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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 34

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Viertes Buch
Die Systeme der politischen Ökonomie

Einleitung

Die politische Ökonomie als ein Zweig des Wissens eines Staatsmanns oder Gesetzgebers betrachtet, verfolgt zwei verschiedene Ziele: erstens, wie dem Volke reichliches Einkommen oder Unterhalt zu verschaffen, oder, richtiger, wie es instand zu setzen sei, sich selbst ein reichliches Einkommen oder Unterhalt zu verschaffen; und zweitens, wie dem Staat oder Gemeinwesen ein zur Bestreitung der öffentlichen Dienste hinreichendes Einkommen zu sichern sei. Sie hat den Zweck, sowohl die Staatsbürger als auch den Herrscher zu bereichern.

Die verschiedene Entwicklung des Reichtums in verschiedenen Zeitaltern und bei verschiedenen Völkern hat zwei verschiedene Systeme der politischen Ökonomie in Hinsicht auf das Ziel, das Volk zu bereichern, hervorgerufen. Das eine von ihnen kann das Handels-, das andere das Landwirtschaftssystem genannt werden. Ich werde beide so vollständig und deutlich, wie ich kann, darzulegen suchen, und werde mit dem Handelssystem beginnen. Es ist das neuere System und unser Land wie unsere Zeit sind am besten damit vertraut.


Erstes Kapitel
Grundsätze des Handels- oder Merkantilsystems

Dass der Reichtum in Geld oder in Gold und Silber bestehe, ist eine vulgäre Vorstellung, die ihren natürlichen Entstehungsgrund in der doppelten Funktion des Geldes als Verkehrswerkzeug und als Wertmesser hat. Infolge seiner Eigenschaft als Verkehrswerkzeug können wir, wenn wir Geld haben, uns alles, was wir brauchen, leichter verschaffen als mittelst jeder andern Ware. Das Wichtigste ist immer, Geld zu haben. Wenn wir das haben, hält es nicht schwer, jeden andern Kauf zu machen. Infolge seiner Eigenschaft als Wertmesser schätzen wir den Wert aller anderen Waren nach der Menge Geldes, für die sie zu haben sind. Wir sagen von einem reichen Manne, er sei viel, und von einem armen, er sei wenig Geld »wert«. Von einem sparsamen Manne, d. h. einem Manne, der gern reich sein möchte, sagt man, er liebe das Geld; und von einem sorglosen, freigebigen oder verschwenderischen Menschen, er achte das Geld nicht. Reich werden heißt Geld erwerben; kurz, Vermögen und Geld werden in der gewöhnlichen Sprachweise als durchaus gleichbedeutend angesehen.

Ein reiches Land, meint man, müsste ebenso wie ein reicher Mann Überfluss an Geld haben; und Gold und Silber in einem Lande anzuhäufen, sei der leichteste Weg, es zu bereichern. Nach der Entdeckung Amerikas pflegte die erste Frage der Spanier, wenn sie an einer unbekannten Küste landeten, dahin zu lauten, ob Gold oder Silber in der Gegend zu finden sei. Nach den Nachrichten, die sie darüber einzogen, beurteilten sie, ob es der Mühe lohne, sich daselbst niederzulassen, bzw. ob das Land der Eroberung wert sei. Plano Carpino, ein Mönch, der vom König von Frankreich als Gesandter zu einem der Söhne des berühmten Dschingis Khan gesandt war, erzählt, die Tartaren hätten ihn oft gefragt, ob es in Frankreich viele Schafe und Ochsen gebe? Ihre Frage hatte denselben Zweck, wie die der Spanier; sie wollten wissen, ob das Land reich genug sei, um die Eroberung zu verlohnen. Unter den Tartaren, wie unter allen andern Hirtenvölkern, die gewöhnlich mit dem Gebrauche des Geldes nicht bekannt sind, ist Vieh das Verkehrs-Werkzeug und der Maßstab des Wertes. Nach ihrer Ansicht bestand daher der Reichtum in Vieh, wie er nach der Ansicht der Spanier in Gold und Silber bestand. Von beiden Ansichten kam vielleicht die tartarische der Wahrheit näher.

Locke findet folgenden Unterschied zwischen Geld und anderen beweglichen Gütern. Alle anderen beweglichen Güter, sagt er, sind so leicht zu verbrauchen, dass man sich auf den in ihnen bestehenden Reichtum nicht verlassen kann, und dass eine Nation, die in dem einen Jahre einen Überfluss daran hat, im nächsten Jahre, ohne alle Ausfuhr, sondern lediglich durch Verschwendung, großen Mangel daran haben kann. Geld hingegen sei ein beständiger Freund, der zwar von Hand zu Hand wandere, aber wenn man verhindern kann, dass er aus dem Lande geht, nicht leicht der Vergeudung und dem Verbrauch ausgesetzt sei. Daher sei Gold und Silber der solideste und wichtigste Teil des beweglichen Reichtums einer Nation, und die Vermehrung dieser Metalle sollte deshalb, wie er meint, das Hauptziel der Staatswirtschaft sein.

Andere räumen ein, dass wenn ein Volk sich von aller Welt isolieren könnte, wenig darauf ankommen würde, wie viel oder wie wenig Gold bei ihm umlaufe. Die Verbrauchsgegenstände, die mittelst dieses Geldes in Umlauf kämen, würden nur für eine größere oder kleinere Anzahl Geldstücke vertauscht werden; aber die tatsächliche Wohlhabenheit oder Armut des Landes würde, das geben sie zu, nur von dem Überfluss oder dem Mangel dieser Verbrauchsgegenstände abhängen. Anders hingegen, meinen sie, verhalte es sich mit Ländern, die mit fremden Völkern Verbindungen haben, auswärtige Kriege zu führen genötigt sind und Flotten und Heere in fernen Gegenden unterhalten müssen. Dies könne, sagen sie, nur dadurch geschehen, dass zu ihrer Bezahlung Geld außer Landes geschickt werde, und ein Volk könne nicht viel wegschicken, wenn es nicht viel habe. Mithin müsse jedes Volk in Friedenszeiten Gold und Silber aufhäufen, um eintretenden Falls die Mittel zur Führung auswärtiger Kriege zu besitzen.

Infolge dieser vulgären Vorstellungen haben alle europäischen Völker, freilich ohne sonderlichen Erfolg, auf alle möglichen Mittel gesonnen, Gold und Silber in ihren Ländern aufzuhäufen. Spanien und Portugal, die die bedeutendsten Minen besitzen, aus denen Europa mit diesen Metallen versorgt wird, haben ihre Ausfuhr entweder unter den härtesten Strafen verboten oder sie mit einer hohen Abgabe belegt. Ähnliche Verbote scheinen früher bei den meisten anderen europäischen Völkern gang und gäbe gewesen zu sein und finden sich sogar, wo man es am wenigsten erwarten sollte, in einigen alten schottischen Parlamentsakten, die die Ausfuhr von Gold und Silber aus dem Königreiche bei schwerer Strafe untersagen. Die gleiche Politik befolgten früher Frankreich und England.

Als diese Länder Handelsstaaten wurden, fanden die Kaufleute dies Verbot in vielen Fällen äußerst lästig. Sie konnten oft die fremden Waren, die sie nach ihrem Land einführen oder in andere fremde Länder bringen wollten, vorteilhafter mit Gold oder Silber als mit jeder andern Ware kaufen. Sie machten daher gegen das Verbot als für den Handel schädlich, Vorstellungen.

Sie machten geltend, dass erstlich die Ausfuhr von Gold und Silber zum Ankauf fremder Waren nicht immer die Menge dieser Metalle im Reiche vermindere. Im Gegenteil könne sie sie oft vergrößern, weil jene Waren, wenn sich ihr Verbrauch im Lande nicht vermehre, nach fremden Ländern zurück exportiert werden könnten, und dann, mit großem Gewinn verkauft, mehr Geld zurückbrächten als zu ihrem Ankauf fortgesendet war. Man vergleicht diese Tätigkeit des auswärtigen Handels mit dem Säen und Ernten beim Ackerbau: »Betrachten wir die Tätigkeit des Landwirts nur zur Saatzeit, wo er viel gutes Korn in die Erde hineinwirft, so werden wir ihn eher für einen Narren als für einen Landwirt halten; sehen wir aber auf das Ziel seiner Arbeiten in der Ernte, so werden wir den Wert und reichen Erfolg seines Handels entdecken.«

Zweitens machten sie geltend, dass das Verbot die Ausfuhr von Gold und Silber nicht verhindern könne, die wegen ihres im Verhältnis zum Werte kleinen Umfangs leicht hinaus zu schmuggeln seien. Die Ausfuhr könne nur durch gehörige Beachtung dessen, was sie die Handelsbilanz nannten, verhütet werden. Wenn das Land Waren in einem höheren Betrag ausführe als einführe, so würden ihm fremde Völker einen Saldo schuldig bleiben, der notwendig in Gold und Silber bezahlt werden müsse und dadurch die Menge dieser Metalle im Reich vergrößere. Wenn hingegen das Land Waren im höheren Betrag einführe als ausführe, so würde es fremden Nationen einen Saldo schuldig bleiben, der diesen auf dieselbe Weise gezahlt werden müsse und jene Menge verringern würde. In diesem Falle könne das Verbot die Ausfuhr nicht verhüten, sondern sie nur kostspieliger, weil gefahrvoller, machen. Der Wechselkurs werde dadurch noch ungünstiger für das schuldende Land, weil der Geschäftsmann, der einen Wechsel auf das Ausland kaufe, dem Bankier, der ihn verkauft, nicht nur das in der Natur der Sache liegende Risiko, sowie die Mühe und Kosten der Versendung des Geldes, sondern auch noch die aus dem Verbote entstehende Gefahr vergüten müsse. Je mehr aber der Wechselkurs gegen ein Land stehe, desto ungünstiger werde auch die Handelsbilanz für es, weil das Geld dieses Landes im Vergleich zu dem des Landes, das die Bilanz für sich habe, notwendig um ebenso viel im Werte sinken müsse. Sei z. B. der Wechselkurs zwischen England und Holland 5% gegen England, so würden in England 105 Unzen Silber nötig sein, um einen Wechsel von 100 Unzen Silber auf England zu kaufen; 105 Unzen Silber wären also in England nur so viel wert, wie 100 Unzen in Holland, und würden auch nur eine verhältnismäßige Menge holländischer Waren kaufen; 100 Unzen Silber in Holland würden dagegen so viel wert sein, wie 105 Unzen in England und eine verhältnismäßige Menge englischer Waren kaufen. Die englischen Waren, die man nach Holland verkaufe, würden um die Differenz des Wechselkurses wohlfeiler, und die holländischen Waren, die man nach England verkaufe, um so viel teurer verkauft; das eine würde um die Differenz des Wechselkurses weniger holländisches Geld nach England, und das andere umso viel mehr englisches Geld nach Holland ziehen; und die Handelsbilanz stehe mithin notwendig um so viel ungünstiger für England und erfordere die Ausfuhr eines größeren Saldo an Gold und Silber nach Holland.

Diese Argumente waren teils richtig und teils sophistisch. Sie waren richtig, soweit sie anführten, dass die Ausfuhr des Goldes und Silbers im Handel dem Lande oft vorteilhaft sein könne und dass kein Verbot ihre Ausfuhr zu verhüten vermöge, wenn Privatleute bei dieser Ausfuhr Vorteil fänden. Sophistisch aber waren sie in der Annahme, dass die Erhaltung oder Vermehrung jener Metalle die Beachtung der Regierung mehr verdiene als die Erhaltung oder Vermehrung jeder anderen nützlichen Ware, die bei der Freiheit des Handels ohne jede Bedachtnahme von selbst in der nötigen Menge vorhanden sein wird. Sophistisch war auch vielleicht die Behauptung, der hohe Preis der Wechsel vermehre notwendig die sogenannte ungünstige Handelsbilanz, oder veranlasse die Ausfuhr einer größeren Menge Goldes und Silbers. Dieser hohe Preis war allerdings den Kaufleuten, die Geld ins Ausland zu schicken hatten, sehr nachteilig, denn sie mussten die Wechsel, welche sie von ihren Bankiers auf ausländische Plätze erhielten, umso teurer bezahlen. Allein das aus dem Verbot entspringende Risiko verursachte zwar den Bankiers außergewöhnliche Kosten, aber deshalb wurde nicht notwendig mehr Geld aus dem Lande geführt. Diese Kosten wurden vielmehr gewöhnlich alle im Lande verauslagt, um das Geld aus dem Lande zu schmuggeln, und konnten kaum einen Sixpence mehr als die gezogene Summe hinaustreiben. Auch musste der hohe Preis der Wechsel die Kaufleute bewegen, die Ausfuhr mit der Einfuhr womöglich ins Gleichgewicht zu bringen, um den hohen Wechselkurs auf eine möglichst kleine Summe zu bezahlen. Überdies musste der hohe Preis der Wechsel wie eine Steuer wirken, den Preis der fremden Waren erhöhen und dadurch ihren Verbrauch vermindern. Er konnte daher die sogenannte ungünstige Handelsbilanz und folglich die Ausfuhr des Goldes und Silbers nicht vermehren, sondern nur vermindern.

Doch wie dem auch sei, diese Argumente überzeugten die Leute, an die sie gerichtet waren. Sie waren von Kaufleuten an Parlamente und Ministerien, an den Adel und die Gentry gerichtet, d. h. von Leuten, die man in Handelsangelegenheiten für sachverständig hielt, an Leute, die recht wohl wussten, dass sie nichts davon verständen. Dass der auswärtige Handel das Land bereichere, zeigte die Erfahrung dem Adel und der Gentry so gut wie den Kaufleuten; aber in welcher Weise, das wusste keiner von ihnen recht. Die Kaufleute wussten vollkommen, in welcher Weise er sie bereicherte; es war ihre Sache, das zu wissen; aber auf welche Art er das Land bereichere, ging sie nichts an. Daran dachten sie nur, wenn sich eine Gelegenheit bot, vom Lande eine Veränderung in den Gesetzen über den auswärtigen Handel zu verlangen. Dann wurde es nötig, etwas von den wohltätigen Wirkungen des auswärtigen Handels zu reden und über die Art, wie diese Wirkungen durch die bestehenden Gesetze gehemmt würden. Den Richtern, die in der Sache zu entscheiden hatten, schien es sehr einleuchtend, wenn man ihnen sagte, dass der auswärtige Handel Geld ins Land bringe, dass aber die fraglichen Gesetze ihn verhinderten, es in dem Umfange zu tun, wie er es sonst könnte. Jene Argumente hatten daher den gewünschten Erfolg. Das Verbot der Gold- und Silberausfuhr war in Frankreich und England auf die Landesmünzen beschränkt, ausländische Münzen aber und Barren waren freigegeben. In Holland und an einigen anderen Orten war diese Freiheit sogar auf die Landesmünze ausgedehnt. Die Aufmerksamkeit der Regierung wurde von der Verhütung der Gold- und Silberausfuhr abgezogen und auf die Überwachung der Handelsbilanz als der einzigen Ursache, die eine Vermehrung oder Verminderung jener Metalle bewirken könne, hingelenkt. Von einer fruchtlosen Sorge wurde sie auf eine noch weit verwickeltere schwierigere und doch ebenso fruchtlose gelenkt. Der Titel von Muns Buche: »Englands Schatz im auswärtigen Handel« wurde ein Grundsatz in der politischen Ökonomie nicht allein Englands, sondern auch aller anderen Handelsstaaten. Der inländische oder Binnenhandel, der wichtigste von allen, der Handel in dem ein gleich großes Kapital das größte Einkommen liefert und dem Volke die ausgebreitetste Beschäftigung verschafft, wurde nur als nebensächlich gegenüber dem auswärtigen Handel betrachtet. Der Binnenhandel, hieß es, bringe weder Geld ins Land, noch führe er etwas hinaus. Das Land könne also durch ihn weder reicher noch ärmer werden, außer insofern seine Blüte oder sein Verfall indirekt auf den Zustand des auswärtigen Handels Einfluss übe.

Ein Land, das keine eignen Bergwerke hat, muss ohne Zweifel sein Gold und Silber aus fremden Ländern beziehen, gerade wie ein Land, das keine eignen Weinberge hat, seine Weine anderswoher beziehen muss. Es scheint jedoch nicht nötig zu sein, dass der Staat seine Aufmerksamkeit mehr auf den einen als auf den andern Gegenstand verwende. Ein Land, das die Mittel hat, Wein zu kaufen, wird immer so viel Wein erhalten, wie es braucht; und ein Land, das die Mittel hat, Gold und Silber zu kaufen, wird niemals um diese Metalle in Verlegenheit sein. Sie sind gleich allen anderen Waren für einen gewissen Preis zu kaufen, und wie sie der Preis aller anderen Waren sind, so sind diese wieder der Preis jener Metalle. Wir können mit vollkommener Sicherheit darauf rechnen, dass die Freiheit des Handels uns ohne alle Fürsorge der Regierung stets mit so viel Wein versorgen wird, wie wir brauchen, und können mit ebenso großer Sicherheit darauf rechnen, dadurch stets auch mit allem Golde und Silber versorgt zu werden, das wir zu kaufen und, sei es zum Umlauf unsrer Waren oder zu andern Zwecken, zu verwenden imstande sind.

Die Menge jeder Ware, die menschliche Betriebsamkeit entweder zu kaufen oder zu produzieren vermag, richtet sich in jedem Lande nach der wirksamen Nachfrage, d. h. nach der Nachfrage derjenigen, die bereit sind, die gesamte Rente, Arbeit und Gewinn zu zahlen, die für die Herstellung der Sache und für ihre Versendung nach dem Markte zu zahlen sind. Keine Ware aber richtet sich leichter oder genauer nach dieser wirksamen Nachfrage als Gold und Silber, weil wegen ihres geringen Volumens und großen Wertes keine leichter als diese Metalle von einem Orte nach dem anderen, von Orten, wo sie wohlfeil, nach anderen, wo sie teuer sind, von Orten, wo sie die wirksame Nachfrage überschreiten, nach anderen, wo sie hinter ihr Zurückbleiben, gebracht werden kann. Ist z. B. in England eine Nachfrage nach einer größeren Menge Goldes, so kann ein Paketboot fünfzig Tonnen Gold von Lissabon, oder wo es sonst zu haben ist, hierher bringen, woraus mehr als fünf Millionen Guineen geprägt werden. Ist dagegen eine wirksame Nachfrage nach Getreide in ebenso hohem Betrag vorhanden, so würden, die Tonne zu fünf Guineen gerechnet, eine Million Schiffstonnen oder tausend Schiffe von je tausend Tonnen Gehalt dazu nötig sein. Die ganze englische Flotte reichte dazu nicht aus.

Wenn die in ein Land eingeführte Menge Goldes und Silbers die wirksame Nachfrage übersteigt, so kann keine Wachsamkeit der Regierung die Ausfuhr verhüten. All’ die harten Gesetze Spaniens und Portugals sind nicht imstande, ihr Gold und Silber im Lande zu halten. Die fortwährenden Einfuhren aus Peru und Brasilien übersteigen die wirksame Nachfrage jener Länder und drücken dort den Preis der Metalle unter das Niveau, auf dem er in den benachbarten Ländern steht. Wenn hingegen in einem Lande ihre Menge hinter der wirksamen Nachfrage zurückbleibt, so dass ihr Preis über sein Niveau in den benachbarten Ländern steigt, so hat die Regierung nicht nötig, sich um ihre Einfuhr besondere Mühe zu geben. Selbst wenn sie die Einfuhr zu verhindern strebte, würde sie nicht imstande sein, dies durchzusetzen. Als die Spartaner die Mittel gewonnen hatten, Gold und Silber zu kaufen, durchbrachen diese Metalle alle Dämme, die die Lykurgischen Gesetze ihrem Eingange nach Lacedämon entgegengesetzt hatten. Alle harten Zollgesetze vermögen die Einfuhr des Tees der ostindischen Gesellschaften Hollands und Gothenburgs nicht zu verhindern, weil ihr Tee etwas wohlfeiler ist als der der britischen Gesellschaft. Und doch ist ein Pfund Tee von der besten Qualität, das mit 16 sh. bezahlt wird, ungefähr hundertmal so groß wie die bez. Menge Silbers und zweitausendmal so groß wie die bez. Menge Gold, und folglich um so viel schwerer einzuschmuggeln.

Dem leichten Transport von Gold und Silber von Orten, wo sie im Überfluss vorhanden sind, nach anderen, wo sie fehlen, ist es teilweise zuzuschreiben, dass der Preis dieser Metalle nicht fortwährend ebenso schwankt, wie der der meisten anderen Waren, die durch ihren Umfang gehindert sind, ihren Platz bei Überfüllung oder Entleerung des Marktes leicht zu verändern. Zwar ist auch der Preis dieser Metalle nicht ganz von Schwankungen frei, aber sie sind in der Kegel langsam, allmählich und gleichmäßig. Man nimmt z. B., vielleicht ohne rechten Grund, an, dass in Europa diese Metalle im gegenwärtigen und vorigen Jahrhundert wegen der beständigen Einfuhren aus dem spanischen Westindien ununterbrochen aber allmählich im Preise gesunken seien. Um jedoch eine plötzliche Veränderung im Preise von Gold und Silber hervorzubringen, so dass der Geldpreis aller anderen Waren dadurch auf einmal auffallend gesteigert oder gedrückt würde, dazu würde eine ähnliche Revolution im Handel erforderlich sein, wie die, welche durch die Entdeckung Amerikas veranlasst worden ist.

Wenn trotz alledem einmal Gold und Silber in einem Lande, das sie zu kaufen imstande ist, fehlen sollten, so gibt es dafür mehr Ersatzmittel als für jede andere Ware. Wenn die Rohstoffe für die Industrie fehlen, so muss diese in Stockung geraten. Fehlt es an Lebensmitteln, so müssen die Leute darben. Doch wenn Geld fehlt, wird der Tausch an seine Stelle treten, wenn er auch mit großen Unbequemlichkeiten verknüpft ist. Kaufen und verkaufen auf Kredit und monatliche oder halbjährige Abrechnung der Kaufleute würde das Gold schon viel leichter ersetzen. Ein gut eingerichtetes Papiergeld aber wird seine Stelle nicht nur ohne Unbequemlichkeit, sondern oft sogar mit Vorteil ersetzen. Die Fürsorge der Regierung wäre daher in keiner Hinsicht so unnütz angewandt, als in der Überwachung der Goldmenge im Lande.

Gleichwohl ist keine Klage häufiger als die über Geldmangel. Geld, wie Wein, ist stets selten bei Leuten, die keine Mittel haben, sie zu kaufen, noch Kredit, sie zu borgen. Wer eines oder das andere hat, wird selten um das Geld oder den Wein, die er braucht, verlegen sein. Die Klage über Geldmangel wird jedoch nicht bloß von leichtsinnigen Verschwendern erhoben. Man hört sie zuweilen allgemein in einer Handelsstadt und ihrer Umgegend. Ihre gewöhnliche Ursache ist Überspekulation. Nüchterne Männer, deren Unternehmungen nicht im richtigen Verhältnis zu ihren Kapitalien stehen, haben oft ebenso wenig Mittel, Geld zu kaufen, oder Kredit, es zu borgen, wie Verschwender, deren Aufwand in keinem richtigen Verhältnisse zu ihrem Einkommen steht. Ehe ihre Unternehmungen etwas einbringen, ist ihr Kapital dahin, und mit ihm ihr Kredit. Sie laufen überall umher, um Geld zu borgen, und jedermann antwortet ihnen, er habe keines zu verleihen. Aber auch solche allgemeinen Klagen über Geldmangel beweisen nicht immer, dass nicht die gewöhnliche Zahl von Gold- und Silberstücken im Lande umlaufe, sondern nur, dass sie vielen Leuten fehlen, die nichts dafür zu geben haben. Wenn die Handelsgewinne einmal größer sind als gewöhnlich, so verfallen in der Regel große wie kleine Geschäftsleute in den Fehler einer zu großen Ausdehnung der Geschäfte. Sie senden nicht immer mehr Geld als gewöhnlich aus dem Lande, aber sie kaufen im Lande selbst und auswärts eine ungewöhnliche Menge von Waren auf Kredit, die sie in der Hoffnung, dass die Rimessen vor dem Zahltage eingehen werden, auf entfernte Märkte senden. Die Zahltage erscheinen jedoch vor dem Hingang der Rimessen, und sie haben nichts in Händen, womit sie entweder Geld kaufen oder gute Sicherheit für Darlehen geben könnten. Es ist also nicht ein Mangel an Gold und Silber, sondern die Schwierigkeit, die es solchen Leuten macht, zu borgen, und die, welche ihre Gläubiger haben, Zahlung zu erhalten, was jene allgemeine Klage über Geldmangel verursacht.

Es würde zu lächerlich sein, allen Ernstes beweisen zu wollen, dass Reichtum nicht in Geld oder in Gold und Silber, sondern in dem besteht, was das Geld kauft und dieser Kaufkraft wegen wert ist. Das Geld macht ohne Zweifel immer einen Teil des Nationalkapitals aus; aber es ist schon gezeigt worden, dass es nur einen kleinen und immer den am wenigsten einträglichen Teil von ihm ausmacht.

Nicht deshalb findet es der Kaufmann im allgemeinen leichter, Waren mit Geld als Geld mit Waren zu kaufen, weil der Reichtum wesentlicher in Geld als Waren besteht, sondern deshalb, weil das Geld das bekannte und feststehende Verkehrs Werkzeug ist, wofür alle Dinge leicht in Umtausch gegeben werden, das aber nicht immer mit gleicher Leichtigkeit für jedes Ding in Tausch zu erhalten ist. Überdies sind die meisten Waren dem Verderben mehr ausgesetzt als Geld, und der Kaufmann kann oft einen weit größeren Verlust durch das Behalten der Ware als lediglich den des Geldes erleiden. Wenn seine Waren ihm auf Lager bleiben, ist er auch Geldforderungen, denen er nicht nachzukommen vermag, mehr ausgesetzt als wenn er ihren Preis in seiner Kasse hat. Vor allem entspringt sein Gewinn unmittelbarer aus dem Verkauf als aus dem Kauf, und aus all’ diesen Gründen ist er gewöhnlich vielmehr darauf bedacht, seine Waren gegen Geld als sein Geld gegen Waren zu vertauschen. Ein Kaufmann kann bei einem noch so reichlich gefüllten Warenlager zuweilen ruiniert sein, weil er nicht zur rechten Zeit verkaufen kann; ein Volk oder Land dagegen ist solchen Unfällen nicht ausgesetzt. Das ganze Kapital eines Kaufmanns besteht oft in leicht verderblichen Waren, die Geld kaufen sollen; dagegen ist es immer nur ein sehr kleiner Teil der jährlichen Boden- und Arbeitsprodukte eines Landes, der von den Nachbarn Gold und Silber einkaufen soll. Der bei weitem größere Teil läuft unter ihnen selbst um und wird von ihnen verbraucht, und selbst von dem Überschusse, der nach anderen Ländern gesandt wird, hat das meiste gewöhnlich die Bestimmung, andere ausländische Waren zu erkaufen. Wäre daher Gold und Silber auch nicht für die zum Ankauf dieser Metalle bestimmten Waren zu haben, so ginge die Nation deshalb doch nicht zu Grunde. Sie könnte allerdings dadurch Verlust und Unbequemlichkeit erleiden und gezwungen sein, zu dem einen oder andern der Ersatzmittel des Geldes zu greifen; allein das jährliche Boden- und Arbeitsprodukt würde das nämliche oder beinahe das nämliche bleiben, weil ein gleiches oder beinahe gleiches verzehrbares Kapital aufgewendet werden würde, es zu erzielen. Obschon Waren nicht immer ebenso leicht Geld verschaffen, wie Gold Waren, so verschaffen sie es auf die Länge doch gewisser als dieses jene. Waren können zu manchen anderen Zwecken dienen als zum Kaufe von Geld; Geld aber dient zu keinem anderen als zum Kaufe von Waren. Das Geld sucht also notwendig Waren auf, aber Waren suchen nicht immer oder nicht notwendig das Geld auf. Wer kauft, ist nicht stets gewillt, wieder zu verkaufen, sondern will oft nur brauchen oder verzehren, wogegen derjenige, der verkauft, immer wieder zu kaufen beabsichtigt. Der eine kann oft mit dem Kauf sein Geschäft beendet haben, der andere dagegen hat immer nur die Hälfte der Arbeit getan. Nicht um seiner selbst willen lieben die Menschen das Geld, sondern um dessen willen, was sie damit kaufen können.

Verbrauchbare Waren, sagt man, gehen bald zugrunde, während Gold und Silber dauerhafterer Natur sind und ohne fortwährende Ausfuhr leicht Menschenalter hindurch aufgehäuft werden könnten, zur unglaublichen Vermehrung des wahren Reichtums des Landes. Nichts könne daher für ein Land so schädlich sein als derjenige Handel, der im Vertauschen so dauerhafter Waren gegen so vergängliche bestehe. Den Handel aber, der im Tausch englischer Eisen waren gegen französische Weine besteht, sehen wir nicht für nachteilig an, obgleich Eisenwaren sehr dauerhaft sind und ohne die fortwährende Ausfuhr leicht Jahrhunderte hindurch aufgehäuft worden könnten, zur unglaublichen Vermehrung der Töpfe und Pfannen des Landes. Allein es leuchtet ein, dass die Zahl solcher Utensilien in jedem Lande notwendig durch den Gebrauch begrenzt ist, den man davon machen kann; dass es albern sein würde, mehr Töpfe und Pfannen zu haben, als zum Kochen der Lebensmittel, die gewöhnlich verbraucht werden, nötig sind; und dass, wenn die Menge der Lebensmittel zunimmt, zugleich mit ihr die Zahl der Töpfe und Pfannen leicht vermehrt werden kann, indem ein Teil des Zuwachses an Lebensmitteln dazu verwendet würde, sie zu kaufen, oder mit andern Worten, eine weitere Anzahl Arbeiter damit ernährt würde, deren Geschäft es ist, sie zu verfertigen. Ebenso leicht sollte es einleuchten, dass in jedem Lande die Menge Gold und Silber durch den Bedarf an diesen Metallen begrenzt ist; dass man ihrer bedarf, um als Münzen Waren in Umlauf zu setzen oder als Geschirr eine Sorte Hausgerät zu liefern; dass die Menge gemünzten Geldes sich in jedem Lande nach dem Betrage der damit in Umlauf gesetzten Waren richtet, so dass, wenn sich dieser Betrag vermehrt, sofort ein Teil der Waren ins Ausland gesendet wird, um die frische Menge Geldes zu kaufen, die nötig ist, um sie in Umlauf zu setzen; dass die Menge des Gold- und Silbergerätes sich nach der Zahl und dem Reichtum der Familien richtet, die sich einen solchen Luxus erlauben können, so dass, wenn sich die Zahl und der Reichtum solcher Familien vermehrt, höchst wahrscheinlich ein Teil des vermehrten Reichtums dazu verwendet werden wird, eine neue Menge goldener und silberner Geräte da zu kaufen, wo man sie eben findet; und dass es endlich ebenso töricht wäre, den Reichtum eines Landes durch Einfuhr oder Zurückhalten einer unnötigen Menge Goldes und Silbers vermehren zu wollen, wie es töricht wäre, einer Familie dadurch zu einer besseren Mahlzeit verhelfen zu wollen, dass man sie zwänge, eine unnötige Menge Küchengerät zu halten. Wie die Kosten dieses unnötigen Gerätes die Menge oder die Güte der für den Haushalt erforderlichen Lebensmittel vermindern, aber nicht vermehren würden, so würden auch in einem Lande die Kosten des Ankaufs einer unnötigen Menge Goldes und Silbers notwendig das Vermögen schmälern, das dem Volke Nahrung, Kleidung, Wohnung, Unterhalt und Arbeit verschafft. Gold und Silber sind, wie man festhalten muss, sei es als Münze oder als Geschirr, genau ebenso Geräte, wie das Küchengeschirr. Vermehrt sich der Bedarf an ihnen, vermehren sich die verzehrbaren Waren, die damit in Umlauf gesetzt oder daraus verfertigt werden, so wird sich unfehlbar auch die Menge jener Metalle vermehren. Versuchte man hingegen, diese Menge durch außerordentliche Mittel zu vermehren, so würde sich ebenso unfehlbar der Bedarf und damit zugleich die Menge vermindern, die niemals den Bedarf übersteigen kann. Sollten sie jemals über dies Maß hinaus zunehmen, so ist ihre Versendung so leicht und der Verlust, wenn sie müßig und unbenutzt liegen, so groß, dass kein Gesetz, ihre sofortige Ausfuhr aus dem Lande verhindern könnte.

Es ist nicht immer notwendig, Gold und Silber aufzuhäufen, um ein Land in den Stand zu setzen, auswärtige Kriege zu führen und in entfernten Gegenden Flotten und Heere zu unterhalten. Flotten und Heere unterhält man nicht mit Gold und Silber, sondern mit verzehrbaren Waren. Ein Volk, das durch das Jahresprodukt seines heimischen Fleißes, durch das jährliche Einkommen aus seinem Grund und Boden, seiner Arbeit und seinem verzehrbaren Vorrat die Mittel gewinnt, jene verbrauchbaren Waren in entfernten Gegenden zu kaufen, kann dort auch Kriege führen.

Der Sold und die Lebensmittel für ein Heer in einem entfernten Lande lassen sich auf dreierlei Art beschaffen, erstens durch Hinsendung eines Teils des angesammelten Gold- und Silbervorrats, zweitens eines Teils vom Jahresprodukt der Industrie, oder endlich eines Teils der landwirtschaftlichen Produkte.

Das in einem Lande vorhandene oder angesammelte Gold und Silber kann man in drei Gattungen einteilen: erstens das umlaufende Geld, zweitens die Geräte der Familien und drittens das Geld, welches durch langjährige Sparsamkeit gesammelt und im Schatz des Fürsten niedergelegt ist.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1400 s. 85 illüstrasyon
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