Kitabı oku: «Einfach Shakespeare», sayfa 4
Laßt mich mit ihm ziehn
Noch in seiner Hochzeitsnacht wird Othello, im militärischen Dienst Venedigs, nach Zypern versetzt, um zu verhindern, dass die Türken die Insel erobern. Alle gehen davon aus, dass er seine frischvermählte Ehefrau, Desdemona, zurücklassen wird, doch sie weigert sich und setzt durch, dass sie ihn begleiten darf.
DESDEMONA
Daß ich den Mohren liebt’, um ihm zu leben,
Mag meines Glücks gewaltsam jäher Sturm
Der Welt zurufen: ja, mein Herz ergab sich
Ganz unbedingt an meines Herrn Beruf.
Ich sah in seinem Geist Othellos Antlitz,
Und seinem Ruhm, und seinem Heldentum
Hab’ ich Gemüt und irdisch Gut geweiht.
Drum, würd’ge Herrn, läßt man mich hier zurück,
Als Friedensmotte, weil er zieht ins Feld,
So raubt man meiner Liebe teures Recht,
Und läßt mir eine schwere Zwischenzeit
Dem Liebsten fern: drum laßt mich mit ihm ziehn.
(I, 3)
Trotzdem reisen die beiden in getrennten Schiffen nach Zypern. Aufgrund eines Sturms auf See sind sie heilfroh, als sie sich lebend wiedersehen. Othello fühlt, dass sein Glück jetzt seinen Höhepunkt erreicht hat und er zufrieden sterben könnte. Desdemona geht aber davon aus, dass ihr Glück noch wachsen wird, nachdem sie erst seit Kurzem verheiratet sind und kaum Zeit miteinander verbracht haben. Im Verlauf des Stücks behält leider Othello recht.
OTHELLO
Ein Wunder dünkt mich’s, groß wie meine Freude,
Dich hier zu sehn vor mir. O mein Entzücken!
Wenn jedem Sturm so heitre Stille folgt,
Dann blast, Orkane, bis den Tod ihr weckt!
Dann klimme, Schiff, die Wogenberg’ hinan
Hoch wie Olymp, und tauch hinunter tief
Zum Grund der Hölle! Gölt’ es, jetzt zu sterben,
Jetzt wär’ mir’s höchste Wonne; denn ich fürchte,
So volles Maß der Freude füllt mein Herz,
Daß nie ein andres Glück mir diesem gleich
Im Schoß der Zukunft harrt.
DESDEMONA
Verhüte Gott,
Daß unsre Lieb’ und Glück nicht sollten wachsen
Wie unsrer Tage Zahl!
OTHELLO
Amen, ihr holden Mächte!
Nicht auszusprechen weiß ich diese Wonne,
Hier stockt es; o es ist zu viel der Freude.
(II, 1)
Nichts von Gehn
Das ausschweifende Leben als Liebespaar, das Antonius und Kleopatra in Ägypten führen, erregt die Missbilligung seiner beiden Mit-Triumvirn, Ocatvius Cäsar und Lepidus, mit denen er sich die Weltherrschaft teilt. Sowohl Cäsar als auch Antonius’ Ehefrau Fulvia fordern seine Anwesenheit in Rom, doch Antonius ist so sehr in Kleopatra vernarrt, dass er sich zunächst weigert, irgendwelche Boten aus Rom auch nur anzuhören. Das Schicksal Roms ist ihm gleichgültig.
ANTONIUS
Schmilz in die Tiber, Rom! Der weite Bogen
Des festen Reichs, zerbrich! Hier ist die Welt,
Thronen sind Staub: die kot’ge Erde nährt
Wie Mensch, so Tier: der Adel nur des Lebens
Ist, so zu tun: wenn solch ein liebend Paar,
Und solch Zwillings-Gestirn es darf: worin
(Bei schwerer Ahndung wisse das die Welt!)
Wir unerreichbar sind!
KLEOPATRA
Erhabne Lüge!
Wie ward Fulvia sein Weib, liebt’ er sie nicht?
So will ich Törin scheinen und nicht sein;
Anton bleibt stets er selbst.
ANTONIUS
Nur nicht, reizt ihn Kleopatra. Wohlan,
Zu Liebe uns’rer Lieb’ und süßen Stunden,
Nicht sei durch herb Gespräch die Zeit verschwendet.
Kein Punkt in unserm Leben, den nicht dehne
Noch neue Lust. Welch Zeitvertreib zu Nacht?
(I, 1)
Es ist Kleopatra, die Antonius drängt, die Boten anzuhören. Der Bote selbst zögert zunächst, Antonius die Wahrheit zu sagen.
BOTE AUS ROM
Der bösen Zeitung Gift macht krank den Boten.
ANTONIUS
Wenn er sie Narren und Feigen meldet: weiter!
Mir ist Geschehnes abgetan. Vernimm,
Wer mir die Wahrheit sagt und spräch’ er Tod,
Ich hört’ ihn an, als schmeichelt’ er. […]
Sprich dreist, verfeinre nicht des Volkes Zunge
[…]. Nur Unkraut tragen wir,
Wenn uns kein Wind durchschüttelt; und uns schelten,
Heißt nur rein jäten.
(I, 2)
Als Antonius schließlich erfährt, dass seine Ehefrau Fulvia tot ist und dass sie in seinem Namen Krieg geführt hat, entscheidet er sich, Kleopatra schweren Herzens zu verlassen – wenn auch nur vorübergehend. Sobald er von Fulvias Tod erfährt, stellt Antonius fest, dass ihre Abwesenheit sie wieder attraktiv macht.
ANTONIUS
Was wir verachtend oft hinweggeschleudert,
Das wünschen wir zurück: erfüllte Freude
Durch Zeitumschwung ermattet, wandelt sich
Ins eig’ne Gegenteil: gut ist sie nun, weil tot;
Nun reicht’ ich gern die Hand, die ihr gedroht.
Fliehn muß ich diese Zauberkönigin:
Zehntausend Wehn, und schlimmre, als ich weiß,
Brütet mein Müßiggang.
(I, 2)
Kleopatra macht Antonius den Abschied so schwer wie möglich.
KLEOPATRA
Sieh wo er ist, wer mit ihm, was er tut,
(Ich schickte dich nicht ab:) Findst du ihn traurig,
Sag ihm, ich tanze: ist er munter, meld ihm,
Ich wurde plötzlich krank. Schnell bring mir Antwort.
CHARMION
Fürstin, mir scheint, wenn ihr ihn wirklich liebt,
Ihr wählt die rechte Art nicht, ihn zur Liebe
Zu zwingen.
KLEOPATRA
Und was sollt’ ich tun und lass’ es?
CHARMION
Gebt immer nach, laßt euch von ihm nur führen.
KLEOPATRA
Törichter Rat! Der Weg ihn zu verlieren!
CHARMION
Versuch ihn nicht zu sehr: ich bitt’, erwägt,
Wir hassen bald, was oft uns Furcht erregt.
(I, 3)
KLEOPATRA
Nein, such nur keine Färbung deiner Flucht.
Geh, sag Lebwohl: als du zu bleiben flehtest,
Da galt’s zu sprechen: damals nichts von Gehn!
In unserm Mund und Blick war Ewigkeit,
Wonn’ auf den Brau’n, kein Tropfen Blut so arm,
Der Göttern nicht entquoll: und so ist’s noch,
Oder der größte Feldherr du der Welt,
Wurdest zum größten Lügner. […]
Wenn mich das Alter auch nicht schützt vor Torheit,
Doch wohl von Kinderei. […] Nicht Fulvias Tod beweinen,
Zeigt mir, wie leicht du einst erträgst den meinen. […]
O bitte, wende dich und wein um sie,
Dann sag mir Lebewohl, und sprich: die Tränen
Sind für Ägypten: spiel einmal als Meister
Ein Stück Verstellung, Lieber, das mißscheine
Als echte Ehre! […]
Höflicher Herr, ein Wort:
Wir beide müssen scheiden, doch das ist’s nicht,
Wir beide liebten einst, doch das ist’s auch nicht,
Das wißt ihr wohl – was war’s doch, das ich meinte?
O mein Gedächtnis ist ein rechter Antonius,
Und ich bin ganz vergessen!
ANTONIUS
Wär’ nicht Torheit
Die Dien’rin deines Throns, so hielt ich dich
Für Torheit selbst.
KLEOPATRA
O schwere Müh’ des Lebens,
Dem Herzen nahe solche Torheit tragen,
Wie diese ich! Doch, teurer Freund, vergib mir,
Denn Tod bringt mir mein Treiben, wenn es dir
Nicht gut ins Auge fällt. Dich ruft die Ehre,
Hör’ denn auf meinen eitlen Wahnsinn nicht!
Und alle Götter mit dir! […]
ANTONIUS
Es flieht zugleich und weilet unsre Trennung:
Denn du, hier thronend, gehst doch fort mit mir,
Und ich, fortschiffend, bleibe doch mit dir.
(I, 3)
Wo, denkst du, ist er jetzt?
In Antonius’ Abwesenheit malt Kleopatra sich aus, was er wohl gerade tut, und fragt sich, ob Antonius auch an sie denkt:
KLEOPATRA
O liebe Charmion,
Wo, denkst du, ist er jetzt? Sag, steht er? Sitzt er?
Wie, geht er wohl? Sitzt er auf seinem Pferd?
O glücklich Pferd, Antonius’ Last zu tragen!
Sei stolz, mein Pferd! Weißt du wohl, wen du trägst?
Den halben Atlas dieser Erde, Schild
Und Schutz der Welt! Jetzt spricht er, oder murmelt:
Wo weilst du, meine Schlang’ am alten Nil?
Denn also nennt er mich. Jetzt weid’ ich mich
Am allzusüßen Gift! Gedenke mein,
Ob auch von Phöbus Liebesstichen braun,
Und durch die Zeit gerunzelt! Als du hier
Ans Ufer tratst, breitstirn’ger Cäsar, war ich
Wert eines Königs: Held Pompejus stand
Und ließ sein Aug’ auf meinen Brauen wurzeln,
Da warf sein Blick den Anker ein, er starb
Im Anschau’n seines Lebens. […]
Bemerk’ ihn, Charmion, welch ein Mann! O merk ihn!
Er war nicht ernst, denn die wollt’ er beglänzen,
Die von ihm lernen sehn; er war nicht munter:
Dies schien zu sagen, sein Erinnern weile,
Mit seiner Lust hier: sondern zwischen beiden.
O himmlische Vermischung! Ernst und munter,
Das äußerste von beiden steht dir so,
Wie keinem Manne sonst.
(I, 5)
Als Kleopatra von einem Boten erfährt, dass Antonius Octavia geheiratet hat, die Schwester von Octavius Cäsar, ist sie zunächst sehr aufgebracht, tröstet sich aber schnell damit, dass Octavia bestimmt nicht in der Lage ist, Antonius lange zu halten. Derselben Meinung sind auch die Gefolgsleute von Antonius und Octavius. Sie sind überzeugt, dass Antonius’ Sehnsucht nach Kleopatra ihn nach Ägypten zurücktreibt, und dass dann wiederum Octavia unter Antonius’ Abwesenheit so sehr leidet, dass ihr Bruder wütend auf Antonius werden wird.
MENAS
Ich denke, in dieser Angelegenheit tat die Politik mehr für die Heirat, als die Liebe der Vermählten.
ENOBARBUS
Das denk ich auch. Aber ihr sollt sehen, das Band, das ihre Freundschaft zu verknüpfen scheint, erwürgt ihre Verbrüderung. Octavia ist von kaltem, stillen Temperament.
MENAS
Wer wünschte sein Weib nicht so?
ENOBARBUS
Der nicht, der selbst nicht so ist: und das ist Mark Anton. Sein ägyptisches Mahl wird ihn zurückziehen: dann werden Octavias Seufzer Cäsars Feuer anfachen, und wie ich vorhin sagte: was die Befestigung ihres Bundes scheint, wird die unmittelbare Veranlassung ihrer Entzweiung werden. Antonius wird seine Liebe zeigen, wo sie ist; hier hat er nur seinen Vorteil geheiratet.
(II, 6)
Mit ihm ins Feld
Als es schließlich zum Krieg zwischen Antonius und Kleopatra auf der einen und Octavius Cäsar auf der anderen Seite kommt, besteht Kleopatra darauf, mit ihrem Geliebten zusammen ins Feld zu ziehen. Antonius’ Liebe macht ihn fatalerweise taub für den Rat seiner Krieger: Sie empfehlen ihm, Kleopatra nicht an der Schlacht teilhaben zu lassen und auch nicht ihretwegen eine Schlacht auf dem Meer einem Kampf an Land vorzuziehen.
KLEOPATRA
Du widersprachst, daß ich zum Kriege folgte,
Und sagst, es zieme nicht.
ENOBARBUS
Nun ziemt es denn?
KLEOPATRA
Warum, rechtfert’ge dich, warum nicht zög ich
Mit ihm ins Feld?
ENOBARBUS, beiseite
Ei nun, ich könnt’ erwidern,
Wenn wir mit Stut’ und Hengst dem Feind begegnen,
Sei’s um den Hengst geschehn, die Stute trüge
Den Reiter und sein Roß.
KLEOPATRA
Was sagst du da?
ENOBARBUS
Euer Beisein muß durchaus Anton verwirren,
Und ihm an Herz und Hirn und Zeit entwenden,
Was dann höchst unentbehrlich. Zeiht man doch
Ihn schon des Leichtsinns, und erzählt in Rom,
Photinus, der Eunuch, und eure Weiber
Regierten diesen Krieg.
KLEOPATRA
Fluch Rom! Verdorren
Die Zungen dieser Lästrer! Unser ist
Der Krieg, und als der Vorstand meines Reichs
Streit ich in ihm als Mann. Sprich nicht dagegen,
Ich bleibe nicht zurück.
(III, 7)
Bin ich nicht eure Rosalinde?
In Wie es euch gefällt werden sowohl Rosalinde als auch Orlando verbannt und flüchten in den Wald von Arden. Beide sind ineinander verliebt, doch Rosalinde ist als Mann verkleidet, sodass Orlando nicht weiß, dass sie seine Geliebte ist. Er hält sie für einen Schäfer. Orlando hängt Verse über seine Liebe zu Rosalinde an die Bäume im Wald. In ihrer Rolle als befreundeter Schäfer gibt Rosalinde vor, Orlando von seiner Sehnsucht nach der abwesenden Geliebten heilen zu wollen, indem sie Rosalinde für ihn spielt. Dabei will sie sich so unmöglich und launisch benehmen, dass sie Orlando alle Frauen für immer verleidet. Orlando will ihr dagegen beweisen, dass sich seine Liebe nicht austreiben lässt.
ROSALINDE
Bin ich nicht eure Rosalinde?
ORLANDO
Es macht mir Freude, euch so zu nennen, weil ich gern von ihr sprechen mag.
ROSALINDE
Gut, und in ihrer Person sage ich: ich will euch nicht.
ORLANDO
So sterbe ich in meiner eig’nen Person.
ROSALINDE
Mitnichten, verrichtet es durch einen Anwalt. Die arme Welt ist fast sechstausend Jahr alt, und die ganze Zeit über ist noch kein Mensch in eigener Person gestorben, nämlich in Liebessachen. Dem Troilus wurde das Gehirn von einer griechischen Keule zerschmettert; doch tat er, was er konnte, um vorher noch zu sterben, und er ist eins von den Mustern der Liebe. Leander, der hätte noch manches schöne Jahr gelebt, wäre Hero gleich Nonne geworden, wenn eine heiße Sommernacht es nicht getan hätte: denn der arme Junge, er ging nur hin, um sich im Hellespont zu baden, bekam den Krampf und ertrank, und die albernen Chronikenschreiber seiner Zeit befanden, es sei Heros Sestos. Doch das sind lauter Lügen: die Menschen sind von Zeit zu Zeit gestorben, und die Würmer haben sie verzehrt; aber nicht aus Liebe.
ORLANDO
Ich möchte meine rechte Rosalinde nicht so gesinnt wissen, denn ich beteure, ihr Stirnrunzeln könnte mich töten.
ROSALINDE
Bei dieser Hand! Es tötet keine Fliege. Aber kommt, nun will ich eure Rosalinde in einer gutwilligeren Stimmung sein, und bittet von mir, was ihr wollt, ich will es zugestehen.
ORLANDO
So liebe mich, Rosalinde.
ROSALINDE
Ja, das will ich, Freitags, Sonnabends, und so weiter.
ORLANDO
Und willst du mich haben?
ROSALINDE
Ja, und zwanzig solcher.
ORLANDO
Was sagst du?
ROSALINDE
Seid ihr nicht gut?
ORLANDO
Ich hoff es.
ROSALINDE
Nun denn, kann man des Guten zu viel haben? [...] Nun sagt mir, wie lange wollt ihr sie haben, nachdem ihr ihren Besitz erlangt?
ORLANDO
Immerdar und einen Tag.
ROSALINDE
Sagt einen Tag und laßt immerdar weg. Nein, nein, Orlando! Männer sind Mai, wenn sie freien, und Dezember in der Ehe. Mädchen sind Frühling, solange sie Mädchen sind, aber der Himmel verändert sich, wenn sie Frauen werden. Ich will eifersüchtiger auf dich sein, als ein Turteltauber auf sein Weibchen, schreiichter als ein Papagei, wenn es regnen will, grillenhafter, als ein Affe, und ausgelassener in Gelüsten als eine Meerkatze. Ich will um nichts weinen, wie Diana am Springbrunnen, und das will ich tun, wenn du zur Lustigkeit gestimmt bist; ich will lachen wie eine Hyäne, und zwar wenn du zu schlafen wünschest.
ORLANDO
Aber wird meine Rosalinde das tun?
ROSALINDE
Bei meinem Leben, sie wird es machen wie ich.
ORLANDO
O, sie ist aber klug.
ROSALINDE
Sonst hätte sie nicht den Witz dazu. Je klüger, desto verkehrter. Versperrt dem Witz eines Weibes die Türen, so muß er zum Fenster hinaus; macht das zu, so fährt er aus dem Schlüsselloch; verstopft das, so fliegt er mit dem Rauch aus dem Schornstein.
ORLANDO
Ein Mann, der eine Frau mit so viel Witz hätte, könnte fragen: »Witz, wohin willst du?«
ROSALINDE
Nein, den Einspruch könnt ihr versparen, bis ihr den Witz eurer Frau auf dem Wege zu eures Nachbars Bett anträft.
ORLANDO
Welcher Witz hätte Witz genug, das zu entschuldigen?
ROSALINDE
Nun etwa: sie ginge hin, euch dort zu suchen. Ihr werdet sie nie ohne Antwort ertappen, ihr müßtet sie denn ohne Zunge antreffen. O, die Frau, die ihre Fehler nicht ihrem Manne zur Last legen kann, die laßt nie ihr Kind säugen; sie würde es albern groß ziehen.
(IV, 1)
Die schon dem Bruder so viel Liebe zahlt
Orsino, Herzog von Illyrien aus Was ihr wollt, ist in Olivia verliebt, doch sie hat geschworen, ein Jahr lang um ihren verstorbenen Bruder zu trauern und alle Freier abzuweisen. Orsino tröstet sich in seiner Sehnsucht mit Musik.
ORSINO
Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist,
Spielt weiter! Gebt mir bis zum Exzeß davon, daß so
Die übersatte Lust erkrank’ und sterbe.
Die Weise noch einmal! Sie starb so hin;
O sie beschlich mein Ohr, dem Westwind gleich,
Der auf ein Veilchenbette lieblich haucht,
Und Düfte stiehlt und gibt. Genug! Nicht mehr!
Es ist mir nun so süß nicht wie vorher.
O Geist der Lieb’, wie bist du reg und frisch!
Nimmt schon beim Umfang alles in sich auf.
Gleich wie die See, nichts kommt in ihn hinein,
Wie stark, wie überschwänglich es auch sei,
Das nicht herabgesetzt im Preise fiele
In einem Wink! So voll von Phantasien
Ist Liebe, daß nur sie phantastisch ist. [...]
Valentin, ein Kavalier des Herzogs, kommt.
Nun wohl, was sagt sie?
VALENTIN
Verzeiht, mein Fürst, ich ward nicht vorgelassen.
Ihr Mädchen gab mir dies zur Antwort nur:
Der Himmel selbst, bis sieben Jahr verglüht,
Soll ihr Gesicht nicht ohne Hülle schau’n;
Sie will wie eine Nonn’ im Schleier gehn,
Und einmal tags ihr Zimmer rings benetzen
Mit augenschmerzendem gesalznem Maß:
All dies, um eines Bruders tote Liebe
Zu balsamieren, die sie frisch und dauernd
In traurigem Gedächtnis halten will.
ORSINO
O sie mit diesem zartgeformten Herzen,
Die schon dem Bruder so viel Liebe zahlt,
Wie wird sie lieben, wenn der goldne Pfeil
Die ganze Schar von Neigungen erlegt,
So in ihr lebt! Wenn jene hohen Throne,
Ihr Haupt und Herz, die holden Trefflichkeiten,
Erfüllt sind und bewohnt von einem Herrn!
Eilt mir voran auf zarten Blumenmatten!
Liebe träumt süß, wenn Lauben sie beschatten.
(I, 1)
Denkt euch ein Mädchen
Viola wird nach einem Schiffbruch an die Küste Illyriens gespült. Um in dem unbekannten Land nicht so wehrlos zu sein, verkleidet sie sich als Mann und tritt als Page unter dem Namen Cesario in Orsinos Dienste. Sie soll für ihn um Olivia werben, verliebt sich jedoch selbst in Orsino.
ORSINO
Komm näher, Junge. Wenn du jemals liebst,
Gedenke meiner in den süßen Qualen;
Denn so wie ich sind alle Liebenden,
Unstet und launenhaft in jeder Regung,
Das stete Bild des Wesens ausgenommen,
Das ganz geliebt wird. [...]
Mein Leben wett’ ich drauf, jung wie du bist,
Hat schon dein Aug’ um werte Gunst gebuhlt.
Nicht, Kleiner?
VIOLA
Ja, mit eurer Gunst, ein wenig.
ORSINO
Was für ein Mädchen ist’s?
VIOLA
Von eurer Farbe.
ORSINO
So ist sie nicht dein wert. Von welchem Alter?
VIOLA
Von eurem etwa, gnäd’ger Herr.
ORSINO
Zu alt, beim Himmel! Wähle doch das Weib
Sich einen Ält’ren stets! So fügt sie sich ihm an,
So herrscht sie dauernd in des Gatten Brust.
Denn, Knabe, wie wir uns auch preisen mögen,
Sind unsre Neigungen doch wankelmüt’ger,
Unsichrer, schwanker, leichter her und hin,
Als die der Frau’n.
VIOLA
Ich glaub’ es, gnäd’ger Herr.
ORSINO
So wähl dir eine jüngere Geliebte,
Sonst hält unmöglich deine Liebe Stand.
Denn Mädchen sind wie Rosen, kaum entfaltet,
Ist ihre holde Blüte schon veraltet.
VIOLA
So sind sie auch. Ach! Muß ihr Los so sein,
Zu sterben, grad im herrlichsten Gedeih’n? [...]
Denkt euch ein Mädchen, wie’s vielleicht eins gibt,
Fühl’ eben solche Herzenspein um euch,
Als um Olivien ihr; ihr liebt sie nicht,
Ihr sagt’s ihr; muß sie nicht die Antwort nehmen?
ORSINO
Nein, keines Weibes Brust
Erträgt der Liebe Andrang, wie sie klopft
In meinem Herzen; keines Weibes Herz
Umfaßt soviel; sie können nicht beharren.
Ach, deren Liebe kann Gelüst nur heißen,
Nicht Regung ihres Herzens, nur des Gaums,
Die Sattheit, Ekel, Überdruß erleiden.
Doch meine ist so hungrig wie die See,
Und kann gleich viel verdau’n. Vergleiche nimmer
Die Liebe, so ein Weib zu mir kann hegen,
Mit meiner zu Olivien.
VIOLA
Ja, doch ich weiß –
ORSINO
Was weißt du?
VIOLA
Zu gut nur, was ein Weib für Liebe hegen kann.
Fürwahr, sie sind so treuen Sinns wie wir.
Mein Vater hatt’ ’ne Tochter, welche liebte,
Wie ich vielleicht, wär’ ich ein Weib, mein Fürst,
Euch lieben würde.
ORSINO
Was war ihr Lebenslauf?
VIOLA
Ein leeres Blatt,
Mein Fürst. Sie sagte ihre Liebe nie,
Und ließ Verheimlichung, wie in der Knospe
Den Wurm, an ihrer Purpurwange nagen.
Sich härmend, und in bleicher, welker Schwermut,
Saß sie wie die Geduld auf einer Gruft,
Dem Grame lächelnd. Sagt, war das nicht Liebe?
Wir Männer mögen leicht mehr sprechen, schwören,
Doch der Verheißung steht der Wille nach.
Wir sind in Schwüren stark, doch in der Liebe schwach.
(II, 4)