen noch mehr an zu funkeln, wenn das überhaupt möglich war. »Na, wenn das mal nicht Schicksal ist.«

Ich lachte leise auf. »Du glaubst also an das Schicksal ja?«

»Natürlich! Sonst würden ja die ganzen Romantiker aussterben«, rief er theatralisch aus und fasste sich an die Brust. Humor hatte er, das musste man ihm lassen und gut aussehen tat er auch noch. Ich seufzte innerlich. Das war eigentlich das Letzte, was ich gebrauchen konnte. Sofia! Stopp! Du bist nicht hier, um eine Romanze anzufangen, ermahnte ich mich gedanklich.

»Na, wenn du das sagst«, erwiderte ich und stand auf. »Ich werde mal weiterfahren. Es hat mich sehr gefreut dich kennenzulernen.«

Nils erhob sich ebenfalls. »Das kann ich nur zurückgeben. Vielleicht meint das Schicksal es nochmal gut mit uns und man sieht sich ein zweites Mal.« Keck grinste er mich an.

Ich räusperte mich und trat unsicher vom einen auf den anderen Fuß. »Wir werden sehen. Bye.« Ich verließ mit schnellen Schritten das Café und stieg wieder in mein Auto. Seufzend ließ ich mich auf den Fahrersitz nieder. Was war das für eine verrückte Begegnung? Ob wir uns wirklich nochmal über den Weg laufen? Unwahrscheinlich war es nicht. Blokhus ist nicht gerade groß. Ich seufzte und ließ den Motor an. Nein, ich werde einfach nicht weiter darüber nachdenken.

Kapitel 2

Meine digitale Uhr im Auto zeigte fünf vor vier Uhr an. Ich hatte also nur noch fünf Minuten Zeit meinen Schlüssel für das Haus abzuholen. Schwungvoll zwängte ich mich in die nächstbeste Parklücke und betrat rasch das Reisebüro. Man begrüßte mich wie immer sehr freundlich und die Übergabe des Schlüssels erfolgte problemlos. Nun konnte es ohne weitere Umwege zum Haus gehen. Meine Nervosität stieg immer mehr, umso näher ich meinem Ziel kam. Früher war ich oft mit meinen Eltern an diesem Ort. Alle zwei Jahre hatte es uns immer wieder hier her verschlagen. Als ich mit Tom zusammenkam, wurde es etwas weniger, aber auch während dieser Zeit sind wir ab und zu alle zusammen hier hoch gefahren. Das letzte Mal liegt schon zwei Jahre zurück. Seitdem Papa krank wurde, schafften wir es nicht mehr und alleine wollte ich es nicht. Bis zum heutigen Tag. Nun sollte alles anders werden. Ein Neuanfang. Und wo konnte man ihn besser starten, als hier, am Meer. Ich bog noch einmal links ab und fuhr eine ganze Weile einen Schotterweg entlang. Als ich an einem Haus mit einer weißen Holzverkleidung ankam, wusste ich, dass ich mein Ziel erreicht hatte. Direkt vor dem Haus gab es zwei Parkplätze, auf einem davon parkte ich. Meine Koffer ließ ich erstmal im Auto. Mit zittrigen Händen steckte ich den Schlüssel in das Schloss und mein Herz schlug einen Takt schneller. Da wir in diesem Haus noch nicht waren, wusste ich nicht was mich erwartete. Als ich den Raum betrat, umfing mich gleich der Geruch von Holz, den ich so sehr liebte. Ich befand mich im Wohnzimmer, wo sich gleichzeitig auch eine weiße, rustikale Küche befand. Weiter geradeaus fand ich zwei Schlafzimmer und ein kleines Bad vor. Links von mir führte eine Wendeltreppe hoch in ein weiteres offenes Wohnzimmer. Von hier oben hatte man einen wunderbaren Blick aufs Meer. Da die Fenster auf kipp standen, konnte man es rauschen hören. Für einen Moment schloss ich die Augen und hörte einfach nur den Wellen zu. Nach einer Ewigkeit ging ich wieder nach unten zum Eingang, wo sich der Poolbereich befand, den ich bisher völlig außer Acht gelassen hatte. Als ich ihn betrat, hatte ich das Gefühl, als würde man mir einen Hammer auf den Kopf schlagen. Die Luft war feucht, stickig und es roch ein wenig nach Chlor. Ich erblickte einen Pool und am Ende dessen befanden sich große bodentiefe Fenster. Es war einfach wunderschön. Als ich näher heranging, entdeckte ich an einem der Fenster einen Türgriff. Oh wie schön, es ist kein Fenster, es ist eine Tür! Und sie führte auf eine schöne geräumige Terrasse, auf der sich ein Tisch und Stühle befanden. Mit Blick auf die Dünen, die das Meer verbargen. Es waren nur wenige Schritte bis dorthin. Auf alle Fälle werde ich heute noch den Strand besuchen. Aber als Erstes hole ich mein Gepäck aus dem Auto. Während ich den Poolbereich wieder zurücklief, entdeckte ich eine Tür, zudem man in ein zweites Badezimmer kam. Das ist wohl das Hauptbad, denn es war doppelt so groß wie das andere. In ihm befand sich ein Whirlpool und eine Dusche

Zwei ausgepackte Koffer später, setzte ich mich groggy mit einer mitgebrachten Flasche Wein auf die Terrasse. Ich nahm einen ordentlichen Schluck und seufzte zufrieden. Wie ich diesen Ort vermisst hatte. Diese Ruhe, das Meer und auch die Menschen. Hier ticken die Uhren ganz anders wie zu Hause. Kein Stress und kein Gemecker an den Supermarktkassen. Apropos Supermarkt, ich musste auf jeden Fall noch einkaufen. Mein Magen grummelte ordentlich, die Laugenstange von der Raststätte war schon längst verdaut. Bei dem Gedanken an die Raststätte musste ich wieder an die Begegnung mit Nils denken. Ob er auch schon bei seiner Tante angekommen war? Wie lange er wohl hierblieb? Ach, was dachte ich denn da schon wieder? Ich schüttelte den Kopf und nahm noch einen Schluck Wein. In dem Moment klingelte mein Handy. Ein Anruf von Tom wurde mir angezeigt. Ich verdrehte die Augen und ließ es einfach klingeln. Dazu hatte ich noch keine Kraft. Immer wieder rief er mich an, um nochmal das Gespräch mit mir zu suchen. Er war der festen Überzeugung, dass ich einen Fehler gemacht hatte, unsere Beziehung einfach aufzugeben. Dabei war er, als ich Schluss machte, gar nicht so schockiert, wie ich gedacht hatte. Ich schaute auf die Uhr und erschrak. Es war schon neunzehn Uhr. Ich sollte langsam wirklich los, bevor hier überall die Schotten dicht gemacht wurden.

Kapitel 3

Als ich den Supermarkt betrat, war ich sehr erstaunt. Dafür, dass die Geschäfte bald schließen sollten, war es mehr als nur voll. Jede Kasse war besetzt, aber die Schlangen waren immer noch endlos lang. Ich stöhnte innerlich und nahm mir vor, mir ganz viel Zeit zu lassen, vielleicht waren die Kassen später wieder leerer. Ich schlenderte durch die Gänge und klapperte meinen Einkaufszettel ab. Da ich nur einmal die Woche einkaufen gehen wollte, war die Liste recht lang. Gefühlte zwei Stunden später lagen meine Nerven blank und der Einkaufswagen quillte über. Ein flüchtiger Blick zur Kasse bestätigte mir, dass es etwas leerer wurde. Ich stellte mich dort an, wo die Schlange am kürzesten war. Natürlich war dies ein Fehler! Es dauerte ewig. Die Dame, die die Kasse bediente, musste neu sein. Ständig schaute sie auf die Artikelliste für Obst und Gemüse, somit dauerte alles noch länger. Ich verdrehte die Augen, beschwerte mich aber nicht, da ich im Urlaub war und mich nicht stressen lassen wollte. Irgendwo hinter mir rief ein älterer Herr auf deutsch, ob man nicht noch eine weitere Kasse öffnen könnte. Ich musste schmunzeln, denn das war wieder mal typisch für einen deutschen Touristen. Immer im Stress, selbst im Urlaub. Während die Einheimischen ganz entspannt miteinander redeten und lachten, mussten wir uns wieder beschweren.

Geschafft! Ich verstaute meine Einkäufe in den Kofferraum und brachte den Einkaufswagen zurück. Irgendwo in weiter Ferne hörte ich, dass es donnerte. Ein kurzer Blick zum Himmel bestätigte mir, dass es wohl sehr bald anfangen würde zu regnen. Ich ging einen Schritt schneller und währenddessen durchsuchte ich meine Handtasche nach dem Autoschlüssel. Wo war er denn nur? Immer wenn man es eilig hatte, findet man in dieser monströsen Tasche einfach nichts wieder! Aaah, da ist er ja. Ich fischte den Schlüssel heraus und lief geradewegs in die Arme eines Mannes. Nicht schon wieder! Ich taumelte leicht, verlor aber zum Glück nicht das Gleichgewicht. Als ich in das Gesicht des Mannes sah, setzte mein Herzschlag für einen kurzen Moment aus und ich vergaß zu atmen.

»Beim dritten Mal lädst dann aber du mich auf einen Kaffee ein.« Nils grinste mich mit dem umwerfendsten Lächeln an, welches ich je gesehen habe. Meine Beine gaben etwas nach und ich räusperte mich. »Den Kaffee hatten wir schon. Ich würde sagen beim nächsten Mal köpfen wir eine Flasche Wein und gönnen uns eine Pizza.« Ich versuchte, kess zu wirken, und setzte dabei mein strahlendstes Lächeln auf.

Er lachte laut auf und schüttelte den Kopf. »Sorry, aber ein Bierchen wäre mir da echt lieber.«

Ich hob den Zeigefinger und deutete auf meinen Kofferraum. »Na los, öffne ihn!«

Kurz schaute er mich verdattert an, ging dann aber auf mein Auto zu, während ich es aufschloss. Sekunden später drehte er sich zu mir um und hielt eine Dose Krombacher in die Höhe. »Eine ganze Palette Dosenbier? Ich bin schockiert; das hätte ich so einer feinen Dame wie dir gar nicht zugetraut.« Er grinste und verstaute die Dose wieder im Kofferraum.

Ich funkelte ihn an. »Ich und eine feine Dame? Hah, ich glaube, du schätzt mich völlig falsch ein.«

»Ach und wie glaubst du, sollte ich dich einschätzen?«, setzte er zum Gegenschlag an und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Tja, finde es doch einfach heraus.« Frech grinste ich ihn an und öffnete die Autotür.

Ich startete den Motor und wollte gerade losfahren, als Nils sich plötzlich vor mein Auto warf. Erschrocken trat ich auf die Bremse und kurbelte die Scheibe runter. »Sag mal, gehts noch?«, rief ich gereizt.

Nils lehnte sich lässig gegen mein Auto und sein Gesicht kam meinem sehr nahe, sodass ich die Luft anhalten musste. »Wie?«, fragte er.

Irritiert sah ich ihn an. »Was?«

»Na, wie soll ich es herausfinden?«

Ich schmunzelte. »Fahr mir nach und finde es heraus.« Dann fuhr ich vom Parkplatz. Das hatte ich doch nicht wirklich gesagt? Ich holte einmal tief Luft und schaute in den Rückspiegel. Erleichtert atmete ich aus. Er folgte mir nicht. Ich lachte auf. Das wäre auch einfach viel zu verrückt gewesen. Schließlich kannten wir uns kaum, beziehungsweise gar nicht.

Total geschafft vom Einkaufen, zog ich mir meinen Badeanzug an und bereitete den Whirlpool vor. Ich ließ eine Chlortablette hineingleiten. In der Zwischenzeit öffnete ich mir eine Dose Krombacher und schüttete sie in ein Bierglas, welches ich neben dem Whirlpool abstellte. Nun wollte ich einfach nur noch entspannen. Langsam ließ ich mich ins Wasser gleiten und schloss die Augen. Die Wärme und die kleine Massage der Düsen ließen meine müden Muskeln locker und leicht werden. Ich schreckte hoch, als ich plötzlich die Türklingel hörte. Ich musste eingeschlafen sein. Noch wie in Trance stieg ich aus dem Whirlpool und zog mir meinen Bademantel über. Wer konnte das sein? Ich wüsste nicht, wer mich hier besuchen sollte. Mit zügigen Schritten marschierte ich zur Haustür und öffnete sie. Mit offenem Mund starrte ich mein Gegenüber an, das mich frech angrinste und einen riesigen Pizzakarton in der Hand hielt.

»Willst du mich weiterhin einfach nur anstarren, oder bittest du mich vielleicht auch herein?«, fragte Nils mich und brachte sein einzigartiges Lächeln zum Vorschein.

Ich räusperte mich und ging ein Stück zur Seite, um ihn eintreten zu lassen. Er schaute sich um und man sah ihm die Überraschung förmlich an.

»Du mietest für dich alleine so eine große Bude?«

Ich starrte auf meine Füße. »Ja, ich liebe diese Geräumigkeit und außerdem wollte ich einen Pool und wie du bestimmt weißt, gibt es hier nur große Häuser mit Pool.« Als ich wieder hinaufschaute, trafen sich unsere Blicke und kurzzeitig hatte ich das Gefühl, dass die Luft zwischen uns knisterte.

»Punkt für dich.« Er nickte und stellte den Pizzakarton auf der Küchenzeile ab. »Sofia ich habe tierischen Hunger. Könnten wir vielleicht anfangen zu essen?«

Ich schmunzelte und teilte die Pizza mit dem Pizzaschneider in gleichmäßige Stücke. »Bierchen?«

»Was eine Frage, aber klar«, antwortete er und bediente sich auch schon an meinem Kühlschrank. Ich habe selten Menschen erlebt, die so selbstbewusst gegenüber Fremden auftreten. Eigentlich war es eher ein dreistes Verhalten, aber auf mich wirkte es irgendwie anziehend. »Komm, wir gehen rauf ins Wohnzimmer.« Ich deutete ihm an, mir zu folgen. Oben angekommen, staunte er nicht schlecht.

»Wow, diese Aussicht ist fantastisch«, flüsterte er und schaute aus dem Fenster.

Ich grinste und setzte mich auf die große Couch. Nils setzte sich mir gegenüber auf den gemütlichen Ohrensessel.

»Ich habe einfach mal eine Hälfte mit Thunfisch und die andere mit Salami belegen lassen und hoffe, ich habe deinen Geschmack getroffen«, sagte er und nahm sich ein Stück Thunfischpizza.

»Ich liebe Thunfisch.« Ich lächelte und biss herzhaft in mein Stück.

Er schaute mich überrascht an. »Ich auch, ist meine Lieblingssorte.«

Ich lachte. »Tja, dann werden wir wohl um die Stücke kämpfen müssen, denn ich hasse Salami.«

Nils grinste schelmisch. »Dann hat der Kampf gerade eben begonnen.«

Ich stibitzte mir vorsichtshalber schon mal ein zweites Stück. Sicher war sicher.

»Okay, wie es aussieht, haben wir schon mal drei Gemeinsamkeiten«, stellte er fest.

Ich kaute zu Ende und schluckte. »Die da wären?«, fragte ich neugierig und beugte mich nach vorn.

Schockiert sah er mich an. »Das weißt du nicht? Sofia, das ist doch total offensichtlich!

»Nils, kläre mich auf.«, sagte ich und schaute ihn fragend an.

Theatralisch seufzte er. »Okay. Also erstens, mögen wir beide Thunfisch. Zweitens, trinken wir gerne mal ein Bierchen und drittens, mögen wir anscheinend denselben Ort.«

Nachdenklich tippte ich mir ans Kinn. »Ob wir wohl noch mehr gemeinsam haben?«

Plötzlich fingen seine Augen teuflisch an zu funkeln. »Lust auf ein Spielchen?«

»Ähm, kommt drauf an. Für Strippoker brauche ich definitiv noch ein Bier«, sagte ich und ging die Treppe runter zum Kühlschrank, um mir noch etwas Alkoholisches zu holen.

Als ich wieder kam, stand er plötzlich direkt vor mir. Unsere Körper waren so nah beieinander, dass mir unheimlich heiß wurde und mein Magen Achterbahn fuhr.

»Strippoker hatte ich als Nächstes auf der Liste. Ich schlage vor, dass wir uns vorher erstmal etwas besser kennenlernen«, flüsterte er an mein Ohr und seine Lippen strichen dabei sanft über meine Haut.

Ich räusperte mich und nahm wieder auf der Couch Platz. »Okay, wie sind die Regeln?«, fragte ich und nahm schnell einen Schluck aus meiner Dose.

»Ganz einfach. Jeder darf dem anderen fünf Fragen stellen und nicht mit einer Gegenfrage antworten.«

So ganz wohl bei der Sache war mir nicht. Ich kannte ihn kaum und wollte ihn nicht gleich mit meiner Vergangenheit überrollen. Aber ich würde jetzt nicht feige den Schwanz einziehen. Sofia, sei mutig und trau dich was. Dein neues Leben beginnt genau jetzt. »Gut, ich bin bereit!« Ich nickte und machte es mir im Schneidersitz auf der Couch bequem.

Nils funkelte mich an und seine erste Frage lag ihm direkt auf der Zunge. »Welche Lieblingsserien hast du?«

Erleichtert über so eine einfache Frage lächelte ich ihn an. »Da gibt es einige. Dexter, Haus des Geldes, Sons of Anarchy, Dawsons Creek und Jane, the Virgin«, zählte ich auf und lehnte mich zurück.

Nils prustete los. »Also Dawsons Creek und Jane, the Virgin passen nun wirklich nicht zu den anderen. Hattest du da schwache Momente?«

»Wie war das mit den Gegenfragen?«, funkelte ich ihn herausfordernd an.

Er hob beschwichtigend die Hände. »Okay, okay, du hast Recht. Sorry.« Er lachte und forderte mich auf, meine Frage zu stellen.

»Wo arbeitest du?«, fragte ich.

»Im Krankenhaus als Pfleger«, antwortete er wie aus der Pistole geschossen.

Ich grinste. »Gemeinsamkeit Nummer vier.«

Er schaute überrascht. »Ich weiß, dass ich keine Gegenfrage stellen darf, aber jetzt bin ich neugierig.«

Ich lachte. »Alles gut. Ich arbeitete als Arzthelferin im Krankenhaus.«

Nils zog eine Augenbraue hoch. »Arbeitete? Jetzt nicht mehr?«

»Ist das deine zweite Frage?«, fragte ich ihn und trank noch einen Schluck.

Er seufzte. »Okay. Verdammt, du nimmst es aber wirklich genau.«

Ich hob meinen Zeigefinger. »Natürlich, man sollte Spielregeln nicht missachten.« Ich grinste. »Genau, ich habe vor einigen Wochen gekündigt.«

Er nickte nur und fragte glücklicherweise nicht weiter nach.

»Lieblingsfilm?«, fragte ich nun meine zweite Frage.

Nils überlegte eine Zeitlang, bis er antwortete. »Jurassic World.«

Okay, langsam wird es unheimlich. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten. Konnte das wirklich sein?

»Gemeinsamkeit Nummer fünf!«, rief ich wie ein Moderator, der ein Fußballspiel kommentierte.

Er lachte. »Du stehst also auch auf die ausgestorbenen, niedlichen Tierchen?«

»Definitiv«, stimmte ich in sein Lachen mit ein. Plötzlich schaute er mich ernst und voller Hingabe an. Mein Herz machte einen Hüpfer.

»Bist du momentan in einer Beziehung?«, fragte er ernst und rückte näher an mich heran.

Genau das war eine der Fragen, die ich noch nicht beantworten wollte. Aber ich mochte Nils und ich hatte mir geschworen neu anzufangen und mutiger zu sein.

»Nein«, flüsterte ich und hielt seinem Blick stand. Ich versank in seinen ozeanblauen Augen und mein Herz pochte immer schneller.

»Okay«, flüsterte Nils und kam meinem Gesicht immer näher.

Unsere Lippen waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ich konnte nicht mehr klar denken, ich wollte ihn so sehr küssen. Sein Blick schien dasselbe zu sagen. Er schloss die Augen und unsere Lippen trafen sich. Es war wie eine Explosion. Er schmeckte so gut, nach Kirschen und seine Lippen waren weich. Unser Kuss wurde intensiver und langsam berührten sich unsere Zungen. Sie vollführten einen kleinen Tanz. Es fühlte sich richtig an und ich wollte ihn ganz und gar. Plötzlich vibrierte sein Handy und er brach den Kuss ab.

»Sorry, da muss ich ran gehen. Lauf nicht weg okay?« Verführerisch und zärtlich lächelte er mich an und nahm, schon während er den Raum verließ, den Anruf entgegen.

Ich war immer noch wie in Trance. Dieser Kuss war so anders, als ich es je erlebt hatte.

Nach wenigen Minuten kam Nils zurück und ließ sein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Sein Blick war plötzlich hart und kalt.

»Ich muss los“, verkündete er mir und ging geradewegs zur Haustür.

Ich folgte ihm »Was ist denn los? Ist alles in Ordnung?«, fragte ich besorgt. Sein Ausdruck in den Augen war leer.

»Ja, ja. Alles gut. Bis dann«, sagte er und ging einfach durch die Tür, ohne sich nochmal umzudrehen. Ich schloss die Haustür hinter ihm und setzte mich in die Küche. Hatte ich etwas falsch gemacht? Vielleicht war es doch nur ein Spiel für ihn und ihm ist die Lust vergangen. Tja, Sofia, selber schuld. Es war ein schöner Abend gewesen, aber anscheinend nur einmalig. Ich trank mein Bier aus, löschte das Licht und legte mich schlafen.

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