Kitabı oku: «Wir wollen Mobbingfrei! Schau hin, nicht weg!»

Vollständige E-Book-Ausgabe
des im 360 Grad Verlag GmbH erschienenen Werkes
360 Grad Verlag GmbH · 2020
Eichenweg 21a · D-69198 Schriesheim
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Text: © Tom Lehel
Illustrationen und Cover: © Thorsten Berger
Datenkonvertierung E-Book: Helmut Schaffer, Hofheim a. Ts.
Gesamtherstellung: Print Consult GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten.
ISBN 978-3-96185-994-8
Inhalt
Titel
Impressum
– DU BIST RICHTIG! –
Kapitel 1 – DAS FIESE KLASSENZIMMER
Kapitel 2 – PAUSENKILLER
Kapitel 3 – HEXENKÜCHE
Kapitel 4 – IVAN DER SCHRECKLICHE
Kapitel 5 – ABDUL UND DIE EGELZECKEN
Kapitel 6 – AVENGERS FÜR ARME
Kapitel 7 – PIRATENPACK
Kapitel 8 – DARTH VADER MIT OHNE APFELKUCHEN
Kapitel 9 – KÖNIG ROLLO
Kapitel 10 – HÖLLENFAHRT
Kapitel 11 – MONSTERHAUS
Kapitel 12 – MATHEFREAK
Kapitel 13 – SPORT IST MORD?
Kapitel 14 – PULLER-STAR
Kapitel 15 – STERNENKIND
Der Abschied
Die Ideen des Respektors – so cool wie das Buch
Für Kinder, die Mobbing erleben und Hilfe brauchen!
– DU BIST RICHTIG! –
Wir wollen Mobbingfrei!!!
Von Tom Lehel, dem Respektor
Hi, ich möchte mich bei dir vorstellen. Ich bin Tom. du kennst mich vielleicht wegen meiner Mucke, denn ich steh oft auf der Bühne, oder aus der Glotze beim KiKA. Meine coole Frisur hast du vielleicht auch schon mal gesehen, oder? Aber du weißt nicht, warum ich diese Frise habe. Wenn du Bock hast, dann werde ich es dir erzählen. Okay? Bist du mutig, mich auf der coolen Reise in diesem Buch zu begleiten? Komm, überzeug mich erstmal, dass du auch wirklich mutig genug bist …
Stell dich auf ein Bein und brüll so laut du kannst:
ICH BIN RICHTIG!
Mach mal.
Danke! Okay, das war schon ganz gut. Und jetzt versuchst du mit deinem großen Zeh, deine Nase zu berühren. Falls deine Socke wie ein alter Kamelfurz riecht oder so ähnlich, dann solltest du vorher die Socke wechseln. Falls du die Socke gerade nicht wechseln kannst, dann atme einmal tief ein und aus und denk an duftende Blumen auf einer großen grünen Wiese. Glaub mir, das hilft und macht glücklich.
So, jetzt kommt diese Prüfung: Nimm das Buch und leck es einmal komplett ab. Neeein … das war nur Spaß. Wäre ja ekelhaft.
Aber okay, ich bin mir sicher, wer an seiner Socke riecht, ist mutig genug, mit mir die Reise anzutreten und ein echter Respektor zu werden.
Jetzt fragst du dich bestimmt: „What the hell ist ein Respektor?“ Ich erklär es dir. Ein Respektor ist, wie das Wort schon sagt, ein Mensch, der andere respektiert und akzeptiert, und zwar so wie sie sind. Ein Respektor ist einer, der handelt und nicht nur blöd zuschaut. Ein Respektor erkennt Mobbing rechtzeitig und ergreift geeignete Gegenmaßnahmen, denn keiner, wirklich niemand, hat es verdient, gemobbt zu werden. Und keiner, wirklich niemand, hat das Recht, andere zu mobben. Ein Respektor ist auf keinen Fall gewalttätig, böse oder frech. Er übernimmt Verantwortung und lässt gemeinsam mit anderen nicht zu, dass es jemandem in seinem Umfeld schlecht geht, weil er gemobbt wird.
Man könnte sogar sagen, dass ein Respektor eine Art Superheld ist. Respektoren sind wichtig, denn durch sie lässt sich Mobbing verhindern. Respektoren können Opfern helfen. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich wurde als Kind jahrelang gemobbt, und ich hätte mir damals gewünscht, die anderen hätten nicht nur zugeschaut, sondern gehandelt und mir geholfen.
Also, bist du bereit, ein Respektor zu werden? Dann steh auf und ruf laut: „JAAAA!“
Nicht so laut! Schrei mich nicht so an!
Kleiner Witz, hihi! Also, auf geht’s. Wir gehen auf eine Reise und bewegen uns wie Geister von einem Ort zum nächsten, genau dahin, wo wir auf ganz verschiedene Mobbingsituationen treffen. Los jetzt, ab zur ersten Station. Möge der Respekt mit uns sein!

Kapitel 1 – DAS FIESE KLASSENZIMMER
Bist du bereit? Ich nehme dich an die Hand und wir schweben los. Raus an die frische Luft. Halt dich gut fest, denn jetzt geht’s steil über die Wolken. Yeahhhhhhh!!! Hast du Höhenangst? Musst du nicht. Ich pass auf dich auf. Schau mal, da unten ist ein großes Gebäude. Kannst du es sehen? Das ist eine Schule. Komm, wir schweben und gleiten da gleich mal hin.
Sooooo. Jetzt geht’s durch die Eingangstür, dann die Treppen hoch. Weiche Landung. Hui, wir sind direkt in einem Klassenzimmer gelandet. Das Tolle ist, die Kids und der Lehrer können uns nicht sehen, nicht hören und nicht riechen. Wir sind nämlich unsichtbar. Cool, wir könnten jetzt also so viel Mist bauen, wie wir wollen. Wir könnten zum Beispiel alle Schulranzen klauen und zusammenknoten, die dann an 1000 Luftballons hängen und fliegen lassen … Und, äh, wir könnten auch einen fliegen lassen. Hihi. Niemand würde das mitkriegen. Wir könnten auch allen aus den Schuhen die Schnürsenkel rausziehen und daraus einen hässlichen Pullover stricken. Unsichtbar zu sein, ist schon cool – aber hey, coole Respektoren machen das nicht. Coole Respektoren haben Respekt vor anderen.
Das Klassenzimmer hat natürlich eine Tafel. Los, da setzen wir uns jetzt mal drauf wie zwei sabbernde Faultiere. Super. Von hier oben haben wir alles gut im Blick. Siehst du die Schüler? Sie stellen gerade ihre Ranzen unter die Tische. Mal hören, was Frau Müller, die Lehrerin, sagt.
Frau Müller sagt: „Morgen zusammen, schaut euch bitte die Bilder an und bearbeitet sie, am besten in Vierergruppen. Maria, beeile dich bitte, wir wollen anfangen.“
Gruppenarbeit fand ich früher immer lustig, da konnte man richtig rumalbern und viel labern. Das war irgendwie locker. Und jedenfalls viel besser als Klassenarbeiten.
Schau mal, Maria geht gerade zu der Dreiergruppe da drüben. Komm, wir schweben mal hin und hören, was da passiert.
„Kann ich bei euch mitmachen?“, fragt Maria. Ralf, der gerade antworten will, schaut sie an wie Chewbacca nach einem Waldbrand. „Du?“, fragt er. „Eher würde ich ’nem Pferd eine Murmel aus dem Po ziehen, als mit dir was zu machen.“
Oha, das ist mal eine krasse Antwort von dem Jungen. Denkst du auch, was ich denke? Der Spruch geht ja gar nicht. Hey, jetzt steht der freche Kerl auf, dreht sich zu der anderen Gruppe um und fragt einen anderen Jungen mit voller Lautstärke: „Hey, Tobi, willst du bei uns mitmachen?“
Alter, meine Ohren. Das war echt laut. Der brüllt wie ein Riesengorilla, der nach Bananen schreit. Tobi geht rüber zu der Gruppe von Ralf, und der ignoriert Maria einfach. Tobi kriegt das zwar mit, aber er sagt gar nix. Echt krass!!!

Jetzt läuft Maria traurig zum nächsten Tisch und fragt Micha: „Darf ich bei euch mitmachen?“ Doch Micha schaut sie noch nicht mal an, fragt nur „Hast du sie nicht mehr alle?“ und glotzt auf seine Arbeitsblätter. Wie ätzend ist das denn bitte?
Maria bleibt trotzdem stehen und fragt: „Wieso, was ist denn mit mir nicht in Ordnung?“

Da schaut Micha hoch und Maria an. Oje, der Blick von dem Popelrocker lässt nichts Gutes erwarten. „Sach ma, spinnst du?“, fragt er Maria. „Hast du schon mal in den Spiegel geguckt? du siehst aus wie ’ne Mischung aus fetter Kuh und ’nem vollgefressenem Grauwal. Dich kann man doch nur als megagroßen Schatten im Sommer brauchen.“
Mike, der daneben sitzt, hat den Spruch mitbekommen. Er lacht laut und sagt: „Haha, Alter, ja genau, die geht nicht, die rollt.“
Auweia. Maria tut mir echt leid. Sie geht total traurig nach vorne zu Frau Müller, die nichts von der Situation mitbekommen hat und erst recht nichts von den Sprüchen. Stattdessen schaut die Lehrerin Maria etwas genervt an und sagt: „Maria, das kann doch nicht so schwer sein, sich einer Gruppe anzuschließen. Jedes Mal dasselbe mit dir.“
Na prima, jetzt hat das arme Mädchen auch noch von der Lehrerin eins drauf bekommen. Was ist denn hier los?
Maria scheint Tränen in den Augen zu haben, sie sagt zu Frau Müller: „Ich möchte bitte nach Hause gehen. Mir ist schlecht.“
Ganz ehrlich, mir wäre auch schlecht, wenn ich von allen Seiten solche Sprüche gedrückt bekommen würde. Wahrscheinlich würde ich ein Muster auf die Tafel kotzen. Sorry, aber was ist denn das hier für ein respektloser Umgang in der Klasse? Das geht gar nicht.
Was denkst du? Bist du der gleichen Meinung wie ich? Dann bist du auf dem richtigen Weg, ein guter Respektor zu werden.

So, und was würde ein Respektor jetzt machen?
Was würde er dem Tobi sagen, der von Ralf gerufen worden ist? Und was dem Mike, der mitgelacht hat? Die beiden sind diejenigen, die direkt mitbekommen haben, was da abging. Müssten sie nicht eigentlich handeln und Ralf die Meinung geigen, statt zuzusehen und nix zu machen? Müssten sie nicht direkt fragen, warum Maria nicht in der Gruppe mitmachen soll? Müssten sie nicht sagen, dass ihr Aussehen absolut keine Rolle spielt. Sie hätten dafür sorgen können, dass Maria in der ersten Gruppe mitmacht. Und wenn das alles nicht funktioniert, dann hätten sie doch zur Lehrerin gehen und ihr die Situation erklären können. Denn die Lehrerin hat nun mal nicht mitbekommen, was Ralf da gesagt hat, und sie weiß auch nicht, dass das schon länger so geht mit dem miesen Diss gegen Maria. Würde sie es wissen, dann wäre sie mit Sicherheit eingeschritten.
Genau so würden sich Respektoren in dieser Situation verhalten. Denn hier ging es ganz klar nicht um Maria und das, was sie kann, sondern nur darum, wie sie aussieht.
Apropos Aussehen. Ich hatte dir versprochen, zu erklären, warum ich diese Frise habe. Da es noch einen Moment bis zu unserem nächsten gemeinsamen Himmelsritt dauert, erzähl ich es dir jetzt. Ich hatte früher richtig volles Haar auf der Birne. Ich sah wild aus wie Chewbacca. Als ich so um die 20 Jahre alt war, fielen mir die Haare aus, und damals fühlte mich echt total unwohl. Immer mehr Haare habe ich verloren, so als ob ein Nagetier mir die Haare von der Rübe gefressen hätte. Nur hier an den Seiten war noch alles da. Immerhin. Da ich mir ziemlich blöd mit der komischen Frisur vorkam, setzte ich mir immer eine Cap oder eine Mütze auf. Doch irgendwann hab ich mich gefragt, warum eigentlich? Warum versteckte ich mich unter einer Cap? Und dann hab ich mir überlegt, wie ich aus dieser Situation für mich was Cooles schaffen konnte. Etwas, das eben zu mir passte. So kam ich auf meine heutige Frisur. Die hatte sonst keiner. Haare an den Seiten hochgekämmt, in der Mitte nix und eine Brille auf die Stirn. Ich wollte mit der Frise auffallen und zeigen, dass ich damit richtig bin. Und heute ist es meine „Marke“. Jeder erkennt mich so. Die Leute finden die Frisur cool. Und ich auch. Ist eben meine. Genau das soll es auch zeigen. Jeder und jede ist einzigartig und richtig. Genau so, wie er oder sie ist. Egal wie er oder sie aussieht. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass du deine Haare in der Mitte auf dem Kopf abrasieren und dir eine Brille auf die Stirn pappen sollst … Nein, DU bist richtig, wie DU bist. Mach’s einfach, wie DU es denkst und willst.

Kapitel 2 – PAUSENKILLER
Pause ist die schönste Zeit in der Schule. Da kann man toben wie ein Pavian auf dem Felsen oder einfach Abhängen wie ein Faultier. Wenn es nicht … ja, wenn es da nicht immer wieder Situationen gäbe, die so richtig Probleme bereiten. Kennt ihr solche Situationen? Habt ihr das schon mal erlebt?
So, wir sind gelandet und befinden uns mitten auf einem Schulhof. Mann, ist das laut hier, wie bei einem Treffen von 20.000 Minions, die alle gleichzeitig „Banana“ schreien. Komm, wir schauen uns mal um. Da ist ein Klettergerüst, links davon steht die Turnhalle. Was gibt es hinter der Turnhalle? Da ist ein kleiner Vorplatz vor den Umkleideräumen. Vom Schulhof aus ist er nicht direkt zu sehen. Auch Lehrer sind dort nicht. Dieser kleine, versteckte und ruhige Ort ist super zum Pause machen.
Komm, wir setzen uns aufs Vordach der Turnhalle. Herrlich diese Ruhe, oder? Siehst du, da sitzt ein kleiner Junge. Was ist mit dem los? Er ist ganz allein und starrt traurig vor sich hin. Da kommen drei Jungs und ein Mädchen um die Ecke. Einer der Jungs ruft dem anderen was zu: „Los Karsten, schnapp ihn dir!“
Und was macht der Karsten? Er läuft ja wie ein aufgemotztes Nilpferd auf den kleinen Jungen zu und ruft: „Hey, Paul, du weißt genau, was jetzt kommt, du Loser. Also los, steh auf!“ Soso, das ist also Karsten. Er ist größer als Paul und er scheint ziemlich aggressiv zu sein. Er redet wie Hulk nach einer „Sechs“ in Mathe: „Hey, Franz, Robbi, Kathi, kommt her. Jetzt wird es lustig. Was machen wir mit unserem Opfer?“
Paul steht auf. Seine Angst kann er nicht verbergen. Er sagt: „Was wollt ihr wieder von mir? Ich habe euch doch meine Pausenbrote schon gegeben.“
Karsten macht einen Schritt auf Paul zu, wie ein Tiger, der sich an sein Opfer ranschleicht. Franz, Robbi und Kathi bleiben hinter Karsten stehen. Der schnappt sich Paul am Pulli, hält ihn bedrohlich fest und sagt: „Pausenbrote reichen nicht. Wir wollen deine Kohle, du Wurst.“

Moment mal, wieso sagen die anderen denn nichts? Sie lachen einfach nur, klatschen Karsten damit fast Beifall. Der sabbert vor Freude wie ein Hai, der grad einen Fisch angeknabbert hat.
In dem Moment, schau mal, kommen drei weitere Kinder um die Ecke. Sie setzen sich etwas weiter hinten auf eine Bank. Hm … die scheinen nichts mitzukriegen und gehören wohl auch nicht zu Karstens Truppe. Was macht die bedrohliche Meute? Jetzt stellt sich auch Kathi direkt vor Paul. Der zittert fast, so große Angst hat er.
Kathi scheint sich besonders stark zu fühlen. „Och, hat der kleine Hosenscheißer Angst?“ Mensch, Kathi, neben den anderen haust du ganz schön auf die Kacke. Wie ein Pantherweibchen. Denkst, du bist geschmeidig und saugefährlich, oder?
Und was machen Franz und Robbi? Die stehen einfach nur dabei und lachen dreckig. Übel.
Durch das laute Lachen sind jetzt die Kinder hinten auf der Bank auf die Meute aufmerksam geworden. Sie schauen rüber, machen aber auch nix. Die sitzen da wie stumme Eulen auf einem Ast. Keine Bewegung.
Karsten hat Paul mittlerweile mit voller Kraft auf den Boden gedrückt und sich auf seinen Rücken gesetzt. „Hör zu, du Nullnummer“, sagt er, „ich will morgen von dir zehn Euro haben, ansonsten gibt’s echt auf die Zwölf.“
Paul kann seine Tränen nicht mehr verbergen. Er winselt: „Ich habe kein Geld. Wie soll ich das machen?“
Da drückt Karsten Paul noch mehr auf den Boden, und Kathi bückt sich ganz nah zu Pauls Gesicht runter, sagt: „Das ist uns scheißegal, Alter. Morgen ist die Kohle da, ist das klar? Oder es gibt Prügel!“ Dann grunzt sie frech. Franz und Robbi jubeln vor Freude.
Die Kinder hinten auf der Bank schauen weiter einfach nur zu, sagen nichts und sitzen da wie versteinert. Weil Paul kaum noch Luft bekommt, lässt Karsten ihn los. Dann sagt er: „So, Alter, da du jetzt kein Geld dabei hast, musst du dafür was machen, oder es knallt …“
Paul steht langsam auf. Er hält seine Hände vors Gesicht. Karsten schaut zu Kathi und fragt: „Was soll unser Opfer heute für uns machen?“
Kathi denkt kurz nach, dann antwortet sie: „Er soll sich auf dem Boden in der Pfütze hin und her rollen. Seine Klamotten sehen ja eh aus wie aus der Tonne, also ist das doch kein Problem für den Scheißer, oder?“
Karsten schubst Paul auf den Boden direkt neben die kleine Pfütze, die da noch vom letzten Regen ist, und brüllt ihn an: „Los, roll dich, du Loser!“
Paul kniet sich hin, mit schmerzverzerrtem Gesicht sagt er: „Aber das sind neue Klamotten. Meine Eltern haben nicht so viel Geld, um dauernd neue zu kaufen.“
Da macht Kathi wieder langsam einen Schritt auf Paul zu. Wie eine Schlange, die ihr Opfer ins Visier nimmt. „Ja, ja, das wissen wir, deshalb sehen deine Klamotten auch immer aus wie aus dem Altkleidercontainer. Also los, roll dich jetzt, sonst passiert was.“
Plötzlich schreien auch Robbi und Franz gemeinsam los: „Rollen, rollen, rollen!“ Karsten und Kathi stimmen mit ein: „Roll, du Loser, los, roll, du Loser!“
Die anderen Kinder da hinten auf der Bank können das Geschrei nicht überhören, die müssten taub sein. Sind sie aber nicht. Die hören alles und sehen alles. Aber sie machen nichts.
Jetzt tritt Karsten Paul auch noch in den Arsch. Und Paul rollt mit seinen neuen Klamotten durch die dreckige Pfütze. Karsten, Kathi, Franz und Robbi lachen laut. Wie beglückte Makaken-Affen im Dschungel.

Paul weint und sagt nix mehr. Karsten geht zu Paul, der auf der anderen Seite der Pfütze liegt, und stößt ihn mit dem Fuß nochmal durch die Pfütze. Dann drückt er ihm noch einen Spruch: „So, jetzt weißt du, was passiert, wenn du nicht machst, was wir sagen. du dämlicher kleiner Loser.“
Kathi, Franz und Robbi sind jetzt nicht mehr zu halten. Sie jubeln wie geisteskrank. Karsten beugt sich zu Paul runter, der regungslos in der Pfütze liegen geblieben ist. „Morgen kommst du mit zehn Euro rüber“, sagt er, „ansonsten gehst du gleich nochmal baden, du Frosch du.“
In dem Moment ertönt zum Glück die Schulklingel. Wahrscheinlich hätte Karsten den Paul sonst nochmal in die Pfütze gestoßen. So aber laufen er, Franz, Robbi und Kathie rüber auf den Schulhof zu ihren Klassen. Und auch die Kinder von da hinten auf der Bank stürmen los. Nur Paul liegt immer noch auf dem Boden. Er heult und heult. Langsam nur rafft er sich auf und geht mit seinen tropfenden Klamotten zurück in die Schule.
Komm, wir schweben ihm hinterher und begleiten ihn zu seiner Klasse. Der Arme sieht echt nicht gut aus. Seine Klamotten sind total verdreckt. Jetzt geht er in die Klasse. Der Unterricht hat schon angefangen.
Mal hören, was der Lehrer sagt. „Paul, du kommst schon wieder zu spät von der Pause. Es reicht langsam. Ich glaube, ich muss mal mit deinen Eltern reden.“ Der Lehrer scheint gar nicht zu sehen, wie Paul aussieht. Er guckt auch gar nicht richtig hin. Paul setzt sich auf seinen Platz. Sein Schluchzen ist deutlich zu hören.
Oh Mann, das ist echt voll krass, was Paul hier angetan wird. Das war echt schlimm. Findest du nicht auch? Das hat Paul nicht verdient. Keiner hat so was verdient. Aber leider passiert so was ziemlich oft an Schulen. Kennst du auch solche Situationen? Kann man dagegen nichts machen?
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.