Kitabı oku: «Hauptwerke: Der Kaufmann von Venedig, Der Widerspenstigen Zähmung, Die Komödie der Irrungen, Ein Sommernachtstraum, V...», sayfa 9
Dritter Aufzug
Erste Szene
Zimmer bei Baptista.
Lucentio, Hortensio und Bianca treten auf.
LUCENTIO.
Fiedler, laßt ab; Ihr werdet allzu dreist.
Habt Ihr die Freundlichkeit so schnell vergessen,
Mit der Euch Katharine hier empfing? –
HORTENSIO.
Zanksücht'ger Schulgelehrter! Immer war
Die göttliche Musik die Herrscherin:
Drum steht zurück und gönnet mir den Vorzug;
Und wenn wir eine Stunde musiziert,
Soll Euer Lesen gleiche Muße finden.
LUCENTIO.
Ihr Widersinn 'ger Tropf! der nicht begriff,
Zu welchem Zweck Musik uns ward gegeben: –
Ist's nicht, des Menschen Seele zu erfrischen,
Nach ernstem Studium und der Arbeit Müh'? –
Deshalb vergönnt, daß wir philosophieren,
Und ruhn wir aus, dann mögt Ihr musizieren.
HORTENSIO.
Gesell! Ich will dein Trotzen nicht ertragen! –
BIANCA.
Ei, Herrn, das heißt ja doppelt mich beleid'gen,
Zu zanken, wo mein Will' entscheidend ist.
Ich bin kein Schulkind, das die Rute scheut,
Ich will mich nicht an Zeitbestimmung binden,
Nein, Stunde nehmen, wie's mir selbst gefällt.
Den Streit zu schlichten, setzen wir uns hier:
Nehmt Euer Instrument und spielt indessen,
Denn wir sind fertig, eh' Ihr nur gestimmt.
HORTENSIO.
So schließt ihr, wenn ich recht in Stimmung bin?
Zieht sich zurück.
LUCENTIO.
Das wird wohl nie der Fall sein. Stimmt nur immer!
BIANCA.
Wo blieben wir?
LUCENTIO.
An dieser Stelle, Fräulein:
Hac ibat Simois, hic est Sigeia tellus,
Hic steterat Priami regia celsa senis.
BIANCA.
Wollt Ihr das übersetzen?
LUCENTIO. Hac ibat – wie ich Euch schon sagte; – Simois – ich bin Lucentio; – hic est – Sohn des Vincentio in Pisa; – Sigeia tellus – so verkleidet, um Eure Liebe zu erflehen; – hic steterat und jener Lucentio, der um Euch wirbt; – Priami – ist mein Diener Tranio; – regia – der meinen Namen trägt; – celsa senis – damit wir den alten Herrn Pantalon anführen.
HORTENSIO.
Fräulein, nun stimmt die Laute.
BIANCA.
O pfui! das E ist falsch, das G ist recht.
LUCENTIO.
Recht, darum geh! mein Freund, und stimme wieder!
BIANCA. Laßt mich nun versuchen, ob ich es übersetzen kann. Hac ibat Simois – ich kenne Euch nicht; – hic est Sigeia tellus – ich traue Euch nicht; – hic steterat Priami – nehmt Euch in acht, daß er uns nicht hört; – regia – seid nicht zu verwegen; – celsa senis – verzweifelt nicht.
HORTENSIO.
Fräulein, nun stimmt sie.
LUCENTIO.
A und F sind falsch.
HORTENSIO.
Ihr seid wohl selbst das A und F, Herr Aff'.
Wie feurig keck der Schulgelehrte wird! –
Fürwahr, der Schelm wagt's, ihr den Hof zu machen;
Wart' Schulfuchs, ich will besser dich bewachen.
BIANCA.
Vielleicht glaub' ich Euch einst, jetzt zweifl' ich noch.
LUCENTIO.
O zweifelt nicht! Gewiß, der Äacide
War Ajax, nach dem Ahnherrn so genannt.
BIANCA.
Ich muß dem Lehrer glauben, sonst beteur' ich,
Von meinem Zweifel ließ' ich noch nicht ab.
Doch sei's genug. Nun, Licio, ist's an Euch.
Ihr guten Lehrer, nehmt's nicht übel auf,
Daß ich so scherzhaft mit euch beiden war.
HORTENSIO.
Ihr mögt nun gehn und uns ein Weilchen lassen,
Dreistimmige Musik kommt heut nicht vor.
LUCENTIO.
Seid Ihr so pünktlich? Nun, so muß ich warten
Und auf ihn achten; denn irr' ich mich nicht,
Macht unser feiner Sänger den Verliebten.
HORTENSIO.
Fräulein, eh' Ihr die Laute nehmt zur Hand,
Muß ich beginnen mit den Anfangsregeln,
Daß Ihr des Fingersatzes Kunst begreift
Und Eure Skala lernt in kürzrer Zeit,
Vergnüglicher, brauchbarer, kräftiger,
Als je ein andrer Lehrer Euch's gezeigt: –
Hier habt Ihr's aufgeschrieben, schön und faßlich.
BIANCA.
Die Skala hab' ich längst schon absolviert.
HORTENSIO.
Doch hört, wie sie Hortensio konstruiert!
BIANCA liest.
C. Skala, Grund der Harmonie genannt,
D. Soll Hortensios heiße Wünsche deuten.
E. F. O Bianca, schenk' ihm deine Hand,
G. A. Und laß sein treues Herz dich leiten.
H. Nimm zwei Schlüssel an, die er dir bot,
C. Dein Erbarmen, oder seinen Tod.
BIANCA.
Das nennt Ihr Skala? Geht, die mag ich nicht,
Die alte lieb' ich mehr, bin nicht so lüstern,
Seltsamer Neu'rung Echtes aufzuopfern. –
Ein Diener kommt.
DIENER.
Fräulein, der Vater will, Ihr laßt die Bücher
Und helft, der Schwester Zimmer aufzuschmücken: –
Ihr wißt, auf morgen ist der Hochzeittag.
BIANCA.
Lebt wohl, ihr lieben Lehrer, ich muß gehn.
Bianca und Diener ab.
LUCENTIO.
Dann, Fräulein, hab' ich keinen Grund zu bleiben.
Ab.
HORTENSIO.
Doch Grund hab' ich, den Schulfuchs zu erforschen.
Mir scheint nach seinem Blick, er sei verliebt:
Doch Bianca, ist dein Sinn so ganz verächtlich,
Dein wandernd Aug' auf jeden Knecht zu werfen,
So lauf', zu wem du willst! Bist du so niedrig,
Such' ich ein andres Weib, und so erwidr' ich.
Ab.
Zweite Szene
Anderes Zimmer.
Baptista, Gremio, Tranio, Katharina, Bianca und Diener treten auf.
BAPTISTA.
Signor Lucentio, dieses ist der Tag
Für Katharinens und Petruchios Hochzeit,
Und immer noch läßt sich kein Eidam sehn.
Was wird man sagen? Welch ein Spott für uns!
Der Bräut'gam fehlt, da schon der Priester wartet,
Um der Vermählung Feier zu vollziehn!
Was sagt Lucentio denn zu dieser Schmach? –
KATHARINA.
Nur meine Schmach! Ich bin, seht doch, gezwungen,
Die Hand zu reichen, meinem Sinn entgegen,
Dem tollen Grobian, halb verrückt von Launen,
Der eilig freit und langsam Hochzeit macht.
Ich sagt' es wohl, er sei ein Narrenhäusler,
Der unter Derbheit bittern Hohn versteckt;
Und um für einen lust'gen Mann zu gelten,
Hält er um tausend an, setzt fest die Hochzeit,
Lädt Freunde ein, bestellt das Aufgebot,
Und denkt nie Ernst aus schlechtem Spaß zu machen.
Mit Fingern zeigt man nun auf Katharinen,
Und spricht: »Da geht des Narr'n Petruchio Frau,
Gefiel's ihm nur, zur Heirat sie zu holen!«
TRANIO.
Geduld, Baptista, liebe Katharine,
Petruchio meint es gut, bei meinem Leben,
Was auch ihn hemmen mag, sein Wort zu halten.
Ist er gleich derb, kenn' ich ihn doch als klug,
Und ist er listig, doch ein Mann von Ehre.
KATHARINA.
Hätt' ich ihn nur mit Augen nie gesehn! –
Geht weinend ab mit Bianca und den Dienern.
BAPTISTA.
Geh, Mädchen: wenn du weinst, kann ich nicht schelten;
Denn solche Schmach müßt' eine Heil'ge kränken,
Vielmehr so heft'gen Sinn und rasches Blut.
Biondello kommt.
BIONDELLO. Herr, Herr, Neuigkeiten! Alte Neuigkeiten! Solche Neuigkeiten, wie Ihr sie nie gehört habt! –
BAPTISTA. Alt und neu zugleich? Wie kann das sein?
BIONDELLO. Nun, ist das keine Neuigkeit, wenn ich Euch sage, daß Petruchio kommt?
BAPTISTA. Ist er gekommen?
BIONDELLO. Ei, nicht doch!
BAPTISTA. Was denn?
BIONDELLO. Er kommt erst.
BAPTISTA. Wann wird er hier sein?
BIONDELLO. Wenn er hier steht, wo ich jetzt stehe, und Euch dort sieht.
TRANIO. Aber nun deine alten Neuigkeiten?
BIONDELLO. Ei, Petruchio langt jetzt an in einem neuen Hut und einem alten Wams; einem Paar alten Hosen, dreimal gewendet; mit einem Paar Stiefeln, die schon als Lichtkasten gedient haben, einer mit Schnallen, der andere zum Schnüren; mit einem alten rostigen Degen aus dem Stadtzeughause: das Gefäß ist zerbrochen, der Bügel fehlt, und die beiden Riemen sind zerrissen: sein Pferd ist kreuzlahm und trägt einen alten wurmstichigen Sattel mit zweierlei Bügeln: außerdem hat's den Rotz und ist auf dem Rückgrat ganz vermoost: es ist krank an der Mundfäule, behaftet mit der Räude, steckt voller Gallen, ist ruiniert von Spat, leidet an der Gallsucht, hat einen inkurabeln Hahnentritt, einen intermittierenden Sonnenkoller und einen unvertilgbaren Kropp: dabei ist's senkrückig, stark buglahm und steif auf den Vorderbeinen: es hat eine halbverbogene Stange und ein Kopfgestell von Schafleder, das man so kurz geschnallt, um's vom Stolpern abzuhalten, daß es schon oft gerissen und dann wieder mit Knoten zusammengestückt ist; einen Gurt, aus sechs Stücken geflickt, und einen samtnen Schwanzriem von einem Frauensattel, mit zwei Buchstaben, die ihren Namen bedeuten sollen, zierlich mit Nägeln eingeschlagen, und hie und da mit Packfaden ergänzt.
BAPTISTA. Wer kommt mit ihm?
BIONDELLO. O Herr, sein Lakai, der leibhaftig wie das Pferd ausstaffiert ist: mit einem leinenen Strumpf an einem Bein, und einem groben wollenen Jagdstrumpf am andern, und ein Paar rote und blaue Tucheggen als Kniegürtel; ein alter Hut, an dem die vierzig verliebten neuen Lieder als Feder stecken; ein Ungeheuer, ein rechtes Ungeheuer in seinem Anzuge, und sieht keinem christlichen Dienstboten oder eines Edelmanns Lakaien ähnlich! –
TRANIO.
Wer weiß, welch seltne Laun' ihn dazu trieb,
Obgleich er oft geringe Kleider trägt.
BAPTISTA. Nun, ich bin froh, daß er kommt, mag er kommen, wie er will.
BIONDELLO. Nein, Herr, er kommt nicht.
BAPTISTA. Sagtest du nicht, er komme?
BIONDELLO. Wer? Petruchio?
BAPTISTA. Ja, daß Petruchio komme.
BIONDELLO. Nein, Herr, ich sagte, sein Pferd kommt, und er sitzt drauf.
BAPTISTA. Nun, das ist eins.
BIONDELLO.
O nein doch, beim Sankt Jakob! da seid Ihr weit vom Ziele!
Denn Pferd und Mann sind mehr als eins und sind doch auch nicht viele.
Petruchio und Grumio kommen.
PETRUCHIO.
Wo seid ihr, schmuckes Volk? Wer ist zu Haus?
BAPTISTA.
Gut, daß Ihr grade kommt ...
PETRUCHIO.
Und doch nicht grade ...
BAPTISTA.
Ihr hinkt doch nicht?
TRANIO.
Nicht grade so geschmückt,
Als Ihr wohl solltet.
PETRUCHIO.
Wär's auch zierlicher,
Ich stürmte ebenso zu euch herein.
Doch wo ist Käthchen, meine holde Braut?
Was macht mein Vater? Leute, sagt, was habt ihr?
Was gafft denn diese werteste Gesellschaft,
Als wär' ein seltsam Abenteu'r zu sehn,
Ein Wunderzeichen oder ein Komet?
BAPTISTA.
Ei nun, Ihr wißt, heut ist Eu'r Hochzeittag: –
Erst sorgten wir, Ihr möchtet gar nicht kommen,
Nun mehr noch, daß Ihr kommt so ungeschmückt.
Pfui! Weg das Kleid, Schand' einem Mann wie Ihr,
Und unserm Ehrentag ein Dorn im Auge!
TRANIO.
Und sagt uns, welch ein wichtig Hindernis
Hielt Euch so lang' entfernt von Eurer Braut?
Und bringt Euch her, Euch selbst so gar nicht ähnlich?
PETRUCHIO.
Langweilig wär's zu sagen wie zu hören:
Genug, ich kam und will mein Wort erfüllen,
Mußt' ich dabei auf manches auch verzichten,
Was ich bei längrer Muß' entschuld'gen will,
So daß ihr alle sollt zufrieden sein.
Doch wo ist Käthchen? Schon zu lange säumt' ich:
's ist spät, wir sollten in der Kirche sein.
TRANIO.
Seht nicht die Braut in den unzarten Hüllen:
Geht auf mein Zimmer, nehmt ein Kleid von mir!
PETRUCHIO.
Daraus wird nichts, ich will sie so besuchen.
BAPTISTA.
Doch so, ich hoff' es, geht Ihr nicht zur Kirche?
PETRUCHIO.
Ja doch, just so; drum laßt das Reden sein,
Mir wird sie angetraut, nicht meinen Kleidern. –
Könnt' ich ergänzen, was die Zeit mir abnutzt,
Wie ich dies ärmliche Gewand kann tauschen,
Wär's gut für Käthchen, besser noch für mich.
Doch welch ein Narr bin ich, mit euch zu schwatzen,
Derweil ich sie als Braut begrüßen sollte,
Mein Recht mit einem süßen Kuß besiegelnd. –
Petruchio, Grumio und Biondello ab.
TRANIO.
Der närrische Aufzug hat gewiß Bedeutung!
Doch reden wir ihm zu, wenn's möglich ist,
Daß er sich besser kleide vor der Trauung.
BAPTISTA.
Ich will ihm nach und sehn, was daraus wird.
Ab.
TRANIO.
Nun, junger Herr, kommt's noch drauf an, den Willen
Des Vaters zu gewinnen. Zu dem Zweck,
Wie ich vorhin Eu'r Gnaden schon erzählte,
Schaff' ich uns einen Mann; wer es auch sei,
Macht wenig aus: den richten wir uns ab,
Der soll Vincentio aus Pisa sein,
Und hier in Padua die Verschreibung geben
Auf größre Summen noch, als ich versprach.
So sollt Ihr Eures Glücks Euch ruhig freun,
Mit Einstimmung vermählt der schönen Bianca.
LUCENTIO.
Wär' mein Kam'rad nur nicht, der zweite Lehrer,
Der Biancas Schritte so genau bewacht,
So ging' es leicht, sich heimlich zu vermählen:
Und ist's geschehn, sag' alle Welt auch nein,
Behaupt' ich, aller Welt zum Trotz, mein Recht.
TRANIO.
Das, denk' ich, läßt sich nach und nach ersehn,
Sind wir nur wachsam stets auf unsern Vorteil:
So prellen wir den alten Graubart Gremio,
Den gar zu filz'gen Vater Minola,
Den schmachtend süßen Meister Licio,
Zum Besten meines lieben Herrn Lucentio.
Gremio kommt zurück.
Nun, Signor Gremio! kommt Ihr aus der Kirche? –
GREMIO.
Und zwar so lustig als je aus der Schule.
TRANIO.
Sind Braut und Bräut'gam denn zu Hause schon? –
GREMIO.
Bräut'gam? Recht! Breit ja macht er sich genug,
Bräut Jammer noch und Not der armen Braut.
TRANIO.
Schlimmer als sie? Ei was! Das wär' nicht möglich.
GREMIO.
Was! Er ist ein Teufel, ein Teufel, ein rechter Satan!
TRANIO.
Was! Sie ist ein Teufel, ein Teufel, des Teufels Großmutter! –
GREMIO.
Pah! gegen ihn ein Lamm, ein Kind, ein Täubchen!
Laßt Euch erzählen, Herr: Der Priester fragt' ihn,
Ob Katharinen er zur Frau begehre?
»Beim Donnerwetter, ja!« schrie er und fluchte:
Vor Schrecken ließ das Buch der Priester fallen,
Und als er sich gebückt, es aufzunehmen,
Gab ihm der tolle Bräut'gam solchen Schlag,
Daß Buch und Pfaff', und Pfaff' und Buch hinstürzten:
»Nun rafft das Zeug auf!« rief er, »wer's noch braucht!«
TRANIO.
Was sagte denn das Bräutchen, als er aufstand?
GREMIO.
Die war ganz Furcht: denn seht, er stampft' und fluchte,
Als hätt' der Priester ihn betören wollen.
Als nun die Zeremonien all' geendet,
Ruft er nach Wein:
Und: »Prosit!« schreit er, wie auf dem Verdeck,
Als tränk' er nach dem Sturm mit den Kam'raden:
Stürzt den Muskat hinab und wirft die Tunke
Dem Küster ins Gesicht, aus keinem Grund,
Als weil sein Bart ihm, dünn und hungrig, schien
Um einen Schluck zu betteln, da er trank.
Und nun faßt' er die Braut um ihren Hals
Und gibt ihr einen Schmatz so gellend laut,
Daß rings die ganze Kirche widerhallte.
Ich lief aus Scham hinaus, als ich dies sah,
Und nach mir, glaub' ich, folgt' der ganze Schwarm.
So tolle Hochzeit war noch nie zuvor!
Horch! Horch! Ich höre schon die Musikanten.
Musik. Petruchio, Katharina, Bianca, Baptista, Hortensio und Grumio kommen mit Dienern und Gefolge.
PETRUCHIO.
Ihr Herrn und Freunde, Dank für eure Müh'.
Ich weiß, ihr denkt nun heut mit mir zu essen,
Und habt viel aufgewandt zum Hochzeitschmaus:
Doch leider ruft die Eil' mich gleich von hier,
Und drum muß ich jetzt Abschied von euch nehmen.
BAPTISTA.
Ist's möglich? Noch heut abend wollt Ihr fort? –
PETRUCHIO.
Bei Tag noch muß ich fort, noch vor dem Abend;
Nicht wundert Euch: sagt' ich Euch mein Geschäft,
Ihr hießt mich selbst wohl gehn und nicht verweilen.
Und, ehrsame Gesellschaft, Dank euch allen,
Die ihr gesehn, wie ich mich hingegeben
Der höchst geduld'gen, sanften, frommen Frau.
Mit meinem Vater schmaust, trinkt auf mein Wohl,
Denn ich muß fort, und Gott sei mit euch allen!
TRANIO.
Laßt uns Euch bitten, bleibt bis nach der Mahlzeit!
PETRUCHIO.
Es kann nicht sein.
GREMIO.
Laßt mich Euch bitten!
PETRUCHIO.
Es kann nicht sein.
KATHARINA.
Laßt mich Euch bitten!
PETRUCHIO.
Das ist mir recht!
KATHARINA.
So ist's Euch recht, zu bleiben? –
PETRUCHIO.
Recht ist mir's, daß Ihr bittet, ich soll bleiben;
Doch nichts von bleiben, bittet, was Ihr mögt.
KATHARINA.
Wenn Ihr mich liebt, so bleibt!
PETRUCHIO.
Grumio, die Pferde! –
GRUMIO.
Ja, Herr, sie sind parat: Der Haber hat die Pferde schon gefressen.
KATHARINA.
Nun gut;
Tu', was du willst, mich bringst du heut nicht weg,
Auch morgen nicht, nicht, bis es mir gefällt.
Das Tor ist offen, Herr, da geht der Weg,
Und so nach Haus, eh' Euch die Stiefel drücken:
Ich aber will nicht gehn, eh' mir's gefällt.
Das gäb' 'nen herrlich mürr'schen Grobian,
Der sich den ersten Tag so mausig macht! –
PETRUCHIO.
Ei, Käthchen, still, ich bitt' dich, sei nicht bös!
KATHARINA.
Ich will nun böse sein: was kümmert's dich?
Vater, schweigt nur: er bleibt, solang' ich will.
GREMIO.
Aha, mein Freund, nun geht die Sache los.
KATHARINA.
Ihr Herrn, hinein da zu dem Hochzeitsmahl:
Ich seh', ein Weib wird bald zum Narr'n gemacht,
Wenn sie nicht Mut hat, sich zu widersetzen.
PETRUCHIO.
Sie soll'n hinein, mein Kind, wie du befiehlst:
Gehorcht der Braut, ihr eingeladnen Gäste,
Setzt euch zum Schmausen, singt und jubiliert,
Bringt volle Humpen ihrem Mädchenstand,
Seid toll und lustig, oder laßt euch hängen;
Allein mein herzig Käthchen muß mit mir.
Nein, seht nicht scheel, noch stampft und stiert und mault;
Ich will der Herr sein meines Eigentums:
Sie ist mein Landgut, ist mein Haus und Hof,
Mein Hausgerät, mein Acker, meine Scheune,
Mein Pferd, mein Ochs, mein Esel, kurz mein alles:
Hier steht sie, rühr' sie einer an, der Herz hat!
Ich will mein Recht behaupten vor dem Frechsten,
Der mir den Weg in Padua sperrt! Zieh', Grumio,
Zieh' deinen Sarras: rund um uns sind Räuber,
Hau' deine Frau heraus, bist du ein Mann!
Ruhig, lieb Herz, sie tun dir nichts, mein Käthchen,
Ich helf' dir durch, und wären's Millionen.
Petruchio, Katharina und Grumio ab.
BAPTISTA.
Nun gehn sie denn, o sanftes, stilles Paar! –
GREMIO.
Es war wohl Zeit, sonst starb ich noch vor Lachen!
TRANIO.
So tolles Bündnis ist noch nie geschlossen! –
LUCENTIO.
Fräulein, was haltet Ihr von Eurer Schwester? –
BIANCA.
Daß, toll von je, sie toll sich angekettet.
GREMIO.
Und sich ihr Mann noch toller angekäthet.
BAPTISTA.
Nachbarn und Freunde, fehlt auch Braut und Bräut'gam,
Um ihren Platz zu nehmen an dem Tisch,
So fehlt' s doch nicht an Schüsseln auf dem Tisch.
Ihr nehmt des Bräut'gams Platz, Lucentio,
Und Bianca mag für ihre Schwester gelten.
TRANIO.
Soll unsre Bianca lernen Bräutchen spielen? –
BAPTISTA.
Das soll sie, Freund Lucentio. Kommt herein!
Alle ab.
Vierter Aufzug
Erste Szene
Saal bei Petruchio.
Grumio tritt auf.
GRUMIO. Hol' die Pest alle müden Schindmähren, alle tolle Herrn und alle schlechten Wege! Ward je einer so geprügelt? – Je einer so durchgebläut? Ist je ein Mensch so müde gewesen? Ich bin vorausgeschickt, um Feuer zu machen, und sie kommen hinter mir drein, um sich zu wärmen. Wär' ich nun nicht so ein kleiner Topf und bald heiß im Kopf, mir würden die Lippen an die Zähne frieren, die Zunge an den Gaumen, das Herz an die Rippen, ehe ich zu einem Feuer käme, um mich aufzutauen. Aber ich gedenke das Feuer anzublasen und mich damit zu wärmen, denn wenn man dies Wetter erwägt, so kann ein viel größrer Kerl, als ich bin, sich den Schnupfen holen. Holla, he! Curtis! –
Curtis kommt.
CURTIS. Wer schreit da so erfroren?
GRUMIO. Ein Stück Eis. Wenn du es nicht glauben willst, so kannst du von meinen Schultern zu meinen Füßen so geschwind hinunterglitschen, als wie vom Kopf bis zum Genick. Feuer, liebster Curtis! –
CURTIS. Kommen denn unser Herr und seine Frau, Grumio?
GRUMIO. Ja doch, Curtis, o ja! Und darum Feuer, Feuer, tu' kein Wasser an! –
CURTIS. Ist sie denn solch eine hitzige Widerspenstige, wie man sagt? –
GRUMIO. Das war sie, guter Curtis, vor diesem Frost; aber du weißt, der Winter zähmt Mann, Frau und Vieh; denn er hat meinen alten Herrn und meine neue Frau gezähmt, und mich selbst, Kam'rad Curtis.
CURTIS. Geh mir, du dreizölliger Geck! Ich bin kein Vieh! –
GRUMIO. Halt' ich nur drei Zoll? Ei was! Dein Horn mißt einen Fuß, und so lang bin ich zum wenigsten. Aber willst du Feuer anmachen? Oder soll ich Klage über dich bei unsrer Frau führen, deren Hand (denn sie ist hier gleich bei der Hand) du bald fühlen wirst, als einen kalten Trost dafür, daß du langsam bist in deinem heißen Dienst? –
CURTIS. Bitt' dich, lieber Grumio, erzähle mir was: wie geht's in der Welt? –
GRUMIO. Kalt geht's in der Welt, Curtis, in jedem andern Dienst als im deinigen; und darum Feuer; Tu', was dir gebührt, und nimm, was dir gebührt: denn unser Herr und seine Frau sind beinahe totgefroren.
CURTIS. Das Feuer brennt, und also nun erzähle was Neues, guter Grumio!
GRUMIO. I nun. Singt. He Hans! Ho Hans! so viel Neues du willst.
CURTIS. Ach geh, du bist immer so voller Flausen.
GRUMIO. Nun also mach' Feuer, denn ich bin auch voller Kälte. Wo ist der Koch? Ist das Abendessen fertig? Ist das Haus gescheuert, Binsen gestreut, Spinnweben abgefegt, die Knechte in ihren neuen Jacken und weißen Strümpfen? Hat jeder Bediente sein hochzeitlich Kleid an? Sind die Gläser aus dem Schrank, und die Becher blank? die Teppiche gelegt, und alles in Ordnung? –
CURTIS. Alles fertig, und darum bitt' ich dich, was Neues.
GRUMIO. Erstlich wisse, daß mein Pferd müde ist; daß mein Herr und meine Frau übereinander hergefallen sind ...
CURTIS. Wie? handgreiflich? –
GRUMIO. Aus ihrem Sattel in den Kot, übereinander; und davon ließe sich eine Geschichte erzählen.
CURTIS. Nun laß hören, liebster Grumio!
GRUMIO. Dein Ohr her! –
CURTIS. Ja!
GRUMIO. Da! Gibt ihm eine Ohrfeige.
CURTIS. Das heißt eine Geschichte fühlen, nicht eine Geschichte hören.
GRUMIO. Und darum nennt man's eine gefühlvolle Geschichte: und dieser Schlag sollte nur an dein Ohr anklopfen und sich Gehör ausbitten. Nun fang' ich an. In primis, wir kamen einen schmutzigen Berg herab, mein Herr ritt hinter meiner gnädigen Frau. –
CURTIS. Beide auf einem Pferde?
GRUMIO. Was denkst du dir dabei?
CURTIS. Ei, ein Pferd.
GRUMIO. Erzähle du die Geschichte! Aber wärst du mir nicht dazwischen gekommen, so hättest du gehört, wie ihr Pferd fiel, und sie unter ihr Pferd! Du hättest gehört, an welcher schmutzigen Stelle, und wie durchnäßt sie war; wie er sie liegen ließ mit dem Pferde auf ihr; wie er mich prügelte, weil ihr Pferd gestolpert war; wie sie durch den Kot watete, um ihn von mir wegzureißen; wie er fluchte, wie sie betete, sie, die noch nimmermehr gebetet hatte; wie ich heulte, wie die Pferde davon liefen, wie ihr Zügel zerriß, wie ich meinen Schwanzriemen verlor, nebst vielen andern denkwürdigen Historien, welche nun in Vergessenheit sterben, und du kehrst ohne Weltkenntnis in dein Grab zurück.
CURTIS. Nach dieser Rechnung ist er ja widerspenstiger als sie? –
GRUMIO. Ja, und das werden die Frechsten von euch allen erfahren, wenn er zu Hause kommt. Aber warum schwatze ich hier? Ruf' Nathanael, Joseph, Niklas, Philipp, Walter, Haberkuckuck und die andern her: laß sie ihre Köpfe glattkämmen, ihre blauen Röcke ausbürsten, ihre Kniegürtel sollen sie nicht anstößig binden, mit dem linken Fuß ausscharren, und sich's nicht unterstehn, ein Haar von meines Herrn Pferdeschwanz anzurühren, bis sie sich die Hand geküßt haben. Sind sie alle fertig? –
CURTIS. Das sind sie.
GRUMIO. Ruf' sie her!
CURTIS. Hört Ihr! He! Ihr sollt dem Herrn entgegen gehn! – und meiner gnädigen Frau ein rechtes Ansehn geben! –
GRUMIO. Nun, sie ist selbst schon ansehnlich genug!
CURTIS. Das ist gewiß.
GRUMIO. Nun, was rufst du denn die Leute, ihr ein Ansehn zu geben? –
CURTIS. Ich meine, sie sollen ihr Kredit verschaffen.
GRUMIO. Ei was, sie wird ja nichts von ihnen borgen wollen.
Mehrere Bediente kommen.
NATHANAEL. Willkommen zu Hause, Grumio!
PHILIPP. Wie geht's, Grumio?
JOSEPH. Ei, Grumio?
NIKLAS. Kamerad Grumio?
NATHANAEL. Wie geht's, alter Junge?
GRUMIO. Willkommen du! – Wie geht's, du? – Ei, du! – Kamerad, du! – und so viel fürs Grüßen. – Nun, ist alles fertig? Ist jedes Ding niedlich, meine schmucken Kerlchen?
NATHANAEL. Jedes Ding ist fertig. – Wie nah ist der Herr?
GRUMIO. Ganz nah, vielleicht schon abgestiegen, und darum – Potz Sapperment, seid still! Ich höre meinen Herrn.
Petruchio und Katharina kommen.
PETRUCHIO.
Wo sind die Schurken? Was? Kein Mensch am Tor
Hielt mir den Bügel, nahm das Pferd mir ab? –
Wo sind Nathanael, Philipp und Gregor?
ALLE.
Hier, Herr!
PETRUCHIO.
Hier, Herr! Hier, Herr! Hier, Herr! Hier, Herr! –
Ihr tölpelhaften, schlecht gezognen Flegel!
Was! keine Ordnung? kein Respekt? kein Dienst?
Wo ist der dumme Kerl, den ich geschickt?
GRUMIO.
Hier, Herr, noch ganz so dumm, und doch geschickt.
PETRUCHIO.
Du Bauerlümmel! Du verdammter Karrngaul!
Sollt'st du im Park uns nicht entgegen kommen
Und all die faulen Schlingel mit dir bringen? –
GRUMIO.
Nathanaels Rock, Herr, war noch nicht ganz fertig,
An Philipps Korduanschuh'n war noch kein Eisen,
Kein Fackelruß, um Peters Hut zu schwärzen,
An Walters Dolch die Scheide noch in Arbeit,
Niemand in Staat, als Ralph, Gregor und Adam,
Die andern lumpig, alt und bettelhaft: –
Doch wie sie sind, hab' ich sie hergeholt.
PETRUCHIO.
Geht, Schlingel! Geht, besorgt das Abendessen!
Einige von den Dienern ab.
Singt.
Wo ist mein vor'ges Leben hin? –
– Wo sind die – Setz' dich, Käthchen! Sei willkommen!
Hum, hum, hum, hum!
Wird's bald? he? – Nun, lieb Käthchen, sei vergnügt! –
– Die Stiefel ab, ihr Schlingel, Schufte! Wird's? –
Singt.
Ein Bruder Graurock lobesan
Kam seines Wegs getrost heran –
Spitzbube! du verrenkst mir ja das Bein!
Nimm das! Und zieh' den andern besser aus!
Schlägt ihn.
– Sei lustig, Käthchen! – Wasser her! Geschwind!
– Wo ist mein Windspiel Troilus? Kerl, gleich hin,
Mein Vetter Ferdinand soll zu uns kommen:
Ein Diener ab.
Den mußt du küssen, Kind, ihm freundlich sein.
Her die Pantoffeln! Krieg' ich denn kein Wasser?
Es wird ihm ein Becken gebracht.
Komm, Käthchen, wasch' dich! Und nochmals willkommen! –
Der Bediente wirft die Kanne hin.
Verdammter Hundsfott! Mußt du's fallen lassen?
Schlägt ihn.
KATHARINA.
Geduld, ich bitt', er tat es unversehens! –
PETRUCHIO.
Ein Hurensohn! Ein Eselsohr von Dickkopf! –
Komm, Käthchen, setz' dich: hungrig mußt du sein;
Sprichst du das Gratias, Liebchen, oder ich? –
Was ist das? Schöps? –
ERSTER DIENER.
Ja.
PETRUCHIO.
Und wer bracht' es?
ERSTER DIENER.
Ich.
PETRUCHIO.
Es ist verbrannt, und so ist alles Essen:
Welch Hundevolk! Wo ist der Koch, die Bestie?
Wie wagt ihr, Schurken, das mir anzurichten,
Mir vorzusetzen, was ich doch nicht mag? –
Da! Fort damit! Fort Teller, Becher! Alles! –
Wirft Essen und Tischzeug auf die Erde.
Einfält'ge Lümmel! Ungeschliffnes Volk!
Was? brummt ihr noch? Gleich werd' ich bei euch sein.
KATHARINA.
Ich bitt' dich, lieber Mann, sei nicht so unwirsch:
Gut war das Essen, hätt'st du's nur gemocht!
PETRUCHIO.
Nein, Käthchen, 's war vertrocknet und verbrannt:
Und grade das hat man mir streng verboten,
Denn auf die Galle wirkt's, erzeugt den Ärger:
Drum ist es besser, wenn wir beide fasten
(Denn beide sind wir von Natur cholerisch),
Als durch zu stark Gebratnes uns verderben.
Geduld, mein Kind; wir holen's morgen ein,
Doch diese Nacht woll'n wir gemeinsam fasten:
Komm nun, ich führ' dich in dein Brautgemach.
Katharina, Petruchio und Curtis ab.
NATHANAEL.
Peter, sag, hast du so was je gesehn?
PETER.
Die macht er tot in ihrer eignen Manier.
Curtis kommt zurück.
GRUMIO.
Wo ist er?
CURTIS.
Drin mit ihr,
Hält ihr 'ne Predigt von Enthaltsamkeit,
Zankt, flucht und schilt, und sie, das arme Ding,
Wagt kaum noch aufzusehn, zu stehn, zu reden,
