Kitabı oku: «Hauptwerke: Der Kaufmann von Venedig, Der Widerspenstigen Zähmung, Die Komödie der Irrungen, Ein Sommernachtstraum, V...», sayfa 6
Weil Ihr ihn weggabt. Gut, gehabt Euch wohl!
Porzia und Nerissa ab.
ANTONIO.
Laßt ihn den Ring doch haben, Don Bassanio:
Laßt sein Verdienst zugleich mit meiner Liebe
Euch gelten gegen Eurer Frau Gebot.
BASSANIO.
Geh, Graziano, lauf' und hol' ihn ein,
Gib ihm den Ring, und bring' ihn, wenn du kannst,
Zu des Antonio Haus. Fort! Eile dich!
Graziano ab.
Kommt, Ihr und ich, wir wollen gleich dahin,
Und früh am Morgen wollen wir dann beide
Nach Belmont fliegen. Kommt, Antonio!
Ab.
Zweite Szene
Eine Straße.
Porzia und Nerissa kommen.
PORZIA.
Erfrag' des Juden Haus, gib ihm die Akte,
Und laß ihn zeichnen. Wir wollen fort zu Nacht
Und einen Tag vor unsern Männern noch
Zu Hause sein. Die Akte wird Lorenzo'n
Gar sehr willkommen sein.
Graziano kommt.
GRAZIANO.
Schön, daß ich Euch noch treffe, werter Herr:
Hier schickt Euch Don Bassanio, da er besser
Es überlegt, den Ring, und bittet Euch,
Mittags bei ihm zu speisen.
PORZIA.
Das kann nicht sein;
Den Ring nehm' ich mit allem Danke an,
Und bitt' Euch, sagt ihm das; seid auch so gut,
Den jungen Mann nach Shylocks Haus zu weisen.
GRAZIANO.
Das will ich tun.
NERISSA zur Porzia.
Herr, noch ein Wort mit Euch!
Heimlich.
Ich will doch sehn, von meinem Mann den Ring
Zu kriegen, den ich immer zu bewahren
Ihn schwören ließ.
PORZIA.
Ich steh' dafür, du kannst es.
Da wird's an hoch und teuer Schwören gehn,
Daß sie die Ring' an Männer weggegeben:
Wir leugnen's keck und überschwören sie.
Fort! Eile dich! Du weißt ja, wo ich warte.
NERISSA.
Kommt, lieber Herr! Wollt Ihr sein Haus mir zeigen?
Ab.
Fünfter Aufzug
Erste Szene
Belmont. Freier Platz vor Porzias Hause.
Lorenzo und Jessica treten auf.
LORENZO.
Der Mond scheint hell: in solcher Nacht wie diese,
Dalinde Luft die Bäume schmeichelnd küßte
Und sie nicht rauschen ließ, in solcher Nacht
Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas
Und seufzte seine Seele zu den Zelten
Der Griechen hin, wo seine Cressida
Die Nacht im Schlummer lag.
JESSICA.
In solcher Nacht
Schlüpft' überm Taue Thisbe furchtsam hin,
Und sah des Löwen Schatten eh' als ihn,
Und lief erschrocken weg.
LORENZO.
In solcher Nacht
Stand Dido, eine Weid' in ihrer Hand,
Am wilden Strand und winkte ihrem Liebsten
Zur Rückkehr nach Karthago.
JESSICA.
In solcher Nacht
Las einst Medea jene Zauberkräuter,
Den Äson zu verjüngen.
LORENZO.
In solcher Nacht
Stahl Jessica sich von dem reichen Juden,
Und lief mit einem ausgelaßnen Liebsten
Bis Belmont von Venedig.
JESSICA.
In solcher Nacht
Schwor ihr Lorenzo, jung und zärtlich, Liebe
Und stahl ihr Herz mit manchem Treugelübd',
Wovon nicht eines echt war.
LORENZO.
In solcher Nacht
Verleumdete die art'ge Jessica,
Wie eine kleine Schelmin, ihren Liebsten,
Und er vergab es ihr.
JESSICA.
Ich wollt' Euch übernachten, käme niemand:
Doch horcht, ich hör' den Fußtritt eines Manns.
Ein Bedienter kommt.
LORENZO.
Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?
BEDIENTER.
Ein Freund.
LORENZO.
Ein Freund? Was für ein Freund? Eu'r Name, Freund!
BEDIENTER.
Mein Nam' ist Stephano, und ich soll melden,
Daß meine gnäd'ge Frau vor Tages Anbruch
Wird hier in Belmont sein; sie streift umher
Bei heil'gen Kreuzen, wo sie kniet und betet
Um frohen Ehestand.
LORENZO.
Wer kommt mit ihr?
BEDIENTER.
Ein heil'ger Klausner und ihr Mädchen bloß.
Doch sagt mir, ist mein Herr noch nicht zurück?
LORENZO.
Nein, und wir haben nichts von ihm gehört.
Doch, liebe Jessica, gehn wir hinein:
Laßt uns auf einen feierlichen Willkomm
Für die Gebieterin des Hauses denken!
Lanzelot kommt.
LANZELOT. Holla, holla! He! Heda! Holla! Holla!
LORENZO. Wer ruft?
LANZELOT. Holla! Habt Ihr Herrn Lorenzo und Frau Lorenzo gesehn? Holla! holla!
LORENZO. Laß dein Hollarufen, Kerl! Hier!
LANZELOT. Holla! Wo? Wo?
LORENZO. Hier!
LANZELOT. Sagt ihm, daß ein Postillon von meinem Herrn gekommen ist, der sein Horn voll guter Neuigkeiten hat: mein Herr wird vor morgens hier sein. Lanzelot ab.
LORENZO.
Komm, süßes Herz, erwarten wir sie drinnen!
Und doch, es macht nichts aus: wozu hineingehn?
Freund Stephano, ich bitt' Euch, meldet gleich
Im Haus die Ankunft Eurer gnäd'gen Frau,
Und bringt die Musikanten her ins Freie!
Stephano ab.
Wie süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft!
Hier sitzen wir und lassen die Musik
Zum Ohre schlüpfen; sanfte Still' und Nacht,
Sie werden Tasten süßer Harmonie.
Komm, Jessica! Sieh, wie die Himmelsflur
Ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes!
Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst,
Der nicht im Schwunge wie ein Engel singt,
Zum Chor der hellgeaugten Cherubim.
So voller Harmonie sind ew'ge Geister:
Nur wir, weil dies hinfäll'ge Kleid von Staub
Ihn grob umhüllt, wir können sie nicht hören.
Musikanten kommen.
He! kommt und weckt Dianen auf mit Hymnen,
Rührt eurer Herrin Ohr mit zartem Spiel,
Zieht mit Musik sie heim!
Musik.
JESSICA.
Nie macht die liebliche Musik mich lustig.
LORENZO.
Der Grund ist, Eure Geister sind gespannt.
Bemerkt nur eine wilde flücht'ge Herde,
Der ungezähmten jungen Füllen Schar;
Sie machen Sprünge, blöken, wiehern laut,
Wie ihres Blutes heiße Art sie treibt:
Doch schallt nur die Trompete, oder trifft
Sonst eine Weise der Musik ihr Ohr,
So seht Ihr, wie sie mit einander stehn,
Ihr wildes Auge schaut mit Sittsamkeit,
Durch süße Macht der Töne. Drum lehrt der Dichter,
Gelenkt hab' Orpheus Bäume, Felsen, Fluten,
Weil nichts so stöckisch, hart und voll von Wut,
Das nicht Musik auf eine Zeit verwandelt.
Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst,
Den nicht die Eintracht süßer Töne rührt,
Taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken;
Die Regung seines Sinns ist dumpf wie Nacht,
Sein Trachten düster wie der Erebus.
Trau' keinem solchen! – Horch auf die Musik!
Porzia und Nerissa in der Entfernung.
PORZIA.
Das Licht, das wir da sehen, brennt im Saal:
Wie weit die kleine Kerze Schimmer wirft!
So scheint die gute Tat in arger Welt.
NERISSA.
Da der Mond schien, sahn wir die Kerze nicht.
PORZIA.
So löscht der größre Glanz den kleinern aus.
Ein Stellvertreter strahlet wie ein König,
Bis ihm ein König naht; und dann ergießt
Sein Prunk sich, wie vom innern Land ein Bach
Ins große Bett der Wasser. Horch, Musik!
NERISSA.
Es sind die Musikanten Eures Hauses.
PORZIA.
Ich sehe, nichts ist ohne Rücksicht gut:
Mich dünkt, sie klingt viel schöner als bei Tag.
NERISSA.
Die Stille gibt den Reiz ihr, gnäd'ge Frau.
PORZIA.
Die Krähe singt so lieblich wie die Lerche,
Wenn man auf keine lauschet; und mir deucht,
Die Nachtigall, wenn sie bei Tage sänge,
Wo alle Gänse schnattern, hielt' man sie
Für keinen bessern Spielmann als den Spatz.
Wie manches wird durch seine Zeit gezeitigt
Zu echtem Preis und zur Vollkommenheit! –
Still! Luna schläft ja beim Endymion,
Und will nicht aufgeweckt sein.
Die Musik hört auf.
LORENZO.
Wenn nicht alles
Mich trügt, ist das die Stimme Porzias.
PORZIA.
Er kennt mich, wie der blinde Mann den Kuckuck,
An meiner schlechten Stimme.
LORENZO.
Gnäd'ge Frau, willkommen!
PORZIA.
Wir beteten für unsrer Männer Wohlfahrt,
Und hoffen, unsre Worte fördern sie.
Sind sie zurück?
LORENZO.
Bis jetzt nicht, gnäd'ge Frau,
Allein ein Bote ist vorausgekommen,
Sie anzumelden.
PORZIA.
Geh hinein, Nerissa,
Sag meinen Leuten, daß sie gar nicht tun,
Als wären wir vom Haus entfernt gewesen; –
Auch Ihr, Lorenzo: Jessica, auch Ihr!
Trompetenstoß.
LORENZO.
Da kommt schon Eu'r Gemahl, ich höre blasen:
Wir sind nicht Plaudertaschen, fürchtet nichts!
PORZIA.
Mich dünkt, die Nacht ist nur ein krankes Tagslicht,
Sie sieht ein wenig bleicher; 's ist ein Tag,
Wie's Tag ist, wenn die Sonne sich verbirgt.
Bassanio, Antonio, Graziano treten auf mit ihrem Gefolge.
BASSANIO.
Wir hielten mit den Antipoden Tag,
Erschient Ihr, während sich die Sonn' entfernt.
PORZIA.
(Gern möcht' ich leuchten, doch nicht leicht erscheinen:)
Wenn mein Betragen nur das Licht nicht scheut,
So mag mein Fußtritt wohl im Dunkeln wandeln.
Ihr seid zu Haus willkommen, mein Gemahl.
BASSANIO.
Ich dank' Euch; heißt willkommen meinen Freund!
Dies ist der Mann, dies ist Antonio,
Dem ich so grenzenlos verpflichtet bin.
PORZIA.
Ihr müßt in allem ihm verpflichtet sein,
Ich hör', er hat sich sehr für Euch verpflichtet.
ANTONIO.
Zu mehr nicht, als ich glücklich bin gelöst.
PORZIA.
Herr, Ihr seid unserm Hause sehr willkommen:
Es muß sich anders zeigen als in Reden,
Drum kürz' ich diese Wortbegrüßung ab.
Graziano und Nerissa haben sich unterdessen besonders unterredet.
GRAZIANO.
Ich schwör's bei jenem Mond, Ihr tut mir Unrecht:
Fürwahr, ich gab ihn an des Richters Schreiber.
Wär' er verschnitten, dem ich ihn geschenkt,
Weil Ihr Euch, Liebste, so darüber kränkt!
PORZIA.
Wie? schon ein Zank? Worüber kam es her?
GRAZIANO.
Um einen Goldreif, einen dürft'gen Ring,
Den sie mir gab; der Denkspruch war daran
An alle Welt, wie Vers' auf einer Klinge
Vom Messerschmied: »Liebt mich und laßt mich nicht!«
NERISSA.
Was redet Ihr vom Denkspruch und dem Wert?
Ihr schwurt mir, da ich ihn Euch gab, Ihr wolltet
Ihn tragen bis zu Eurer Todesstunde,
Er sollte selbst im Sarge mit Euch ruhn.
Ihr mußtet ihn, um Eurer Eide willen,
Wo nicht um mich, verehren und bewahren.
Des Richters Schreiber! – Oh, ich weiß, der Schreiber,
Der ihn bekam, trägt niemals Haar am Kinn.
GRAZIANO.
Doch, wenn er lebt, bis er zum Mann erwächst.
NERISSA.
Ja, wenn ein Weib zum Manne je erwächst.
GRAZIANO.
Auf Ehr', ich gab ihn einem jungen Menschen,
'ner Art von Buben, einem kleinen Knirps,
Nicht höher als du selbst, des Richters Schreiber.
Der Plauderbub' erbat den Ring zum Lohn:
Ich konnt' ihm das um alles nicht versagen.
PORZIA.
Ihr wart zu tadeln, offen sag' ich's Euch,
Euch von der ersten Gabe Eurer Frau
So unbedacht zu trennen; einer Sache,
Mit Eiden angesteckt an Euren Finger
Und so mit Treu' an Euren Leib geschmiedet.
Ich schenkte meinem Liebsten einen Ring,
Und hieß ihn schwören, nie ihn wegzugeben;
Hier steht er, und ich darf für ihn beteuern,
Er ließ' ihn nicht, er riss' ihn nicht vom Finger
Für alle Schätze, so die Welt besitzt.
Ihr gabt fürwahr, Graziano, Eurer Frau
Zu lieblos eine Ursach' zum Verdruß;
Geschäh' es mir, es machte mich verrückt.
BASSANIO beiseit.
Ich möchte mir die linke Hand nur abhaun,
Und schwören, ich verlor den Ring im Kampf.
GRAZIANO.
Bassanio schenkte seinen Ring dem Richter,
Der darum bat, und in der Tat ihn auch
Verdiente; dann erbat der Bursch, sein Schreiber,
Der Müh' vom Schreiben hatte, meinen sich,
Und weder Herr noch Diener wollten was
Als die zwei Ringe nehmen.
PORZIA.
Welch einen Ring gabt Ihr ihm, mein Gemahl?
Nicht den, hoff' ich, den Ihr von mir empfingt.
BASSANIO.
Könnt' ich zum Fehler eine Lüge fügen,
So würd' ich's leugnen: doch Ihr seht, mein Finger
Hat nicht den Ring mehr an sich, er ist fort.
PORZIA.
Gleich leer an Treu' ist Euer falsches Herz.
Beim Himmel, nie komm' ich in Euer Bett,
Bis ich den Ring gesehn.
NERISSA.
Noch ich in Eures,
Bis ich erst meinen sehe.
BASSANIO.
Holde Porzia!
Wär' Euch bewußt, wem ich ihn gab, den Ring,
Wär' Euch bewußt, für wen ich gab den Ring,
Und säht Ihr ein, wofür ich gab den Ring,
(Und wie unwillig ich mich schied vom Ring,)
Da nichts genommen wurde als der Ring,
Ihr würdet Eures Unmuts Härte mildern.
PORZIA.
Und hättet Ihr gekannt die Kraft des Rings,
Halb deren Wert nur, die Euch gab den Ring,
Und Eure Ehre, hangend an dem Ring,
Ihr hättet so nicht weggeschenkt den Ring.
Wo wär' ein Mann so unvernünftig wohl,
Hätt' es Euch nur beliebt, mit ein'ger Wärme
Ihn zu verteid'gen, daß er ohne Scheu
Ein Ding begehrte, das man heilig hält?
Nerissa lehrt mir, was ich glauben soll:
Ich sterbe drauf, ein Weib bekam den Ring.
BASSANIO.
Bei meiner Ehre, nein! bei meiner Seele,
Kein Weib bekam ihn, sondern einem Doktor
Der Rechte gab ich ihn, der mir dreitausend
Dukaten ausschlug und den Ring erbat,
Ich weigert's ihm, ließ ihn verdrießlich gehn,
Den Mann, der meines teuern Freundes Leben
Aufrecht erhielt. Was soll ich sagen, Holde?
Ich war genötigt, ihn ihm nachzuschicken,
Gefälligkeit und Scham bedrängten mich,
Und meine Ehre litt nicht, daß sie Undank
So sehr befleckte. Drum verzeiht mir, Beste:
Denn, glaubt mir, bei den heil'gen Lichtern dort,
Ihr hättet, wär't Ihr da gewesen, selbst
Den Ring erbeten für den würd'gen Doktor.
PORZIA.
Daß nur der Doktor nie mein Haus betritt!
Denn weil er das Juwel hat, das ich liebte,
Das Ihr mein'twillen zu bewahren schwurt,
So will ich auch freigebig sein wie Ihr:
Ich will ihm nichts versagen, was ich habe,
Nicht meinen Leib, noch meines Gatten Bett;
Denn kennen will ich ihn, das weiß ich sicher.
Schlaft keine Nacht vom Haus! Wacht wie ein Argus!
Wenn Ihr's nicht tut, wenn Ihr allein mich laßt:
Bei meiner Ehre, die mein eigen noch!
Den Doktor nehm' ich mir zum Bettgenossen.
NERISSA.
Und ich den Schreiber: darum seht Euch vor,
Wie Ihr mich laßt in meiner eignen Hut!
GRAZIANO.
Gut! tut das nur, doch laßt ihn nicht ertappen,
Ich möchte sonst des Schreibers Federkappen.
ANTONIO.
Ich bin der Unglücksgrund von diesem Zwist.
PORZIA.
Es kränk' Euch nicht; willkommen seid Ihr dennoch.
BASSANIO.
Vergebt mir, Porzia, mein gezwungnes Unrecht,
Und vor den Ohren aller dieser Freunde
Schwör' ich dir, ja, bei deinen holden Augen,
Worin ich selbst mich sehe –
PORZIA.
Gebt doch acht!
In meinen Augen sieht er selbst sich doppelt,
In jedem Aug' einmal, – beruft Euch nur
Auf Euer doppelt Selbst, das ist ein Eid,
Der Glauben einflößt.
BASSANIO.
Hört mich doch nur an!
Verzeiht dies, und bei meiner Seele schwör' ich,
Ich breche nie dir wieder einen Eid.
ANTONIO.
Ich lieh einst meinen Leib hin für sein Gut;
Ohn' ihn, der Eures Gatten Ring bekam,
War er dahin; ich darf mich noch verpflichten,
Zum Pfande meine Seele, Eu'r Gemahl
Wird nie mit Vorsatz mehr die Treue brechen.
PORZIA.
So seid denn Ihr sein Bürge: gebt ihm den,
Und heißt ihn besser hüten als den andern!
ANTONIO.
Hier, Don Bassanio: schwört, den Ring zu hüten!
BASSANIO.
Beim Himmel! eben den gab ich dem Doktor.
PORZIA.
Ich hab' ihn auch von ihm: verzeiht, Bassanio,
Für diesen Ring gewann der Doktor mich.
NERISSA.
Und Ihr, verzeiht, mein artiger Graziano:
Denn jener kleine Bursch, des Doktors Schreiber,
War, um den Preis hier, letzte Nacht bei mir.
GRAZIANO.
Nun, das sieht aus wie Wegebesserung
Im Sommer, wenn die Straßen gut genug.
Was? sind wir Hahnrei', eh' wir's noch verdient?
PORZIA.
Sprecht nicht so gröblich! – Ihr seid all' erstaunt;
Hier ist ein Brief, lest ihn bei Muße durch,
Er kommt von Padua, vom Bellario:
Da könnt Ihr finden, Porzia war der Doktor,
Nerissa dort ihr Schreiber; hier Lorenzo
Kann zeugen, daß ich gleich nach euch gereist,
Und eben erst zurück bin: ich betrat
Mein Haus noch nicht. – Antonio, seid willkommen:
Ich habe beßre Zeitung noch im Vorrat,
Als Ihr erwartet. Diesen Brief erbrecht;
Ihr werdet sehn, drei Eurer Galeonen
Sind reich beladen plötzlich eingelaufen;
Ich sag' Euch nicht, was für ein eigner Zufall
Den Brief mir zugespielt hat.
ANTONIO.
Ich verstumme.
BASSANIO.
Wart Ihr der Doktor, und ich kannt' Euch nicht?
GRAZIANO.
Wart Ihr der Schreiber, der mich krönen soll?
NERISSA.
Ja, doch der Schreiber, der es niemals tun will,
Wenn er nicht lebt, bis er zum Mann erwächst.
BASSANIO.
Ihr müßt mein Bettgenoß sein, schönster Doktor:
Wenn ich nicht da bin, liegt bei meiner Frau!
ANTONIO.
Ihr gabt mir Leben, Teure, und zu leben:
Hier les' ich für gewiß, daß meine Schiffe
Im Hafen sicher sind.
PORZIA.
Wie steht's, Lorenzo?
Mein Schreiber hat auch guten Trost für Euch.
NERISSA.
Ja, und er soll ihn ohne Sporteln haben.
Hier übergeb' ich Euch und Jessica
Vom reichen Juden eine Schenkungsakte
Auf seinen Tod, von allem, was er nachläßt.
LORENZO.
Ihr schönen Frau'n streut Manna Hungrigen
In ihren Weg.
PORZIA.
Es ist beinahe Morgen,
Und doch, ich weiß gewiß, seht ihr noch nicht
Den Hergang völlig ein. – Laßt uns hineingehn,
Und da vernehmt auf Fragartikel uns,
Wir wollen euch auf alles wahrhaft dienen.
GRAZIANO.
Ja, tun wir das; der erste Fragartikel,
Worauf Nerissa schwören muß, ist der:
Ob sie bis morgen lieber warten mag,
Ob schlafen gehn, zwei Stunden nur vor Tag?
Doch käm' der Tag, ich wünscht' ihn seiner Wege,
Damit ich bei des Doktors Schreiber läge.
Gut! lebenslang hüt' ich kein ander Ding
Mit solchen Ängsten als Nerissas Ring.
Alle ab.
Der Widerspenstigen Zähmung
Einleitung
Schlau und die Wirtin treten auf.
SCHLAU. Ich will Euch zwiebeln, mein' Seel'!
WIRTIN. Fußschellen für dich, du Lump!
SCHLAU. Du Weibsstück! Die Schlaus sind keine Lumpen! Sieh in den Chroniken nach, wir kamen mit Richard dem Eroberer herüber! also paucas palabris: laßt der Welt ihr Recht: Sessa! –
WIRTIN. Ihr wollt mir die Gläser nicht bezahlen, die Ihr zerbrochen habt?
SCHLAU. Nein, keinen Heller: still, still, sagt Jeronimo: geh in dein kaltes Bett und wärme dich!
WIRTIN. Ich weiß schon, was ich zu tun habe: ich muß gehn und den Viertelsmeister holen. – Ab.
SCHLAU. Den Viertels-, Fünftels-, Sechstels- oder Achtelsmeister: ich werde ihm nach dem Gesetz antworten. Ich weiche keinen Zoll breit, Junge; laßt ihn kommen und in der Güte. Schläft ein.
Ein Lord, der mit seinem Gefolge von der Jagd zurückkehrt, tritt auf.
LORD.
Jäger, ich sag' dir's, pfleg' die Meute gut! –
Der Spürhund Lustig hat sich überlaufen;
Und kupple Greif mit der tiefstimm'gen Bracke!
Sahst du nicht, Bursch, wie brav der Silber aufnahm
Am Rand des Zauns, so kalt die Fährte war?
Den Hund möcht' ich für zwanzig Pfund nicht missen.
ERSTER JÄGER.
Nun, Baumann ist so gut wie der, Mylord,
Er ließ nicht ab, verlor er gleich die Spur,
Und zweimal fand er heut die schwächste Witt'rung: –
Glaubt mir's, das ist der allerbeste Hund!
LORD.
Du bist ein Narr; wär' Echo nur so flink,
Ich schätzt' ihn höher als ein Dutzend solcher.
Nun füttre diese gut, und sieh nach allen;
Ich reite morgen wieder auf die Jagd.
ERSTER JÄGER.
Ganz wohl, Mylord.
LORD.
Was gibt's da?
Ein Toter oder Trunkner? Atmet er?
ZWEITER JÄGER.
Er atmet, gnäd'ger Herr: ihn wärmt sein Bier,
Sonst wär's ein kaltes Bett, so fest zu schlafen.
LORD.
O scheußlich Tier! Da liegt er wie ein Schwein! –
Graunvoller Tod, wie ekel ist dein Abbild! –
Hört, mit dem Trunknen will ich was beginnen.
Was meint ihr, wenn man in ein Bett ihn legte,
In feinem Linnen, Ring' an seinen Fingern,
Ein recht erlesnes Mahl an seinem Lager,
Stattliche Diener um ihn beim Erwachen: –
Würde der Bettler nicht sein selbst vergessen?
ERSTER JÄGER.
Mein' Treu', Mylord, das, glaub' ich, kann nicht fehlen.
ZWEITER JÄGER.
Es wird ihn seltsam dünken, wenn er wacht.
LORD.
Ganz wie ein schmeichlerischer Traum, ein Blendwerk!
Drum hebt ihn auf, verfolgt den Scherz geschickt,
Tragt ihn behutsam in mein schönstes Zimmer,
Und hängt umher die lüsternen Gemälde;
Wärmt seinen strupp'gen Kopf mit duft'gem Wasser,
Mit Lorbeerholz durchwürzt des Saales Luft,
Haltet Musik bereit, so wie er wacht,
Daß Himmelston ihm Wonn' entgegenklinge:
Und spricht er etwa, eilt sogleich herzu,
Und mit demüt'ger tiefer Reverenz
Fragt: »Was befiehlt doch Eure Herrlichkeit?«
Das Silberbecken reich' ihm einer dar
Voll Rosenwasser und bestreut mit Blumen.
Gießkanne trage dieser, Handtuch jener,
Sagt: »Will Eu'r Gnaden sich die Hände kühlen?«
Ein andrer steh' mit reichem Kleide da
Und frag' ihn, welch ein Anzug ihm beliebt?
Noch einer sprech' ihm vor von Pferd und Hunden,
Und wie sein Unfall sein Gemahl bekümmre.
Macht ihm begreiflich, er sei längst verrückt,
Und sagt er euch, er sei ... so sprecht, ihm träume,
Er sei nichts anders, als ein mächt'ger Lord. –
Dies tut und macht's geschickt, ihr lieben Leute;
Es wird ein schön ausbünd'ger Zeitvertreib,
Wird er gehandhabt mit bescheidnem Maß.
ERSTER JÄGER.
Mylord, vertraut, wir spielen unsre Rolle;
Und unserm Eifer nach soll er es glauben,
Daß er nichts anders ist, als wir ihn nennen.
LORD.
Hebt ihn behutsam auf, bringt ihn zu Bett,
Und jeder an sein Amt, wenn er erwacht!
Einige tragen Schlau fort. Trompeten.
Geh, Bursch, und sieh, wen die Trompete meldet:
Vielleicht ein großer Herr, der auf der Reise
Sich diesen Ort ersehn, um hier zu rasten.
Sag an, wer ist's?
DIENER.
Mit Euer Gnaden Gunst,
Schauspieler sind's, die ihre Dienste bieten.
LORD.
Führ' sie herein!
Schauspieler treten auf.
Ihr seid willkommen, Leute.
ERSTER SCHAUSPIELER.
Wir danken Euer Gnaden.
LORD.
Gedenkt ihr diesen Abend hier zu bleiben?
ZWEITER SCHAUSPIELER.
Wenn Euer Gnaden unsern Dienst genehmigt.
LORD.
Von Herzen gern. Den Burschen kenn' ich noch,
Er spielte eines Pachters ältsten Sohn;
Da, wo so hübsch du um das Mädchen warbst:
Ich weiß nicht deinen Namen, doch die Rolle
War passend und natürlich dargestellt.
ERSTER SCHAUSPIELER.
War es nicht Soto, den Eu'r Gnaden meint?
LORD.
Der war es auch; du spieltest ihn vortrefflich.
Nun, zur gelegnen Stunde kommt ihr eben,
So mehr, da ich 'nen Spaß mir vorgesetzt,
Wo ihr mit euerm Witz mir helfen könnt.
Ein Lord hier wird euch heute spielen sehn:
Allein ich furcht', ihr kommt mir aus der Fassung:
Daß, fällt sein närrisch Wesen euch ins Auge
(Denn noch sah Mylord niemals ein Theater),
Ihr nicht ausbrecht in schallendes Gelächter,
Und so ihm Anstoß gebt: denn seid versichert,
Wenn ihr nur lächelt, kommt er außer sich.
ERSTER SCHAUSPIELER.
Sorgt nicht, Mylord, wir halten uns in Zaum,
Und wär' er auch die lächerlichste Fratze.
LORD.
Du geh mir, führ' sie in die Kellerei!
Da reiche jedem freundlichen Willkommen,
Und spare nichts, was nur mein Haus vermag!
Schauspieler ab.
– Du hol' Bartholomeo mir, den Pagen,
Und laß ihn kleiden ganz wie eine Dame:
Dann führ' ihn in des Trunkenbolds Gemach;
Und nenn' ihn gnäd'ge Frau, dien' ihm mit Ehrfurcht:
Sag ihm von mir, wenn meine Gunst ihm lieb,
Mög' er mit feinem Anstand sich betragen,
So wie er edle Frauen irgend nur
Mit ihren Eh'herrn sich benehmen sah:
So untertänig sei er diesem Säufer.
Mit sanfter Stimme, tief sich vor ihm neigend,
Sprech' er dann: »Was befiehlt mein teurer Herr,
Worin Eu'r Weib getreu und unterwürfig
Euch Pflicht erweis' und ihre Lieb' erzeige?« –
Hernach mit süßem Kuß und sanft umarmend,
Das Haupt an seine Brust ihm angelehnt,
Soll er im Übermaß der Freude weinen,
Daß sein Gemahl ihm wiederhergestellt,
Der zweimal sieben Jahr, sich selbst verkennend,
Für einen schmutz'gen Bettler sich gehalten. –
Versteht der Knabe nicht die Frauenkunst,
Schnell diesem Regenschauer zu gebieten,
Wird eine Zwiebel ihm behülflich sein,
Die heimlich eingewickelt in ein Tuch
Die Augen sicher unter Wasser setzt. –
Besorge dies, so schleunig du's vermagst:
Ich will sogleich dir mehr noch anvertraun.
Diener ab.
Ich weiß, der Knabe wird den feinen Anstand,
Gang, Stimm' und Wesen einer Dame borgen.
Ich freu' mich drauf, wenn er Gemahl ihn nennt,
Und wie mit Lachen alle werden kämpfen,
Wenn sie dem albern Bauer huld'gen müssen.
Ich geh', noch mehr zu raten; mein Erscheinen
Mag ihre allzu lust'ge Laune dämpfen,
Die sonst vielleicht ein Übermaß erreichte.
Ab mit seinem Gefolge.
Es treten auf Schlau mit mehreren Dienern. Einige tragen Kleider, Becken und Gießkanne und anderes Gerät. Der Lord unter ihnen.
SCHLAU.
Um Gottes willen, einen Krug Dünnbier!
ERSTER DIENER.
Befiehlt Eu'r Herrlichkeit 'nen Becher Sekt?
ZWEITER DIENER.
Befiehlt Eu'r Gnaden eingemachte Früchte?
DRITTER DIENER.
Welch einen Anzug wünscht Eu'r Gnaden heut?
SCHLAU. Ich bin Christoph Schlau, heißt mich nicht Herrlichkeit noch Gnaden. Ich habe mein Lebstage keinen Sekt getrunken, und wollt ihr mir Eingemachtes geben, so gebt mir eingemachtes Rindfleisch. Fragt mich nicht, welchen Anzug ich tragen will, denn ich habe nicht mehr Wämser als Rücken, nicht mehr Strümpfe als Beine, nicht mehr Schuhe als Füße, ja zuweilen mehr Füße als Schuhe, oder solche Schuhe, wo mir die Zehen durchs Oberleder kucken.
LORD.
Gott nehm' Eu'r Gnaden diesen müß'gen Wahn! –
O daß ein mächt'ger Lord, von solcher Abkunft,
So großem Reichtum, solcher hohen Würde,
Sich von so bösem Geist beherrschen läßt!
SCHLAU. Was! wollt Ihr mich verrückt machen? Bin ich denn nicht Christoph Schlau, Sohn des alten Schlau von Burtonhaide? durch Geburt ein Hausierer, durch Erziehung ein Hechelkrämer, durch Verwandlung ein Bärenführer und nun nach meiner jetzigen Hantierung ein Kesselflicker? Fragt nur Anne Hacket, die dicke Bierwirtin von Wincot, ob sie mich nicht kennt. Wenn sie sagt, daß sie mich nicht mit vierzehn Pfennigen für Weißbier auf ihrem Kerbholz angestrichen hat, so streicht mich an als den verlogensten Schelm in der ganzen Christenheit. Was! ich bin doch nicht verhext? – Hier ist ...
ERSTER DIENER.
Oh, dies macht Eure edle Gattin weinen! –
ZWEITER DIENER.
Oh, dies macht Eure treuen Diener trauern! –
LORD.
Ja, deshalb scheun das Haus die Anverwandten,
Als geißelt' Euer Wahnsinn sie hinweg.
O edler Lord, gedenk' der hohen Ahnen,
Den alten Sinn ruf' aus dem Bann zurück,
Und banne diesen blöden, niedern Traum! –
Sieh, alle Diener warten ihres Amts!
Die Pflicht will jeder tun nach deinem Wink.
Willst du Musik? So horch, Apollo spielt,
Und zwanzig Nachtigall'n im Bauer singen: –
Sag, willst du schlafen? Deiner harrt ein Lager,
Weicher und sanfter als das üpp'ge Bett,
Das für Semiramis ward aufgeschmückt: –
Willst du lustwandeln? Blumen streun wir dir;
Willst reiten? Deine Rosse lass' ich zäumen,
Ihr Zeug ganz aufgeschmückt mit Gold und Perlen.
Liebst du die Beize? Deine Falkenschwingen
Sich höher als die Morgenlerche; Jagd?
Der Himmel dröhnt vom Bellen deiner Hunde
Und weckt der hohlen Erde grelles Echo.
ERSTER DIENER.
Sprich, willst du hetzen? Schnell sind deine Hunde,
Leicht wie der Hirsch, und flücht'ger als das Reh.
ZWEITER DIENER.
Liebst du Gemälde? Sprich! Wir bringen dir
Adonis, ruhend an dem klaren Bach,
Und Cytherea, ganz im Schilf versteckt,
Das ihrem Atem kost und so sich regt,
Wie schwankes Schilfrohr mit dem Winde spielt.
LORD.
Wir zeigen Jo dir, da sie noch Jungfrau,
Wie sie betrogen ward und überrascht,
Ganz nach dem Leben täuschend dargestellt.
DRITTER DIENER.
Und Daphne, flüchtend durch den dorn'gen Wald,
Zerritzt die Beine, daß man schwört, sie blute,
Und bei dem Anblick traurig wein' Apollo:
So meisterlich gemalt sind Blut und Tränen.
LORD.
Du bist ein Lord, nichts anders als ein Lord:
Und ein Gemahl besitzest du, weit schöner
Als irgendein' in dieser dürft'gen Zeit.
ERSTER DIENER.
Und eh' die Tränen, die für dich vergossen,
Voll Neid ihr lieblich Antlitz überströmt,
War sie das reizendste Geschöpf der Welt,
Und jetzt noch steht sie keiner andern nach.
SCHLAU.
Bin ich ein Lord? Und hab' ich solche Frau?
Träum' ich? Sagt, oder träumte mir bis jetzt?
Ich schlafe nicht, ich seh', ich hör', ich spreche,
Ich rieche Duft, ich fühle weiches Lager:
Bei meiner Seel', ich bin ein Lord, wahrhaftig,
Kein Kesselflicker, noch Christoffer Schlau.
Wohlan, so bringt mir meine Frau vor Augen,
Und nochmals: einen Krug vom dünnsten Bier! –
ZWEITER DIENER.
Will Eu'r Erhabenheit die Hände waschen?
Die Diener reichen ihm Becken, Kanne und Tuch.
Wir sind beglückt, daß Ihr zurecht Euch fandet;
Oh, daß Ihr endlich einseht, wer Ihr seid! –
