Kitabı oku: «Secret Citys Italien»

Thomas Migge
SECRET CITYs
ITALIEN
60 charmante Städte
abseits des Trubels

INHALTSVERZEICHNIS
SECRET CITYS ITALIEN – Einleitung
NORDITALIEN
1GLURNS – Stolzes Städtchen in den Bergen
2AOSTA – Wildromantischer Bergort
3ORTA SAN GIULIO – Versteckt in den Bergen
4COMO – Städtchen am malerischen Ufer
5BASSANO DEL GRAPPA – Hochprozentiger Genuss
6AQUILEIA – Stadt mächtiger Bischöfe
7BRESCIA – Welterbestadt in bester Lage
8TREVISO – Klein-Venedig auf dem Festland
9TORCELLO – Ein Traum von einer Insel
10TURIN – Der coole Klassiker
11PAVIA – Geistige Größe und schlichte Schönheiten
12MANTUA – Von den Gonzaga begünstigt
13MONTAGNANA – Die Ummauerte
14PARMA – Für Augen, Ohren und den Gaumen
15FERRARA – Emilia Romagna für Romantiker
16POMPOSA – Die Versteckte
17GENUA – Die ignorierte Weltstadt
18BOLOGNA – Die große Unbekannte
19RAVENNA – Die Kaiserliche
20TRIORA – Dörfliches Idyll in den Bergen Liguriens
MITTELITALIEN
21ORSIGNA – Die Wahlheimat von Tiziano Terzani
22LA VERNA – Ein Platz für heilige Legenden
23URBINO – Schatzkiste der Marken
24MONTERIGGIONI – Das runde Wunder
25GUBBIO – Streifzüge durchs Mittelalter
26SAN GALGANO – Mysteriöses Mittelalter
27GIARDINO SPOERRI – Ein Garten voller Ideen
28SPOLETO – Ein Festival schreibt Geschichte
29PITIGLIANO – Das italienische Jerusalem
30ORVIETO – Ein Ziel der Extraklasse
31CIVITA DI BAGNOREGIO – Dorf in Spitzenlage
32BOMARZO – Fantasie im Grünen
33TUSCANIA – Latiums heiterer Norden
34TARQUINIA – Friedhof mit Kleinstadt
35CAPRAROLA – Ein Manifest des Manierismus
36SAN CLEMENTE – Das Nationalmonument
37DAS UNTERIRDISCHE ROM
38PALESTRINA – Im Tempel gebaut
39OSTIA ANTICA – Pompeji lässt grüßen
40NINFA – Besuch im Zaubergarten
SÜDITALIEN
41CASERTA – Das größte Schloss der Welt
42TRANI – Kathedrale am Meer
43NEAPEL – Italiens faszinierendste Stadt
44HERCULANEUM – Das kleine Pompeji
45PAESTUM – Dorische Tempel vom Feinsten
46MATERA – Wohnliche Höhlenlandschaft
47MARTINA FRANCA – Altstadt mit Stil
48LECCE – Hochburg der Baukunst
49OTRANTO – Apuliens zauberhafter Süden
50DIAMANTE – Ein perfekter Badeort
51THARROS – Antiker Ankerplatz
52BARUMINI – Weltkulturgut im Grünen
53STROMBOLI – Großes Kino auf der Insel
54PALERMO – Die Unterschätzte
55MONREALE – In Gold getaucht
56CEFALÙ – Altstadtzauber am Meer
57AGRIGENT – Antiker Klassiker am Meer
58PIAZZA ARMERINA – Eine Villa macht Furore
59SYRAKUS – Vom Armenhaus zur Prachtstadt
60NOTO – Auferstanden aus Ruinen
Register
Bildnachweis
Impressum
HISTORISCHE STADTKERNE, URIGE GESCHÄFTE, FELSENDÖRFER, FISCHERORTE, SCHLÖSSER UND STRASSEN VOLLER LOKALE: DAS EHER UNBEKANNTE ITALIEN IST REICH AN ZIELEN, DIE ES ABSEITS DER AUSGETRETENEN TOURISTENPFADE ZU BESICHTIGEN GIBT.


CALTANISSETTA AUF SIZILIEN: ITALIENS EINZIGE TREPPE, DEREN STUFEN KOMPLETT MIT HANDGEFERTIGTEN KACHELN VERZIERT SIND.

SECRET CITYS ITALIEN
OFFENBARUNGEN FÜR ENTDECKER
Rom, Venedig, Florenz – wer immer nur diese sicherlich faszinierenden italienischen Städte anfährt, sieht einiges und verpasst doch eine Menge. Denn ihm oder ihr bleibt verborgen, wie viele andere verführerische Orte es in Italien zu erkunden gibt. Ohne Massentourismus und mit reichlich Charme: Da können sich selbst Kenner überraschen lassen.
Bella Italia, das schöne Italien, das Land, so Dichterfürst Goethe, wo die Zitronen blühen, in das Deutsche seit den 1950er-Jahren über die Autostrada del Sole strömen – zu erleben und zu sehen gibt es dort ungemein viel. In Strandbädern wie Rimini und Forte dei Marmi kann man gepflegt im Sand liegen, und Kultur von der Antike bis zum Barock wird in allen historischen Städten reichlich geboten. Italien kennt man, so die Überzeugung. Gondeln in Venedig, Peterskirche und Trevibrunnen in Rom und Michelangelos David in Florenz. Wohl kein anderes Reiseland Europas ist so sehr mit Urteilen und Vorurteilen besetzt wie Italien. Und doch gibt es etliche Facetten Italiens, von denen ausländische Touristen oft nur den Schimmer einer Ahnung haben.
Die vielfältigen Städte Italiens zum Beispiel. Fast alle Reisende besuchen in der Regel nur wenige Orte, Rom, Florenz und Venedig vor allem. Städte, die in der Hochsaison, also die meiste Zeit des Jahres über, fast aus den Nähten platzen. So voll sind sie, dass der Bürgermeister von Venedig bereits über maximale Tagesquoten an Touristen nachdenkt und in Rom Polizisten die Menschenmenge vor dem Trevibrunnen dirigieren müssen. Die Vatikanischen Museen und die Florentiner Uffizien sind derart überfüllt, dass man an vielen Tagen die Kunst vor lauter Menschen kaum zu sehen bekommt.
IN NOTO WIE AUF GANZ SIZILIEN EXISTIERT IMMER NOCH DIE TRADITION DER BUNT GESTALTETEN PFERDEKARREN. ALTE UND NEUE KUNST ZEIGT DAS MUSEO CIVICO IM NORDITALIENISCHEN BASSANO DEL GRAPPA. FRESKENPRACHT IM PALAZZO FARNESE IM MITTELITALIENISCHEN CAPRAROLA.
Abstecher ins Unbekannte
Doch es gibt noch ein ganz anderes Italien, gar nicht oder nur wenig touristisch überlaufen. Wo der Gast noch König ist, weil er nicht als Gruppe, sondern als Einzelreisender auftritt, wo nicht alles im Dienst der Massenabfertigung steht.
Unter Italiens »Secret Citys«, den verborgenen Orten, hat man die Qual der Wahl, und man muss in den meisten Fällen gar nicht weit fahren. Ein, maximal zwei Stunden von den Hauptstraßen des Massentourismus entfernt locken Ortschaften, Dörfer, Klein- und auch Großstädte, die es zu entdecken gilt. Und die in keiner Weise den großen Namen auf der Italien-Hitliste nachstehen. Orte zum Entdecken, zum Eintauchen, zum Erleben und Genießen.
Doch wer macht sich schon aus Nordeuropa auf, um Turin und Bologna im Norden, um Civita di Bagnoregio und Caprarola in Mittel- und Noto und Otranto in Süditalien einen Besuch abzustatten? Oder wer weiß, dass es unterhalb der vielbesuchten italienischen Hauptstadt eine unterirdische Stadt zu besichtigen gibt, die es mit dem oberirdischen Rom leicht an Faszination aufnehmen kann?
Ziele, die ans Herz gehen
Reiseführer zu Italien gibt es ebenso viele wie Italienreisende. Doch die meisten beten immer nur die gleichen, altbekannten Orte nach, während ganze Regionen fehlen, die von Reisebuchverlagen gar nicht oder nur am Rande berücksichtigt werden. Regionen mit Ortschaften voller Geheimnisse, mit Palästen und Kirchen, mit einsam gelegenen Abteien und Felsenkirchen, die das Herz jedes Italienreisenden höher schlagen lassen – vor allem, weil man sie nicht mit vielen anderen Menschen teilen muss.
Dieses Buch stellt 60 eher wenig besuchte Orte zum Entdecken vor, manche von ihnen sind riesig wie die Beinahe-Millionen-Stadt Neapel, manche winzig wie die Dörfer auf der Insel Stromboli, andere haben ihre Zeit als Stadt längst hinter sich und sind heute nur noch Ruinen. Insgesamt also 60 von zahllosen Orten in Italien. In vielen Fällen sind sie bequem mit dem eigenen Wagen oder mit dem Zug von den Hauptreisezielen aus zu erreichen. Oder aber es reicht, wie im Fall von Rom, unter die Erde zu gehen. An allen anderen Orten sollte man ruhig wenigstens eine Nacht verbringen, um ihren ganzen Charme zu erfahren. Secret Citys in Italien: eine Garantie für ein Italien, wie es sonst in kaum einem Reisebuch steht.
NORDITALIEN
Leuchtende Stadtschönheiten

BLICK VON EINER BAROCKEN PALASTTERRASSE AUF DEN RIESIGEN HAFEN GENUAS.

1
GLURNS – STOLZES STÄDTCHEN IN DEN BERGEN
VERGANGENHEIT ZUM GREIFEN NAH

Wohl keine andere Ortschaft Südtirols strahlt so viel altmodischen Charme aus wie Glurns. Die Perle des Vinschgaus ist eine der kleinsten Städte der Alpen und besonders reizvoll bei Schnee oder Dunkelheit – dann fühlt man sich in einen Historienfilm versetzt.
Schon die alten Römer haben die besondere Lage des Ortes genutzt – und ließen sich hier nieder. Über ihre Handelsstraße Via Claudia Augusta transportierten sie Waren in die heutige Schweiz und nach Frankreich und zurück. Doch erst im Mittelalter entwickelte sich Glurns zu einer erwähnenswerten Siedlung. Die Italiener nennen den Ort Glorenza: Es war im italienischen Faschismus üblich, deutsche Namen in Südtirol zu italienisieren.
Im Schutz der Mauern
Schön ist ein Rundgang um die fast komplett erhaltenen Stadtmauern der rund 900 Meter hoch gelegenen Ortschaft. Massiver können Mauern kaum sein: Sie sind sieben Meter hoch und 1,5 Meter dick. Die Wehrtürme, so wie sie sich heute präsentieren, wurden Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet. Immer noch betritt man Glurns durch eines der drei historischen Stadttore.
Zwar kann man hier weder mit großer Kunst noch mit exzeptioneller Architektur aufwarten, doch die Ortschaft ist selbst ein bedeutendes historisches Monument, das man zu Fuß an einem halben Tag, inklusive Mittag- oder Abendessen plus Aperitif oder Cappuccino erkunden und genießen kann. Kein Spaziergänger lässt dabei die Straße der Bogengänge aus dem Jahr 1499 aus.
Reizvoll ist auch der Besuch der Pfarrkirche St. Pankratius von 1481, die außerhalb der Mauern in Richtung der Etsch liegt. Schon von Weitem sieht man den barocken Zwiebelturm der Kirche. Im Inneren birgt sie ein großes Wandfresko aus dem späten 15. Jahrhundert, das ein fürchterliches Jüngstes Gericht zeigt. Auch die anderen Sakralkunstwerke, wie vor allem eine Pietàgruppe aus dem 15. Jahrhundert, wurden liebevoll restauriert.
GLURNS IST EINER DER AM BESTEN ERHALTENEN MITTELALTERLICHEN ORTE IN NORDITALIEN. SEINE UMGEBUNG LÄSST SICH GUT ZU FUSS ODER PER RAD ERKUNDEN.
Traditionelle Märkte
Überlieferungen halten sich in Bergregionen meist besonders lang. Das gilt auch für zwei historische Märkte, die hier seit dem Mittelalter abgehalten werden. Zu diesen Anlässen putzt sich Glurns immer fein heraus. An jedem 24. August wird der Bartholomäusmarkt auf dem Stadtplatz abgehalten. Auf dem traditionellen Bauernmarkt werden Lebensmittel aus der Umgebung verkauft. Der Sealamorkt ist ein Jahrmarkt, der stets am 2. November, an Allerseelen, stattfindet. Wer den Namen langsam spricht, hört »Seelenmarkt« heraus.
Beim Rundgang durch Glurns fällt auf, dass sämtliche alten Gebäude restauriert sind. Alles wirkt gepflegt, egal, ob es sich um ein herrschaftliches Gebäude oder einen Gasthof handelt. Da wundert es nicht, dass Glurns auch als Rothenburg Südtirols bezeichnet wird. Ebenso dass der Besucher in Glurns auf viele Brunnen stößt, die sich zumeist an Straßenecken und Kreuzungen befinden, hat seinen Grund. Bis in die 1980er-Jahre lebten in der kleinen Stadt mit nur 900 Einwohnern jede Menge Kühe. Bis dato war es keine Seltenheit, dass Bauern ihr Vieh innerhalb der Stadtmauern hielten. Morgens trieb man die Tiere auf die Weide und holte sie abends wieder in die Stadt.
Der wohl berühmteste Sohn von Glurns war ein Zeichner: Paul Flora wurde 1922 hier geboren. Der österreichische Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Grafiker, der 2009 in Innsbruck starb, aber auf dem Friedhof von St. Pankratius begraben liegt, erlangte internationale Bekanntheit. Viele seiner Zeichnungen zeigen Szenen aus Glurns.
WOHNEN UND SCHLEMMEN
Mitten im Ort übernachten und genießen ist ein leichtes Spiel in Glurns, etwa im historischen Hotel Grüner Baum. Schon 1730 gab es hier ein Gasthaus mit Gaststätte. Inzwischen schick modernisiert, bietet das Hotel jeden Komfort. Im hoteleigenen Restaurant werden lokale Leckereien serviert und Weine aus der Umgebung ausgeschenkt. Die Stube stammt noch aus dem frühen 19. Jahrhundert. Historisches Gemäuer erwartet den Besucher auch im Café Schöpf, das österreichisch inspirierte Kuchen auftischt. Bei gutem Wetter sollte man sich ein Fahrrad mieten und durch eines der Stadttore hinaus in die Landschaft fahren: etwa nach Mals, Malles Venosta, eine andere malerische Ortschaft, keine 20 Fahrradminuten entfernt. Mals liegt etwa 1000 Meter hoch und gilt als einer der sonnigsten Orte ganz Südtirols.
WEITERE INFORMATIONEN
Glurns,
www.glurns.eu

2
AOSTA – WILDROMANTISCHER BERGORT
LANGE GESCHICHTE IN GROSSER KULISSE

Umgeben von atemberaubenden Alpengipfeln ist diese Kleinstadt nicht nur der ideale Ausgangspunkt für sommerliche Bergwanderungen und winterliche Skitouren. Kulturdenkmäler aus rund 2000 Jahren begegnen den Besuchern auch hier im hohen Norden Italiens.
Wer fährt schon nach Aosta? Gibt es da etwas Besonderes zu sehen? Diese Reaktion bekommt man selbst von Italienern oft zu hören. Wer nicht gerade ein leidenschaftlicher Skifahrer und Bergwanderer ist, reist meist nicht ins Aosta-Tal und stattet auch der kleinen Hauptstadt der Autonomen Region Aostatal in rund 600 Metern Höhe keinen Besuch ab. Knapp 35 000 Einwohner leben dort.
Römerstadt in den Bergen
Dabei ist es ein echtes Versäumnis, Aosta zu unterschätzen. Umgeben von Bergriesen wie dem Monte Emilius mit fast 3600 Metern Höhe, dem über 4000 Meter hohen Gran Paradiso und dem Dolent mit 3800 Metern hat das 25 v. Chr. von Julius Cäsar als Garnisonsstadt gegründete Aosta viel zu bieten – auch ohne Berg- und Skischuhe.
Aus der glorreichen Römerzeit ist einiges erhalten geblieben, wie etwa der elf Meter hohe Arco di Augusto. Der Triumphbogen des Augustus, eines der ersten antiken Bauwerke überhaupt in der Stadt, kann sich mit anderen in Italien messen. Wahrscheinlich blieb der Triumphbogen bis heute so gut erhalten, weil im frühen Mittelalter innerhalb des Bogens ein sogenanntes Saint-Voût angebracht war, ein Heilandbildnis, das später durch ein Kruzifix aus Eisenstahl ersetzt wurde. Das stämmig wirkende Bauwerk wurde im 14. Jahrhundert auch bewohnt: 1318 baute eine lokale Adelsfamilie den Bogen zu einer Trutzburg um. Eindrucksvoll und sehenswert sind zudem die bis zu 22 Meter hohen Reste des ehemaligen Teatro Romano. Die Porta Pretoria, ein antikes Stadttor, gehörte zur römischen Stadtmauer und wurde aus riesigen Steinquadern errichtet.
DIE RÖMER HINTERLIESSEN AUCH IN AOSTA, HOCH IM NORDWESTEN VON ITALIEN, IHRE SPUREN. SOGAR EIN NAHEZU KOMPLETT ERHALTENER RÖMISCHER TRIUMPHBOGEN HAT ÜBERDAUERT.
Zeugen bewegter Zeiten
Aostas große Stunde schlug im Mittelalter. Geostrategisch ideal zwischen Frankreich und Italien gelegen, entwickelte sich das Städtchen zu einem bedeutenden Handelszentrum und Umschlagplatz für Waren aller Art.
Im 10. Jahrhundert wurde eine romanische Kirche errichtet, die sich sehen lassen kann. Santi Pietro e Orso wird noch heute von einem beeindruckenden Campanile, wie man im Italienischen den freistehenden Glockenturm nennt, überragt. In den folgenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut, präsentiert sich dieses Gotteshaus im Innenraum gotisch, mit romanischen Fresken und einem zauberhaften geschnitzten Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert. Eine Treppe führt in die uralte Krypta mit Bogendecke. Wie reich die Bürger von Aosta im Mittelalter waren, beweist der Kirchenschatz.
Auch die Kathedrale ist ein Werk des Mittelalters, innen gotisch gestaltet und außen mit einer schönen, allerdings schon barocken Fassade verkleidet. Alle Wirren der Zeit überlebten einige der seltenen handbemalten Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert.
Römer bauten für die Ewigkeit, und so wurde auch nach dem Untergang des Römischen Reiches die Stadtmauer über Jahrhunderte als Verteidigungsanlage weiter genutzt. Um sie zu begehen, sollte man sich einen schönen Tag aussuchen, vor allem im Westteil der Stadt hat sich die Mauer wirklich gut erhalten. Im Ganzen umfasst sie ein Rechteck von etwa 760 mal 580 Metern.
Wenn es sommers auch in Aosta so richtig warm wird, empfiehlt sich ein Ausflug in den römischen Criptoportico, einen stets kühlen unterirdischen Gewölbegang, dessen antike Verwendung bis heute Rätsel aufgibt.
GRESSAN – EIN TRAUM VON EINEM DORF
Keine zehn Autominuten von Aosta entfernt liegt seit der Römerzeit das hübsche Dorf Gressan, umgeben von Obstgärten inmitten einer dramatischen Berglandschaft. Alle Kirchen und Kapellen der Ortschaft stammen aus dem Mittelalter. Der Campanile der Chiesa della Madeleine ist einer der schönsten des gesamten Aosta-Tals. In Gressans Gaststätten und auch in Aosta und Umgebung sollte man die gastronomischen Leckereien der Region probieren, darunter das Fondue, die Polenta concia, einen Maisbrei mit dem würzigen Toma-Käse, und auch die herzhafte Seupa à la Vapelenentse, eine Käsesuppe mit Butter, Brot und Zimt. Dazu schmeckt einer der kräftigen Weine, die im Tal gekeltert werden. In der Weinbar L’Uva e Un quarto in Aosta, Via Challand 21/a, kommen die besten Tropfen auf den Tisch.
WEITERE INFORMATIONEN
Aostatal, www.lovevda.it
Gressan, www.comune.gressan.ao.it

3
ORTA SAN GIULIO – VERSTECKT IN DEN BERGEN
BILDSCHÖNE EINSAMKEIT

Ein romantisch in den Bergen gelegener See und eine Insel, die wie verwunschen wirkt: Die Isola San Giulio und der Ortasee fehlen zwar auf den meisten touristischen Landkarten, lohnen den Tagesausflug in den Norden der Provinz Piemont aber unbedingt.
Ein Gletschersee, nicht groß. Er misst keine 20 Quadratkilometer, ist knapp 13 mal drei Kilometer groß und nur 143 Meter tief. Der etwa 300 Meter hoch gelegene Ortasee ist an drei Seiten von Bergen umgeben. Die Hänge bedecken Wälder mit Edelkastanien, Tannen, Fichten und Buchen – nur hin und wieder von Bebauung unterbrochen. Zu sehen gibt es ein Italien wie auf romantischen Gemälden des 19. Jahrhunderts.
Der Besucher erreicht den See bei der direkt am Wasser gelegenen Gemeinde Orta San Giulio. Sie gilt mit ihren gerade mal 1300 Einwohnern als eine der schönsten Kommunen Italiens. Sämtliche historischen Gebäude wirken wie aus dem Ei gepellt. Schön ist die Promenade mit ihren Cafés und Lokalen. Der Palazzo della Comunità, das alte Rathaus mit dem offenen Portikus, stammt aus dem späten 16. Jahrhundert. Auch »la Motta«, so wird die Pfarrkirche von 1485 genannt, sollte man einen Besuch abstatten.