Kitabı oku: «Mann und Weib», sayfa 16
»Ich?«
»Machen Sie keine Schwierigkeiten; wenn Sie den Weg nach Craig-Fernie nicht zu finden wissen, so kann ich Ihnen dabei behülflich sein. Was Anne betrifft, so wissen Sie, was für ein liebenswürdiges Mädchen sie ist und Sie können eines freundlichen Empfanges um meinetwillen gewiß sein. Ich muß und will Nachricht von ihr haben; ich darf die Hausordnung nicht zum zweiten Mal brechen. Sir Patrick hat zwar Sympathie für die Sache, will sich aber nicht mehr rühren. Lady Lundie ist Anne’s bittre Feindin; die Domestiken sind sämtlich mit dem Verlust ihrer Stellen bedroht, wenn Einer sich untersteht, sich zu Anne schicken zu lassen. Es bleibt also Niemand übrig als Sie und Sie müssen etwas von Anne sehen oder hören.«
Das Alles sagte sie dem Manne, der in Craig-Fernie für Anne’s Gatten gegolten hatte und dem die genaueste Kenntniß ihres traurigen Geheimnisses ohne sein Zuthun aufgedrängt worden war.
Arnold erhob sich mit der Ruhe der Verzweiflung um Milton wieder wegzustellen. Jedes andere Geheimniß hätte er schlimmsten Falls der Discretion einer dritten Person anvertrauen können, aber das Geheimniß eines Mädchens, dessen Ruf von der Bewahrung dieses Geheimnisses abhing, durfte er unter keinen Umständen irgend Jemandem anvertrauen. Wenn Geoffrey mir da nicht heraushilft« dachte er, »so bleibt mir nichts übrtig, als Windygates morgen zu verlassen.« Während er das Buch wieder an seine Stelle setzte, trat Lady Lundie aus dem Garten in die Bibliothek »Was machst Du hier? fragte sie ihre Stieftochter.
»Ich arbeite an meiner Bildung«, erwiderte Blanche »Herr Brinkworth und ich haben eben im Milton gelesen.«
»Ist es Dir nach dieser hohen literarischen Beschäftigung möglich, Dich soweit herabzulassen, mir bei den Einladungen zu dem Diner für nächste Woche zu helfen?«
»Wenn Sie sich dazu herbeilassen, Lady Lundie, nachdem Sie die Hühner den ganzen Morgen gefüttert haben, so muß ich ja die Demuth selbst sein, nachdem ich mich nur mit Milton beschäftigt habe.« Nach diesem kleinen Austausch bittersüßer weiblicher Reden setzten sich Stiefmutter und Stieftochter an einen Schreibtisch, um der Tugend der Gastfreundschaft gemeinschaftlich obzuliegen. Arnold ging nach dem andern Ende der Bibliothek auf seinen Freund zu.
Geoffrey saß, die Ellbogen auf den Schreibtisch stützend und seine geballten Fäuste in die Backen bohrend da; dicke Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn und die Fragmente eines Briefes lagen zerstreut um ihn her. Zum ersten Mal in seinem Leben zeigte er Spuren einer nervösen Reizbarkeit. Er fuhr zusammen, als Arnold ihn anredete: »Was giebt’s, Geoffrey?«
»Ich habe einen Brief zu beantworten und weiß nicht, was ich schreiben soll!«
»An Miß Silvester?« fragte Arnold, doch so leise, daß Niemand es am andern Ende des Zimmers hören konnte.
»Nein!« antwortete Geoffrey noch leiser.
»Hast Du gehört, was Miß Blanche mir eben von Miß Silvester erzählt hat?«
»Etwas davon!«
»Hast Du gehört, daß Blanche mir angekündigt hat, ich müsse, wenn sie heute keine Nachrichten von Miß Silvester bekäme, morgen nach Craig-Fernie?«
»Nein!"
»So sage ich es Dir jetzt!«
»Nun?«
»Es giebt eine Grenze, über die hinaus ein Mensch selbst von seinem besten Freunde nichts mehr verlangen kann. Ich hoffe, Du verlangst nicht, daß ich morgen Blanches Boten abgebe. Wie die Dinge jetzt stehen, kann und will ich nicht nach dem Gasthofe gehen!«
»Du hast genug davon gehabt? Wie?«
»Ich wünsche nicht, Miß Silvester noch unglücklicher zu machen, und noch weniger, Blanche noch ärger zu betrügen.«
»Was meinst Du damit Miß Silvester noch unglücklicher zu machen? Was willst Du damit sagen?«
»Sie nimmt es nicht so leicht, wie Du und ich, daß ich sie vor den Leuten im Wirthshaus für meine Frau ausgegeben habe.«
Geoffrey griff ganz in Gedanken nach seinem Federmesser. Mit gesenktem Kopf fing er an, ein vor ihm liegendes Stück Papier zu zerknittern.
Dann brach er plötzlich sein Schweigen mit den leise geflüsterten Worten: »Höre einmal!«
»Nun?«
»Wie hast Du Dich eigentlich dabei benommen, als Du sie für Deine Frau ausgabst?«
»Das habe ich Dir ja schon erzählt, als wir von der Station zusammen hierher fuhren.«
»Ach damals habe ich an etwas Anderes gedacht, erzähle es mir doch noch einmal!«
»Arnold erzählte ihm nun noch einmal die Vorgänge im Wirthshause. Geoffrey hörte, ohne ihn zu unterbrechen ruhig zu, und ließ dabei das Federmesser auf seinen Finger balanciren.
»Das ist nun Alles vorbei!« sagte Arnold, indem er Geoffrey an den Schultern faßte und schüttelte; »jetzt kommt es Dir zu, mich aus der fatalen Lage zu befreien, in der ich Blanche gegenüber gerathen bin. Die Sache mit Miß Silvester muß noch heute in Ordnung gebracht werden?
»Sie soll auch in Ordnung gebracht werden.«
»Soll?« »Weshalb wartest Du denn!«
»Ich warte, bis ich das gethan habe, wozu Du mir gerathen hast! Hast Du mir nicht gerathen Sir Patrick zu consultiren bevor ich sie heirathe?«
»Gewiß habe ich Das gethan.«
»Nun gut, ich warte eben aus eine Gelegenheit Sir Patrick zu sprechen.«
»Und dann?«– —
»Jetzt zum ersten Male sah er Arnold an: »Dann«, sagte er, »kannst Du darauf mehrten, daß die Sache in Ordnung kommt!«
»Wie, die Heirath?«
»Ja, die Heirath«, erwiderte Geoffrey, indem er plötzlich wieder den Blick auf den Tisch senkte, »ja, die Heirath!«
Arnold reichte ihm die Hand zum Glückwunsch. Geoffrey aber nahm keine Notiz davon. Er hatte die Augen wieder aufgeschlagen und sah zu dem Fenster, an dem er saß, hinaus.
»Höre ich da nicht Stimmen?« sagte er.
»Ich glaube unsere Freunde sind im Garten«, erwiderte Arnold. »Vielleicht ist Sir Patrick bei ihnen, ich will zusehen«.
Kaum hatte Arnold den Rücken gewandt, als Geoffrey nach einem Blatt Papier griff. »Ehe ich es vergesse«, sagte er zu sich selbst. Er schrieb: »Memorandum: Er fragte nach ihr bei seiner Ankunft als nach seiner Frau. Er sagte bei Tisch der Wirthin und dem Kellner: »ich miethe diese Zimmer für meine Frau; zu denselben Zeit veranlaßt: er sie zu sagen, daß rr ihr Mann sei; dann blieb er die ganze Nacht dort. – Wie nennt man das nach schottischen Recht: »Eine Heirath?« Nachdem er das Papier zusammengefaltet hatte, zauderte er einen Augenblick. »Nein, dachte er, es genügt nicht, sich auf das zu Verlassen, was Fräulein Lundie erzählt hat, ich kann meiner Sache nicht gewiß sein, bis ich Sir Patrick selbst um Rath gefragt habet« Er steckte das Papier in die Tasche und wischte sich die hellen Schweißtropfen von der Stirn. Er sah auffallend bleich aus, als Arnold zurückkam.
»Ist Dir etwas begegnet, Geoffrey? Du siehst ja aschgrau aus?«
»Das kommt von der Hitze; wo ist Sir Patrick?«
»Du kannst ihn dort sehen« und dabei deutete Arnold auf das Fenster. Sir Patrick kam eben über den Rasen mit einem Zeitungsblatt in der Hand auf die Bibliothek zugegangen und die Gäste von Windygates begleiteten ihn.
Sir Patrick lächelte und sagte nichts. Die Gäste aber sprachen sehr laut und waren ersichtlich in großer Aufregung. Offenbar hatte ein Disput zwischen der alten und der neuen Schule stattgefunden.
Arnold machte Geoffrey auf den Zustand der Dinge aus dem Rasen aufmerksam. »Wie willst Du es anfangen, ihn in Gegenwart aller dieser Leute um Rath zu fragen?«
»Ich will Sir Patrick um Rath fragen und wenn ich ihn am Genick packen und in die nächste Grafschaft schleppen müßte.«
Mit diesen Worten, denen er durch einen leise ausgestoßenen Fluch noch einen besonderen Nachdruck gab, sprang er auf.
Sir Patrick trat eben, von den Gästen begleitet, in die Bibliothek.
Zehntes Kapitel.
Ganz nahe daran
Der Zweck des Eindringens der Gesellschaft in die Bibliothek schien ein zwiefacher zu sein. Sir Patrick war gekommen, um das Zeitungsblatt, das er in der Hand hielt, wieder auf den Tisch zu legen, von dem er es weggenommen hatte. Die Gäste, fünf an der Zahl, waren ihm gefolgt, um in corpore an Geoffrey Delamayn’s Entscheidung zu appelliren. Zwischen diesen anscheinend sehr verschiedenen Motiven bestand ein nicht sofort erkennbarer Zusammenhang, welcher sich aber jetzt offenbaren sollte. Von den fünf Gästen waren zwei in den besten Jahren und gehörten zu der großen aber ununterscheidbaren Classe der menschlichen Familie, welche die Hand der Natur zu vollkommen indifferenten Wesen gestaltet hat. Sie hatten, die Ideen ihrer Zeit eingesogen, soweit ihre soweit ihre Fähigkeiten es zuließen und sie nahmen in der Gesellschaft ungefähr dieselbe Stelle ein, welche dem Chor in der Oper awf der Bühne zukommt; sie gaben den vorherrschenden Gefühlen des Augenblicks Ausdruck, um dem Salon-Redner Zeit zu lassen, wieder Athem zu schöpfen. Die drei übrigen Gäste waren über dreißig Jahre alt, die vollkommen bewandert in den Künsten des Pferderennens der athletischen Spiele, des Tabackrauchens, Biertrinkens, Billardspielens und des Wettens, und Alle ohne eine Ahnung, daß es noch höhere Interessen in der Welt gebe. Alle von Geburt Gentleman und alle mit dem Stempel der Universitätserziehung versehen. Ihre Persönlichkeit ist hinreichend geschildert, wenn man sie als schwache Copien von Geoffrey bezeichnet und sie können in Ermangelung eines jeden unterscheidenden Merkmals als Nummer Eins, Zwei und Drei aufgeführt werden. – Sir Patrick legte das Zeitungsblatt auf den Tisch und setzte sich auf einen der bequemen Lehnsessel. Sofort wurde er als Haupt der Familie von seiner unverwüstlichen Schwägerin in Anspruch genommen. Lady Lundie sandte Blanche zu ihm mit der Liste ihrer Gäste für das nächste Diner. »Lege das Deinem Onkel als Haupt der Familie vor, mein Kind!« – Während sich Sir Patrick die Liste ansah und während Arnold sich hinter dem Stuhl ihres Onkels zu Blanche schlich begaben sich Nummer Eins, Zwei und Drei in corpore zu Geoffrey an das andere Ende des Zimmers und appellirten in rasch auf einander folgenden Reden an seine Autorität, wie folgt: »Höre mal, Geoffrey Delamayn, wir brauchen Dich. Sir Patrick hat da eben einen fürchterlich mörderischen Angriff auf uns gemacht. Er nennt uns britische Autochthonen, sagt uns wir seien unerzogen, zweifelt ob wir würden lesen, schreiben und rechnen können, wenn er uns auf die Probe stellte, schwört, er habe es satt mit Menschen zu verkehren, die ihre Arme und Beine entblößen, um zu sehen wer von ihnen die härtesten Muskeln hat, sagt von uns jungen Leuten das Abscheulichste, was man nur sagen kann, behauptet, daß man einen Menschen, der ein gesundes Leben im Freien liebe, sich zum Rudern und Wettlaufen einüben lasse und Aehnliches treibe, und der keine Lust habe über den Büchern zu hocken, aller erdenklichen Verbrechen, Mord mit einbegriffen, für fähig halten kann. Er hat Deinen Namen als Wettrenner in der Zeitung gesehen und sagte, als wir ihn fragten, ob er aus Dich wetten wolle, er werde bereit sein, jede Wette gegen Dich einzugehen, wenn es sich um das andere Wettrennen, das auf der Universität handele, womit er Dein Examen meint, alter Junge.
– »Eine häßliche Bemerkung, die über das Examen«, meinte Nummer Eins. – »Schlechter Geschmack von Sir Patrick, das aufzurühren, was wir selbst niemals unter uns besprachen«, bemerkte Nummer Zwei. – »Eines Engländers unwürdig, einen Menschen, so hinter seinem Rücken zu verhöhnen«, erklärte Nummer Drei.– »Bring ihn zur Raison, Delamayn, Du stehst in der Zeitung, und er kann Dich nicht so en bagatelle behandeln.« Die beiden Choristen stimmen in einer Molltonart bei. »Sir Patricks Ansichten sind wirklich sehr extravagant Smith.« – »Mir scheint es doch wünschenswerth auch Herrn Delamayn’s Ansichten zu hören, Johns.«
Geoffrey sah bald diesen, bald jenen seiner vor ihm stehenden Bewunderer mit einem Ausdruck an, der ihnen ganz neu an ihm war. »Ihr könnt selbst nicht mit Sir Patrick fertig werden«, sagte er, »und ich soll es für Euch thun!«
»Nummer Eins, Zwei, Drei und der Chor antworteten unisono: »Ja!«
»Ich will aber nicht!«
Nummer Eins, Zwei, Drei und der Chor fragten einstimmig »Warum?«
»Weil«, antwortete Geoffrey, »ihr Alle Unrecht habt und Sir Patrick Recht hat!«
Nicht bloßes Erstaunen, sondern vollständiges Erstarren ergriff die Gartens-Deputation bei diesen Worten Geoffrey’s und machte sie sprachlos.
Ohne die vor ihm stehende Versammlung eines weiteren Wortes zu würdigen, ging Geoffrey gerade auf Sir Patricks Lehnstuhl zu und redete ihn an. Seine Trabanten folgten ihm und hörten ihm mit gerechtem Erstaunen zu. »Sie haben erklärt, Sir Patrick, daß Sie jede Wette gegen mich in Betreff meines Examens eingehen wollen. Sie haben vollkommen Recht, ich würde ein Examen nicht bestehen. Sie zweifeln, ob ich oder einer dieser Burschen correct würde lesen, schreiben oder rechnen können, wenn Sie uns auf die Probe stellen. Auch darin haben Sie Recht, wir würden die Probe nicht bestehen. Sie erklären, Sie sähen nicht ein, warum Leute, wie ich und diese da, die mit Rudern, und Wettrennen angefangen haben, nicht mit allen erdenklichen Verbrechen, Mord mit inbegriffen, endigen sollten. Auch darin können Sie Recht haben, wer kann sagen, was aus ihm noch werden kann, was er noch vielleicht vor seinem Tode begehen wird; das kann Niemand wissen, ich so wenig wie ein Anderer.« Plötzlich wandte er sich nach seinen Freunden um, die wie vom Donner gerührt hinter ihm standen: »Wenn Ihr wissen wollt, was ich denke, da habt Ihr es in klaren Worten« – Es lag nicht nur in der Schamlosigkeit der Erklärung selbst, sondern auch in der wilden Freude, die der Sprecher dabei zu empfinden schien, etwas, was die Zuhörer, Sir Patrick mit einbegriffen, momentan geradezu unheimlich berührte. Es entstand ein peinliches Schweigen, während dessen ein sechster Gast vom Rasen her in die Bibliothek trat. Ein schweigsamer, anspruchslos aber entschlossen aussehender alter Herr, der Tags zuvor in Windygates zum Besuch eingetroffen war. Er war in und außerhalb Londons als einer der ersten Aerzte seiner Zeit bekannt. »Sind Sie hier in einer Disscussion begriffen, in der ich störe?« fragte er. »Durchaus in keiner Diskussion, wir sind Alle einer Meinung«, schrie Geoffrey, indem er lärmend die Antwort für die Andern übernahm. »Je mehr Zuhörer desto besser!« – Nach einem raschen Blick auf Geoffrey blieb der Arzt, der eben im Begriff gewesen war, die Schwelle der Bibliothek zu überschreiten, an derselben stehen.
»Bitte um Vergebung«, sagte Sir Patrick zu Geoffrey gewandt, mit dem Ausdrucke einer ernsten Würde, die Arnold noch nicht an ihm beobachtet hatte, »wir sind nicht Alle einer Meinung; ich muß mich entschieden dagegen verwahren, Mr. Delamayn, daß Sie die Gesinnungen, denen Sie so eben Ausdruck verliehen haben, als die meinigen bezeichnen. Nach der Sprache, der Sie sich bedient haben, bleibt mir nichts Anderes übrig, als, Ihrer Angabe gegenüber, dessen was ich behauptet haben soll, zu wiederholen, was ich wirklich behauptet habe. Es ist nicht meine, sondern Ihre Schuld, wenn unsere im Garten geführte Discussion hier vor anderen Zuhörern wieder aufgenommen worden ist.« Bei diesen Worten blickte er zuerst Arnold und Blanche und dann den an der Thür stehenden Arzt an. Dieser war in eine Beschäftigung vertieft, die ihn von der übrigen Gesellschaft vollkommen isolirte. Selbst ganz im Schatten stehend, ließ er es sich angelegen sein, Geoffrey’s von der Sonne voll beleuchtetes Gesicht mit einer gespannten Aufmerksamkeit zu beobachten, welche allgemein hätte ausfallen müssen, wenn nicht alle Aufmerksamkeit auf Sir Patrick gerichtet gewesen wäre. – Geoffrey’s Gesichtszüge waren in diesem Augenblick nicht leicht zu enträthseln. Während Sir Patrick sprach, hatte er sich in die Nähe des Fensters gesetzt und schien vollkommen unempfänglich für den Verweis, den er eben erhalten hatte. In der Ungeduld seines Verlangens, den Mann zu consultiren, der allein competent war, über Arnold’s Beziehungen zu Anne eine maßgebende Meinung auszusprechen, hatte er sich zu Sir Patricks Ansicht bekannt, um sich so seiner unwillkommenen Freunde zu entledigen, und hatte doch Dank seiner brutalen Unfähigkeit, sich bei dem Ausdruck seiner Zustimmung zu beherrschen, seinen Zweck verfehlt. Ob er darüber jetzt verdrießlich war oder ob er nur ruhig seine Zeit abwartete, war schwer zu sagen. Mit herabgezogenen Mundwinkeln stumpfsinnig vor sich hinstarrend, saß er da, in seiner unerschütterlichen Gleichgültigkeit anscheinend gegen jeden Versuch, ihn in einen Meinungsstreit zu vermitteln, gewaffnet.
Sir Patrick nahm das Zeitungsblatt, welches er aus dem Garten hereingebracht hatte, zur Hand und warf dabei wieder einen Blick nach dem Arzte hin, um zu sehen, ob derselbe ihm zuhöre. Aber dieser war noch immer ganz in die Betrachtung Geoffrey’s versenkt und beobachtete mit der gespanntesten Aufmerksamkeit etwas an demselben, was ihn ungemein zu interessiren schien. Dieser Mensch, dachte er bei sich, ist diesen Morgen hierher gekommen, nachdem er die ganze Nacht hindurch auf der Eisenbahn gefahren war; aber ich frage mich, ob eine solche Ermüdung hinreichend erklärt, was ich in seinem Gesichte lese und muß die Frage verneinen.
»Unsere kleine Discussion im Garten, liebes Kind«, nahm Sir Patrick wieder auf, indem er den fragenden Blicken Blanche’s, die sich über ihn neigte, antwortete, »knüpfte sich an einen Artikel dieses Blattes, des Mr. Delamayn’s bevorstehende Theilnahme an einem Wettlaufe in der Nähe von London ankündigt. Ich habe sehr unpopulüre Ansichten im Betreff der athletischen Schaustellungen die in diesem Augenblicke in England so sehr en vogue sind, und vielleicht habe ich diese Ansichten in der Hitze des Gefechts den Herren gegenüber, welche mir, unzweifelhaft in aufrichtiger Ueberzeugung, entgegengetreten, etwas zu scharf ausgesprochen.«
Nummer Eins,Zwei, Drei ließen ein leises Grunzen der Abwehr als Erwiderung auf das kleine Contpliment, das Sir Patrick ihnen gemacht, vernehmen. »Wie steht es denn damit, daß Rudern und Wettlaufen zu Schuldgefängniß und Galgen führten? Denn daß Sie das behauptet haben, Sir Patrick, können Sie doch nicht leugnen.«
Die beiden Choristen sahen einander an und gaben ihre Zustimmung zu erkennen. – »So war« es doch, Smith, nicht wahr?« – »Gewiß, Jones, so war es.«
Die beiden Einzigen unter den Anwesenden, die noch immer keine Meinung äußerten, waren Geoffrey und der Arzt. Jener saß noch immer in stumpfer Gleichgültigkeit sowohl gegen die Angriffe wie gegen die Vertheidigung da. Dieser stand noch immer in seine psychologische Untersuchung vertieft und verfolgte dieselbe in dem Bewußtsein, endlich auf richtiger Fährte zu sein, mit steigendem Interesse.
»Hier ist Rechtfertigung«, fuhr Sir Patrick so höflich wie immer fort. »Vergessen Sie nicht, daß Sie einer Nation angehören, welche eine besondere Ehre darin setzt, in allen Dingen mit unparteiischer Gerechtigkeit auch gegen den Gegner zu verfahren. Rufen Sie sich gefälligst ins Gedächtniß zurück, was ich im Garten gesagt habe; ich ging von einem Zugeständniß aus; ich fing damit an, zuzugebem wie Jedermann bei gesundem Menschenverstand es zugeben muß, daß in den meisten Fällen ein Mann um so geschickter zu geistiger Thätigkeit sein wird, je mehr er in verständiger Weise die Entwickelung seiner körperlichen Kräfte mit der Thätigkeit seines Geistes zu verbinden weiß; streitig ist nur die nach dem richtigen Verhältniß beider Thätigkeiten, und was ich unserer Zeit vorwerfe ist, daß sie für dass richtige Verhältniß eben keinen Sinn hat. Die öffentliche Meinung in England scheint mir auf dem Wege, die Entwicklung der Muskelkraft der Ausbildung des Geistes nicht gleich zu achten, sondern sich praktisch, wenn nicht theoretisch, zu der absurden Uebertreibung zu versteigen, daß sie körperliche Uebungen als das Wichtigste und Ausbildung des Geistes als das weniger Wichtige betrachtet. Nehmen wir einen bestimmten Fall an. Ich finde in der Nation keinen Enthusiasmus, der an Intensität und Allgemeinheit, entfernt dem durch Ihre Universitäts-Wettruder-Kämpfe angeregten gleichkäme und weiter, ich finde, daß Ihre athletische Erziehung zu einem Gegenstande öffentlicher Feste in Schulen und Collegien gemacht wird; und nun frage ich jeden unbefangenen, was den öffentlichen Enthusiasmus am meisten anregt und was den hervorragendsten Platz in den öffentlichen Blättern einnimmt: Die in den Schulen an Prämientagen stattfindende Schaustellung dessen, was die Schüler mit ihrem Geiste vermögen, oder die an Wetttagen stattfindende Schaustellung dessen, was die Schüler mit ihrem Körper zu leisten im Stande sind? Sie wissen sehr gut, welche die öffentlichen Blätter am meisten beschäftigt und welche als natürliche Consequenz dem Helden des Tages die höchsten gesellschaftlichen Ehren einbringt.«
Nummer Eins, Zwei, Drei ließen abermals ein Gemurmel vernehmen. »Dagegen haben wir nichts einzuwenden, Sir Patrick, soweit sollen Sie Recht behalten!« Smith und Jones gaben abermals ihr Einverständnis; mit diesem Ausspruch zu erkennen. »Sehr gut«, fuhr Sir Patrick fort, »in Betreff der Richtung der öffentlichen Meinung sind wir Alle einer Ansicht. Wenn Sie nun behaupten, daß diese Richtung Ermuthigung verdient, so bitte ich Sie, mir die Vortheile aufzuweisen, die aus derselben für die Nation erwachsen sind. Wo ist der Einfluß dieses modernen Aufbruches der männlichen Begeisterung auf die ernsten Angelegenheiten des Lebens, und in welcher Beziehung hat er aus den Charakter des Volkes im Allgemeinen günstig gewirkt? Sind wir mehr bereit, unsere eigenen kleinen Privatinteressen dem öffentlichen Wohle zu opfern, als es unsere Vorfahren waren? Behandeln wir die ernsten socialen Fragen unserer Zeit in einer redlicheren und entschiedeneren Weise? Haben sich unsere sittlichen Begriffe von dem, was im Handel und Wandel zulässig oder nicht zulässig ist, geläutert? Herrscht in den öffentlichen Belustigungen welche überall und in allen Ländern ein getreues Abbild des öffentlichen Geschmackes sind, ein besserer und feinerer Ton? Geben Sie mir auf diese Fragen unter Beibringung überzeugender Beweise bejahende Antworten und ich will zugeben, daß der gegenwärtig herrschende Fanatismus für athletische Spiele etwas Besseres ist, als eine neue Form unserer alten insularen Prahlsucht und Barbarei!«
»Die Frage, Die Frage!« riefen Nummer Eins, Zwei, Drei wie aus einem Munde und wiederholten Smith und Jones als Echo.
»Da ist ja eben die Frage«, erwiderte Sir Patrick.
»Sie geben die Richtung der öffentlichen Meinung zu und ich frage Sie, was bewirkt diese Richtnng?«
»Was schadet sie?« riefen Nummer Eins, Zwei, Drei. »Hört, hört!« fügten Smith und Jones hinzu.
»Diese Gegenfrage muß ich mir gefallen lassen«, erwiderte Sir Patrick; »auf dieses neue Gebiet muß ich Ihnen schon folgen. Ich will Ihre Frage nicht damit beantworten, daß ich auf die Rohheit, die sieh mehr und mehr in unseren nationalen Sitten einbürgert und auf die Verschlechterung des Geschmackes hinweise, die sich, wie ich sehe, über immer weitere Kreise verbreitet. Sie könnten mir mit vollkommenem Recht erwidern, daß ich zu alt bin, um Sitten und Neigungen, die einer andern Zeit angehören, richtig zu beurtheilen. Wir wollen die Entscheidung über die jetzt zwischen uns obschwebende Streitfrage auf rein theoretischem Wege zu finden suchen. Ich behaupte, daß ein Zustand der Dinge, bei welchem die herrschenden Anschauungen dazu führen, die Entwickelung der Körperkraft praktisch über geistige und moralische Ausbildung zu setzen, ein positiv schlechter und gefährlicher ist, weil er das angeborene Widerstreben des Menschen, sich den Forderungen, welche sittliche und geistige Ausbildung nothwendig an ihn stellen, zu widersetzen ermuthigt. Was thut ein Knabe am liebsten? Versucht er lieber wie hoch er springen oder wieviel er lernen kann? Mit welcher Art von Uebungen beschäftigen sich junge Leute am liebsten? Mit der Uebung im Handhaben eines Ruders oder mit der Uebung in der Befolgung der Lehren, die uns vorschreiben, Böses mit Gutem zu vergelten und unsere Nächsten wie uns selbst zu lieben? Welchen von diesen beiden Versuchen, welche von diesen beiden Uebungen mußte die englische Gesellschaft am eifrigsten befördern und welcher Versuch und welche Uebung befördert sie in der That am eifrigsten?«
Nummer Eins, Zwei, Drei fragten: »Was haben Sie eben selbst gesagt?« – Sehr gut bemerkt«, riefen Smith und Jones.
»Ich« habe gesagt«, gab Sir Patrick zu, »daß ein Mann nur um so geschickter sein werde, sich mit geistigen Dingen zu beschäftigen, je mehr er seine Körperkräfte entwickelt habe und ich sage das noch einmal, vorausgesetzt, daß die Entwickelung der Körperkraft in gehörigen Schranken bleibt. Aber wenn die herrschenden Anschauungen dazu führen, die Entwickelung der Körperkraft geradezu über die Ausbildung des Geistes zu setzen, so behaupte ich, daß sich diese Anschauungen zu einem gefährlichen Extrem versteigen. Dann wird die Körperkraft den ersten Platz in den Gedanken der jungen« Leute einnehmen, Ihr Interesse am meisten fesseln, den Löwenantheil ihrer Zeit in Anspruch nehmen und auf diese Weise, abgesehen von den wenigen rein exceptionellen Fällen, langsam und sicher dahin führen, die jungen Leute für alle guten, sittlichen und geistigen Zwecke unempfänglich, und zu ungebildeten, vielleicht gar gefährlichen Menschen zu machen.«
»Also darauf will er hinaus«, riefen die Gegner einstimmig. »Ein Mensch, der ein Leben im Freien führt und sich der ihm von Gott verliehenen Kräfte bedient, ist ein gefährlicher Mensch! Hat man je so etwas gehört!« Die beiden lebenden Echos variierten die Frage etwas und fügten hinzu: »Nein, noch nie hat man so etwas gehört!«
»Lassen Sie doch diese nichtssagenden Redensarten bei Seite, meine Herren!« antwortete Sir Patrick. »Der Bauer führt ein Leben im Freien und bedient sich der Kräfte, die Gott ihm verliehen hat, der Matrose auf der Handelsmarine thut dasselbe, beides sind besonders ungebildete Classen der Gesellschaft, und nun betrachten Sie die Folgen, sehen Sie sich die Tabellen der Criminal-Statistik an und Sie werden die abscheulichsten Verbrechen nicht in den Städten begangen finden, wo durchschnittlich der Mensch kein Leben im Freien führt, sich in der Regel seiner physischen Kraft nicht in ihrem vollen Umfange bedient und in der Regel leidlich gebildet ist, nicht in den Stadien, sondern in den Ackerbaudistricten. Was aber das Wesen des englischen Matrosen anlangt, wie er ist, wenn ihn nicht die königliche Marine einfängt und bändigt – so fragen Sie doch Herrn Brinkworth, der in der Handelsmarine gedient hat, welchen Beleg für den Einfluß eines Lebens im Freien und einer vorwiegenden Entwickelung der Muskelkräfte der englische Matrose liefert.«
»In neun Fällen unter zehn«, bemerkte Arnold zustimmend, »ist er der faulste und lasterhafteste Schurke auf Gottes Erdboden.«
Die Gegner erhoben einen neuen Einwand. »Sind wir Bauern? Sind wir Matrosen in der Handelsmarine?« Die lebendigen Echos lächelten schlau zustimmend Smith, bin ich ein Bauer?« »Jones, bin ich ein Matrose?«
»Bitte, lassen Sie uns nicht persönlich werden, meine Herren!« sagte Sir Patrick, »ich rede ganz im Allgemeinen und ich kann extremen Einwendungen nur dadurch begegnen, daß ich meine Argumente bis in ihre letzten Consequenzen verfolge. Der Bauer und der Matrose haben jetzt für mich ihren Zweck erfüllt. Wenn der Bauer und der Matrose Sie beleidigen, so lassen Sie sie doch in Gottes Namen bei Seite. Aber meine eben aufgestellte Behauptung halte ich aufrecht. Ein Mann kann von guter Familie, in guten Verhältnissen, gut gekleidet und gut genährt sein, aber wenn er ungebildet ist, so ist er aller dieser socialen Vortheile ungeachtet, bei seinem Mangel an Bildung, ein zum Bösen besonders geneigter Mensch. Mißverstehen Sie mich nicht. Ich bin weit entfernt zu behaupten, daß die gegenwärtig herrschende Leidenschaft für ausschließlich körperliche Ausbildung unvermeidlich zur tiefsten Verderbniß führen muß. Zum Glück für die Gesellschaft, ist mehr oder weniger alle Schlechtigkeit der Individuen, vor Allein das Resultat einer besonderen Versuchung. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen geht, Gott sei Dank! durch’s Leben ohne anderen, als den gewöhnlichen Versuchungen ausgesetzt zu sein. Tausende der jungen Männer, die sich der Lieblingsbeschäftigung unserer Zeit hingeben, gehen durch’s Leben, ohne schlimmere Folgen für sich davonzutragen, als einen Ton, ein rohes Benehmen und eine beklagenswerte Unempfänglichkeit für die, höheren und milderen Gefühle, welche das Leben gebildeter Menschen reinigen und erfreuen. Nehmen, Sie aber den andern Fall, der Jedem von uns begegnen kann, den Fall einer besonderen Versuchung, die an einen jungen Mann unserer gesellschaftlichen Stellung herantritt, und lassen Sie, mich Mr. Delamayn bitten, dem, was, ich jetzt zu sagen habe, ein geneigtes Ohr zu leihen, weil es eben das ist, was ich wirklich ursprünglich ausgesprochen habe und was wesentlich von dem verschieden ist, womit er einverstanden zu sein sich das Ansehen giebt und was ich in der That nie behauptet habe.«
Geoffrey schien nicht geneigt, sich aus seiner gleichgültigen Haltung aufscheuchen zu lassen. »Fahren Sie fort«, sagte er und blieb mit seinen starren, ausdruckslosen Augen unbeweglich dasitzen.
»Nehmen wir also den Fall, von dem ich eben rede«, fuhr Sir Patrick fort, »den Fall eines jungen Mannes unserer Zeit, der sieh aller Vortheile einer körperlichen Ausbildung erfreut. Nehmen wir an, daß an einen solchen jungen Mann eine Versuchung herantritt, welche es ihm nahe legt, in seinem eigenen Interesse die wilden Instincte welche in jeder Menschenbrust schlummern, die Instincte der Selbsthülfe und der Grausamkeit, welche allen Verbrechen zu Grunde liegen, zur Anwendung zu bringen. Nehmen wir weiter an, daß dieser junge Mann einer anderen Person, die ihm nichts zu Leide gethan hat, in einem Verhältniß gegenüber steht, welches ihn vor die Alternative stellt, entweder diese andere Person oder seine eigenen Wünsche und Interessen zu opfern. Nehmen wir an, daß das Glück und das Leben seines Nebenmenschen ihm bei Erreichung seiner Wünsche im Wege steht, daß er das Glück und das Leben dieses Menschen vernichten kann, ohne sich einer erkennbaren Gefahr auszusetzen. Was kann ihn bei der Erziehung, die ihm zu Theil geworden ist, abhalten, unter gänzlicher Nichtachtung seines Nebenmenschen gerade auf sein Ziel loszugehen? Glauben Sie, daß die Geschicklichkeit im Rudern, die Schnelligkeit im Wettlaufen, die bewunderungswürdige Ausdauer in anderen körperlichen Uebungen, welche er sich durch anhaltende Pflege seiner Körperkräfte unter Ausschluß der Ausbildung seines Geistes angeeignet hat, glauben Sie, daß diese körperlichen Fähigkeiten ihm dazu nützen werden, einen rein sittlichen Sieg über seine Selbstsucht und Grausamkeit davon zu tragen? Sie werden nicht einmal hinreichen, ihn erkennen zu lassen, daß er aus Selbstsucht und Grausamkeit handelt. Das leitende Princip bei seinen Ruder- und Wettkämpfen besteht gerade darin, sich jedes Vortheils über seinen Nebenmenschen zu bedienen, den er mit seiner überlegenen Kraft und überlegenen List erringen kann. In seiner Erziehung hat nichts gelegen, was seine barbarische Herzenshärte hätte mildern und die barbarische Finsterniß seines Geistes hätte klären können. Wenn die Versuchung an einen solchen Menschen herantritt, so findet sie ihn wehrlos, gleichviel wer er ist und wie hoch er zufällig auf der socialen Stufenleiter steht; er ist in jeder sittlichen Beziehung ein Thier und weiter nichts. Wenn mein Glück ihm im Wege steht, so wird er, wenn er es ungestraft zu thun hoffen kann, dieses Glück mit Füßen treten und wenn ihm demnächst mein Leben im Wege ist, so wird er, wenn er es ungestraft thun kann, auch dieses vernichten, und zwar wird er das, mein werther Mr. Delamayn, nicht thun als ein Opfer eines unabwendbaren Verhängnisses oder eines blinden Zufalles, sondern als ein Mann, der erntet, was er gesäet hat. Das, Mr. Delamayn, ist der Fall, den ich als einen äußersten im Beginn der Discussion aufgestellt habe. Nur als einen solchen äußersten aber zugleich vollkommen möglichen Fall stelle ich ihn jetzt abermals auf!«
