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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 19
Gründe für die Vermutung, dass der Wert des Silbers noch immer sinkt
Die Zunahme des Reichtums in Europa und die herrschende Ansicht, dass je mehr die Menge der edlen Metalle mit dem zunehmenden Reichtum wachse, sich ihr Wert vermindere, mag viele dem Glauben geneigt machen, dass ihr Wert auf dem europäischen Markte noch immer sinke, und in dieser Meinung muss der allmählich noch immer steigende Preis vieler Rohprodukte des Bodens bestärken.
Dass die aus der Zunahme des Reichtums entspringende Zunahme in der Menge der edlen Metalle nicht die Wirkung hat, ihren Wert zu verringern, habe ich bereits gezeigt. Gold und Silber fließen naturgemäß in die reichen Länder, aus demselben Grunde, aus dem alle Arten von Luxusartikeln dahin strömen; nicht, weil sie wohlfeiler sind als in ärmeren Ländern, sondern weil sie teurer sind, und ein besserer Preis dafür bezahlt wird. Es ist der höhere Preis, der sie anzieht, und sobald dieser aufhört, hören auch sie notwendig auf, dahin zu gehen.
Ich habe bereits gezeigt, dass mit Ausnahme des Getreides und anderer lediglich durch den menschlichen Fleiß hervorgebrachter Gewächse, alle übrigen Arten von Rohprodukten, wie Vieh, Geflügel, Wildbret aller Art, die nützlichen Fossilien und Mineralien der Erde usw. in dem Grade teurer werden, wie die Gesellschaft an Reichtum zunimmt. Obgleich nun solche Waren eine größere Silbermenge gelten als früher, so folgt daraus doch nicht, dass das Silber wirklich wohlfeiler geworden ist und weniger Arbeit als früher kaufen kann, sondern nur, dass jene Waren teurer geworden sind und mehr Arbeit als früher kaufen. Nicht bloß ihr nomineller, sondern auch ihr wirklicher Preis steigt mit dem Fortschritt der Kultur. Das Steigen ihres Nominalpreises ist nicht die Wirkung einer Verringerung des Silberwerts, sondern die der Zunahme ihres wirklichen Preises.

Verschiedene Wirkungen des Fortschritts der Kultur auf drei verschiedene Arten von Rohprodukten
Die verschiedenen Arten von Rohprodukten lassen sich in drei Klassen teilen. Die erste begreift diejenigen in sich, deren Vermehrung durch menschlichen Fleiß nicht zu bewirken ist; die zweite die, die sich durch Fleiß je nach der Nachfrage vermehren lassen; die dritte die, bei denen die Wirksamkeit des Fleißes beschränkt oder ungewiss ist. Mit dem Fortschreiten des Reichtums und der Kultur kann der wirkliche Preis der ersteren auf eine übertriebene Höhe steigen, und scheint durch keine bestimmte Grenze beschränkt zu sein. Die Produkte der zweiten Klasse können zwar sehr hoch steigen, allein es ist eine bestimmte Grenze vorhanden, über die sie nicht lange Zeit hinausgehen können. Die der dritten Klasse haben zwar auch die natürliche Neigung, bei fortschreitender Kultur zu steigen, doch können sie bei demselben Grade der Kultur auch im Preise sinken oder auf demselben Punkte bleiben oder mehr oder weniger steigen, je nachdem diese oder jene Zufälligkeiten die auf Vervielfältigung dieser Art von Rohprodukten gerichteten Anstrengungen des menschlichen Fleißes mehr oder weniger begünstigen.
Erste Art
Die erste Art von Rohprodukten, deren Preis bei fortschreitender Kultur steigt, ist diejenige, die sich durch menschlichen Fleiß kaum irgendwie vermehren lässt. Sie besteht in den Dingen, die die Natur nur in bestimmten Mengen hervorbringt, und die man wegen ihrer leichtes Verderben befördernden Eigenschaften nicht Jahre lang aufsammeln kann; so die meisten seltenen Vögel und Fische, viele Sorten Wildbret, fast alles wilde Geflügel, insbesondere alle Zugvögel und viele andere Dinge. Wenn der Reichtum und der damit verbundene Luxus zunimmt, nimmt voraussichtlich auch die Nachfrage nach ihnen zu; aber keine Anstrengung menschlichen Fleißes kann viel mehr davon herbeischaffen als schon vor Steigerung der Nachfrage davon vorhanden war. Wenn nun die Menge solcher Waren so ziemlich dieselbe bleibt, während der Wettbewerb der Käufer stets zunimmt, so kann ihr Preis eine außerordentliche Höhe erreichen und scheint an keine bestimmte Grenze gebunden zu sein. Wenn Schnepfen von den Vornehmen auch so sehr gesucht würden, dass man das Stück mit zwanzig Guineen bezahlte, so wäre doch keine menschliche Anstrengung imstande, die gegenwärtig auf den Markt kommende Zahl bedeutend zu vermehren. Auf diese Weise lässt sich der hohe Preis, den die Körner in den Zeiten ihres höchsten Glanzes für seltene Vögel und Fische bezahlten, leicht erklären. Diese Preise waren nicht die Wirkungen des niedrigen Silberwertes in jenen Zeiten, sondern des hohen Wertes solcher Seltenheiten und Liebhabereien, die menschlicher Fleiß nicht nach Belieben vermehren konnte. Der wirkliche Wert des Silbers war in Rom einige Zeit vor und nach dem Untergange der Republik höher als er gegenwärtig im größten Teil Europas ist. Drei Sestertien, etwa sechs Pence Sterling, waren der Preis, den die Republik für den Modius oder Peck des sizilianischen Zehnten Weizens zahlte. Doch blieb dieser Preis wahrscheinlich hinter dem durchschnittlichen Marktpreise zurück, da die Verpflichtung, ihren Weizen zu diesem Satze zu liefern als ein den sizilianischen Landwirten auferlegter Tribut betrachtet wurde, und wenn die Römer mehr Getreide kommen lassen mussten als der Zehnte betrug, so waren sie vertragsmäßig verpflichtet, für den Überschuss den Satz von vier Sestertien oder 8 Pence Sterling per Peck zu zahlen. Dieser Preis, der wahrscheinlich als mäßig und billig, d. h. als durchschnittlicher Kontraktpreis galt, ist etwa so viel wie 21 Schilling für den Quarter. 28 Schilling für den Quarter waren vor den letzten schlechten Erntejahren der gewöhnliche Kontraktpreis für den englischen Weizen, der dem sizilianischen an Güte nachsteht und auf dem europäischen Markte in der Regel schlechter bezahlt wird. Der Silberwert muss sich also zu dem heutigen wie drei zu vier verhalten haben, d. h. für drei Unzen Silber musste damals die nämliche Quantität Arbeit und Waren zu kaufen sein als jetzt für vier Unzen. Wenn wir daher im Plinius lesen, dass Sejus17 eine weiße Nachtigall als ein Geschenk für die Kaiserin Agrippina für 6000 Sestertien, etwa 50 Pfund unseres Geldes, und Asinius Celer18 eine Meerbarbe für 8000 Sestertien, etwa £ 66 13 sh. 4 d. unseres Geldes, kaufte, erscheinen uns diese Preise, so sehr wir über ihre außerordentliche Höhe staunen, doch noch um ein Drittel mäßiger als sie wirklich waren. Ihr wirklicher Preis, die Menge von Arbeit und Lebensmitteln, die dafür gegeben wurde, betrug etwa ein Drittel mehr als ihr Nominalpreis uns jetzt andeutet. Sejus gab für die Nachtigall so viel an Arbeit und Lebensmitteln, wie gegenwärtig £ 66 13 sh. 4 d., und Asinius Celer für die Meerbarbe so viel wie jetzt £88. 17 sh. 9 d. kaufen würden. Die außerordentliche Höhe dieser Preise wurde nicht sowohl durch den Überfluss an Silber als durch den Überfluss an Arbeit und Lebensmitteln veranlasst, die jenen Römern über den eigenen Bedarf zur Verfügung standen. Die ihnen zu Gebote stehende Menge Silber war um vieles geringer als die, welche sie sich heute durch die Verfügung über eine gleiche Menge von Arbeit und Lebensmitteln würden verschaffen können.
Zweite Art
Die zweite Art von Rohprodukten, deren Preis mit der fortschreitenden Kultur steigt, ist die, welche menschlicher Fleiß je nach der Nachfrage vervielfältigen kann. Sie besteht in jenen nützlichen Pflanzen und Tieren, die die Natur in unkultivierten Ländern in so verschwenderischer Fülle hervorbringt, dass sie nur wenig oder gar keinen Wert haben, und welche darum mit dem Fortschritt des Bodenanbaues anderen einträglicheren Erzeugnissen Platz machen müssen. Während einer langen Periode fortschreitender Kultur vermindert sich stetig ihre Menge, während gleichzeitig die Nachfrage nach ihnen fortwährend zunimmt. Ihr wirklicher Wert, die wirkliche Arbeitsmenge, die dafür zu haben ist, steigt daher allmählich, bis er zuletzt auf einem Punkte anlangt, wo ihre Produktion ebenso gewinnbringend wird, wie die irgendeiner anderen Sache, die menschlicher Fleiß dem fruchtbarsten und bestkultivierten Lande abgewinnen kann. Über diesen Punkt hinaus kann der Preis nicht wohl steigen, da sonst bald mehr Land und Fleiß auf Vermehrung der Menge verwendet werden würde.
Steigt z. B. der Preis des Viehs so hoch, dass es ebenso gewinnreich ist, auf dem Boden Nahrung für Vieh als für den Menschen zu ziehen, so kann er nicht wohl höher gehen, weil sonst bald mehr Getreideland zu Weide gemacht werden würde. Die Ausdehnung der Acker Wirtschaft verringert einerseits den Umfang des wilden Weidelandes und dadurch die Menge des Fleisches, die das Land ohne Arbeit und Anbau von selbst hervorbringt, und vermehrt andererseits die Zahl und Nachfrage derer, die Getreide, oder, was auf dasselbe hinauskommt, den Preis des Getreides dafür in Tausch zu geben haben. Der Preis des Fleisches, und folglich auch der des Viehs muss daher immer mehr und so weit steigen, bis es ebenso gewinnbringend wird, das fruchtbarste und bestkultivierte Land zur Erzeugung von Viehfutter als zum Getreidebau zu benutzen. Doch kann der Ackerbau erst bei weit fortgeschrittener Kultur derart ausgedehnt worden, dass der Preis des Viehs auf diese Höhe kommt, und bis es dahin gekommen ist, muss sein Preis, wenn das Land überhaupt fortschreitet, beständig steigen. Es mag Gegenden in Europa geben, wo der Preis des Viehs noch nicht so hoch gestiegen ist. In Schottland war er vor der Union nirgends so hoch, und wäre das Vieh immer auf den schottischen Markt beschränkt geblieben, so dürfte hier, wo der zu nichts anderem als zur Viehweide brauchbare Boden im Verhältnis zu dem, der sich zu anderen Zwecken eignet, so groß ist, der Preis des Viehs wohl schwerlich so hoch gestiegen sein, um den Futterbaugewinn reich zu machen. In England scheint, wie bereits bemerkt, der Preis des Viehs in der Nähe von London jene Höhe im Anfange des vorigen Jahrhunderts erreicht zu haben; erst viel später erreichte er sie in den meisten entlegeneren Gegenden, und in manchen von ihnen mag er sie wohl heute noch nicht erreicht haben. Doch ist von allen zur zweiten Art gehörigen Rohprodukten das Vieh wohl dasjenige, dessen Preis bei fortschreitender Kultur zuerst auf diese Höhe steigt.
In der Tat scheint es kaum möglich, dass, bevor der Preis des Viehs diese Höhe erreicht hat, der größte Teil selbst des der höchsten Kultur fähigen Bodens vollständig kultiviert sein kann. Auf allen Gütern, die zu weit von einer Stadt entfernt sind als dass aus ihr Dünger dahin gebracht werden könnte, d. h. auf den meisten Gütern eines ausgedehnten Landes muss die Menge des gutangebauten Bodens sich nach der Menge des Düngers richten, den das Gut selbst hervorbringt, und diese wiederum hängt von dem Viehstande des Gutes ab. Der Boden wird entweder durch das auf ihm weidende Vieh oder dadurch gedüngt, dass man das Vieh im Stalle füttert und den Mist auf das Land schafft. Wenn aber der Preis des Viehs nicht hoch genug ist, um die Rente und den Gewinn kultivierten Bodens zu bezahlen, so kann der Landwirt es nicht auf ihm weiden lassen und noch viel weniger es im Stalle füttern. Nur mit den Erzeugnissen eines hoch kultivierten Bodens kann das Vieh im Stalle gefüttert werden, weil es zu viel Arbeit erfordern und zu kostspielig sein würde, die spärlichen und vereinzelten Produkte unangebauten Ödlandes zu sammeln. Wenn daher der Preis des Viehs nicht hinreicht, die Erzeugnisse des angebauten Bodens zu bezahlen, auf dem es weidet, so wird jener Preis noch weniger hinreichen, diese Erzeugnisse zu bezahlen, wenn sie überdies mit vieler Mühe gesammelt und in den Stall gebracht werden müssen. Unter diesen Umständen kann deshalb nicht mehr Vieh gewinnbringend im Stalle gefüttert worden als zur Bestellung nötig ist. Diese Anzahl aber kann niemals genug Dünger geben, um alles kulturfähige Land fortwährend in gutem Stande zu erhalten. Da der so gelieferte Dünger für das ganze Gut unzureichend ist, so wird er für den Boden bewahrt, auf dem er am vorteilhaftesten und passendsten verwendet werden kann, nämlich auf dem fruchtbarsten oder etwa auf dem unmittelbar um den Pachthof liegenden Boden. Dieser wird mithin beständig in gutem Stande und anbaufähig erhalten, während man den übrigen größtenteils brachliegen lässt, so dass er nur etwas spärliche Weide für ein paar vereinzelt grasende, halb verhungerte Stücke Vieh abwirft. So besitzt das Gut, obwohl mit einem zu seiner vollständigen Bestellung nicht zulänglichen Viehstande versehen, dennoch oft im Verhältnis zu seiner dermaligen Produktion zu viel Vieh. Ein Teil dieses Brachlandes kann jedoch, nachdem es in dieser elenden Manier sechs oder sieben Jahre lang abgeweidet worden ist, umgeackert werden, um dann vielleicht ein oder zwei ärmliche Ernten schlechten Hafers oder einer anderen groben Getreideart zu liefern, wonach es gänzlich erschöpft wieder ausruhen und abgeweidet werden muss; dann wird ein anderer Teil umgepflügt, um seinerseits auf dieselbe Weise erschöpft zu werden und wieder brach liegen zu bleiben. So war das Wirtschaftssystem im ganzen schottischen Tieflande vor der Union beschaffen. Der jahraus jahrein wohlgedüngte und in gutem Stande erhaltene Boden machte selten mehr aus als den dritten oder vierten Teil des ganzen Gutes, mitunter aber nicht einmal den fünften oder sechsten Teil; der Rest wurde niemals gedüngt, sondern nur immer ein gewisser Teil davon abwechselnd geackert und erschöpft. Bei diesem Wirtschaftssystem konnte offenbar selbst der anbaufähige Teil des schottischen Bodens im Verhältnis zu seiner Ertragsfähigkeit nur wenig hervorbringen. So unvorteilhaft aber auch dies System erscheinen mag, so machte doch der niedrige Preis des Viehs vor der Union dasselbe beinahe unvermeidlich. Wenn es auch jetzt noch trotz der bedeutend höheren Viehpreise in einem großen Teil des Landes vorherrscht, so ist dies an vielen Orten ohne Zweifel der Unwissenheit und der Anhänglichkeit an alte Gewohnheiten zuzuschreiben, meistens aber den unvermeidlichen Hindernissen, die der natürliche Gang der Dinge der sofortigen Einführung eines besseren Systems entgegensetzt: nämlich erstens der Armut der Pächter oder dem Umstande, dass sie noch nicht Zeit hatten, sich einen für die vollständigere Bestellung zulänglichen Viehstand anzuschaffen, da dieselbe Preiserhöhung, die die Unterhaltung eines größeren Viehstandes für sie vorteilhaft machen würde, auch wieder seine Anschaffung erschwert; zweitens dem Umstande, dass sie, falls sie ihn anschaffen konnten, noch nicht Zeit hatten, ihre Ländereien auf die Unterhaltung eines größeren Viehstandes ordentlich einzurichten. Die Vermehrung des Viehstandes und die Verbesserung des Bodens müssen Hand in Hand gehen, und das eine kann niemals dem anderen weit vorauseilen. Ohne eine Verbesserung des Bodens ist eine Zunahme des Viehstandes kaum möglich, und eine beträchtliche Zunahme des Viehstandes kann nur infolge einer bedeutenden Bodenverbesserung eintreten, weil sonst der Boden dem Vieh keinen Unterhalt gewähren könnte. Diese natürlichen Hindernisse der Einführung eines besseren Systems lassen sich nur durch eine lange fortgesetzte Sparsamkeit und Arbeitsamkeit entfernen, und es dürfte ein halbes oder vielleicht ein Jahrhundert vergehen, bis das allmählich verschwindende frühere System in allen Teilen des Landes vollständig abgeschafft sein kann. Unter allen kommerziellen Vorteilen, die Schottland aus der Union mit England gezogen hat, ist jedoch diese Erhöhung des Viehpreises wohl der größte: sie hat nicht nur den Wert aller Hochlandgüter gesteigert, sondern ist wohl auch die Hauptursache der verbesserten Kultur des Tieflandes.
In allen neuen Kolonien vermehrt sich infolge der großen Menge öden Landes, das viele Jahre lang nur zur Viehweide benutzt werden kann, das Vieh bald außerordentlich, und große Wohlfeilheit ist in allen Dingen eine notwendige Folge des Überflusses. Obgleich alles Vieh der europäischen Kolonien in Amerika ursprünglich von Europa dahin gebracht wurde, so vermehrte es sich doch bald so sehr und ward so wertlos, dass man selbst die Pferde wild in den Wäldern umherlaufen ließ, und ihr Besitzer es nicht der Mühe für wert hielt, sie für sich zu beanspruchen. Erst lange nach der ersten Ansiedelung kann es Gewinn bringen, mit den Produkten kultivierten Landes Vieh zu mästen. Die gleichen Ursachen nämlich der Mangel an Dünger und das Missverhältnis zwischen dem zur Bestellung verwendeten Kapital und dem Boden, zu dessen Bestellung es bestimmt ist, führen daher dort zu einem dem noch heute in vielen Teilen Schottlands bestehenden nicht unähnlichen Wirtschaftssystem. Der schwedische Reisende Kalm bemerkt daher in seinem Bericht über die Landwirtschaft einiger englischer Kolonien in Amerika, wie er sie 1749 fand, dass er dort den Charakter der in allen Zweigen der Landwirtschaft so weit vorgeschrittenen englischen Nation kaum wiederzuerkennen vermochte. Die Getreidefelder, sagt er, düngt man dort kaum; ist ein Stück Land durch mehrere aufeinander folgende Ernten erschöpft, so lichtet und kultiviert man ein anderes Stück Land, und wenn auch dieses erschöpft ist, macht man sich an ein drittes. Das Vieh lässt man in den Wäldern und auf sonstigem unangebauten Boden umherlaufen, wo es halb verhungert; denn der Graswuchs ist längst beinahe vernichtet, weil man es vorzeitig im Frühling abmähte, ehe es Blüten treiben und Samen ausstreuen konnte. Die einjährigen Gräser waren, wie es scheint, in jenem Teile Nordamerikas früher das beste wildwachsende Gras, und als die Europäer sich zuerst dort niederließen, wuchs es sehr dicht, und wurde drei bis vier Fuß hoch. Ein Stück Wiese, das zu Kalms Zeit nicht eine einzige Kuh ernähren konnte, ernährte früher, wie man ihn versicherte, deren vier, die jede viermal so viel Milch gaben als jene eine zu geben imstande war. Die Armut des Weidelandes hatte nach seiner Ansicht die Entartung des von einer Generation zur andern sichtlich schlechter werdenden Viehs zur Folge. Vermutlich war es jener verkümmerten Rasse ähnlich, die vor dreißig bis vierzig Jahren in ganz Schottland gewöhnlich war, und die jetzt in dem größeren Teile des Tieflandes nicht sowohl durch Kreuzung – obwohl hier und da auch dieses Mittel angewandt wurde – als durch eine bessere Ernährung so sehr veredelt worden ist.
Obwohl hiernach der Fortschritt des Anbaus schon weit gediehen sein muss, ehe das Vieh einen so hohen Preis bringen kann, dass die Bestellung des Landes mit Futterkräutern lohnend wird, so ist doch unter allen Produkten der zweiten Art Vieh dasjenige, das wohl zuerst diesen Preis bringt, weil es unmöglich scheint, dass die Kultur auch nur jenen Grad von Vollkommenheit, zu welchem sie in vielen Teilen Europas gediehen ist, früher erreichen kann.
Wild hingegen bringt wohl jenen Preis zuletzt. Der Preis des Wildes in Großbritannien, so hoch er erscheinen mag, ist doch nicht entfernt hinreichend, die Kosten eines Wildparks einzubringen, wie allen bekannt ist, die einige Erfahrung darin haben. Wenn es anders wäre, so würde die Aufziehung von Wild sich bald einbürgern, wie bei den alten Körnern die Aufzucht jener kleinen Vögel, Turdi genannt. Varro und Columella versichern, dass diese Zucht sehr einträglich war. Die Aufzucht der Ortolane, mager ins Land kommender Zugvögel, soll in einigen Gegenden Frankreichs mit Vorteil betrieben werden. Wenn das Wildbret Modeartikel bleibt, und der Reichtum und Luxus Großbritanniens so weiter wächst, wie es seit einiger Zeit der Fall ist, so kann sein Preis recht wohl noch höher steigen.
Zwischen der Periode des Fortschritts der Bodenkultur, die den Preis eines so notwendigen Artikels, wie Nutzvieh, und derjenigen, die. den Preis eines so überflüssigen Artikels, wie Wild, auf seinen Höhepunkt bringt, ist ein langer Zwischenraum, in dessen Verlauf allmählich viele andere Arten von Rohprodukten, die einen je nach Umständen früher, die anderen später, ihren höchsten Preis erreichen.
So pflegt auf jedem Gute von den Abgängen aus Scheunen und Ställen eine gewisse Anzahl Geflügel erhalten zu werden, das, da es sich von sonst verloren gehenden Abfällen nährt, eine reine Ersparnis darstellt, und, da es den Landmann kaum etwas kostet, von ihm um ein Geringes verkauft werden kann. Beinahe alles, was er dafür erhält, ist reiner Gewinn, und der Preis kann kaum so niedrig werden, um ihn von der Aufzucht jener Anzahl abzuhalten. In schlecht bebauten und darum auch nur dünnbevölkerten Ländern ist das so ohne Kosten aufgezogene Geflügel oft in ausreichender Menge vorhanden, um die ganze Nachfrage zu befriedigen. Bei diesem Stande der Dinge ist es oft so wohlfeil wie Fleisch von Schlachtvieh oder irgendeine andere Art tierischer Nahrung. allein die ganze Menge von Federvieh, welche das Gut auf diese Weise ohne Kosten hervorbringt, muss immer viel geringer sein als die Gesamtmenge des Fleisches, das auf ihm gewonnen wird; und in Zeiten des Reichtums und des Luxus wird immer das Seltene, wenn es nur ungefähr ebenso gut ist, dem Gewöhnlichen vorgezogen. Wenn daher Reichtum und Luxus infolge höherer Kultur zunehmen, so steigt der Preis des Federviehs allmählich über den des Schlachtviehes, bis er zuletzt den Punkt erreicht, wo es lohnend wird, auch zur Aufzucht von Geflügel Land zu bestellen. Über diese Höhe jedoch kann der Preis nicht wohl steigen, weil sonst bald mehr Land für diesen Zweck bestimmt werden würde. In einigen französischen Provinzen wird die Geflügelzucht als ein sehr wichtiger Artikel der Landwirtschaft und als vorteilhaft genug angesehen, um den Landmann zur Anpflanzung einer großen Menge Mais und Buchweizen zu diesem Zwecke zu veranlassen. Ein mittlerer Bauer hat dort manchmal 100 Stück Federvieh auf seinem Hofe. In England scheint man der Geflügelzucht noch nicht diese Wichtigkeit beizulegen, und doch ist hier Geflügel teurer als in Frankreich, von wo eine große Zufuhr erfolgt. Bei fortschreitender Kultur muss der Zeitpunkt, wo jede Gattung tierischer Nahrung ihren höchsten Preis erreicht, eintreten, unmittelbar bevor es allgemeinere Regel wird, den Boden mit Viehfutter zu bestellen. Ehe dies allgemein wird, muss der Mangel eine Zeitlang den Preis steigern; später aber werden gewöhnlich neue Fütterungsmethoden ersonnen, die den Landmann instand setzen, auf einer gleichen Fläche Landes eine weit größere Menge tierischer Nahrung zu erzeugen. Die große Menge zwingt ihn dann nicht nur, wohlfeiler zu verkaufen, sondern jene Verbesserungen setzen ihn auch instand, es zu können; denn könnte er es nicht, so würde es mit der großen Menge nicht lange dauern. Wahrscheinlich hat auf diese Weise der Anbau des Klees, der Rüben, der Möhren, des Kohls usw. dazu beigetragen, den gewöhnlichen Preis des Schlachtfleisches auf dem Londoner Markte etwas niedriger zu stellen als es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts stand.
Das Schwein, das seine Nahrung im Kot findet und viele Dinge, die andere Nutztiere verschmähen, gierig verschlingt, wird wie das Geflügel anfänglich der Ersparnis wegen gehalten. So lange die Zahl solcher Tiere, die mit wenig oder gar keinen Kosten aufgezogen werden können, zur Deckung der Nachfrage hinreicht, kommt das von ihnen gewonnene Fleisch zu weit niedrigerem Preise auf den Markt als jedes andere. Wenn aber die Nachfrage größer wird, so dass man behufs Aufzucht und Mast der Schweine Futter anbauen muss, wie für andere Tiere auch, so steigt notwendig der Preis und wird höher oder niedriger sein als der von anderem Fleisch, je nachdem die Natur des Landes und der Stand seiner Landwirtschaft die Aufzucht von Schweinen teurer oder billiger macht als des anderen Viehs. In Frankreich ist nach Buffon der Preis des Schweinefleisches ebenso hoch als der des Rindfleisches. In den meisten Gegenden Großbritanniens ist er gegenwärtig etwas höher.
Das starke Steigen im Preise der Schweine und des Federviehs hat man in Großbritannien häufig der verringerten Anzahl der Grundbesitzer und kleinen Häusler zugeschrieben; eine Erscheinung, die in ganz Europa der unmittelbare Vorläufer besserer landwirtschaftlicher Methoden war, und die zu gleicher Zeit immerhin dazu beigetragen haben mag, den Preis jener Artikel etwas früher und schneller zum Steigen zu bringen als es sonst geschehen sein würde. Wie die ärmste Familie ohne alle Kosten sich eine Katze oder einen Hund halten kann, so können sich die ärmsten Grundbesitzer gewöhnlich mit sehr geringen Kosten etwas Federvieh oder eine Sau und ein paar Ferkel halten. Die Abfälle ihres Tisches, Molken, abgerahmte und Buttermilch liefern für diese Tiere einen Teil der nötigen Nahrung, und das Übrige finden sie auf den nahegelegenen Feldern, ohne jemandem merklichen Schaden zu tun. Durch Verminderung der Zahl jener kleinen Besitzer muss daher auch die Menge dieser Art mit wenigen oder ohne alle Kosten erzeugten Lebensmittel erheblich geringer geworden, und infolge dessen ihr Preis früher und schneller gestiegen sein als es sonst geschehen sein würde. Früher oder später jedoch muss er bei fortschreitender Kultur auf seinen Höhepunkt, d. h. auf den Preis kommen, durch welchen die Arbeit und Kulturkosten des zum Futterbau verwendeten Bodens ebenso bezahlt werden, wie sie von dem größten Teil des übrigen angebauten Bodens bezahlt werden.
Auch die Milchwirtschaft wird ursprünglich, wie das Aufziehen von Schweinen und Federvieh, nur aus Ersparnis betrieben. Das auf dem Gute unentbehrliche Vieh bringt mehr Milch hervor als die Aufzucht der Jungen oder der Verbrauch der Gutsfamilie erfordert, und in einer bestimmten Jahreszeit liefert es davon besonders viel. Nun ist aber von allen Produkten der Landwirtschaft Milch wohl dasjenige, das sich am wenigsten hält. In der warmen Jahreszeit, wo ihr Vorrat am größten ist, hält sie sich kaum vierundzwanzig Stunden lang. Macht der Landmann frische Butter daraus, so kann er einen kleinen Teil eine Woche lang, macht er gesalzene Butter, ein Jahr lang, und macht er Käse daraus, so kann er einen viel größeren Teil mehrere Jahre lang aufbewahren. Einiges davon gebraucht er für seine eigene Familie; das Übrige kommt auf den Markt, um dort den besten Preis zu erzielen, der zu erhalten ist, und der kaum so niedrig sein kann, dass er den Landmann abhält, alles hinzuschicken, was seine eigene Familie nicht gebraucht. Ist der Preis sehr niedrig, so wird er seine Milchkammer vielleicht in liederlichem und schmutzigem Stande halten und es kaum der Mühe wert erachten, einen eigenen Raum oder Bau zu diesem Zwecke zu bestimmen, sondern er wird das Geschäft mitten im Rauch, Schmutz und Unrat seiner Küche treiben; wie es auf den meisten Bauernhöfen Schottlands vor dreißig oder vierzig Jahren herging, und bei vielen noch heute hergeht. Dieselben Ursachen, die ein allmähliches Steigen der Fleischpreise bewirken, nämlich die Zunahme der Nachfrage und die infolge erhöhter Bodenkultur verringerte Zahl des mit wenig oder gar keinen Kosten aufgezogenen Viehs, bewirken auch eine Preissteigerung der Produkte der Milchwirtschaft, deren Preis mit dem des Fleisches oder mit den Kosten der Viehzucht natürlich zusammenhängt. Der steigende Preis macht für mehr Arbeit, Sorgfalt und Reinlichkeit bezahlt; die Milchwirtschaft wird dadurch der Aufmerksamkeit des Landmanns würdiger, und die Qualität ihres Produktes wird allmählich besser. Schließlich erreicht der Preis eine solche Höhe, dass es der Mühe lohnt, einen Teil des fruchtbarsten und bestkultivierten Landes der Aufzucht von Vieh bloß zum Zwecke der Milchgewinnung zu widmen; doch wenn er diese Höhe erlangt hat, kann er nicht wohl höher steigen. Andernfalls würde bald demselben Zwecke mehr Land gewidmet werden. Im größten Teil Englands, wo bereits viel gutes Land auf diese Weise benutzt zu werden pflegt, scheint der Milchpreis diese Höhe erreicht zu haben; nicht aber in Schottland, wo, mit Ausnahme der Umgebung einiger großen Städte gewöhnliche Landleute selten viel gutes Land dazu verwenden, um darauf Viehfutter bloß zum Zwecke der Milchgewinnung zu erzeugen. Der Preis, so stark er auch seit wenigen Jahren gestiegen ist, mag dazu doch noch zu niedrig sein. Die geringe Güte der Milch in Schottland im Vergleich zu der englischer Wirtschaften stimmt ganz mit der Niedrigkeit des Preises überein; doch ist diese geringe Qualität wohl eher die Wirkung als die Ursache des niedrigen Preises. Wenn auch die Beschaffenheit viel besser wäre, so könnte doch, fürchte ich, unter den gegenwärtigen Verhältnissen des Landes die meiste auf den Markt gebrachte Milch zu keinem viel besseren Preise verkauft werden, und der gegenwärtige Preis ist wahrscheinlich nicht hoch genug, um die Kosten für Land und Arbeit zu ersetzen, welche zur Herstellung einer besseren Qualität erforderlich sein würden. Im größten Teil Englands wird die Milchwirtschaft trotz des höheren Preises nicht für eine einträglichere Bodenverwendung gehalten als der Getreidebau oder die Viehzucht, die beiden bedeutendsten Gegenstände der Landwirtschaft. Im größten Teile Schottlands kann sie daher selbst nicht einmal so einträglich sein.
In keinem Lande kann offenbar der Boden nicht eher vollständig kultiviert sein, bis der Preis aller Produkte, die menschlicher Fleiß ihm abgewinnen muss, so hoch gestiegen ist, um die Kosten einer so vollkommenen Kultur zu lohnen. Um dies zu tun, muss der Preis jedes einzelnen Produkts hinreichend sein, erstens um die Rente guten Getreidelandes abzuwerfen, da sich nach dieser die Rente des meisten übrigen kultivierten Landes richtet, und zweitens die Arbeit und die Auslagen des Pächters ebenso wie gewöhnlich bei gutem Getreidelande zu bezahlen, oder mit anderen Worten, ihm das verwendete Kapital samt den üblichen Gewinnen zurückzuerstatten. Diese Preissteigerung jedes einzelnen Produkts muss offenbar der Kultur des zu seiner Hervorbringung bestimmten Bodens vorangehen. Gewinn ist der Zweck aller Verbesserungen, und sie verdienen diesen Namen nicht, wenn Verluste aus ihnen erwachsen. Verlust muss aber notwendig aus einer Kultur entstehen, deren Produkt durch seinen Preis die Kosten nicht wiedererstatten kann. Wenn die vollkommene Kultur des Landes für das Gemeinwohl, wie nicht bezweifelt werden kann, von höchstem Segen ist, so darf man dies Steigen im Preise aller der verschiedenen Arten von Rohprodukten nicht als ein öffentliches Unglück, sondern muss es als den Vorläufer und Begleiter der größten öffentlichen Wohlfahrt betrachten.
