Yazı tipi: Wilhelm Busch
Zu Guter Letzt
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020
goodpress@okpublishing.info
EAN 4064066117337
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titelblatt
Text
Verlag von Fr. Bassermann.
1905.
| Halt dein Rösslein nur im Zügel, |
| Kommst ja doch nicht allzuweit. |
| Hinter jedem neuen Hügel |
| Dehnt sich die Unendlichkeit. |
| |
| Nenne Niemand dumm und säumig, |
| Der das Nächste recht bedenkt. |
| Ach, die Welt ist so geräumig, |
| Und der Kopf ist so beschränkt. |
| Dies für Den und Das für Jenen. |
| Viele Tische sind gedeckt. |
| Keine Zunge soll verhöhnen, |
| Was der andern Zunge schmeckt. |
| |
| Lasse Jedem seine Freuden, |
| Gönn ihm, daß er sich erquickt, |
| Wenn er sittsam und bescheiden |
| Auf den eignen Teller blickt. |
| |
| Wenn jedoch bei deinem Tisch er |
| Unverschämt dich neckt und stört, |
| Dann so gieb ihm einen Wischer, |
| Daß er merkt, was sich gehört. |
| Nirgend sitzen todte Gäste. |
| Allerorten lebt die Kraft. |
| Ist nicht selbst der Fels, der feste, |
| Eine Kraftgenossenschaft? |
| |
| Durch und durch aus Eigenheiten, |
| So und so zu sein bestrebt, |
| Die sich lieben, die sich streiten, |
| Wird die bunte Welt gewebt. |
| |
| Hier gelingt es, da mißglückt es. |
| Wünsche finden keine Rast. |
| Unterdrücker, Unterdrücktes, |
| Jedes Ding hat seine Last. |
| Der Fährmann lag in seinem Schiff |
| Beim Schein des Mondenlichts, |
| Als etwas kam und rief und pfiff |
| Doch sehen that er nichts. |
| |
| Ihm war, als stiegen hundert ein. |
| Das Schifflein wurde schwer. |
| Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, |
| Die Zahlung folgt nachher. |
| |
| Und als er seine Pflicht gethan, |
| Da ging es klinglingling, |
| Da warf ein Goldstück in den Kahn |
| Jedwedes Geisterding. |
| |
| Husch, weg und weiter zog die Schar. |
| Verwundert steht der Mann: |
| So Seelen sind zwar unsichtbar |
| Und doch ist etwas dran. |
| Ob er gleich von hinnen schied, |
| Ist er doch geblieben, |
| Der so manches schöne Lied |
| Einst für uns geschrieben. |
| |
| Unser Mund wird ihn entzückt |
| Lange noch erwähnen, |
| Und so lebt er hochbeglückt |
| Zwischen hohlen Zähnen. |
| Ein Künstler auf dem hohen Seil, |
| Der alt geworden mittlerweil, |
| Stieg eines Tages vom Gerüst |
| Und sprach: Nun will ich unten bleiben |
| Und nur noch Hausgymnastik treiben, |
| Was zur Verdauung nöthig ist. |
| Da riefen alle: Oh, wie schad! |
| Der Meister scheint doch allnachgrad |
| Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! |
| Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! |
| Und richtig, eh der Markt geschlossen, |
| Treibt er auf's neu die alten Possen |
| Hoch in der Luft und zwar mit Glück, |
| Bis auf ein kleines Mißgeschick. |
| Er fiel herab in großer Eile |
| Und knickte sich die Wirbelsäule. |
| Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm |
| So äußert sich das Publikum. |
| Wenn die Tante Adelheide |
| Als Logierbesuch erschien, |
| Fühlte Fritzchen große Freude, |
| Denn dann gab es was für ihn. |
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| Immer hat die liebe Gute |
| Tief im Reisekorb versteckt |
| Eine angenehme Tute, |
| Deren Inhalt köstlich schmeckt. |
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| Täglich wird dem braven Knaben |
| Draus ein hübsches Stück beschert, |
| Bis wir schließlich nichts mehr haben |
| Und die Tante weiter fährt. |
| |
| Mit der Post fuhr sie von hinnen. |
| Fritzchens Trauer ist nur schwach. |
| Einer Tute, wo nichts drinnen, |
| Weint man keine Thräne nach. |
| Gestützt auf seine beiden Krücken, |
| Die alte Kiepe auf dem Rücken, |
| Ging durch das Dorf ein Bettelmann |
| Und klopfte stets vergeblich an. |
| Erst aus dem allerletzten Haus |
| Kam eine gute Frau heraus, |
| Die grad den dritten Mann begraben, |
| Daher geneigt zu milden Gaben, |
| Und legt in seines Korbes Grund |
| Ein Brod von mehr als sieben Pfund. |
| Ein schmaler Steg führt gleich danach |
| Ihn über einen Rauschebach. |
| Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! |
| So rief er froh, und augenblicklich |
| Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, |
| Sein Brod hinunter in die Fluth. |
| Das kommt von solchem Übermuth. |
| In der ersten Nacht des Maien |
| Läßt's den Hexen keine Ruh. |
| Sich gesellig zu erfreuen, |
| Eilen sie dem Brocken zu. |
| |
| Dorten haben sie ihr Kränzchen. |
| Man verleumdet, man verführt, |
| Macht ein lasterhaftes Tänzchen, |
| Und der Teufel präsidiert. |
| Willst du gelobt sein, so verzichte |
| Auf kindlich blödes Wesen. |
| Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte |
| Den Leuten vorzulesen. |
| |
| Die Welt ist höflich und gesellig, |
| Und eh man dich beleidigt, |
| Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig, |
| Denn keiner ist beeidigt. |
| Sie ist ein reizendes Geschöpfchen, |
| Mit allen Wassern wohl gewaschen; |
| Sie kennt die süßen Sündentöpfchen |
| Und liebt es, häufig draus zu naschen. |
| |
| Da bleibt den sittlich Hochgestellten |
| Nichts weiter übrig, als mit Freuden |
| Auf diese Schandperson zu schelten |
| Und sie mit Schmerzen zu beneiden. |
| Ganz unverhofft, an einem Hügel, |
| Sind sich begegnet Fuchs und Igel. |
| Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht. |
| Kennst du des Königs Ordre nicht? |
| Ist nicht der Friede längst verkündigt, |
| Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, |
| Der immer noch gerüstet geht? |
| Im Namen seiner Majestät, |
| Geh her und übergieb dein Fell. |
| Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. |
| Lass' dir erst deine Zähne brechen, |
| Dann wollen wir uns weiter sprechen. |
| Und allsogleich macht er sich rund, |
| Schließt seinen dichten Stachelbund |
| Und trotzt getrost der ganzen Welt, |
| Bewaffnet, doch als Friedensheld. |
| Der Bauer sprach zu seinem Jungen: |
| Heut in der Stadt da wirst du gaffen. |
| Wir fahren hin und seh'n die Affen. |