Kitabı oku: «Kepler reitet nach Regensburg»

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Utta Keppler

Kepler reitet nach Regensburg

SAGA Egmont

Kepler reitet nach Regensburg

Copyright © 1980, 2018 Utta Keppler und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

All rights reserved

ISBN: 9788726030891

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 2.0

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Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.

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Die Straße von Nürnberg nach Regensburg dehnt sich – Nebel liegt wie feuchtes Gewebe darüber; Sträucher tauchen strähnig aus dem weißlichen Gefilz, unter den Hufen klatscht der nasse Boden, die Lachen spritzen vom schweren Tritt des Pferdes.

Im Sattel hängt der Reiter; Nebel … denkt er, und einen Augenblick taucht es wie ein Trost durch seine Gedanken: Sternennebel, droben, unsichtbar, unübersehbar … Dann lacht er: Nebel auch in meinem Hirn, diesem abhängigen, körperhaften Ding, das ich nicht über Vermögen zwingen kann. Das wellt und wallt auf und ab, zuckt wie ein Kreis um mich, Kälte schauert mich an und haucht – und der Gaul lahmt schon auf der linken Hinterhand … Er wirft das Kinn zurück, versucht klarer zu erkennen, was vor ihm ist: Graues Verschwimmen, es dringt erstikkend auf ihn ein, drückt bohrend in die Augäpfel, jagt etwas Glühendes durch seine Brust wie Nadeln, bei jedem Atemzug. Er preßt die Schenkel zusammen und gibt dem Pferd die Sporen. Ein halber Sprung, als erschrecke das Tier, dann wieder fällt es zurück in seinen matten Trott. Arme Kreatur, denkt Kepler, das friert wie ich und ist so dienstbar wie ich – aber, es muß nicht denken. Es darf nicht denken! Das ist sein Fluch und seine Gnade! Meine Gnade das Denken, das unerbittlich hoffnungslos genaue Durchleuchten, das Analysieren, Einordnen, Beziehen – ja auf einen Punkt hin beziehen, der in der Mitte liegt.

Was verlierst du dich da, Johannes, denkt er, so verworren? Behalte dein Maß, Schritt für Schritt, der Trab des Pferdes, langsam, langsam, kriecht es über die Straße. Langsam, langsam dringt die neblige Nässe tiefer ein, und seine Haut antwortet mit einem Schauder, sein Herz mit wildem Pochen. Ich hab’ Fieber, denkt er, wie schon oft, und Susanna hat mich wollen nicht fortlassen, die liebe Törin, bei der doch Wärme und Zutrauen ist und manchmal Ausruhen. Er zuckt zusammen: Ich hab’ sie ohne einen Pfennig zurücklassen müssen mit den Kindern, in der größten Armut – Hofmathematikus und Astronom des Kaisers, ja … des Heiligen Römischen Reiches Herr und der weltweiten Lande Regent, und zahlt mit huldvollem Wink und Brief und – die Meinen sparen am Brot.

Wenn ich bis Regensburg komme, denkt er, und erschrickt plötzlich: Ich komm hin, muß hin und endlich beim Reichstag Audienz vor dem Kaiser erreichen, muß, muß. Er zieht den langen Mantel näher an sich heran, spornt den Gaul von neuem. Diener des Kaisers, Diener des Herzogs von Friedland, Diener des Tycho de Brahe, und vorher schon: Diener der Magister, der Lehrer, der Magnifizenzen; Diener … jedes Narren, der die Nativität von mir gestellt will, und dem ich bei allem Wissen nicht das unabwendlich Nahende ansagen darf, bei seiner Ungnad und seinem Beutel, den ich brauche … unfreier Diener, Knecht aller Toren und Gewaltigen, aller engen Hirne, aller abergläubischen Einfalt …

Jetzt fängt das Pferd an zu traben, schneller wirft es den Reiter in dem klammen Sattel auf und ab. Sein Kopf ist ein Bündel voller Schmerz, sein Rücken biegt sich ohne seinen Willen, um die Stöße abzufangen, aber er will weiter, schneller, hastiger: Ich muß nach Regensburg kommen! – Er hilft sich mit Rhythmus, einem Vers, dem Anfang der Odyssee, den er sich griechisch vorsagt. Der stampfende Takt des Hexameters hilft ihm, er ruckt den Zügel und beginnt immer von neuem mit Homers Anruf an die Muse: Nenne mir, Muse, den Mann … Daneben läuft der Faden seiner Gedanken weiter: Noch in Sagan hab’ ich dem Hauptmann zur Mühlen das Horoskop gestellt. Es sah trüb aus um ihn.

Und meines? Da liegt auch der Nebel wie hier über dem Land … Und jetzt, jetzt reißt er: Vor sich sieht er im leichten Regenflor einen Strahl Sonne, gleich wieder versunken, eingeschluckt vom Undurchsichtigen, und weiß: Ich komme nimmer zurück von dieser Fahrt …

Planeten der Geburt: Da ist die Mutter: Hager seit je, wilde Gesten, agil, hastig und dunkel: hin und her fährt sie, schweift sie, beerenschwarze Augen glitzern, und ist doch die Wiege und das Nest aller unruhigen Träume, das warme Bett, wo sie still werden. Er hat Angst vor ihr gehabt, vor ihrer raschen Intelligenz, ihrem Spürsinn, ihrer schnellen Zunge, und sie war doch das übermächtige Bild, das ihn angeführt hat, mehr als der Vater, der manchmal wie ein bedrückender Schemen irgendwo auftauchte, furchterregend und zugleich verlockend, aus der Ferne, die bunt, unheimlich und magnetisch auf ihn einwirkte. Dieser Mann, der Landsknechtshauptmann, beschimpft und ersehnt von der Mutter, die keinen wie ihn mit ihrer leidenschaftlichen Zärtlichkeit und mütterlichen Glut umfassen konnte, der war im Grunde ein weicher, groß angelegter, und doch zu eng geratener Mensch, immer gedrängt, der wilden, unzähmbaren Frau zu imponieren. Johannes sieht ihn im Wirtshaus, wie er weinselig von seinem Kriegsruhm erzählt, sieht die Federn auf seinem Flachhut wedeln, die Knie unter geschlitzten Hosen breit ausgespannt, das vernarbte Gesicht glänzend. Er erkennt die hellen, gutmütigen Augen; fast hilflos schauen sie auf den Türspalt, in dem sich das scharfe Profil der Frau zeigt.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
05 mayıs 2025
Hacim:
18 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9788726030891
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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