Kitabı oku: «Schlecki Leckermaul»
Viktor Lunin
Die Abenteuer der Lebkuchenkatze
SCHLECKI LECKERMAUL
Aus dem Russischen von Peter Dehmel
Illustrationen: Anastasia Busygina
Lektorat: Christine Weber
Korrektorat: Friederike Gawlik
Gestaltung, Satz und Layout: Marianna Korsh
Viktor Lunin: „Lied des Konditors“, „Senfiras Lied“,
„Lied von Schlecki Leckermaul“ und „Lied des Katers Baldrian“
nachgedichtet von Peter Dehmel
„Lied der Schneiderin Röckchen“ gedichtet von Marianna Korsh
Lieder „Fli Fla Fledermaus“, „Werkatzenlied“, „Mauselied“
gedichtet von Sebastian Lohse
Vielen Dank an Eva Schöffmann-Davidov für Schleckis „Leckermaul“
© Wunderhaus Verlag GmbH, Dresden 2021
© Viktor Lunin, Text
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Kapitel 1. Konditor Kremissimo

Was hier erzählt wird, geschah einst in der kleinen Stadt Pastila. Nanu, so ein Städtchen kennt ihr nicht? Seltsam! Es ist zwar nicht groß, aber dennoch berühmt. Und zwar wegen seiner Süßigkeiten.
Ihren Namen trug die Stadt nicht ohne Grund. In alter Zeit nämlich lebte hier eine Frau namens Pastila. Sie besaß eine Konditorei, in der sie all das herstellte, was sie verkaufte: Konfekt, Nusstorte, Lebkuchen, Honigbonbons und Pasteten.
Und nun hört, was sie sich eines Tages ausdachte: Sie nahm ein paar große saftige Äpfel, rieb sie auf einem Reibeisen, fügte Zucker und geschlagenes Eiweiß hinzu. All das vermengte sie in einem Topf, den sie sodann auf schwaches Feuer stellte. Als der Brei dickflüssig geworden war, zog sie den Topf vom Feuer, strich die rosafarbene Masse auf ein Brett, ließ sie abkühlen und schnitt sie in kleine Stücke. „Mhm, lecker!“, murmelte sie, als sie ein Stück gekostet hatte. Die restlichen brachte sie in ihren Laden, noch am selben Tag waren sie ausverkauft.
Und tatsächlich – etwas Schmackhafteres hatten die Leute in dieser Stadt nie zuvor gegessen. Sie waren der Frau so dankbar, dass sie ohne langes Nachdenken nicht nur die köstlich im Mund zerschmelzende Süßigkeit „Pastila“ nannten, sondern gleich die gesamte Stadt.
Nach Frau Pastila übernahm ihr Sohn Eclair die Konditorei. Und als Eclair sich zur Ruhe setzte, bekam den Laden Frau Pastilas Enkel – Konfitür. Wie ihr seht, alle nachfolgenden Generationen der glorreichen Familie von Pastila waren Konditoren. Und in der Zeit, da unsere Geschichte spielt, war es ein gewisser Herr Kremissimo – Frau Pastilas Ur-Ur-Urenkel.
Herr Kremissimo hatte nicht nur sämtliche Rezepte seiner Vorfahren aufbewahrt und benutzt, sondern noch viele hinzuerfunden. Er buk eine Riesenmenge von Milch- und Rosinenbrötchen, Käsekuchen, Kringeln und Zuckerstangen ..., man kann gar nicht alles aufzählen! Berühmt war er nicht nur in Pastila, sondern weit darüber hinaus. Um eine Torte oder einen Kuchen von ihm zu probieren, kamen die Leute sogar aus Übersee.
Also, Kremissimo war ein ganz außergewöhnlicher Konditor. Man kann sogar sagen: ein richtiger Zauberer! Dabei hatte er das selbst lange nicht begriffen. Einmal formte er aus Teig Vögel, die sahen aus wie Lerchen, und stellte sich vor, sie seien lebendig. Und merkwürdig: Als er sie aus dem Backofen gezogen hatte, flogen sie hoch bis an die Decke. Sie machten allesgenau so, wie er es sich ausgemalt hatte. Kremissimo versuchte sie einzufangen, doch sie flatterten durchs offene Fenster nach draußen und verschwanden. Er sah sie nie wieder.

Ein andermal erwachte eine kleine Lebkuchenente plötzlich zum Leben. Die schenkte er einem Jungen, der in dem Laden Lebkuchen kaufen wollte.
Kremissimo bediente sich seiner Zaubergabe allerdings sehr selten. Nur wenn es unbedingt nötig war. So musste zum Beispiel ein Nachbar von ihm, der bekannte Mathematiker Plusminus, einen eiligen Brief in eine andere Stadt schicken, und dummerweise war der Postbote erkrankt. Da knetete Kremissimo für seinen Freund ohne viel Federlesens eine Brieftaube, um die Post zuzustellen, und allein deshalb kam der Brief noch rechtzeitig an.
Ja, Kremissimo war nicht nur äußerst geschickt und fleißig, sondern ein rundum guter Mensch. Alle in der Stadt verehrten ihn so sehr, dass sie eines Tages sogar den Platz, an dem er wohnte, umbenannten in „Kremplatz“.
Kapitel 2. Senfira

Nur eine einzige Person in Pastila konnte Herrn Kremissimo nicht leiden: Senfira, eine entfernte Verwandte von ihm. Sie wollte selbst Konditorin werden. Daher beneidete sie ihn sehr. Sie beneidete ihn um seine Berühmtheit. Sie beneidete ihn um seinen Erfolg.
Senfira hatte nicht immer so geheißen. Nach ihrer Geburt hatten ihr die Eltern den fröhlich und süß klingenden Namen „Zuckerchen“ gegeben. Der passte freilich nicht zu ihr, denn nie war sie fröhlich, und sie verabscheute Süßigkeiten. Doch sie liebte es, anderen Streiche zu spielen. Mal verleumdete sie einen Freund, mal zwickte sie zum Zeitvertreib eine Freundin. Und sie vergötterte alles, was scharf, bitter oder salzig schmeckte. Am meisten jedoch Senf. Sie aß ihn nicht nur zu Fleisch und Frikadellen, sondern schmierte ihn sich auch fingerdick aufs Brot, ja sogar auf Kuchen. Oft löffelte sie den Senf auch direkt aus dem Glas.
Die Eltern wussten nicht, was sie anstellen sollten mit so einer Tochter. Weil sie fürchteten, Zuckerchen könnte vom vielen Senf krank werden, versteckten sie ihn an den geheimsten Stellen im Haus, doch das Mädchen fand ihn trotzdem.
Einmal, als sie sieben Jahre war, sagte ein Nachbar im Scherz zu ihr nicht „Zuckerchen“, sondern „Senfira“. Der Spitzname blieb so an ihr hängen, dass bald niemand mehr wusste, wie sie wirklich hieß.

Senfira war im selben Alter wie Kremissimo und hatte als Kind viel Zeit bei ihm zu Haus verbracht. Dort erklärte Kremissimos Vater, Herr Marzipanus, den beiden Kindern alles, was man wissen und können sollte, um ein guter Konditor zu werden. Senfira machte alles so, wie Marzipanus es ihr beigebracht hatte und wie Kremissimo es seinem Vater nachmachte, jedoch war ein von Kremissimo gebackenes Brötchen stets süß und schmackhaft, eins von ihren jedoch immer versalzen und von geradezu widerlichem Geschmack.
Hätte Senfira einen anderen Beruf ergriffen, wäre sicherlich etwas Ordentliches aus ihr geworden. Nur wollte sie unbedingt Konditorin werden, nichts anderes! Und wenn ihre Brötchen nicht durch waren und ihre Plätzchen zu trocken, suchte sie die Schuld nie bei sich, sondern immer bei Herrn Marzipanus.
„Den Kremissimo unterrichtet er gut“, schnaubte sie beleidigt, „mich aber nicht!“
Als Senfira siebzehn war, fuhr sie weg aus Pastila und lebte lange Jahre in anderen Städten und fremden Ländern. Wie und wo sie dort die Kunst einer Konditormeisterin erlernte, ist nicht bekannt, jedenfalls war sie nach ihrer Rückkehr fest überzeugt, Kremissimo könne ihr nun weder als Konditor noch als Koch das Wasser reichen.

„Ich zweifle kein bisschen daran“, sprach Senfira laut zu sich selbst. „Wenn die Leute erst mal von meinen Torten und Pralinen gekostet haben, begreifen sie sofort, wer von uns beiden der bessere Konditor ist, ich oder Kremissimo, und kaufen ihre Süßigkeiten nur noch bei mir!“
Und sie beschloss, in Pastila ihre eigene Konditorei zu eröffnen. Sodann holte sie die besten Maurer, Zimmerleute und Maler aus der Stadt herbei, die das Parterre des alten Hauses, das sie von ihren Eltern geerbt hatte, in eine geräumige Bäckerei mit Verkaufsladen umbauten. Bald schon standen im Schaufenster hohe Weidenkörbe, bis obenhin gefüllt mit Attrappen appetitlicher Brötchen und köstlicher Kuchen. Und über der Ladentür prangte ein großes Schild, das schon von Weitem verkündete, was es hier geben sollte:

An so einem Schild geht keiner vorbei!, dachte Senfira. Und man muss zugeben, sie hatte recht. In der ganzen Woche, als sie ihren Laden auf die Eröffnung vorbereitete, drückten sich immerfort Neugierige am Schaufenster die Nasen platt. Und am ersten Verkaufstag versammelte sich solch eine Menschenmenge vor dem Laden, dass auf der ganzen Straße kein Durchkommen war.
Wie sehr hatte sich Senfira in den Tagen davor angestrengt! Ganze Berge von Brötchen, Pasteten, Kuchen, Torten, Pralinen und vielen anderen Leckereien hatte sie gebacken.
Zuallererst stürmten der Weltenbummler Herr Globetrotter, der Schuhmacher Sohle und die Schneiderin Röckchen in den Laden. Die drei liebten Süßigkeiten mehr als alle anderen in der Stadt. Hinter ihnen drängelte sich der Mathematiker Plusminus herein, der wie alle Mathematiker äußerst wissbegierig war, und auch der Feuerwehrmann Wasserspritzer – er musste immer als Erster zur Stelle sein, wenn etwas geschah. Bald war der Laden überfüllt. Senfira schaffte es nur mit Mühe, alle Kunden schnell zu bedienen. Die Ladentische und Regale leerten sich zusehends. So ein Erfolg, noch größer als erwartet! Sie war überglücklich. Nun halt dich fest, Kremissimo!, dachte sie, jetzt musst du bescheidener werden – oder vielleicht gar deinen Laden schließen!
Aber just in diesem Augenblick erschütterte ein schrecklicher Schrei den ganzen Laden: „Hilfe, es brennt, bei meiner Sohle! Es brennt!“
„Was ist los?“ – „Was brennt?“, rief man ringsum.
„Alles brennt!“, schrie jemand verzweifelt. „Ich kann’s nicht aushalten. Hilfe, Hilfe, bei meiner Sohle!“
Kaum ist mit Worten zu beschreiben, was nun folgte: Voller Panik drängten alle zum Ausgang. Abgerissene Knöpfe purzelten zu Boden, jeder schubste jeden, jemand brüllte lautstark, weil man ihm auf den Fuß getreten hatte. Selbst Feuerwehrmann Wasserspritzer, für gewöhnlich mutig und beherrscht, rannte mit dem Ruf: „Es brennt, rette sich, wer kann!“ zur Tür und flugs nach draußen.
Als Letzter im allgemeinen Gedränge verließ Schuhmacher Sohle den Laden. Er nämlich war es, der das ganze Durcheinander verursacht hatte. Weil genau er als Erster geschrien hatte: „Hilfe, es brennt, bei meiner Sohle!“, nachdem er von einem Stück Kuchen, das mit scharfem Senf gefüllt war, abbiss.
Von da an betrat niemand mehr Senfiras Konditorei. Es kam allerhöchstens vor, dass sich mal ein Fremder in ihren Laden verirrte.

Ach, wie sehr nahm sie sich das zu Herzen! Und wie schimpfte sie auf die Bewohner von Pastila!
„Undankbare Dummköpfe!“, zeterte sie und verschmierte mit den Fäusten die Tränen, die ihr über die Wangen rannen. „Immer muss alles gezuckert werden! Immer wollen sie nur Süßes! Uuuh! So ein Albtraum! Dabei begreifen sie alle überhaupt nicht, dass Zucker den Appetit verdirbt und den Zähnen schadet!“
Am wütendsten war sie natürlich auf Kremissimo, hielt sie ihn doch für den Hauptschuldigen an ihrer Misere. Wäre er nicht da, überlegte sie, dann würden sich die Leute mit der Zeit gewiss an meine Kuchenkreationen gewöhnen. Aber wartet nur ab, dem zahl ich’s heim! Die Suppe werde ich ihm versalzen! Erst mal bring ich ihm Mäuse ins Haus, da wird er platzen vor Ärger! Im Keller ihres Hauses fing sie drei Dutzend Mäuse, möglichst große, setzte sie in eine stabile Holzkiste und gab ihnen sieben Tage lang nichts zu fressen. Am Ende der Woche waren die Mäuse so ausgehungert und böse, dass sie ihre Zähne nicht nur in die Wände der Kiste bohrten, sondern sogar gegenseitig aufeinander losgingen. Ihr Anführer versuchte sie zu bändigen, doch die anderen Mäuse stürzten sich allesamt auf ihn und bissen ihm den Schwanz ab. Da beschloss Senfira: Es ist so weit!
Als es Nacht wurde, verfrachtete sie die Mäuse in einen fest geflochtenen Weidenkorb, deckte ihn mit einem schwarzen Tuch ab und zog einen langen dunklen Mantel mit Kapuze über, damit keine Nachteule sie erkennen konnte. Den Korb unter dem Arm, begab sie sich auf Schleichwegen zum Kremplatz.
Kapitel 3. Schlecki Leckermaul

Konditor Kremissimo lebte in seinem alten Haus einsam und allein vor sich hin. Er hatte weder Frau noch Kinder, weder Hund noch Katze. Aber er war an seine Einsamkeit gewöhnt.
Außerdem hatte er von früh bis spät alle Hände voll zu tun. Kein Wunder, versorgte er doch die ganze Stadt mit Süßigkeiten! Stets und ständig kreisten seine Gedanken um Kuchen, Torten, Marzipan und Pralinen. Viele Jahre lang war alles andere für ihn unwichtig gewesen.
Seit einiger Zeit bemerkte er allerdings an sich seltsame Gefühle. Ging er die Straße entlang und sah Kinder fröhlich spielen, blieb er stehen und konnte sich nicht losreißen von ihrem Anblick. Traf er unterwegs einen streunenden Hund oder eine womöglich herrenlose Katze, dann bedachte er sie erst einmal mit Streicheleinheiten und gab ihnen zu fressen. Dabei wurde ihm jedes Mal das Herz traurig und froh zugleich.

Das kommt wohl von der Einsamkeit, dachte er. Und er beschloss, sich einen Hund anzuschaffen.
Bald jedoch verwarf er den Plan. Ein Hund bräuchte viel Aufmerksamkeit, Kremissimo dagegen hatte wenig Zeit. Dann dachte er an eine Katze. Aber dann verwarf er auch diesen Plan. Auf eine Katze müsste man immerfort ein Auge haben, damit sie nichts anstellte. Sie brächte es fertig, die ganze Sahne wegzunaschen, die er für den Kuchen zubereitete.
Plötzlich kam ihm eine Idee: Was, wenn ich nun einfach aus Teig eine Katze forme? Auf sie muss ich nicht aufpassen, denn Sahne rührt sie nicht an. Artig wird sie zu meinen Füßen sitzen und mich mit ihrem Miau erfreuen.
Einen ganzen Monat lang ließ dieser Gedanke Kremissimo keine Ruhe, doch nie fand er die Zeit, eine Katze zu backen. Irgendwann machte er sich dennoch ans Werk. Und zwar genau an dem Tag, an dem Senfira mit ihren Mäusen zu seinem Haus schlich.
Er nahm sein bestes Mehl, mischte es mit allerlei Zutaten und formte aus dem Lebkuchenteig eine Katze. Sie war recht niedlich, hatte eine schmale Schnauze, hübsche Ohren und einen Puschelschwanz. Er setzte ihr zwei Rosinen als Augen ein, bestreute Rücken und Pfoten mit Zimt, sodass man sofort die Streifen erkennen konnte, und schob die Katze in den Backofen. Nach einer Weile wollte er probieren, ob sie gut durchgebacken war, und stach sie vorsichtig mit einem Holzstäbchen an.
Das hätte er lieber nicht tun sollen! Mit Gekreisch sprang sie auf ihn zu und krallte sich an seiner schneeweißen Schürze fest. Wie gut, dass ihre Pfoten noch nicht ganz durchgebacken waren, sonst hätte es für Kremissimo übel ausgehen können! Mit Mühe löste er die Krallen von der Schürze und schob die heiße Katze zurück in den Backofen. Laut rief er: „Oha, die hat ja wohl Charakter!“
Schließlich war die Katze fertig. Kremissimo öffnete die Backofentür einen Spaltbreit und trat vorsichtshalber einen Schritt zur Seite. Wie ein geölter Blitz schoss die Mieze heraus, sauste im Kreis durch die Küche, sprang auf den Zubereitungstisch, fegte mit dem Schwanz einen Holzlöffel zu Boden und schnurrte: „Heiiiß, murrmiau! Will Milch! Aber kalte!“
„Wie wär’s denn mit Sahne?“, schlug Kremissimo lächelnd vor.
„Ja, Sahne auch, murrmiau!“
„Das ist seltsam“, murmelte der Konditor. Dass diese Katze sogar Sahne wollte, hatte er nicht erwartet, goss ihr aber welche in ein Schälchen. „Bitte sehr, dann schleck mal schön!“
Das ließ sich die Katze nicht zweimal sagen. Schwuppdiwupp hatte sie mit ihrer rosa Zunge die ganze Sahne aufgeschleckt, bis das Schälchen glänzte. Ein Dunstwölkchen erhob sich über ihr, es duftete nach Zimt und Milchteig.
Kremissimo füllte Sahne nach. Wieder leerte die Katze das Schälchen im Handumdrehen. Dann sprang sie vom Tisch zu einem alten wackligen Stuhl, auf dem ein kleines Kissen lag, machte es sich darauf bequem und begann sich zu putzen, indem sie sich ausgiebigst Schnäuzchen und Pfoten leckte. Als sie damit fertig war, rekelte sie sich wohlig und gähnte herzhaft.
Kremissimo wandte keinen Blick von der Katze. Lachend meinte er: „Jetzt weiß ich, welcher Name zu dir am besten passt. Du heißt Schlecki, weil du so gern Sahne schleckst. Ja, du bist eine richtige Schlecki, Schlecki Leckermaul!“ Zärtlich streichelte er ihr über den Kopf. „Schlecki Leckermaul“, wiederholte die Katze mit schläfriger Stimme, rollte sich zu einem Knäuel zusammen und schlief ein.
Während Schlecki schlief, tat Kremissimo nichts, weil er fürchtete, sie aufzuwecken. Von Zeit zu Zeit nur strich er mit der Hand über ihren weichen, geschmeidigen und noch feuchten Rücken. Davon merkte sie aber nichts, weil sie tief und fest schlief.
Nach einer Viertelstunde wachte Schlecki auf, sprang vom Stuhl und begann, alles in der Küche zu beäugen und zu beschnuppern. Besonders aufmerksam beschnüffelte sie die Tür des Lebensmittelschranks. Schließlich schaute sie zum Konditor, schlich zu ihm und rieb sich behutsam an seinen Beinen.

„Möchtest du irgendetwas haben?“, fragte er.
„Mä-äuschen“, erwiderte sie. „Will Mä-äuschen, murrmiau!“
„Nun, damit kann ich nicht dienen. Mäuse gibt’s nicht in meinem Haus. Aber ein bisschen Sahne kannst du noch bekommen.“
„Will Mäuschen!“, wiederholte die Mieze unbeirrt.
„Hör mal, Schlecki, wenn du dich so aufführst, kriegst du gar nichts mehr“, wies Kremissimo sie in strengem Ton zurecht.
Gekränkt sprang Schlecki zur Seite und starrte ihn von dort aus unverwandt an. Ihre honigfarbenen Augen leuchteten.
Da hab ich mir was Schönes gebacken! Was kann ich ihr denn noch anbieten?, dachte der Konditor und trommelte seufzend mit den Fingern auf die Tischplatte. Auf einmal stürzte sich Schlecki mit wildem Miauen auf seinen Arm, als säße dort eine Maus, und kratzte ihn, dass es wehtat.
„Was machst du, Nichtsnutz?“, schrie Kremissimo, zog hastig den Arm zurück und holte unwillkürlich wie zum Schlag aus.
Im selben Moment jedoch sprang Schlecki zum Fenster hinüber und kletterte geschickt am Vorhang empor. Dabei schnurrte sie unablässig: „Will Mäuschen, will Mä-äuschen, murrmiau!“
Als sie schon ganz oben war, riss der Vorhang ab, und Schlecki fand sich auf dem Boden wieder, eingerollt in den Stoff.
„Mit dir wird’s nicht langweilig“, bemerkte Kremissimo, während er sie aus dem Gewirr der Falten befreite. „Und was hast du bloß mit den Mäusen? Es gibt ja wohl was Schmackhafteres auf der Welt!“
Aber auch jetzt ließ Schlecki immerfort nur hören: „Will Mäuschen, murrmiau!“ Plötzlich befreite sie sich mit einem Ruck aus Kremissimos Händen, flitzte zum offenen Fenster und hechtete hinaus.
„Schlecki! Komm zurück, das ist gefährlich!“, rief Kremissimo. „Du kennst dich doch noch gar nicht aus da draußen in der Welt!“
Doch von Schlecki war weit und breit nichts mehr zu sehen. Von fern hörte man noch schwach: „Will ... Mäuschen! Wiiill Määuscheeen!“
Oder war es der Wind, der in den Sträuchern am Straßenrand säuselte?
Warum nur hab ich das Fenster offen gelassen?, dachte Kremissimo betrübt. Dennoch schloss er es auch jetzt nicht, schließlich hoffte er doch, Schlecki würde zurückkehren.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.