Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 19
»Oh!« sagte der Connetable, den Kopf schüttelnd, »das ist ein schönes Geld, was Ihr mir da bringt, Herr Legat!«
»Nicht wahr?« versetzte der Botschafter, der sich einbildete, Geld sei Geld, und folglich immer gut.
»Ja,« fuhr Duguesclin fort, »doch ich habe ein Bedenken; woher kommt dieses Geld?«
»Von Seiner Heiligkeit, da es Euch Seine Heiligkeit schickt.«
»Sehr gut! doch wer hat es geliefert?«
»Bei Gott! Seine Heiligkeit, denke ich.«
»Verzeiht, Herr Legat, ein Geistlicher soll nicht lügen.«
»Ich bin aber Zeuge . . . « sprach der Legat.
»Leset dieses,« sagte Duguesclin und reichte dem Legaten das Pergament, das er zwischen seinen Fingern auf und abrolltet
Der Legat nahm das Pergament und las:
»Ist es die Absicht des edlen Ritters Duguesclin, daß eine unschuldige, schon von ihrem Fürsten mit Erpressungen heimgesuchte Stadt, daß arme, halb zu Grunde gerichtete Bürger und Hungers sterbende Handwerksleute sich ihres letzten Stückes Brod berauben, um einen Krieg der Laune zu bezahlen? Diese Frage wird im Namen der Menschheit an den rechtschaffensten der christlichen Ritter von der armen Stadt Avignon gemacht, welche mit ihrem Blute hunderttausend Goldthaler geschwitzt hat, während Seine Heiligkeit in den Gewölben ihres Schlosses zwei Millionen Thaler aufbewahrt, die Schätze von Rom nicht zu rechnen.«
»Nun?« fragte Bertrand ganz zornig, nachdem der Legat bis zu Ende gelesen hatte.
»Ah!« sprach der Legat, »Seine Heiligkeit muß hintergangen worden sein.«
»Was man mir da von vergrabenen Reichthümern sagt, ist also wahr?«
»Man behauptet es.«
»So nehmt dieses Geld zurück, Herr Legat,« sagte der Connetable; »nicht das Brod des Armen wollen Leute haben, welche die Sache Gottes vertheidigen, sondern den Ueberfluß des Reichen. Hört also wohl, was der Ritter Bertrand Duguesclin, Connetable von Frankreich, zu Euch spricht: Wenn die zweimal hunderttausend Thaler des Papstes und der Cardinale nicht vor heute Abend hier sind, so verbrenne ich heute Nacht nicht nur die Vorstädte, nicht nur die Stadt, sondern den Palast und mit dem Palast die Cardinäle und mit den Cardinälen den Papst, so daß vom Papst, den Cardinälen und dem Palast morgen früh keine Spur mehr übrig sein wird. Geht, Herr Legat!«
Diese edlen Worte wurden von den Soldaten, den Officieren und den Anführern mit einer Beifallssalve ausgenommen, welche dem Legaten keinen Zweifel über die Einhelligkeit der Meinungen ließ, so daß der Botschafter, mitten unter diesen geräuschvollen Ausrufungen dasselbe Stillschweigen beobachtend, mit seinen beladenen Pferden wieder den Weg nach Avignon einschlug.
»Kinder,« sprach der Connetable zu denjenigen von seinen Soldaten, welche, zu weit entfernt, nichts gehört hatten und sich über den Beifallsruf ihrer Kameraden wunderten, »dieses arme Volk hatte uns nur hundert tausend Thaler zu geben; das ist zu wenig, da es gerade nur so viel ist, als ich Euren Führern versprochen habe. Der Papst wird uns zweimal hundert tausend geben.«
Drei Stunden nachher kamen in der That zwanzig Pferde, die sich unter der Last bogen, um nicht mehr herauszukommen, in das Lager von Duguesclin, und der Legat, nachdem er drei Geldhaufen, den einen bestehend aus hunderttausend Thalern und die zwei andern jeden aus fünfzig gemacht hatte, fügte diesem den päpstlichen Segen bei, den die Abenteurer, gute Teufel, wenn man ihrem Verlangen nachgab, durch den Wunsch jeglicher Wohlfahrt erwiderten.
Als sodann der Legat wieder abgezogen war, sprach Duguesclin zu Hugo von Caverley, zu Claude dem Schinder und zum Grünen Ritter:
»Ordnen wir unsere Rechnungen.«
»Ordnen wir sie,« sagten die Abenteurer.
»Ich bin Euch fünfzigtausend Goldthaler, zu einem Thaler für den Soldaten, schuldig, Ist dies so verabredet?«
»Es ist so.«
Bertrand griff den größten Haufen an und sagte!
»Hier sind fünfzigtausend Goldthaler.«
Die Abenteurer zählten das Geld nach Bertrand Duguesclin, nach dem schon im vierzehnten Jahrhundert in Kraft stehenden Sprichwort:
»Es ist der Mühe werth, das Geld zweimal zu zählen.«
»Gut!« sagten sie, »das ist der Antheil der Soldaten, gehen wir nun zu dem der Officiere über.«
Bertrand nahm von demselben Haufen zwanzig tausend Thaler.
»Viertausend Officiere,« sagte er, »zu fünf Thaler für den Officier, mach! zwanzigtausend Thaler. Ist dies so?«
Die Anführer setzten die Hausen in Stöße.
»Es ist so,« sagten sie nach Kurzem.
»Gut,« sprach Duguesclin, »es bleiben die Führer.«
»Ja, es bleiben die Führer,« sagte Caverley, indem er wie ein freudig angelockter Mensch mit seiner Zunge über seine Lippen fuhr.
»Zehn Anführer also, zu dreitausend Thaler Jeder, nicht wahr?«
»Das ist die verabredete Summe.«
»Die Rechnung ist in Ordnung,« riefen die Abenteurer, «es ist nichts dagegen zu sagen.«
»Ihr habt also keine Einwendung mehr gegen das Beginnen des Feldzugs zu machen?« fragte Bertrand.
»Keine, und wir sind bereit,« erwiderte Caverley.
»Abgesehen jedoch von dem Eid des Gehorsams, den wir dem Prinzen von Wales geleistet haben.«
»Ja,« entgegnete Bertrand, »doch dieser Eid geht nur die englischen Unterthanen an.«
»Einverstanden,« sagte der Kapitän.
»Das ist also abgemacht?«
»Wir sind zufrieden. Aber . . .«
»Aber, was?« fragte Duguesclin.
»Die weiteren hunderttausend Thaler?«
»Ihr seid zu vorsichtige Kapitäne, um nicht zu begreifen, daß eine Armee, welche ins Feld zieht, einen Geldvorrath braucht.«
»Ganz gewiß,« sprach Caverley.
»Nun wohl! fünfzigtausend Thaler sind für die allgemeine Kasse bestimmt.«
»Gut,« sagte Caverley zu seinen Gefährten, »ich begreife. Und die weiteren fünfzigtausend Thaler für die Privatkasse, Teufel! welch ein geschickter Mann!«
»Kommt, mein Kaplan,« fügte Bertrand bei, »wir wollen mit einander ein kleines Sendschreiben für unsern guten Herrn den König von Frankreich abfassen, für den ich die fünfzigtausend Thaler, die mir noch bleiben, bestimme.«
»Ah!« machte Caverley, »das ist wahrhaftig schön; ich würde nicht so viel thun, nicht einmal für Seine Hoheit, den Prinzen von Wales.«
Vierundzwanzigstes Kapitel.
Wie Messire Hugo von Caverley beinahe hunderttausend Thaler gewonnen hätte
Man erinnert sich, daß wir nach der Scene im Garten Aissa nach dem Hause ihres Vaters zurückkehren ließen, während Agenor jenseits der Mauer verschwand.
Musaron begriff, daß seinen Herrn nichts mehr in Bordeaux zurückhielt; als der junge Mann aus der Träumerei erwachte, in welche ihn die so eben vorgefallenen Ereignisse versenkt hatten, fand er auch sein Pferd ganz gesattelt und gezäumt und Musaron ganz zum Aufbruch bereit, Agenor war mit einem Sprung im Sattel, gab seinem Pferde beide Sporen und verließ die Stadt im Galopp, gefolgt von Musaron, der seiner Gewohnheit gemäß seine Späße trieb.
»Ei! gnädiger Herr,» sagte er, »wir flüchten uns sehr rasch, wie mir scheint. Wo Teufels habt Ihr den Schatz untergebracht, den Ihr bei den Ungläubigen holtet?«
Agenor zuckte die Achseln und antwortete nicht.
»Tödtet Euer gutes Pferd nicht, Herr, wir werden es für den Feldzug brauchen, es kann nicht lange so rasch gehen, das sage ich Euch zum Voraus, besonders wenn Ihr, wie der Prinz Enrique von Transtamare, nur so etwa fünfzig Mark Gold in das Futter Eures Sattels eingenäht habt.«
»In der That,« sagte Agenor, »ich glaub«, Du hast Recht, fünfzig Mark Gold und fünfzig Mark Eisen, das ist zu viel für ein einziges Thier.«
Und er ließ auf die Schulter des unehrerbietigen Knappen seine ganz mit Eisen beschlagene Lanze fallen, und seine Heiterkeit verminderte sich, wie es Agenor vorhergesehen hatte, beträchtlich durch diesen Zuwachs an Gewicht.
So durchzogen sie, von Nahem den Spuren des Prinzen Enrique folgend, doch ohne ihn einholen zu können, die Guienne und das Bearn; dann stiegen sie über die Pyrenäen und gelangten nach Aragonien.
Erst in dieser Provinz erreichten sie den Prinzen, den sie an dem Scheine einer durch den Kapitän Hugo von Caverley angezündeten kleinen Stadt erkannten.
So bezeichneten die Compagnien ihre Ankunft in Spanien. Als ein Liebhaber des Pittoresken hatte er diese Stadt, aus der er sich einen Leuchtthurm zu machen gedachte, auf einer Anhöhe gewählt, damit die Flammen auf zehn Meilen in der Runde das Land erhellten, das er noch nicht kannte und von dem er Kenntniß zu nehmen wünschte.
Enrique wunderte sich nicht über diese Phantasie des englischen Kapitäns; er kannte seit langer Zeit alle Anführer der Compagnien und ihre Handlungsweise. Er bat nur Messire Bertrand Duguesclin, von seinem Ansehen bei den unter seine Befehle gestellten Compagnien Gebrauch zu machen, daß diese so wenig als möglich zerstörten.
»Denn,« sagte er sehr richtig, »da dieses Königreich dereinst mir gehören soll, so will ich es lieber in gutem Zustand, als zu Grunde gerichtet haben.«
»Wohl, es sei, gnädigster Herr,« sprach Caverley, «doch unter einer Bedingung.«
»Unter welcher?«
»Daß Eure Hoheit eine Abgabe für jedes unberührte Haus und für jede genothzüchtigte Frau bezahlt.«
»Ich verstehe nicht,« sagte der Prinz, den Widerwillen beherrschend, den es ihm machte, daß er sich der Mitwirkung solcher Banditen bedienen sollte.
»Es kann nichts einfacher sein,« versetzte Caverley: »die Verschonung Eurer Städte und die Verdoppelung Eurer Einwohnerschaft sind wohl Geld werth, wie mir scheint.»
»Gut, es sei,« sprach Enrique, der zu lächeln suchte; »wir werden morgen hiervon reden; doch mittlerweile?«
»Mittlerweile, hoher Herr, kann der Aragonier ruhig schlafen. Ich sehe für die ganze Nacht hier klar und Hugo von Caverley steht, Gott sei Dank! nicht im Ruf eines Verschwenders.«
Nach diesem Versprechen, auf das man vertrauen konnte, so seltsam es auch war, zog sich Enrique mit Mauléon in sein Zelt zurück, während der Connetable sich wieder nach dem seinigen begab.
Statt sich niederzulegen, wie man glauben konnte, daß er es nach einem so ermüdenden Tag machen würde, horchte Messire Hugo von Caverley auf das Geräusch der Tritte, die sich entfernten; als sie sich sodann im Raume verloren hatten, wie die Körper, die das Geräusch in der Dunkelheit verursachten, erhob er sich sachte und rief seinem Geheimschreiber.
Dieser Geheimschreiber war ein sehr wichtiger Mann in dem Hause des braven Kapitäns, denn konnte der letztere nicht schreiben, was sehr wahrscheinlich ist, oder verschmähte er es, eine Feder zu halten, er war diese würdige Person, welche den Auftrag hatte, alle Verträge ins Reine zu bringen, die zwischen dem Anführer der Abenteurer und den Gefangenen, die er auf Lösegeld setzte, abgeschlossen wurden. Es vergingen aber wenige Tage, ohne daß der Schreiber von Messire Hugo von Caverley einen solchen Vertrag auszufertigen hatte.
Der Schreiber erschien, seine Feder in einer Hand, das Tintenfaß in der andern, eine Rolle Pergament unter dem Arm.
»Komm hierher, Meister Robert,« sagte der Kapitän, »und setze mir eine Quittung mit Laufpaß auf.«
»Eine Quittung, für welche Summe?» fragte der Schreiber.
»Laß die Summe aus; doch spare den Raum nicht, denn es wird eine runde Summe sein.«
»Auf wessen Namen?« fragte der Schreiber.
»Laß den Namen aus, wie die Summe.«
»Und auch Raum?«
»Ja; denn auf diesen Namen werden nicht wenige Titel folgen.«
»Gut! Gut! Gut!« sagte Meister Robert, und er ging an sein Geschäft mit einem Eifer, daß man hätte glauben können, er bekomme einen bestimmten Antheil an der Einnahme. »Doch wo ist der Gefangene?«
»Man macht ihn eben.«
Der Schreiber kannte die Gewohnheit seines Patrons und zögerte daher nicht einen Augenblick, die Quittung zu schreiben; da der Kapitän gesagt hatte, man sei im Begriff, den Gefangenen zu machen, so war der Gefangene schon gemacht.
Diese Meinung hatte nichts zu Vortheilhaftes für den Kapitän, denn kaum hatte der Schreiber die letzte Hand an die Quittung gelegt, als man in der Richtung des Berges ein Geräusch vernahm, das immer näher kam.
Caverley schien nicht gehört, wohl aber dieses Geräusch geahnet zu haben, denn ehe es das lauernde Ohr der Schildwache erreicht hatte, hob der Kapitän die Leinwand des Zeltes auf.
»Wer da?« rief beinahe in demselben Augenblick die Schildwache.
»Freunde!« antwortete die wohlbekannte Stimme des Lieutenants von Caverley.
»Ja, ja, Freunde,« sagte der Abenteurer, sich die Hände reibend, »laß sie vorbei, und hebe Deine Pike auf, wenn man vorbeigeht. Diejenigen, welche ich erwarte, sind wohl so viel werth,«
In diesem Augenblick sah man bei dem letzten Schimmer des Brandes, der nach und nach erstarb, umgeben von fünfundzwanzig bis dreißig Burschen, eine kleine Truppe von Gefangenen herbeikommen. Diese Truppe bestand aus einem Ritter, der zugleich in der Kraft und in der Blüthe des Alters zu stehen schien, aus einem Mauren, welcher die Vorhänge einer großen Sänfte nicht hatte verlassen wollen, und aus zwei Knappen.
Sobald Caverley sah, daß diese Truppe wirklich aus den verschiedenen Personen bestand, die wir bezeichnet haben, hieß er aus seinem Zelte alle diejenigen, welche sich darin befanden, mit Ausnahme seines Schreibers, weggehen. Die Leute, die er wegschickte, gingen mit einem Bedauern, das sie nicht einmal zu verbergen suchten, denn sie vermutheten, welchen Werth die Beute hatte, die in die Klauen des Raubvogels gefallen war, den sie als ihren Führer anerkannten.
Beim Anblick der vier Personen, die man in sein Zelt brachte, machte Caverley eine tiefe Verbeugung und sprach sodann, sich an den Ritter wendend:
»Herr König, sollten zufällig meine Leute der Höflichkeit gegen Eure Hoheit ermangelt haben, so vergebt ihnen; sie kannten Euch nicht.«
»Herr König!« wiederholte der Gefangene mit einem Ton, dem er den Ausdruck des Erstaunens zu geben suchte, zugleich aber mit einer Blässe, die seine Unruhe verrieth, »sprecht Ihr mit mir, Kapitän?«
»Mit Euch selbst, Sire Don Pedro, mit Euch, dem gefürchteten König von Castilien und Murcia.«
Zuvor schon bleich, wurde der Ritter leichenfarbig. Ein verzweifeltes Lächeln suchte auf seine Lippen hervorzutreten.
»In der That, Kapitän,« sagte er, »es thut mir sehr leid für Euch, aber Ihr begeht einen großen Irrthum, wenn Ihr mich für denjenigen haltet, welchen Ihr genannt habt.«
»Meiner Treue, Hoheit, ich halte Euch für das, was Ihr seid, und glaube einen guten Fang gemacht zu haben.«
»Glaubt, was Ihr wollt,« sagte der Ritter, indem er eine Bewegung machte, um sich zu setzen, »ich sehe, es wird mir nicht schwer sein, Euch von dieser Meinung abzubringen.«
»Damit ich davon abkomme, Hoheit, müßtet Ihr nicht die Unklugheit begehen, zu marschiren.«
Der Ritter ballte die Fäuste.
»Und warum dies?« fragte er.
»Weil Eure Knochen bei jedem Schritte, den Ihr thut, krachen, was eine sehr angenehme Musik für einen armen Compagniekapitän ist, dem die Vorsehung die Gnade erweist, einen König in seine Netze fallen zu lassen.«
»Gibt es nur den König Don Pedro, dessen Knochen, wenn er geht, dieses Geräusch machen, und kann nicht auch ein anderer Mensch dasselbe Gebrechen haben?«
»In der That,« sagte Caverley, »das ist möglich, und Ihr setzt mich in Verlegenheit! doch ich habe ein sicheres Mittel, um zu erfahren, ob ich mich irre, wie Ihr sagt.«
»Welches?« fragte die Stirne faltend der Ritter, den dieses Verhör sichtbar ermüdete.
»Der Prinz Enrique von Transtamare ist nur hundert Schritte von hier, ich will ihn holen lassen, und wir werden wohl sehen, ob er seinen geliebten Bruder erkennt.«
Der Ritter machte unwillkührlich eine Bewegung des Zorns.
»Ah? Ihr erröthet!« rief Caverley; »ei! so gesteht, und wenn Ihr gesteht, so schwöre ich Euch, so wahr ich Kapitän bin, daß Alles unter uns abgemacht werden, und daß Euer Bruder nicht einmal erfahren soll, ich habe die Ehre gehabt, mich einige Augenblicke mit Eurer Hoheit zu unterhalten.«
»Nun, so laßt hören, was wollt Ihr?«
»Ihr begreift, ich will nichts, Hoheit, so lange ich nicht der Identität der Person, die ich in meinen Händen habe, sicher bin.«
»Nehmt also an, ich sei wirklich der König und sprecht.«
»Pest! wie Ihr das sagt, Sire, sprecht! glaubt Ihr, ich habe Euch so wenig zu eröffnen, daß dies mit zwei Worten abgethan sei? Nein, Hoheit, es bedarf vor Allem einer Wache, welche Eurer Majestät würdig ist.«
»Einer Wache? Ihr gedenkt mich also gefangen zu halten?«
»Das ist wenigstens meine Absicht.«
»Und ich, ich sage Euch, daß ich keine Stunde mehr hier bleibe, und sollte es mich die Hälfte meines Königreiches kosten.«
»Oh! oh! es wird Euch wohl so viel kosten, Sire, und das ist nicht zu viel, da Ihr in der Lage, in der Ihr Euch befindet, beinahe sicher seid, daß Ihr Alles verlieren werdet.«
»So bestimmt einen Preis!« rief der Gefangene.
»Ich werde es mir überlegen, mein König,« sagte Caverley mit kaltem Tone.
Don Pedro schien eine heftige Anstrengung gegen sich selbst zu machen, und setzte sich, ohne ein Wort zu erwidern, dem Kapitän den Rücken zuwendend, an die Leinwand des Zeltes.
Caverley schien tief nachzudenken; nachdem er aber einen Augenblick geschwiegen, sagte er: »Ihr werdet mir eine halbe Million Goldthaler geben, nicht wahr?«
»Ihr seid einfältig,« entgegnete der König.
Man würde sie nicht in ganz Spanien finden.«
»Dreimal hunderttausend also, wie? Ich denke, ich bin billig.«
»Nicht die Hälfte,« sagte der König.
»Gut, Hoheit, so will ich ein paar Worte an Euren Bruder Enrique von Transtamare schreiben. Er versteht sich besser als ich auf ein königliches Lösegeld und wird den Preis des Eurigen bestimmen.«
Don Pedro ballte seine Fäuste, und man konnte den Schweiß an der Wurzel seiner Haare hervorbrechen und über seine Wangen stießen sehen.
Caverley wandte sich gegen seinen Schreiber um und sagte:
»Meister Robert, ladet den Prinzen Don Enrique von Transtamare ein, zu mir unter mein Zelt zu kommen.«
Der Schreiber ging auf die Schwelle zu, doch als er sie zu überschreiten im Begriffe war, stand Don Pedro auf und rief:
»Ich werde Euch die dreimal hunderttausend Goldthaler geben.«
Caverley hüpfte vor Freude.
»Doch da ich, wenn ich Euch verlasse, in die Hände von irgend einem andern Banditen fallen könnte, der abermals Lösegeld von mir erpressen würde, so werdet Ihr mir einen Empfangschein und einen Laufpaß geben.«
»Und Ihr, Ihr bezahlt mir die dreimal hunderttausend Thaler?«
»Nein; denn Ihr begreift, daß man nicht eine solche Summe bei sich trägt; doch habt Ihr unter Euren Leuten einen Juden, der sich auf Diamanten versteht?«
»Ich verstehe mich selbst darauf, Sire,« sagte Caverley.
»Es ist gut. Komm hierher, Mothril,« sprach der König, indem er den Mauren durch ein Zeichen näher hinzutreten hieß. »Du hast gehört . . . «
»Ja, Sire,« sagte Mothril und zog aus seiner weiten Hose eine lange Börse, durch deren Maschen jene wunderbaren Blitze funkelten, die der König der Edelsteine vom König der Gestirne entlehnt hat.
»Haltet den Empfangschein bereit,« sagte Don Pedro.
»Er ist schon bereit,« erwiderte der Kapitän, »man braucht nur noch die Summe auszufüllen.«
»Und der Laufpaß?«
»Er ist unterzeichnet. Ich bin zu sehr der Diener Eurer Hoheit, um sie warten zu lassen.«
Ein krampfhaftes Lächeln zog über die Lippen des Königs.
Er näherte sich dem Tische und las:
»Ich Unterzeichneter, Hugo von Caverley, Anführer der englischen Abenteurer . . .«
Der König las nicht ein Wort mehr, ein Strahl gleich einem Blitze zuckte in seinen Augen, und er fragte:
»Ihr heißt Hugo von Caverley?«
»Ja,« antwortete der Anführer erstaunt über diesen freudigen Ausdruck, dessen Ursache er vergebens zu errathen suchte.
»Und Ihr seid der Anführer der englischen Abenteurer?« fuhr Don Pedro fort.
»Allerdings.«
»So wartet einen Augenblick,« sagte der König.
»Mothril, steckt diese Diamanten in die Börse und die Börse in Eure Tasche.«
»Warum dies?«
»Weil es an mir ist, Befehle hier zu geben, und nicht zu empfangen,« rief Don Pedro, indem er ein Pergament aus seiner Brust zog.
»Befehle!« entgegnete Caverley mit hochmüthigem Ton. »Erfahrt, Herr König, daß es nur einen Menschen auf der Welt gibt, der das Recht hat, dem Kapitän Hugo von Caverley Befehle zu geben.«
»Und dieser Mensch,« versetzte Don Pedro, »hier auf diesem Pergament steht seine Unterschrift. Hugo von Caverley, im Namen des schwarzen Prinzen fordere ich Euch auf, mir zu gehorchen.«
Caverley warf den Kopfschüttelnd durch sein Helmvisir einen Blick auf das in der Hand des Königs entrollte Pergament; doch kaum hatte er die Unterschrift gesehen, als er einen so gewaltigen Schrei der Wuth ausstieß, daß die Officiere, welche aus Ehrfurcht vor dem Zelte geblieben waren, rasch herbeiliefen.
Dieses Pergament, das der Gefangene dem Anführer der Abenteurer bot, war in der That der Geleitbrief, den der schwarze Prinz Don Pedro gegeben hatte, und enthielt den Befehl, an alle seine englischen Unterthanen, ihm in allen Dingen zu gehorchen, bis er selbst das Commando über das englische Heer übernehmen würde.
»Ich sehe, daß ich offenbar leichteren Kaufes davon kommen werde, als Du glaubtest, und als ich selbst glaubte. Doch sei unbesorgt, ich werde Dich entschädigen, mein Braver.«
»Ihr habt Recht, Herr König,« sprach Caverley mit einem schlimmen Lächeln, das man unter seinem herabgelassenen Visir nicht sehen konnte. »Ihr seid nicht nur frei, sondern ich erwarte sogar Eure Befehle.«
»Wohl!« sagte Don Pedro, »so befiehl, wie es Deine Absicht war, Meister Robert, meinen Bruder, den Prinzen Enrique von Transtamare, zu holen und hierher zu führen.«
Der Schreiber befragte mit dem Auge den Kapitän und entfernte sich, auf ein bestätigendes Zeichen von Messire Hugo von Caverley.
