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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 55

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Anhang
Die Prämien auf den Heringsfang
(Buch IV, Kap. 5.)

Berechnung der in Schottland elf Jahre hindurch ausgerüsteten Büsen. mit Angabe der Anzahl von leeren Fässern, die auf den Fang ausgeschickt, und der Anzahl von Fässern, die mit gefangenen Heringen gefüllt worden sind, sowie der im Durchschnitt bestimmten Prämie auf jedes Fass Sea-Sticks und jedes Fass umgepackter Heringe.





Lassen sich nun auch die Rückzölle auf die wiederausgeführten Heringe nicht eigentlich als Prämie betrachten, so ist dies doch hinsichtlich derjenigen, die zum einheimischen Verbrauch ins Land kommen, unstreitig der Fall.

Einfuhr fremden Salzes in Schottland und Berechnung der Menge schottischen Salzes, das von den Salzwerken den Fischereien abgabenfrei überlassen worden ist, vom 5. April 1771 bis dahin 1782 nebst einem Durchschnitt auf das einzelne Jahr.



Hierzu ist zu bemerken, dass der Bushel fremden Salzes 84 Pfund, der Bushel britischen Salzes aber nur 56 Pfund wiegt.


Fünftes Buch
Die Staats-Finanzen

Erstes Kapitel
Die Staatsausgaben

Erste Abteilung
Kosten der Landesverteidigung

Die erste Pflicht des Staatsoberhauptes, die Pflicht, das Volk vor Gewalttaten und Einfällen anderer Völker zu schlitzen, kann nur mittelst einer Kriegsmacht erfüllt werden. Die Kosten für Herstellung der Wehrkraft im Frieden und für ihre Verwendung im Kriege sind aber je nach den verschiedenen Umständen des Volks und den verschiedenen Perioden seiner Kultur sehr verschieden.

Bei Jägervölkern, der niedrigsten und rohesten Gesellschaftsform, wie wir sie unter den eingeborenen Stämmen Nordamerikas finden, ist jeder Krieger und Jäger zugleich. Zieht er in den Krieg, um sein Volk zu verteidigen oder die diesem von anderen Völkern widerfahrene Unbill zu rächen, so erhält er sich ebenso wohl durch seine Arbeit, als wenn er daheim lebt. Sein Volk, denn auf dieser Stufe gibt es weder ein eigentliches Staatsoberhaupt noch einen Staat, hat weder für Rüstung noch für Unterhalt der Krieger im Felde Kosten zu bestreiten.

Bei Hirtenvölkern, einer schon etwas höheren Gesellschaftsform, wie man sie unter den Tataren und Arabern findet, ist gleichfalls jedermann Krieger. Solche Völker haben gewöhnlich keine festen Wohnungen, sondern leben in Zelten oder in einer Art bedeckter Wagen, die sich leicht von einem Ort zum andern schaffen lassen. Der ganze Stamm verändert seinen Wohnsitz je nach den Jahreszeiten oder anderen zufälligen Umständen. Haben seine Herden das Futter in der einen Gegend aufgezehrt, so zieht er in eine andere und von da in eine dritte. In der trocknen Jahreszeit kommt er herab an die Flussufer; in der nassen sucht er das Hochland auf. Zieht ein solches Volk in den Krieg, so werden seine Krieger ihre Herden nicht dem schwachen Schutze ihrer Greise, ihrer Weiber und Kinder überlassen, und die Greise, Weiber und Kinder werden auch nicht ohne Schutz und ohne Lebensmittel Zurückbleiben. Da überdies das ganze Volk auch im Frieden an ein Wanderleben gewöhnt ist, so rückt es im Kriege auch leicht ins Feld. Ob es als Armee marschiert, oder als Hirtenvolk umherzieht, die Lebensweise ist in beiden Fällen ziemlich gleich, obwohl der Zweck verschieden ist. Sie ziehen daher allesamt in den Krieg, und jeder tut, so viel er kann. Bei den Tataren haben auch die Weiber oft verstanden mitzukämpfen. Siegen sie, so sind alle Besitztümer des feindlichen Stammes der Lohn des Sieges. Im Falle der Niederlage dagegen ist alles verloren, und nicht nur ihre Herden, sondern auch ihre Weiber und Kinder werden eine Beute des Siegers. Selbst die meisten von denen, welche die Niederlage überleben, müssen sich, um ihr Dasein zu fristen, ihm unterwerfen. Die Übrigen zerstreuen sich gewöhnlich in der Wüste und verlieren sich dort.

Das gewöhnliche Leben, die gewöhnlichen Übungen eines Tataren und Arabers bereiten sie hinlänglich zum Kriege vor. Laufen, Dingen, Speerwerfen, Bogenschießen usw. sind der allgemeine Zeitvertreib der Leute, die in freier Luft leben, und sie sind sämtlich ein Bild des Krieges. Wenn ein Tatar oder Araber in den Krieg zieht, so gewähren ihm die Herden, die er mit sich führt, in derselben Weise Nahrung, wie im Frieden. Seinem Häuptling oder Fürsten, denn alle diese Völker haben Häuptlinge oder Fürsten, erwachsen durch die Ausrüstung des Mannes keine Kosten, und steht er im Felde, so ist die Aussicht auf Plünderung der einzige Sold, den er erwartet oder verlangt.

Ein Heer von Jägern kann selten mehr als zwei- oder dreihundert Mann stark sein. Die zweifelhaften Unterhaltsmittel, die das Jägerleben bietet, gestatten einer größeren Zahl kaum längere Zeit beisammen zu bleiben. Ein Heer von Hirten hingegen kann manchmal aus zwei- bis dreihunderttausend Mann bestehen. Solange nichts ihren Zug aufhält, und sie aus einem Bezirk, dessen Weide abgegrast ist, in einen andern wandern können, der noch unberührt blieb, so lange hat die Zahl derer, die zusammen marschieren können, kaum eine Grenze. Ein Jägervolk kann den gesitteten Nachbarvölkern niemals gefährlich werden; ein Hirtenvolk aber kann es. Ein Indianerkrieg in Nordamerika ist von geringem Belang; die Einfälle der Tataren in Asien dagegen sind das furchtbarste, was sich denken lässt. Das Urteil des Thucydides, dass Europa und Asien zusammengenommen den vereinigten Skythen nicht zu widerstehen vermögen, wird durch die Erfahrungen aller Zeiten bestätigt. Die Bewohner der ausgedehnten, aber schutzlosen Ebenen Skythiens oder der Tatarei haben sich oft unter der Herrschaft des Hauptes einer erobernden Horde vereinigt, und ein Blutbad und die Verheerung Asiens haben stets ihre Vereinigung bezeichnet. Die Bewohner der ungastlichen Wüsten Arabiens, dieses andere große Hirtenvolk, sind nur einmal unter Mohammed und seinen unmittelbaren Nachfolgern vereinigt gewesen, und diese Vereinigung, die mehr durch religiöse Schwärmerei als durch Eroberungsgedanken veranlasst war, trug dieselben Merkmale an sich. Sollten aus den Jägervölkern Amerikas jemals Hirtenvölker werden, so würde ihre Nachbarschaft für die europäischen Kolonien weit gefährlicher sein, als sie es jetzt ist.

Unter einer noch höheren Gesellschaftsform, unter Ackerbauvölkern, die wenig auswärtigen Handel und keine anderen Gewerbe kennen, als die rohe Hausindustrie, die fast jede Familie für ihren Bedarf treibt, ist gleichfalls jedermann Krieger, oder kann es doch leicht werden. Leute, die vom Ackerbau leben, bringen in der Regel den ganzen Tag in freier Luft zu und sind allem Ungemach der Witterung ausgesetzt. Die Rauheit ihrer Lebensweise bereitet sie für die Beschwerden des Krieges vor, mit denen ihre täglichen Arbeiten viel Ähnlichkeit haben. Das Graben im Acker macht für die Arbeiten in den Laufgräben und die Befestigung eines Lagers ebenso geschickt, wie für die Umwallung eines Feldes. Der gewöhnliche Zeitvertreib der Bauern ist ähnlich wie der der Hirten und ist gleichfalls ein Bild des Krieges. Da jedoch Bauern weniger Muße haben als Hirten, so ist solcher Zeitvertreib bei ihnen seltener und sie sind daher auch keine so geübten Krieger. Wie dem jedoch sei, ihre Vorbereitung zum Kriegsdienst kostet den Staat kaum etwas.

Der Ackerbau setzt selbst in seiner rohesten und niedersten Verfassung Ansässigkeit und feste Wohnsitze voraus, die nicht ohne großen Verlust aufgegeben werden können. Wenn daher ein Volk von Bauern in den Krieg zieht, so können nicht allesamt ins Feld rücken. Wenigstens die Greise, Weiber und Kinder müssen zu Hause bleiben, um für das Haus zu sorgen; aber die Männer in dienstfähigem Alter können alle ins Feld rücken, und bei kleinen Völkern ist es auch oft geschehen. Die Zahl der Waffenfähigen beträgt, wie man annimmt, etwa ein Viertel oder Fünftel des ganzen Volkes. Wenn der Feldzug nach der Aussaat beginnt, und vor der Ernte endigt, so kann der Landmann mit seinen vorzüglichsten Arbeitern ohne großen Nachteil vom Gut abwesend sein. Er weiß, dass die Arbeiten, die in der Zwischenzeit getan werden müssen, von den Greisen, Weihern und Kindern ganz gut verrichtet werden können. Darum ist er bereit, einen kurzen Feldzug ohne Sold mitzumachen, und es kostet den Fürsten oder Staat oft ebenso wenig, ihn im Felde zu unterhalten, wie ihn dazu auszurüsten. In dieser Art scheinen die Bürger aller Staaten des alten Griechenlands bis nach dem zweiten persischen Kriege und ebenso die Peloponnesier bis nach dem peloponnesischen Kriege gedient zu haben. Die Peloponnesier, bemerkt Thucydides, verließen gewöhnlich im Sommer das Feldlager, um die Ernte einzubringen. Das römische Volk zur Zeit seiner Könige und während der ersten Zeit der Republik leistete Kriegsdienste in derselben Art. Erst bei der Belagerung von Veji wurde von den daheim Gebliebenen zum Unterhalt der in den Krieg Gezogenen etwas beigetragen. In den europäischen Monarchien, die auf den Trümmern des römischen Reiches gegründet wurden, pflegten vor und einige Zeit nach der Einführung des sogenannten Lehnrechts die großen Barone mit allen ihren Vasallen der Krone auf eigene Kosten zu dienen. Sie lebten im Felde wie daheim von ihren Einkünften, nicht von einem Sold oder Gehalt, der ihnen vom König für diesen Fall bezahlt worden wäre.

Unter einer noch höheren Gesellschaftsform ist es aus zwei Ursachen ganz unmöglich, dass die, welche ins Feld rücken, sich auf ihre eigenen Kosten unterhalten. Diese beiden Ursachen sind der Fortschritt in den Gewerben und die Vervollkommnung der Kriegskunst.

Wenn ein Landmann einen Feldzug mitmacht, der nach der Aussaat beginnt und vor der Ernte endigt, so verursacht ihm die Unterbrechung seines Geschäftes nicht immer eine beträchtliche Verminderung in seiner Einnahme. Die meiste Arbeit verrichtet die Natur selbst ohne seine Mitwirkung. Verlässt dagegen ein Handwerker, z. B. ein Schmied, Zimmermann oder Weber seine Werkstatt, so versiegt die einzige Quelle seines Einkommens gänzlich. Die Natur tut nichts für ihn; er muss alles für sich selbst tun. Wenn er daher zur Verteidigung des Staats ins Feld rückt, so muss er, da er kein eignes Einkommen besitzt, auf Staatskosten unterhalten werden und in einem Lande, dessen Einwohner meistenteils Handwerker und gewerbliche Arbeiter sind, müssen die Krieger großenteils diesen Klassen entnommen und folglich während ihrer Dienstzeit auf Staatskosten unterhalten werden.

Da die Kriegskunst allmählich zu einer sehr schwierigen und verwickelten Wissenschaft geworden ist und der Ausgang des Kriegs sich nicht mehr wie früher durch ein einziges unregelmäßiges Gefecht entscheidet, der Kampf sich vielmehr gewöhnlich mehrere Feldzüge hindurch fortspinnt, von denen jeder den größten Teil des Jahres dauert, so wird es allgemein notwendig, dass der Staat diejenigen, die Kriegsdienste leisten, wenigstens während der Dauer des Dienstes unterhält. Welches Geschäft sie auch im Frieden betreiben, ein so langwieriger und kostspieliger Dienst würde sonst eine zu schwere Last für sie sein. Daher scheinen nach dem zweiten persischen Kriege die Heere der Athener größtenteils aus Mietstruppen bestanden zu haben, die zum Teil Bürger, zum Teil Fremde waren, aber alle auf Staatskosten gemietet und bezahlt wurden. Seit der Belagerung von Veji erhielten die römischen Truppen während des Feldzuges Sold. Unter den Lehnsregierungen wurde der Kriegsdienst späterhin den großen Baronen wie ihren Vasallen allgemein gegen eine Geldleistung erlassen, wovon diejenigen, die anstatt ihrer dienten, unterhalten wurden.

Die Zahl derer, die ins Feld ziehen können, ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in einem zivilisierten Staat notwendig weit geringer als unter roheren Gesellschaftsformen. Da in einem zivilisierten Staat die Soldaten lediglich durch die Arbeit derer unterhalten werden, die nicht Soldaten sind, so muss sich die Zahl der ersteren auf die Ziffer beschränken, welche die letzteren zu unterhalten vermögen, ohne sich selbst, sowie den übrigen Regierungsbeamten, die sie gleichfalls ernähren müssen, den angemessenen Unterhalt zu entziehen. In den kleinen Ackerbaustaaten des alten Griechenlands galt der vierte oder fünfte Teil der Bevölkerung als dienstpflichtig und soll zuweilen ins Feld gezogen sein. Unter den zivilisierten Nationen des neueren Europas kann nach gewöhnlicher Schätzung ohne dauernden Schaden für das Land, das die Kosten zu zahlen hat, nicht mehr als der hundertste Teil der Bewohner Kriegsdienste leisten.

Die Kosten der Ausbildung zum Kriegsdienst scheinen erst weit später als zu der Zeit, wo der Unterhalt des Soldaten im Kriege dem Staate zur Last zu fallen anfing, bedeutend geworden zu sein. In allen Republiken des alten Griechenlands waren die kriegerischen Übungen ein notwendiger Teil der Erziehung, die der Staat von jedem freien Bürger verlangte. In jeder Stadt scheint es einen öffentlichen Platz gegeben zu haben, wo die jungen Leute von Gemeinde wegen von verschiedenen Lehrern in den Leibesübungen unterrichtet wurden. In dieser einfachen Einrichtung bestanden die ganzen Kosten, die ein griechischer Staat für die Ausbildung seiner Bürger zum Kriege aufwendete. Im alten Rom hatten die Übungen auf dem Marsfelde den nämlichen Zweck, wie die des Gymnasiums im alten Griechenland. Unter dem Feudalsystem verfolgten die vielen öffentlichen Verordnungen, die die Bürger zu Übungen im Bogenschießen und anderen kriegerischen Künsten anhielten, denselben Zweck, ohne ihn jedoch so gut zu erreichen. Sei es aus Mangel an Interesse seitens der mit dem Vollzuge jener Verordnungen betrauten Beamten, sei es aus anderen Gründen, sie wurden, wie es scheint, allgemein vernachlässigt, und im Laufe der Zeit kamen kriegerische Übungen bei der Masse des Volkes ganz außer Gebrauch.

In den Republiken des alten Griechenlands, in Rom und in den Feudalreichen, wenigstens lange Zeit hindurch, war das Geschäft eines Soldaten kein gesondertes, das die einzige Haupttätigkeit einer bestimmten Klasse von Bürgern gebildet hätte; sondern jeder Untertan des Staates, gleichviel welches sein Broterwerb war, galt im gewöhnlichen Fall für geeignet und in außerordentlichen Fällen für verpflichtet, das Soldatenhandwerk zu betreiben.

Wie aber die Kriegskunst gewiss die vornehmste aller Künste ist, so wird sie mit den Fortschritten der Kultur notwendig auch eine der schwierigsten. Der Stand der mechanischen und anderer damit zusammenhängenden Künste, bestimmt den Grad der Ausbildung, den sie zur Zeit erlangen kann. Um aber diesen Grad der Ausbildung zu erreichen, muss sie zur einzigen oder Hauptbeschäftigung einer eigenen Bürgerklasse werden, und die Teilung der Arbeit ist zu ihrer Ausbildung ebenso notwendig, wie zu der aller anderen Gewerbe. In die übrigen Gewerbe wird die Arbeitsteilung durch den Verstand einzelner eingeführt, die ihr Privatinteresse durch Beschränkung auf ein Gewerbe besser befördern, als beim Betriebe mehrerer. Aber nur die Weisheit des Staates kann aus dem Gewerbe eines Soldaten ein eigenes, von allen anderen gesondertes machen. Ein Privatmann, der im tiefen Frieden und ohne besondere Aufforderung des Staates seine meiste Zeit mit militärischen Übungen zubringen wollte, kann sich ohne Zweifel darin sehr vervollkommnen und sich dabei recht gut amüsieren; aber seinen Vorteil würde er gewiss nicht dabei finden. Nur durch die Weisheit des Staates kann es für ihn vorteilhaft werden, seine meiste Zeit dieser Beschäftigung zu widmen; doch nicht immer waren die Staaten so weise, selbst wenn ihre Lage es zu ihrer Selbsterhaltung erforderlich machte.

Ein Hirt hat sehr viel müßige Zeit; ein Landmann auf den roheren Stufen des Ackerbaus einige; ein Handwerker oder gewerblicher Arbeiter gar keine. Her erstere kann ohne sonderlichen Verlust viel Zeit auf kriegerische Übungen verwenden, der zweite weniger, der letzte aber keine Stunde; und die Sorge für sein nächstes Interesse lässt ihn jene Übungen ganz vernachlässigen. Die Fortschritte der Landwirtschaft, die der gewerbliche Fortschritt herbeiführte, lassen schließlich dem Landmann ebenso wenig Müsse übrig, wie dem Handwerker; dann werden die militärischen Übungen von den Landbewohnern ebenso vernachlässigt wie von den Städtern, und die große Masse des Volkes wird völlig unkriegerisch. Gleichzeitig reizt aber der Reichtum, der stets den Fortschritten in Landwirtschaft und Gewerben folgt, und der in Wahrheit nichts anderes ist, als das angesammelte Ergebnis dieser Fortschritte, alle Nachbarn zu feindlichen Einfällen. Ein gewerbfleißiges und deshalb reiches Volk wird am ehesten angegriffen, und wenn der Staat nicht neue Maßregeln zu seiner Verteidigung ergreift, so machen die natürlichen Gewohnheiten des Volks es wehrlos.

Unter diesen Umständen scheint es nur zwei Mittel zu geben, durch die der Staat für seine Verteidigung Vorsorge treffen kann. Erstens kann er durch strenge Maßregeln den Interessen, Anlagen und Neigungen des Volkes zum Trotz militärische Übungen erzwingen und entweder alle oder eine Anzahl der Bürger im dienstpflichtigen Alter nötigen, das Soldatenhandwerk mit ihrem eigenen Gewerbe oder Berufe bis zu einem gewissen Grade zu verbinden. Oder er kann zweitens eine gewisse Anzahl von Bürgern ernähren und in steter militärischer Übung erhalten und so das Gewerbe eines Soldaten zu einem eigenen, von allen anderen gesonderten machen.

Ergreift der Staat das erstere dieser Mittel, so wird seine Kriegsmacht Miliz, ergreift er das zweite, so wird sie stehendes Heer genannt. Militärische Übungen sind die einzige oder die Hauptbeschäftigung der Soldaten eines stehenden Heeres, und der Gehalt oder Sold, den sie vom Staate empfangen, fristet ihnen ihr Leben. Bei Milizsoldaten bilden die militärischen Übungen nur eine zeitweilige Beschäftigung, und sie fristen gewöhnlich ihr Leben durch andere Tätigkeit. In einer Miliz hat der Charakter des Ackerbauers, Handwerkers oder Handelsmanns das Übergewicht über den des Soldaten; in einem stehenden Heere herrscht der Charakter des Soldaten ausschließlich vor, und hierin besteht der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen des Wehrstandes.

Es hat Milizen verschiedener Art gegeben. In einigen Ländern wurden die zur Landesverteidigung bestimmten Bürger nur ausgebildet, ohne einem Verbande zugewiesen zu werden, d. h. ohne in bestimmte Truppenkörper eingeteilt zu sein, deren jeder seine Übungen unter eigenen, nicht wechselnden Offizieren macht. In Griechenland und Rom scheint im Frieden jeder Bürger seine Übungen für sich, oder mit Genossen eigner Wahl gemacht zu haben und war keiner besonderen Truppenabteilung zugewiesen, bevor er nicht wirklich aufgefordert wurde, ins Feld zu ziehen. In anderen Ländern wurde die Miliz nicht bloß ausgebildet, sondern auch in Verbände eingeteilt. In England, in der Schweiz und ich glaube, in allen anderen Ländern des neueren Europa, wo eine unvollkommene Kriegsmacht dieser Art errichtet worden ist, gehört jeder Wehrmann selbst in Friedenszeiten einem bestimmten Truppenkörper an, der seine Übungen unter eigenen, nicht wechselnden Offizieren macht.

Vor der Erfindung des Feuergewehrs war dasjenige Heer das stärkere, in dem jeder einzelne Soldat die größte Geschicklichkeit und Fertigkeit im Gebrauch seiner Waffen besaß. Stärke und Geschmeidigkeit des Körpers waren von höchster Wichtigkeit, und entschieden in der Regel den Ausgang der Schlacht. Diese Geschicklichkeit und Fertigkeit im Waffengebrauche konnte aber nur auf die Art erlangt werden, wie wir jetzt das Fechten erlernen, indem man sich nämlich nicht in großen Massen, sondern einzeln, in einer bestimmten Schule, unter einem eigenen Meister, oder mit einigen seiner Gefährten von gleichem Alter übt. Seit der Erfindung des Feuergewehrs sind Stärke und Geschmeidigkeit des Körpers, ja selbst Geschick und Fertigkeit im Waffengebrauche zwar durchaus nicht unwichtig, aber doch weit weniger wichtig. Die Natur der Waffe stellt den Linkischen dem Geschickten allerdings nicht gleich, aber sie lässt den Unterschied zwischen beiden doch nicht so stark hervortreten als früher. Alle Geschicklichkeit und Fertigkeit, die zum Gebrauche dieser Waffe erfordert wird, lässt sich recht wohl durch Übung in großen Massen erwerben.

Regelmäßigkeit, Ordnung und strenger Gehorsam sind Eigenschaften, die in den neueren Armeen weit wichtiger für den Ausgang einer Schlacht sind, als Geschick und Fertigkeit der Soldaten im Waffengebrauche. Aber der Lärm der Feuerwaffen, der Rauch und der unsichtbare Tod, von dem sich jeder einzelne in jedem Augenblick bedroht weiß, sobald er in Schussweite gekommen ist, und oft schon viel eher als die Schlacht eigentlich ihren Anfang genommen hat, macht es sehr schwer, jene Regelmäßigkeit, Ordnung und strengen Gehorsam auch nur im Beginn einer Schlacht einigermaßen aufrecht zu erhalten. Früher gab es in einer Schlacht keinen andern Lärm, als den, welchen die menschliche Stimme hervorbrachte; es gab keinen Rauch, es gab keine unsichtbare Ursache von Wunden oder Tod. Bis eine tödliche Waffe sich näherte, sah jeder sein Leben unbedroht. Unter diesen Umständen und unter Truppen, die ein gewisses Vertrauen auf ihre Geschicklichkeit und Fertigkeit im Waffengebrauch hatten, muss es um vieles leichter gewesen sein, einen gewissen Grad von Ordnung und Regelmäßigkeit nicht nur im Beginn einer Schlacht, sondern auch während ihres ganzen Verlaufs und bis zur völligen Niederlage des einen der beiden Heere zu erhalten. Eigenschaften der Regelmäßigkeit, der Ordnung und des pünktlichen Gehorsams können aber nur von Truppen erworben werden, die in größeren Verbänden ausgebildet werden.

Eine Miliz mag in bester Mannszucht gehalten oder so gut ausgebildet sein, wie sie wolle, sie muss hinter einem wohldisziplinierten und wohlgeübten stehenden Heere stets zurückbleiben.

Soldaten, die nur einmal in der Woche oder einmal im Monat üben, können niemals im Gebrauch ihrer Waffen so erfahren sein, wie solche, die täglich oder einen Tag um den andern üben; und wenn auch die Geschicklichkeit in neueren Zeiten nicht so schwer ins Gewicht fällt, wie früher, so kann uns doch die anerkannte Überlegenheit der preußischen Truppen, die sie ihrer höheren Ausbildung im Waffendienst verdanken sollen, hinlänglich überzeugen, wie viel auch heute noch darauf ankommt.

Soldaten, die ihren Offizieren nur einmal in der Woche oder einmal im Monat zu gehorchen brauchen und die ganze übrige Zeit Freiheit haben, sich ohne alle Verantwortlichkeit nach Belieben zu beschäftigen, werden niemals denselben Respekt vor ihnen haben und nie zu so pünktlichem Gehorsam geneigt sein, wie solche, deren ganzes Leben und Verhalten täglich vom Offizier geleitet wird, und die jeden Tag nach seinen Befohlen aufstehen und zu Bett oder wenigstens in ihr Quartier gehen. In der sogenannten Mannszucht oder in der Gewöhnung an pünktlichen Gehorsam muss eine Miliz noch weiter hinter einem stehenden Heere zurückbleiben, als sie zuweilen in den Handgriffen oder in der Führung ihrer Waffen hinter ihm zurücksteht. In der neueren Kriegsführung ist aber die Gewöhnung an pünktlichen und augenblicklichen Gehorsam viel wichtiger als eine bedeutende Überlegenheit in der Führung der Waffen.

Diejenigen Milizen, die, wie die tatarische und arabische, unter denselben Anführern, denen sie im Frieden zu gehorchen gewohnt sind, auch in den Krieg ziehen, sind bei weitem die besten. Im Respekt vor ihren Offizieren, in der Gewohnheit pünktlichen Gehorsams kommen sie stehenden Heeren am nächsten. Die Miliz der schottischen Hochlande besaß unter ihren eigenen Häuptern ähnliche Vorzüge. Da jedoch die Hochländer keine Nomaden, sondern sesshafte Hirten sind, da sie feste Wohnungen haben und in Friedenszeiten nicht gewohnt sind ihrem Häuptling von Ort zu Ort zu folgen, so waren sie im Kriege auch weniger geneigt, ihm in weite Entfernungen zu folgen oder lange im Felde zu bleiben. Wenn sie einige Beute gemacht hatten, strebten sie nach Hause zurück, und seine Macht war selten groß genug, sie zurückzuhalten. Im Punkte des Gehorsams kamen sie dem, was uns über die Tataren und Araber berichtet wird, keineswegs gleich. Da überdies die Hochländer als sesshafte Leute weniger Zeit in freier Luft zubrachten, so waren sie auch stets weniger an kriegerische Übungen gewöhnt, und in dem Waffengebrauch weit weniger erfahren, als man es von den Tataren und Arabern sagt.

Eine Miliz jedoch, die hintereinander mehrere Feldzüge durchgemacht hat, wird in jeder Beziehung ein stehendes Heer. Die Soldaten üben sich täglich im Gebrauch ihrer Waffen, und da sie fortwährend unter den Befehlen ihrer Offiziere stehen, so gewöhnen sie sich an denselben pünktlichen Gehorsam, der bei einem stehenden Heere zu finden ist. Was sie waren, ehe sie in den Krieg zogen, ist von geringem Belang. Sie werden unvermeidlich in jeder Beziehung ein stehendes Heer, wenn sie einige Feldzüge mitgemacht haben. Sollte der Krieg in Amerika noch einen weiteren Feldzug erfordern, so kann die amerikanische Miliz vielleicht den Vergleich mit dem stehenden Heere aushalten, dessen Tapferkeit im letzten Kriege derjenigen der tüchtigsten Veteranen Frankreichs und Spaniens wenigstens nicht nachstand.

Im Übrigen aber legt die Geschichte aller Zeiten Zeugnis für die unwiderstehliche Überlegenheit ab, die ein wohldiszipliniertes stehendes Heer über eine Miliz hat.

Eines der ersten stehenden Heere, deren die Geschichte glaubwürdig erwähnt, ist das Philipps von Macedonien. Seine häufigen Kriege mit den Thraciern, Illyriern, Thessaliern und einigen griechischen Städten in der Nachbarschaft von Macedonien bildeten nach und nach seine Truppen, die anfangs wahrscheinlich nur eine Miliz gewesen waren, zu der strengen Disziplin eines stehenden Heeres heran. Im Frieden, den er sehr selten und niemals lange hielt, ließ er diese Armee keineswegs auseinandergehen. Sie besiegte und unterjochte nach langem und schweren Kampfe die tapferen und wohlausgebildeten Milizen der bedeutendsten Republiken Griechenlands und später nach kurzem Kampf e die weichliche und schlecht geübte Miliz des großen persischen Reiches. Der Fall der griechischen Republiken und des persischen Reiches war die Folge der unwiderstehlichen Überlegenheit eines stehenden Heeres über jede Art von Miliz. Es ist dies die erste große Umwälzung in den Angelegenheiten der Menschheit, von der uns die Geschichte einen klaren und umständlichen Bericht hinterlassen hat.

Der Fall Karthagos und die darauf gegründete Erhebung Roms ist die zweite. Allen Glückswechsel dieser beiden berühmten Republiken kann man aus derselben Ursache erklären.

Vom Ende des ersten bis zum Beginn des zweiten punischen Krieges waren die karthaginiensischen Heere fortwährend im Felde. Unter drei großen Feldherren, die einander in dem Kommando folgten: Hamilcar, seinem Schwiegersöhne Hasdrubal und seinem Sohne Hannibal, züchtigten sie zuerst ihre eigenen rebellischen Sklaven, unterjochten dann die aufständischen Völker Afrikas und eroberten endlich das große Reich Spanien. Das Heer, das Hannibal aus Spanien nach Italien führte, musste in diesen verschiedenen Kriegen allmählich zu der strengen Mannszucht eines stehenden Heeres herangebildet worden sein. Die Römer hatten mittlerweile zwar nicht völlig im Frieden gelebt, waren aber doch in keinen bedeutenden Krieg verwickelt gewesen, und ihre militärische Disziplin soll nach der allgemeinen Annahme ziemlich erschlafft gewesen sein. Die römischen Heere, mit denen Hannibal an der Trebia, am Trasimenischen See und bei Cannae zusammentraf, waren Milizen gegenüber einem stehenden Heere. Dieser Umstand trug vermutlich mehr als alles andere dazu bei, das Schicksal dieser Schlachten zu entscheiden.

Das stehende Heer, das Hannibal in Spanien zurückließ, hatte die gleiche Überlegenheit über die Miliz, die die Hörner ihm entgegenschickten, und vertrieb sie unter Anführung seines Bruders, des jüngeren Hasdrubal, nach wenigen Jahren fast ganz aus dem Lande.

Hannibals Mannschaft wurde aus der Heimat schlecht ergänzt. Die römische Miliz blieb ununterbrochen im Felde und wurde so im Verlaufe des Krieges zu einem wohldisziplinierten und wohlausgebildeten stehenden Heere, sodass die Überlegenheit Hannibals mit jedem Tage geringer wurde. Hasdrubal hielt es für nötig, das ganze, oder fast das ganze stehende Heer, das er in Spanien befehligte, zur Unterstützung seines Bruders nach Italien zu führen. Auf diesem Marsche soll er von seinen Kundschaftern irregeführt worden sein, wurde in einem Lande, das er nicht kannte, von einer anderen stehenden Armee, die der seinigen in jeder Beziehung gleich oder gar überlegen war, überfallen und angegriffen und erlitt eine vollständige Niederlage.

Als Hasdrubal Spanien verlassen hatte, fand der große Scipio keinen anderen Feind sich gegenüber, als eine der seinigen nachstehende Miliz. Er schlug diese Miliz, und die seinige wurde im Laufe des Krieges zu einer wohldisziplinierten und wohlgeübten stehenden Armee. Die letztere kam später nach Afrika, wo sie nur eine Miliz sich gegenüber fand. Um Karthago zu verteidigen, musste das stehende Heer Hannibals zurückgerufen werden. Die entmutigte und oft geschlagene afrikanische Miliz vereinigte sich mit ihm und machte in der Schlacht bei Zama den größten Teil der Truppen Hannibals aus. Der Ausgang dieses Tages entschied das Schicksal der beiden rivalisierenden Republiken.

Vom Ende des zweiten Punischen Krieges bis zum Falle der römischen Republik waren die Armeen Roms in jeder Beziehung stehende Heere. Das stehende Heer Macedoniens leistete ihren Waffen einigen Widerstand, und es kostete sie auf der Höhe ihrer Macht zwei große Kriege und drei große Schlachten, dieses kleine Königreich zu überwinden, dessen Eroberung wahrscheinlich ohne die Feigheit seines letzten Königs noch schwerer geworden wäre. Die Milizen aller zivilisierten Völker der alten Welt, die griechischen, syrischen und ägyptischen, leisteten den stehenden Heeren Roms nur schwachen Widerstand. Die Milizen einiger barbarischen Völkerschaften verteidigten sich weit besser. Die skythische oder tatarische Miliz, welche Mithridates aus den Gegenden nördlich vom schwarzen und kaspischen Meere zog, waren die furchtbarsten unter den Feinden, die die Römer nach dem zweiten Punischen Kriege zu bekämpfen hatten. Auch die parthischen und germanischen Milizen waren nicht verächtlich und gewannen bei manchen Gelegenheiten sehr erhebliche Vorteile über die römischen Heere. Im Allgemeinen waren jedoch die römischen Armeen unter tüchtigen Anführern überlegen, und wenn die Römer die Eroberung Parthiens und Germaniens nicht vollendeten, so geschah dies wahrscheinlich nur darum, weil sie es nicht der Mühe wert hielten, jene beiden barbarischen Länder ihrem ohnehin schon zu großen Reiche einzuverleiben. Die alten Parther scheinen eine Nation von skythischer oder tatarischer Abkunft gewesen zu sein, und stets viel von den Sitten ihrer Vorfahren beibehalten zu haben. Die alten Germanen waren wie die Skythen und Tataren ein Nomadenvolk, das unter denselben Anführern in den Krieg zog, denen es auch im Frieden zu folgen pflegte. Ihre Miliz war von derselben Art, wie die der Skythen oder Tataren, von denen sie auch vermutlich abstammten.

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1400 s. 85 illüstrasyon
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