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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 22

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Achtundzwanzigstes Kapitel.
Der Bote

Es war am Ende des zweiten Tagemarsches, als sich die kleine Stadt Calahorra den Blicken der von Enrique von Transtamare und von Bertrand Duguesclin befehligten Truppe darbot. Diese Truppe, die sich während der zwei Tagemärsche mit allen kleinen in der Umgegend zerstreuten Corps verstärkt hatte, mochte ungefähr zehntausend Mann zählen.

Der Versuch, den man auf die Stadt Calahorra, einen vorgerückten Wachtposten von Burgos, machen wollte, war beinahe entscheidend. Von diesem Ausgangspunkte, der den Maßstab für die Stimmung Alt-Castiliens gab, hing in der That der günstige oder ungünstige Erfolg des Zuges ab. Sah sich Don Enrique vor Calahorra aufgehalten, so wurde sein Marsch ein Krieg: fiel ihm Calahorra ohne Hinderniß zu, so rückte Don Enrique auf dem Wege des Triumphes vor.

Die Armee war übrigens voll guten Willens; es herrschte allgemein die Meinung, Don Pedro habe sich jenseits des Gebirges mit einem Corps aragonischer und maurischer Truppen in Verbindung gesetzt, von dem man Kenntniß hatte.

Die Thore der Stadt waren geschlossen, die Soldaten, welche dieselben bewachten, hatten ihren Posten inne; die Schildwachen gingen, die Armbrust auf der Schulter, auf der Mauer auf und ab; Alles war im Stande, wenn nicht der Drohung, doch wenigstens der Vertheidigung.

Duguesclin führte seine kleine Armee bis auf einen Pfeilschuß zu den Wällen. Hier versammelte er seine Truppen um die Fahnen und hielt eine Rede, welche ganz das Gepräge der bretagnischen Sicherheit und der Gewandtheit eines am Hof von Karl V. aufgezogenen Mannes hatte; diese Rede endigte er damit, daß er Don Enrique von Transtamare zum König beider Castilien, von Sevilla und von Leon, an der Stelle von Don Pedro, dem Mörder, dem Verruchten, dem des Ritterthums Unwürdigen proclamirte.

Diese feierlichen Worte, welche Bertrand mit der ganzen Starke seiner Lunge aussprach, machten zehntausend Schwerter aus der Scheide springen, und unter dem schönsten Himmel der Welt, zur Stunde, wo die Sonne hinter den Gebirgen von Navarra unterzugehen im Begriff war, konnte Calahorra von seinem Walle herab dem eindrucksvollen Schauspiel eines Thrones, der fällt, und einer Krone, die sich erhebt, beiwohnen.

Bertrand, nachdem er gesprochen, nachdem er das Heer hatte sprechen lassen, wandte sich gegen die Stadt um, als wollte er sie um ihre Meinung fragen.

Die Bürger von Calahorra, so gut eingeschlossen, so gut mit Waffen und Proviant sie auch versehen waren, blieben nicht lange im Zweifel.

Die Haltung des Connetable war bezeichnend. Die seiner Krieger, die Lanze hoch, war es nicht minder. Sie bedachten wahrscheinlich, daß schon das Gewicht dieser Reiterei genügen würde, um ihre Mauern einzudrücken, und daß es folglich einfacher wäre, diesem Unglück durch das Oeffnen der Thore zu begegnen, Sie erwiderten daher den Zuruf des Heeres dadurch, daß sie voll Begeisterung: Es lebe Don Enrique von Transtamare, König von Castilien, Sevilla und Leon! schrieen.

Diese ersten Ausrufungen, welche in castilianischer Sprache geschahen, brachten eine tiefe Erschütterung bei Enrique hervor; er schlug sein Helmvisir auf, näherte sich allein der Mauer und sprach:

»Sagt: Es lebe der gute König Enrique! denn ich werde so gut gegen Calahorra sein, daß es sich in allen Zeiten erinnern soll, es habe mich zuerst als König von Castilien begrüßt.«

Da war es nicht mehr Begeisterung, sondern eine wahre Wuth; die Thore öffneten sich, als hätte sie eine Fee mit ihrem Stäbchen berührt, und eine gedrängte Masse von Bürgern, Frauen und Kindern strömte aus der Stadt hervor und vermischte sich mit den königlichen Truppen.

In einer Stunde gestaltete sich eines von den glänzenden Festen, deren Kosten zu tragen die Natur allein genügt; alle die Blumen, aller Wein, aller Honig dieses schönen Landes; die Psalter, die Dolciane, die Stimmen der Frauen, die Wachskerzen, der Klang der Glocken, die Gesänge der Priester berauschten die ganze Nacht hindurch den neuen König und seine Gefährten.

Bertrand hatte indessen seinen Bretagner-Rath versammelt und sprach zu ihm:

»Der Prinz Don Enrique von Transtamare ist nun, wenn nicht gesalbt, doch zum König ausgerufen; Ihr unterstützt nicht mehr einen Abenteurer, sondern einen Fürsten, der Ländereien, Lehen und Güter besitzt. Ich wette, Caverley wird es bedauern, daß er nicht mehr bei uns ist.«

Mitten unter der Aufmerksamkeit, die man ihm stets bewilligte, nicht nur als einem Führer, sondern als einem ebenso klugen, wie braven, ebenso braven, wie erfahrenen Krieger, entwickelte er sein ganzes System, nämlich seine Hoffnungen, welche bald die aller Anwesenden wurden.

Er vollendete seine Rede, als man ihm meldete, der Prinz verlange nach ihm, sowie nach dem bretagnischen Anführer, und er erwarte seine getreuen Verbündeten im Palast des Gouverneur von Calahorra, den dieser zur Verfügung des neuen Fürsten gestellt hatte.

Bertrand entsprach sogleich der an ihn ergangenen Einladung. Enrique saß schon auf einem Thron und ein goldener Reif, das Zeichen des Königthums, umgab seinen Helmstutz.

»Sire Connetable,« sagte der Prinz, Duguesclin die Hand reichend, »Ihr habt mich zum König gemacht, ich mache Euch zum Grafen; Ihr habt mir ein Reich gegeben, ich biete Euch eine Herrschaft an; Euch habe ich es zu verdanken, daß ich Enrique von Transtamare, König von Castilien, Sevilla und Leon heiße; Ihr heißt nach meinem Willen Bertrand Duguesclin, Connetable von Frankreich und Graf von Borgia.«

Sogleich bewies ein dreifacher Zuruf der Anführer und Soldaten dem König, daß er nicht nur einen Act der Dankbarkeit, sondern auch der Gerechtigkeit vollbracht hatte.

»Was Euch betrifft, Ihr edlen Kapitäne,« fuhr der König fort, »so werden meine Geschenke das Maß Eurer hohen Verdienste nicht erreichen; doch Eure Eroberungen sollen, indem sie meine Staaten vergrößern und meine Reichthümer vermehren, auch Euch mächtiger und reicher machen.«

Mittlerweile ließ er unter sie sein Gold, und Silbergeschirr, seine Pferde und Alles, was der Palast von Calahorra an Kostbarkeiten enthielt, vertheilen. Dann ernannte er zum Gouverneur der Provinz denjenigen, welcher nur Gouverneur der Stadt war.

Sofort trat er auf den Balcon und ließ unter die Soldaten achtzig-tausend Goldthaler, die ihm noch blieben, vertheilen.

Nachdem dies geschehen war, deutete er auf seine leeren Kisten und sprach:

»Ich empfehle sie Euch, denn wir werden sie in Burgos wieder füllen.«

»In Burgos!« riefen die Soldaten und Kapitäne.

»In Burgos!« wiederholten die Einwohner, für welche die in Festen, Trinkgelagen und Umhalsungen zugebrachte Nacht schon eine Probe der Brüderschaft war, eine Probe, welche die Klugheit nicht in Mißbrauch ausarten zu lassen rieth.

Indessen war der Tag gekommen, das Heer war zum Aufbruch bereit, schon erhob sich das königliche Banner über den Fahnen jeder einzelnen castilianischen und bretagnischen Compagnie, als sich ein gewaltiger Lärmen an dem Hauptthor von Calahorra hörbar machte und das Geschrei des Volks, das sich dem Mittelpunkt der Stadt näherte, ein wichtiges Ereigniß verkündigte.

Dieses Ereigniß war ein Bote.

Bertrand lächelte, Enrique erhob sich strahlend.

»Man mache ihm Platz,« sprach der König.

Die Menge trat auf die Seite.

Man sah nun, reitend auf einem arabischen Roß, mit rauchenden Nüstern, mit langer Mähne, bebend auf seinen Beinen, die so scharf und spitzig waren, wie eine Stahlklinge, einen Mann von schwarzbrauner Farbe, in einen weißen Burnus gehüllt, erscheinen.

»Der Prinz Don Enrique?« fragte er.

»Ihr wollt sagen der König?« erwiderte Duguesclin.

»Ich kenne keinen andern König, als Don Pedro,« sagte der Araber.

»Das ist Einer, welcher wenigstens keine Ausflüchte macht,« murmelte der Connetable.

»Es ist gut,« sprach der Prinz, »machen wir die Sache kurz; ich bin derjenige, mit welchem Ihr reden wollt.«

Der Bote verbeugte sich, ohne vom Pferd zu steigen.

»Woher kommt Ihr?« fragte Don Enrique.

»Von Burgos.«

»In wessen Auftrag?«

»Im Auftrag von König Don Pedro.«

»Don Pedro ist in Burgos!« rief Enrique.

»Ja, Herr,« erwiderte der Bote.

Enrique und Bertrand wechselten einen Blick.

»Und was wünscht Don Pedro?« fragte der Prinz.

»Den Frieden,« sagte der Araber.

»Oh! oh!« rief Bertrand, in dem die Redlichkeit rascher und lauter sprach, als jedes Interesse.

Enrique faltete die Stirne.

Agenor bebte vor Wohlbehagen; der Friede war die Freiheit, Aissa nachzulaufen, und die Freiheit, sie zu erreichen.

»Und dieser Friede,« fragte Enrique mit zauderndem Tone, »unter welcher Bedingung wird er uns bewilligt werden?«

»Antwortet, gnädigster Herr, daß Ihr ihn wünschet, wie wir,« erwiderte der Abgesandte, »und der König, mein Herr, wird sehr leichte Bedingungen stellen.«

Bertrand hatte indessen an den Auftrag gedacht, den er von König Karl V. erhalten, an den Auftrag der Rache in Beziehung aus Don Pedro und der Zerstörung in Beziehung aus die großen Compagnien.

»Ihr solltet den Frieden nicht annehmen, ohne daß Ihr Eurerseits hinreichend Vortheile errungen habt, um gute Bedingungen verlangen zu können,« sagte er zu Enrique.

»Ich dachte das auch, doch ich erwartete Eure Beistimmung,« sagte rasch Enrique, der bei dem Gedanken, das zu theilen, was er allein haben wollte, zitterte.

»Was antwortet der gnädigste Herr?« fragte der Bote.

»Antwortet für mich, Gras von Borgia,« sagte der König.

»Ich will es, Sire,« erwiderte Bertrand sich verbeugend.

Dann wandte er sich gegen den Boten und sprach:

»Herr Herold, kehrt zu Eurem Gebieter zurück und sagt ihm, wir werden über den Frieden unterhandeln, wenn wir in Burgos seien.«

»In Burgos!« rief der Abgesandte mit einem Ton, der mehr Furcht, als Erstaunen bezeichnete.

»Ja, in Burgos.«

»In dieser Stadt, die der König Don Pedro mit seiner Armee besetzt hält?«

»Ganz richtig,« bemerkte der Connetable.

»Ist das Eure Ansicht, hoher Herr?« fragte der Herold, sich an Enrique von Transtamare wendend.

Der Prinz machte ein bejahendes Zeichen.

»Gott erhalte Euch!« sagte der Abgesandte und bedeckte sich das Haupt mit seinem Mantel.

Dann verbeugte er sich vor dem Prinzen, wie er es bei seiner Ankunft gethan hatte, wandte sein Pferd um und ritt im Schritt durch die Menge weg, welche in ihren Hoffnungen getäuscht, als er vorüberzog, sich stumm und unbeweglich verhielt.

»Reitet schneller, Herr Bote, wenn Ihr nicht wollt, daß wir vor Euch ankommen,« rief ihm Bertrand nach.

Aber ohne den Kopf umzuwenden, ohne daß er nur zu bemerken schien, diese Worte seien an ihn gerichtet gewesen, ließ der Maure sein Pferd allmälig von einem gemäßigten Gang zu einem raschen Schritt und endlich zu einem so eiligen Lauf übergehen, daß man ihn schon oben von den Wällen aus dem Gesicht verloren hatte, als die bretagnische Vorhut aus den Thoren von Calahorra auszog, um gegen Burgos zu marschiren.

Gewisse Neuigkeiten durchfliegen die Lüfte wie die Atome, die der Wind fortwälzt; sie sind ein Hauch, ein Duft, ein Lichtstrahl. Sie berühren, verkündigen, blenden auf dieselbe Entfernung wie der Blitz. Niemand kann die Erscheinung eines Ereignisses erklären, das in einer Entfernung von zwanzig Meilen errathen wird. Die Thatsache, welche wir bezeichnen, hat indessen schon die Kraft der Gewißheit erlangt. Die Wissenschaft, wenn sie dieses Problem ergründet hat, wird sich vielleicht nicht einmal herbeilassen, es zu erklären, und sie wird als ein Ariom das behandeln, was wir ein Geheimniß der menschlichen Organisation nennen.

Immerhin ist gewiß, daß an dem Abend des Tages, wo Don Enrique, den Connetable an seiner Seite, in Calahorra eingezogen war, die Nachricht, daß man Enrique zum König von Castilien, Sevilla und Leon ausgerufen, sich auf Burgos niedersenkte, wo Don Pedro selbst erst seit einer Viertelstunde eingezogen war.

Welcher Adler hatte sie, am Himmel hinziehend, aus seinen Klauen fallen lassen? Niemand konnte es sagen, aber in wenigen Augenblicken war Jedermann davon überzeugt.

Don Pedro allein zweifelte, Mothril brachte ihn zu der Meinung von Jedermann, indem er zu ihm sagte:

»Es ist zu befürchten, daß dies so ist, daß es sein muß, folglich ist es.«

»Aber,« entgegnete Don Pedro, »vorausgesetzt sogar, dieser Bastard sei in Calahorra eingezogen, so ist es darum doch nicht wahrscheinlich, daß man ihn zum König ausgerufen hat.«

»Ist es nicht gestern geschehen, so wird es sicherlich heute geschehen,« erwiderte Mothril.

»Dann marschiren wir ihm entgegen, und bekriegen wir ihn.«

»Nein, bleiben wir, wo wir sind, und machen wir Frieden.«

»Frieden machen!«

»Ja, erkauft ihn sogar, wenn es nothwendig ist.«

»Unglücklicher!« rief Don Pedro wüthend.

»Ein Versprechen,« versetzte Mothril, die Achseln zuckend; »kostet denn das so viel, und Euch besonders, Herr König?«

»Ah! Ah!« machte Don Pedro, der zu begreifen anfing.

»Allerdings« fuhr Mothril fort; »was will Don Enrique? Einen Thron; gebt ihm einen von dem Umfang, der Euch beliebt: Ihr werdet ihn sodann hinabstürzen. Macht Ihr ihn zum König, so wird er Euch, der ihr ihm die Krone aus das Haupt gesetzt habt nicht mehr mißtrauen. Ich frage Euch, ist es denn so vortheilhaft, unabläßig an unbekannten Orten einen Nebenbuhler zu haben, der, wie der Blitz, man weiß nicht wann, man weiß nicht wo herabfallen kann? Weiset Don Enrique ein Königreich zu, schließt es in die Grenzen ein, die Euch bequem sind; macht mit ihm, was man mit dem Stör macht, dem man einen ganzen Fischteich mit tausend Schlupfwinkeln gibt. Man ist sicher, ihn zu finden, wenn man in diesem für ihn bereiteten Bassin auf ihn jagt. Sucht ihn aber im ganzen Meer!«

»Das ist wahr,« sagte Don Pedro immer aufmerksamer.

»Verlangt er Leon von Euch,« fuhr Mothril fort, »so gebt ihm Leon; er wird es nicht sobald angenommen haben, als er zu Euch kommen muß, um Euch zu danken; Ihr werdet ihn dann an Eurer Seite, an Eurem Tisch, an Eurem Arm haben: ein Tag, eine Stunde, zehn Minuten, das ist eine Gelegenheit, die Euch das Glück nie bieten wird, so lange Ihr mit einander Krieg führt. Er ist in Calahorra, sagt man; gebt ihm alles Gebiet, was zwischen Calahorra und Burgos liegt, und Ihr werdet ihm nur um so näher sein.«

Don Pedro begriff Mothril ganz und gar.

»Ja,« murmelte er nachdenkend, »so brachte ich Don Federigo in meine Nähe.

»Ah!« sagte Mothril, »ich glaubte in der That, Ihr hättet das aus dem Gedächtniß verloren.«

»Es ist gut!« sprach Don Pedro, indem er seine Hand aus die Schulter von Mothril fallen ließ, »es ist gut.«

Und der König schickte zu Don Enrique einen von den unermüdlichen Mauren, welche die Tage nach den dreißig Meilen messen, die ihre Pferde zurücklegen.

Mothril schien es nicht zweifelhaft, Enrique würde annehmen, und wäre es nur in der Hoffnung, Don Pedro den zweiten Theil des Reiches zu entreißen, nachdem er den ersten angenommen. Doch man rechnete ohne den Connetable. Als die Antwort von Calahorra ankam, waren auch Don Pedro und seine Räthe ganz bestürzt, einmal, weil sie nicht an die Erwählung des Prätendenten glaubten, und sodann, weil sie die Folgen davon übertrieben.

Don Pedro hatte indessen ein Heer; aber ein Heer ist minder stark, wenn es belagert wird. Er hatte Burgos; aber war die Treue von Burgos ganz sicher?«

Mothril verhehlte Don Pedro nicht, die Einwohner von Burgos gelten für große Liebhaber von Neuigkeiten.

»Wir legen die Stadt in Asche,« sagte Don Pedro.

Mothril schüttelte den Kopf und erwiderte:

»Burgos ist keine von den Städten, die sich ungestraft verbrennen lassen. Es wird zuerst von Christen bewohnt, welche die Mauren hassen, und die Mauren sind Eure Freunde; von Muselmännern, welche die Juden hassen, und die Juden sind Eure Säckelmeister; von Juden endlich, welche die Christen hassen, und Ihr habt eine große Anzahl Christen in Eurem Heer. Diese Leute werden sich unter einander zerfleischen, statt das Heer von Don Enrique zu zerfleischen; sie werden noch mehr thun, jede von den drei Parteien wird die zwei anderen dem Prätendenten ausliefern. Glaubt mir, findet einen Vorwand, um Burgos zu verlassen, Sire, und ich rathe Euch, verlaßt Burgos, ehe man die Kunde von der Erwählung von Don Enrique vernimmt.«

»Verlasse ich Burgos, so ist dies eine für mich verlorene Stadt,« sagte Don Pedro zögernd.

»Nein; wenn Ihr zurückkommt, um Don Enrique zu belagern, so werdet Ihr ihn in derselben Lage finden, in der wir uns heute befinden, und da Ihr anerkennt, daß der Vorteil zu dieser Stunde auf seiner Seite ist, so wird der Vortheil dann auf der Euren sein. Versucht einen Rückzug, Hoheit.«

»Fliehen!« rief Don Pedro, indem er seine geballte Faust zum Himmel erhob.

»Derjenige, welcher zurückkommt, Sire, flieht nicht,« entgegnete Mothril.

Don Pedro zögerte noch; doch der Anblick bewirkte bald, was der Rath nicht bewirken konnte. Er gewahrte wachsende Gruppen auf der Schwelle der Pforten; noch zahlreichere Gruppen auf den Kreuzwegen, und von den Menschen, welche diese Gruppen bildeten, hörte er einen sagen:

»Der König Don Enrique.«

»Mothril,« sprach er, »Du hattest Recht. Ich glaube auch, daß es Zeit ist, aufzubrechen.«

Zehn Minuten nachher verließ der König Don Pedro Burgos gerade in dem Augenblick, wo die Banner von Don Enrique von Transtamare auf dem Gipfel der Berge Asturiens erschienen.

Neunundzwanzigstes Kapitel.
Die Salbung

Die Einwohner von Burgos, welche bei dem Gedanken, zwischen zwei Bewerbern gefaßt zu werden, zitterten und sich in diesem Fall zu Bezahlung der Kriegskosten bestimmt sahen, hatten nicht sobald den Rückzug von Don Pedro wahrgenommen und die Standarten von Don Enrique erkannt, als sie auf der Stelle durch einen leicht begreiflichen Umschlag die heftigsten Parteigänger des neuen Königs wurden.

Wer bei Bürgerkriegen eine auch nur vorübergehende vergleichungsweise Schwäche zeigt, ist sicher, mit einem Schlage einige Stufen tiefer zu fallen, als ihn diese Schwäche selbst stellte. Der Bürgerkrieg ist nicht nur ein Streit von Interessen, es ist ein Kampf der Eigenliebe. Zurückweichen heißt in diesem Fall sich zu Grunde richten. Der von Mothril ertheilte Rath, ein Rath, hervorgehend aus seiner maurischen Natur, bei der die Schätzungen des Muthes ganz von den unsrigen verschieden sind, war also schlimm für die Christen, welche entschieden die höchste Zahl der Bevölkerung von Burgos bildeten.

Die mahometanische und jüdische Bevölkerung schloß sich ihrerseits in der Hoffnung, etwas bei dieser Veränderung zu gewinnen, der christlichen Bevölkerung an, um Don Enrique als König von Castilien, Sevilla und Leon auszurufen, und Don Pedro als des Ranges eines Königs verlustig zu erklären.

Unter dem Lärmen des einstimmigen Zujauchzens begab sich also Don Enrique, geführt vom Bischof von Burgos, in den noch von der Anwesenheit von Don Pedro lauen Palast.

Duguesclin quartierte seine Bretagner in Burgos ein und brachte ringsumher die italienischen und französischen Compagnien unter, welche ihren Verbindlichkeiten treu geblieben waren, als ihn die englischen Compagnien verließen. Auf diese Art bewachte er die Stadt, ohne sie zu belästigen. Ueberdies war die strengste Disciplin eingeführt worden; der geringste Diebstahl sollte bei den Bretagnern mit dem Tod, und bei den Fremden mit der Peitsche bestraft werden. Er begriff, daß diese Eroberung, die sich gutwillig hatte machen lassen, großer Schonung bedurfte, und es dünkte ihm wichtig, daß seine Soldaten von diesen neuen Anhängern an die Sache der Ursurpation freundlich aufgenommen wurden.

»Nun zu den Feierlichkeiten, hoher Herr, wenn's beliebt,« sagte er zu Enrique. »Laßt die Prinzessin Eure Frau holen, welche ungeduldig auf Nachrichten von Euch in Aragonien wartet; man kröne sie als Königin zu gleicher Zeit, da man Euch als König krönen wird. Nichts, ich habe das in Frankreich bemerkt, nichts macht eine so gute Wirkung bei den Ceremonien, als die Frauen und der Goldstoff. Und es werden viele Leute, welche durchaus nicht geneigt sind, Euch zu lieben, und dennoch nichts Anderes wünschen, als Eurem Bruder den Rücken zuzuwenden, in glühendem Eifer für die neue Königin entbrennen, wenn es, wie man sagt, eine von den schönen und anmuthreichen Prinzessinnen der Christenheit ist. Dann,« fügte der Connetable bei, »dann ist dies ein Punkt, über welchen Euer Bruder nicht mit Euch in die Schranken treten kann, da er die seinige getödtet hat. Und wenn man sieht, daß Ihr ein so guter Gatte gegen Juana von Castilien seid, wird ihn Jeder fragen, was er mit Blanche von Bourbon gemacht habe.«

Der König lächelte bei diesen Worten, deren Logik er anerkennen mußte: während sie seinen Geist befriedigten, schmeichelten sie überdies seinem Stolz und seinem Hang zur Prahlerei und zu äußerem Schimmer. Die Königin wurde also nach Burgos berufen.

Die Stadt schmückte sich indessen mit Tapetenwerk, Blumengewinde wurden an den Wänden aufgehängt und die mit Palmen bestreuten Straßen verschwanden unter einem grünen Teppich. Durch das Gepränge des versprochenen Schauspiels angelockt, strömten von' allen Seiten die Castilianer herbei, ohne Waffen, freudig, vielleicht noch unentschlossen, aber mit dem Vorhaben, eine feste Entscheidung von der Wirkung abhängig zu machen, welche auf sie der Glanz der Feierlichkeit und die Freigebigkeit des neuen Gebieters hervorbringen würde.

Als man die Ankunft der Königin signalisirte, stellte sich Duguesclin an die Spitze seiner Bretagner und empfing sie eine Meile von der Stadt.

Es war in der That eine schöne Prinzessin, die Prinzessin Juana von Castilien, und ihre Schönheit erhöhte sich noch durch den Glanz eines prächtigen Schmuckes und einer wahrhaft königlichen Escorte.

Sie saß, wie die Chronik sagt, in einem mit Goldstoff überkleideten und mit Edelsteinen geschmückten Wagen. Die drei Schwestern des Königs begleiteten sie und ihre Ehrendamen folgten ihnen in beinahe eben so prächtigen Equipagen.

Um diese glänzenden Sänften ließen Schaaren von Pagen, funkelnd von Seide, Gold und Juwelen, voll Anmuth herrliche andalusische Renner tanzen und springen, Pferde, deren Race, gekreuzt mit der arabischen Race, Rosse so schnell wie der Wind und so stolz wie die Castilianer selbst gibt.

Die Sonne funkelte auf diesen glänzenden Zug, zugleich ihre Feuerstrahlen auf die Scheiben der Kathedrale heftend und 'den Dampf des egyptischen Weihrauches erwärmend, den die Nonnen in goldenen Fässern verbrannten.

Mit den Christen vermischt, die sich an dem Wege der Königin drängten, bewunderten die Muselmänner, in ihre reichen Kaftans gekleidet, diese so edlen, so schönen Frauen, welche ihre im Hauche des Windes flatternden leichten Schleier vor der Sonne, aber nicht gegen die Blicke beschützten.

Sobald die Königin Duguesclin auf sich zukommen sah, der an seiner goldenen Rüstung und an dem Schwert des Connetable, das ihm ein Knappe auf einem Kissen von blauem Sammet mit goldenen Lilien vorantrug, erkenntlich war, ließ sie die weißen Maulthiere halten, welche ihren Wagen zogen, und stieg hastig von dem Sitz, auf dem sie saß.

Auf ihr Beispiel, und ohne zu wissen, was Juana von Castilien beabsichtigte, stiegen auch die Schwestern des Königs und die Damen ihres Gefolges aus.

Die Königin schritt auf Duguesclin zu, der, als er sie erblickte, von seinem Pferde sprang. Dann verdoppelte sie ihre Schritte, wie die Chronik sagt, und streckte die Arme gegen ihn aus.

Er schnallte sogleich das Visir seines Helmes auf und warf diesen hinter sich. So daß die Königin, wie immer die Chronik sagt, als sie sein Gesicht entblößt sah, sich an seinen Hals hing und ihn, wie es nur eine zärtliche Schwester hätte thun können, umarmte.

»Euch,« rief sie mit einer so tiefgefühlten Erschütterung, daß sie das Herz aller Anwesenden bewegte, »Euch, erhabener Connetable, verdanke ich meine Krone, eine unerwartete Ehre, die meinem Hause zukommt. Empfangt meinen Dank, Ritter: Gott wird Euch würdig belohnen. Ich, was mich betrifft, kann nur Eines thun, das Maß meiner Dankbarkeit der Größe Eures Verdienstes gleich machen.«

Bei diesen Worten und besonders bei dieser für den guten Connetable so ehrenvollen königlichen Umarmung erhob sich ein Schrei der Beistimmung, ein beinahe furchtbarer Schrei durch die große Anzahl der Stimmen, die daran Theil genommen, aus dem Schooße des Volkes und der Armee, begleitet von allgemeinem Beifallklatschen.

»Heil dem guten Connetable!« rief man, »Glück und Heil der Königin Juana von Castilien!«

Die Schwestern des Königs zeigten sich minder enthusiastisch: es waren dies spöttische, boshafte junge Mädchen. Sie schauten den Connetable von der Seite an, und da sie natürlich der Anblick des guten Ritters von dem Ideal, das sie sich von ihm gemacht, zur Wirklichkeit, die sie vor den Augen hatten, zurückrief, so flüsterten sie: »Das ist also der berühmte Krieger . . . was für einen großen Kopf hat er!«

»Ei! seht doch, Gräfin, wie rund seine Schultern sind!« fuhr die zweite von den drei Schwestern fort.

»Und wie krumm seine Beine!« sagte die dritte.

»Ja, aber er hat unsern Bruder zum König erhoben,« versetzte die Aelteste, um dieser für den guten Ritter durchaus nicht vortheilhaften forschenden Betrachtung ein Ende zu machen.

Es ist nicht zu leugnen, die große Seele des erhabenen Ritters, die ihn so viele schöne und edle Dinge hatte vollbringen lassen, befand sich in einem ihrer keineswegs würdigen Model; sein ungeheurer bretagnischer Kopf, so voll von guten Ideen und hochherziger Beharrlichkeit, müßte Jedem gemein vorgekommen sein, der es vernachlässigt hätte, das Feuer, das aus seinen schwarzen Augen sprang, und die Harmonie der in seinen Zügen vereinigten Festigkeit und Sanftmuth wahrzunehmen.

Allerdings hatte er gebogene Beine, aber der gute Ritter hatte so oft für die Ehre Frankreichs sein Pferd bestiegen, daß man ihm, ohne sich gegen die Dankbarkeit zu verfehlen, diese Biegung, die er durch das beständige Reiten seines edlen Rosses angenommen, nicht zum Vorwurf machen konnte.

Wohl hatte ganz richtig die zweite Schwester des Königs die Rundung der Schultern von Duguesclin wahrgenommen, aber mit diesen Schultern waren die muskeligen Arme verbunden, die mit einem Schlag Roß und Reiter im Gefecht niederschmetterten.

Die Menge konnte nicht sagen: Das ist ein schöner Herr; aber sie sagte: Das ist ein furchtbarer Herr.

Nach diesem ersten Austausch von Höflichkeiten und Danksagungen bestieg die Königin ein aragonisches weißes Maulthier, das mit einer goldgestickten Schabracke und einem von Juwelen funkelnden Reitzeug, einem Geschenk der Bürger von Burgos, bedeckt war.

Sie bat Duguesclin, an ihrer Seite zu reiten, und Wählte zur Begleitung der Schwestern des Königs Messire Olivier von Mauney, den Stammler von Villaines und fünfzig andere Ritter, welche zu Fuß neben den Ehrendamen gingen.

So kam man in den Palast; der König wartete unter einem Baldachin von Goldstoff; unsern von ihm war der Graf von Lamarche, der am Morgen erst von Frankreich angekommen. Als er die Königin erblickte, stand er auf; die Königin stieg ihrerseits ab und kniete vor ihm nieder. Der König hob sie auf und sprach, nachdem er sie umarmt hatte, ganz laut die Worte:

»In das Kloster de las Huelgas!«

In diesem Kloster sollte die Krönung stattfinden.

Alle folgten jubelnd dem König und der Königin.

Agenor hatte sich während dieser geräuschvollen Feierlichkeiten mit seinem treuen Musaron In eine entlegene, düstere Wohnung zurückgezogen.

Nur hatte der Letztere, der nicht verliebt, sondern im Gegentheil neugierig und vorwitzig war wie ein gascognischer Knappe, seinen Herrn sich allein einschließen lassen und seinen Rückzug benützt, um die Stadt zu beschauen und allen diesen Feierlichkeiten beizuwohnen. Als er am Abend zu Agenor zurückkehrte, hatte er daher Alles gesehen und wußte Alles, was vorgefallen war.

Er fand Agenor im Garten seiner Wohnung umherschweifend, und begierig, die Neuigkeiten, die er gesammelt, mitzutheilen, sagte er hier seinem Herrn, der Connetable sei nicht mehr allein Graf von Borgia, sondern ehe man sich zu Tische gesetzt, habe sich die Königin vom König eine Gnade erbeten, und da ihr diese Gnade bewilligt worden, habe sie Duguesclin die Grafschaft Transtamare geschenkt.

»Ein schönes Glück,« sagte Agenor zerstreut.

»Das ist noch nicht Alles, edler Herr,« fuhr Musaron, durch diese Antwort zum Sprechen ermuthigt, fort, denn so kurz die Antwort war, so bewies sie ihm doch, daß man ihn gehört hatte.

»Der König fühlte sich bei dieser Bitte der Königin an der Ehre gepackt, und ehe der Connetable sich zu erheben Zeit gehabt hatte, sagte er: »»Messire, die Grafschaft Transtamare ist das Geschenk der Königin; nun aber ist es an mir, Euch mein Geschenk zu machen; ich gebe Euch die Grafschaft Soria.««

»Man überhäuft ihn mit Ehren und Gunstbezeigungen, und das ist nur billig,« sagte Agenor.

»Doch das ist noch nicht Alles,« fuhr Musaron fort, »Jedermann hat seinen Antheil an seiner königlichen Freigebigkeit bekommen.«

Agenor lächelte bei dem Gedanken, daß man ihn vergessen, ihn, der in seiner untergeordneten Stellung Don Enrique doch auch einige Dienste geleistet hatte.

»Jedermann?« versetzte er; »wie so?«

»Ja, hoher Herr, die Kapitäne, die Officiere, und sogar die Soldaten. Wahrlich, ich höre nicht auf zwei Fragen an mich zu richten, einmal: ist Spanien groß genug, um Alles zu enthalten, was der König verschenkt? sodann: werden diese Leute stark genug sein, um wegzutragen, was man ihnen geschenkt hat?«

Aber Agenor hörte schon nicht mehr, und Musaron erwartete vergebens eine Antwort auf seinen Scherz. Mittlerweile war es Nacht geworden, und an einen von den Balcons angelehnt, deren Oeffnungen mit Blättern und Blumen gefüllt sind, die sich an den marmornen Pfeilern hinranken und ein Gewölbe über den Fenstern bilden, horchte Agenor auf den entfernten Lärmen und die Geräusche des Festes, die um ihn her erloschen. Zu gleicher Zeit erfrischte der Abendwind seine Stirne voll glühender Gedanken, und der scharfe Geruch der Myrthen und Jasmine erinnerte ihn an die Gärten des Alcazar von Sevilla und von Ernauton in Bordeaux. Alle diese Erinnerungen hatten ihn von der Erzählung von Musaron abgezogen.

Musaron, der den Geist seines Herrn nach den Umständen zu behandeln wußte, was immer eine leichte Aufgabe für diejenigen ist, welche uns lieben und unsere Geheimnisse kennen, wählte, um diesen Geist zu sich zurückzuführen, einen Gegenstand, von dem er glaubte, er müsse ihn unfehlbar seiner Träumerei entziehen.

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
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800 s. 1 illüstrasyon
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