Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 18
»Wohl!« rief der Papst wüthend, und sich gegen das Gebiß sträubend, das ihm der Connetable anlegte, »wohl! ich werde ausharren und warten.«
»In der That, heiliger Vater, ich schwöre Euch bei meinem adeligen Worte, daß ich Eure Heiligkeit an dieser Weigerung nicht erkenne; ich war überzeugt, doch ich täuschte mich, wie ich sehe, ich war überzeugt, Eure Heiligkeit würde dem Opfer entgegenkommen, das der Glaube von ihr heischt, und es würden, nach dem von dem guten König Karl V. gegebenen Beispiel, von dem heiligen apostolischen Stuhle die zweimal hunderttausend Thaler dargebracht werden. Glaubt mir, heiliger Vater,« fügte der Connetable bei, indem er eine äußerst klägliche Miene annahm, »glaubt mir, es ist sehr schmerzlich für einen guten Christen, wie ich, den ersten Fürsten der Kirche seinen Beistand einer frommen Unternehmung, wie die, welche wir verfolgen, verweigern zu sehen; nie werden es diese würdigen Führer glauben wollen.«
Und der Connetable verbeugte sich demüthiger als je vor Urban V., der über das unerwartete Ereigniß, dem er die Stirne bieten sollte, ganz erstaunt war, verließ beinahe rückwärtsschreitend die Terrasse, stieg die Treppe hinab, fand vor der Thüre des Palastes sein Gefolge, das sich über ihn zu beunruhigen anfing, und schlug wieder den Weg nach dem Lager ein.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Wie Monseigneur der Legat in das Lager der Abenteurer kam, und wie er hier ausgenommen wurde
In das Lager zurückgekehrt, fing Duguesclin an zu begreifen, daß er große Schwierigkeiten bei Ausführung des schönen Planes finden würde, den er entworfen hatte, um damit drei große Resultate zu erlangen: es sollten nämlich mit Hülse dieses Planes die Abenteurer bezahlt, die Kosten des Feldzugs gedeckt, der König in Erbauung des Hotel Saint-Paul unterstützt werden.
Die Kirche ist hartnäckig. König Karl V. war skrupulös. Man durfte sich nicht mit seinem Herrn entzweien unter dem Vorwand, ihm zu dienen; man durfte sich nicht schon am Ansang dem Aberglauben bloßstellen, der bei den ersten Niederlagen, die man erleiden könnte, unfehlbar diese Niederlagen der Irreligiosität des Heerführers und den rächenden Gebeten des Papstes zuschreiben würde.
Doch Duguesclin war Bretagner, das heißt für sich allein hartnäckiger, als alle früheren und zukünftigen Päpste. Um seine Hartnäckigkeit zu rechtfertigen, hatte er für sich überdies die Nothwendigkeit, welche das Alterthum einen eisernen Keil in der Hand dargestellt hat.
Er beschloß also, sein Vorhaben zu verfolgen, mit der Absicht, mit den Umständen zu Rathe zu gehen, und je nachdem sich die Umstände entwickeln würden, weiter fortzuschreiten, oder stehen zu bleiben.
Dem zu Folge ließ er seine Leute bewaffnen, befahl seine Karren herbeizuführen, hieß seine Bretagner, welche zwei Tage zuvor unter der Anführung von Olivier von Mauney und dem Stammler von Villaines eingetroffen waren, sich gegen Villeneuve wenden, so daß der Papst von seiner Terrasse herab, die er nicht verlassen hatte, den großen bläulichen Cordon wie eine azurne Schlange sich entrollen sah, auf welche die untergehende Sonne an verschiedenen Theilen ihrer Spiralen einen Reflex wärmer als das Gold und düsterer als die Blitze des päpstlichen Anathems warf.
Urban V. war beinahe ein ebenso guter General, als vortrefflicher Mönch, Er hatte nicht nöthig, seinen Generalkapitän zu rufen, um zu begreifen, daß diese Schlange nur noch einen Schritt thun durfte, um Avianon in ihre Krümmung einzuschließen.
»Oho!« sagte er zu seinem Legaten, während er mit unruhigem Auge dieses Manoeuvre verfolgte, »sie werden sehr frech, wie mir scheint.«
Und da er sehen wollte, ob die großen Compagnien und die Anführer dieser großen Compagnien wirklich so aufgebracht wären, als sie Duguesclin geschildert halte, so schickte Urban V., ohne einen anderen Plan, als den, sich über den Zustand ihres Geistes zu versichern, seinen Legaten an den Obergeneral ab.
Der Legat hatte der Unterredung, welche zwischen ihm und Duguesclin stattgefunden, nicht beigewohnt. Er wußte also nicht, daß Duguesclin etwas Anderes forderte, als eine Milderung der gegen die großen Compagnien geschleuderten Excommunication, eine Unwissenheit, die ihm die Ueberzeugung gab, er würde mit einigem Ablaß und einigem Segen Alles abmachen können.
Er brach also, auf einem Maulthiere reitend und begleitet von einem bleichen Sacristan, auf.
Der Legat war, wie gesagt, von nichts unterrichtet. Der Papst dachte, wenn man seine Befürchtungen einem Gesandten mittheile, so vermindere man dadurch das Vertrauen, das er zu der Macht seines Herrn haben müsse. Man sah auch den Legaten strahlend und stolz zwischen der Stadt und dem Lager einherreiten, denn er ergötzte sich zum Voraus an den Kniebeugungen und Kreuzeszeichen, mit denen man ihn bei seiner Ankunft empfangen würde.
Doch als geschickter Diplomat hatte Duguesclin die Wache des Lagers den Engländern übertragen, Leuten, welche für die Interessen des Papstes keinen großen Eifer hatten, um so mehr, als sie schon über hundert Jahre mit ihm im Streite lagen und der Connetable war überdies so vorsichtig gewesen, mit ihnen zu reden, um ihnen eine seinen Absichten entsprechende Meinung beizubringen.
»Meine Kameraden, seid wohl auf der Hut,« hatte er bei seiner Rückkehr ins Lager gesagt. »Es wäre möglich, daß uns der Papst einige Compagnien von seinen Soldaten schickte. Ich habe mit Seiner Heiligkeit einen kleinen Streit wegen einer Höflichkeit gehabt, die er uns meiner Ansicht nach für den berüchtigten Kirchenbann, den er auf uns geschleudert, schuldig war. Ich sage auf uns, denn von dem Augenblick an, wo Ihr meine Soldaten geworden seid, betrachte ich mich als nicht mehr und nicht minder als Ihr excommunicirt und der Hölle geweiht.«
Bei dieser unerwarteten Anrede bebten die Engländer wie Doggen, deren Zorn der Herr zu seiner Belustigung übt.
»Gut! gut!« riefen sie, »der Papst reibe sich an uns, und er wird sehen, daß er es mit wahren Excommunicirten zu thun hat!«
Nach dieser Antwort hielt sie Duguesclin für hinreichend unterrichtet, und ging in das Lager der Franzosen.
»Meine Freunde,« sprach er, »es wäre möglich, daß Ihr einen Abgesandten des Papstes kommen sehen würdet. Der heilige Vater, glaubt Ihr das? der heilige Vater, dem wir Avignon und das Comtat gegeben haben, verweigert mir den Beistand, den ich von ihm für unsern guten König Karl V. forderte, und ich muß gestehen, sollte mir dies auch in Eurem Geiste Eintrag thun, wir haben uns so eben ein wenig gestritten. Bei diesem Streit, den zu erheben ich vielleicht Unrecht, hatte, was Euer Gewissen beurtheilen mag, bei diesem Streit beging der Papst die Ungeschicklichkeit, mir zu sagen, wenn die geistlichen Waffen nicht genügten, so würde er seine Zuflucht zu den weltlichen nehmen . . . Ihr seht mich noch ganz ärgerlich hierüber.«
Die Franzosen, bei denen, wie es scheint, schon im vierzehnten Jahrhundert die Soldaten des Papstes in sehr schlechtem Rufe standen, beschränkten sich darauf, daß sie mit einem gewaltigen Gelächter die kleine Rede von Duguesclin erwiderten.
»Gut!« sagte der Connetable, »diese werden ihn auszischen, und das Zischen ist heut zu Tage ein unangenehmes Geräusch. Nun zu meinen Bretagnern, bei denen es etwas schwieriger sein wird.«
Die Bretagner, und besonders die Bretagner jener Zeit, ascetisch gottesfürchtige Leute, konnten allerdings Furcht haben, sich mit dem heiligen Vater zu entzweien.
Um sie gleich von Anfang zu seinen Gunsten zu stimmen, trat auch Duguesclin mit einem völlig verstörten Gesichte bei ihnen ein. Seine Soldaten beteten ihn nicht nur als ihren Landsmann, sondern auch als ihren Vater an, denn es war keiner unter ihnen, der den Connetable nicht persönlich durch einige Dienste kannte, und viele waren sogar von ihm aus der Gefangenschaft, vom Tod oder von der Armuth errettet worden.
Bei dem Anblick dieses Gesichtes, das, wie gesagt, eine tiefe Bestürzung andeutete, drängten sich die Kinder der alten Armorica um ihren Helden.
»Oh! meine Kinder,« rief Duguesclin, »Ihr seht mich in Verzweiflung.
Solltet Ihr glauben, daß der Papst nicht nur bei seinem Kirchenbann gegen die großen Compagnien beharrt, sondern daß er ihn sogar auf diejenigen ausdehnt, welche sich mit ihnen verbinden, um den Tod der Schwägerin unseres guten König Karl zu rächen, so daß wir, würdige und rechtschaffene Christen, ungläubige Hunde, Wölfe geworden sind, auf die Jedermann Jagd machen kann. Der Papst ist bei meiner Seele ein Narr.«
Die Bretagner ließen ein langes Gemurre vernehmen.
»Man muß auch sagen,« fuhr Bertrand Duguesclin fort, »er ist ganz und gar schlecht berathen. Von wem? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß er uns mit seinen italienischen Rittern bedroht, und daß er sich in diesem Augenblick beschäftigt, womit? solltet Ihr es wohl vermuthen? sie mit Indulgenzen zu überhäufen, damit sie uns bekämpfen.«
Die Bretagner brüllten.
»Und was verlangte ich von unserem heiligen Vater? Das Recht, die katholische Communion und ein christliches Begräbniß zu erhalten. Das ist doch das Wenigste für Leute, welche die Ungläubigen bekämpfen wollen. So steht es nun mit uns, meine Kinder. Ich habe ihn hierüber verlassen. Was Eure Ansicht ist, weiß ich nicht, ich halte mich für einen eben so guten Christen als irgend Jemand, doch ich erkläre, wenn unser heiliger Vater Urban V. den irdischen König gegen uns machen will, so werden wir wissen, was wir zu thun haben; wir können uns doch nicht von diesen Päpstlern schlagen lassen!«
Die Bretagner sprangen bei diesen Worten mit einer solchen Wuth auf, daß Duguesclin sie zu beschwichtigen genöthigt war.
Gerade in diesem Augenblick erschien der Legat, der über die Brücke von Benezet geritten war, in dem ersten Umkreise des Lagers.
Er lächelte vor Gottseligkeit.
Die Engländer liefen an die Pallisaden, um ihn zu sehen, kreuzten die Arme mit frechem Phlegma und sagten:
»Oho! was will dieses Maulthier von uns?«
Der Sacristan erbleichte vor Zorn bei dieser Beleidigung, dennoch aber nahm er jenen den Mitgliedern der Kirche eigenthümlichen väterlichen Ton an und sprach:
»Dieser ist der Legat Seiner Heiligkeit.«
Oh!« machten die Engländer, »wo sind die Geldsäcke? Ist Dein Maulthier stark genug, um sie zu tragen? Zeige uns das ein wenig, laß sehen.«
»Geld! Geld!« riefen die Andern einstimmig.
Erstaunt über diesen Empfang, den er entfernt nicht erwartet hatte, schaute der Legat den Sacristan an, der sich vor Schrecken bekreuzte.
Und sie setzten ihren Weg durch die Reihen der Soldaten fort, welche unablässig wiederholten:
»Geld! Geld! Geld!«
Nicht ein Anführer zeigte sich; vorher von Duguesclin benachrichtigt, hatte sich Jeder in sein Zelt zurückgezogen.
Die zwei Gesandten kamen durch die erste Linie, welche, wie gesagt, englisch war, und drangen in das Lager der Franzosen, die bei dem Anblick des Legaten diesem entgegen stürzten.
Der Legat glaubte, dies geschehe, um ihm Ehre zu erweisen, und fing an sich in die Brust zu werfen, als er, statt der demüthigen Begrüßung, die er erwartete, von allen Seiten schallendes Gelächter hörte.
»Ei! guten Morgen, Herr Legat!« rief der Soldat, der im vierzehnten Jahrhundert schon so spöttisch war, als er es in unsern Tagen ist, »schickt Euch Seine Heiligkeit zufällig als ein Muster seiner Cavalerie zu uns?«
»Gedenkt,« sagte ein Anderer, »gedenkt uns der heilige Vater mit dem Kinnbacken des Maulthieres seines Botschafters über die Klinge springen zu lassen?«
Und während sie mit Gerten gewaltig auf das Thier des Botschafters schlugen, lachten und spotteten sie so geräuschvoll und so anhaltend, daß sie dem Legaten damit mehr wehe thaten, als die Engländer mit ihren Geldforderungen. Diese hatten ihn indessen nicht gänzlich verlassen, und einige folgten ihm und riefen mit der ganzen Macht ihrer Lungen:
»Money! Money!«
Der Legat ritt so schnell er konnte durch die zweite Linie.
Dann kam die Reihe an die Bretagner; doch diese scherzten weniger als die Andern. Sie gingen dem Legaten entgegen, die Augen funkelnd und ihre großen Fäuste geballt, und riefen mit ihren furchtbaren Stimmen:
»Absolution! Absolution!«
Und zwar dergestalt, daß es nach Verlauf einer Viertelstunde dem Legaten unmöglich war, irgend etwas unter allen diesen verschiedenen Schreien, unter diesem furchtbaren, dem der wüthenden Wellen, des rollenden Donners, des pfeifenden Nordostwinds und der krachend ans User zurückgeworfenen Strandsteine ähnlichen Lärmen zu hören.
Der Sacristan verlor allmälig seine Sicherheit und zitterte an allen Gliedern. Längst floß der Schweiß von der Stirne des Legaten, längst klapperten seine Zähne.
Immer mehr erbleichend, sing der Legat an, die Kräfte seines Maulthieres, auf dessen Kreuz mehr als ein Franzose auf dem Wege gesprungen war, ungenügend zu finden, und er fragte mit schüchternem Tone:
»Die Anführer, meine Herren, wo sind die Anführer? Wer würde die Güte haben, mich zu den Anführern zu geleiten?«
Nun erst, da er diese klägliche Stimme hörte, hielt es Duguesclin für geeignet, ins Mittel zu treten.
Er drang durch die Menge mit seinen mächtigen Schultern, welche die Menschen um ihn her wogen machten, wie die Brust des Büffels das Gras der Savannen und die Rohre der pontinischen Sümpfe wogen macht.
»Ah! Ah!« sagte er, »Ihr seid es, Herr Legat, ein Abgesandter unseres heiligen Vaters; großer Gott! welch ein Glück für Excommunicirte! Zurück, Soldaten! Zurück! Ah! Herr Legat, wollt doch die Güte haben, in mein Zelt einzutreten. Meine Herren,« rief er mit einer sehr wenig zornigen Stimme, »ich bitte Euch, achtet den Herrn Legaten, er bringt uns ohne Zweifel eine gute Antwort von Seiner Heiligkeit. Herr Legat, wollt meine Hand nehmen, damit ich Euch von Eurem Maulthier absteigen helfe. So, gut! seid Ihr schon auf dem Boden? Gut, kommt nun.«
Der Legat hatte sich das in der That nicht zweimal sagen lassen! er griff nach der kräftigen Hand, die ihm der bretagnische Ritter bot, sprang zu Boden und durchschritt die Menge der Soldaten der drei Nationen, welche herbeigelaufen waren, um ihn zu sehen, mitten unter den komischen Geberden, dem Achselzucken, dem Gelächter und den Commentaren, wobei sich die Haare auf dem Haupte des Sacristans sträubten, obgleich er die Gabe der Sprachen nicht hatte, so sehr ersetzte bei den Ungläubigen die ausdrucksvolle Geberde das Wort.
»Welche Gesellschaft!« murmelte die Kirchenratte, »welche Gesellschaft!«
Sobald Bertrand Duguesclin in seinem Zelte war, machte er tiefe Verbeugungen vor dem Legaten und bat ihn für seine Soldaten mit Worten um Verzeihung, welche dem traurigen Botschafter wieder etwas Muth verliehen.
Der Legat, der sich nun gleichsam außer Gefahr und unter den Schutz der Ehre des Connetable gestellt sah, rief seine ganze Würde zu Hilfe und begann eine Rede, deren Sinn war: Der Papst habe zwar zuweilen Absolution für die Rebellen, aber Geld für Niemand.
Die andern Personen, welche nach dem Rathe von Duguesclin allmälig herbeigekommen und eine nach der andern eingetreten waren, hörten diese Antwort und verbargen dem Legaten nicht, daß sie nur sehr wenig damit zufrieden waren.
»Herr Legat,« sagte Duguesclin, »ich fange an zu glauben, daß wir aus unseren Soldaten nie werden ehrliche Leute machen können.«
»Nun!« sprach der Legat, »der Gedanke an die ewige Verdammniß, zu der sie mit einem Wort so viele Seelen verurtheilte, hat Seine Heiligkeit gerührt, in Betracht, daß sich unter diesen Seelen einzelne finden können, welche minder schuldig sind als die andern, oder aufrichtig bereuen. Seine Heiligkeit wird dem zu Folge ein Wunder der Milde und Güte thun.«
»Ah! ah!« riefen die Anführer, »und welches denn? Laßt ein wenig das Wunder hören.«
»Seine Heiligkeit wird das Wunder bewilligen, nach dem Ihr Euch so sehr sehnt,« erwiderte der Legat.
»Und hernach?« fragte Bertrand.
»Ei! ist denn das nicht Alles?« entgegnete der Legat, der Seine Heiligkeit von nichts Anderem hatte sprechen hören.
»Nein, nein,« sagte Bertrand, »es fehlt sogar noch viel. Es handelt sich auch noch um Geld.«
»Davon hat der Papst nicht mit mir gesprochen, und diese Frage ist mir völlig fremd,« erwiderte der Legat.
»Ich glaubte, die Engländer hätten es mit zwei Worten gegen Euch berührt,« versetzte der Connetable. »Ich habe sie: Money! Money! rufen hören, und das bedeutet: Geld! Geld!«
»Der heilige Vater hat keines. Die Kassen sind leer.«
Duguesclin wandte sich gegen die Anführer um, als wollte er sie fragen, ob diese Antwort genügend sei.
Die Anführer zuckten mitleidig die Achseln.
»Was sagen diese Herren?« fragte der Legat sehr unruhig.
»Sie sagen, der heilige Vater brauche es nur zu machen, wie sie es machen, wenn ihre Kassen leer sind.
« »Und wie machen sie es?«
»Sie füllen sie,« sprach Duguesclin und stand auf.
Der Legat begriff, daß die Audienz beendigt war. Eine leichte Röthe war auf die gebräunten Backenknochen des Connetable getreten.
Der Legat bestieg sein Maulthier und schickte sich an, in Gesellschaft seines immer mehr erschrockenen Sacristans nach Avignon zurückzukehren.
»Wartet, wartet,« sagte Duguesclin; »wartet, Monseigneur! Geht nicht so allein; Ihr könntet unter Weges angegriffen werden, und das wäre mir, bei Gott! ärgerlich.«
Der Legat machte eine ungestüme Bewegung, welche dafür zeugte, daß, wenn Duguesclin nicht an seine Worte glaubte, er an die Worte von Duguesclin glaubte.
An der Seite des Maulthieres einhergehend, das der Sacristan am Zügel führte, geleitete der Connetable in der That den Legaten bis an die Grenzen des Lagers zurück, ohne selbst etwas zu sagen, jedoch gefolgt von so beredtem Beben, von so schrecklichem Waffengeklirre und so bedrohlichen Verwünschungen, daß der Abgang, obschon durch den Connetable beschützt, dem armen Legaten noch viel furchtbarer vorkam, als die Ankunft.
Er gab auch, sobald er außerhalb des Lagers war, seinem Maulthier die Ferse, als befürchtete er, man könnte ihn wieder einholen wollen.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Wie Seine Heiligkeit der Papst Urban V. sich endlich entschloß, den Kreuzzug zu bezahlen und die Kreuzfahrer zu segnen
Der unglückliche Flüchtling war noch nicht nach Avignon zurückgekehrt, als Duguesclin, der seine Truppen noch weiter vorschob, vollends den furchtbaren Kreis schloß, der Urban V., als er ihn von seiner Terrasse herab sich bilden sah, so sehr erschreckt hatte. Bei dieser Bewegung wurden Villeneuve la Beguide und Gervasy ohne irgend einen Widerstand genommen, obgleich in Villeneuve eine Garnison von fünf- bis sechshundert Mann lag.
Der Connetable hatte Hugo von Caverley beauftragt, die Bewegung zu bewerkstelligen und sich in diesen Städten einzuquartieren. Er kannte ihre Art und Weise, wie sie ihr Lager bereiteten, und zweifelte nicht an dem Eindruck, den dieser Anfang des Feldzugs auf die Einwohner von Avignon hervorbringen würde.
Diese Einwohner von Avignon konnten in der That schon an demselben Abend von ihren Mauern herab große Feuer brennen sehen, die sich zuweilen nur mit Mühe entzündeten, am Ende aber immer flammten, daß es wunderbar anzuschauen war. Allmälig, als sie sich orientirten, und die Punkte, wo die Flammen sichtbar, genau erkannten, bemerkten sie, daß ihn Häuser brannten und daß ihre Oelbäume dabei als Schwefelhölzchen dienten.
Zu gleicher Zeit vertauschten die Engländer ihre Weine von Chalons, Thorins und Beaune, deren Ueberreste sie noch genossen, gegen die von Rivesaltes, Hermitage und Saint,Peray, die ihnen wärmer und süßer vorkamen.
Bei dem Schimmer aller dieser Feuer, welche die Stadt einschlossen und die Engländer bei ihren nächtlichen Vorbereitungen beleuchteten, versammelte der Papst seinen Rath.
Die Cardinäle waren ihrer Gewohnheit nach und mehr noch als gewöhnlich getheilt. Viele waren für eine Verdoppelung der Strenge, welche nicht nur unter den Abenteurern, sondern auch in Frankreich einen heilsamen Schrecken verbreiten sollte.
Aber der Herr Legat, in dessen Ohren noch das verschiedenartige Geschrei des excommunicirten Heeres erscholl, verbarg Seiner Heiligkeit und ihrem Rathe den Eindruck nicht, den er empfangen hatte.
Der Sacristan erzählte seinerseits in den Küchen des Papstes von den Gefahren, denen er in Gesellschaft des Herrn Legaten preisgegeben gewesen, und denen sie Beide nur durch ihre heidenmäßige Haltung, welche den Engländern, den Franzosen und den Bretagnern imponirt habe, entgangen seien.
Während die Köche dem Muthe des Sacristans Ihren Beifall zollten, hörten die Cardinäle die Erzählung des Legaten an.
»Ich bin bereit,« sagte dieser, »mein Leben für den Dienst unseres heiligen Vaters hinzugeben, denn ich erkläre, daß ich es schon zum Opfer gebracht hatte, insofern es nie so sehr ausgesetzt gewesen war, als bei unserer Gesandtschaft im Lager. Ich sage auch gerade heraus, daß ich ohne einen ausdrücklichen Befehl Seiner Heiligkeit, die mich dann zum Märtyrthum schickte, ein Märtyrthum, dem ich mit Freuden entgegen ginge, wenn ich denken könnte (doch ich denke dies nicht), der Glaube dürfte dadurch irgend eine Aneiferung erhalten, nicht zu diesen Wüthenden zurückkehren würde, ohne ihnen Alles zu überbringen, was sie verlangen,«
»Man wird sehen, man wird sehen!« sagte der Papst sehr bewegt und besonders sehr unruhig.
»Eure Heiligkeit,« entgegnete einer von den Cardinälen, »wir sehen schon und zwar sehr gut.«
»Was sehen wir?« fragte Urban.
»Wir sehen ein Dutzend Landhäuser brennen, worunter ich das meinige vollkommen unterscheide. Ei! schaut doch, heiliger Vater, gerade in diesem Augenblick stürzt das Dach ein.«
»Es ist nicht zu leugnen,« sagte Urban, »die Umstände scheinen mir sehr dringlich zu sein.«
»Und mir vollends, heiliger Vater, mir, der ich in meinen Kellern die Weinlese von sechs Jahren habe. Man sagt, die Ungläubigen nehmen sich nicht einmal die Zeit, das Faß anzuzapfen, sondern sie schlagen nur den Boden ein.«
»Ich,« sprach ein Dritter, »dessen Bastide sich der Lauf der Flammen unmerklich näherte »ich bin der Ansicht, daß man einen Gesandten an den Connetable abschicke, um ihn im Namen der Kirche zu bitten, er möge sogleich die Verheerungen einstellen lassen, welche die Soldaten aus unsern Gütern anrichten.«
»Wollt Ihr diese Sendung übernehmen, mein Sohn?« fragte der Papst.
»Ich würde es mit großem Vergnügen thun, Eure Heiligkeit, doch ich bin ein sehr schlechter Redner, und dann wäre es, da mich der Connetable nicht kennt, glaube ich, besser, ihm ein Gesicht zu schicken, das er schon gesehen hat.«
Der Papst wandte sich an den Legaten.
»Ich verlange nur so viel Zeit, als ich brauche, um mein in manus zu sprechen,« erwiderte dieser.
»Das ist billig,« sagte der Papst.
»Doch beeilt Euch!« rief der Cardinal, dessen Haus zu brennen anfing.
Der Legat stand aus, machte das Zeichen des Kreuzes und sagte:
»Ich bin bereit, dem Märtyrthum entgegen zu gehen.«
»Ich segne Euch.« sprach der Papst.
»Doch, was soll ich ihnen sagen?«
»Sie sollen das Feuer löschen, und ich werde meinen Zorn löschen; sie sollen zu brennen aufhören, und ich werde zu verfluchen aufhören.«
Der Legat schüttelte den Kopf, wie ein Mensch, der sehr an dem Erfolg seiner Sendung zweifelt: aber er ließ nichtsdestoweniger seinen getreuen Sacristan rufen, welcher kaum die Erzählung seiner Iliade beendigt hatte, als er zu seinem großen Schrecken seine Odyssee unternehmen sollte.
Beide gingen aus dieselbe Weise wie das erste Mal ab. Der Papst wollte ihnen ein Geleite von Päpstlern geben, aber die Päpstler weigerten sich geradezu und erwiderten, sie seien in den Dienst Seiner Heiligkeit getreten, um Strümpfe zu stricken, wenn sie die Wache bezögen, und nicht, um mit Excommunicirten zu streiten.
Der Legat war also genöthigt, ohne sie aufzubrechen, und dies war ihm beinahe eben so lieb. Allein mit dem Sacristan, konnte er wenigstens auf seine Schwäche rechnen.
Diesmal machte der Legat, als er dem Lager nahe kam, ein freudiges Gesicht; er hatte einen ganzen Oelbaum abgerissen, den er als Sinnbild des Friedens benützen wollte, und rief, sobald er die Engländer aus weiter Ferne erblickte:
»Gute Nachrichten! gute Nachrichten!«
So daß ihn die Engländer, welche die Sprache nicht verstanden, aber wohl seine Geberden begriffen, nicht zu schlimm empfingen; daß die Franzosen, welche ihn vollkommen verstanden, warteten, und daß die Bretagner, welche ungefähr verstanden, sich auf dem Weg vor ihm verbeugten.
Die Rückkehr des Legaten in das Lager glich nun insofern beinahe einem Triumph, als man mit unendlich viel gutem Willen die Brände für Freudenfeuer halten konnte.
Als er aber Duguesclin verkündigen mußte, er komme zurück, ohne etwas Anderes zu bringen, als das, was er bei seiner ersten Erscheinung versprochen hatte, nämlich die Vergebung, da entledigte sich der arme Legat seiner Botschaft mit Thränen in den Augen.
Um so mehr, als ihn Duguesclin, nachdem er geendigt hatte, mit einer Miene anschaute, welche sagen wollte:
»Und Ihr habt es gewagt, zurückzukommen, um mir einen solchen Vorschlag zu machen?«
Der Legat rief auch, ohne zu zögern:
»Rettet mir das Leben, Herr Connetable, rettet mir das Leben! denn wenn Eure Soldaten erfahren, daß ich, der ich ihnen gute Nachrichten verkündigt habe, mit leeren Händen zurückkomme, so werden sie mich sicherlich tödten.«
»Hm!« machte Duguesclin, »ich möchte nicht nein sagen, Monseigneur.«
»Ach! ach!« sprach der Legat, »ich sagte es Seiner Heiligkeit zum Voraus, sie schicke mich dem Märtyrthum entgegen.«
»Ich gestehe Euch,« sprach der Connetable, «das sind keine Menschen, sondern Wehrwölfe. Der Kirchenbann hat eine Wirkung ans sie hervorgebracht, die mich selbst in Erstaunen seht. Ich glaubte, sie hätten eine zähere Haut, und in der That, wenn nicht Jeder von ihnen morgen zwei bis drei Goldthaler aus die Brandwunde legen kann, die ihm der Blitz gemacht hat, so stehe ich für nichts, und sie sind morgen im Stande, Avignon zu verbrennen, und in Avignon, ich bebe, es zu sagen, die Cardinäle, und mit den Cardinälen, ich schaudere darob, den Papst selbst.«
»Doch ich,« entgegnete der Legat, »Ihr begreift, Herr Connetable, daß ich ihnen diese Antwort bringen muß, damit sie einen Entschluß fassen, der so großem Unglück zuvorkommt, und damit sie diese Antwort erfahren und diesen Entschluß fassen, muß ich nothwendig unversehrt zu ihnen gelangen.«
»Würdet Ihr ein wenig geschunden ankommen, so wäre meiner Ansicht nach die Wirkung nur um so größer.« sagte Duguesclin. »Aber,« fügte er schleunigst bei, »wir wollen Seine Heiligkeit nicht durch Gewalt zwingen, ihr Entschluß soll der Ausdruck ihres freien Willens sein; ich werde Euch also selbst zurückführen, wie ich es das erste Mal gethan habe, und Euch zu größerer Sicherheit durch eine Hinterthüre hinauslassen.«
»Ah! Sire Connetable,« sagte der Legat, »so ist es gut! Ihr seid ein Wahrer Christ!«
Duguesclin hielt sein Wort. Der Legat verließ das Lager unversehrt! doch hinter ihm begann die einen Augenblick durch die Ankündigung guter Nachrichten unterbrochene Plünderung wieder mit erneuerter Wuth.
Das war natürlich, die Täuschung hatte den Zorn verdoppelt.
Die Weine wurden getrunken, die Geräthschaften wurden weggeschleppt, das Futter in den Wind gestreut.
Die Einwohner von Avignon sahen von ihren Mauern herab, denn die Muthigsten wagten es nicht, die Stadt zu verlassen, wie sie völlig geplündert und zu Grunde gerichtet wurden.
Die Cardinäle lamentirten.
Der Papst ließ hundert tausend Thaler antragen.
»Bringt sie immerhin, und wir werden hernach sehen,« antwortete Duguesclin.
Der Papst versammelte seinen Rath und sprach mit einem tiefen Schmerz, der sich in seinen Zügen ausprägte:
»Meine Söhne, wir müssen zu dem Opfer einwilligen.«
»Ja!» riefen die Cardinäle einstimmig, »und wie Ezechiel sagt, der Feind hat unser Land überzogen, er hat unsere Städte mit Feuer und Schwert heimgesucht und unsere Frauen und Töchter geschändet,«
»Opfern wir uns also,« sprach Urban V.
Und schon hielt sich der Schatzmeister bereit, auf Befehl die Kassen zu untersuchen.
»Sie verlangen hundert tausend Thaler,« sagte der Papst.
»Man muß sie ihnen geben,« sprachen die Cardinäle.
»Ach! ja,« machte Seine Heiligkeit.
Und seine Augen zum Himmel aufschlagend, seufzte er tief.
Dann rief er:
»Angelo!«
Der Schatzmeister verbeugte sich,
»Angelo,« fuhr der Papst fort, »Ihr laßt in der Stadt verkündigen, ich schlage eine Steuer von hundert tausend Thalern, – Ihr sagt Anfangs nicht ob Goldthaler oder Silberthaler, das wird sich später aufklären, – ich schlage eine Steuer von hundert tausend Thalern auf das arme Volk.«
Eine Steuer auf Jemand schlagen war vielleicht nicht gerade der Ausdruck in Frankreich, aber er schien sehr römisch zu sein, da der Schatzmeister keine Bemerkung machte.
»Beklagt man sich,« fügte der Papst bei, »so sagt Ihr das, wovon Ihr Zeuge gewesen seid: daß nämlich weder meine Gebete, noch die meiner Cardinäle mein viel geliebtes Volk vor der für mein Herz so schmerzlichen Nothwendigkeit haben bewahren können.«
Die Cardinäle und der Schatzmeister schauten den Papst voll Bewunderung an,
»In der That,« sagte der Papst, »diese armen Leute sind noch sehr glücklich, daß sie um einen so geringen Preis ihre Güter und ihre Häuser loskaufen. Aber wahrhaftig,« fügte er, Thränen in den Augen, bei, »nichts ist so traurig für einen Fürsten, als so das Geld seiner Unterthanen hingeben zu müssen.«
»Das Eurer Heiligkeit bei jeder andern Veranlassung so nützlich gewesen wäre.«
»Nun, Gott will es!« rief der Papst.
Und die Steuer wurde unter vielem Gemurre, als man hörte es seien Silberthaler, und mit nicht geringem Widerstand erhoben, da man erfuhr, es seien Goldthaler gemeint.
Nun nahm Seine Heiligkeit ihre Zuflucht zu ihren Soldaten, und da sie es nicht mit Excommunicirten, sondern mit guten Christen zu thun hatten, so legten sie ihre Stricknadeln nieder und ergriffen ihre Piken auf eine so martialische Weise, daß die Einwohner von Avignon sogleich zu ihrer Pflicht zurückkehrten.
Bei Tagesanbruch zog der Legat, diesmal nicht mehr mit seinem Maulthier, sondern mit zehn reich geschirrten Pferden nach dem Lager der Excommunicirten.
Die Soldaten stießen bei diesem Anblick Freudenschreie aus, welche indessen aus den Legaten einen minder günstigen Eindruck machten, als ihre Verwünschungen einen ärgerlichen gemacht hatten.
Doch statt Bertrand, wie er erwartete, entzückt über diesen greifbaren und klingenden Beweis der Nachgiebigkeit des heiligen Stuhles zu finden, war er ganz erstaunt, als er ihn höchst mürrisch fand und sah, wie er ein kürzlich erst entsiegeltes Pergament zwischen seinen Händen hin und her drehte.
