Sadece Litres'te okuyun

Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.

Kitabı oku: «Mann und Weib», sayfa 36

Yazı tipi:

»Ja, Mylady, ich war nicht sicher, daß Sie nicht, nachdem Sie schon einmal Ihre Meinung geändert hatten, sie nicht wieder ändern könntest, wenn ich nicht wie man sagt, das Eisen schmiedete, so lange es heiß war. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich zu schnell gekommen bin, mein Hühnerhof ist mein Stolz, und die »schwarzen Spanier«, wie man sie nennt, sind eine böse Versuchung für mich, das zehnte Gebot zu übertreten, so lange sie in Ihrem Besitz sind, Mylady, und ich keine davon habe.«

»Es thut mir leid zu hören, daß ich die unschuldige Ursache einer Versuchung für sie gewesen bin, Mrs. Inchbare. Machen Sie mir Ihre Proposition, und ich werde mit Vergnügen darauf eingehen, wenn es möglich ist.«

»Ich muß mit dem zufrieden sein, was Sie die Güte haben werden mir zuzugestehen, Mylady mit einer Brut Eier, wenn ich nicht mehr bekommen kann.«

»Was würden Sie denn noch lieber nehmen als eine Brut Eier?«

»Noch lieber hätte ich einen Hahn und zwei Hühner«, erwiderte Mrs. Inchbare bescheiden.

»Oeffnen Sie den hinter Ihnen stehenden Kasten«, sagte Lady Lundie, »Sie werden darin Schreibpapier finden. Geben Sie mir ein Blatt davon und nehmen Sie einen Bleistift von der Schale.«

Von Mrs. Inchbare scharf beobachtet, schrieb sie eine Ordre an die mit der Verwaltung des Hühnerhofs betraute Gärtnersfrau und händigte ihr dieselbe mit einem gnädigen Lächeln ein.

»Bringen Sie das der Gärtnersfrau. Wenn Sie sich mit ihr über den Preis einigen, so können Sie den Hahn und die beiden Hühner bekommen.«

Mrs. Inchbare öffnete die Lippen, ohne Zweifel, um ihrer überströmenden Dankbarkeit Ausdruck zu geben; aber, kaum hatte sie das erste Wort gesprochen als Lady Lundie nicht länger an sich zu halten vermochte und, in ihrer Ungeduld den Zweck, den sie von Anfang an im Auge gehabt hatte, zu erreichen, die Schranken, die sie bis dahin so vorsichtig eingehalten hatte, durchbrach. Ohne Umstände fiel sie der Wirthin in’s Wort und brachte das Gespräch unvermittelt auf das Verhalten Anne Silvester’s während ihres Aufenthalts im Craig-Fernie-Hotel.

»Wie geht’s mit Ihrem Hotel, Mrs. Inchbare? Sie haben viel Touristen in dieser Jahreszeit, nicht wahr?«

»Wir haben Gott sei Dank das Haus voll, Mylady, vom Keller bis zum Dach.«

»Vor einiger Zeit hatten Sie, glaube ich, einen Gast, »von dem ich etwas weiß. Eine Person —« Sie hielt inne und that sich große Gewalt an; es blieb ihr keine Wahl, sie mußte sich der harten Nothwendigkeit fügen, ihre Frage deutlich zu machen. »Eine Dame«, fügte sie hinzu, »die ungefähr Mitte vorigen Monats bei Ihnen gewesen sein muß.«

»Hätten Sie wohl die« Güte, mir den Namen zu nennen, Mylady?«

Lady Lundie that sich noch größere Gewalt an.

»Silvester« sagte sie in scharfem Ton.

»Gott sei mir gnädig« rief Mrs. Inchbare; »Sie meinen doch nicht Eine, die allein, mit einem kleinen Reisesack in der Hand ankam, und hinter der ein Mann erst eine Stunde nachher, oder noch später angeschlendert kam?«

»Ohne Zweifel ist es die.«

»War das eine Freundin von Ihnen, Mylady?« fragte Mrs. Inchbare, vorsichtig das Terrain sondirend.

»Gewiß nicht!« erwiderte Lady Lundie »Ich frage nur aus einer vorübergehenden Neugierde nach ihr.«

Mrs. Inchbare fühlte sich sichtlich erleichtert. »Die Wahrheit zu gestehen, Mylady, bestand kein sehr freundschaftliches Verhältnis; zwischen der Dame und mir. Sie war eine sehr heftige eigenwillige Person und ich war sehr froh, als sie wieder fort ging.«

»Das begreife ich sehr gut, Mrs. Inchbare, ich weiß, auch etwas von ihren Launen zu erzählen. Habe ich Sie richtig verstanden, daß sie allein in Ihr Hotel kam und daß ihr Mann ihr kurz nachher folgte?«

»Vollkommen richtig, Mylady Ich konnte ihr nicht eher Zimmer im Hotel geben, bis ihr Mann hinter ihr herkam und sich für sie verbürgte.«

»Ich glaube, ich habe den Mann auch einmal gesehen;« sagte Lady Lundie, »was für eine Art von Mann war es?«

Mrs. Inchbare antwortete Ungefähr in denselben Ausdrücken, deren sie sich bei Beantwortung der ähnlichen Frage Sir Patricks bedient hatte.

»O! er war sehr jung für eine Person von ihrem Alter. Ein hübscher Mann, Mylady, nicht groß und nicht klein; mit freundlichen braunen Augen, dunklem Teint und schönem kohlschwarzem Haar. Ein netter, zuthunlicher Bursche. Ich habe nichts gegen ihn, außer, daß er spät Abends erschien und sich früh am nächsten Morgen wieder davon machte und mir die Madame auf dem Hals ließ.«

Die Antwort brachte genau denselben Eindruck auf Lady Lundie hervor, den sie auf Sir Patrick gemacht hatte. Sie fühlte an, daß die Schilderung in ihrer Unbestimmtheit auf zu viele junge Männer von gewöhnlichem Aussehen und Temperament paßte, als daß man irgend einen bestimmten Anhaltepunkt darin hätte finden können. Aber Lady Lundie war bei ihrem Versuch, die Wahrheit zu ergründen, außerordentlich im Vortheil gegen ihren Schwager. Sie hatte Arnold im Verdacht und sie konnte daher Mrs. Inchbare’s Gedächtniß durch Winke zu Hülfe kommen.

»Hatte er in Blick und Wesen etwas von einem Seemann?« fragte sie. »Und haben Sie vielleicht, wenn Sie mit ihm sprachen, bemerkt, daß er die Gewohnheit hatte, mit einem Medaillon an seiner Uhrkette zu spielen?«

»Das ist er, wie er leibt und lebt!« rief Mrs. Inchbare; »Sie müssen ihn gut kennen, Mylady, das ist sicher.«

»Ich glaube ihn einmal gesehen zu haben«, erwiderte Lady Lundie; »ein bescheidener, feiner, junger Mann, wie Sie ihn schildern, Mrs. Inchbare. Aber ich will Sie nicht länger von Ihrem Weg nach dem Hühnerhof zurückhalten. Nach der Vorschrift des Arztes soll ich eigentlich Niemanden sehen. Wir sind ja ganz einig, nicht wahr? Ich habe mich gefreut, Sie zu sehen. Guten Abend.«

So entließ Lady Lundie Mrs. Inchbare, als sie ihren Zweck erreicht hatte.

Die meisten Frauen würden sich mit der Auskunft, die Lady Lundie erhalten hatte, begnügt haben, aber sie, die mit einem Mann wie Sir Patrick zu thun hatte, beschloß, sich ihrer Sache erst völlig zu vergewissern, bevor sie es wagen würde, in Ham-Farm einzuschreiten. Sie hatte von Mrs. Inchbare erfahren, daß der sogenannte Gatte Anne Silvester’s an dem Tage, wo sie in Craig-Fernie angekommen war, mit ihr zusammengetroffen sei und sie am nächsten Tage wieder verlassen habe. Anne hatte Windygates am Tage des Gartenfestes, das heißt am vierzehnten August, heimlich verlassen. An demselben Tage war Arnold Brinkworth von Windygates zu dem Zwecke abgereist, das ihm von seiner Tante hinterlassene Gut in Schottland zu besuchen. – Wenn Mrs. Inchbare’s Bericht genau war, so mußte Arnold, anstatt nach seinem Gute, nach Craig-Fernie gegangen und daher zur Besichtigung seines Hauses und seiner Ländereien einen Tag später eingetroffen sein, als er ursprünglich für diesen Zweck festgesetzt hatte. Wenn diese Thatsache auf die Aussage eines uninteressirten Zeugen hin bewiesen werden konnte, so würden die Indicien gegen Arnold zehnfach verstärkt erscheinen und Lady Lundie konnte, auf ihre Entdeckung fußend, mit großer Sicherheit Vorgehen.

Nach einer kurzen Ueberlegung beschloß sie einen Boten mit einem Billet an Arnold’s Verwalter abzuschicken; als Erklärung für die sonderbare Frage gab sie eine kleine Familien-Discussion über das genaue Datum von Arnold’s Rückkehr auf sein Gut und eine darüber gemachte Wette vor. Wenn der Verwalter, schloß sie ihr Billet, genau angeben könne, ob sein Principal am 14. oder 15. August auf seinem Gute angekommen sei, so würde das zur Entscheidung der streitigen Frage hinreichen.

Lady Lundie beorderte, daß das Billet am nächsten Morgen in aller Frühe befördert werde und daß der Bote mit dem ersten Retourzug noch am selben Tage nach Windygates zurückkehren solle. Nachdem sie das angeordnet hatte, konnte sich Lady Lundie die Erfrischung einer neuen Dosis der Lavendelmixtur gewähren und den Schlaf der Gerechten schlafen.

Am nächsten Tage kam die Post und brachte keine Antwort von Sir Patrick. Lady Lundie trug daß Ausbleiben dieser Antwort in ihr Register alter Schulden ihres Schwagers ein, welche er ihr am Tage der Abrechnung mit Zinsen bezahlen sollte. Demnächst erschien der Bote wieder mit der Antwort des Verwalters. Derselbe hatte in seinem Tagebuche nachgesehen und darin gefunden, daß Mr. Brinkworth sich für den 14. August angemeldet habe, aber nicht vor dem l5. August eingetroffen sei. Als Lady Lundie sich im Besitz der Entdeckung befand, die ihr erforderlich schien, um Mrs. Inchbare’s Aussage zu bekräftigen, beschloß sie, noch einen Tag abzuwarten, ob Sir Patrick vielleicht seinen Sinn ändern und ihr schreiben werde. Falls kein Brief von ihm und auch keiner von Blanche eintreffen sollte, war sie entschlossen mit dem nächsten Morgenzuge nach Ham-Farm zu fahren und das kühne Experiment eines persönlichen Einschreitens zu versuchen.

Das dritte Ereigniß des Tages war das Erscheinen des Doctors. Es wartete seiner eine sehr unangenehme Ueberraschung; er fand seine Patientin durch seine Lavendelmixtur geheilt. Das war allen ärztlichen Regeln und Präcedenzfällen entgegen, das sah nach Quacksalberei aus; die rothe Lavendelmixtur sollte gar nicht bewirken, was sie bewirkt hatte. Aber gleichviel. Da stand Lady Lundie vor ihm in voller Toilette und mit dem Gedanken beschäftigt, am nächstfolgenden Tage eine Reise nach London zu machen. »Es handelt sich um die Erfüllung einer Pflicht, Doctor, wie groß auch das Opfer für mich sein mag, ich muß gehen.«

Eine weitere Erklärung konnte der Doctor nicht erlangen. Die Patientin war fest entschlossen, dem Arzt blieb nichts übrig als, nachdem er sein Honorar in Empfang genommen hatte, einen ehrenvollen Rückzug anzutreten.

»Im Vertrauen Lady Lundie«, sagte er, bevor er sich verabschiedete, unsere Kunst besteht wesentlich darin, fortwährend unter Berücksichtigung der verschiedenartigsten Factoren unsere Entscheidung zu treffen. So zum Beispiel in Ihrem Fall sind Sie zwar keineswegs so völlig wieder hergestellt, wie Sie glauben, sondern halten sich nur vermöge einer ungewöhnlichen Aufregung aufrecht. Da muß ich mich nun fragen, was das geringere Uebel sei, Sie reisen zu lassen oder Ihre Nerven, indem ich Sie zurückhalte, noch mehr aufzuregen. Bei Ihrer Constitution müssen wir die Reise wagen; achten Sie nur darauf, daß das Wagenfenster an der Seite, von welcher der Wind weht, geschlossen bleibt, halten Sie Ihre Extremitäten mäßig warm und Ihr Gemüth sorgenfrei und, bitte vergessen Sie nicht, sich mit einer zweiten Flasche der Mixtur zu versehen, bevor Sie abreisen.«

Er verneigte sich wie immer, ließ zwei Guineen in seine Tasche gleiten wie immer, und ging mit dem beruhigenden Bewußtsein von dannen, seine ärztliche Pflicht gethan zu haben.

Welcher beneidenswerthe Beruf ist der der Aerzte, warum ergreifen wir ihn nicht Alle.«

Das letzte Ereigniß des Tages war die Ankunft Mrs. Glenarm’s.

»Nun?« fing diese eifrig an, »was haben Sie neues?«

Der ausführliche Bericht Lady Lundie’s über ihre Entdeckungen und die Mittheilung ihres in der bündigsten Weise ausgesprochenen Entschlusses regte Mrs. Glenarm auf’s Höchste auf.

»Sie reisen Sonnabend nach London? Ich gehe mit Ihnen. Seit jene Person erklärt hat, sie werde vor mir in London sein, vergehe ich vor Verlangen, meine Abreise zu beschleunigen und nun bietet sich mir die herrliche Gelegenheit, mit Ihnen zu gehen. Ich kann es leicht einrichten; mein Onkel und ich hatten verabredet, uns in den ersten Tagen der nächsten Woche in London zu treffen, um zusammen das Wettrennen zu besuchen; ich brauche ihm nur zu schreiben und ihm die Veränderung meines Plans mitzutheilen. Beiläufig, da ich grade von meinem Onkel spreche, ich habe, seit ich Sie zuletzt gesehen habe, von dem Advocaten in Perth gehört.«

»Nun, wieder anonyme Briefe?«

»Nur einen und zwar diesmal an die Advocaten gerichtet. Mein unbekannter Correspondent theilt ihnen mit, daß er seine Propositionen zurückziehe und kündigt ihnen an, daß er Perth verlassen habe. Die Advocaten rathen mir, meinen Onkel zu verhindern, jetzt noch die Londoner Polizei mit der Angelegenheit zu befassen. Ich habe den Brief der Advocaten meinem Onkel geschickt und er wird wahrscheinlich, wenn ich mit Ihnen hinkomme, schon in London sein, um seine Advocaten zu sprechen. So viel von dem, was ich in dieser Angelegenheit gethan habe. Aber liebe Lady Lundie, was denken Sie zu thun, wenn wir London erreicht haben werden?«

»Mein Verfahren wird sehr einfach sein«, erwiderte Lady Lundie ruhig, »Sir Patrick wird am nächsten Morgen nach meiner Ankunft in London in Ham-Farm von mir hören.«

»Hören, was sie herausgebracht haben?«

»Nein, gewiß nicht, sondern nur, daß ich durch Geschäfte genöthigt worden sei, nach London zu gehen und daß ich beabsichtige, ihm am nächsten Montag einen kurzen Besuch zu machen.«

»Natürlich wird er Sie empfangen?!«

»Daran ist wohl nicht zu zweifeln. Soweit wird sein Haß gegen seine Schwägerin doch nicht gehen, daß er ihr, nachdem er schon ihren Brief unbeantwortet gelassen hat, auch noch seine Thür verschließt.«

»Und was wollen Sie thun, wenn Sie dort sind?«

»Dort, liebes Kind, werde ich in einer Atmosphäre von Verrath und Betrug athmen. Um meines armen Kindes willen muß ich, so entsetzlich zuwider mir alle Heuchelei ist, sehr vorsichtig in dem sein, was ich thue. Ich werde kein Wort sagen, bevor ich nicht Blanche allein gesprochen habe. Wie schmerzlich es mir auch sein wird, ich werde vor meiner Pflicht nicht zurückschrecken, auch wenn sie mich zwingen sollte, meiner theuren Blanche die Augen zu öffnen. Sir Patrick und Mr. Brinkworth werden am nächsten Montag neben dem unerfahrenen jungen Geschöpf eine Andere finden, mit der sie fertig werden müssen. Ich werde da sein!«

Mit diesem furchtbaren Ausspruch schloß Lady Lundie die Unterhaltung und Mrs. Glenarm stand auf, um sich zu verabschieden. »Wir treffen uns also an der Station, liebe Lady Lundie?«

»Jawohl, am nächsten Sonnabend!«

Sir Patricks Haus

Zehntes Kapitel.
Das Fenster des Rauchzimmers

»Ich kann es nicht glauben und ich will es nicht glauben; Sie versuchen es, mich meinem Manne abtrünnig zu machen, wie Sie es versuchten, mich gegen meine beste Freundin aufzureizen, das ist infam, das ist abscheulich, was habe ich Ihnen gethan, o mein Kopf, mein Kopf! Wollen Sie mich wahnsinnig machen?« Mit diesen Worten begegnete Blanche bleich und wild, ihr Haar mit den Händen durchwühlend, ruhelos im Zimmer auf und ab eilend, ihrer Stiefmutter, die wie sie es sich vorgenommen, ihrer Tochter die grausame Wahrheit enthüllt hatte.«

Lady Lundie saß in stolzer Ruhe am Fenster und blickte auf die friedliche Landschaft, die Wälder und Felder, welche Ham-Farm umgeben hinaus. »Ich war auf diesen Ausbruch gefaßt«, sagte sie in traurigem Tone. »Diese verzweifelten Worte erleichtern Dein übervolles Herz, mein armes Kind. Ich kann warten Blanche, ich kann warten!«

Blanche stand still und sah Lady Lundie in’s Auge. »Wir Beide haben uns nie geliebt«, sagte sie, »ich habe Ihnen von hier einen ungezogenen Brief geschrieben, ich habe immer Anne’s Partei gegen Sie genommen, ich habe Ihnen deutlich gezeigt, daß ich froh war, mich zu verheirathen, nur um von Ihnen wegzukommem. Und jetzt wollen Sie sich dafür an mir rächen, wie?«

»O Blanche, Blanche, welche Gedanken, welche Worte! Ich kann nur für Dich beten.«

»Ich bin wahnsinnig, Lady Lundie, haben Sie Nachsicht mit mir. Es sind kaum vierzehn Tage, daß ich verheirathet bin! Ich liebe ihn, ich liebe ihn von ganzem Herzen. Bedenken Sie wohl, was Sie mir von Beiden gesagt haben, bedenken Sie es wohl!

Sie wiederholte diese Worte mit einem leisen Schmerzensschrei, mit ihren Händen fuhr sie sich wieder nach dem Kopf und fing wieder an, ruhelos nach allen Richtungen im Zimmer auf und ab zu gehen.

Lady Lundie versuchte es mit einer sanfteren Vorstellung. »Um Deiner selbst willen,« sagte Sie »beharre nicht dabei, Dich mir zu entfremden, in dieser schrecklichen Situation bin ich Deine einzige Freundin.«

Blanche trat wieder von ihre Stiefmutter hin und sah ihr fest in’s Gesicht.

Lady Lundie ertrug den durchdringenden Blick vollkommen gelassen.

»Sieh’ mir in’s Herz, Blanche,« sagte sie, »es blutet für Dich.«

Blanche hörte die Worte, ohne auf ihren Sinn zu achten, sie war ganz von ihren eigenen Gedanken in Anspruch genommen.

»Sie sind jaeine fromme Frau,« sagte sie plötzlich, »wollen Sie auf Ihre Bibel schwören, daß das, was Sie mir gesagt haben, wahr ist?«

»O, meine Bibel?« wiederholte Lady Lundie mit trauriger Emphase, »mein Kind, hast Du keinen Theil an dieser kostbaren Erbschaft, ist es nicht auch Deine Bibel?«

In Blanche’s Mienen malte sich einen Augenblick ein Gefühl des Triumphes. »Sie wagen es nicht zu schwören, das ist mir genug!« und mit einem höhnischen Ausdruck wandte sie sich ab.

Lady Lundie aber ergriff ihre Hand und zog sie fest an sich. Die fromme Dulderin verschwand und das Weib, mit dem nicht zu spaßen war, trat an ihre Stelle »Die Sache muß ein Ende haben«, sagte sie, »Du glaubst nicht, was ich Dir gesagt habe? Hast Du Muth, die Wahrheit meiner Worte auf die Probe zu stellen?«

Blanche fuhr zusammen und riß ihre Hand los, sie zitterte ein wenig. In Lady Lundie’s plötzlich verändertem Wesen lag eine furchtbare Sicherheit.

»Auf welche Probe?« fragte sie.

»Das sollst Du sogleich erfahren; aber zuvor sage Du mir die Wahrheit; wo ist Sir Patrick, ist er wirklich nicht zu Hause, wie sein Diener gesagt hat?«

»Nein, er ist mit seinem Verwalter ausgegangen. Sie haben uns Alle überrascht, Sie hatten sich erst für den nächsten Zug gemeldet.«

»Wann kommt der nächste Zug? es ist jetzt elf Uhr.«

»Der Zug kommt zwischen ein und zwei Uhr.«

»Früher wird Sir Patrick nicht zurückkommen?«

»Nein, nicht früher.«

»Wo ist Mr. Brinkworth?«

»Mein Mann?«

»Dein Mann, wenn Du willst, ist er auch nicht zu Hause?«

»Er ist im Rauchzimmer.«

»Meinst Du das lange Zimmer, das einen Ausbau an der Rückseite des Hauses bildet?«

Ja.«

»So komm gleich mit mir hinunter!«

Blanche trat einen Schritt vor und ging wieder zurück.

»Was wollen Sie von mir?« fragte sie,« indem sie plötzlich von Mißtrauen ergriffen wurde.

Lady Lundie wandte sich um und sah sie ungeduldig an. »Siehst Du noch nicht,« sagte sie im scharfen Ton, daß Dein Interesse in dieser Sache mit dem meinigen Hand in Hand geht? Was habe ich Dir gesagt?«

»Wiederholen Sie es nicht!«

»Ich muß es wiederholen. Ich habe Dir gesagt, daß Arnold Brinkworth sich mit Miß Silvester im Geheimen als ihr anerkannter Ehemann in Craig-Fernie aufhielt, als wir ihn auf seinem Gute vermutheten; Du haft mir nicht glauben wollen, und ich bin im Begriff, es Dir zu beweisen. Ist es Dein Interesse oder nicht, zu erfahren, ob dieser Mann das Vertrauen verdient, daß Du ihm schenkst.«

Blanche zitterte am ganzen Leibe und gab keine Antwort.

»Ich will in den Garten gehen und durch das Fenster des Rauchzimmers mit Mr. Brinkworth sprechen«, fuhr Lady Lundie fort. »Hast Du Muth mit mir zu gehen und an einer Stelle zu warten, wo er Dich nicht sehen kann, wo Du aber hören kannst, was er sagt; ich scheue mich nicht, diesen Beweis zu unternehmen, scheust Du Dich davor?«

Der Ton, in dem sie diese Frage that, erweckte, Blanches Zorn. »Wenn ich ihn für schuldig hielt« erwiderte sie entschlossen, »so würde ich nicht den Muth haben, ich halte ihn aber für unschuldig. Gehen Sie voran, Lady Lundie, ich folge Ihnen.«

Sie verließen Blanches Zimmer und gingen in die Vorhalle hinunter, wo Lady Lundie stehen blieb, um nach dem Eisenbahn-Fahrplan,, der neben der Hausthür hing, zu sehen. »Um ein Viertel vor zwölf Uhr geht ein Zug nach London,« sagte sie, »Wie lange braucht man um nach der Station zu kommen?«

»Warum fragen Sie das?«

»Das wirst Du später erfahren, beantworte mir meine Frage.«

»Man braucht zwanzig Minuten, um nach der Station zu gehen.«

Lady Lundie sah nach ihrer Uhr. »Wir haben gerade noch Zeit!«

»Zeit für was?«

»Komm’ mit mir in den Garten»Mit diesen Worten ging sie voran.

Das Rauchzimmer bildete ein längliches Viereck und war in einem rechten Winkel an die Rückseite des Hauses angebaut, mit einem in den Garten blickenden Bogenfenster am andern Ende. Bevor Lady Lundie um die Ecke bog und sich den Blicken des am Fenster Sitzenden darbot, sah sie sich um und gab Blanche ein Zeichen, an der Ecke der Mauer zu warten. Blanche blieb stehen. Im nächsten Augenblick hörte sie die folgende, am offenen Fenster geführte Unterhaltung. Arnold sprach zuerst.

»Sieh’ da, Lady Lundie? Wir hatten Sie nicht vor dem zweiten Frühstück erwartet!«

Lady Lundie war um eine Antwort nicht verlegen. »Es war mir nicht möglich, London früher zu verlassen, als ich glaubte; bitte lassen Sie Ihre Cigarre nicht ausgehen! O, bleiben Sie ruhig sitzen, ich komme nicht hinein.« Nun folgten sich Frage und Antwort rasch Schlag aus Schlag, ohne daß bei der großen Ruhe der Luft Blanche ein einziges Wort entgangen wäre.

Arnold fing wieder an. »Haben Sie Blanche schon gesehen?«

»Blanche macht sich fertig, ein wenig mit mir spazieren zu gehen. Ich habe viel mit ihr zu reden, aber ehe ich fortgehe, habe ich auch Ihnen etwas zu sagen.«

»Etwas Wichtiges?«

»Seht Wichtiges!«

»Betrifft es mich?«

»Allerdings! Ich weiß, wohin Sie an jenem Abend gegangen sind, nach Craig-Fernie!«

»Guter Gott, woher wissen Sie das?«

»Ich weiß, mit wem Sie da zusammengetroffen sind: mit Miß Silvester! Ich weiß, was man von Ihnen und ihr sagt, Sie seien Mann und Weib.«

»Still, sprechen Sie nicht so laut, es könnte Sie Jemand hören.«

»Was wäre denn daran gelegen; ich bin die einzige Person, vor der Sie die Sache geheim gehalten haben, hier wissen sie es ja Alle!«

»Durchaus nicht, Blanche weiß nichts davon.«

»Was? Weder Sie noch Sir Patrick haben Blanche von der Situation gesagt, in der Sie sich befinden?«

»Nein, Sir Patrick hatte es mir überlassen; ich habe es noch nicht über mich gewinnen können, das zu thun; reden Sie kein Wort davon, ich bitte Sie dringend, ich weiß nicht, wie Blanche die Sache aufnehmen würde und möchte warten, bis Sir Patrick sie mit ihrer Freundin, die morgen in London eintrifft, zusammenbringt; ihre Freundin wird ihr die Sache besser mittheilen können als ich. Das halte ich für das Richtigste und Sir Patrick stimmt mir bei. Sie wollen doch noch nicht fortgehen?«

Blanche würde mich hier aussuchen, wenn ich länger wartete.«

»Ein Wort, ich möchte wissen —«

»Das sollen Sie später am Tage erfahren.«

Lady Lundie bog wieder um die Ecke. Die nun gesprochenen Worte wurden geflüstert »Bist Du jetzt überzeugt Blanche?«

»Haben Sie Erbarmen, Lady Lundie, und bringen Sie mich aus diesem Hause weg.«

»Mein liebes Kind, zu welchem andern Zweck hätte ich denn nach dem Fahrplan in der Vorhalle gesehen!«

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
06 aralık 2019
Hacim:
930 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain