Kitabı oku: «Hitler 1 und Hitler 2. Das sexuelle Niemandsland», sayfa 21
Die (Sexual)Verkehrs-Sünden-Kartei des Hitler-Biografen
Die intensive Aufbereitung von Ullrichs fantasierter Hitler-Braun-Zu-Bett-Geh-Szene hat das Prinzip der gesamten Hitler-biografischen Hetero-Täuschung über ihren Protagonisten zutage gefördert. Außer bei Werner Masers Erfindung von Hitlers nicht-ehelichem Sohn laufen die Täuschungen subkutan. Kollegen, Nachfahren und die Öffentlichkeit bemerken die Fälschungen zum heterosexuell intakten Hitler nicht. Behauptungen, Darstellungen und ganze Szenen sind plötzlich in der an Hitler interessierten und sogar in der mit ihm professionell arbeitenden Wissenschafts-Welt installiert und sitzen dann Meinungs-zementierend Jahrzehnte-lang fest. Ab März 2016 düst die englische Fassung von Ullrichs Hitler-Biografie nun wirklich um die Welt.
In Kultur und Wissenschaft gibt es keine Abwahl von Ansichten. Es herrscht in beiden Gebieten der blanke Autoritarismus. Eine Fälschung ist in den Köpfen der Menschen drin und bleibt da einfach über Generationen sitzen. Auch Masers Fiktion von Hitlers nicht-ehelichem Sohn musste mit einem aufwendigen DNA-Verfahren berichtigt und in einem ganzen Buch, dem von Jean-Paul Mulders, aufgehoben werden.
Und immer noch spricht trotzdem Guido Knopp, der bis Februar 2013 mächtige Meinungs-Zar des deutschen Staats-Fernsehens ZDF in Sachen Drittes Reich und sonstiger Geschichte (History), von »nicht hundertprozentig bewiesen«. Denn es fehlten an der Wahrheit angeblich noch zehn Prozent, die die Öffentlichkeit weiter in Sachen Hitlers nicht-ehelichem Sohn am Kochen halten sollen, weil die Nachfahren des Hitler-Sohn-Gespenstes im Gespräch bleiben wollen, weil dieses Gespräch für sie lukrativ ist. Jeder Bericht, jedes Foto, jedes Interview mit der Familie, der Werner Maser Hitlers Sohn untergeschoben hat, bringt Geld. So gaben die mit der Maser-Erfindung von Hitlers Sohn Beglückten einfach keine Gewebe-Proben für eine DNA-Analyse ab. Einen gerichtlichen Zwang zugunsten historischer Wahrheit gibt es nicht.
Mulders detektivische Umwegs-Methode arbeitete mit getrockneten Speichelproben unter Briefmarken, an Zigaretten-Kippen und in liegengelassenen Papier-Taschentüchern. (Mulders) Und doch triumphiert der Hitler-pro-Hetero-Fraktionär Knopp, gemeinsam mit seiner Assistentin Anja Greulich, weiterhin: Hitlers natürlicher Sohn »nicht hundertprozentig widerlegt!« (Greulich/Knopp, S. 273 ff.)
Im Kapitel AMORO (Masers Mega-Ente) wird mit anderen Methoden ein Nachweis gegen einen natürlichen Hitler-Sohn erbracht, der auch die letzten behauptetermaßen zehn Prozent Unsicherheit ausräumt.
Um dieses Einschleich-Verfahren zur Herstellung von öffentlichen Meinungen kristallklar zu machen, muss eine Liste angelegt werden, mit der festgehalten wird, wie es der Hitler-Gesamt-Biograf Volker Ullrich bewerkstelligt hat, Meinungen über die Tadel-lose Heterosexualität Hitlers zu verbreiten.
Die Wahrheitsfindung in Sachen Hitler-Sexualität darf nicht mit den gleichen Mitteln arbeiten, die die Hitler-Biografik beim Hitler-Bild anwendet. Die Wahrheit kann nicht sub, heimlich = unterbewusst daherkommen. Deshalb die Aufwendigkeit, das nicht endende Auf-den-Tisch-des-Geschichts-Prozesses-Zerren von Zeugen und Zeugnissen.
Die Anfertigung der Ullrich’schen Sünden-Kartei geschieht zur Erinnerung, zum Nachschlagen und zur Überzeugung, denn die Anhäufung des nachweislich Falschen ist erst in der vorgestellten Summierung frappierend. Zehn Anti-Wissenschafts-Allüren zur Promotierung des heterosexuellen Hitlers werden sogleich besprochen, auf weitere wird bei besonderen Textstellen hingewiesen.
Zuvor sind einige allgemeine Bemerkungen nötig: Warum geschieht die Ullrich-Attacke und nicht eine gegen den wirklich neuesten Hitler-Biografen Peter Longerich und nicht gegen den permanent für den Hetero-Hitler im publizistischen Einsatz befindlichen Guido Knopp?
Die »Einschießung« auf Ullrich muss wegen seiner auch nach Longerichs Publikation weiterhin bestehenden Aktualität gemacht werden. Außerdem befindet sich Ullrich als Deutscher in einer bei diesem Volk verdächtigen Tradition von Retuschen des Hitler-Bildes, mit der Werner Maser ab 1971 begonnen hat und die von Ullrich bei seiner sonstigen Klasse unbedingt hätte beendet werden sollen, und zwar in jedem Detail von Hitlers Person.
Da Masers Bücher laufend auch in die Weltsprache Englisch übersetzt wurden, hat er einen bis heute anhaltenden demagogischen Einfluss auf das Denken über den Normalmann Adolf Hitler. An dieses Denken hat sich Ullrich unnötigerweise angeschlossen, um es für weitere unabsehbare Zeiten zu verfestigen.
Als »Gesamter« konnte er diesen Einfluss auf das Hitler-Bild erneut ausüben, was keines der aktuellsten Themen-Bücher zu Hitler konnte, da die Themen mit Sexualität nichts zu tun haben und Hitlers Sexualität demnach in diesen Publikationen nicht vorkommt. (Eberle 14, Plöckinger, Weber, T.)
Und bei dem echt aktuellsten Hitler-Gesamt-Biografen Peter Longerich von 2015 gibt es nichts dergleichen wie bei Ullrich zu kritisieren – im Gegenteil, Longerich reiht sich in die Schiene von Konrad Heiden bis Ian Kershaw ein: Mit Hitlers Sexualität stimmte etwas nicht. (Longerich 15, S. 175 f., 234 ff., 371 ff.)
Es müsste der Gesellschaft zu denken geben, dass alle langjährigen Hitler- und Drittes-Reich-Spezialisten diese Wahrnehmung machen – von Bullock über Fest bis zu Kershaw. Auch Longerich ist mit seinen sieben bisherigen Büchern über die SA (1989), Bormann und Heß (1992), die Juden-Ermordung (1998, 2006), Himmler (2008), Goebbels (2010) und die Weimarer Republik als Vorgeschichte zu Hitler (1995) ein permanenter Drittes-Reich-Forscher. Demgegenüber sind Ullrichs eigentliche Spezialgebiete die Bismarck-Zeit und das Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg. Er als temporärer Drittes-Reich-Forscher hat Hitler quasi nur besucht.
Dieses »Fremd bin ich eingezogen […]« (Hölderlin) erwies sich bei Ullrichs Untersuchung des öffentlich-politischen Hitlers als Glücksfall, weil er immer wieder furchtlos Neuigkeiten in der Hitler-Biografik loseiste. Um so empfindlicher falsch wirken seine Maser’schen Altbackenheiten beim privat-sexuellen Hitler.
Leider hat die neueste Hitler-Biografie von Peter Longerich die sexuelle Frage wieder nicht erledigt. Auch hier geschah das Gleiche wie bei Longerichs Vorläufern: Statuierung des sexuellen Abnorm-Hitlers, jedoch danach vornehme Zurückhaltung. Es bleibt bei Heidens »erotischer Undurchsichtigkeit« Hitlers.
Den Drittes-Reich-Spezialisten, die sich wie Kershaw und Longerich endlich ganz dem Unhold widmen, fehlen sexualwissenschaftliche, erst recht männerforscherische Kenntnisse. Sie selber machen vor dem Schleier der erotischen Undurchsichtigkeit Halt, als erfüllten sie Otto Dietrichs Diktum »Bis hierher und nicht weiter«. Der Hitler-Biograf darf nicht ins 13. Zimmer von Hitlers sexuellem Rätsel eindringen.
Während die vornehmen und zurückhaltenden Ahner von Hitlers sexueller Abnormität das 13. Zimmer nicht betreten, macht sich der nächste Brachialist breit und spannt zwischen Maser und Ullrich das Netz von Hitlers normaler Heterosexualität. Ein solcher Sexual-Normativist um die Jahrtausendwende ist der ebenfalls international publizierende deutsche Fernsehmann Guido Knopp.
Der Hitler-biografisch Medien-bewusst äußerst wirkungsvolle ehemalige Frontal- und heutige Fernseh-Hintergrundmann Knopp arbeitet mit seinen Nach-2000er-Büchern ebenso an der Verfestigung der Hetero-Hitler-Bild-Fälschung.
Jedoch: Knopp hatte zwar mit seinen Fernseh-Sendungen bis 2013 und seinen Publikationen eine auch im Englischen funktionierende weite Fernwirkung, gerät aber in der Hitler-Biografik in die Rolle des Märchenonkels. Er publiziert dann nämlich Fundstellen, lässt alles Zitierte im Raum von irgendetwas Aufgepicktem hängen, das zuzuordnen nur dem Fachmenschen möglich ist. Er ist ein Arrangeur. Er lässt falsche Manns-Bilder Hitlers in seinen Filmen und Druckerzeugnissen weltweit Revue passieren. Aber er hat von Autoren wie Werner Maser die Lieferungen bekommen, die er kritiklos übernimmt.
Deswegen muss an die Produzenten der Täuschungen herangegangen werden, aus der die »Unterhaltungsindustrie« (Adorno), für die ein Knopp weiterhin als Hintergrundmann tätig ist, ihre Informationen bezieht. In Knopps Büchern kommen nicht Brigitte Hamann, Joachimsthaler, Kershaw, Christa Schroeder und Anna Maria Sigmund vor, sondern auf Teufel komm raus die verschiedenen Masers – Maser, Maser und nochmals Maser! (Knopp 01/03, 11)
Franzosen und Frauen verfeuchten das Braun-Hitler-Verhältnis
Der Fokus auf Ullrich gilt keineswegs einem einzelnen Autor, sondern dem Mainstream in der Hitler-Biografik. Da das Einschwenken in den Hitler-Hetero-Wahn nicht an jeder Biografie mit den fälligen Einzelnachweisen prozediert werden kann, wird der zweitneueste Hitler-Biograf als pars pro toto exemplifiziert. Doch bevor das geschieht, muss der ideologische Rahmen abgesteckt werden, in den Ullrich passt.
Eine unrühmliche Rolle bei der Hitler-Hetero-Wahn-Gefolgschaft spielt die französische Hitler-Biografik. Da volkstümlich fester als die Anglo- und deutsch-österreichische Kultur in der Heterosexualität gesattelt, war für die französischen Kolleginnen und Kollegen von den Gossets über die Co-Autoren Charlier/de Launay, den Braun-Bild-Biografen Costelle bis zu Plouvier nichts anderes als ein heterosexueller Normalmann A. H. vorstellbar.
Das Unikum der Gossets ist weder in die Anglo- noch in die Germano-Hitler-Rezeption per Übersetzungen ihrer drei Bände Hitler-Biografie eingedrungen, aber ideologisch geistig über den europäischen »Wind, das himmlische Kind«, obwohl selten bis nie zitiert. Genau das Gleiche geschah mit der neuesten französischen Sechsbände-, in zweiter Auflage geschrumpften Vierbände-Hitler-Biografie von Bernard Plouvier. In der Anglo-Germano-Hitler-Biografik kennt man sie nicht, obwohl sie mit wichtigen Einzelheiten aufwartet, von denen noch zu reden sein wird. Dass der erste französische Groß-Angriff auf Hitler durch ein Ehepaar geschah, ist nicht außerhalb der französischen Hetero-Besonderheiten zu verstehen. Im Gegensatz dazu gibt es keinen französischen Joachimsthaler, keine französischen Hamann und Sigmund, keinen französischen Machtan und Rosenbaum, ja nicht einmal französische Drittes-Reich-Strukturalisten wie Kershaw und Longerich, die Ullrich zeitlich einrahmen und kurz und bündig erklärten: Hitler gesamt-sexuell dubios.
Die französische Hitler-Biografik ist im Ton der Jahrhunderte-alten Salon-Tradition gehalten. Auch Plouvier ist das anzumerken – und daher entfernt von der Vorgehensweise des Anatoms einer Leiche.
Außerdem zeigen sich die Franzosen im Diskurs über Hitler bis heute vergiftet von der Kurz-nach-45-Publikation des gefälschten Braun-Tagebuchs. Die Braun-Erben und die mitbetroffene Riefenstahl mochten das Manuskript nicht für die außer-deutschen Märkte verbieten. Tantiemen wenigstens durch die Auslandspublikationen der Fälschung? Jedenfalls ist England, Frankreich, Holland und Italien der Smog des koitablen A. H. so in die Augen geschwelt, dass englisch-französische Kulturschaffende bis heute nicht klar sehen können und weiter im Dunkeln mit Adolf and Eva (Infield [1974/79], Milne [2001]) tappten. (ONANO, 17. Nein-Sager, Karl Wilhelm Krause, HETERO, 7. Ja-Sagerin, Gretel Mittlstrasser)
Einen ungünstigen Einfluss auf die Hitler-Biografik bei der Von-Mund-zu-Mund-Propaganda von einem »normalen« sexuellen Braun-Hitler-Verhältnis nehmen fortlaufend Frauen. Sie taten das sofort, nachdem sie in das Metier einstiegen. Ausnahmen sind Brigitte Hamann, Martha Schad und Michaela Karl, die sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten nicht mit Braun beschäftigen und die alle drei zu den pur Erhellenden in der Hitler-Biografik gehören. Aber ihnen stehen sieben Braun- oder Hitler-Spezialistinnen gegenüber, die auf verschiedene Weise an der Braun-Hitler-Beziehung gescheitert sind.
Die erste französische Hitler-Gesamt-Co-Biografin Renée Gosset errichtete noch vor Nerin E. Gun und Werner Maser ein Hitler-Hetero-Standbild. Wie bei sich selbst und ihrem Mann Pierre glaubte sie auch bei E. B. und A. H. an etwas Vorn-Mitten-Passendes und schrieb es in ihrer dreibändigen Hitler-Biografie fest.
25 Jahre später kam von Marlis Steinert die erste alleinige Hitler-Gesamtbiografie einer Frau auf den Markt (1991) – wieder in französischer Sprache. Den intimen Hitler ließ sie völlig heraus aus eigener Forschung und klamüserte nur zusammen aus dem, was an Gerüchten umlief. Genäht wurden dann die Privat-Passagen zur Braun-Hitler-Beziehung aus Kleinmädchen-Fantasie und unemanzipierter Hausfrauen-Allüre.
1998 bis 2013 wirkte die Hitler-Frauen-Beziehungs-Forscherin Anna Maria Sigmund, die das ganze Hitler-Frauen-Emotions-Feld noch vor Joachimsthalers Liste (2003) sexuell abmähte, aber Braun und Hitler als einsame, sexuell glimmende Königskerze bis 2013 stehen ließ – wider Sigmunds eigene Forscherinnen-Vernunft von 2008. Theoretisch gewann Sigmund seit »Das Geschlechtsleben bestimmen wir.« Sexualität im Dritten Reich neue Einsichten über das Verhältnis von Hitler und Braun. Aber deren bisher auch von ihr eingebildete heterosexuelle Praxis wollte Sigmund in ihren Nazifrauen-Büchern ihrem weiblichen Lesepublikum nicht stehlen. Alles ließ sie noch 2013 Wissenschafts-konträr beim Alten.
Bereits wenn auf Hitler und Braun gemünzt das Wort »intim« fällt–, stöhnen Frauen auf und greifen wie im Dritten Reich nach Hitler nun nach Daniel Costelles Braun-Bildbiografie von 2007 Eva Braun: Dans l’intimité d’Hitler. »In der Intimität mit Hitler«?! Ja, dann hat es bei denen doch geklappt – im Gegensatz zu mir und meinem Mann! Schon ist die Falschmeldung in das Erfüllungsloch der «Normalfrau« reingesteckt.
So lief es auch bei der weite Strecken ihres Buches The Lost Life of Eva Braun als B.-H.-Verpaarschaftungs-Kitschiöse fungierenden Angela Lambert (2006/07), der der erste englische Braun-Bildbiograf Blaine Taylor 2013 sein Werk als Hommage widmete. Auch Taylor verleibte sich wie Lambert die Welt-ärgste Gewalt-Komplizin E. B. mit ständigem Vornamen-Angerede ein. Es geschieht alles auf Gruppengesprächs-Kreis-Niveau, eine Annäherung zwischen Autor und Braun, die »Eva« oder »Effi«, mit der auf Du und Du gestanden wird – ein unmögliches Vorgehen von Lambert und Taylor, eine Braun-Biografie im Stil von Hollywood-Star-Lebensbeschreibungen zu verfassen.
So wie sich als Erster der gebürtige Italo-Türke Nerin Emrullah Guen, zum späteren Anglo-Germanen Gun transmutiert, für den Breitwand-ausladenden Sexappeal der im Zwei-Stunden-Takt ihre Kleider wechselnden Berghof-Vorsitzenden Braun interessierte und das deutscheste Rätsel aller Zeiten verstöpselte, so wurde die ausufernde Leidenschaft der Autorin Lambert und die Altherrenlüsternheit des Vietnam-Veteranen Taylor angekitzelt von dem modistischen Körper-Effekt der Gerten-schlanken, in allen Stellungen vor der Fotokamera turnenden Sportiva E. B. Dabei blieb die sexuelle Wahrheit über Hitler bis zum Weiter-gehts-nicht-mehr außen vor.
Mit der Situation der desperaten Ungenauigkeit und Fantasie-Geschwängertheit in Hitlers sexuellen Dingen hatten die Geschichts-Revisionisten David Irving und Werner Maser leichtestes Spiel: Frankreich, Frauen und die Sexual-Normativisten verknäulen sich seit Jahrzehnten ineinander und konservieren Hitler als einen heterosexuellen Normalo. Ullrich zitiert von den erwähnten Franzosen- und Frauen-Büchern fast nichts. Das Buch des anerkannten Weltkrieg-I-Spezialisten Blaine Taylor über Miss Hitler erschien gleichzeitig mit Ullrichs Hitler-Biografie, Band 1. Trotzdem vermittelt sich der Zeitgeist zwischen Kollegen untereinander. Es gibt ein vehementes Interesse an der Hitler-Normalisierung, wozu im vorletzten Kapitel ANALO sogar einiges Geheimdienstliches aufgedeckt werden wird.
Auch die Braun-Gesamt-Biografin Heike Görtemaker (2010/11) steht bei der Einschätzung des angeblich echt sexuellen Verhältnisses zwischen Braun und Hitler plötzlich still – jenseits ihrer wissenschaftlichen Kapazität. Trotzdem wird Görtemaker auf dem Cover ihrer amerikanischen Buchausgabe hochgelobt. Das geschieht nicht, obwohl, sondern gerade weil Hitler bei Görtemaker als heterosexueller Normalmann auftritt.
Somit bleibt für die US-Gesellschaft alles im Lot: »Hitler normal« – wer dann unnormal? Das müssen allein »die Deutschen« gewesen sein. Keine Notwendigkeit, sich das männerbündische System vorzunehmen und sich klarmachen zu müssen: Ein System, das solch eine aberatio masculinis ausgebrütet und ins höchste Staatsamt lanciert hat, mit dem selbst stimmt etwas nicht. »Hitler = normal« ist die schwerste Barriere und die höchste Mauer gegen die Abschaffung des unnormal destruktiven, irre gewordenen Männerbund-Systems.
Die taffen Feministinnen vom Schlage einer Claudia Bruns und Susanne zur Nieden sprangen auf die männerbündische Frage längst auf und kritisieren mit der Stimme zur Niedens das Nähkäst-chen-Geplaudere der Nazifrauen-Biografin Sigmund. Recht so! Aber die echten Feministinnen meiden Adolf Hitler, weil sie nicht in seine gesellschaftlichen und persönlichen Untiefen fallen wollen. Diese feministisch forscherische Abstinenz ist falsch, prolongiert nimmer endend das Geschlechter-unparitätische gesellschaftliche Unrecht. Denn erst »die Stunde der wahren« Entschleierung Hitlers entschleiert das ihn möglich gemacht habende männerbündische System als ganzes, das nicht nur in »Wissenschaft und Politik« (Bruns), sondern auch in Wirtschaft, Religion und Sport verbreitet ist wie die Luft zum Atmen.
Es wird Zeit, konzertierter praktisch und theoretisch anti-virikorpiarchalisch vorzugehen, damit nicht von Forscherin-zu-Forscherin-Generation solch eine Spaltung geschieht, wie sie die neueste US-Hitler-Teil-Biografin Despina Stratigakos 2015 vorführte – ein Ass, was sie zum Innenwelt-Raum Hitlers beiträgt, eine Niete, was sie sich zur funktionierenden Heterosexualität Hitlers einbildet. »So kann es nicht bleiben!« Die auch in Amerika installierten Lehrstühle für Frauenforschung müssen sich endlich der Männerforschung widmen, um ihre Rückschrittlichkeit im Wissen vom Mann zu beenden.
Weglassen eines Spezialisten für das zweite Sexualorgan
1. Sünde
Hitler-Biograf Ullrichs Wissenschafts-Sünden zum Thema heterosexueller Hitler sind in seinem Buch verstreut über 1100 Seiten. Dadurch sind sie erstens unauffindbar und zweitens summieren sie sich nicht zu griffbereiten Tatsachen. Unter Ullrichs Weglassen der 15 Nein-Zeugen könnte manches als bloße Meinung eines zeitgenössischen Autors abgetan werden. Anderes kommt erst in der hier geübten novellistisch ausgebreiteten Gesamtdarstellung einer Zeugenaussage zum Ausdruck. Für dieses assoziativ-subsummierende Verfahren hat der Nicht-Jurist Ullrich keine Fähigkeiten erworben, und dafür soll ihm kein Vorwurf gemacht werden. Aber es gibt Statements, wie die von Hitlers Zahnarzt Hugo Blaschke, wie die vom ehemaligen Mitarbeiter des Hauptarchivs der NSDAP, Thomas Orr, und wie die vom Buch-Hitler-Linge, die Ullrich nicht hätte weglassen dürfen.
Der Buch-Hitler-Linge (ONANO, 6. Nein-Zeuge) steht im Zusammenhang mit Masers Fälschung des Heinz-Linge-»Diensttagebuches«, dieses Thema kann erst in AMORO behandelt werden, sodass in der Anti-Ullrich-Liste das Fehlen von Linges Äußerung über das »eindeutig unnormale Verhältnis« Adolf Hitlers zu Eva Braun nur als Punkt erwähnt wird.
Ullrichs Hitler-forscherische »Verkehrssünder-Kartei« muss mit der Blaschke-Aussage begonnen werden. Ihr Weglassen verrät die »Absicht« Ullrichs. Er kennt den Zeugen Dr. med. dent. Hugo Blaschke. (Ullrich, S. 454) Er kennt die Verhöre des Nürnberger Anklage-Vertreters Robert Kempner: Das Dritte Reich im Kreuzverhör, worin Blaschkes langes Interview vorkommt. (a. a. O., S. 1041, Kempner 05, S. 65–84, ONANO, 13. Nein-Sager) Einem sensiblen Publizisten wie Ullrich, der jahrelang für den Gral der deutschen Sensibilität, die Wochenzeitschrift Die Zeit, gewirkt hat und das noch weiterhin tut, hätte sich der Bericht Blaschkes erschließen müssen – als prioritär ernstzunehmendes Zeugnis der Nicht-Existenz einer heterosexuellen Beziehung zwischen Hitler und Braun. (Kempner 05, S. 74 ff.) Blaschke war der Zahnarzt Hitlers und dessen gesamter Entourage, hatte sogar im Berghof-Komplex eine eigene Praxis eingerichtet bekommen. Außerdem hatte er neben den Sekretärinnenzimmern im 1. Stock des Berghofs ein extra Behandlungszimmer.
Er spielte nach April 1945 für die Alliierten eine riesige Rolle, weil er und seine Assistenten mit der Verifikation der Zähne seiner ehemaligen Patienten die Leichen der NS-Täter, wie u. a. Hitler und Braun, hundertprozentig sicher identifizieren konnten. (a. a. O., S. 65) Blaschkes Zahnarztpraxis im Berghof ist außer von ihm noch vierfach bewiesen worden, durch ein Foto von Blaschkes Zahnstation im Berghof, gemacht von Hitlers Telefonist und Leibwächter Rochus Misch (Misch, S. 101), durch Schilderungen der Sekretärinnen Christa Schroeder (Schroeder 09, S. 149 f.) und Traudl Junge (Junge 02, S. 60 f.) und durch die Baupläne, die die New Yorker US-Architektur-Spezialistin Despina Stratigakos 2015 aus dem Nachlass von Hitlers architektonischer Partnerin Gerdy Troost publiziert hat: »Direkt neben dem Büro der Sekretärinnen lag eine vollständig eingerichtete Zahnpraxis, in der Professor Blaschke aus Berlin mit einer Krankenschwester und Assistenten tätig war.« (Stratigakos, S. 95) Auch im »Führer«-Bunker unter der Reichskanzlei war eine Zahnstation eingerichtet worden: »Es wurde extra ein Raum eingerichtet als Zahnstation. Oben war alles zerstört. Nebenan war die Diätküche«, berichtete Blaschke bei seinem Verhör durch Kempner. (Kempner 05, S. 82) Hitler führte seinen Zahnarzt wie einen Leib-gewordenen »Erste-Hilfe«-Koffer seit 1931 mit sich. Eine derartige und früh installierte Leibesnähe gab es dann ab 1936 nur noch zu Hitlers Leibarzt Theodor Morell. Aber das Verhältnis Hitler-Blaschke bestand da schon seit fünf/sechs Jahren. (a. a. O., S. 74)
Ullrich unterdrückt in seiner Hitler-Biografie bei seiner einzigen Erwähnung Blaschkes die Tatsache, dass Blaschke als Hitler-Spezial-Naher in den Berghof quasi eingebaut und noch in den »Führer«-Bunker unter der Reichskanzlei installiert worden war. Ullrichs einzige Erwähnung Blaschkes minimiert einen zentralen Hitler-Partner zu jemand X-Beliebigem, wenn er Blaschke unter ferner liefen an den äußersten Rand der Beziehungen von Menschen zu Hitler drängt: »Hitlers Zähne befanden sich in einem bemerkenswert schlechten Zustand, und er musste sich Ende 1933 einer langwierigen Behandlung durch den Berliner Zahnarzt Hugo Blaschke unterziehen.« (Ullrich, S. 454)
Mehr zu Blaschke gibt es bei Ullrich nicht. Ullrich erweckt den Eindruck, als ob Hitler sich »Ende 1933« zu »dem Berliner Zahnarzt« begeben = irgendeinen »Berliner Zahnarzt« aufgesucht hätte. Blaschke wird degradiert zur Fluse am Rande von Ullrichs Kapitel Der Mensch Hitler, anstatt in die Rolle eines Kronzeugen zur naturhaftesten Dynamik der Sexualität einzurücken.
Blaschke war Ende 1933 längst seit mehr als zwei Jahren Hitlers »Leibzahnarzt«, ähnlich einem Leibdiener, Leibwächter oder einem persönlichen Adjutanten, auch wenn Blaschke erst Mitte 1936 im Berghof mit einer Praxis lebendes Inventar geworden war. Als »Leibzahnarzt« war Blaschke zuständig für sämtliche Zahnprobleme Hitlers, und nicht irgendein »Berliner Zahnarzt«, den Hitler mal aufgesucht hätte. Ab 1931 für 14 Jahre war er Hitlers »Mundarzt« – der Spezialist für die Erkrankung des Mundes und dessen 32 Soldaten. Dieser ärztliche Spezialist war für Hitler extrem wichtig. Er hatte Hitler mehrmals geholfen und vollständig von Zahn-Leiden befreit.
Blaschke nahm bei Hitler einen besonderen Stellenwert ein – wegen Hitlers »Gasvergiftung« am Ende des Ersten Weltkriegs. Diese »Gasvergiftung« hatte, wie im zweiten Buch, nachgewiesen werden wird, Hitlers Mund- und Rachenregion, seinen Hals mit Atemweg und Speiseröhre und seinen Magen-Darm-Trakt betroffen. In Hitlers Mund hatte die »Gasvergiftung« begonnen. Er war Hitlers besonders sensible Region, der er beständig Spezialpflege angedeihen ließ. (Kempner 05, 81 f.)
Von der Entdeckung der »Gasvergiftung« des Mundes und nicht der Augen Hitlers konnte Ullrich noch nichts wissen, was weder ihm noch anderen Forschern zum Vorwurf gemacht wird. Denn Entdeckungen geschehen in einer Mischung aus Akribie und Gnade. Kein Forscher wirft Kollegen vor, dass sie etwas nicht entdeckt haben. Doch Ullrich hätte sich klarmachen müssen, dass ein Zahnarzt mit dem zweit-wichtigsten Organ-Zentrum der Sexualität umgeht, mit der Mund-Region.
Hugo Blaschke kommt als Hitlers »Leibzahnarzt« in seiner Bedeutung gleich nach dem – auf dem Gebiet von Haut- und Geschlechtskrankheiten profilierten – Hitler-Gesamt-Leibarzt Theodor Morell.
Ullrich vertraut Morell blind, was Ullrich an einer Stelle zugibt, die schon zitiert wurde (Ullrich, S. 300) und worüber einzelnes noch mehrmals vorgetragen werden wird (ANALO, 1. Ja-Sager). Seinen Glauben an Morells angeblichen Bericht über eine Untersuchung von Hitlers Geschlechtsteilen (eine weitere Fälschung des Geschichts-Revisionisten Werner Maser) – ohne jeglichen Primär-Quellen-Nachweis – brauchte Ullrich zur Untermauerung seiner Hitler-Hetero-Installierung. Für eben diese erfinderische Freihändigkeit schneidet Ullrich den zweiten Leibarzt Hitlers, Zahnarzt Blasche, und dessen singuläre Position aus Hitlers Leben. Mit Blaschkes überaus kompetentem Zeugnis als das eines Mund-Spezialisten wollte Ullrich nichts zu tun haben.
Erotische und sogar sexuelle Beziehungen drücken sich gerade per Sprache aus. Ullrich musste Blaschkes Zeugnis weglassen, weil Blaschke Mund-Bezügliches zwischen Braun und Hitler beim Tafeln beobachtet hat – nämlich dass die Münder des Paares füreinander stumm waren.
Blaschke war dem Horror-Paar nicht Bett-nah, wie ein Kammerdiener, sondern Tisch-nah. Und bei Tisch zeigt sich sehr wohl Erotik zwischen Menschen – sie kann sich in einer Hingeworfenheit von Andeutungen, Lächeln, Zurufen ausdrücken. Und von alldem hat Blaschke nie etwas bemerkt. Er spricht nicht von verborgenem Sex, sondern vom an die Oberfläche kommenden Knistern einer jeden echt existenten sexuellen Beziehung (ONANO, 13. Nein-Sager). Nie habe Blaschke innerhalb von 14 Jahren eine einzige Blüte Erotik aus der Wurzel Sexualität hervorbrechen sehen. Keine Anziehung, keine Spannung, keinen Flirt, nichts Mund-Bezügliches beim Reden und Flüstern – gerade eben all das nicht, das Ullrich mit seiner Zu-Bett-Geh-Geschichte zwischen dem Paar Braun-Hitler erfindet.
Diese von Blaschke wahrgenommene Öde, ja Leere bestand während eines Zeitraums von gut zehn Jahren. Seit 1936 war Eva Braun in Hitlers Landsitz Berghof in die »Führer«-»Mätressen«-Suite »eingebaut« worden. Und da saß manchmal in der großen Halle mit am Tisch zu Mittag oder zu Abend Hitlers »Leibzahnarzt« Hugo Blaschke, der für ein paar Monate auch Eva Brauns Zahnarzt gewesen war.
Blaschke saß auf dem Berghof unter den Gästen bei gesellschaftlichen Essen – die rituell jeden Mittag und Abend veranstaltet wurden, wenn Hitler auf dem Obersalzberg weilte – dem Paar gegenüber oder auch neben den beiden. Und aus dieser Nähe brach Blaschke den Stab über den schlechten Darstellern des Gesprächs-Lippen-Erotischen. Als Hollywood-Schauspieler wären sie sofort entlassen, ja nach dem Vorsprechen für die Rollen des Staatsführer-Liebespaares gar nicht engagiert worden.
Die Hitlers waren blöd. Sie hatten gedacht, mit der Innenarchitektur ihrer oberen Räume – der »Führer«-»Mätressen«-Suite –, mit Körperkult- und Höflichkeits-Demonstrationen, mit Eva Brauns bis zu siebenmaligem täglichem Sich-Umziehen und -Umfrisieren, mit Hitlers Ihr-die-Hand-Küssen wäre auch Sexualität darstellbar gewesen. War sie aber nicht!
Blaschke, der Mund-Spezialist, war der profilierteste Zeuge, der das Fehlen psycho-erotischer Darstellungen von Braun und Hitler bemerkt hat. Keinem Heteromann muss erklärt werden, was für eine Bedeutung der Mund beim Sexualverkehr hat. Blaschke weist auf den Idiotismus des Hitler’schen Eva-Braun-die-Hand-Küssens hin (ONANO, 13. Nein-Sager), womit Hitler gerade über die Nicht(mehr)-Involvie-rung von dessen zweitem Geschlechtsorgan Mund in die Beziehung zu Eva Braun hinwegtäuschen wollte (ORALO, 6. Ja-Sagerin). Hitlers rituelles Handgeküsse war nichts anderes als eine Sozio-Show, hinter der sich kein Gran sexuellen Interesses an Frauen verbarg, weder an Eva Braun noch an anderen.
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