Kitabı oku: «Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit»

Der Autor
Prof. Dr. med. Dipl.-Chem. Tilman Wetterling ist Neurologe und Psychiater. Er war Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Berlin und lehrte an der Charité, Berlin. www.prof-wetterling.de
Tilman Wetterling
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-029715-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-029716-6
epub: ISBN 978-3-17-029717-3
mobi: ISBN 978-3-17-029718-0
Geleitwort der Reihenherausgeber
Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im Suchtbereich sind beachtlich und erfreulich. Dies gilt für Prävention, Diagnostik und Therapie, aber auch für die Suchtforschung in den Bereichen Biologie, Medizin, Psychologie und den Sozialwissenschaften. Dabei wird vielfältig und interdisziplinär an den Themen der Abhängigkeit, des schädlichen Gebrauchs und der gesellschaftlichen, persönlichen und biologischen Risikofaktoren gearbeitet. In den unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsphasen sowie in den unterschiedlichen familiären, beruflichen und sozialen Kontexten zeigen sich teils überlappende, teils sehr unterschiedliche Herausforderungen.
Um diesen vielen neuen Entwicklungen im Suchtbereich gerecht zu werden, wurde die Reihe »Sucht: Risiken – Formen – Interventionen« konzipiert. In jedem einzelnen Band wird von ausgewiesenen Expertinnen und Experten ein Schwerpunktthema bearbeitet.
Die Reihe gliedert sich konzeptionell in drei Hauptbereiche, sog. »tracks«:
Track 1: Grundlagen und Interventionsansätze
Track 2: Substanzabhängige Störungen und Verhaltenssüchte im Einzelnen
Track 3: Gefährdete Personengruppen und Komorbiditäten
In jedem Band wird auf die interdisziplinären und praxisrelevanten Aspekte fokussiert, es werden aber auch die neuesten wissenschaftlichen Grundlagen des Themas umfassend und verständlich dargestellt. Die Leserinnen und Leser haben so die Möglichkeit, sich entweder Stück für Stück ihre »persönliche Suchtbibliothek« zusammenzustellen oder aber mit einzelnen Bänden Wissen und Können in einem bestimmten Bereich zu erweitern.
Unsere Reihe »Sucht« ist geeignet und besonders gedacht für Fachleute und Praktiker aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Suchtberatung, der ambulanten und stationären Therapie, der Rehabilitation und nicht zuletzt der Prävention. Sie ist aber auch gleichermaßen geeignet für Studierende der Psychologie, der Pädagogik, der Medizin, der Pflege und anderer Fachbereiche, die sich intensiver mit Suchtgefährdeten und Suchtkranken beschäftigen wollen.
Wir als Herausgeber möchten mit diesem interdisziplinären Konzept der Sucht-Reihe einen Beitrag in der Aus- und Weiterbildung in diesem anspruchsvollen Feld leisten. Wir bedanken uns beim Verlag für die Umsetzung dieses innovativen Konzepts und bei allen Autoren für die sehr anspruchsvollen, aber dennoch gut lesbaren und praxisrelevanten Werke.
Der vorliegende Band von Prof. Tilman Wetterling, der Track 2 (Substanzabhängige Störungen und Verhaltenssüchte im Einzelnen) zugehörig ist, behandelt Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit in übersichtlicher und differenzierter Form. Das älteste Suchtmittel der Menschheit, das gesellschaftlich und individuell die schwerwiegendsten Schäden hinterlässt, zugleich aber auch die größte Akzeptanz in der Bevölkerung findet, wird hinsichtlich der für Klinik und ambulante Praxis, aber auch Forschung und Wissenschaft relevanten Aspekte behandelt. Epidemiologie, Pharmakologie, Neurobiologie, Konsumeffekte, psychosoziale Folgen, Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Prävention sind die behandelten Schwerpunkte, die einen hochaktuellen Einblick in die jeweiligen Themen leifern. Der Autor zeigt – wissenschaftlich fundiert und praxisnah zugleich – die Bedeutung des Alkohols für Individuum und Gesellschaft, die Ursachen und Folgen des übermäßigen Konsums sowie die Präventions- und Therapiemöglichkeiten in Bezug auf Missbrauch und Abhängigkeit auf. Wir sind sicher, dass der vorliegende Band in Konzeption und Inhalt einen sehr wichtigen Beitrag für alle im Feld tätigen Fachkräfte und Interessierte liefert und wünschen eine hohe Verbreitung und Nutzung des Bandes.
Oliver Bilke-Hentsch, Luzern
Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Köln
Michael Klein, Köln
Inhalt
1 Geleitwort der Reihenherausgeber
2 Vorbemerkungen
3 Abkürzungen
4 1 Einleitung
5 1.1 Historische Betrachtungen
6 1.2 Fallvignetten
7 2 Epidemiologie
8 2.1 Alkoholkonsum
9 2.2 Behandlungsfälle
10 2.3 Volkswirtschaftliche Belastung durch die Alkoholkrankheit
11 3 Alkohol-pharmakologische Eigenschaften
12 3.1 Resorption (Aufnahme in den Körper)
13 3.2 Elimination (Abbau im Körper und Ausscheidung)
14 3.3 Altersabhängige pharmakologische Alkoholeffekte
15 3.4 Organschädigende Stoffwechselprodukte
16 4 Neurobiologie
17 4.1 Wirkungen auf Neurotransmittersysteme
18 4.1.1 Akute Wirkungen
19 4.1.2 Veränderungen bei chronischem Alkoholkonsum
20 4.1.3 Veränderungen im Entzug
21 4.2 Membranhypothese
22 4.2.1 Akute Wirkungen
23 4.2.2 Veränderungen bei chronischem Alkoholkonsum
24 4.3 Epigenetische Prozesse
25 5 Wirkungen von Alkohol
26 5.1 Wirkungen auf das Gehirn
27 5.1.1 Bei aktuellem Konsum
28 5.1.2 Bei chronischem Alkoholkonsum
29 5.1.3 Alkoholentzugssyndrom
30 5.1.4 (Längere) Abstinenz
31 5.1.5 Wirkungen auf das periphere und vegetative Nervensystem
32 5.2 Wirkungen auf psychische Funktionen/psychiatrische Komorbidität
33 5.2.1 Angststörungen
34 5.2.2 Affektive Störungen
35 5.2.3 Schizophrene Störungen
36 5.2.4 Psychotische Störung bei Alkoholabhängigkeit
37 5.2.5 Persönlichkeitsstörungen
38 5.2.6 Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
39 5.3 Wirkungen auf Körperorgane
40 5.3.1 Mögliche pathogenetische Mechanismen
41 5.3.2 Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes
42 5.3.3 Lebererkrankungen
43 5.3.4 Pankreaserkrankungen
44 5.3.5 Herz-/Kreislauferkrankungen
45 5.3.6 Lungenerkrankungen
46 5.3.7 Schädigung der Muskeln
47 5.3.8 Störungen des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystems)
48 5.3.9 Störungen des endokrinen Systems
49 5.3.10 Erhöhtes Krebsrisiko
50 5.3.11 Erhöhtes Missbildungsrisiko bei Neugeborenen (fetales Alkoholsyndrom)
51 6 Psychosoziale Faktoren
52 6.1 Stigmatisierung
53 6.2 Belastung der Angehörigen etc.
54 6.3 Arbeitsausfall und Frühberentung
55 6.4 Erhöhtes Unfallrisiko
56 6.5 Erhöhte Mortalität und Suizidalität
57 6.6 Aggressives Verhalten und Straffälligkeit
58 6.7 Zivilrechtliche Aspekte
59 6.7.1 Geschäfts- und Einwilligungsfähigkeit
60 6.7.2 Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik und Betreuung
61 6.7.3 Straßenverkehrsrecht
62 7 Ätiologie der Alkoholkrankheit
63 7.1 Biologische Faktoren
64 7.1.1 Genetische Faktoren
65 7.1.2 Familienstudien
66 7.1.3 Neurochemische Modelle zur Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit
67 7.1.4 Epigenetische Modelle zur Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit
68 7.2 Psychologische Faktoren
69 7.3 Soziale Faktoren
70 7.4 Kulturelle Faktoren
71 7.5 Lebensalter
72 7.6 Geschlecht
73 8 Diagnostik
74 8.1 Diagnosekriterien
75 8.1.1 Diagnostische Kriterien für eine Alkoholabhängigkeit
76 8.1.2 Diagnostische Kriterien für einen Alkoholmissbrauch
77 8.1.3 Typologie von Alkoholkranken
78 8.1.4 Mehrfach-Abhängigkeit (Synonym: polyvalente Abhängigkeit)
79 8.2 Selbstbeurteilungsfragebögen
80 8.3 Laborparameter als »Alkoholmarker«
81 8.3.1 Alkoholkonzentration im Blut bzw. der Atemluft
82 8.3.2 »Alkoholmarker«
83 8.4 Klinische Diagnostik
84 9 Therapie und Prävention
85 9.1 Versorgungsaspekte
86 9.1.1 Allgemeine medizinische Versorgung
87 9.1.2 Inanspruchnahme von alkoholspezifischer Hilfe
88 9.2 Therapieziele
89 9.2.1 Sicherung des Überlebens
90 9.2.2 Verhinderung von schweren körperlichen Folgeschäden
91 9.2.3 Sicherung der sozialen Umgebung gegen Beeinträchtigungen
92 9.2.4 Verhinderung sozialer Desintegration
93 9.2.5 Ermöglichung längerer Abstinenzphasen/Rückfallprävention
94 9.2.6 Einsicht in die Grunderkrankung
95 9.2.7 Akzeptanz des eigenen Behandlungs- bzw. Hilfebedarfs
96 9.2.8 Akzeptanz des Abstinenzzieles
97 9.2.9 Konstruktive Bearbeitung von Rückfällen
98 9.3 Medizinische Behandlungsmaßnahmen
99 9.3.1 Ärztlicher Ratschlag
100 9.3.2 Behandlung einer Alkoholintoxikation
101 9.3.3 Entzugsbehandlung (Körperliche Entgiftung)
102 9.3.4 Alkohol-induzierte psychotische Störungen
103 9.3.5 Amnestische Störung (Wernicke-Korsakoff-Syndrom)
104 9.4 Psychotherapeutische, psychosoziale und andere Therapien
105 9.4.1 Indikationen für eine bestimmte Behandlungsform
106 9.4.2 Kontaktaufnahme
107 9.4.3 Therapeutische Grundhaltung
108 9.4.4 Abwehr
109 9.4.5 Gesprächsführung/Motivational interviewing
110 9.4.6 Rückfälle in/nach Therapie
111 9.5 Prävention
112 10 Synopsis und Ausblick
113 Literatur
114 Stichwortregister
Vorbemerkungen
Dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend wird in diesem Buch – chemisch nicht korrekt – die Bezeichnung »Alkohol« ausschließlich für Ethylalkohol benutzt.
Wenn eine eindeutige Differenzierung zwischen Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch nicht vorgenommen werden konnte, wurde der Terminus Alkoholkrankheit benutzt (siehe hierzu auch DSM-5, APA 2013, in der eine Unterteilung aufgegeben wurde).
Abkürzungen
| BAK | = Blutalkoholkonzentration |
| CRF | = Corticotropin Releasing Factor |
| DNA | = Desoxyribonukleinsäure |
| DSM | = Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders (American Psychiatric Association (Hrsg.)) |
| GABA | = -amino-butyric acid = -Aminobuttersäure |
| ICD | = International Classification of Diseases (WHO) |
| MRS | = Magnetresonanzspektroskopie |
| MRT | = Magnetresonanztomografie |
| NMDA | = N-Methyl-D-Aspartat |
| ROS | = reactive oxygen species |
| ZNS | = Zentrales Nervensystem |
1
Einleitung
1.1 Historische Betrachtungen
Alkohol entsteht bei der natürlichen Gärung von Zucker, der in Getreiden und Früchten enthalten ist. Der Konsum alkoholhaltiger Getränke ist bei vielen Völkern und in alten Kulturen seit Jahrtausenden bekannt. Wein wurde schon mehrere Tausend Jahre v. Chr. in Mesopotamien und in Persien angebaut. Im Alten Testament findet sich ein entsprechender Hinweis: Noah legte nach der Sintflut einen Weinberg an (Bibel 1. Buch Mose 9/20). Es gibt auch Aufzeichnungen von den Sumerern aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., in denen die Herstellung von Bier beschrieben wird.
Der Herstellung alkoholischer Getränke und deren Konsum zeigten schon in der Antike deutliche regionale Unterschiede. Griechen und Römer tranken bevorzugt Wein. Chinesen brauten alkoholische Getränke auf der Grundlage von Reis (Sake). Die Germanen tranken Bier und Met (Honigwein). Diese wurden als Getränk und Genussmittel geschätzt. Bei anderen Völkern war Alkoholkonsum vorwiegend kultischen Zwecken bei Zeremonien, z. B. als Opfergaben bzw. zur Erzeugung eines Rauschzustandes vorbehalten. Die Griechen hatten einen Gott des Weines. Aber Dionysos war auch noch Gott der Freude, Fruchtbarkeit und des Wahnsinns sowie der Ekstase. In der Antike gab es einen Bacchus-Kult mit ekstatischen Trinkgelangen (Homer Odyssee). Archäologen vermuten sogar, dass ein für kultische Zwecke erforderliches alkoholhaltiges Getränk (Bier) schon über 10.000 Jahre v. Chr. mit dazu beigetragen hat, dass Menschen sesshaft wurden, um so Getreide anbauen zu können (Dietrich et al. 2012; Liu et al. 2018; Reichholf 2008).
Die Folgewirkungen eines übermäßigen Alkoholgenusses waren ebenfalls schon sehr früh bekannt (Bibel 1. Buch Mose 9/21 ff.): »Und da Noah von dem Wein trank, ward er trunken und lag in der Hütte aufgedeckt«. Für den römischen Philosophen Seneca (4 v. Chr.–65 n. Chr.) war Trunkenheit nichts anderes als »freiwilliger Wahnsinn«. Er beschreibt den betrunkenen Zustand als »Krankheit«, die auftritt, wenn die »übergroße Kraft des Weines« von »der Seele Besitz ergriffen« habe. Hierbei handelt es sich um eine frühe Beschreibung des Kontrollverlustes und der Alkoholintoxikation.
Die Geschichte des Alkohols von der Antike bis in die Neuzeit ist lang und weist viele Facetten auf (Brunold 2014). In Nord- und Mitteleuropa war Biersuppe, die schon zum Frühstück gegessen wurde, bis zum 16. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel (Schivelbusch 2010). Wein wurde aufgrund des hohen Preises im 17.–19. Jahrhundert vorwiegend vom Adel und Großbürgertum getrunken. Noch im 19. Jahrhundert wurden Arbeitern von ihren Arbeitergebern alkoholische Getränke (Bier) statt fester Nahrung verabreicht (Schott 2001).
Die natürliche Gärung erfolgt mithilfe von Hefe. Der maximal erreichbare Alkoholanteil lag bei etwa 16 % Volumen. Arabischen Alchemisten gelang es im frühen Mittelalter zuerst durch Destillation höhere Alkoholkonzentrationen zu erzeugen. Erst Ende des 17. Jahrhunderts kam es durch die Einführung von Kartoffelbrennerei zur verbreiteten Herstellung hochprozentiger Getränke (Branntwein-, Schnaps- und Whiskybrennereien) in Europa und infolge zu massiven Problemen (»Branntweinpest«) (Schott 2001).
In Europa wurde Alkohol in Maßen lange Zeit (insbesondere im 12.–19. Jahrhundert) als Lebenselixier sogar von Ärzten propagiert. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts traten Ärzte wie Hufeland für eine Reduzierung des Alkoholkonsums aus medizinischen Gründen ein. Selbsthilfe-Organisationen wurden wegen der vielfältigen durch Alkohol verursachten Probleme im Zeitalter der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Seit dieser Zeit wurden von ärztlicher Seite Bemühungen unternommen, Hilfsangebote für Alkoholabhängige zu entwickeln. Meist wurden Alkoholkranke aber ausgegrenzt und landeten in »Trinkerasylen etc.«, später in psychiatrischen Kliniken (Schott 2001). In Deutschland wurde erst 1968 vom Bundessozialgericht Alkoholismus als Krankheit anerkannt (BSG, 18.06.1968 - 3 RK 63/66).
Ebenfalls beginnend im 19. Jahrhundert hat Alkohol (»Feuerwasser«) wesentlich zu der Zerstörung von alten Kulturen der Ureinwohner, v. a. in Nordamerika sowie in Australien nach Ankunft der Europäer, beigetragen.
Vor allem in den europäisch bzw. christlich geprägten Ländern der Welt ist der Alkoholkonsum in den letzten Jahrzehnten ein sozialmedizinisches Problem ersten Ranges geworden. Dagegen ist in Ländern, in denen andere Religionen (Islam, Hinduismus und auch Buddhismus) vorherrschen, Alkohol bislang nur von geringerer sozialmedizinischer Bedeutung (WHO 2018).
1.2 Fallvignetten
Fallvignette 1 (körperliche Folgeerkrankungen):
Der 56-jährige alleinlebende Herr H. ging auf Anraten seiner Tochter nach längerer Zeit wieder einmal zu seinem Hausarzt. Dort berichtete er, der Tochter sei aufgefallen, dass er bei den wenigen Kontakten abgeschlagen und müde wirke. Dem Hausarzt fiel in dem Gespräch eine Gelbfärbung der Skleren auf. Bei der körperlichen Untersuchung stellte der Arzt eine gering vergrößerte und verhärtete Leber sowie abgeschwächte Reflexe an den Beinen und einen breitbeinigen Gang fest.
Auf Nachfragen gab Herr H. an, Alkohol in Maßen zu trinken, so wie andere auch. Rauschzustände wurden verneint. Der Zigarettenkonsum wurde mit einer Packung pro Tag angegeben. Auf weitere Nachfrage negierte Herr H. gesundheitliche Probleme bei seiner Arbeit als selbstständiger Versicherungsvertreter. Die Konkurrenz durch die Online-Versicherungen sei allerdings sehr hart und er erreiche kaum noch die Anzahl der geforderten Neuverträge. Abends brauche er dann immer häufiger etwas zur Entspannung. Er trinke dann gern ein oder zwei Bier. Der Hausarzt äußerte daraufhin seinen Verdacht, dass Herr H. einen gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum betreibt, der schon zu einer Leberschädigung geführt hatte. Er schlug Herrn H. daher vor, sich in einer internistischen Klinik eingehend untersuchen zu lassen. Herr H. bat um einige Tage Bedenkzeit.
Drei Wochen später erscheint er wieder in der Praxis seines Hausarztes. Diesmal hat er eine deutlich sichtbare gelbliche Verfärbung der Haut und der Skleren. Der Hausarzt weist ihn umgehend in eine internistische Klinik ein. Dort wird sonografisch ein zirrhotischer Umbau der Leber sowie ein leichter Aszites festgestellt. Im Labor weist Herr H. eine deutliche Erhöhung des Bilirubins und der Leberenzyme auf.
Nach der Aufklärung über diese Diagnose bittet ihn der Stationsarzt, zu einem Gespräch über das weitere Vorgehen auch Familienangehörige hinzuzuziehen. Zwei Tage später kommt die Tochter, die berichtet, dass ihr Vater seit mindestens 30 Jahren regelmäßig Alkohol trinkt. Deshalb sei es zu Auseinandersetzung mit ihrer Mutter gekommen, die sich vor etwa 15 Jahren von ihrem Vater getrennt habe. Seitdem lebe er allein. In dem Gespräch gibt Herr H. nur einen vermehrten Alkoholkonsum seit seiner Trennung von der Ex-Ehefrau zu. Am Ende des Gesprächs stimmt Herr H. nach Zögern und auf Drängen der Tochter dem Vorschlag des Arztes zu, mithilfe der Sozialarbeiterin eine Rehabilitationsbehandlung zu beantragen.
-amino-butyric acid =