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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 44

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Die große jährliche Einfuhr an Gold und Silber ist weder für Geräte noch Münzen, sondern für den auswärtigen Handel bestimmt. Ein indirekter Außenhandel lässt sich vorteilhafter mittelst dieser Metalle, als mittelst der meisten anderen Waren betreiben. Als allgemeine Handelsinstrumente sind sie am leichtesten für alle anderen umzusetzen, und wegen ihres geringen Umfangs bei großem Werte kostet es weniger, sie von einem Orte zum anderen zu schaffen, und sie verlieren durch den Transport weniger an ihrem Werte. Unter allen Waren, die im Auslande zu keinem anderen Zwecke gekauft werden, als in einem anderen Lande wieder gegen andere Waren umgesetzt zu werden, ist daher keine so bequem wie Gold und Silber. Der Hauptvorteil des portugiesischen Handels für Großbritannien besteht mithin in der Erleichterung des indirekten Außenhandels – ein Vorteil, der zwar nicht von kapitaler Bedeutung, aber immerhin beträchtlich ist.

Dass die mögliche Jahreszunahme an Gerät oder Münzen im-Königreich nur eine sehr geringe jährliche Einfuhr an Gold und Silber erfordern könnte, scheint klar genug; und wenn wir keinen direkten Handel mit Portugal hätten, würde diese geringe Quantität leicht hier oder dort zu haben sein.

So bedeutend auch das Gewerbe der Goldschmiede in Großbritannien ist, so wird doch der größte Teil des neuen Geräts, das sie jährlich verkaufen, aus anderem alten Gerät geschmolzen, sodass die jährliche Zunahme an Gold waren des Königreichs nicht sehr groß sein kann, und nur eine sehr geringe jährliche Einfuhr erfordern würde.

Dasselbe ist der Fall mit der Münze. Niemand wird der Ansicht sein, dass auch nur der größere Teil der jährlichen Ausbringung, die vor der letzten Umprägung der Goldmünzen zehn Jahre lang jährlich über £ 800,000 in Gold betrug, ein jährlicher Zuwachs zu dem bisherigen Umlauf gewesen sei. In einem Lande, wo die Prägungskosten von der Regierung bestritten werden, kann der Wert der Münze, auch wenn sie ihr volles gesetzliches Gewicht an Gold und Silber hat, niemals viel größer sein, als der Wert einer gleichen Menge Rohmetall, weil es nur die Mühe, nach der Münze zu gehen, und ein paar Wochen Geduld erfordert, um sich für eine Menge ungemünzten Goldes und Silbers eine gleiche Menge in Münzen zu verschaffen. Indessen ist fast überall das meiste Kurantgeld mehr oder weniger abgeschliffen oder sonst wie gegen sein Normalgewicht verschlechtert. In Großbritannien war dies vor der letzten Umprägung ziemlich stark der Fall, da das Gold über zwei Prozent, und das Silber über acht Prozent unter seinem Normalgewicht war. Wenn aber für 44 Guineen, die ihr volles Gewicht, nämlich ein Pfund Gold hatten, nur sehr wenig mehr als ein Pfund ungemünztes Gold zu haben war, so war für 44 Guineen, an deren Vollwichtigkeit etwas fehlte, kein Pfund Gold zu kaufen, und es musste etwas zugelegt werden, um das Fehlende zu ergänzen. Der Marktpreis des Barrengoldes war also damals dem Münzpreise, d. h. £ 46 14 sh. 6 d., nicht gleich, sondern ungefähr £ 47 14 sh. und zuweilen £ 48. So lange jedoch das meiste Geld in diesem verschlechterten Zustande war, konnte man mit 44 Guineen frisch aus der Münze nicht mehr Waren kaufen, als mit andern gewöhnlichen Guineen, weil sie sich in den Kassen der Kaufleute mit dem übrigen Gelde vermengten und die Differenz nicht der Mühe lohnte, sie auszuscheiden. Gleich anderen Guineen galten sie nicht mehr als £ 46 14 sh. 6 d. Kamen sie hingegen in den Schmelztiegel, so brachten sie beinah ein volles Pfund Gold, welches jederzeit für £ 47 14 sh. bis £ 48 in Gold- und Silberstücken, die alle Zwecke der Münze ebenso gut wie die eingeschmolzenen erfüllten, verkauft werden konnte. Das Einschmelzen neuer Münzen war daher offenbar vorteilhaft und wurde auch so unverzüglich vorgenommen, dass keine Vorsicht der Regierung es verhindern konnte. Die Arbeiten der Münze glichen deswegen dem Gewebe der Penelope: was am Tage gemacht war, wurde des Nachts wieder vernichtet. Die Münze war in Tätigkeit nicht sowohl um täglich die Münzen zu vermehren, als um den vorzüglichsten Teil von ihnen, der täglich eingeschmolzen wurde, wieder zu ergänzen.

Müssten die Privatleute, die ihr Gold und Silber in die Münze bringen, die Prägungskosten selbst tragen, so würde das den Wert dieser Metalle ebenso erhöhen, wie die Fasson den Wert der Gold- und Silberwaren erhöht. Gemünztes Gold und Silber hätte dann einen höheren Wert als ungemünztes. Der Schlagschatz würde, wenn er nicht übermäßig hoch wäre, dem Rohmetall den ganzen Wert der Abgabe hinzufügen, da die Regierung überall das ausschließliche Münzprivilegium hat und kein Geldstück wohlfeiler auf den Markt kommen kann, als wofür sie es zu liefern für gut findet. Wäre die Abgabe freilich übermäßig hoch, d. h. betrüge sie weit mehr als den wirklichen Wert der Arbeit und Kosten der Prägung, so würden sowohl im Lande, als außerhalb durch den großen Unterschied zwischen dem Werte der Barren und dem der Münze Falschmünzer gereizt werden, so viel Geld nachzumachen, dass der Wert des von der Regierung hergestellten Geldes sänke. Doch hat man in Frankreich, obgleich der Schlagschatz dort acht Prozent beträgt, keinen merklichen Nachteil dieser Art beobachtet. Die Gefahren, denen ein Falschmünzer überall ausgesetzt ist, wenn er sich in dem Lande aufhält, dessen Geld er nachmacht, und denen seine Agenten und Korrespondenten ausgesetzt sind, wenn er sich in einem anderen Lande aufhält, sind viel zu groß, um wegen sechs oder sieben Prozent übernommen zu werden.

Der französische Schlagschatz erhöht den Wert der Münze über ihren Goldgehalt. So wurde durch das Edikt vom Januar 172637 der Münzpreis des feinen Goldes von 24 Karat auf 740 Livres 9 Sous 1 1/11 Denier für eine Mark von acht Pariser Unzen festgestellt. Die französische Goldmünze enthält, mit einigem Spielraum für das Remedium, 21 ¾ Karat Feingold und 2 ¼ Karat Zusatz. Die Mark Standardgold ist also ungefähr nur 671 Livres 10 Deniers wert. In Frankreich wird aber diese Mark Standardgold zu 30 Louisdor ä 24 Livres, mithin zu 720 Livres ausgeprägt. Folglich erhöht die Prägung den Wert einer Mark Standardbullion um die Differenz zwischen 671 Livres 10 Deniers und 720 Livres, d. h. um 48 Livres 19 Sous und 2 Deniers.

Ein Schlagschatz wird in vielen Fällen den Gewinn vom Einschmelzen neuer Münzen ganz aufheben, jedenfalls aber ihn verringern. Dieser Gewinn entspringt stets aus dem Unterschied zwischen der Menge Metalls, die das Kurantgeld haben sollte, und der, die es wirklich hat. Beträgt diese Differenz weniger als den Schlagschatz, so entsteht Verlust anstatt Gewinn; ist sie dem Schlagschatz gleich, so findet weder Gewinn noch Verlust statt; ist sie größer als der Schlagschatz, so wird beim Einschmelzen einiger Gewinn bleiben, aber weniger, als wenn es keinen Schlagschatz gäbe. Wenn z. B. vor der letzten Umprägung der Goldmünzen ein Schlagschatz von fünf Prozent genommen worden wäre, so würde das Einschmelzen der Goldmünze mit einem Verlust von drei Prozent verknüpft gewesen sein; hätte er zwei Prozent betragen, so wäre weder Gewinn noch Verlust zu machen gewesen; hätte er ein Prozent betragen, so konnte man einen Gewinn machen, aber nur von einem Prozent, nicht von zwei. Überall, wo das Geld zugezählt und nicht zugewogen wird, ist mithin ein Schlagschatz das wirksamste Vorbeugungsmittel gegen das Einschmelzen der Münze, und eben deswegen auch gegen ihre Ausfuhr. Eingeschmolzen oder ausgeführt werden aber gewöhnlich nur die schwersten und besten Stücke, weil an ihnen der meiste Gewinn zu machen ist.

Das Gesetz, das die Prägung, um die Privatleute hierzu zu ermutigen, für abgabenfrei erklärte, wurde zuerst unter Karl II. auf eine beschränkte Zeit gegeben und später verschiedene Male bis zum Jahre 1769 verlängert, und wurde von dieser Zeit an dauernd. Die englische Bank muss oft Barren nach der Münze schicken, um ihre Kassen wieder mit Geld zu füllen, und sie glaubte wahrscheinlich, es sei für sie vorteilhafter, wenn die Prägung auf Kosten der Regierung, statt auf ihre eigenen erfolgte. Vermutlich erfolgte auch die dauernde Festsetzung des erwähnten Gesetzes seitens der Regierung aus Gefälligkeit gegen jene große Gesellschaft. Sollte jedoch der Gebrauch, das Gold zu wägen, abkommen, wie es bei seiner Unbequemlichkeit sehr wahrscheinlich ist, und die englische Goldmünze wieder nach Zahl genommen werden, wie es vor der letzten Umprägung der Fall war, so dürfte die Bank vielleicht finden, dass sie in diesem, wie in manchen anderen Fällen, ihr eigenes Interesse keineswegs verstanden habe.

Da vor der letzten Umprägung das englische Goldgeld um 2% zu leicht war und kein Schlagschatz genommen wurde, so war es um 2% weniger wert als die Menge Standardbullion, die es eigentlich enthalten sollte. Wenn daher die Bank Goldbarren kaufte, um sie ausmünzen zu lassen, so musste sie dafür 2% mehr bezahlen, als sie nach der Prägung wert waren.

Hätte hingegen ein Schlagschatz von 2% bestanden, so würde das gewöhnliche Goldgeld, obwohl um 2% zu leicht, dennoch mit der Menge gesetzlichen Goldes, die es hätte enthalten sollen, gleichen Wert gehabt haben; denn der Wert der Fasson hätte in diesem Falle ersetzt, was an Gewicht abging. Freilich hätte die Bank den Schlagschatz zu zahlen gehabt, der 2% betrug, genauso viel, aber auch nicht mehr, wie jetzt.

Wenn der Schlagschatz 5% betragen hätte, und das Goldgeld nur um 2% zu leicht gewesen wäre, so hätte die Bank auf den Preis der Goldbarren 3% gewonnen: da sie aber einen Schlagschatz von 5% zu zahlen gehabt hätte, so würde ihr Verlust auf das ganze Geschäft ebenfalls genau 2% betragen haben.

Hätte der Schlagschatz nur 1% betragen, und wäre das Goldgeld um 2% zu leicht gewesen, so hätte die Bank auf den Preis der Barren nur 1% verloren. Da sie aber auch den Schlagschatz von 1% zu zahlen hatte, so würde ihr Verlust ebenso wie in allen übrigen Fällen sich genau auf 2% belaufen haben.

Wenn ein mäßiger Schlagschatz bestanden und gleichzeitig die Münze ihr volles Normalgewicht gehabt hätte, wie es seit der letzten Umprägung der Fall war, so würde die Bank den Verlust am Schlagschatz am Barrenpreise wieder einbringen, und ihren Verlust am Barrenpreise am Schlagschatz. Sie würde bei dem Geschäft weder verlieren noch gewinnen, und würde in diesem, wie in allen obigen Fällen, genau in derselben Lage sein, als wenn kein Schlagschatz bestände.

Ist die Abgabe von einer Ware so mäßig, dass sie nicht zum Schmuggel reizt, so schießt der damit handelnde Kaufmann zwar die Abgabe vor, aber bezahlt sie nicht eigentlich, da er sie im Preise der Ware wiedererhält. Die Abgabe wird am Ende von dem letzten Käufer oder Verbraucher bezahlt. Das Geld dagegen ist eine Ware, mit Bezug auf die jeder Kaufmann ist. Niemand kauft sie in einer andern Absicht, als um sie wieder zu verkaufen, und es gibt für sie gewöhnlich keinen letzten Käufer oder Verbraucher. Ist daher die Abgabe für das Prägen so mäßig, dass sie nicht zur Falschmünzerei reizt, so schießt zwar jedermann die Abgabe vor, aber am Ende bezahlt sie niemand, da sie ein jeder in dem erhöhten Werte der Münze wiedererhält.

Ein mäßiger Schlagschatz würde daher in keinem Falle die Kosten der Bank oder eines Privatmannes, der seine Barren zur Ausprägung in die Münze bringt, vermehren, und der Mangel eines mäßigen Schlagschatzes wird sie in keinem Falle vermindern. Es mag ein Schlagschatz genommen werden oder nicht, so kostet, wenn das Kurant sein volles Normalgewicht hat, die Prägung niemand etwas, und wenn es weniger enthält, so muss die Prägung stets die Differenz zwischen der Quantität Bullion, welche in ihr enthalten sein sollte, und der, welche in ihr wirklich enthalten ist, kosten.

Wenn also der Staat die Prägungskosten bestreitet, so nimmt er nicht nur eine kleine Ausgabe auf sich, sondern verliert auch ein kleines Einkommen, das er durch eine angemessene Abgabe erhalten könnte; und weder der Bank noch den Privatleuten kommt diese nutzlose Großmut zugute.

Doch würden die Bankdirektoren die Einführung eines Schlagschatzes, wodurch ihnen kein Gewinn erwächst, sondern nur kein Verlust entsteht, wahrscheinlich nur ungern sehen. Bei der dermaligen Beschaffenheit der Goldmünze, und solange sie nach Gewicht genommen wird, würden sie durch eine solche Veränderung nichts gewinnen. Sollte aber der Gebrauch, die Goldmünze zu wägen, einmal abkommen, wie es sehr wahrscheinlich ist, und die Goldmünze wieder so schlecht werden, wie vor der letzten Umprägung, so würde der Gewinn oder richtiger die Ersparnis der Bank durch den auferlegten Schlagschatz wahrscheinlich recht bedeutend sein. Die Bank von England ist die einzige Gesellschaft, die eine bedeutende Menge Barren in die Münze schickt, und die jährliche Prägung fällt ihr ganz oder beinahe ganz zur Last. Wenn diese jährliche Prägung nur die unvermeidlichen Verluste und die Abnutzung der Münze zu ersetzen hätte, so würden die Kosten schwerlich mehr als £ 50,000 oder höchstens 100,000 betragen. Wenn aber die Münze unter ihr Normalgewicht sinkt, so müssen die Prägungen auch noch die großen Lücken ausfüllen, die die Ausfuhr und der Schmelztiegel fortwährend in dem Umlauf machen. Deshalb betrug in den zehn oder zwölf Jahren vor der letzten Umprägung der Goldmünze die jährliche Ausbringung im Durchschnitt mehr als £ 850,000. Hätte auf die Goldmünze ein Schlagschatz von 4 oder 5% bestanden, so hätte dies wahrlich selbst in den damaligen Verhältnissen sowohl die Ausfuhr als das Einschmelzen wirksam verhindert. Die Bank würde, statt jedes Jahr etwa 2% auf die Barren zu verlieren, aus denen mehr als £ 850,000 gemünzt werden mussten, oder statt einen jährlichen Verlust von mehr als £ 24,250 zu erleiden, wahrscheinlich nicht den zehnten Teil dieses Verlustes zu tragen gehabt haben.

Die vom Parlament jährlich bewilligten Münzkosten betragen nur £ 14,000 jährlich, und die wirklichen Kosten an Gehältern für die Münzbeamten betragen, wie man versichert, in der Regel kaum die Hälfte dieser Summe. Die Ersparnis einer so kleinen Summe oder auch der Gewinn einer nicht viel größeren ist, sollte man glauben, zu unbedeutend, um die ernstliche Beachtung der Regierung zu verdienen. Dagegen ist die jährliche Ersparnis von £ 18 bis 20,000 in einem Falle, der nicht unwahrscheinlich ist, der früher öfters vorkam und sehr wahrscheinlich wieder eintreten wird, ein Gegenstand, der selbst für eine so große Gesellschaft, wie es die Bank von England ist, Beachtung verdient.

Einige von den vorstehenden Erörterungen hätten vielleicht besser in den Kapiteln des ersten Buches ihre Stelle gefunden, die von dem Ursprung und Nutzen des Geldes und von dem Unterschiede zwischen dem Sach- und Nominalpreise der Waren handeln. Da jedoch das Gesetz, das die Privatleute zur Prägung von Münzen ermuntern soll, seinen Ursprung ans den vulgären Vorurteilen herleitet, die durch das Merkantilsystem in Aufnahme gekommen sind, so hielt ich es für geeigneter, sie auf dieses Kapitel zu verspüren. Nichts konnte dem Geiste dieses Systems angemessener sein, als eine Art von Prämie auf die Produktion von Geld, dieses vermeintlichen Hauptbestandteils des Volkswohlstandes. Sie ist eines seiner vielen merkwürdigen Mittel, das Land zu bereichern.

Siebentes Kapitel
Über Kolonien

Erster Teil
Motive der Gründung neuer Kolonien

Das Interesse, das die erste Gründung der verschiedenen europäischen Kolonien in Amerika und Westindien veranlasste, war nicht ganz so klar und einfach als das, das die alten Griechen und Römer zur Gründung der ihrigen bewog.

Alle Staaten des alten Griechenlands besaßen nur ein sehr kleines Gebiet, und wenn die Bevölkerung in einem von ihnen sich derart vermehrte, dass das Gebiet sie nicht bequem zu ernähren vermochte, so wurde ein Teil der Bewohner ausgesendet, um sich in einer entlegenen Weltgegend einen neuen Wohnsitz zu suchen; denn die kriegerischen Nachbarn, die sie auf allen Seiten umgaben, machten für diese Staaten eine erhebliche Gebietserweiterung schwierig. Die Kolonien der Dorier wendeten sich hauptsächlich nach Italien und Sizilien, die vor der Gründung Roms von rohen unzivilisierten Völkerschaften bewohnt waren; die Kolonien der Ionier und Aeolier, der beiden anderen Hauptstämme der Griechen, nach Kleinasien und den Inseln des ägäischen Meeres, deren damalige Bewohner sich so ziemlich auf derselben Stufe befinden mochten, wie diejenigen Siziliens und Italiens. Die Mutterstadt betrachtete zwar die Kolonie als ein Kind, das jederzeit auf große Gunst und Hilfe Anspruch hatte und dafür viel Dank und Achtung schuldig war; aber sie betrachtete es als ein emanzipiertes Kind, über welches sie keine unmittelbare Herrschaft oder Gerichtsbarkeit beanspruchen durfte. Hie Kolonie wählte sich ihre eigene Begierungsform, machte ihre eigenen Gesetze, setzte ihre eigenen Beamten ein und behielt sich als ein unabhängiger Staat die Entscheidung über Krieg und Frieden vor, ohne Billigung oder Zustimmung der Mutterstadt abzuwarten. Nichts kann klarer und bestimmter sein, als das Interesse, das diese Niederlassungen veranlasste.

Rom war, wie die meisten anderen alten Republiken, ursprünglich auf ein agrarisches Gesetz gegründet, welches das Staatsgebiet in einem gewissen Verhältnisse unter die Bürger verteilte. Der Gang der menschlichen Hinge störte natürlich durch Heiraten, Erbfolge und Veräußerungen diese ursprüngliche Verteilung und brachte oft die Ländereien, die zum Unterhalt vieler Familien bestimmt waren, in den Besitz eines einzelnen. Um diesem Missstande, denn dafür wurde es angesehen, abzuhelfen, wurde ein Gesetz gemacht, welches die Menge Landes, die ein Bürger besitzen durfte, auf 500 Jugera (ungefähr 150 Hektar) beschränkte. Doch wurde dies Gesetz nur ein- oder zweimal geltend gemacht, im Übrigen aber unbeachtet gelassen oder umgangen, und die Ungleichheit des Vermögens nahm fortwährend zu. Der größere Teil der Bürger hatte kein Land, und ohne dies war es bei den damaligen Sitten und Gewohnheiten für einen freien Mann schwer, seine Unabhängigkeit zu behaupten. Wenn heutzutage ein armer Mann kein Land, wohl aber ein kleines Kapital besitzt, so kann er von anderen Land pachten oder ein kleines Geschäft treiben; und wenn er auch kein Kapital besitzt, so kann er als ländlicher Arbeiter oder Handwerker Beschäftigung finden. Bei den alten Römern wurden dagegen alle Ländereien der Reichen von Sklaven unter einem Aufseher, der gleichfalls ein Sklave war, angebaut, so dass ein freier, aber armer Mann wenig Aussicht hatte, als Pächter oder Arbeiter auf dem Lande unterzukommen. Auch wurden alle Gewerbe, sogar der Kramhandel, von den Sklaven der Reichen zum Vorteil ihrer Herren betrieben, deren Reichtum, Ansehen und Schutz es für den freien Armen schwermachten, die Konkurrenz gegen sie auszuhalten. Daher hatten die Bürger, welche kein Land besaßen, kaum andere Unterhaltsmittel, als die Geschenke der Kandidaten bei den jährlichen Wahlen. Wenn die Tribunen das Volk gegen die Reichen und Großen aufreizen wollten, so erinnerten sie es an die alte Verteilung der Ländereien, und stellten ihm das Gesetz, das diese Art von Privateigentum beschränkte, als das Grundgesetz der Republik dar. Das Volk schrie nun nach Land, und die Reichen und Großen waren, wie man sich denken kann, vollkommen entschlossen, ihm nichts von dem ihrigen abzutreten. Um es daher einigermaßen zu befriedigen, brachten sie oft die Gründung einer neuen Kolonie in Vorschlag. Doch war ein Eroberungsstaat wie Rom auch in solchen Fällen nicht genötigt, seine Bürger sozusagen in die weite Welt hinauszutreiben, ohne zu wissen, wo sie sich niederlassen sollten. Er wies ihnen gewöhnlich Ländereien in den eroberten Provinzen Italiens an, wo die Auswanderer innerhalb des Herrschaftsgebiets der Republik blieben und daher niemals einen unabhängigen Staat bilden konnten, sondern höchstens eine Art von Korporation ausmachten, die zwar die Befugnis hatte, Gemeindegesetze für ihre innere Verwaltung zu geben, im Übrigen aber stets der Beaufsichtigung, Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung der Mutterstadt unterworfen blieb. Die Aussendung einer solchen Kolonie stellte nicht nur das Volk einigermaßen zufrieden, sondern setzte oft auch eine Art Besatzung in eine neu eroberte Provinz ein, deren Gehorsam sonst zweifelhaft hätte sein können. Die römischen Kolonien waren mithin sowohl hinsichtlich ihrer Einrichtung selbst, als auch hinsichtlich der Beweggründe zu ihrer Anlegung von den griechischen völlig verschieden. Auch haben die Wörter, die in ihren Sprachen diese Einrichtungen bezeichneten, ganz verschiedene Bedeutung. Das lateinische Wort (colonia) bezeichnet einfach eine Pflanzung. Das griechische Wort (ᾗαἶποεχἔα) bezeichnet hingegen eine Trennung vom alten Wohnsitze, ein Scheiden von der Heimat, ein Verlassen des Hauses. Obwohl aber die römischen Kolonien in vielen Beziehungen von den griechischen verschieden waren, so war doch das Interesse, welches zu ihrer Anlegung bewog, gleich klar und bestimmt. Beide hatten ihren Ursprung in einer unabänderlichen Notwendigkeit oder in einem offenbaren und einleuchtenden Nutzen.

Die Anlegung der europäischen Kolonien in Amerika und Westindien entsprang aus keiner Notwendigkeit, und wenn auch der aus ihnen hervorgehende Nutzen sehr groß gewesen ist, so war er doch keineswegs so klar und einleuchtend. Er schwebte bei der ersten Anlegung nicht vor und war weder der Beweggrund dieser Anlage noch der Entdeckungen, welche dazu Anlass gaben; und Wesen, Umfang und Grenzen seines Nutzens sind vielleicht bis auf den heutigen Tag noch nicht recht begriffen.

Die Venezianer trieben im 14. und 15. Jahrhundert einen sehr einträglichen Handel mit Gewürzen und anderen ostindischen Waren, die sie den übrigen europäischen Völkern zuführten. Sie kauften sie namentlich in Ägypten, das damals unter der Herrschaft der Mameluken, der Feinde der Türken stand, welch’ letztere auch Feinde der Venezianer waren; und diese Einheit der Interessen, unterstützt durch das venezianische Geld, bewirkte eine innige Verbindung, die so weit ging, dass sie den Venezianern fast ein Monopol verschaffte.

Die großen Gewinne der Venezianer reizten die Habgier der Portugiesen. Diese hatten im 15. Jahrhundert einen Seeweg nach den Ländern aufzufinden gesucht, aus denen ihnen die Mauren Elfenbein und Goldstaub durch die Wüste zuführten. Sie entdeckten Madeira, die kanarischen und azorischen Inseln, die Inseln des grünen Vorgebirges, die Küsten von Guinea, Loango, Congo, Angola und Benguela, und endlich das Kap der guten Hoffnung. Sie hatten lange gewünscht, an dem gewinnreichen Handel der Venezianer teilzunehmen, und diese letztere Entdeckung öffnete ihnen dazu eine wahrscheinliche Aussicht. Im Jahre 1497 segelte Vasco de Gama mit einer Flotte von vier Schiffen von Lissabon ab, langte nach einer Fahrt von 11 Monaten an der Küste Hindostans an, und vervollständigte damit eine Reihe von Entdeckungen, die mit großer Beharrlichkeit und fast ununterbrochen beinahe ein Jahrhundert lang verfolgt worden waren.

Wenige Jahre vorher, während Europa noch des zweifelhaften Erfolgs der portugiesischen Unternehmungen harrte, fasste ein genuesischer Seefahrer den noch kühneren Plan, westwärts nach Ostindien zu segeln. Die Lage dieser Länder war damals in Europa nur sehr unvollkommen bekannt. Die wenigen europäischen Reisenden, die dort gewesen waren, hatten die Entfernung übertrieben; vielleicht aus Einfalt und Unwissenheit, da die in der Tat sehr großen Entfernungen denen fast unermesslich schienen, die sie nicht zu messen imstande waren; vielleicht auch, um das Wunderbare ihrer Abenteuer beim Besuch so unermesslich weit entfernter Länder noch etwas zu vergrößern. Kolumbus nun schloss sehr richtig, dass, je länger der östliche Weg sei, desto kürzer der westliche sein müsse. Er entschied sich daher für diesen letzteren als den kürzeren und sichersten, und hatte das Glück, Isabella von Kastilien für seinen Plan zu gewinnen. Er segelte aus dem Hafen von Palos im August 1492, beinahe fünf Jahre vor Beginn der Expedition Vasco da Gamas, und entdeckte nach einer Reise von zwei bis drei Monaten zuerst einige von den kleinen Bahama- oder Lucaya-Inseln, und später die große Insel St. Domingo.

Allein die Länder, welche Kolumbus auf dieser und auf seinen folgenden Reisen entdeckte, glichen denen nicht, die er eigentlich gesucht hatte. Statt des Reichtums, der Kultur und der Bevölkerung Chinas und Hindostans bind er in St. Domingo und allen übrigen von ihm besuchten Teilen der neuen Welt nichts als ein mit Urwald bedecktes, unangebautes und nur von einigen Stämmen nackter, elender Wilden bewohntes Land. Er konnte jedoch nicht glauben, dass dies nicht dieselben Länder sein sollten, die von Marco Polo, dem ersten Europäer, der China oder Ostindien besucht oder wenigstens eine Beschreibung davon hinterlassen hatte, geschildert waren; und entfernte Ähnlichkeiten, wie die zwischen dem Namen Cibao, einem Gebirge auf St. Domingo, und dem Namen Cipango, dessen Marco Polo erwähnt, waren oft trotz des klarsten Augenscheins hinreichend, seinen Lieblingsgedanken zu nähren. In seinen Briefen an Ferdinand und Isabella nannte er die von ihm entdeckten Länder Indien. Er zweifelte nicht, dass sie das äußerste Ende der von Marco Polo beschriebenen Länder und dass sie nicht weit vom Ganges oder von den von Alexander eroberten Ländern entfernt wären. Selbst nachdem er sich schließlich überzeugt hatte, dass sie es nicht seien, schmeichelte er sich doch, dass diese reichen Länder wohl nicht weit entfernt wären, und suchte sie deshalb auf einer folgenden Reise längs der Küste von Terra Firma und gegen die Landenge von Darien zu.

Infolge dieses Irrtums des Kolumbus ist jenen unglücklichen Ländern seitdem der Name Indien geblieben, und als man endlich klar entdeckte, dass das neue Indien von dem alten völlig verschieden sei, wurde das erstere Westindien genannt, im Gegensatz zu dem letzteren, das nun Ostindien hieß.

Für Kolumbus war es aber von Wichtigkeit, dass die von ihm entdeckten Länder, welche sie auch seien, dem spanischen Hofe als von hoher Bedeutung dargestellt wurden; und von dem, was den wahren Reichtum jedes Landes ausmacht, den tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen des Bodens, war damals dort nichts vorhanden, was eine solche Schilderung hätte rechtfertigen können.

Das Cori, ein Mittelding zwischen Ratte und Kaninchen, das Buffon für einerlei mit der brasilischen Aperea hält, war das größte vierfüßige Säugetier in St. Domingo. Diese Species scheint niemals sehr zahlreich gewesen zu sein, und die Hunde und Katzen der Spanier sollen sie nebst einigen anderen noch kleineren Arten gänzlich vertilgt haben. Nebst einer großen Eidechse, namens Ivana oder Iguana, bildeten diese den Hauptbestandteil der tierischen Nahrung, welche das Land bot.

Die vegetabilischen Nahrungsmittel der Einwohner waren zwar, bei ihrem gänzlichen Mangel an Fleiß, nicht sehr reichlich, aber doch nicht ganz so dürftig. Sie bestanden in Mais, Yamswurzel, Kartoffeln, Bananen usw., Pflanzen, die damals in Europa ganz unbekannt waren und auch später niemals besonders geschätzt oder für ebenso nahrhaft gehalten wurden, wie die gewöhnlichen Getreidearten und Hülsenfrüchte, die seit Menschengedenken in diesem Weltteile gebaut wurden.

Die Baumwollpflanze lieferte allerdings das Material einer sehr wichtigen Industrie, und war damals für die Europäer ohne Zweifel das wertvollste vegetabilische Produkt dieser Inseln. Obgleich aber zu Ende des 15. Jahrhunderts die Musseline und anderen Baumwollwaren Ostindiens in ganz Europa sehr geschätzt waren, wurde doch hier die Baumwollenmanufaktur nirgends betrieben. Selbst dies Produkt konnte daher damals in den Augen der Europäer keine große Bedeutung haben.

Da Kolumbus weder unter den Tieren noch unter den Pflanzen der neuentdeckten Länder etwas fand, was eine sehr günstige Schilderung von ihnen hätte rechtfertigen können, so richtete er seinen Blick auf die Mineralien, und schmeichelte sich, in dem Reichtum der Produkte dieses dritten Naturreiches einen vollen Ersatz für die Unzulänglichkeit derjenigen der beiden anderen gefunden zu haben. Die kleinen Stückchen Gold, womit die Einwohner ihre Kleider schmückten, und die sie, wie er erfuhr, in den Bächen und Gebirgswassern fanden, überzeugten ihn hinlänglich, dass diese Gebirge die reichsten Goldminen enthielten. St. Domingo wurde daher als ein Land geschildert, das Überfluss an Gold habe und deswegen (nach den Vorurteilen nicht nur der jetzigen, sondern auch jener Zeit) eine unerschöpfliche Quelle wahren Reichtums für die Krone und das Königreich Spanien sei. Als Kolumbus nach der Rückkehr von seiner ersten Reise sich in einer Art Triumphzug bei den Königen von Kastilien und Aragonien einführte, wurden die Hauptprodukte der entdeckten Länder in feierlicher Prozession vor ihm hergetragen. Der einzig wertvolle Teil von ihnen bestand in einigen kleinen Goldreifen, Armbändern und anderen goldenen Schmuckgegenständen, sowie in einigen Ballen Baumwolle. Das Übrige waren bloße Gegenstände der Bewunderung und Neugierde des Volkes: Rohr von außerordentlicher Größe, Vögel mit sehr schönem Gefieder und ausgestopfte Häute des großen Alligators und der Seekuh. An der Spitze marschierten sechs oder sieben der armen Eingebornen, deren seltsame Farbe und Erscheinung die Neuheit des Schauspiels besonders hervorhob.

Auf die Schilderungen des Kolumbus beschloss der Rat von Kastilien, von Ländern, deren Einwohner offenbar unfähig waren, sich zu verteidigen, Besitz zu ergreifen. Der fromme Zweck, sie zum Christentum zu bekehren, heiligte die Ungerechtigkeit dieses Plans. Allein die Hoffnung, dort Schätze von Gold zu finden, war der einzige Beweggrund, ihn zu unternehmen, und um diesem Beweggrund desto mehr Gewicht zu geben, machte Kolumbus den Vorschlag, dass die Hälfte alles Goldes und Silbers, das man finden würde, der Krone gehören solle. Dieser Vorschlag wurde von dem Rate genehmigt.

Solange alles oder das meiste Gold, das die ersten Abenteurer nach Europa brachten, auf eine so leichte Art, nämlich durch Plünderung der wehrlosen Eingebornen, gewonnen wurde, war es vielleicht nicht schwer, selbst eine so hohe Abgabe zu zahlen. Aber als die Eingebornen alles dessen, was sie gehabt hatten, völlig beraubt waren (was in St. Domingo und den übrigen von Kolumbus entdeckten Ländern binnen sechs oder acht Jahren vollständig geschehen war) und als man auf die Minen zurückgreifen musste, um mehr zu finden, war es nicht mehr möglich, diese Abgabe zu zahlen. Ihre unnachsichtige Eintreibung soll daher der erste Grund gewesen sein, weshalb die Minen von St. Domingo gänzlich verlassen und seitdem niemals wieder abgebaut worden sind. Die Abgabe wurde daher bald auf ein Drittel, dann auf ein Fünftel, später auf ein Zehntel und zuletzt auf ein Zwanzigstel vom Bruttoertrage der Goldminen herabgesetzt. Die Abgabe vom Silber blieb lange Zeit ein Fünftel des Bruttoertrages, und erst im Laufe des jetzigen Jahrhunderts wurde sie auf ein Zehntel herabgesetzt. Indes scheinen die ersten Unternehmer sich nicht viel um Silber gekümmert zu haben. Nichts, was weniger kostbar war als Gold, schien ihrer Aufmerksamkeit wert.

37.Siehe: Dictionnaire des Monnoies, tom. II. article Seigneurage, p. 489, par M. Abot de Bazinghen, Conseiller Commissaire à la Cour des Monnoies à Paris.

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10 aralık 2019
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1400 s. 85 illüstrasyon
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