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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 45
Auch alle späteren Unternehmungen der Spanier in der neuen Welt scheinen aus demselben Beweggrunde hervorgegangen zu sein. Es war der Durst nach Gold, der Oieda, Nicuessa und Vasco Nunes de Balboa nach der Landenge von Darien, Cortez nach Mexico und Almagro und Pizzarro nach Chili und Peru trieb. Wenn diese Abenteurer an eine unbekannte Küste kamen, so forschten sie immer zuerst, ob Gold zu finden sei, und beschlossen dann je nach den Nachrichten, die sie hierüber erhielten, entweder das Land zu verlassen, oder sich darin anzusiedeln.
Von all’ den kostspieligen und unsicheren Unternehmungen jedoch, die über die meisten Unternehmer den Bankrott bringen, ist wohl keines so verderblich wie das Aufsuchen neuer Silber- und Goldminen. Es ist vielleicht das unvorteilhafteste Glücksspiel in der Welt, d. h. dasjenige, in dem die Gewinne gegen die Nieten im ungünstigsten Verhältnis stehen; denn trotz der kleinen Zahl der Gewinne und der großen Zahl der Nieten kostet doch ein Los gewöhnlich das ganze Vermögen eines reichen Mannes. Bergwerksunternehmungen verschlingen, statt das auf sie verwendete Kapital nebst den gewöhnlichen Gewinnen wiederzuerstatten, in der Kegel ebenso wohl Kapital wie Gewinn, und ein weiser Gesetzgeber, der das Kapital seiner Nation zu vermehren trachtet, wird sie daher am wenigsten durch außerordentliche Mittel aufmuntern, oder ihnen einen größeren Teil dieses Kapitals zuwenden, als ihnen von selbst zu fließt. Das törichte Vertrauen in ihr gutes Glück ist in der Tat fast bei allen Menschen so groß, dass, wo sich nur die geringste Wahrscheinlichkeit eines Erfolges zeigt, nur zu viel Kapital sich von selbst dahin wendet.
Wenn aber das Urteil der gesunden Vernunft, und der Erfahrung über solche Projekte stets sehr ungünstig lautete, so lautete das der menschlichen Habgier doch gewöhnlich ganz anders. Dieselbe Leidenschaft, die in so vielen Menschen die alberne Idee eines Steins der Weisen nährte, hat in anderen den gleich albernen Gedanken von unermesslich reichen Gold- und Silberminen genährt. Sie bedachten nicht, dass der Wert dieser Metalle zu allen Zeiten und bei allen Völkern hauptsächlich aus ihrer Seltenheit entsprang, und dass ihre Seltenheit von den sehr geringen Mengen herrührt, die die Natur hier oder dort davon niedergelegt hat, von den harten und spröden Stoffen, in welche sie diese kleinen Mengen fast überall eingehüllt hat, und folglich von der Arbeit und den Kosten, die es überall verursachte, ihnen beizukommen und sie zu gewinnen. Sie schmeichelten sich mit der Hoffnung, es würden sich an vielen Orten ebenso starke und reichhaltige Adern von diesen Metallen finden, wie von Blei, Kupfer, Zinn oder Eisen. Der Traum Sir Walter Raleighs von der goldenen Stadt und dem Lande Eldorado kann uns überzeugen, dass selbst kluge Männer nicht immer von solchen wunderlichen Täuschungen freigeblieben sind. Mehr als hundert Jahre nach dem Tode dieses großen Mannes glaubte der Jesuit Gumila noch ganz fest an das Vorhandensein jenes wunderbaren Landes, und drückte sich mit großer Wärme und, wie man annehmen darf, mit aller Redlichkeit darüber aus, wie glücklich er sein würde, das Licht des Evangeliums einem Volke zu bringen, das die frommen Bemühungen der Mission so gut zu belohnen vermöge.
In den von den Spaniern zuerst entdeckten Ländern kennt man gegenwärtig keine Gold- oder Silberbergwerke, die des Abbaus für wert gehalten würden. Die Menge dieser Metalle, die die ersten Abenteurer dort gefunden haben sollen, ist wahrscheinlich ebenso sehr übertrieben worden, wie die Ergiebigkeit der unmittelbar nach der ersten Entdeckung abgebauten Minen. Indessen genügten die Fabeln von den Funden jener Abenteurer, die Habgier aller ihrer Landsleute zu entflammen. Jeder Spanier, der nach Amerika segelte, erwartete dort ein Eldorado zu finden. Auch tat das Glück in diesem Falle, was es sehr selten zu tun pflegt, es verwirklichte die ausschweifenden Hoffnungen seiner Anbeter einigermaßen und schenkte ihnen in der Entdeckung und Eroberung von Mexico und Peru (die erstere erfolgte etwa dreißig, die andere etwa vierzig Jahre nach der ersten Fahrt des Kolumbus) etwas jenem Überflüsse an edlen Metallen, den sie suchten, nicht ganz unähnliches.
Ein Handelsprojekt nach Ostindien gab also Anlass zur Entdeckung von Westindien. Ein Eroberungsprojekt veranlasste alle Niederlassungen der Spanier in diesen neu entdeckten Ländern. Der Beweggrund zu dieser Eroberung war ein Projekt auf Gold- und Silberminen, und eine Reihe von Zufällen, die keine menschliche Einsicht vorhersehen konnte, ließ dieses Projekt weit glücklicher ausfallen, als vernünftigerweise zu erwarten war.
Die ersten Abenteurer aller übrigen europäischen Völker, die Niederlassungen in Amerika zu begründen versuchten, hegten gleich phantastische Hoffnungen; nur waren sie nicht ebenso glücklich. Erst mehr als hundert Jahre nach der ersten Ansiedelung in Brasilien entdeckte man dort Gold-, Silber- und Diamanten-Minen. In den englischen, französischen, holländischen und dänischen Kolonien sind bis heute noch keine entdeckt worden, wenigstens keine, die man des Abbaus wert hielte. Allein die ersten englischen Ansiedler in Nordamerika boten für Gewährung ihrer Konzession dem Könige ein Fünftel von allem Gold und Silber, das sie finden würden. In den Konzessionen Sir Walter Raleighs, der Londoner und Plymouther Gesellschaft, des Rates von Plymouth usw. wurde daher dieses Fünftel der Krone Vorbehalten. Mit der Erwartung, Gold- und Silberminen zu finden, verbanden diese ersten Ansiedler auch die, eine nordwestliche Durchfahrt nach Ostindien zu entdecken. In beiden Hoffnungen haben sie sich bis jetzt getäuscht gesehen.

Zweiter Teil
Ursachen des Gedeihens neuer Kolonien
Die Kolonie eines zivilisierten Volkes, welches entweder von einem wüsten oder so dünn bevölkerten Lande Besitz nimmt, dass die Eingebornen den neuen Ansiedlern leicht Platz machen, erhebt sich weit schneller zu Reichtum und Größe, als jede andere menschliche Gesellschaft.
Die Kolonisten bringen eine größere Kenntnis des Ackerbaues und anderer nützlichen Künste mit, als unter wilden und barbarischen Völkern sich in vielen Jahrhunderten von selbst zu entwickeln vermag. Sie bringen auch die Gewohnheit der Unterordnung, einen Begriff von geordneter Regierung, wie sie in ihrem Lande ausgeübt wird, von der Gesetzgebung, worauf jene beruht, und von einer regelmäßigen Rechtspflege mit, und führen natürlich etwas dem ähnliches in der neuen Ansiedlung ein. Unter wilden und barbarischen Völkern hingegen ist der natürliche Fortschritt der Gesetzgebung und Regierung noch langsamer, als der natürliche Fortschritt in den Künsten, wenn überhaupt erst Gesetze und Regierung so weit begründet sind, als es zu deren Schutz erforderlich ist. Jeder Kolonist erhält mehr Land, als er bebauen kann. Er hat keine Rente und kaum irgendeine Abgabe zu zahlen. Kein Grundherr verlangt einen Anteil am Ertrag, und der Anteil des Landesherrn ist gewöhnlich höchst unbedeutend. Er hat jeden Beweggrund, den ihm fast allein zufallenden Ertrag so hoch zu steigern wie möglich. Aber sein Land ist gewöhnlich so umfangreich, dass er bei allem eigenen Fleiße und bei allem Fleiße der Arbeiter, die er an sich ziehen kann, kaum ein Zehntel von dem hervorzubringen vermag, was der Boden liefern könnte. Er bemüht sich daher, von allen Seiten Arbeiter herbeizuschaffen, und gibt ihnen gern reichlichen Lohn. Dieser reichliche Lohn bewirkt aber in Verbindung mit der Menge und Wohlfeilheit des Landes, dass die Arbeiter ihn bald wieder verlassen, um selbst Grundeigentümer zu werden, und ihrerseits wieder andere Arbeiter ebenso freigebig zu belohnen, welche sie bald aus demselben Grunde verlassen, aus welchem sie ihren ersten Herrn verlassen hatten. Der reichliche Arbeitslohn befördert die Ehen. Die Kinder werden in den zarten Jahren der Kindheit gut genährt und wohlgepflegt, und wenn sie herangewachsen sind, übersteigt der Wert ihrer Arbeit bei weitem ihren Unterhalt. Sind sie erwachsen, so erlaubt ihnen der hohe Preis der Arbeit und der niedrige Preis des Landes, sich auf dieselbe Art selbständig zu machen, wie es ihre Väter getan hatten.
In anderen Ländern zehren die Rente und der Kapitalgewinn den Arbeitslohn auf, und die beiden höheren »Stände des Volkes unterdrücken den niederen. In neuen Kolonien nötigt dagegen der eigne Vorteil die beiden höheren Stände, den niederen großmütiger und menschlicher zu behandeln; wenigstens da, wo dieser niedere Stand sich nicht im Zustande der Sklaverei befindet. Unbebaute Ländereien von größter natürlicher Fruchtbarkeit sind um eine Kleinigkeit zu haben. Der Einkommenzuwachs, den der Eigentümer, der zugleich Unternehmer ist, von der Bodenverbesserung erwartet, bildet seinen Gewinn, der unter diesen Verhältnissen gewöhnlich sehr groß ist. Doch kann dieser große Gewinn nur dann erzielt werden, wenn andere Leute zur Urbarmachung und zum Anbau herangezogen werden können; und das Missverhältnis zwischen dem großen Umfange des Landes und der geringen Volkszahl in neuen Kolonien macht es schwer, Arbeiter aufzutreiben. Man feilscht daher nicht um den Lohn, sondern gibt für Arbeit gern jeden Preis. Der hohe Arbeitslohn wirkt auf die Zunahme der Bevölkerung. Die Wohlfeilheit und Menge guter Ländereien ermuntert zum Anbau und setzt den Eigentümer in Stand, den hohen Arbeitslohn zu zahlen. In diesem Lohne besteht fast der ganze Preis des Bodens, und obwohl als Arbeitslohn betrachtet hoch, ist er doch als Preis einer so wertvollen Sache niedrig. Was den Fortschritt der Bevölkerung und der Bodenverbesserung fördert, fördert auch wahren Wohlstand und Größe.
Der Fortschritt vieler Kolonien der alten Griechen zu Reichtum und Größe scheint demgemäß ein sehr schneller gewesen zu sein. Manche dieser Kolonien wetteiferten nach ein oder zwei Jahrhunderten mit der Mutterstadt und überflügelten sie sogar. Syracus und Agrigent in Sizilien, Tarent und Locri in Italien, Ephesus und Milet in Kleinasien sind nach allen Berichten wenigstens ebenso blühend gewesen wie irgendeine Stadt des alten Griechenlands. Trotz ihrer späteren Gründung scheinen die schönen Künste, die Philosophie, Poesie und Beredsamkeit ebenso früh bei ihnen ausgebildet und ebenso hoch entwickelt gewesen zu sein, wie in irgendeinem Teile des Mutterlandes. Die Schulen der beiden ältesten griechischen Philosophen, des Thales und Pythagoras, wurden bemerkenswerter Weise nicht im alten Griechenland, sondern die eine in einer asiatischen und die andere in einer italienischen Kolonie gegründet. Alle diese Kolonien waren in Ländern errichtet, die von rohen und barbarischen Völkerschaften bewohnt waren, die den neuen Ansiedlern leicht Platz machten. Sie hatten Überfluss an gutem Boden, und da sie von dem Mutterstaate völlig unabhängig waren, so waren sie in der Lage, ihre eigenen Angelegenheiten so zu verwalten, wie sie es für ihr Interesse am passendsten fanden.
Die Geschichte der römischen Kolonien ist keineswegs so glänzend. Einige darunter, wie z. B. Florenz, haben zwar im Laufe der Zeit und nach dem Verfall der Mutterstadt Bedeutung erlangt. Sie wurden alle in eroberten Provinzen angelegt, die meistenteils schon völlig bewohnt waren. Die jedem Kolonisten angewiesene Menge Landes war selten groß, und da die Kolonien nicht unabhängig waren, so waren sie nicht immer in der Lage, ihre Angelegenheiten so zu verwalten, wie sie es für ihr Interesse am passendsten fanden.
Im Überflusse an gutem Land kommen die europäischen Kolonien in Amerika und Westindien den alten griechischen gleich und übertreffen sie sogar noch. In ihrer Abhängigkeit vom Mutterstaate sind sie den alten römischen ähnlich; nur hat ihre große Entfernung von Europa die Wirkungen dieser Abhängigkeit in allen mehr oder minder gemildert. Ihre Lage hat sie weniger unter die Aufsicht und in die Gewalt des Mutterlandes gestellt. Wenn sie bei Wahrnehmung ihrer Interessen ihren eignen Weg gingen, so wurde vielfach nicht darauf geachtet, weil man ihr Verhalten in Europa entweder nicht kannte, oder nicht verstand; zuweilen ließ man es ausdrücklich zu, weil es zu verhindern die Entfernung nicht gestattete. Selbst die gewalttätige und willkürliche spanische Regierung sah sich öfters gezwungen, ihre auf die Kolonialverwaltung bezüglichen Befehle aus Furcht vor einem allgemeinen Aufstande zu widerrufen oder zu mildern. Der Fortschritt aller europäischen Kolonien in Bezug auf Reichtum, Bevölkerung und Kultur war demgemäß sehr groß.
Die Krone Spaniens hat von ihrem Anteil am Gold und Silber aus ihren Kolonien vom Augenblick ihrer Gründung an einiges Einkommen gezogen, ein Einkommen von einem Charakter, der in der menschlichen Habsucht die ausschweifendsten Erwartungen noch größerer Reichtümer erwecken musste. Daher zogen die spanischen Kolonien von Anfang an die volle Aufmerksamkeit ihres Mutterlandes auf sich, während die Kolonien der übrigen europäischen Völker lange Zeit sehr vernachlässigt wurden. Die ersteren gediehen vielleicht infolge dieser Aufmerksamkeit nicht desto mehr, und die letzteren infolge dieser Vernachlässigung nicht desto weniger. Im Verhältnis zur Ausdehnung sind die spanischen Kolonien weniger bevölkert und blühend, als die Kolonien fast aller anderen Völker; doch sind die Fortschritte in der Bevölkerung und Kultur selbst in den spanischen Kolonien sicherlich sehr schnell und groß gewesen. Die Stadt Lima, die seit der Eroberung gegründet ist, soll nach Ulloa vor etwa dreißig Jahren 50,000 Einwohner gehabt haben. Quito, das ein elendes Indianerdorf war, soll nach eben diesem Schriftsteller ebenso bevölkert gewesen sein. Gemelli Carreri, der zwar nur ein vorgeblicher Reisender gewesen sein soll, aber doch überall sehr guten Nachrichten gefolgt zu sein scheint, gibt die Stadt Mexico als von 100,000 Seelen bewohnt an, was trotz aller Übertreibungen der spanischen Schriftsteller wahrscheinlich mehr als fünfmal so viel ist, als die Stadt zur Zeit Montezumas enthielt. Diese Einwohnerzahl übersteigt die von Boston, New-York und Philadelphia, den drei größten Städten der englischen Kolonien, bei weitem. Vor der Eroberung der Spanier gab es weder in Mexico noch in Peru Zugvieh. Das Lama war das einzige Lasttier und dessen Stärke scheint derjenigen des Esels weit nachgestanden zu haben. Der Pflug war dort unbekannt; ebenso der Gebrauch des Eisens. Sie hatten weder gemünztes Geld noch ein Umlaufsmittel irgendeiner Art. Ihr Handel war ein reiner Tauschhandel. Eine Art hölzernen Spatens war das hauptsächlichste Ackergerät. Scharfe Steine dienten ihnen als Messer und Beile, Fischgräten und die harten Sehnen gewisser Tiere gebrauchten sie zum Nähen, und diese Dinge scheinen ihre hauptsächlichsten Werkzeuge gewesen zu sein. Bei diesem Stande der Dinge konnte unmöglich eines der Reiche so angebaut oder kultiviert sein, wie jetzt, wo sie mit allen Arten europäischen Viehs reichlich versehen sind, und wo der Gebrauch des Eisens, des Pfluges und vieler anderer europäischer Künste bei ihnen eingeführt ist. Die Volkszahl eines Landes richtet sich aber nach der Stufe seines Anbaues und seiner Kultur. Trotz der durch die Eroberung herbeigeführten grausamen Vertilgung der Eingeborenen sind diese beiden großen Reiche jetzt wahrscheinlich bevölkerter, als vorher, und die jetzige Bevölkerung ist sicherlich eine ganz andere; denn man muss, glaube ich, anerkennen, dass die spanischen Kreolen die alten Indianer in vielen Beziehungen übertreffen.
Nach den Ansiedlungen der Spanier ist die der Portugiesen in Brasilien die älteste Ansiedlung eines europäischen Volkes in Amerika. Da aber lange weder Gold- noch Silberminen daselbst gefunden wurden, und das Land mithin der Krone wenig oder gar kein Einkommen abwarf, so wurde es lange Zeit äußerst vernachlässigt; und während dieser Vernachlässigung gedieh es zu einer großen und mächtigen Kolonie. Als Portugal unter der Herrschaft Spaniens stand, griffen die Holländer Brasilien an und nahmen von den vierzehn Provinzen, in welche es geteilt ist, sieben in Besitz. Sie hofften bald auch die übrigen sieben zu erobern, als Portugal durch die Thronbesteigung der Familie Braganza seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Run wurden die Holländer als Feinde Spaniens Freunde der Portugiesen, die gleichfalls Feinde Spaniens waren. Sie kamen daher überein, den von ihnen noch nicht eroberten Teil Brasiliens dem Könige von Portugal zu überlassen, der seinerseits ihnen den schon eroberten Teil als etwas, das eines Streites mit einem so guten Verbündeten nicht lohnte, überließ. Indes fing die holländische Regierung bald an, die portugiesischen Kolonisten zu drücken, die, ohne sich lange auf Klagen einzulassen, gegen ihre neuen Herren die Waffen ergriffen und sie durch eigene Tapferkeit und Entschlossenheit, wenn auch unter stillschweigender Gutheißung des Mutterlandes, so doch ohne dessen offenen Beistand, aus Brasilien vertrieben. Da mithin die Holländer ihren Anteil nicht zu behaupten vermochten, so willigten sie ein, ihn der Krone Portugal zurückzugeben. Diese Kolonie soll mehr als 600,000 Einwohner haben: Portugiesen oder ihre Abkömmlinge, Kreolen, Mulatten und eine Mischrasse zwischen Portugiesen und Brasilianern. Keine einzige amerikanische Kolonie soll so viel Einwohner von europäischer Abkunft haben.
Gegen Ende des 15. und fast im ganzen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal die beiden ersten Seemächte; denn wenn auch der Handel Venedigs sich über ganz Europa erstreckte, so waren seine Flotten doch kaum jemals über das mittelländische Meer hinausgekommen. Die Spanier nahmen kraft des Rechts der Entdeckung ganz Amerika als ihr Eigentum in Anspruch, und wenn sie auch eine so große Seemacht, wie die portugiesische, nicht hindern konnten, sich in Brasilien festzusetzen, so war doch damals der Schrecken ihres Namens so groß, dass die meisten anderen europäischen Völker sich nicht getrauten, an irgend einem Teile des großen Festlandes eine Niederlassung zu gründen. Die Franzosen, die den Versuch machten, sich in Florida anzusiedeln, wurden sämtlich von den Spaniern ermordet. Allein der Verfall der spanischen Seemacht, eine Folge der Niederlage oder des Missgeschicks ihrer sogenannten unüberwindlichen Flotte zu Ende des 16. Jahrhunderts, setzte sie außer Stand, die Niederlassungen der anderen europäischen Völker noch ferner zu verhindern. Daher versuchten im Laufe des 17. Jahrhunderts die Engländer, Franzosen, Holländer, Dänen und Schweden, kurz alle großen Völker, die Häfen am Ozean hatten, Kolonien in der neuen Welt anzulegen.
Die Schweden setzten sich in New-Jersey fest, und die Anzahl schwedischer Familien, die man dort noch trifft, beweist hinlänglich, dass diese Kolonie wahrscheinlich zur Blüte gekommen sein würde, wenn sie vom Mutterlande geschützt worden wäre. Da sie aber von Schweden vernachlässigt wurde, so ward sie bald von der holländischen Kolonie New-York verschlungen, die dann 1674 unter die Oberherrschaft der Engländer kam.
Die kleinen Inseln St. Thomas und Santa Cruz sind die einzigen Länder in der neuen Welt, die dauernd im Besitz der Dänen gewesen sind. Diese kleinen Kolonien standen unter der Regierung einer privilegierten Gesellschaft, die allein das Hecht hatte, die überschüssigen Produkte der Kolonisten zu kaufen und sie mit ihrem Bedarf an Waren anderer Länder zu versorgen, die mithin sowohl beim Kauf wie beim Verkauf nicht nur in der Lage, sondern auch in der größten Versuchung war, die Kolonisten zu unterdrücken. Die Regierung einer privilegierten Handelsgesellschaft ist wohl von allen denkbaren Regierungen die schlimmste. Dennoch konnte sie den Fortschritt dieser Kolonien nicht ganz hindern, obwohl sie ihn aufhielt und schwächte. Der vorige König von Dänemark löste diese Gesellschaft auf, und seitdem sind diese Kolonien mächtig aufgeblüht.
Die holländischen Kolonien in Westindien standen ursprünglich ebenso wie die in Ostindien unter der Regierung einer privilegierten Gesellschaft. Die Fortschritte einiger von ihnen waren daher im Vergleich mit lange bevölkerten und angebauten Ländern zwar groß, aber im Vergleich mit den meisten neuen Kolonien schläfrig und langsam. Die Kolonie Surinam, so bedeutend sie auch ist, steht doch gegen die meisten Zuckerkolonien der übrigen europäischen Nationen zurück. Auch die Kolonie Neu-Belgien, die jetzt in die zwei Provinzen New-York und New-Jersey geteilt ist, würde wahrscheinlich bald bedeutend geworden sein, selbst wenn sie unter holländischer Herrschaft geblieben wäre. Die Menge und Wohlfeilheit guten Landes sind so mächtige Ursachen des Gedeihens, dass auch die allerschlechteste Regierung kaum imstande ist, ihren Einfluss gänzlich aufzuheben. Auch weichen bei der großen Entfernung vom Mutterlande die Kolonisten dem Monopol der Gesellschaft durch Schleichhandel mehr oder weniger aus. Gegenwärtig erlaubt die Gesellschaft allen holländischen Schiffen den Handel nach Surinam gegen Zahlung von 2% vom Wert der Ladung, und behält sich nur den direkten Handel von Afrika nach Amerika, der fast gänzlich in Sklavenhandel besteht, ausschließlich vor. Dieser Nachlass in den ausschließlichen Privilegien der Gesellschaft ist wahrscheinlich die Hauptursache des Wohlstandes, dessen sich die Kolonie gegenwärtig erfreut. Curacao und Eustache, die beiden bedeutendsten der den Holländern gehörenden Inseln, sind Freihäfen für die Schiffe aller Nationen, und diese Freiheit inmitten besserer Kolonien, deren Häfen nur den Schiffen einer Nation offenstehen, war die Hauptursache des Wohlstandes dieser beiden unfruchtbaren Inseln.
Die französische Kolonie Kanada befand sich während des größten Teils des vorigen und eines Teils des gegenwärtigen Jahrhunderts unter der Regierung einer ausschließlichen Gesellschaft. Unter so ungünstiger Verwaltung war ihr Fortschritt im Vergleich mit anderen neuen Kolonien sehr langsam; er wurde aber weit rascher, als diese Gesellschaft nach dem Falle des sogenannten Mississippiplanes aufgelöst wurde. Als die Engländer von diesem Lande Besitz nahmen, fanden sie darin etwa die doppelte Zahl der Einwohner, die P. Charlevoix vor zwanzig bis dreißig Jahren angegeben hatte. Dieser Jesuit hatte das ganze Land durchreist, und wird es schwerlich als unbedeutender haben darstellen wollen, als es wirklich war.
Die französische Kolonie von St. Domingo wurde von Seeräubern und Freibeutern angelegt, die lange Zeit weder Frankreichs Schutz suchten, noch seine Herrschaft anerkannten; und als dies Geschlecht von Räubern insofern Bürger wurden, als sie diese Herrschaft anerkannten, musste diese noch lange äußerst gelinde gehandhabt werden. In diesem Zeitraume nahm die Volksmenge und die Kultur der Kolonie sehr schnell zu. Selbst der Druck der privilegierten Gesellschaft, der diese wie alle anderen französischen Kolonien eine Zeitlang unterworfen war, konnte ihren Fortschritt nur aufhalten, nicht aber gänzlich hemmen. Die Prosperität kehrte sogleich zurück, als jener Druck aufhörte. Sie ist jetzt die wichtigste Zuckerkolonie von Westindien, und ihre Produktion soll größer sein, als die aller englischen Zuckerkolonien zusammengenommen. Die übrigen französischen Zuckerkolonien sind im Allgemeinen alle sehr blühend.
Keine Kolonien jedoch haben sich so rasch gehoben wie die der Engländer in Nordamerika. Überfluss an gutem Lande und die Freiheit, ihre Angelegenheiten selbst zu verwalten, scheinen die beiden Hauptursachen des Wohlstandes aller neuen Kolonien zu sein. Mit einem Überfluss guten Landes jedoch sind zwar die englischen Kolonien in Nordamerika reichlich versehen, aber sie stehen darin doch hinter den spanischen und portugiesischen zurück, und haben vor denen, die die Franzosen vor dem letzten Kriege besaßen, nichts voraus. Dagegen waren die politischen Einrichtungen der englischen Kolonien dem Fortschritt und der Kultur des Landes günstiger als die irgendeiner Kolonie der drei anderen Völker.
Erstens ist der Aufkauf unbebauten Landes in den englischen Kolonien zwar nicht ganz verboten, aber doch mehr eingeschränkt worden, als in den anderen. Das Kolonialgesetz, das jedem Eigentümer die Verpflichtung auferlegt, innerhalb einer gewissen Zeit einen bestimmten Teil seiner Ländereien in Anbau zu nehmen, widrigenfalls die vernachlässigten Grundstücke an einen andern übertragen werden können, ist zwar vielleicht nicht sehr strenge gehandhabt worden, hat aber doch einigen Einfluss geübt.
Zweitens gibt es in Pennsylvanien kein Erstgeburtsrecht, und Grundbesitz wie bewegliches Eigentum werden unter alle Kinder der Familie gleichmäßig verteilt. In drei Provinzen von Neu-England erhält das älteste Kind, wie nach mosaischem Gesetz, nur den doppelten Anteil. Wenn sich daher auch zuweilen in diesen Provinzen eine zu große Menge Landes in einer Hand aufhäuft, so wird es doch aller Wahrscheinlichkeit nach in einer oder zwei Generationen wieder hinlänglich verteilt sein. In den übrigen englischen Kolonien gilt zwar, wie nach englischem Gesetz, das Erstgeburtsrecht; allein in allen englischen Kolonien erleichtert das Erbpachtsystem (free socage) die Veräußerung, und der Konzessionsinhaber ausgedehnter Ländereien findet es in der Regel in seinem Interesse, den größten Teil von ihnen baldmöglichst zu veräußern und sich nur einen geringen Erbzins vorzubehalten. In den spanischen und portugiesischen Kolonien greift bei Vererbung aller großen Güter, auf denen Ehrentitel ruhen, das sogenannte Majoratsrecht Platz. Solche Güter gehen alle in eine Hand über und sind tatsächlich Fideikommisse und unveräußerlich. Die französischen Kolonien sind zwar dem Pariser Gewohnheitsrecht unterworfen, das in der Vererbung von Grundbesitz den jüngeren Kindern weit günstiger ist, als das englische Recht; wenn aber in den französischen Kolonien ein Ritter- oder adeliges Lehngut teilweise veräußert wird, so unterliegt es für bestimmte Zeit dem Rückkaufsrecht seitens der Erben entweder des Lehnsherrn oder der Familie; und alle großen Güter des Landes sind solche adelige Lehngüter, was natürlich die Veräußerung erschwert. In einer neuen Kolonie werden aber große unangebaute Ländereien erklärlicherweise weit eher durch Veräußerung als durch Vererbung geteilt. Die Menge und Wohlfeilheit guten Landes ist, wie schon gezeigt, die Hauptursache des raschen Gedeihens neuer Kolonien. Die Ansammlung großen Grundbesitzes in einer Hand zerstört tatsächlich diese Menge und Wohlfeilheit, und ist überdies für noch unangebaute Ländereien das größte Hindernis des Anbaus. Die auf die Bodenkultur verwendete Arbeit gewährt aber der Gesellschaft den größten Ertrag, da letzterer in diesem Falle nicht nur den Arbeitslohn und den Gewinn des verwendeten Kapitals, sondern auch die Rente des Landes, worauf das Kapital verwendet wird, bezahlt. Da nun die Arbeit der englischen Kolonisten mehr auf die Kultur des Landes verwendet wird, so gewährt sie auch einen größeren Ertrag, als die der drei anderen Völker, die durch die Vereinigung des Grundbesitzes in wenigen Händen mehr oder minder auf andere Beschäftigungen gelenkt wird.
Drittens gewährt die Arbeit der englischen Kolonisten nicht nur einen größeren Ertrag, sondern bei ihren geringen Steuern fällt ihnen auch ein größerer Teil des Ertrages zu, den sie aufhäufen und womit sie eine noch größere Arbeitsmenge in Bewegung setzen können. Die englischen Kolonisten haben noch niemals etwas zur Verteidigung des Mutterlandes oder zum Unterhalt seiner Regierung beigetragen; sie sind im Gegenteil bisher fast ganz auf Kosten des Mutterlandes verteidigt worden. Der Aufwand für Flotten und Armeen ist aber außer allem Verhältnis größer, als die nötigen Kosten des Zivildienstes. Die Kosten ihrer Zivilverwaltung sind immer sehr mäßige gewesen, und beschränkten sich gewöhnlich auf die dem Gouverneur, den Richtern und einigen Verwaltungsbeamten zukommenden Gehälter und die Unterhaltung einiger gemeinnütziger Anstalten. Die Kosten der Zivilverwaltung von Massachusetsbay pflegten vor den jetzigen Unruhen nur etwa £ 1800 jährlich zu betragen; die von New-Hampshire und Rhode-Island je £ 3500; die von Connecticut £ 4000; die von New-York und Pennsylvanien je £ 4500; die von New-Jersey £ 1200; die von Virginia und Südkarolina je £ 8000. Die Zivilverwaltung von Neu-Schottland und Georgia wird zum Teil vom Mutterlande bestritten; doch zahlt Neu-Schottland jährlich etwa £ 7000 und Georgia etwa £ 2500 zu den öffentlichen Ausgaben der Kolonie. Kurz alle Zivil Verwaltungen in Nordamerika, mit Ausschluss von Maryland und Nordkarolina, über die genaue Ausweise fehlen, kosteten vor den gegenwärtigen Unruhen die Einwohner nicht mehr als £ 64,700 im Jahre, – ein ewig denkwürdiges Beispiel, mit wie geringen Kosten drei Millionen Menschen nicht nur regiert, sondern auch gut regiert werden können. Freilich ist der wichtigste Teil der Staatsausgaben, der für die Verteidigung und den Schutz, immer auf das Mutterland gefallen. Auch ist das Zeremoniell der Zivilverwaltung in den Kolonien bei Einführung eines neuen Gouverneurs, bei Eröffnung einer neuen Legislative u. s. w., zwar würdig, aber ohne allen Pomp und Gepränge. Ihr Kirchenregiment ist eben so sparsam eingerichtet. Zehnten sind unter ihnen unbekannt, und ihre keineswegs zahlreiche Geistlichkeit wird entweder durch mäßige Gehälter oder durch freiwillige Beisteuern unterhalten. Spanien und Portugal ziehen hingegen aus der Besteuerung der Kolonien Vorteil. Frankreich hat zwar niemals von seinen Kolonien bedeutende Einkünfte gezogen, und die Steuern wurden in der Regel wieder für die Kolonien verwendet; allein die Kolonialregierung aller drei Nationen ist viel kostspieliger, und mit einem weit verschwenderischeren Prunk verbunden. Die bei Einführung eines neuen Vizekönigs von Peru z. B. verausgabten Summen waren oft ungeheuer. Solche Veranstaltungen sind nicht nur wirkliche Steuern, die jedes Mal den reichen Kolonisten aufgelegt werden, sondern gewöhnen sie auch in anderen Fällen an eitlen Prunk und an große Ausgaben. Sie sind nicht nur gelegentlich sehr drückende Steuern, sondern tragen auch viel dazu bei, noch weit drückendere dauernde bei ihnen einzuführen: die verderblichen Steuern des Privatluxus und der Ausschweifung. In den Kolonien aller drei Nationen ist auch das Kirchenregiment äußerst drückend. Zehnten sind überall eingeführt und werden in den spanischen und portugiesischen Kolonien mit der größten Strenge eingetrieben. Außerdem aber werden sie sämtlich noch von einem zahlreichen Geschlecht von Bettelmönchen gepresst, deren Bettelei nicht nur erlaubt, sondern auch durch die Religion geheiligt ist, und daher eine sehr drückende Steuer auf die armen Leute ausmacht, denen man es als eine Pflicht darstellt, ihnen zu geben, und als eine große Sünde, ihnen Mildtätigkeit zu versagen. Und zu all dem häuft in allen dreien die Geistlichkeit den meisten Grundbesitz auf.
