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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 22

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XXVII.
Die Herren Böhmer und Bossange

Herr Ducorneau segnete noch den Himmel, daß er ihm einen Gesandten geschickt, der die französische Sprache der portugiesischen und die portugiesischen Weine den französischen vorzog; er schwamm in jener köstlichen Glückseligkeit, die der befriedigte und dankbare Magen dem Gehirn bereitet, als ihn Herr von Suza zum Schlafengehen ermahnte.

Ducorneau stand auf, und in einer sehr gefährlichen Reverenz, die sich an eben so vielen Möbeln anhing wie der Zweig eines wilden Rosenstocks an Blättern in einem Gebüsch, erreichte der Kanzler die Thüre und die Straße.

Beausire und Don Manoel hatten dem Wein der Gesandtschaft nicht genug zugesprochen, um sogleich dem Schlafe zu unterliegen.

Ueberdieß mußte der Kammerdiener nach seinen Herren ebenfalls zu Nacht speisen, ein Geschäft, das der Commandeur mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit den von dem Herrn Gesandten und seinem Secretär gegebenen Vorschriften gemäß vollführte.

Der ganze Plan für den nächsten Tag war entworfen. Die drei Verbündeten nahmen eine Recognoscirung im Hotel vor, nachdem sie sich versichert hatten, daß der Portier schlief.

Durch die Thätigkeit des nüchternen Ducorneau ging am andern Morgen die Gesandtschaft aus ihrer Lethargie hervor. Schreibtische, Mappen, Schreibzeuge, Galakleider, im Hofe tänzelnde Pferde zeigten das Leben da an, wo am Tage zuvor noch Alles still und todt gewesen war.

Rasch verbreitete sich das Gerücht im Quartier, eine hohe Person, mit wichtigen Geschäften beauftragt, sei in der Nacht von Portugal angekommen.

Dieses Gerücht, das unsern drei Schelmen Credit geben sollte, war für sie eine Quelle immer neuer Beängstigungen.

Die Polizei der Herren von Crosne und von Breteuil hatte in der That große Ohren, die sie bei einer solchen Vorkommenheit gut zu schließen sich wohl hüten mußte; sie hatte Argus-Augen, die sie sicherlich nicht zumachte, wenn es sich um die Herren Diplomaten von Portugal handelte.

Don Manoel bemerkte aber Beausire, mit Kühnheit könnte man es verhindern, daß die Nachforschungen der Polizei vor acht Tagen zu Verdachten, die Verdachte vor vierzehn Tagen zu Gewißheiten würden, daß folglich vor zehn Tagen, was der Mittelzeitpunkt, nichts die Verbindung in ihrer Bewegung beengen würde, welche Verbindung, um gut zu Werke zu gehen, ihre Operationen vor Ablauf von sechs Tagen beendigt haben mußte.

Die Morgenröthe war eben angebrochen, als zwei Miethwagen das Gepäcke der neun Bursche, welche das Personal der Gesandtschaft zu bilden bestimmt waren, in's Hotel brachten.

Sie wurden von Beausire sehr rasch in ihre Stellen eingesetzt. Einen verwendete man bei der Casse, den Andern bei den Archiven, ein Dritter nahm die Stelle des bisherigen Portier ein, dem Ducorneau selbst unter dem Vorwand, er verstehe nicht Portugiesisch, den Abschied gab. Das Hotel war also von dieser Garnison bevölkert, welche die Zugänge jedem Profanen verwehren sollte.

Die Polizei ist im höchsten Grade profan gegen diejenigen, welche politische oder andere Geheimnisse haben.

Gegen Mittag stieg Don Manoel, genannt Suza, sehr elegant gekleidet, in einen anständigen Wagen, den Beausire um 500 Livres für einen Monat, wobei er vierzehn Tage vorausbezahlte, gemiethet hatte.

Er fuhr nach dem Hause der Herren Böhmer und Bossange in Gesellschaft seines Secretärs und seines Kammerdieners.

Der Kanzler erhielt den Befehl, unter seinem Couvert und wie gewöhnlich in Abwesenheit der Gesandten alle Geschäfte in Beziehung auf Pässe, Entschädigungen und Unterstützungen zu besorgen, mit dem Auftrage jedoch, nur mit dem Gutheißen des Herrn Secretärs Zahlungen zu machen oder Rechnungen zu berichtigen.

Diese Herren wollten die Summe von hunderttausend Livres, die Hauptwurzel der ganzen Operation, unberührt erhalten.

Man belehrte den Herrn Gesandten, die Juweliere der Krone wohnen auf dem Quai de l'Ecole, wo sie gegen ein Uhr Nachmittags vorfuhren.

Der Kammerdiener klopfte bescheiden an die Thüre des Juweliers, welche mittelst starker Schlösser verschlossen und wie eine Gefängnißthüre mit großen breiten Nägeln versehen war.

Die Kunst hatte diese Nägel so angebracht, daß sie mehr oder minder angenehme Zeichnungen bildeten. Nur war erwiesen, daß nie Bohrer, Säge oder Feile ein Stück Holz hätte angreifen können, ohne sich einen Zahn auf einem Stück Eisen zu zerbrechen.

Ein Schieber, vor welchem ein Gitter, öffnete sich, und eine Stimme fragte den Kammerdiener, was er zu wissen wünsche.

»Der Herr Gesandte von Portugal will die Herren Böhmer und Bossange sprechen,« antwortete der Kammerdiener.

Alsbald erschien ein Gesicht im ersten Stock, dann vernahm man hastige Schritte auf der Treppe. Die Thüre wurde geöffnet.

Don Manoel stieg mit vornehmer Langsamkeit aus dem Wagen.

Beausire war zuerst ausgestiegen, um Seiner Excellenz den Arm anzubieten.

Der Mann, der den beiden Portugiesen mit so großem Eifer entgegenkam, war Herr Böhmer selbst, der, als er den Wagen halten gehört, durch die Fensterscheiben hinausgeschaut hatte und, als das Wort Gesandter zu seinen Ohren gedrungen, fortgeeilt war, um Seine Excellenz nicht warten zu lassen.

Der Juwelier verwickelte sich ganz in Entschuldigungen, während Don Manoel die Treppe hinaufstieg.

Herr Beausire bemerkte, daß hinter ihnen eine stämmige alte Magd Schlösser und Riegel schloß, wovon ein großer Luxus an der Hausthüre vorhanden war.

Da Herr Beausire diese Beobachtungen geflissentlich zu machen schien, so sagte Herr Böhmer zu ihm:

»Verzeihen Sie, mein Herr, wir sind bei unserem unglücklichen Gewerbe dergestalt gefährdet, daß jede Vorsichtsmaßregel in unserem Hause zur Gewohnheit geworden ist.«

Don Manoel war gleichgültig geblieben; Böhmer sah es und wiederholte ihm selbst die Worte, auf welche Beausire ein angenehmes Lächeln gespendet hatte. Als aber der Gesandte sein Gesicht eben so wenig beim ersten Male, als beim zweiten veränderte, sagte Böhmer, aus der Fassung gebracht:

»Verzeihen Sie, Herr Gesandter …«

»Seine Excellenz spricht nicht Französisch und kann Sie nicht verstehen, mein Herr,« erwiderte Beausire; »ich will ihm aber Ihre Entschuldigung übersetzen, wofern Sie nicht,« fügte er eiligst bei, »wofern Sie nicht selbst Portugiesisch sprechen, mein Herr.«

»Nein, mein Herr, nein.«

»Ich werde also für Sie sprechen.«

Und Beausire wälschte einige portugiesische Worte zu Don Manoel, die dieser in derselben Sprache erwiderte.

»Seine Excellenz der Herr Graf von Suza, Gesandter Ihrer Allergläubigsten Majestät, nimmt gnädigst Ihre Entschuldigungen an, mein Herr, und beauftragt mich, Sie zu fragen, ob es wahr sei, daß Sie ein schönes Halsband von Diamanten noch in Ihrem Besitze haben.«

Böhmer hob den Kopf in die Höhe und schaute Beausire wie ein Mann an, der seine Leute zu messen weiß.

Beausire hielt den Angriff als geschickter Diplomat aus.

»Ein Halsband von Diamanten,« sprach Böhmer langsam, »ein sehr schönes Halsband.«

»Das, welches Sie der Königin von Frankreich angeboten und wovon Ihre Allergläubigste Majestät hat sprechen hören,« fügte Beausire bei.

»Der Herr ist bei der Gesandtschaft angestellt?« fragte Böhmer.«

»Ich bin der Privatsecretär des Herrn Gesandten.«

Don Manoel hatte sich als vornehmer Mann gesetzt und schaute die Malereien eines zierlich schönen Zimmers an, das auf den Quai ging.

Eine herrliche Sonne beleuchtete die Seine, und die ersten Pappelbäume zeigten ihre zartgrünen Schützlinge über dem noch vom Aufthauen angeschwollenen und gelben Wasser.

Don Manoel ging von der Betrachtung der Gemälde auf die der Landschaft über.

»Mein Herr,« sprach Beausire, »es scheint, Sie haben nicht ein Wort von dem, was ich Ihnen gesagt habe, gehört.«

»Wie, mein Herr!« erwiderte Böhmer, etwas verblüfft durch den lebhaften Ton von Beausire.

»Ich sehe, daß Seine Excellenz ungeduldig wird, Herr Juwelier.«

»Verzeihen Sie, mein Herr,« sagte Böhmer, »ich darf mein Halsband nicht zeigen, ohne daß mein Associé, Herr Bossange. anwesend ist.«

»Nun. so lassen Sie Ihren Associé kommen.«

Don Manoel näherte sich und begann mit seiner eisigen Miene, der es nicht an einer gewissen Majestät gebrach, in portugiesischer Sprache eine Anrede, bei welcher Beausire wiederholt respektvoll sein Haupt verneigte.

Dann drehte er den Rücken und setzte seine Beschauung an den Fensterscheiben fort.

»Mein Herr, Seine Excellenz sagt zu mir, sie warte schon zehn Minuten, und sie sei nicht gewohnt, irgendwo zu warten, nicht einmal bei den Königen.«

Böhmer verbeugte sich, ergriff eine Klingelschnur und zog daran.

Nach einer Minute trat eine andere Gestalt in das Zimmer. Es war Herr Bossange, der Associé.

Böhmer setzte ihm die Sache mit ein paar Worten aus einander. Bossange warf einen Blick auf die zwei Portugiesen und verlangte dann von Böhmer seinen Schlüssel, um die Casse zu öffnen.

»Mir scheint,« dachte Beausire, »die ehrlichen Leute nehmen eben so viele Vorsichtsmaßregeln gegen einander, als die Diebe.«

Nach zehn Minuten kam Herr Bossange zurück und brachte ein Etui in seiner linken Hand; seine rechte war unter seinem Rock verborgen. Beausire sah sehr deutlich das Relief von zwei Pistolen.

»Wir können gut aussehen,« sagte Don Manoel ernst in portugiesischer Sprache, »aber diese Kaufleute halten uns eher für Spitzbuben, als für Gesandte.«

Und während er diese Worte sprach, schaute er die Juweliere scharf an, um in ihren Gesichtern die geringste Bewegung zu erhaschen, falls sie Portugiesisch verstehen sollten.

Nichts erschien, nichts als ein Halsband, so wunderbar schön, daß der Glanz ihn blendete.

Vertrauensvoll gab man das Etui in die Hände von Don Manoel, doch rasch und zornig sprach dieser zu seinem Secretär:

»Mein Herr, sagen Sie diesen Burschen, sie machen Mißbrauch von der Erlaubniß, die ein Kaufmann hat, dumm zu sein. Sie zeigen mir Straß, während ich die Diamanten von ihnen verlange. Sagen Sie ihnen, ich werde mich beim französischen Ministerium beklagen und im Namen meiner Königin Unverschämte, die einen Gesandten Portugals mystificiren, in die Bastille werfen lassen.«

So sprechend, schleuderte er das Etui mit umgekehrter Hand auf das Comptoir.

Beausire hatte nicht nöthig, alle diese Worte zu übersetzen, die Pantomime genügte.

Böhmer und Bossange überstürzten sich in Entschuldigungen und sagten, in Frankreich zeige man Modelle von Diamanten, falschen Schmuck, Alles, um ehrliche Leute zu befriedigen, aber um nicht Diebe anzulocken oder in Versuchung zu führen.

Herr von Suza machte eine energische Geberde und ging unter den Augen der erschrockenen Kaufleute auf die Thüre zu.

»Seine Excellenz beauftragt mich, Ihnen zu sagen« fuhr Beausire fort, »er sei ärgerlich, daß Leute, die den Titel Juweliere der Krone von Frankreich führen, einen Gesandten nicht von einem Schuft zu unterscheiden wissen, und Seine Excellenz kehrt in ihr Hotel zurück.«

Die Herren Böhmer und Bossange machten sich ein Zeichen und verbeugten sich, wobei sie abermals ihre ganze Achtung betheuerten.

Herr von Suza trat ihnen beinahe auf die Füße und ging hinaus.

Die Kaufleute schauten sich offenbar ängstlich an und bückten sich beinahe bis auf den Boden.

Beausire folgte stolz seinem Gebieter.

Der Alte öffnete die Schlösser der Thüre.

»Nach dem Gesandtschaftshotel, Rue de la Jussienne!« rief Beausire dem Kammerdiener zu.

»Nach dem Gesandtschaftshotel!« rief der Kammerdiener dem Kutscher zu.

Böhmer horchte beim Schieber.

»Ein verfehltes Geschäft,« brummte der Bediente.

»Ein abgemachtes Geschäft,« sagte Beausire; »In einer Stunde werden diese Tölpel bei uns sein.«

Der Wagen rollte fort, als ob er von acht Rossen gezogen würde.

XXVIII.
Bei der Gesandtschaft

Bei ihrer Rückkehr in's Gesandtschaftshotel fanden diese Herren Ducorneau, der ruhig in seiner Schreibstube zu Mittag speiste.

Beausire bat ihn, zum Gesandten hinaufzugehen, und sprach folgende Worte zu ihm:

»Sie begreifen, lieber Kanzler, daß ein Mann, wie Herr von Suza, nicht ein gewöhnlicher Mann ist.«

»Ich habe es bemerkt,« erwiderte der Kanzler.

»Seine Excellenz will in Paris einen ausgezeichneten Platz unter den Reichen und den Leuten von Geschmack einnehmen,« fuhr Beausire fort; »damit sage ich Ihnen, daß der Aufenthalt in diesem gemeinen Hotel in der Rue Jussienne für Seine Excellenz unerträglich ist; dem zu Folge würde es sich darum handeln, eine andere Privatwohnung für Herrn von Suza zu finden.«

»Das wird den diplomatischen Verkehr erschweren,« entgegnete der Kanzler; »wir werden der Unterschriften wegen viel zu laufen haben.«

»Seine Excellenz wird Ihnen einen Wagen geben, mein lieber Herr Ducorneau,« antwortete Beausire.

Ducorneau wäre vor Freude beinahe in Ohnmacht gefallen.

»Mir einen Wagen!« rief er.

»Es ist ärgerlich, daß Sie nicht daran gewöhnt sind,« fuhr Beausire fort, »ein würdiger Gesellschafts-Kanzler muß seinen Wagen haben; doch hievon zu geeigneter Zeit. Legen wir dem Kanzler für den Augenblick Rechenschaft von dem Zustand der auswärtigen Angelegenheiten ab; die Casse, wo ist sie?«

»Hier oben, in der Wohnung des Gesandten!«

»So fern von Ihnen?«

»Eine Sicherheitsmaßregel, mein Herr; es ist schwieriger für die Diebe, im ersten Stock einzudringen, als hier im Erdgeschosse.«

»Diebe,« versetzte Beausire mit verächtlichem Tone, »wegen einer so kleinen Summe!«

»Hunderttausend Livres!« rief Ducorneau. »Teufel! man sieht wohl, daß Herr von Suza reich ist! Es sind keine hunderttausend Livres in allen Gesandtschafts-Cassen.«

»Wollen wir die Untersuchung und Beurkundung vornehmen?« sagte Beausire; »ich habe Eile, an meine Geschäfte zu gehen.«

Die Casse wurde gestürzt, und es fanden sich die hunderttausend Livres in schöner, klingender Münze, halb Silber, halb Gold.

Ducorneau bot seinen Schlüssel; Beausire schaute ihn eine Zeit lang an, um die sinnreichen Guillochuren und die complicirten Kleeblatt-Züge zu bewundern.

Er hatte geschickt einen Abdruck mit Wachs genommen.

Dann gab er ihn dem Kanzler zurück und sagte zu diesem:

»Herr Ducorneau, er ist besser in Ihren Händen, als in den meinigen; gehen wir zum Herrn Gesandten.«

Man fand Don Manoel unter vier Augen mit der nationalen Chocolade. Er schien sehr von einem mit Ziffern bedeckten Papier in Anspruch genommen. Als er seinen Kanzler erblickte, fragte er:

»Kennen Sie die Geheimschrift der früheren Korrespondenz?«

»Nein, Eure Excellenz.«

»Nun! Sie sollen fortan eingeweiht sein, mein Herr; Sie werden mich dadurch einer Menge langweiliger Details überheben; ah! wie ist es mit der Casse?« fragte er Beausire.

»Im besten Zustand, wie Alles, was zum Ressort von Herrn Ducorneau gehört,« erwiderte Beausire.

»Die hunderttausend Livres?«

»Liquid, mein Herr.«

»Gut, setzen Sie sich, Herr Ducorneau; Sie sollen mir eine Auskunft geben.«

»Ich bin zu den Befehlen Eurer Excellenz,« sagte der Kanzler strahlend.

»Hören Sie, wie sich die Sache verhält: Staatsangelegenheit, Herr Ducorneau.«

»Oh! ich höre, gnädiger Herr,« sprach der würdige Kanzler.

Und er rückte seinen Stuhl näher hinzu.

»Eine wichtige Angelegenheit, bei der ich Ihrer Erleuchtung bedarf. Kennen Sie ehrliche Juweliere in Paris?«

»Da sind die Herren Böhmer und Bossange, Juweliere der Krone,« antwortete der Kanzler.

»Gerade diese sind es, deren ich mich nicht bedienen will,« sprach Don Manoel, »ich verlasse sie eben, um sie nie wieder zu sehen.«

»Haben sie das Unglück gehabt, die Unzufriedenheit Eurer Excellenz zu erregen?«

»In hohem Grade, Herr Corno.«

»Oh! wenn ich etwas minder zurückhaltend sein dürfte, wenn ich es wagte …«

»Wagen Sie es.«

»Ich würde fragen, worin diese Leute, die in ihrem Gewerbe im besten Rufe stehen …«

»Es sind wahre Juden, Herr Corno, und ihr schlechtes Benehmen hat zur Folge, daß sie eine oder zwei Millionen verlieren.«

»Oh!« rief Ducorneau gierig.

»Ich war von Ihrer Allergetreusten Majestät abgesandt, um ein Halsband von Diamanten zu kaufen.«

»Ja, ja, das bekannte Halsband, das der selige König für Madame Dubarry bestellt hatte, ich weiß, ich weiß.«

»Sie sind ein kostbarer Mann, Sie wissen Alles. Nun! ich wollte also das Halsband kaufen; da die Sachen aber so gehen, so kaufe ich es nicht.«

»Soll ich einen Schritt thun?«

»Herr Corno!«

»Einen diplomatischen, sehr diplomatischen, gnädigster Herr?«

»Das wäre gut, wenn Sie diese Leute kennen würden.«

»Bossange ist ein entfernter Verwandter von mir.«

Don Manoel und Beausire schauten sich an.

Es trat ein Stillschweigen ein.

Plötzlich öffnete einer der Bedienten die Thüre und meldete:

»Die Herren Böhmer und Bossange.«

Don Manoel stand rasch auf und rief mit zorniger Stimme:

»Schicken Sie diese Leute weg!«

Der Bediente machte einen Schritt, um zu gehorchen.

»Nein, jagen Sie sie selbst fort, Herr Secretär,« fügte der Gesandte bei.

»Um Gottes willen!« sprach Ducorneau flehend, »lassen Sie mich den Befehl Seiner Excellenz vollziehen; ich werde ihn mildern, da ich ihn nicht aufheben kann.«

»Thun Sie es, wenn Sie wollen,« sagte Don Manoel mit gleichgültigem Tone.

Beausire näherte sich ihm in dem Augenblick, wo Ducorneau hinauseilte.

»Ah! diese Sache ist also zu scheitern bestimmt,« sagte Don Manoel.

»Nein, Ducorneau wird das Geschäft wieder in's Geleise bringen.«

»Er wird es vollends in Verwirrung bringen. Unglücklicher; wir haben nur Portugiesisch bei den Juwelieren gesprochen. Sie sagten, ich verstehe kein Wort Französisch, Ducorneau wird Alles verderben.«

»Ich laufe nach.«

»Es ist vielleicht gefährlich, wenn Sie sich zeigen, Beausire.«

»Sie werden sehen, daß dieß nicht der Fall ist; geben Sie mir Vollmacht.«

»Bei Gott!«

Beausire ging hinaus.

Ducorneau hatte unten Böhmer und Bossange getroffen, deren Haltung sich seit ihrem Eintritt im Gesandtschaftshotel im Sinne der Höflichkeit, wenn auch nicht in dem des Vertrauens gänzlich geändert hatte.

Sie rechneten wenig auf den Anblick eines bekannten Gesichtes und bewegten sich sehr steif in den ersten Zimmern.

Als Bossange Herrn Ducorneau erblickte, gab er einen Schrei freudigen Erstaunens von sich.

»Sie hier!« sagte er.

Und er näherte sich, um ihn zu umarmen.

»Ah! ah! Sie sind sehr liebenswürdig,« sprach Ducorneau. »Sie haben die Güte, mich hier anzuerkennen, mein Herr Vetter, der reiche Kauz. Etwa, weil ich bei einer Gesandtschaft bin?«

»Meiner Treue! ja,« erwiderte Bossange, »verzeihen Sie mir, wenn wir ein wenig fremd waren, und thun Sie mir einen Gefallen.«

»Ich bin deßwegen hierher gekommen.«

»Oh! ich danke. Sie sind also der Gesandtschaft beigegeben?«

»Ja.«

»Eine Auskunft!«

»Welche, und worüber?«

»Ueber die Gesandtschaft selbst.«

»Ich bin der Kanzler derselben.«

»Oh! vortrefflich. Wir wollen mit dem Gesandten sprechen.«

»Ich komme in seinem Auftrage.«

»In seinem Auftrage! um uns was zu sagen?«

»Daß er Sie auffordere, sein Hotel zu verlassen, und zwar rasch, meine Herren.«

Die zwei Juweliere schauten sich bestürzt an.

»Weil Sie,« sprach Ducorneau mit gewichtiger Miene, »weil Sie ungeschickt und unverständig gewesen sind, wie es scheint.«

»Hören Sie uns doch an.«

»Das ist unnöthig,« sagte plötzlich Beausire, der kalt und stolz auf der Schwelle des Zimmers erschien. »Herr Ducorneau, Seine Excellenz hat Sie beauftragt, diese Herren wegzuschicken, thun Sie das.«

»Herr Sekretär …«

»Gehorchen Sie!« rief Beausire mit verächtlichem Tone.

Und er ging vorüber.

Der Kanzler nahm seinen Verwandten bei der rechten Schulter, den Associé des Verwandten bei der linken Schulter und schob Beide sachte hinaus.

»Das ist ein verfehltes Geschäft,« sagte er.

»Wie empfindlich doch diese Fremden sind,« murmelte Böhmer, der ein Deutscher war.

»Wenn man Herr von Suza heißt und neunmal hunderttausend Livres Einkünfte hat, mein lieber Vetter,« sagte der Kanzler, »so ist man berechtigt, zu sein, was man will.«

»Ah!« seufzte Bossange, »ich habe es Ihnen wohl gesagt, Böhmer, Sie sind zu starr in den Geschäften.«

»Ei!« erwiderte der hartnäckige Deutsche, »bekommen wir sein Geld nicht, so bekommt er unser Halsband nicht.«

Man näherte sich der Hausthüre.

Ducorneau lachte. »Wißt Ihr, was ein Portugiese ist?« sagte er verächtlich; »wißt Ihr, was ein Gesandter ist, Ihr Bürgersleute, die Ihr seid? Nein. Nun wohl, ich will es Euch sagen. Der Lieblingsgesandte einer Königin, Herr Potemkin, kaufte jedes Jahr am ersten Januar für die Königin einen Korb Kirschen, der hunderttausend Thaler kostete, tausend Livres die Kirsche: nicht war, das ist hübsch? Wohl! Herr von Suza wird die Bergwerke Brasiliens kaufen, um in den Gängen einen Diamant zu finden, der so groß ist, als die Eurigen alle zusammen. Das kostet ihn zwanzig Jahre von seinen Einkünften, zwanzig Millionen; doch, was ist ihm daran gelegen, er hat keine Kinder … Verstanden!«

Und er war im Begriff, die Thüre zuzumachen; da besann sich Bossange eines Bessern und sagte zu ihm:

»Bringen Sie das wieder in Ordnung, und Sie bekommen …«

»Hier ist man unbestechlich,« erwiderte Ducorneau.

Und er schloß die Thüre.

An demselben Abend erhielt der Graf folgenden Brief:

»Euere Excellenz!

»Ein Mann, der Ihre Befehle erwartet und die ehrerbietigen Entschuldigungen Ihrer unterthänigen Diener zu überbringen wünscht, ist vor der Thüre ihres Hotels; auf ein Zeichen Eurer Excellenz wird er in die Hände eines Ihrer Leute das Halsband niederlegen, dem das Glück zu Theil geworden ist, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

»Genehmigen Sie, gnädigster Herr, die Versicherung tiefer Ehrfurcht u. s. w. u. s. w.

»Böhmer und Bossange

»Nun!« sprach Don Manoel, nachdem er diesen Brief gelesen hatte, »das Halsband gehört uns.«

»Nein, nein,« entgegnete Beausire, »es gehört uns erst, wenn wir es gekauft haben; kaufen wir es?«

»Wie?«

»Eure Excellenz versteht das Französische nicht, das ist abgemacht; vor Allem aber entledigen wir uns des Herrn Kanzlers.«

»Wie?«

»Auf die allereinfachste Art; man muß ihm eine wichtige diplomatische Sendung geben, das übernehme ich.«

»Sie haben Unrecht, er wird hier unsere Bürgschaft sein.«

»Er wird sagen, Sie sprechen Französisch wie Herr Bossange und ich.«

»Er wird es nicht sagen, wenn ich ihn darum bitte.«

»Gut, er bleibe, lassen Sie den Mann mit den Diamanten eintreten.«

Der Mann wurde eingeführt; es war Herr Böhmer in Person, Böhmer, der die tiefsten Bücklinge schnitt und die demüthigsten Entschuldigungen stammelte: worauf er seine Diamanten überreichte und Miene machte, sie zur Prüfung zurückzulassen.

Don Manoel behielt sie.

»Genug der Proben,« sagte Beausire, »Sie sind ein mißtrauischer Kaufmann; Sie müssen ehrlich sein. Setzen Sie sich hierher und lassen Sie uns sprechen, da Ihnen der Herr Gesandte verzeiht.«

»Ach! welche Mühe hat man, was muß man ausstehen, um zu verkaufen!« seufzte Böhmer.

»Welche Mühe macht man sich, um zu stehlen!« dachte Beausire.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
Hacim:
1015 s. 9 illüstrasyon
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