Kitabı oku: «Im Nebel auf dem Wasser gehen», sayfa 4

Yazı tipi:

Kapitel 3

Die Wahrheit sagen, Teil zwei

Im letzten Kapitel haben wir uns mit Zweifel und Heilung beschäftigt; wenden wir uns nun zwei weiteren Bereichen zu, in denen die Wahrheit gesagt werden muss.

Die Bibel

In meinen vierzig Jahren als Christ habe ich die Bibel packend, langweilig, faszinierend, verwirrend, ärgerlich, relevant, heiter, unverdaulich, irrelevant, erleuchtend, deprimierend und kostbar gefunden. Es hat lange Phasen gegeben, in denen ich sie systematisch und, wie man so schön sagt, treu gelesen habe, und ebenso lange Phasen, in denen ich nur stückweise, unsortierte Vorstöße in verstreute Abschnitte machte, die in keinem erkennbaren Zusammenhang miteinander standen. Es hat Zeiten in meinem Leben gegeben, in denen ich überhaupt nicht in der Bibel gelesen habe, und andere, in denen eine Brechstange nötig gewesen wäre, um mich von meinen frommen Meditationen über die Bedeutungsschwere irgendeines Bindestrichs im dritten Buch Mose loszureißen.

Was ich damit eigentlich sagen will, ist nur, dass ich ein menschliches Wesen bin, in vieler Hinsicht ein Kind, im schlechten wie im guten Sinn, und dass deshalb mein Umgang mit dem Wort Gottes weder so beständig noch so systematisch ist, wie er sein könnte. Dennoch gehört die Bibel zu meinem Leben und ich glaube, ich liebe sie. Sie hat mein Denken und Verhalten verändert und geformt und mich manchmal dazu veranlasst, auf verwirrende und in mindestens einem Fall auf schockierende und unerwartete Weise auf konkrete Situationen zu reagieren.

Unterweisung zur Seligkeit

Ich bin Gott (ewig) dankbar dafür, dass er seine Wahrheit durch die Filter der menschlichen Geister hindurchgebracht hat, die dieses großartige Buch hervorgebracht und übersetzt haben, und ich erkenne, dass ich als Christ in der freien westlichen Welt einen besonderen Vorzug darin habe, jederzeit alles vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung so einfach zur Hand nehmen zu können. Der Rat, den Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus gibt, kann nicht oft genug wiederholt werden:

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.

„Von Gott eingegeben”, wörtlich „von Gott geatmet”, ist ein interessanter Ausdruck, finden Sie nicht? Was hat es mit dem Atem auf sich? Atem ist das Medium der Sprache, er ist lebenswichtig, er wird ständig frisch produziert, ist unsichtbar, immer in Bewegung, etwas, was man tief einsaugt, bevor man sich an ein wichtiges Vorhaben macht. In der Bibel wohnt, wirkt und lebt der Heilige Geist, sodass selbst Chaoten wie ich erfahren können, was es heißt, den Atem Gottes zu atmen und sich dadurch besser zu fühlen.

Wenn Sie mich in die Ecke treiben und mir drohen würden, mich mit einem spitzen Stock zu pieksen, bis ich Ihnen sage, welche Teile der Bibel mir in vier Jahrzehnten am meisten beim Atmen geholfen haben, müsste ich sagen, dass die Evangelien und die Apostelgeschichte mir öfter, als ich zählen kann, mein geistliches Leben gerettet haben. Wenn mir die Realität meines Glaubens zu entgleiten scheint, kehre ich zurück zu der Welt, in der Jesus vor all diesen Jahren als Mensch zu Hause war. Ich ziehe mit ihm und seiner Mutter und seinen Jüngern durchs Land, schaue bei den Wundern zu, höre mir die Geschichten an, lausche den Predigten und sitze mit bei den Mahlzeiten. Es scheint niemanden zu stören, dass ich da bin. Im Gegenteil, ich fühle mich willkommen. Vor allem lasse ich einfach die Kraft und Persönlichkeit des Mannes, der Gott war, auf mich wirken; des Mannes, der mir unglaublicherweise über die Schulter schaut und diese faszinierenden, aber äußerst knapp gehaltenen Berichte über sein eigenes Wirken mit mir liest. Ich finde, das ist ein guter Platz für ihn, denn wenn ich das Buch zuklappe und mich umdrehe – ist er da.

Ich liebe die Apostelgeschichte; nicht zuletzt, weil sie eine packende Geschichte ist, ein actiongeladener Bericht über das Leben der frühen Gemeinde, geschrieben von einem Mann, der offensichtlich das Schreiben liebte und überdies leidenschaftlich inspiriert von seinem Thema war. Doktor Lukas wusste, dass zu einer Erzählung Details gehören, besonders als Hintergrund für übernatürliche Ereignisse.

Die folgende Anekdote aus dem achtundzwanzigsten Kapitel der Apostelgeschichte ist eine meiner liebsten. Sie folgt direkt auf Lukas' dramatische und noch detailreichere Schilderung des Schiffbruchs, der Paulus' Reise nach Rom unterbrach, nachdem er als römischer Bürger sein Recht beansprucht hatte, sich vor dem Kaiser zu rechtfertigen. Nachdem das Schiff auf einer Sandbank auf Grund gelaufen ist, bricht das Heck in Stücke und der befehlshabende Zenturio gibt neue Befehle aus. Wer schwimmen kann, soll über die Reling springen und an Land schwimmen, während die Nichtschwimmer Planken oder Schiffsteile benutzen sollen, um sich über Wasser zu halten, bis sie das Ufer erreichen. Auf diese Weise überleben alle Schiffsinsassen den Schiffbruch.

Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, dass die Insel Malta hieß. Die Leute aber erwiesen uns nicht geringe Freundlichkeit, zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der über uns gekommen war, und wegen der Kälte. Als nun Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte und aufs Feuer legte, fuhr wegen der Hitze eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand fest. Als aber die Leute das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie untereinander: Dieser Mensch muss ein Mörder sein, den die Göttin der Rache nicht leben lässt, obgleich er dem Meer entkommen ist. Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer, und es widerfuhr ihm nichts Übles. Sie aber warteten, dass er anschwellen oder plötzlich tot umfallen würde. Als sie nun lange gewartet hatten und sahen, dass ihm nichts Schlimmes widerfuhr, änderten sie ihre Meinung und sprachen: Er ist ein Gott.

Ist das nicht großartig? Man sieht doch förmlich Paulus vor sich, wie immer hart am Arbeiten, die Haare und die Kleidung triefend nass nach dem Bad im Meer und dem peitschenden Regen, seine scharfen Gesichtszüge deutlich hervorgehoben im Widerschein der knisternden Flammen. Plötzlich merkt er, dass eine Giftschlange, durch das Feuer in Panik versetzt, wütend ihre Zähne in seinen weichen Handballen getrieben hat. Entsetzt verstummen die gastfreundlichen Inselbewohner und starren ihn an. Sie kennen sich mit ihren Schlangen aus. Untereinander flüsternd, warten sie darauf, dass das Gift seine tödliche und unumkehrbare Wirkung an diesem merkwürdigen, leidenschaftlichen, tüchtigen Mann tut. Doch zu ihrer Verblüffung schüttelt er das Geschöpf einfach ab und schleudert es mitten in die rote Glut des Feuers, wo es noch einmal zuckt und dann stirbt. Aus der Sicht dieser Inselbewohner verwandelte er sich innerhalb von Minuten von einem Mörder in einen Gott. Was das eine anging, waren sie nicht auf dem neuesten Stand; was das andere betraf, irrten sie sich.

Ich danke Gott für die Apostelgeschichte und für Geschichten wie diese. Sie erinnern mich daran, dass jemand, der wie Paulus sein Leben von ganzem Herzen Gott zur Verfügung stellt, so viele Abenteuer erleben wird, wie sich ein Mann oder eine Frau nur wünschen kann. Natürlich wird mein Abenteuer nicht dasselbe sein wie Ihres. Die Nachfolge Jesu bringt Abenteuer für Geist und Seele ebenso mit sich wie für den Leib. Sie können sich in einer zivilisierten oder unzivilisierten Umgebung ereignen, im Frieden oder im Krieg, im Supermarkt oder in den Slums, in Gefängnissen oder an öffentlichen Orten. Und mit der Verheißung des Abenteuers kommt die unvermeidliche Gewissheit von Gefahren, aber das war schon immer so. Das ist ein Teil der Kosten.

Worte auf einer Seite oder der lebendige Herr?

Ja, ich liebe vieles in der Bibel. Ich liebe die Geschichten und die Geschichte, die Dichtung und die Breite und Tiefe der darin enthaltenen Botschaft, aber ich möchte es damit auf keinen Fall übertreiben. Kann man es mit der Bibel überhaupt übertreiben? Ja, ich glaube, das kommt durchaus vor. In eine Falle tappen wir Christen alle gern, nämlich die Versuchung, uns fanatisch auf ein Thema zu fixieren und uns mit fast neurotischer Intensität nur noch um einen einzelnen Aspekt des Glaubens zu drehen. Das kann uns mit fast allem passieren. Ich bin zum Beispiel Leuten begegnet, die so fasziniert und erregt von allem sind, was mit der Endzeit und der Erfüllung von Prophetien zu tun hat, dass sie über nichts anderes mehr nachdenken und reden. In ihrer schlimmsten Form ist diese Manie von demselben Appetit angetrieben, der sich vom Okkultismus nährt. Gefährlich für diese Leute und monumental langweilig für mich.

Die Sache mit Heilung und Dämonenaustreibung fasziniert und packt den einen oder anderen Gemeindeleiter so sehr, dass er sich in bizarre und exzessive Aktivitäten hat verwickeln lassen, die zu unerfreulich sind, um hier davon zu sprechen, und die keinen Platz im Reich Gottes haben. Echter Heilungsdienst erwächst aus einem auf Jesus ausgerichteten Glauben, nicht umgekehrt.

Bei anderen kann sich der ungesunde Fokus auf ihren eigenen geistlichen Leiter richten. Viele Briefe, die ich bekomme, stammen von Leuten, die ihr ganzes Vertrauen auf eine Person gesetzt haben, oft auf den Leiter einer Gemeinde, und die nun am Boden zerstört sind und für einige Zeit ihren Glauben verloren haben, weil sie entdeckt haben, dass zumindest die Füße ihres menschlichen Götzen auch nur aus Ton sind.

Im Falle derer, die in Bezug auf die Bibel einen Tunnelblick entwickelt haben, ist das Problem subtiler und komplizierter; vielleicht, weil Enthusiasmus und Obsession so eng beieinander liegen. Wie, so könnte man fragen, kann denn die Bibel, das Wort Gottes, je auf einen höheren Sockel gehoben werden, als sie es verdient? Die Antwort ist ganz einfach. Letzten Endes werden Sie und ich nicht durch die Bibel gerettet. Es wird uns nichts nützen, ein großes, schwarzes Buch mit Ledereinband zu zücken, wenn wir vor den Himmelspforten erscheinen, und es als Passierschein ins Paradies benutzen zu wollen. Ich fürchte, eine Menge Leute werden sehr enttäuscht davon sein, wie wenig Interesse Jesus an fachlichen Erörterungen oder Theologie hat. Nicht einmal der geringste der Engel wird von unseren langatmigen, komplexen Vorträgen über die Bedeutung des ersten Viertels der Genealogie Christi bei Matthäus beeindruckt sein. Es gibt nur einen Weg in den Himmel, und der wird uns von Jesus im zehnten Kapitel des Johannesevangeliums genannt:

Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ein Diebkommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.

Da haben wir es. Jesus ist die Tür, und wer durch ihn eintritt, wird gerettet. Egal, welchen Weg wir nehmen, wir kommen immer am selben Ort an. Bei der Seligkeit geht es um Beziehung. Sie muss real sein, und von dieser Wahrheit dürfen wir uns nicht von Leuten ablenken lassen, die sich so ausschließlich für Worte auf einer Seite interessieren, dass sie den lebendigen Herrn aus dem Blick verloren haben, das lebendige Wort; den, dessen Körper aus Fleisch und Blut immer noch an jenem geheimnisvollen Ort existieren muss, den wir Himmel nennen.

Im vierzehnten Kapitel des gleichen Evangeliums, für mich eine der bewegendsten Stellen im Neuen Testament, finden wir diese Wahrheit noch deutlicher ausformuliert.

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.

Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Die Bibel ist keine Person der Dreieinigkeit. Sie ist das von Gott geschenkte Mittel, durch das Männer und Frauen und Jungen und Mädchen erfahren können, dass Gott sie liebt und bereit war, seinen Sohn zu opfern, damit sie zu ihm nach Hause kommen und für immer bei ihm leben können. Es spielt keine Rolle, ob ihr Umschlag schwarz oder grün oder pink mit gelben Tupfen ist. Sie kann groß oder klein gedruckt sein, und je leichter verständlich, desto besser. Die Kapitel- und Verseinteilung ist sehr nützlich, aber sie wurde von Menschen hinzugefügt, nicht von Gott. Wie der Sabbat ist die Bibel für uns gemacht, nicht wir für sie, und wir danken unserem himmlischen Vater für dieses wunderbare Geschenk.

Die klaren, direkten Worte eines Chorals von Christopher Idle drücken das sehr gut aus.

How sure the scriptures are!

God's vital, urgent word,

As true as steel, and far

More sharp than any sword:

So deep and fine,

At his control,

They pierce where soul

And spirit join.

They test each human thought,

Refining like a fire;

They measure what we ought

To do and to desire:

For God knows all -

Exposed it lies

Before his eyes

To whom we call.

Let those who hear his voice

Confronting them today

Reject the tempting choice

Of doubting or delay:

For God speaks still -

His word is clear,

So let us hear

And do his will.

Wie sicher die Schrift ist!

Gottes lebendiges, dringliches Wort,

Lauter als Stahl und viel

Schärfer als jedes Schwert:

So tief und fein,

Auf sein Geheiß

Dringt sie zwischen Seele

Und Geist hindurch.

Sie prüft jeden menschlichen Gedanken,

Läutert wie ein Feuer;

Sie misst, was wir tun

und was wir wünschen sollten:

Denn Gott weiß alles -

Offen liegt es da

Vor den Augen dessen,

Den wir anrufen

Wer heute seine Stimme hört,

Die ihm entgegentritt,

Der widerstehe der Versuchung

Zum Zweifeln oder Zögern:

Denn Gott redet noch -

Sein Wort ist klar,

So lasst uns hören

Und seinen Willen tun.

Dank und Lobpreis

Hier ist ein vierter Bereich, in dem uns die Wahrheit gut täte. Ich habe erst relativ spät in meinem Leben ein echtes Verlangen danach entwickelt, Gott aus tiefstem Herzen für so ziemlich alles zu danken. Die Theorie ist mir natürlich seit Jahrzehnten bekannt und ich habe immer daran geglaubt, dass Danksagung wichtig ist, aber ich glaube, ich hatte über viele Jahre hinweg keine rechte Vorstellung davon, was das eigentlich bedeutet. In diesem Abschnitt aus dem fünften Kapitel des Epheserbriefes setzt Paulus offenbar voraus, dass eine solche Haltung möglich ist:

Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Allezeit für alles Dank sagen – das hörte und hört sich nach einer ziemlich steilen Forderung an. So eindeutig, wie es hier ausgedrückt ist, klingt es sogar absurd. Danke schön sagen für die guten Dinge, die passieren, scheint weniger ein Problem zu sein, aber sollen wir denn wirklich Krankheit, Katastrophen, Schikanen, kalten Kaffee, Mücken, Leute, die vor uns auf schmalen Bürgersteigen im Schneckentempo gehen, Innereiensuppe, ungeduldige Verleger, Nervenzusammenbrüche und tiefe Verzweiflung mit dem Ausdruck der Dankbarkeit willkommen heißen? Von wegen.

Als ich gestern mit meinen täglichen tausend Wörtern für dieses Buch fertig war, verbrachte ich anderthalb Stunden mit der Suche nach einem Scheck, der vorgestern gekommen war, um ihn bei der Bank einzuzahlen. Dreimal blätterte ich mit minuziöser Sorgfalt denselben chaotischen Papierstapel auf dem Küchentisch durch, ohne eine Spur davon zu finden. Als meine Frau schließlich nach Hause kam, war ich gerade dabei, mein Arbeitszimmer in seine Bestandteile zu zerlegen, und war nur noch ein ausgefranstes, verschwitztes, gereiztes Wrack von einem Menschen. Meine Frau fand den gesuchten Scheck sofort. Er war überhaupt nicht weg. Er war genau in dem Papierstapel, den ich sorgfältig dreimal durchsucht hatte. Meine Reaktion war, gelinde gesagt, nicht gerade freundlich. Hätte ich Gott dankbar sein sollen für die Steigerung meines Blutdrucks? Hätte sich Bridget herzlich bei ihm bedanken sollen für das wilde Gefauche, das sie sich mit ihrer blitzartigen Lösung des Problems einhandelte? Nicht in diesem Haus.

Wenn unser Auto, wie es uns tatsächlich einmal passierte, mitten in der Pampa mit dem einzigen anderen Fahrzeug weit und breit zusammenstößt, und das mit vier müden, hungrigen Kindern auf dem Rücksitz und nicht einmal einem Haus im Umkreis von mehreren Meilen, sollten wir dann eine Aufwallung der Dankbarkeit dafür empfinden, dass wir an einem so herrlichen Erlebnis teilhaben dürfen? Ausgeschlossen.

Wenn wir Leute besuchen, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, sollen wir ihnen dann nahe legen, dass sie deswegen vor allem Dankbarkeit empfinden sollten? Natürlich nicht.

Wenn Frauen von ihren Männern verprügelt werden, sollen sie dann dankbar dafür sein? Nein. Seien wir doch nicht albern.

Zu Beginn des Jakobusbriefes findet sich eine ebenso kompromisslose und scheinbar unmögliche Aufforderung:

Meine lieben Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt, und wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.

Lauter Freude? Hat der Mann den Verstand verloren? Will er ernsthaft andeuten, dass Verfolgungen und Auspeitschungen und Steinigungen Anlass zu ausgelassenem Jubel sein sollten? Wovon redet der da und, falls er noch bei Verstand sein sollte, wie in aller Welt sollen sterbliche Männer und Frauen je zu so etwas imstande sein?

Das also ist die Frage. Wie sollen wir Dank sagen für alles? Irgendetwas müssen Paulus' Worte ja bedeuten, das weiß ich, denn Gott hat zugelassen, dass sie in der Bibel stehen; aber gleichzeitig wird mir immer mehr bewusst, dass Gott vernünftig und freundlich und realistisch ist. Er würde uns nie auffordern, irgendwelche Gefühle vorzutäuschen, die wir gar nicht wirklich empfinden. Was also sollen wir tun?

Gott bei uns

Nun, die Antwort auf dieses Rätsel muss wohl darin liegen, dass wir verstehen, was Dankbarkeit gegenüber Gott wirklich bedeutet, und als Erstes muss ich dazu sagen, dass ich einen Hinweis in meiner eigenen Erfahrung als hauptberuflicher Schriftsteller gefunden habe. Nur einen Hinweis, wohlgemerkt, aber vielleicht ist er eine Hilfe. Die Betonung liegt übrigens auf „hauptberuflich”, denn obwohl das, was ich sagen werde, auch allgemein anwendbar ist, ergibt es sich vor allem aus der Erfahrung von Leuten, die sich vollzeitlich damit beschäftigen, Worte zu Papier zu bringen.

Für mich beinhaltet das Alltagsleben eines Schriftstellers eine seltsame Mischung aus Objektivität und Subjektivität. Auf die meisten Dinge, die in meinem Leben passieren, reagiere ich auf zwei verschiedenen Ebenen. Eine davon, die subjektive Ebene, wird den allermeisten Leuten sofort einleuchten. Etwas passiert. Wir reagieren. Gedanken und Gefühle sprühen bei unserem Zusammenstoß mit dem Ereignis oder Erlebnis hervor wie Funken von einem Amboss oder Staub von einem Teppich. Wir lachen, wir weinen, wir gähnen und wir seufzen. Das ist alles berechtigt und nur natürlich. Seit ich jedoch angefangen habe, vom Schreiben zu leben, scheine ich eine ganz unabhängige und deutlich andere Wahrnehmung der Welt entwickelt zu haben. Sie läuft parallel zu der gerade beschriebenen ab und seltsamerweise auch genau gleichzeitig. Ich gebe Ihnen ein Beispiel.

Vor vielen Jahren schrieb ich einen kurzen Text über etwas, was passierte, als ich mit meiner Familie in Dänemark im Urlaub war. Eines Tages besuchten wir einen jener Themenparks, die alle möglichen Attraktionen und Aktivitäten für Kinder bieten. Bridget zog mit unserem ältesten Sohn los, um irgendein „Mama-und-ihr-Ältester-Ding“ zu unternehmen, während ich mit den anderen drei in einem kleinen, runden Boot eine Fahrt auf einem künstlichen Wildwasserfluss machte. Von Anfang an kam mir dieses Boot beunruhigend instabil vor. Trotz meiner strengen Warnungen fingen die beiden Jungen an, zu schaukeln und sich rücklings zum Wasser hinabzubeugen, bis das Boot an einer Biegung im Fluss kenterte und meine beiden Söhne, meine vierjährige Tochter und ich ins Wasser geschleudert wurden. Damals war ich noch Nichtschwimmer und geriet schon allein dadurch, dass ich unter Wasser war, sofort in Panik. Noch schlimmer war, dass mein Körper irgendwie zwischen der Reling des gekenterten Bootes und dem Ufer des Flusses eingeklemmt war, sodass ich nicht an die Oberfläche kam, um Luft zu holen.

Ich hatte entsetzliche Angst. Wenn ich mich nicht befreien konnte oder jemand mir half, würde ich wahrscheinlich ertrinken. Was mit meinen Söhnen war, wusste ich nicht, obwohl ich hoffte und annahm, dass sie sich ohne Schwierigkeiten in Sicherheit gebracht hatten, da sie gute Schwimmer waren. Aber was war mit Kate? Mein Inneres schien sich zu einem furchtbaren Knoten unendlicher Traurigkeit zusammenzuziehen, als ich über das Schicksal meiner geliebten kleinen Tochter spekulierte.

All diese Reaktionen – die Panik, die Angst und die schwere Last der Traurigkeit – waren völlig normal. Doch die andere Reaktion, die sich auf jener objektiven Ebene abspielte, von der ich eben gesprochen habe, war völlig anders. Es wird Ihnen vielleicht schwer fallen, es zu glauben, und das kann ich Ihnen nicht verdenken, aber es ist absolut wahr.

Da unten in der feuchten Finsternis, wo all diese Dinge schwer auf mir lasteten und keinerlei Rettung in Sicht schien, beschäftigte sich ein gänzlich separater Teil meines Verstandes völlig ungerührt mit der Frage, wie sich diese Situation später möglicherweise literarisch auswerten ließe. Ein Zeitschriftenartikel vielleicht oder eine Geschichte mit einer interessanten Moral, wenn ich irgendwo vor einer Gruppe von Leuten sprach. Vielleicht ließ sich das Ganze irgendwann auch einmal abwandeln und in einer zukünftigen fiktiven Erzählung verarbeiten.

Der kleine Mann mit dem Notizbuch, der in meinem Hinterkopf wohnt, kritzelte eifrig vor sich hin und registrierte mit Interesse die verschiedenen Nuancen von Panik und Furcht, die genauen Empfindungen, die mit dem Ertrinken einhergehen, und die Emotionen, die durch den drohenden Verlust geliebter Menschen hervorgerufen werden. Gerade war er dabei, einen neuen Abschnitt unter der Überschrift „Erste Begegnungen mit Gott“ zu beginnen, als ich es schaffte, mich aus meiner Falle zu befreien. Keuchend kam ich an die rettende Luft, wo ich entdeckte, dass Gott sei Dank alle meine drei Kinder in Sicherheit waren, während der emsige kleine Bursche eine Seite umblätterte und eine neue unter dem Titel „Anatomie der Erleichterung“ begann.

Soweit mir bewusst ist, wurden und werden meine spontanen Empfindungen durch diese Objektivität in keiner Weise verwässert. Nur scheint mein Verstand sich angewöhnt zu haben, alles mit Interesse aufzunehmen und geistig zu verarbeiten, was mir passiert, ob diese Dinge nun gut, böse, tragisch, komisch oder einfach nur langweilig sind (Langeweile kann elektrisierend sein, glauben Sie mir!). Wenn ich diese Beobachtungen dann beim Schreiben verwende, gelingt es mir nur deshalb (hoffentlich), die Reaktionen wiederzugeben, die sich auf der normalen Ebene abspielen, weil dieser herzlose kleine Mann in meinem Kopf sich so ausführliche Notizen gemacht hat.

Worauf ich hinauswill, ist, dass ich anfange, die Art und Weise, wie Jesus in dieser Welt lebt und wirkt, so ähnlich zu empfinden. Dinge passieren uns. Wunderbare Dinge. Schreckliche Dinge. Gewöhnliche Dinge. Ich reagiere auf sie wie jedes menschliche Wesen, aber ich fange gerade an -mit vorhersehbaren Rückfällen – etwas zu verstehen und zu glauben, was mich davon befreit, stets nur das hilflose Opfer all dieser Dinge zu sein. Erinnern Sie sich an die folgenden Worte aus dem sechzehnten Kapitel des Johannesevangeliums?

Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Darüber lohnt es sich zu meditieren, finden Sie nicht? Nehmen Sie sich Zeit, auch die vorausgehenden Verse zu lesen. Diese täuschend einfache Botschaft von Gott könnte für Sie und mich und den Rest der heutigen Gemeinde Jesu einiges ändern, wenn wir anfingen, die überwältigende Höhe und Tiefe und Breite ihrer Bedeutung zu begreifen. Machen wir uns kurz klar, was sie nicht besagt. Sie sagt nicht:

„In der Welt könnt ihr damit rechnen, der Angst aus dem Weg zu gehen, denn ich habe die Welt überwunden.”

Nein, im Gegenteil, Jesus sagt ausdrücklich, dass wir definitiv mit Angst oder Bedrängnis rechnen müssen, aber dass wir viel Mut aus der Tatsache schöpfen können, dass er eben diese Welt, in der es zu der Bedrängnis kommt, überwunden hat. Offensichtlich ist es nicht seine Absicht, dies als Widerspruch in sich hinzustellen, aber wie meint er es dann? Ich glaube, er teilt uns die potenziell lebensverändernde Wahrheit mit, dass es nicht ein einziges Ereignis im Leben seiner Nachfolger gibt, dem er nicht innewohnt, das er nicht überwacht und über das er nicht die letzte Kontrolle hat, selbst in solchen Zeiten, in denen wir nichts als Finsternis und Not sehen und spüren können.

Wenn das so ist – und wie gesagt, ich fange gerade erst an, in meinem Herzen zu spüren, dass es wahr ist -, dann sehen wir, dass es tatsächlich möglich ist, Gott in allen Situationen zu danken, so ernst sie auch sein mögen. Jesus hat die Macht dieser Situationen überwunden, den Teil von uns, der in ihm sicher und gerettet ist, zu zerstören oder auch nur anzukratzen. Aus dieser Perspektive ist es bisweilen sogar möglich, unser eigenes Leben ebenso fasziniert zu beobachten wie jener kleine Mann, der sich in meinem Kopf seine Notizen macht. Was wird der Herr wohl in dieser hoffnungslosen Situation tun? Wo in aller Welt steckt der Heilige Geist in diesem Chaos, das ich heute erlebe? Was fängt die Kreativität Gottes mit der trostlosen Dunkelheit an, die mich im Moment einhüllt? Ich habe keine Ahnung, aber wie die Psalmisten werde ich ihm einfach sagen, wie unglücklich ich wirklich bin, und ihm zugleich danken und ihn dafür preisen, dass ich auf dieser bedrängten Erde nicht allein und ohne Schutz bin.

Unsere Haltung der Dankbarkeit

An dem Nachmittag, bevor ich diese Worte schrieb, war ich an einem Seminar auf der Christian Resources Exhibition beteiligt, die jährlich an drei verschiedenen Standorten in Großbritannien zusammenkommt. Ich interviewte einen Freund namens Geoff Lackey über die Arbeit und das Ethos des Christian Healing Centre in Crowhurst bei Battle, das er leitet. Es lief sehr gut. Meine Rolle bestand einfach darin, all die nahe liegenden Fragen zum Thema Heilung zu stellen, die den meisten Leuten auf den Nägeln brennen. Geoffs erheblich schwierigere Aufgabe war es, meine Fragen ehrlich zu beantworten. Er machte es außerordentlich gut, ohne in die allgegenwärtige Klischeefalle zu tappen, und gab offen zu, wenn er eine Frage nicht beantworten konnte. Kurz nach dem Ende des Seminars fragte eine Dame, ob sie mich einen Moment sprechen könnte.

„Wir haben gerade erfahren, dass unser Enkelsohn an einer schweren neurologischen Krankheit leidet”, sagte sie. „Ich wollte Sie fragen, ob wir das Ihrer Meinung nach akzeptieren und ihm helfen sollten, so gut wir können, oder ob wir beten sollten, dass Gott ein Wunder tut und ihn heilt.”

Oft komme ich mir albern vor, wenn Leute mich fragen, welchen Weg sie am besten einschlagen sollten, aber in diesem Fall hatte ich keinen Zweifel.

„Ich glaube, Sie sollten beides tun”, erwiderte ich. „Etwas zu akzeptieren, heißt nicht, dass Sie es begrüßen, dass es Ihnen gefällt, dass Sie es wollen oder dass Sie aufhören, dagegen zu beten; es heißt lediglich, dass Sie sich der Wahrheit stellen und sich bereit machen, alles zu tun, was getan werden muss. Vielleicht wird Ihr Enkel alle möglichen praktischen Hilfestellungen brauchen. Es hat keinen Sinn, zu verleugnen, was mit ihm los ist, wenn Sie sich daran beteiligen wollen, ihm diese Hilfe zu geben. Gleichzeitig können Sie Jesus aus tiefstem Herzen bitten, ihn zu heilen. Verantwortungsvolle Fürsorge und Gebet schließen sich niemals aus. Gott ist am Ruder und er wird das Richtige tun.”

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

₺334,09

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
301 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
9783865067296
Tercüman:
Yayıncı:
Telif hakkı:
Автор
İndirme biçimi:
Metin
Ortalama puan 4,7, 328 oylamaya göre
Ses
Ortalama puan 4,2, 745 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 4,8, 112 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 4,8, 21 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 5, 44 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre
Metin
Ortalama puan 0, 0 oylamaya göre