Kitabı oku: «Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation»

Valerija Sipos Ulrich Schweiger
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3., erweiterte und überarbeitete Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-038120-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-038121-6
epub: ISBN 978-3-17-038122-3
Wir widmen dieses Buch der ehrwürdigen Ayya Khema. Sie lehrte uns die Prinzipien der Achtsamkeit. Die Begegnung mit ihr beeinflusste unseren Lebensweg entscheidend.
Inhalt
1 Danksagung zur 1. Auflage
2 Danksagung zur 2. Auflage
3 Danksagung zur 3. Auflage
4 Vorwort
5 Zum Umgang mit dem Manual
6 Teil 1 Therapiemodule
7 1 Modul Symptome der Essstörung
8 1.1 Für wen ist das Manual geeignet?
9 1.2 Symptome einer Essstörung
10 1.3 Häufig mit Essstörungen verbundene Probleme (Komorbidität)
11 2 Modul Selbstmanagement-Tools
12 2.1 Warum ist dieses Modul wichtig?
13 2.2 Dialektische Betrachtungsweise
14 2.3 Was bedeutet sich verändern?
15 2.4 Werte und Ziele
16 2.5 Planen lernen
17 2.6 Umgang mit dialektischen Dilemmata lernen
18 2.7 Lerntheorie
19 2.8 Commitment
20 2.9 Ernährungsprotokoll führen
21 2.10 Kettenanalysen lernen
22 2.11 Verhaltensanalyse erlernen
23 2.12 Anwendung der Kettenanalyse und der Verhaltensanalyse
24 2.13 Verhaltensanalyse mit der Matrix
25 3 Modul Achtsamkeit und Akzeptanz
26 3.1 Wie kann Achtsamkeit geübt werden?
27 3.2 Achtsamkeitsübungen erlernen
28 3.3 Achtsamkeitslenkung auf das Essverhalten
29 3.4 Anwendung von Achtsamkeit innerhalb der Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation
30 3.5 Validierungsstrategien erlernen
31 3.6 Radikale Akzeptanz
32 3.7 Anwendung von Validierung und radikaler Akzeptanz
33 4 Modul Gesundes Essverhalten
34 4.1 Warum ist dieses Modul wichtig?
35 4.2 Warum ist gesundes Essverhalten für emotionale Stabilität wichtig?
36 4.3 Ernährungsgrundwissen
37 4.4 Normalisierung des Bewegungsverhaltens
38 4.5 Abbau von Störfaktoren für gesundes Essverhalten
39 4.6 Folgen von gestörtem Essverhalten
40 5 Modul Umgang mit Emotionen
41 5.1 Warum ist dieses Modul wichtig?
42 5.2 Was können Sie lernen?
43 5.3 Was wissen wir über Emotionen?
44 5.4 Achtsamkeit auf Emotionen
45 5.5 Probleme mit Emotionsvermeidung
46 5.6 Emotionen akzeptieren, ohne sie zu verändern
47 5.7 Entgegengesetztes Handeln: Mit oder gegen die Emotion handeln?
48 5.8 Mitgefühl
49 5.9 Wissenswertes über wichtige Emotionen
50 5.10 Emotionale Labilität vermindern
51 5.11 Emotionale Feinkörnigkeit erhöhen
52 5.12 Interpersonelle Emotionsregulation nutzen
53 5.13 Anwendung des Moduls »Umgang mit Emotionen« innerhalb der Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation
54 6 Modul Interpersonelle Fertigkeiten
55 6.1 Warum ist dieses Modul wichtig?
56 6.2 In folgenden Bereichen und Situationen können Sie üben
57 6.3 Was wissen wir über interpersonelle Fertigkeiten?
58 6.4 Wie wirken interpersonelle Fertigkeiten?
59 6.5 Planung interpersoneller Situationen
60 6.6 Wie kann man interpersonelle Fertigkeiten üben?
61 6.7 Selbstunsicheres und aggressives Verhalten
62 6.8 Schädigende Beziehungen
63 6.9 Konfliktbewältigungsstrategien
64 6.10 Lernen aus problematischen Interaktionen
65 7 Modul Stresstoleranz
66 7.1 Prinzipien der Anwendung von Stresstoleranz-Fertigkeiten
67 7.2 Anspannung
68 7.3 Sport zur Steigerung der Stresstoleranz
69 7.4 Thermische Reize zur Steigerung der Stresstoleranz
70 7.5 Akustische Reize zur Steigerung der Stresstoleranz
71 7.6 Geschmacks- und Geruchsstimuli zur Steigerung der Stresstoleranz
72 7.7 Schwierigkeiten bei der Anwendung von Stresstoleranz-Fertigkeiten
73 7.8 Sich von Problemverhalten ablenken
74 7.9 Aktivitäten aufbauen
75 7.10 Aktivitätenliste
76 7.11 Imagination eines sicheren Ortes
77 7.12 Notfallplan
78 7.13 Anwendung von Stresstoleranz-Fertigkeiten im Rahmen der Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation
79 8 Implementierung des Manuals in verschiedene Settings
80 8.1 Stationäres oder teilstationäres psychotherapeutisches Intensivprogramm
81 8.2 Ambulante Einzeltherapie
82 Teil 2 Grundlagen und Hinweise für die Therapie
83 1 Merkmale schwerkranker Patientinnen mit Essstörung
84 1.1 Anorexia nervosa, Borderline-Persönlichkeitsstörung und histrionische Persönlichkeitsstörung
85 1.2 Anorexia nervosa mit extremem Untergewicht, Major Depression, Zwangsstörung, posttraumatischer Belastungsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung
86 1.3 Bulimia nervosa, Major Depression, soziale Phobie, Borderline-Persönlichkeitsstörung und schizotype Persönlichkeitsstörung
87 1.4 Binge-Eating-Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung und soziale Phobie
88 1.5 Binge-Eating-Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Cannabisabhängigkeit und Alkoholmissbrauch
89 1.6 Bulimia nervosa als Notfall
90 1.7 Bulimia nervosa und Diabetes
91 1.8 Bulimia nervosa und Hypokaliämie
92 1.9 Anorexia nervosa und ein »Bagatelltrauma«
93 1.10 Subklinische Anorexia nervosa in der Kinderwunschsprechstunde
94 1.11 Bulimia nervosa und Zahnprobleme
95 1.12 Anorexia nervosa in der Adoleszenz
96 1.13 Anorexia nervosa bei einer Leistungssportlerin
97 1.14 Anorexia nervosa und Depression
98 1.15 Anorexia nervosa und histrionische Persönlichkeitsstörung
99 1.16 Anorexia nervosa und asketische Ideale
100 1.17 Bulimia nervosa
101 1.18 Subklinische Anorexia nervosa bei einem Mann
102 1.19 Bulimia nervosa und vermeidende Persönlichkeitsstörung
103 2 Rationale für den Ansatzpunkt Emotionsregulation in der Therapie der Essstörung
104 2.1 Emotionsregulation und Essstörung: empirische Befunde
105 3 Theoretische Grundlagen der Behandlung
106 3.1 Grundhaltung des Therapeuten
107 3.2 Gestaltung der Rahmenbedingungen der Therapie
108 3.3 Therapeutische Techniken
109 4 Erläuterungen für Therapeuten zu den Modulen
110 4.1 Modul Symptome der Essstörung
111 4.2 Modul Selbstmanagement-Tools
112 4.3 Modul Achtsamkeit und Akzeptanz
113 4.4 Modul Gesundes Essverhalten
114 4.5 Modul Umgang mit Emotionen
115 4.6 Modul Interpersonelle Fertigkeiten
116 4.7 Modul Stresstoleranz
117 5 Essstörung – Basiswissen für den Therapeuten
118 5.1 Die spezifische Psychopathologie von Essstörungen
119 5.2 Screening auf das Vorliegen einer Essstörung
120 5.3 Der diagnostische Prozess bei Verdacht auf eine Essstörung
121 5.4 Medizinische Diagnostik bei Essstörung
122 6 Nützliches medizinisches Hintergrundwissen in der Behandlung von Essstörungen
123 6.1 Energiestoffwechsel bei Mangelernährung
124 6.2 Hypercortisolismus
125 6.3 Niedriges-T3-Syndrom
126 6.4 Sexualhormone bei Essstörung
127 6.5 Essstörung und Infertilität
128 6.6 Essstörung und Schwangerschaft
129 6.7 Anorexia nervosa und Wachstumsfaktoren
130 6.8 Anorexia nervosa und Knochendichte
131 6.9 Bulimisches Verhalten, Zähne und Speicheldrüsen
132 6.10 Essstörung, hämatologische Komplikationen und Infektionskrankheiten
133 6.11 Essstörung und das Herz
134 6.12 Essstörung und Elektrolytstörungen
135 6.13 Essstörung und Niere
136 6.14 Ödeme beim Beendigen von Purging Verhalten
137 7 Essstörung und Komorbidität
138 7.1 Epidemiologie von Komorbidität bei Essstörung
139 7.2 Besonderheiten der Therapie bei Essstörung und Komorbidität
140 Literatur
141 Stichwortverzeichnis
Danksagung zur 1. Auflage
Viele Einflüsse kommen in diesem Buch zusammen. Es beruht auf einer jahrzehntelangen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Frauen und Männern, die unter einer Essstörung leiden oder litten. Grundlegende Erfahrungen konnten wir von 1988 bis 1999 an der Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee sammeln. Ganz besonders danken wir dem Team, allen Ärzten, Psychologen, Pflegefachkräften, Ergotherapeuten und Sozialpädagogen der Borderline-Station der Universität zu Lübeck und den dort behandelten Patientinnen und Patienten. Dort haben wir beginnend im Jahr 1999 ein DBT-Behandlungskonzept für Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Essstörung etabliert. Ebenfalls an der Universität zu Lübeck entstand das Konzept des Selfish Brain, das großen Einfluss auf die Gestaltung der Essstörungsbehandlung hat. Namentlich erwähnen möchten wir Professor Fritz Hohagen, den Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübeck, der uns vertraut und uns stets bedingungslos gefördert hat, Professor Manfred Fichter, Pionier der verhaltenstherapeutischen Essstörungsbehandlung in Deutschland, Prof. Achim Peters, Leiter der klinischen Forschergruppe »Selfish Brain«, dessen Forschung zu einem neuen Verständnis des Zusammenhangs zwischen Metabolismus und Emotionen geführt hat, Prof. Martin Bohus, der DBT in Deutschland etabliert hat, sowie Prof. Christopher Fairburn, Entwickler der kognitiv-behavioralen Therapie der Essstörung, der unermüdlich an der Fortentwicklung kognitiver Therapien und an der Wissenschaftsbasierung der Essstörungsbehandlung arbeitet. Wir danken der Christina-Barz-Stiftung für die finanzielle Unterstützung bei der Erstellung und Erprobung des Manuals. Wichtige Personen unserer Arbeitsgruppe, die zu dem Buch beigetragen haben, waren Dr. Oliver Korn, Dr. Kristin Heinecke, Johanna Zabell, Dr. Eva Fassbinder, Dr. Niclas Wedemeyer, Dr. Sebastian Rudolf, Dr. Matthias Anlauf, Mirco Penshorn, Stephanie Friedrich, Dr. Alexia Friedrich, Katharina Burde, Nicole Bach, Stephanie Koglin, Sven Krüger sowie Doris Gressing, Silke Berg und das gesamte Pflegeteam. Sie haben mit ihrem Einsatz besonders die Umsetzung und Erprobung des Konzepts im stationären Bereich gefördert. Für kritische Lektüre danken wir Izabella Donczewski. Weiterhin danken wir Herrn Dr. Ruprecht Poensgen für die stets sehr wohlwollende verlegerische Betreuung.
Danksagung zur 2. Auflage
Viele Patientinnen und Patienten haben mit ihren Erfahrungen und Rückmeldungen dazu beigetragen, dieses Buch zu verbessern. Hierfür möchten wir uns herzlich bedanken. Prof. Hohagen möchten wir dafür danken, dass er uns die Möglichkeit gegeben hat, das Konzept auch in den teilstationären und ambulanten Kontext zu transferieren. Bedanken möchten wir uns ganz besonders beim akademischen Team der Station 4 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Lübeck und dem Pflegeteam unter der Leitung von Silke Berg und Iris Wischnewski, die bei der praktischen Umsetzung des Manuals geholfen und es auf eine kontinuierliche Erfahrungsbasis gestellt haben. Wichtige Personen in unserem aktuellen akademischen Team sind Dr. Kristin Heinecke, Christina Beckers, Dr. Till Wagner, Dr. David Brandt, Marie Dettbarn, Laura Heikaus und Nora Dietrich. Sehr hilfreich ist auch das Feedback aus der DBT Community. Viele haben an unseren Workshops teilgenommen und uns an ihren Erfahrungen bei der Benutzung des Manuals teilhaben lassen. Ganz besonders erwähnen möchten wir hier Andreas Schnebel, den Leiter von ANAD in München, der das Konzept im Bereich intensivtherapeutischer Wohngruppen und Beratungsstellen anwendet.
Danksagung zur 3. Auflage
Ein Buch in der 3. Auflage ist etwas ganz Besonderes. Erneut haben viele Patientinnen und Patienten mit ihren Erfahrungen und Rückmeldungen dazu beigetragen, das Manual weiter zu verbessern. Hierfür möchten wir uns herzlich bedanken. Die Wissenschaft ist seit der letzten Auflage weitere Schritte gegangen. Von besonderer Bedeutung für unser Buch ist die »Theory of Constructed Emotions«, die von Lisa Feldman Barrett entwickelt wurde und von der wir annehmen, dass sie die Art, wie Emotionsregulation in der Psychotherapie vermittelt wird, deutlich beeinflussen wird. Bedanken möchten wir uns erneut bei den akademischen Teams und den Pflegeteams der Station 4 und der Tagesklinik der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universität zu Lübeck, die bei der praktischen Umsetzung des Manuals geholfen und es auf eine kontinuierliche Erfahrungsbasis gestellt haben. Wichtige Personen aus den aktuellen Teams, die neu erwähnt werden sollten, sind PD Dr. med. Jan Philipp Klein, Alisa Roller, Peter Westermair, Susanne Havemann, Wojciech Bahr, Andreas Fahs, Daniela Tegtmeyer, Christian Weißgerber, Annett Ahrens-Hahn, Simone Eifrig, Telse Ehlers-Belhadj, Andreas Antonia Rickmann, Ronja Hermanns, Bettina Besser, Svenja Orlowski, Svenja Haeger, Moritz von Iljin, Kristina Borchfeld und Miriam Trautmann.
Vorwort
Bereits seit der Antike ist bekannt, dass psychische Störungen und Auffälligkeiten des Essverhaltens eng zusammenhängen, beispielsweise Appetitlosigkeit und beeinträchtigte Stimmung (Melancholie). Die Anorexia nervosa als erste spezifische Essstörung wurde bereits im 19. Jahrhundert beschrieben (Gull, 1997; Lasegue, 1997), Bulimia nervosa (Russell, 1979) und Binge-Eating-Störung (Spitzer, 1991) erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Spezifische Therapieformen für Essstörungen wurden erstmals in den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts entwickelt.
Das am besten evaluierte manualisierte verhaltenstherapeutische Konzept zur Therapie von Essstörungen ist die von Chris Fairburn entwickelte Cognitive-Behavioral Therapy – Expanded (CBT-E). Diese Therapiemethode verwendet ein Störungsmodell, bei dem das Phänomen, dass insbesondere restriktives Essverhalten die Funktion haben kann, gestörtes Selbstwertgefühl zu stabilisieren, im Mittelpunkt steht (Fairburn, 2011). CBT-E ist unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung erfolgreich in der Symptomreduktion. Bei kurzer Erkrankungsdauer, Fehlen von Komorbidität und günstigen psychosozialen Rahmenbedingungen ist es geeignet, auch global psychosoziale Funktionsfähigkeit und Lebensqualität wiederherzustellen. Warum also weitere verhaltenstherapeutische Methoden entwickeln? Zum einen lassen die Remissionsraten, die mit CBT-E erzielt werden, mit etwa 45 % erheblichen Spielraum nach oben. Deutliche Limitationen ergeben sich in der Behandlung von Essstörungen, wenn diese in komplexe Störungen der Emotionsregulation eingebettet sind.
Das vorliegende Manual setzt deshalb einen anderen Schwerpunkt. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass eine Störung der Emotionsregulation eine wesentliche Ursache von Psychopathologie und auch ein wesentlicher Aspekt von Essstörungen ist (Prefit et al., 2019). Im vorliegenden Manual gehen wir deshalb von der Grundannahme aus, dass unzureichende Fertigkeiten in der Emotionsregulation der wesentliche aufrechterhaltende Faktor der Störung sind. Für diesen Ansatzpunkt spricht, dass ein Training der Fertigkeiten der Emotionsregulation sich bereits bei Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Komorbidität bewährt hat. Weitere prominente Arbeitsgruppen im Bereich der Therapieentwicklung für Patienten mit Essstörung setzen in ihren Manualen mittlerweile ebenfalls einen Schwerpunkt im Bereich Emotionsregulation, und zwar die Gruppe um Ulrike Schmidt und Janet Treasure vom King’s College in London (Schmidt et al., 2019) und die Gruppe um Stephen Wonderlich und Jim Mitchell von der University of North Dakota in Fargo (Wonderlich et al., 2015).
Das vorliegende Manual sieht sich im Rahmen der Psychotherapieentwicklung der dritten Welle der Verhaltenstherapie. Gemeinsames Element dieser Entwicklung ist die Abkehr von einer abstrakten Auseinandersetzung mit Inhalten von sogenannten dysfunktionalen Kognitionen (beispielsweise der Kognition »Ich bin zu dick« bei einer Patientin mit Anorexia nervosa). Stattdessen setzen sich die Methoden der dritten Welle mit den Fertigkeitsdefiziten spezifischer Patientengruppen in interpersonellen, emotionalen und metakognitiven Bereichen auseinander. Psychotherapie widmet sich an dieser Stelle vermehrt prozeduralen und emotionalen Lernprozessen. Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist, dass Themen wie Akzeptanz, Achtsamkeit, Dialektik, Werte, Spiritualität, Fusion–Defusion, Schemata, Beziehung, Metakognition und andere Fortentwicklungen der kognitiven Psychologie vermehrte Aufmerksamkeit bekommen und zunehmend integriert werden. Ein lerntheoretischer Rahmen wird dabei strikt beibehalten, kontextualistische Philosophie ist ein wichtiger Bezugsrahmen (Hayes et al., 2011).
Das Manual basiert auf der mittlerweile über 30-jährigen Erfahrung der beiden Autoren in der Behandlung von Patientinnen mit einer Essstörung, die wir am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, an der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee und in unserer Spezialstation für Patientinnen mit einer Essstörung und einer Persönlichkeitsstörung sowie durch die ambulante Behandlung von Patientinnen mit Essstörung erwerben konnten. Ideen zu diesem Manual und psychotherapeutische Techniken wurden im Laufe dieser Zeit aus einer Vielzahl von Quellen, durch den Besuch von Workshops und die Lektüre von Büchern sowie persönliche Gespräche aufgenommen und für die Behandlung der Patientinnen mit Essstörung modifiziert. Besonders erwähnen möchten wir Frederic Kanfer (Kanfer et al., 2011), Karl-Martin Pirke (Pirke et al., 1986), Manfred Fichter (Fichter, 1989), Marsha Linehan (Linehan, 2014), Martin Bohus (Bohus und Wolf, 2018), Matthew McKay (McKay et al., 2019), Steven Hayes (Hofmann und Hayes, 2018), James McCullough (McCullough Jr et al., 2012), Adrian Wells (Wells et al., 2011), Mark Williams und Zindel Segal (Segal et al., 2018), Jon Kabat-Zinn (Kabat-Zinn, 2020), Christopher Fairburn (Fairburn, 2011), Achim Peters (Peters und McEwen, 2015; Peters et al., 2007; Peters et al., 2004), David Barlow (Barlow et al., 2017), Thomas Joiner (Hames et al., 2013) sowie als Meditationsmeister die ehrwürdige Ayya Khema (Khema, 1988) und den ehrwürdigen Nyanabodhi. Eine wichtige philosophische Quelle war das Buch von Peter Sloterdijk: »Du musst dein Leben ändern« (Sloterdijk, 2010).
Das vorliegende Manual beschreibt eine Therapieoption für Patientinnen mit Essstörung – Anorexia nervosa (AN), Bulimia nervosa (BN), Binge-Eating-Störung (BED) oder nicht näher bezeichnete Essstörung (EDNOS) –, insbesondere dann, wenn komorbide eine Borderline-Persönlichkeitsstörung oder weitere psychische Störungen vorliegen.