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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 17

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Zwanzigstes Kapitel.
Worin man sehen wird, daß Messire Bertrand Duguesclin nicht minder guter Arithmetiker, als großer General war

Während der Prinz Enrique von Transtamare und sein Gefährte Agenor sich nach Bordeaux wandten, wo ihrer die von uns erzählten Ereignisse harrten, versammelte Duguesclin, mit Vollmachten von König Karl V. versehen, die Hauptführer der Compagnien und setzte ihnen seinen Feldzugsplan auseinander.

Es war mehr Taktik und militärische Kunst, als man denkt, bei diesen Räubern, welche wie ihres Gleichen, die Raubvögel, oder wie ihre Brüder, die Wölfe, sich zur täglichen Uebung der Wachsamkeit, der Industrie und der Entschlossenheit genöthigt sahen, die den gewöhnlichen Menschen die Ueberlegenheit und den erhabenen Leuten das Genie verleiht.

Sie begriffen also vortrefflich die allgemeine Disposition, die der bretagnische Held ihrem Urtheil unterwarf, die Anordnungen, welche jene Gesammtheit der Operationen bildeten, die man stets zum Voraus feststellen kann, und woraus die besonderen Operationen hervorgehen, welche die Umstände gebieten. Doch diesem ganzen kriegerischen Pläne hielten sie ein Argument entgegen, auf das nichts zu erwiedern war: Geld.

Der Billigkeit gemäß ist hier zu erwähnen, daß bei dieser Einwendung Einhelligkeit stattfand, und daß das Argument einstimmig ausgesprochen wurde.

»Es ist wahr,« antwortete Duguesclin, »und ich dachte auch schon daran.

« Die Anführer machten ein Zeichen mit dem Kopf, womit sie sagen wollten, sie wissen ihm Dank für diese Vorhersehung.

»Doch Ihr werdet nach der ersten Schlacht bekommen,« fügte Duguesclin bei.

»Aber wir müssen bis dahin leben und unseren Soldaten irgend eine Bezahlung geben,« bemerkte der Grüne Ritter.

»Wenn wir nicht auf Kosten des französischen Bauern zu leben fortfahren,« sagte Caverley. »Doch dieses Geschrei (die Teufel von Bauern schreien immer), dieses Geschrei würde unserem erhabenen Connetable die Ohren schinden, lieber dies, wozu ein ehrlicher Kapitän werden, wenn man plündern soll, als ob man noch Abenteurer wäre?«

»Ganz außerordentlich richtig,« sagte Duguesclin.

»Ich füge bei,« sagte Claude der Schinder, ein anderer Bursche, ganz würdig, mit solchen Wölfen zu heulen, ein Mensch, der für minder wild, aber für tausendmal verrätherischer und diebischer galt, als Caverley; »ich füge bei, daß wir nun die Verbündeten Seiner Hoheit des Königs von Frankreich sind, da wir den Tod seiner Schwägerin rächen sollen, und daß wir dieser Ehre, einer für einfache Abenteurer wie wir unschätzbaren Ehre, unwürdig wären,wenn wir nicht, für den Augenblick wenigstens, aufhören würden, das Volk unseres königlichen Verbündeten zu ruiniren.«

»Aeußerst tief und richtig bemerkt,« erwiderte Duguesclin; »doch schlagt mir ein Mittel vor, Geld anzuschaffen.«

»Es ist nicht unsere Sache, Geld anzuschaffen,« entgegnete Hugo von Caverley, »es ist unsere Sache, Geld zu bekommen.«

»Hierauf ist nichts zu erwidern,« sagte Duguesclin »und der Doctor wäre kein besserer Logiker, als Ihr, Sire Hugo; doch sprecht, was verlangt Ihr?«

Die Anführer schauten einander an und schienen sich mit den Augen zu besprechen; dann übertrug ohne Zweifel Jeder Caverley die Sorge für das allgemeine Interesse, denn Caverley antwortete:

»Wir werden billig sein, Messire Connetable, so wahr ich Kapitän bin!«

Bei diesem Versprechen und dieser Betheurung fühlte Duguesclin, wie ein Schauer seinen ganzen Leib durchlief.

»Ich warte,« sagte er, »sprecht.«

»Nun wohl, Seine Hoheit Karl V. bezahle uns nur einen Goldthaler für den Mann, bis wir in Feindesland sind. Das ist gewiß nicht viel; doch wir ziehen in Betracht, daß wir die Ehre haben, seine Verbündeten zu sein, und sind bescheiden aus Rücksicht für diesen würdigen Fürsten. Wir haben so etwa fünfzigtausend Soldaten.«

»Ungefähr,« sagte Duguesclin.

»Einen mehr, einen weniger.«

»Einen weniger, glaube ich.«

»Gleichviel,« erwiderte Caverley, »wir machen uns anheischig mit dem, was wir haben, zu thun, was Andere mit fünfzigtausend thun würden. Es ist also gerade, als ob wir sie hätten.«

»Das macht also fünfzigtausend Goldthaler,« sagte Bertrand.

»Ja, für die Soldaten,« versetzte Caverley.

»Nun?« fragte Duguesclin.

»Es bleiben die Offfciere.«

»Das ist richtig,« sprach der Connetable, »ich vergaß die Officiere. Wie viel werdet Ihr den Officieren geben?«

»Ich denke,« erwiderte der Grüne Ritter, der ohne Zweifel befürchtete, Caverley konnte eine Schätzung unter dem Werthe machen, »ich denke, daß diese braven Leute, welche der Mehrzahl nach geübte und kluge Männer sind, wohl fünf Goldthaler dem Kopfe nach werth sein mögen; bedenkt, daß beinahe alle Knappen, Knechte und Waffenschmiede, nebst drei Pferden haben.«

»Teufel!« rief Bertrand, »diese Officiere sind besser bedient, als die des Königs meines Herrn.«

»Wir halten große Stücke hierauf,« sprach Caverley.

»Und Ihr sagt fünf Goldthaler für jeden Mann?«

»Das ist die geringste Summe, die man meiner Ansicht nach für sie in Anspruch nehmen kann. Ich wollte sechs verlangen, doch da der Grüne Ritter einen Preis gemacht hat, so werde ich ihn nicht Lügen strafen und das, was er einmal gesagt, hinnehmen.«

Bertrand schaute sie an und glaubte, er habe es abermals mit den jüdischen Menschen zu thun, zu denen ihn zuweilen sein Herr geschickt hatte, um kleine Anlehen zu negociren2.

»Verfluchte Schurken,« dachte er, während er seine freundlichste Miene annahm, »wie wollte ich Euch alle baumeln lassen, wenn ich der Stärkere wäre!«

Dann sprach er laut: »Meine Herren, ich habe, wie Ihr gesehen, über Euer Gesuch nachgedacht, da ich einen Augenblick Euch zu antworten zögerte, und die Summe von fünf Goldthalern für den Officier kommt mir nicht übertrieben vor.«

»Ah! ah!« machte der Grüne Ritter, erstaunt über die Leichtigkeit von Duguesclin.

»Und wie viel habt Ihr Officiere?« fragte Messire Bertrand.

Caverley streckte die Nase in die Luft, schaute dann seine Freunde an, und Alle besprachen sich abermals mit den Augen.

«Ich habe tausend,« sagte Caverley.

Er verdoppelte die Zahl.

»Ich habe achthundert,« sagte der Grüne Ritter.

Er verdoppelte wie sein College.

»Ich habe tausend,« sagte Claude der Schinder.

Dieser verdreifachte.

Die Andern ahmten das edle Beispiel nach, und die Summe der Officiere wuchs auf viertausend an.

»Das macht einen Officier auf elf Soldaten,« sprach Duguesclin voll Verwunderung.

»Großer Gott! was für eine herrliche Armee muß das sein, und welche Disciplin muß hierbei herrschen!«

»Ja,« sagte Caverley bescheiden, »es ist wahr, die Führung ist ziemlich gut.

« »Das macht also zwanzig tausend Thaler,« sprach Bertrand.

»Gold,« bemerkte der Grüne Ritter.

»Ganz richtig!« versetzte der Connetable, »sagen wir zwanzig tausend Goldthaler, was nebst den bewilligten fünfzig tausend Thalern siebzig tausend ausmacht,«

»Das ist allerdings die Summe, ungefähr auf einen Carolus,« bemerkte der Grüne Ritter, welcher die Leichtigkeit bewunderte, mit der der Connetable addirte.

»Aber. . .« sprach Caverley.

Bertrand ließ ihm nicht Zeit, seinen Satz zu vollenden.

»Aber ich begreife,« sagte er, »wir vergessen die Anführer.

»Caverley riß die Augen weit auf. Bertrand bestätigte nicht nur seine Einwendungen, sondern er kam ihnen sogar entgegen.

»Ihr vergeßt Euch selbst,« fuhr er fort; »edle Eigennützigkeit! doch ich vergaß Euch nicht, meine Herren. Zählen wir also. Ihr seid zehn Anführer, nicht wahr?«

Die Abenteurer zählten nach Duguesclin. Sie hatten große Lust, zwanzig zu finden, doch das war nicht möglich.

»Zehn Anführer,« wiederholten sie.

Caverley, der Grüne Ritter und Claude der Schinder suchten wieder am Plafond.

»Das macht,« fuhr der Connetable fort, »das macht zu drei tausend Goldthaler für den Anführer dreißig tausend Goldthaler, nicht wahr?«

Geblendet, verwirrt durch diese Freigebigkeit, und eben so glücklich über die ungeheure Summe, zu der sie angeschlagen wurden, als über die Wertschätzung ihres Verdienstes, welche sie drei-tausendmal über ihre Soldaten stellte, hoben sie ihre riesigen Schwerter in die Höhe, ließen ihre Helme in die Luft stiegen und riefen:

»Heil! Heil! Glück, Freude und Ehre dem guten Connetable!«

»Ah! Ihr Schurken,« murmelte dieser, indem er heuchlerisch die Augen niederschlug, als ob ihm der Zuruf der Abenteurer zum Herzen ginge, »mit der Hilfe des Herrn und Unserer Lieben Frau vom Berge Carmel werde ich Euch an einen Ort führen, von wo keiner von Euch zurückkehren soll.«

Dann sprach er laut: »Gesammtsumme, hunderttausend Goldthaler, mittelst welcher wir alle unsere Rechnungen berichtigen werden.

« »Heil, Heil!« wiederholten die Abenteurer in der höchsten Begeisterung.

»Ihr habt nun mein Ritterwort, meine Herren, daß Euch diese Summe bezahlt wird,« sagte Duguesclin. »Ihr begreift nur, daß Ihr sie nicht sogleich bekommt, denn ich trage den königlichen Schatz nicht bei mir.«

»Das ist recht und billig,« sprachen die Anführer, noch zu freudig, um schon wieder anspruchsvoll zu sein.

»Ihr gebt also dem König von Frankreich Credit auf das Wort seines Connetable, das ist abgemacht; und,« sagte er, indem er sein Haupt mit seiner stolzen Miene erhob, welche die Bravsten zittern machte, »das Wort ist gut; doch als rechtschaffene Soldaten brechen wir auf, und wenn in dem Augenblick, wo wir in Spanien einziehen, das Geld nicht gekommen ist, nun! meine Herren, so habt Ihr zwei Garantien, Eure Freiheit zuerst, die ich Euch zurückgebe, und dann einen Gefangenen, der wohl hunderttausend Thaler werth ist.«

»Wer ist dies?« fragte Caverley.

»Ich selbst, bei Gott! so arm ich bin,« antwortete Duguesclin; »denn wenn die Frauen meines Landes Tag und Nacht spinnen müßten, um mir hunderttausend Thaler Lösegeld zu verschaffen, ich verspreche Euch, daß das Lösegeld bezahlt werden würde.

« »Abgemacht,« erwiderten einstimmig die Abenteurer. Und sie berührten alle die Hand des Connetable – zum Zeichen des Bündnisses.

»Wann brechen wir auf?« fragte der Grüne Ritter.

»Sogleich, wenn es Euch beliebt, meine Herren.«

»Sogleich!« wiederholte Hugo. »In der That, meine Herren, da es hier nichts mehr zu scheeren gibt, so ist es mir lieber, wenn wir alsbald anderswo sind.«

Jeder lief auf der Stelle an seinen Posten und ließ sein Banner über seinem Zelte erheben. Die Trommeln rasselten, es entstand eine ungeheure Bewegung im Lager, und man sah abermals nach den Hauptzelten die Soldaten zuströmen, welche bei der Ankunft von Duguesclin herbeigelaufen und sodann, den Wellen der Fluth ähnlich, ins Weite zurückgekehrt waren.

Zwei Stunden nachher waren die Zelte abgeschlagen und die Saumthiere bogen sich unter ihrer Last; die Pferde wieherten und die Lanzen gruppirten sich in den Strahlen der Sonne, welche breite Blitze daraus hervorspringen machte.

Man sah indessen auf den beiden Usern des Flusses die Bauern entfliehen, welche lange Zeit in Sklaverei gehalten worden waren und, etwas spät der Freiheit zurückgegeben, nach ihren verödeten Hütten ihre Weiber und ihre etwas beschädigten Gerätschaften zurückbrachten.

Gegen Mittag setzte sich die Armee in Marsch, sie zog an der Saone hinab und bildete zwei Colonnen, von denen jede einem Ufer folgte. Man hätte glauben sollen, es wäre eine Wanderung von Barbaren, welche eine von den furchtbaren Sendungen, zu denen sie der Herr bestimmt, erfüllen wollten, und unter der Anführung von einer jener Geißeln Gottes marschirten, die man Alarich, Genserich oder Attila nannte.

Und dennoch war derjenige, unter dessen Anführung sie marschirten, der gute Connetable Bertrand Duguesclin, der hinter seinem Banner, nachdenkend, den Kopf zwischen seine beiden Schultern gesenkt, im Schritte seines kräftigen Pferdes einher ritt und zu sich sagte:

»Das geht gut, wenn es nur so fortdauert. Doch woher soll ich das Geld bekommen? Und wenn ich es nicht bekomme, wie wird der König eine Armee sammeln, welche stark genug wäre, um die Rückkehr diesen Schurken zu verschließen, welche ausgehungerter als je von den Pyrenäen wieder herabsteigen werden?«

In diese düsteren Gedanken versenkt, ritt der gute Connetable immer weiter, wobei er sich nur von Zeit zu Zeit umwandte, um hinter sich die buntscheckigen, geräuschvollen Wogen dieser Menge rollen zu sehen, und sein geistvolles Gehirn arbeitete für sich allein mehr, als die fünfzigtausend Gehirne dieser Abenteurer.

Und Gott weiß, was Jeder von ihnen träumte, indem er sich schon für seinen Antheil als den Herrn und Gebieter von Indien betrachtete; um so übertriebenere Träume, als dieses Land fast unbekannt war.

Plötzlich, als die Sonne hinter die letzte orangefarbige Wolke am Horizont schlüpfte, sahen die Anführer, welche hinter dem guten Ritter marschirten und sich über seine Schweigsamkeit zu wundern anfingen, wie er das Haupt erhob, seine Schultern wie ein Sieger schüttelte, und zu gleicher Zeit hörte man ihn seinen Edelknechten zurufen:

»Hollah! Jacelard! hollah! Berniquet! einen Schluck Wein vom besten, den Ihr auf Eurem Wagen habt.«

Dann murmelte er in sein Visir:

»Bei Unserer Lieben Frau von Auray, ich glaube, ich habe die hunderttausend Thaler, und zwar ohne in irgend einer Beziehung dem guten König Karl zu schaden.«

Hiernach wandte er sich gegen die Anführer der Abenteurer um, welche nicht ganz ohne Unruhe waren, da sie den Connetable seit der Mitte des Tages so sorgenvoll sahen, und rief mit seiner wohlklingenden Stimme:

»Gottes Donner! meine Herren, wie wäre es, wenn wir einen Schluck trinken würden.

«Dies war ein Aufruf, welchem nicht zu entsprechen die Abenteurer sich wohl hüteten; sie liefen auch herbei, und man leerte mit diesem Schluck eine hübsche Schleifkanne Wein von Chalons auf die Gesundheit des Königs von Frankreich.

Einundzwanzigstes Kapitel.
Worin man einen Papst seine Excommunicationskosten wird bezahlen sehen

Die Armee marschirte immer weiter.

Da jeder Weg nach Rom führt, so führt um so viel mehr der Weg von Avignon nach Spanien. Die Abenteurer folgten also dem Wege nach Avignon voll Vertrauen.

Hier hielt Papst Urban V. seinen Hof. Anfangs Benedictiner, dann Abt von Saint-Germain d'Aurerre und Prior von Saint-Victor In Marseille, war er zum Papst unter der Bedingung gewählt worden, daß er in keiner Hinsicht in ihrer irdischen Glückseligkeit die Cardinäle und römischen Fürsten stören würde, eine Bedingung, die er auch, sobald er gewählt war, eifrigst in ihrer ganzen wohlwollenden Strenge zu erfüllen sich bemühte, und durch welche er sich das Recht, so spät als möglich im Geruche der Heiligkeit zu sterben, zu gründen hoffte, was ihm auch gelang.

Man erinnert sich, daß der Nachfolger des heiligen Petrus von den Klagen des Königs von Frankreich über die großen Compagnien gerührt gewesen war, und daß er diese großen Compagnien excommunicirt hatte, ein Meisterwerk der Politik, dessen unangenehme Seite Karl V. in seiner verständigen Vorhersehung der Zukunft Duguesclin fühlbar machte, was seit der Besprechung des Fürsten mit seinem Connetable im Geiste des letzteren den lebhaften Wunsch, die Dinge in ihren Normalzustand zu versetzen, zurückließ.

Der leuchtende Gedanke nun, der Bertrand auf der Landstraße von Chalons nach Lyon bei dem schönen Sonnenuntergang gekommen war, wovon wir, in Anspruch genommen durch die Schweigsamkeit des guten Connetable, nur ein einziges Wort sagten, bestand darin, daß er mit seinen fünfzigtausend Abenteurern, einen mehr oder einen weniger, wie Caverley sagte, Papst Urban V.einen Besuch machen wollte. Dies ging um so besser, als die Abenteurer, je mehr sie sich den Staaten dieses Kirchenfürsten näherten, gegen den sie, so harmlos auch die Excommunication war, einen Groll hegten, immer mehr ihre kriegerischen, wilden Instincte erwachen fühlten.

Sie waren auch in der That zu lange vernünftig gewesen.

Als man bis auf zwei Meilen zu der Stadt gekommen war, ließ Bertrand Halt machen, versammelte die Anführer und befahl ihnen, die Front ihrer Truppe so zu erweitern, daß sie, einen ungeheuren Bogen bildend, dessen Sehne der Fluß wäre, die Stadt umschlößen.

Dann stieg er mit einem Dutzend Gewappneter und französischer Ritter, welche sein Gefolge bildeten, zu Pferde, erschien vor dem Thore von Baucluse und verlangte den Papst zu sprechen.

Urban, der diese Menge von Räubern kommen fühlte, wie man eine Ueberschwemmung kommen sieht, hatte seine Armee gesammelt, welche aus zwei bis dreitausend Mann bestand, und da er den ganzen Werth seiner Hauptmasse kannte, so schickte er sich an, einen erhabenen Schlag mit den Schlüsseln des heiligen Petrus auf das Haupt der Abenteurer zu thun.

Doch es ist nicht zu leugnen, sein Grundgedanke war, bestürzt über ihre Excommunication, kämen die Räuber, um ihn um Gnade zu bitten und sich anzubieten, durch einen neuen Kreuzzug ihre Sünden zu sühnen, wobei sie auf ihre Anzahl und ihre Stärke vertrauten, um ihre demuthsvolle Unterwürfigkeit geltend zu machen.

Er sah den Connetable mit einer Eile herbeikommen, die ihn sehr in Erstaunen setzte. Gerade in diesem Augenblick speiste er zu Mittag auf der ganz von Orangenbäumen und Oleandern beschatteten Terrasse, in Gesellschaft seines Bruders, des Canonicus Auglie Grinvald, den er zum Bisthum Avignon, einem der vornehmsten Sitze der Christenheit, erhoben hatte.

»Ihr, Messire Bertrand Duguesclin!« rief der Papst, »Ihr seid also bei dieser Armee, welche plötzlich bei uns erscheint, ohne daß wir wissen, woher sie kommt, und warum sie kommt?«

»Ach! leider, heiligster Vater, leider befehlige ich sie,« sagte der Connetable niederknieend.

»Dann athme ich,« sprach her Papst.

»Oh! oh! ich auch,« fügte Auglie seine Ernst durch einen freudigen Seufzer erweiternd bei.

»Ihr athmet, heiliger Vater!« rief Bertrand.

Und er stieß ebenfalls einen traurigen Seufzer aus, als ob er die päpstliche Beklemmung geerbt hätte.

»Und warum athmet Ihr?« fuhr er fort.

»Ich athme, weil ich ihre Absichten kenne.«

»Ich glaube nicht,« sagte Bertrand.

«Bei einem Führer wie Ihr, Connetable, bei einem Mann, der die Kirche achtet!«

»Ja, heiliger Vater, ja, ich achte die Kirche,« sprach der Connetable.

»Nun, so seid willkommen, theurer Sohn. Doch laßt hören, was will diese Armee von mir?«

»Vor Allem,« antwortete Bertrand, der die Frage umging und die Erklärung, so viel in seiner Macht lag, zu verzögern suchte, »vor Allem wird Eure Heiligkeit, wie ich nicht bezweifle, mit Vergnügen hören, daß es sich um einen heftigen Krieg gegen die Ungläubigen handelt.

« Urban V. warf seinem Bruder einen Blick zu, welcher besagen wollte:

»Nun, habe ich mich getäuscht?«

Zufrieden mit diesem neuen Beweise der Unfehlbarkeit, den er sich selbst gegeben hatte, wandte er sich sodann gegen den Connetable um und sprach voll Salbung:

»Gegen die Ungläubigen, mein Sohn?«

»Ja, heiliger Vater.«

»Und gegen welche, mein Sohn?«

»Gegen die Mauren in Spanien.«

»Connetable, das ist ein heilsamer und eines christlichen Helden würdiger Gedanke, denn ich nehme an, daß Ihr ihn gehabt habt.«

»Ich und der gute König Karl V., heiliger Vater,« erwiderte Bertrand.

»Ihr werdet den Ruhm theilen, und Gott wird den Theil des Kopfes, der den Gedanken gefaßt, und den des Armes, der ihn ausgeführt hat, zu machen wissen. Es ist also Eure Absicht. . .«

»Unsere Absicht, und Gott gestatte, daß sie erreicht werde!unsere Absicht ist es, sie auszurotten, heiliger Vater, und den größeren Theil ihrer Verlassenschaft der Verherrlichung der katholischen Religion zu weihen.«

»Mein Sohn, umarmt mich,« sprach Urban V. bis in's Herz gerührt und durchdrungen von Bewunderung für den tapferen Degen, der sich so in den Dienst der Kirche stellte.

Bertrand wies eine so große Ehre von sich und begnügte sich, seiner Heiligkeit die Hand zu küssen.

»Aber,« fuhr der Connetable nach einer kurzen Pause fort, »es ist Euch nicht unbekannt, heiliger Vater, die von mir befehligten Soldaten, welche eine so heldenmüthige Pilgerschaft unternehmen, sind dieselben, die Seine Heiligkeit vor nicht langer Zeit excommuniciren zu müssen geglaubt hat.«

»Ich hatte damals Recht, mein Sohn, und ich glaube sogar, daß Ihr zu jener Zeit selbst meiner Ansicht gewesen seid.«

»Eure Heiligkeit hat immer Recht,« erwiderte Bertrand, diese Worte umgehend: »doch sie sind nun einmal excommunicirt, und ich kann Euch nicht verbergen, heiliger Vater, daß dies eine abscheuliche Wirkung in Beziehung auf die Leute hervorbringt, welche für die christliche Religion kämpfen sollen.«

»Mein Sohn,« sagte Urban, langsam sein Glas leerend, das von einem goldenen Monte Pulciano voll war, den er mehr als alle Weine und sogar mehr als diejenigen liebte, welche an den Ufern des schönen Flusses wachsen, dessen Wasser die Mauern seiner Hauptstadt bespühlen, »mein Sohn, die Kirche, so wie, ich sie haben will, ist weder unduldsam, noch unversöhnlich; jeder Sünde sei Barmherzigkeit gewährt, besonders wenn der Sünder aufrichtig bereut, und wenn Ihr, einer der Pfeiler des Glaubens, Gewährschaft leistet für ihre Rückkehr zur Rechtgläubigkeit.«

»Oh! gewiß, ja, heiliger Vater.«

»Dann widerrufe ich das Anathem und will aus ihnen nur noch einen Theil des Gewichts meines Zornes lasten lassen, der, wie Ihr seht, voll Nachsicht ist,« fügte der Papst lächelnd bei.

Bertrand biß sich in die Lippen bei dem Gedanken, daß sich Seine Heiligkeit immer mehr in den Irrthum vertiefte.

Urban fuhr dann mit einer Stimme voll Milde fort, welche jedoch nicht der Festigkeit entbehrte, die demjenigen so wohl ansteht, welcher verzeiht, während er aber verzeiht, das Gewicht der Beleidigung kennt, die er vergeben will.

»Ihr begreift, mein theurer Sohn, diese Leute haben gottlose Reichtümer angehäuft, und wie Jesus Sirach sagt:

»Omne malum in pravo soenore.«

»Ich verstehe das Hebräische nicht, heiliger Vater,« erwiderte Bertrand demüthig.

»Ich sprach auch einfach Lateinisch, mein Sohn,« sagte lachend Urban V.; »doch ich vergaß, daß die Kriegsleute keine Benedictiner sind. Ich übersetze Euch also die Worte, die ich Euch sagte, und Ihr werdet sehen, daß sie vortrefflich auf die Lage der Dinge passen: Jeder Unstern ist in einem schlecht erworbenen Gut enthalten,«

»Wie schön ist das!« sagte Duguesclin, in seinen dicken Bart über den Streich lächelnd, den das Sprichwort Seiner Heiligkeit spielen sollte.

»Ich habe also beschlossen,« fuhr Urban fort, »und dies auf Rücksicht für Euch allein, mein Sohn, das schwöre ich Euch, daß diese Ungläubigen, denn es sind Ungläubige, obgleich sie bereuen, daß diese Ungläubigen, sage ich, einen Zehnten von ihrer Habe abgeben und gegen diese Entschädigung von ihrer Excommunication freigesprochen werden sollen. Obgleich ich nun freiwillig, und ohne von Euch bedrängt zu werden handle, rühmt ihnen die Gunst, die ich ihnen angedeihen lasse, lieber Sohn, denn sie ist ungeheuer,«

»Sie ist in der That ungeheuer,« sprach Bertrand niederknieend, »und ich bezweifle, ob sie dieselbe, wie sie es verdient, anerkennen werden.«

»Nicht wahr? Nun, mein Sohn, zu welcher Summe wollen wir die Abgabe für die Loskaufung bestimmen?« sagte Urban, und wandte sich, als wollte er sich mit ihm über diese zarte und ernste Frage berathen, gegen seinen Bruder um, welcher hier auf eine sanfte Weise sein Handwerk als zukünftiger Papst lernte.

»Heiliger Vater,« erwiderte Auglie, der sich in seinem Lehnstuhle zurückwarf und den Kopf schüttelte, »Ihr werdet viel zeitliches Gold brauchen, um den Schmerz Eurer geistlichen Blitze zu compensiren.«

»Allerdings,« sagte Urban; »doch wir sind milde, und man muß gestehen, Alles fordert uns zur Milde auf. Der Himmel ist so schön in der Gegend von Avignon, die Luft ist so rein, wenn der Mistral vergessen lassen will, daß er in den Höhlen des Berges Ventour existiert, daß alle diese Wohlthaten des Herrn den Menschen die Barmherzigkeit und die Bruderliebe verkünden. Ja,« fügte der Papst bei, indem er einen goldenen Becher einem weiß gekleideten jungen Pagen reichte, der ihn sogleich füllte, »ja, die Menschen sind entschieden Brüder.«

»Erlaubt, heiliger Vater,« sprach Bertrand, »ich vergaß, Eurer Heiligkeit zu sagen, in welcher Eigenschaft ich hierhergekommen bin. Ich bin als Gesandter dieser Leute gekommen, von denen die Rede ist.«

»Und als solcher verlangt Ihr unseren Ablaß von uns, nicht wahr?«

»Ja, heiliger Vater, vor Allem Euren Ablaß, denn er ist immerhin etwas Vortreffliches für uns arme Soldaten, die wir jeden Augenblick getödtet werden können.«

»O! diesen Ablaß, Ihr habt ihn, mein Sohn. Wir wollen von unserer Barmherzigkeit oder von unserer Vergebung sprechen, wenn Ihr lieber wollt.«

»Wir zählen auch hierauf, heiliger Vater.«

»Ja, doch Ihr wißt, unter welcher Bedingung wir sie bewilligen können.«

»Ach! eine unannehmbare Bedingung, denn Eure Heiligkeit vergißt, was die Armee in Spanien thun will.«

»Was sie in Spanien thun will?«. . .

»Ja, heiliger Vater, ich glaubte Euch gesagt zu haben, sie wolle für die christliche Kirche kämpfen.«

»Nun?«

»Da sie eine so heilige Sendung zu erfüllen im Begriffe ist, so hat sie ein Recht nicht nur auf die ganze Verzeihung und den ganzen Ablaß Eurer Heiligkeit, sondern auch auf ihre Hilfe.«

»Auf meine Hilfe, Messire Bertrand,« erwiderte Urban, den eine gewisse Unruhe zu fassen anfing; »was meint Ihr mit diesen Worten?«

»Ich meine, heiliger Vater, der apostolische Stuhl sei freigebig, er sei reich, die Verbreitung des Glaubens sei ihm sehr ersprießlich und er könne für sein Interesse bezahlen.«

»Was sagt Ihr da, Messire Bertrand?« unterbrach ihn Urban, der mit schlecht verhehltem Zorn von seinem Stuhle aufstand.

»Seine Heiligkeit hat mich vollkommen begriffen, wie ich sehe,« erwiderte der Connetable, während er sich vom Boden erhob und seine Kniee abputzte.

»Nein!« rief der Papst, der im Gegentheil durchaus nicht begreifen wollte, »nein, erklärt Euch.«

»Hört, heiliger Vater: die vortrefflichen, allerdings etwas ungläubigen, aber äußerst reumüthigen Soldaten, die Ihr von hier aus sehen könnt, zahlreich wie die Blätter des Waldes und wie der Sand des Meeres – die Vergleichung ist, glaube ich, aus der heiligen Schrift genommen – die vortrefflichen Soldaten, die Ihr von hier aus unter den Befehlen von Herrn Hugo von Caverley, vom Grünen Ritter, von Claude dem Schinder, vom Stammler von Villaines, von Olivier von Mauney und anderen tapferen Rittern seht, erwarten von Eurer Heiligkeit eine Subsidie, um ins Feld zu ziehen. Der König von Frankreich hat ihnen hunderttausend Goldthaler zugesagt; das ist ein sehr christlicher Fürst, der ebenso gut wie ein Papst heilig gesprochen zu werden verdient. Eure Heiligkeit, die der Schlüssel des Gewölbes der Christenheit ist, wird nun wohl etwa zweimal hunderttausend Thaler geben können.«

Urban sprang abermals von seinem Stuhle auf.

Doch diese Elasticität in den Muskeln des heiligen Vaters, eine Elasticität, welche nur von einer Nervenüberreizung herrühren konnte, brachte Bertrand nicht aus der Fassung, und dieser verharrte in derselben ehrfurchtsvollen, aber festen Stellung.

»Messire,» sagte Seine Heiligkeit, »ich sehe, daß man in der Gesellschaft von Räubern verdorben wird, und gewisse Leute, die ich nicht nennen werde, und die bis jetzt in großer Gunst beim heiligen Stuhle gestanden sind, würden, wie mir scheint, besser nach ihrem Verdienste belohnt worden sein, wenn sie mit mehr Strenge verfahren wären.«

Dieses furchtbare Wort, von dem der Papst eine mächtige Wirkung erwartete, ließ den Connetable zum großen Erstaunen von Urban V. unempfindlich.

»Ich habe sechstausend Soldaten,« fuhr der heilige Vater fort.

Bertrand bemerkte beiseit, daß Urban V., wie Hugo von Caverley und der Grüne Ritter, gerade um die Hälfte log, was ihm, trotz der Dringlichkeit der Umstände, für einen Papst ein wenig gewagt vorkam.

»Ich habe in Avignon sechstausend Soldaten und dreißigtausend waffenfähige Einwohner.

« Diesmal log Urban nur um ein Drittel.

»Waffenfähige Einwohner: die Stadt ist befestigt, und hätte sie auch weder Wall, noch Graben, noch Piken, so habe ich die Tiara des heiligen Petrus auf der Stirne und werde allein, unter Anrufung Gottes, Barbaren aufhalten, welche weniger muthig sind, als die Soldaten von Attila, die der Papst Leo vor Rom aufhielt.«

»Ei! heiliger Vater, bedenkt doch: den geistlichen und weltlichen Waffen der Statthalter Christi gelingt es schlecht gegen die Könige von Frankreich, welche die ältesten Söhne der Kirche sind. Ein Zeuge hiervon ist Bonifaz VIII., der, Gott behüte mich, daß ich eine solche Frechheit entschuldige! der, sage ich, eine Ohrfeige von Colonna erhielt und im Gefängniß starb, nachdem er sich die Fäuste abgenagt hatte. Ihr seht schon, wozu Euch die Excommunication genützt hat, da diejenigen, die Ihr excommunicirtet, statt zu fliehen und sich zu zerstreuen, sich im Gegentheil vereinigt haben, um mit bewaffneter Hand Vergebung von Euch zu verlangen. Was die zeitlichen Waffen betrifft, so sind sechstausend Soldaten und zwanzigtausend ungeschickte Bürger sehr wenig; im Ganzen sechsundzwanzig tausend Mann, wenn ich jeden Bürger zu einem Mann rechne, gegen fünfzigtausend erprobte Krieger, die weder Gott, noch den Teufel fürchten, und viel mehr an die Päpste gewöhnt sind, als die Soldaten von Attila, welche zum ersten Mal einen Papst sahen; letzteren Punkt bitte ich Seine Heiligkeit besonders zu bedenken, ehe sie sich den Abenteurern zeigt,«

»Sie würden es wagen!« rief Urban mit zornfunkelndem Auge.

»Heiliger Vater, ich weiß weder, ob sie es wagen würden, noch was sie wagen würden; doch es sind sehr verwegene Bursche.«

»Den Gesalbten des Herrn! Die Unglücklichen! . . . Christen! . . . «

»Erlaubt, erlaubt, heiliger Vater, es sind keine Christen, es sind Excommunicirte! Was sollen sie schonen, diese Leute? . . . Ah! wenn Ihr sie nicht excommunicirt hättet, dann wäre es etwas Anderes, sie könnten die Excommunication fürchten; doch nun fürchten sie nichts.«

»Je stärker die Beweisführung war, desto mehr wuchs der Zorn des Papstes; er stand ganz auf, ging auf Bertrand zu und sagte zu ihm:

»Ihr, der Ihr mir diesen seltsamen Rath gebt, Ihr glaubt Euch also sehr in Sicherheit hier?«

»Ich,« erwiderte Bertrand mit einer Ruhe, welche selbst den heiligen Petrus aus der Fassung gebracht hätte, »ich bin mehr in Sicherheit, als Eure Heiligkeit selbst, denn angenommen, was ich indessen nicht voraussetze, es würde mir ein Unglück widerfahren, so stehe ich Euch zum Voraus dafür, daß weder von der guten Stadt Avignon, noch von dem prachtvollen Palast, den Ihr habt erbauen lassen, so solid er auch sein mag, kein Stein auf dem andern bliebe. O! diese Bursche sind tüchtige Zerstörer, welche eine Festung in ebenso wenig Zeit zertrümmern, als eine regelmäßige Armee brauchen würde, um ein unhaltbares Nest zu demolieren; dann würden sie es auch nicht hierbei bewenden lassen: nachdem sie von der Stadt zum Schloß übergegangen wären, würden sie vom Schloß auf die Garnison und von der Garnison auf die Bürger übergehen, und es bliebe von Euren dreißigtausend Mann kein Knochen auf dem andern, wobei also viele Seelen durch den Fehler Eurer Heiligkeit verloren gehen würden: da ich weiß, wie klug Eure Heiligkeit ist, so fühle ich mich auch hier mehr in Sicherheit, als in meinem Lager.«

2.erhandeln

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04 aralık 2019
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