Kitabı oku: «Über Ungleichheit», sayfa 3

ELIZABETA ŽALAC ARBEITET ALS BATTERIEINGENIEURIN BEIM KROATISCHEN AUTOHERSTELLER UND EIB-KUNDEN RIMAC. DAS WOHL STÄRKSTE ARGUMENT FÜR UNGLEICHHEIT IST, DASS SIE UNTERNEHMERTUM UND INNOVATION BEFEUERT.
IST UNGLEICHHEIT GUT FÜR WACHSTUM?
Moralische Diskussionen über Ungleichheit drehen sich oft darum, ob Reichtum verdient ist oder in irgendeiner Weise zu Unrecht vorhanden ist. Solche moralischen und philosophischen Fragen lassen sich ökonomisch nicht wirklich beantworten. Die Ökonomie kann nur beschreiben, wie Volkswirtschaften funktionieren. Oder, wie der Philosoph David Hume es ausdrückte: Man kann von einem Sein nicht auf ein Sollen schließen.
Die Wissenschaft kann aber fragen: Führt ein ungleich geteilter Kuchen dazu, dass in Zukunft ein größerer Kuchen unter allen geteilt werden kann? Würde weniger Ungleichheit uns alle ärmer machen? Wäre die Wirtschaft weniger effizient oder innovativ?
“ Würde weniger Ungleichheit uns alle ärmer machen? Wäre die Wirtschaft weniger effizient oder innovativ?
Das vielleicht stärkste Argument für Einkommensungleichheit – oder zumindest dafür, dass einige wenige sehr viel verdienen dürfen – lautet: Sie ist eine mächtige Triebkraft für Unternehmertum und Innovation, ohne die es die Hightech-Industriegesellschaft von heute vielleicht nicht gäbe.
Joseph Schumpeter erklärte dies so: Neue Erfindungen bringen bestehende Märkte aus dem Gleichgewicht und verschaffen erfolgreichen Unternehmen vorübergehend eine Monopolstellung. Dadurch können sie bisweilen hohe Erträge aus ihren Investitionen und von anderen Marktteilnehmern erzielen. Diese „Pionierrendite“ ist allerdings kurzlebig, weil andere Wettbewerber in einem fortlaufenden Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ neue oder noch bessere Konkurrenzprodukte auf den Markt bringen.

Einkommensungleichheit ist wichtig für die unternehmerische Dynamik, aber es gibt noch andere Innovationstreiber – etwa den normalen Wettbewerb zwischen etablierten Unternehmen, öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung und die Vergabe öffentlicher Aufträge für neue Technologien. Überschätzen wir die Bedeutung der Pionierrendite? Und ist die absolute Höhe des erworbenen Reichtums so wichtig? Oder Stolz, Ruhm und der relative gesellschaftliche Status?
Ungleichheit hat auch Nachteile, weil sie beispielsweise der Chancengleichheit und sozialen Mobilität im Wege steht. Je mehr Einkommen und Reichtum sich auf wenige konzentrieren, desto mehr werden sie tendenziell auch vererbt. Langzeitdaten zu Berufen deuten darauf hin, dass die soziale Mobilität in vielen europäischen Ländern in den letzten Jahrzehnten ins Stocken geraten oder sogar gesunken ist. Während die Babyboomer mobiler als ihre Eltern waren, ist es die Generation X eher weniger.[7] Auch bei den jüngeren Generationen in Europa sehen wir gemessen am Bildungserfolg keine höhere Mobilität mehr.
“ Ungleichheit hat auch Nachteile, weil sie beispielsweise der Chancengleichheit und sozialen Mobilität im Wege steht.
Geringe soziale Mobilität bremst wiederum Innovation und Wachstum. Dadurch kann die wichtigste Ressource einer Volkswirtschaft – die Talente und Fähigkeiten ihrer Arbeitskräfte – nicht so effizient wie möglich eingesetzt werden, und das schwächt die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Der Fachkräftemangel ist eines der meistgenannten Investitionshemmnisse in der EU, ganz besonders bei innovativen Unternehmen.[8]

GEMESSEN AN DEN BILDUNGSERGEBNISSEN HAT DIE SOZIALE MOBILITÄT DER JUGEND IN EUROPA ABGENOMMEN.
Ungleichheit hat somit positive und negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung. Welche davon stärker ins Gewicht fallen, ist schwer zu sagen. Aber es stellt sich eine viel grundlegendere Frage: Ist eine starke Ungleichheit – zwischen Schichten, Geschlechtern, Regionen usw. – wirklich der beste und effizienteste Weg, über die Wirtschaftsleistung unsere Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen?
“ Geringe soziale Mobilität bremst wiederum Innovation und Wachstum.