Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 23
»Wißt Ihr, « sagte er, »wißt Ihr, edler Herr Agenor, daß alle diese Feste nur das Vorspiel des Krieges sind, und daß ein großer Zug gegen Don Pedro auf die heutige Feierlichkeit folgen wird, um das Land demjenigen zu geben, welcher die Krone genommen hat?«
»Wohl,« erwiderte Agenor, »es sei! wir werden diesen Zug mitmachen.«
»Man hat weit zu gehen, Messire.«
»Nun, so werden wir weit gehen.«
»Dort, (Musaron deutete mit der Hand auf den unermeßlichen Raum), dort will Messire Bertrand die Knochen aller Compagnien vermodern lassen, wie Ihr wißt.«
»Wohl! dann werden unsere Knochen in Gesellschaft vermodern, Musaron.«
»Das ist allerdings eine Ehre für mich, gnädiger Herr, doch . . . «
»Was?«
»Man hat Recht, wenn man sagt, der Herr sei der Herr und der Diener der Diener, nämlich eine arme Maschine.«
»Warum dies, Musaron?« fragte Agenor, endlich berührt von dem kläglichen Tone, den sein Knappe absichtlich angenommen hatte.
»Wir sind wesentlich von einander verschieden: Ihr seid ein edler Ritter.
Ihr dient Eurem Herrn der Ehre wegen, wie es scheint; aber ich . . . «
»Du . . .?«
»Ich diene Euch auch zuerst der Ehre wegen und sodann, um des Vergnügens Eurer Gesellschaft theilhaftig zu sein, endlich aber, um einen Lohn zu beziehen.«
»Ich auch, ich habe auch meinen Lohn,« erwiderte Agenor mit einer gewissen Bitterkeit.
»Hast Du nicht neulich gesehen, daß mir Messire Bertrand hundert Goldthaler im Auftrag des Königs, des neuen Königs, brachte?«
»Ich weiß es. Messire.«
»Hast Du nicht von diesen hundert Thalern Deinen Antheil bekommen?«
»Und zwar einen guten Antheil, da ich Alles bekommen habe.«
»Du siehst also, daß ich auch meinen Lohn habe, da Du es bist, der ihn bezieht.«
»Ja; aber darauf wollte ich gerade kommen, nämlich, daß Ihr nicht nach Euren Verdiensten bezahlt seid. Hundert Goldthaler! ich könnte dreißig Officiere anführen, welche fünfhundert erhalten haben und obendrein vom König zu Baronen oder Bannerherren, oder sogar zu Seneschallen seines Hauses gemacht worden sind.«
»Damit willst Du sagen, der König habe mich vergessen, nicht wahr?«
»Durchaus.«
»Desto besser, Musaron, desto besser; ich habe es gern, wenn mich die Könige vergessen; während dieser Zeit fügen sie mir wenigstens nichts Schlimmes zu.«
»Ah! gnädiger Herr, wollt Ihr mich glauben machen, Ihr seid glücklich, Euch in diesem Garten langweilen zu dürfen, während die Anderen dort ihre goldenen Becher an einander stoßen und den Damen ihr süßes Lächeln zurückgeben!«
»Es ist dennoch so, Meister Musaron,« erwiderte Agenor. »Wenn ich es Dir sage, so bitte ich Dich, es auch zu glauben. Ich habe mich allein unter diesen Myrthen, allein mit meinem Gedanken besser unterhalten, als sich hundert Ritter, die sich im königlichen Palast mit Xeres-Wein berauschen, unterhalten haben mögen.«
»Das ist nicht natürlich.«
»Es ist dennoch so.«
Den Kopf schüttelnd erwiderte Musaron:
»Ich hätte Eure Gnaden bei Tisch bedient, und es ist schmeichelhaft, wenn man in seine Heimath zurückkehrt, sagen zu können: »»Ich habe meinen Herrn bei dem Festmahl bedient, das bei der Krönung von König Enrique von Transtamare stattgefunden hat.««
Agenor schüttelte ebenfalls den Kopf mit einem schwermüthigen Lächeln und sagte:
»Du bist der Knappe eines armen Abenteurers, Meister Musaron: sei zufrieden, daß Du lebst, es dient zum Beweis, daß Du nicht Hungers gestorben bist, was uns wohl hätte geschehen können, was so vielen Anderen geschehen ist. Diese hundert Goldthaler überdies . . .«
»Allerdings habe ich diese hundert Goldthaler, doch ich gebe sie aus, ich werde sie nicht mehr haben, und womit werden wir sodann leben? Womit werden wir die Salben und die Doctoren bezahlen, wenn wir durch Euren schönen Eifer für Don Enrique an Quetschungen und Wunden aller Art leiden?«
»Du bist ein braver Diener, Musaron, und Deine Gesundheit ist mir theuer,« sagte Agenor lachend. »Ruhe also aus, Musaron, es ist spät, und laß mich auf meine Weise mich mit meinen Gedanken unterhalten. Gehe, und morgen wirst Du wieder mehr geneigt sein, den Harnisch anzulegen.«
Musaron gehorchte. Er entfernte sich, duckmäuserisch lachend, denn er glaubte ein wenig Ehrgeiz in dem Herzen seines Herrn erweckt zu haben, und hoffte, dieser Ehrgeiz wurde seine Früchte tragen.
Doch dem war nicht so. Ganz von seinen Liebesgedanken eingenommen, kümmerte sich Agenor in Wirklichkeit weder um Herzogthümer, noch um Schätze. Er litt an jenem schmerzlichen Heimweh, das in uns, wie nach einem zweiten Vaterland, eine Sehnsucht nach jedem Land hinterläßt, in welchem wir glücklich gewesen sind.
Er sehnte sich also nach den Gärten des Alcazars und von Bordeaux.
Und dennoch, wie ein Lichtstreifen am Himmel bleibt, wenn die Sonne schon verschwunden ist, so war eine Spur von den Worten von Musaron in seinem Geist selbst nach dem Abgang des Knappen zurückgeblieben.
»Ich,« sagte er, »ich ein reicher Herr, ein mächtiger Kapitän werden! Nein, ich ahne nichts dergleichen in meinem Geschick. Ich habe nur Neigung, Kräfte und Eifer, ein Glück zu erobern. Was ist mir daran gelegen, daß man mich bei der Auftheilung der königlichen Gnaden vergißt? Die Könige sind alle undankbar; was liegt mir daran, daß der Connetable mich nicht zu dem Feste eingeladen und unter den Kapitänen ausgezeichnet hat? Die Menschen sind vergeßlich und ungerecht. Im Ganzen genommen,« fügte er bei . . .»wenn ich ihrer Vergeßlichkeit und ihrer Ungerechtigkeit müde bin, so bitte ich um meinen Abschied.«
»Das ist Alles schön und gut!« rief eine Stimme, ganz nahe bei Agenor, der bebend und fast erschrocken zurückwich, »Alles schön! junger Mann, doch wir bedürfen Eurer.«
Agenor wandte sich um und sah zwei Männer in dunkle Mäntel gehüllt unter dem grünen Gesträuche erscheinen, wo er sich allein glaubte, da er, ganz von seinen Gedanken in Anspruch genommen, das Geräusch, das ihre Tritte auf dem Sande machten, nicht gehört hatte.
Derjenige, welcher gesprochen, kam auf Mauléon zu und berührte seinen Arm.
»Der Connetable,« murmelte der junge Mann.
»Welcher Euch durch seine Gegenwart beweisen will, daß er Euch nicht vergaß,« sagte Bertrand.
»Ihr seid auch nicht der König,« entgegnete Mauléon.
»Es ist wahr, der Connetable ist nicht der König,« sprach die zweite Person, »doch ich bin es, Graf, und ich erinnere mich auch, daß ich Euch theilweise meine Krone zu verdanken habe.«
Agenor erkannte Don Enrique.
»Hoher Herr,« stammelte er ganz verwirrt, »ich bitte, verzeiht mir.«
»Es ist Euch Alles verziehen, Messire,« erwiderte der König; »nur, da Ihr nicht an den Belohnungen der Anderen Theil genommen habt, sollt Ihr etwas Besseres bekommen, als den Andern geworden ist.
« »Nichts, Sire, nichts!« sagte Mauléon, »ich will nichts, denn man würde glauben, ich habe gebeten.«
Don Enrique lächelte und sprach:
»Beruhigt Euch, Ritter, man wird das nicht sagen, dafür stehe ich Euch, denn wenige Menschen würden verlangen, was ich Euch anbieten will. Die Sendung ist voll Gefahr, doch sie ist zugleich so ehrenvoll, daß sie die ganze Christenheit nöthigen wird, die Augen auf Euch zu werfen. Edler Herr von Mauléon, Ihr sollt mein Botschafter sein, und ich bin König.«
»Oh! Hoheit, ich war weit entfernt, eine solche Ehre zu erwarten.«
»Keine Bescheidenheit, junger Mann,« sagte Bertrand; »der König wollte Anfangs mich dahin schicken, wohin Ihr geht, aber er bedachte, daß man meiner zu Anführung der Compagnons bedürfen könnte, und diese Leute sind gar schwer zu führen, das schwöre ich Euch. Ich sprach mit Seiner Hoheit gerade in dem Augenblick, wo Ihr uns beschuldigtet, Ihr würdet von uns vergessen, von Euch als einem beredten, festen Mann, der die spanische Sprache gründlich inne habe. Als Bearner seid Ihr in der That halb ein Spanier. Aber die Sendung ist, wie der König sagte, gefährlich; es handelt sich darum, Don Pedro aufzusuchen.«
»Don Pedro!« rief Agenor ganz entzückt vor Freude.
»Ah! ah! das gefällt Euch, Ritter, wie ich sehe,« sagte Don Enrique.
Agenor fühlte daß ihn die Freude unbescheiden machte; er bemeisterte sich und erwiderte:
»Ja, Sire, das gefällt mir, denn ich sehe darin eine Gelegenheit, Eurer Hoheit zu dienen.«
»Ihr werdet mir in der That dienen, und dies sehr; doch ich sage Euch zum Voraus, mein edler Bote, mit Gefahr Eures Lebens.«
»Befehlt, Sire.«
»Ihr müßt,« fuhr der König fort, »Ihr mußt die ganze Ebene von Segovia durchziehen, wo sich Don Pedro in diesem Augenblick aufhält. Zur Beglaubigung gebe ich Euch ein Juwel, das von unserem Bruder kommt und sicherlich von Don Pedro erkannt werden wird. Doch bedenkt wohl, was ich Euch sage, ehe Ihr den Auftrag annehmt, Ritter.«
»Sprecht, Sire.«
»Es wird Such eingeschärft, wenn man Euch unter Weges angreift, gefangen nimmt, mit dem Tod bedroht, den Zweck Eurer Sendung nicht zu verrathen; Ihr würdet unsere Parteigänger zu sehr entmuthigen, wenn sie erführen, daß ich mitten aus meinem großen Glück meinem Feinde Versöhnungsvorschläge gemacht habe.«
»Versöhnungsvorschläge!« rief Agenor erstaunt.
»Der Connetable will es.«
»Sire, ich will nie, ich bitte,« entgegnete der Connetable. »Ich habe Eure Hoheit gebeten, vor den Augen des Herrn die Wichtigkeit eines Krieges, wie Ihr ihn führt, alles Ernstes zu erwägen. Es ist nicht Alles, daß man die Könige der Erde bei einem solchen Fall für sich hat, mau muß auch den König des Himmels haben. Es ist wahr, ich verfehle mich gegen meine Instructionen, indem ich Euch zum Frieden ermahne. Doch König Karl V. selbst wird in seiner Weisheit mein Benehmen billigen, wenn ich ihm sage: »»Herr König, es waren zwei demselben Vater entsprossene Kinder, zwei Brüder, die da sie das Schwert gegen einander gezogen, sich eines Tags begegnen und gegenseitig erwürgen konnten. Herr König, soll Gott einem Bruder verzeihen, daß er das Schwert gegen seinen Bruder zieht, so muß derjenige, welcher wünscht, daß ihm Gott vergeben möge, alle Rechte aus seine Seite gebracht haben. «« Don Pedro hat Euch den Frieden angetragen, Ihr habt ihn ausgeschlagen, denn wenn Ihr ihn angenommen, hätte man glauben können, Ihr fürchtet Euch; nun, da Ihr Sieger, da Ihr gesalbt, da Ihr König seid, bietet ihm den Frieden an, und man wird sagen, Ihr seid ein großmüthiger Fürst ohne Ehrgeiz, nur ein Freund der Gerechtigkeit; und der Theil der Staaten, den Ihr jetzt verlieren werdet, wird Euch bald durch den freien Willen Eurer Unterthanen zufallen. Weigert er sich, nun wohl! dann gehen wir weiter, Ihr habt Euch nichts mehr vorzuwerfen und er hat sich selbst seinem Verderben geweiht.«
»Ja,« erwiderte Enrique seufzend; »doch werde ich die Gelegenheit, ihm den Untergang zu bereiten, wieder finden?«
»Hoheit, was ich gesagt habe, habe ich gesagt, und ich habe nach meinem Gewissen gesprochen. Ein Mann, der den rechten Pfad gehen will, darf sich nicht sagen, dieser Pfad wäre vielleicht auch der rechte gewesen, wenn man Umwege gemacht hätte.«
»Es sei also!« sprach der König, der, wenigstens scheinbar, seinen Entschluß faßte.
»Eure Majestät ist nun überzeugt?« sagte Bertrand.
»Ja, ohne Umkehr.«
»Und ohne Bedauern?«
»Oh! oh!« rief Enrique, »Ihr fragt mich zu viel, Herr Connetable. Ich gebe Euch Vollmacht, den Frieden für mich zu schließen, verlangt nicht mehr.«
»Dann erlaubt, Sire, daß ich dem Ritter seine Instruction gebe, so wie wir sie verabredet haben.«
»Macht Euch nicht die Mühe,« unterbrach ihn rasch der König, »ich werde dies Alles dem Grafen auseinandersetzen, und überdies,« fügte er leise bei, »überdies wißt Ihr, was ich ihm zu übergeben habe.«
»Sehr gut, Sire,« sprach Bertrand, bei dem der Eifer, mit welchem ihn der König zu entfernen suchte, keinen Verdacht erregte.
Und er entfernte sich wirklich. Doch er hatte den Fuß noch nicht auf die Schwelle gesetzt, als er wieder umkehrte und zum König sagte:
»Ihr erinnert Euch, Sire, ein guter Friede, die Hälfte des Königreichs, wenn es sein muß, ganz brüderliche Bedingungen! Ein sehr kluges, sehr christliches Manifest, nichts für den Stolz Herausforderndes.«
»Ja, gewiß,« sprach der König unwillkührlich erröthend, »seid von meinen Absichten überzeugt, Connetable.«
Bertrand glaubte in seinen Ermahnungen nicht weiter gehen zu müssen. Sein Mißtrauen schien indessen einen Augenblick erweckt worden zu sein; doch der König entließ ihn mit einem so freundlichen Lächeln, daß dieses Mißtrauen wieder entschlummerte.
Der König folgte Bertrand mit den Augen.
»Ritter,« sagte er zu Mauléon, sobald der Connetable sich unter den Bäumen verloren hatte, »hier ist der Juwel, der Euch bei Don Pedro beglaubigen soll; doch die Worte, die der Connetable gesprochen, müssen aus Eurem Gedächtniß verschwinden, damit die meinigen sich darin tief einprägen.«
Agenor bedeutete durch ein Zeichen, daß er höre.
»Ich verspreche Don Pedro den Frieden,« fuhr Enrique fort, »ich überlasse ihm die Hälfte von Spanien, von Madrid bis Cadix; ich bleibe sein Bruder und Verbündeter, doch unter einer Bedingung.«
Agenor hob den Kopf in die Höhe, mehr noch erstaunt über den Ton, als über die Worte des Prinzen.
»Ja,« sprach Enrique, »was auch der Connetable sagen mag, ich wiederhole, unter einer Bedingung. Ihr scheint erstaunt, Mauléon, daß ich etwas vor dem guten Ritter verberge. Hört: der Connetable ist ein Bretagner, ein in seiner Redlichkeit halsstarriger Mann; aber schlecht darüber unterrichtet, wie wenig die Eide in Spanien gelten, in einem Land, wo die Leidenschaft die Herzen glühender durchflammt, als es die Sonne mit dem Boden thut. Er kann also nicht wissen, in welchem Grade Don Pedro mich haßt. Der rechtschaffene Bretagner vergißt, daß Don Pedro meinen Bruder Don Federigo durch Verrath getödtet und die Schwester seines Herrn ohne Urtheil erdrosselt hat. Er bildet sich ein, es werde hier, wie in Frankreich, der Krieg auf Schlachtfeldern geführt. König Karl, der ihm Don Pedro zu vertilgen befohlen hat, kennt das besser, und sein Genie hat mir die Befehle eingegeben, die ich Euch ertheile.«
Agenor verbeugte sich, in der Tiefe seiner Seele erschrocken über diese königlichen Geständnisse.
»Ihr geht also zu Don Pedro,« fuhr der König fort, »und versprecht ihm in meinem Namen, was ich Euch gesagt habe, wogegen mir der Maure Mothril und zwölf angesehene Männer seines Hofs, deren Namen auf diesem Pergament stehen, mit ihren Familien und ihrer Habe als Geißeln übergeben werden müssen.«
Agenor bebte. Der König hatte gesagt, zwölf angesehene Männer mit ihren Familien; kam Mothril an den Hof von König Enrique, so mußte er also mit Aissa kommen.
»In welchem Fall Ihr sie mir bringen werdet,« fuhr der König fort.
Ein Schauer der Freude durchlief die Adern von Agenor, was Enrique nicht entging; doch dieser täuschte sich in der Bedeutung.
»Ihr erschreckt,« sagte Enrique, »seid unbesorgt; Ihr denkt, mitten unter diesen Ungläubigen sei Euer: Leben großen Gefahren auf dem Wege preisgegeben, Nein, die Gefahr ist meiner Ansicht nach nicht groß; eilt bis zum Duero, und sobald Ihr über den Fluß gesetzt seid, findet Ihr diesseits eine Escorte, die Euch vor jeder Beleidigung schützen und mir den Besitz der Geißeln sichern wird.«
»Sire, Eure Hoheit hat sich getäuscht,« entgegnete Mauléon; »es ist nicht die Furcht, was mich beben gemacht hat.«
»Was ist es denn?« fragte der König.
»Die Ungeduld, für Euren Dienst in's Feld zu rücken; ich wollte, ich wäre schon aufgebrochen.«
»Ihr seid ein braver Rittersmann,« rief Enrique, »ein edles Herz, und Ihr werdet es weit bringen, sage ich Euch, wenn Ihr Euch offen und treu meinem Glück anschließen wollt.«
»Ah! Hoheit, Ihr belohnt mich schon mehr, als ich verdiene.«
»Ihr werdet also gehen?«
»Auf der Stelle.«
»Geht. Hier sind drei Diamanten, die man die Weisen aus dem Morgenland nennt, jeder derselben ist tausend Goldthaler für Juden werth, und es fehlt in Spanien nicht an Juden. Hier sind auch noch tausend Thaler, doch nur für das Felleisen Eures Knappen.«
»Hoheit, Ihr seid allzu gnädig,« sprach Mauléon.
»Bei Eurer Rückkehr,« fuhr Don Enrique fort, »mache ich Euch zum Bannerherrn eines Paniers von hundert Lanzen die ich auf meine Kosten ausrüste.«
»Oh! Kein Wort mehr, Sire, ich bitte Euch.«
»Aber versprecht mir dem Connetable die Bedingungen nicht zu sagen, die ich meinem Bruder auferlege.«
»Oh! fürchtet nichts, Sire, er würde sich diesen Bedingungen widersetzen, und ich will ebenso wenig als Ihr, daß er sich widersetzt.«
»Ich danke, Ritter,« sprach Enrique; »Ihr seid mehr als brav, Ihr seid einsichtsvoll.«
»Ich bin verliebt.« murmelte Mauléon in seinem Innern, »und man sagt, die Liebe verleihe alle Eigenschaften.«
Der König kehrte zu Duguesclin zurück.
Während dieser Zeit weckte Agenor seinen Knappen, und zwei Stunden nachher trabten bei einem schönen Mondschein Herr und Knappe auf der Straße nach Segovia.
Dreißigstes Kapitel.
Wie Don Pedro bei seiner Rückkehr die Sänfte bemerkte, und was daraus erfolgte
Indessen hatte Don Pedro, in der Tiefe seines Herzens einen bitteren Schmerz mit sich tragend, Segovia erreicht.
Die ersten Angriffe, die sein zehnjähriges Königthum erlitten, waren empfindlicher für ihn gewesen, als die Niederlagen in den Schlachten und die Verräthereien seiner besten Freunde, die er später zu erfahren hatte. Ihm, der bei Tag und bei Nacht umherschwärmte, der in Sevilla zu jeder Stunde ohne eine andere Wache, als sein Schwert, ohne eine andere Bekleidung, als seinen Mantel, auszugehen pflegte, kam es vor, als hieße Spanien vorsichtig durchziehen die Flucht ergreifen, und als wäre ein König, der nun ein einziges Mal über seine Unverletzlichkeit unterhandelt, verloren.
Doch dem antiken Genius ähnlich, der den Haß in das Herz von Achilles blies, galoppirte, wenn er seinen Lauf beschleunigte, hielt, wenn er langsamer ritt, Mothril, der wahre Geist des Hasses und der Wuth, der unabläßige Rath der Bitterkeit, der ihm die kostbar herben Früchte der Rache bot, Mothril, stets fruchtbar, um das Böse zu ersinnen und der Gefahr zu entfliehen, Mothril, dessen unversiegbare Beredtsamkeit, gleichsam aus den unbekannten Schätzen des Orients schöpfend, diesem flüchtigen König mehr Schätze, mehr Hilfsquellen, mehr Macht zeigte, als er sich in seinen schönsten Tagen geträumt hatte.
Durch ihn verging die staubige, lange Straße wie das Band, das die Spinnerin aufrollt. Mothril, der Mann der Wüste, wußte am vollen Mittag die unter den Eichen und Platanen verborgene Quelle zu finden. Mothril wußte, wenn sie durch die Städte zogen, für Don Pedro einige Freudenschreie, einige Kundgebungen der Treue, die letzten Reflexe des sterbenden Königthums, hervorzurufen.
»Man liebt mich also noch,« sagte der König, »oder man fürchtet mich noch, was vielleicht besser ist.«
»Werdet wieder wahrhaft König, und Ihr sollt sehen, ob man Euch nicht anbetet, oder ob man nicht vor Euch zittert,« erwiderte Mothril mit einer unmerklichen Ironie.
Mitten unter diesen Befürchtungen und Hoffnungen, unter diesen Fragen von Don Pedro bemerkte Mothril Eines mit Freuden: dies war das völlige Stillschweigen des Königs in Beziehung auf Maria Padilla. Diese Zauberin, welche anwesend einen so großen Einfluß ausübte, daß man ihre Macht der Magie zuschrieb, schien abwesend nicht nur aus seinem Herzen verbannt, sondern auch von seiner Erinnerung vergessen. Don Pedro, eine glühende Phantasie, ein launenhafter König, ein Mann des Süden, das heißt, ein leidenschaftlicher Mensch in der vollen Bedeutung des Wortes war seit dem Ansang der Reise mit Mothril dem Einfluß eines ganz andern Gedankens unterworfen: diese beständig von Bordeaux bis Vittoria geschlossene Sänfte; diese von Mothril fortgerissene, durch das Gebirge fliehende Frau, deren Schleier, einige Male durch den Wind ausgehoben, eine von jenen bewundernswürdigen Peris des Orients mit den Sammetaugen, mit den blauschwarzen Haaren, mit der matten, harmonischen Gesichtshaut hatte erschauen lassen; dieser Ton der Guzla, welche in der Finsternis, mit Liebe wachte, während Don Pedro voll Angst wachte, dies Alles hatte allmälig aus Don Pedro das Andenken an Maria Padilla verdrängt, und es war noch weniger die Entfernung, was der abwesenden Geliebten Eintrag that, als die Gegenwart dieses unbekannten und geheimnißvollen Wesens, das Don Pedro mit seiner schmückenden und exaltirten Einbildungskraft für einen Mothril, einem noch mächtigeren Zauberer, unterworfenen Genius zu halten geneigt schien.
So kam man nach Segovia, ohne daß sich ein ernstliches Hinderniß dem Marsche des Königs widersetzte. Hier hatte sich nichts verändert. Der König fand Alles, wie er es verlassen: Einen Thron in einem Palast, Bogenschützen in einer guten Stadt, ehrerbietige Unterthanen um die Bogenschützen.
Der König athmete.
Am Tage nach seiner Ankunft signalisirie man eine beträchtliche Truppe; dies war Caverley mit seinen Gefährten, welche, getreu den ihrem Fürsten geleisteten Schwüren, mit jener Nationalität, welche stets Englands Stärke war, ankamen, um sich mit den Verbündeten des schwarzen Prinzen, der selbst von Don Pedro erwartet wurde, zu vereinigen.
Schon am Tage zuvor war man mit einem beträchtlichen Corps von Granadiern, von Andalusiern und Mauren zusammengetroffen, die dem König zu Hilfe eilten.
Bald traf ein Emissär des Prinzen von Wales ein, dieses ewigen und unermüdlichen Feindes des französischen Namens, den Johann und Karl V. während ihrer zwei Regierungen überall trafen, wo Frankreich eine Niederlage zu erleiden hatte; dieser Emissär brachte sehr erfreuliche Nachrichten für den König Don Pedro.
Der schwarze Prinz hatte ein Heer in Auch versammelt und war seit zwölf Tagen mit diesem Heer auf dem Marsch; aus der Mitte von Navarra, einer verbündeten Provinz, die der englische Prinz der Sache von Don Enrique abspänstig gemacht, hatte er diesen Emissär an König Don Pedro abgesandt, um ihm seine nahe bevorstehende Ankunft verkündigen zu lassen.
Durch die Proclamation von Enrique von Transtamare einen Augenblick erschüttert, befestigte sich also der Thron von Don Pedro immer mehr. Und je mehr er sich befestigte, desto mehr liefen von allen Seiten jene unerschütterlichen Parteigänger der Macht herbei, gute Leute, die sich schon anschickten, gen Burgos zu marschiren, als sie erfuhren, es sei noch nicht Zeit, sich auf den Weg zu begeben, und sie könnten wohl, wenn sie sich zu sehr beeilten, einen schlecht entthronten König hinter sich lassen.
Mit diesen immer zahlreichen Banden verband sich die minder compacte, aber besser gewählte Gruppe der Getreuen, der Reinen, der Herzen so durchsichtig und fest wie Diamant, für welche der gesalbte König König bleibt, bis er stirbt, in Betracht, daß sie sich am Tag, wo sie Ihrem König Treue geschworen, zu Sklaven ihres Eides gemacht haben. Diese Leute können unter ihrem Fürsten leiden, sie können ihn fürchten, sie können sogar den Menschen im Regenten hassen; aber sie warten geduldig und redlich, bis Gott sie ihres Eides dadurch entbindet, daß er seinen Auserwählten zu sich ruft.
Diese redlichen Menschen sind in allen Zeiten und in allen Epochen leicht zu erkennen. Sie haben einen minder schönen Anschein, als die Anderen, sie sprechen mit weniger Emphase, und, nachdem sie demüthig und ehrfurchtsvoll den wieder auf seinen Thron gesetzten König begrüßt haben, treten sie an der Spitze ihrer Vasallen beiseit und warten auf die Stunde, sich für diesen lebendigen Grundsatz tödten zu lassen.
Das Einzige, was etwas Kälte dem Empfang beimischte, den diese getreuen Diener Don Pedro bereiteten, war die Gegenwart der Mauren, welche mächtiger als je beim König zu sein schienen.
Diese kriegerische Race von Saracenen schwärmte in Haufen um Mothril, wie die Bienen um den Korb, der ihre Königin enthält. Sie fühlten, daß es der gewandte und verwegene Maure war, der sie neben diesem verwegenen und gewandten König festhielt; sie bildeten auch ein furchtbares Heer, und da sie, begünstigt durch die Bürgerkriege, Alles zu gewinnen hatten, so liefen sie mit einer Begeisterung und einem Eifer herbei, den die christlichen Unterthanen in einer stummen Unthätigkeit bewunderten und beneideten.
Don Pedro fand wieder Gold in den öffentlichen Kassen; er umgab sich alsbald mit jenem zauberhaften Prunk, der die Herzen durch die Blicke, den Ehrgeiz durch das Interesse erfaßt. Da der Prinz von Wales bald seinen Einzug in Segovia halten sollte, so beschloß man, prachtvolle Feste zu feiern, welche, durch ihren Glanz die ephemere Herrlichkeit der Salbung von Enrique verdunkelnd, dem Volk das Vertrauen wiedergeben und es zu dem Bekenntniß, nur derjenige, welcher am meisten besitze und ausgebe, sei der einzige und wahre König, bewegen würden.
Mittlerweile verfolgte Mothril den seit langer Zeit von ihm entworfenen Plan, der ihm Don Pedro, welchen er schon durch den Geist fesselte, auch durch die Sinne überliefern sollte. Jede Nacht erklang die Guzla von Aissa, und da bei ihr, als einer ächten Tochter des Orients, alle Lieder Liebeslieder waren, so umschmeichelten ihre Töne, von der Luft fortgetragen, den Prinzen in seiner Einsamkeit und brachten seinem Im Fieber brennenden Blut jene zauberhafte Wollust, den vorübergehenden Schlummer der unermüdlichen Organisationen des Süden.
Mothril erwartete jeden Tag ein Wort von Don Pedro, das ihm das Vorhandensein dieser geheimen Gluth, die er in ihm brennen suhlte, enthüllen würde; aber er wartete vergebens auf dieses Wort.
Eines Tags jedoch sagte Don Pedro ungestüm, ohne Vorbereitung, als ob es einer heftigen Anstrengung für ihn bedurft hätte, um das Band zu zerreißen, das seine Zunge fesselte:
»Nun, Mothril, keine Nachrichten aus Sevilla?«
Dieses Wort offenbarte die ganze Unruhe von Don Pedro, Das Wort Sevilla bedeutete Maria Padilla.
Mothril bebte; an demselben Tag hatte er auf der Straße von Toledo nach Segovia einen mit einem Brief von Maria Padilla an den König beauftragten nubischen Sklaven festnehmen und in die Adaja werfen lassen.
»Nein, Sire,« erwiderte er.
Don Pedro versank in eine tiefe Träumerei. Dann ganz laut die Stimme beantwortend, die ganz leise zu ihm sprach, sagte Don Pedro:
»Es ist also aus dem Geiste der Frau die verzehrende Leidenschaft verschwunden, der ich Bruder, Gemahlin, Ehre und Krone opfern mußte, denn die Krone, wer hat sie mir vom Kopfe gerissen? nicht der Bastard Don Enrique, auch nicht der Connetable.«
Don Pedro machte eine Geberde der Drohung, welche Duguesclin nichts Gutes versprach, sollte ihn sein Unstern je in die Hände von Don Pedro gerathen lassen.
Mothril folgte dem König nicht nach dieser Seite; es war ein anderes Ziel, nach dem sich sein Blick richtete,
»Dona Maria,« sprach er, »wollte vor Allem Königin sein, und da man in Sevilla glauben kann, Eure Hoheit sei nicht mehr König. . . «
»Du hast mir das schon gesagt, Mothril, und ich habe Die nicht geglaubt.«
»Ich wiederhole es Euch, Sire, und Ihr fangt an mir zu glauben. Ich habe es Euch schon gesagt, als Ihr mir den Befehl ertheiltet, den unglücklichen Don Federigo von Coimbra herbeizuschaffen.«
»Mothril!«
»Ihr wißt, mit welcher Langsamkeit, ich möchte sagen, mit welchem Widerstreben ich diesen Befehl vollzog.«
»Schweige, Mothril, schweige!« rief Don Pedro.
»Eure Ehre, mein König, war jedoch sehr gefährdet.«
»Ja, allerdings, doch man darf dieses Verbrechen nicht Maria Padilla zuschreiben; sie, die Schändlichen, sind daran Schuld.«
»Gewiß; doch ohne Maria Padilla hättet Ihr nichts erfahren, denn ich schwieg, dies geschah aber nicht aus Unwissenheit.«
»Sie liebt mich also, da sie eifersüchtig war?«
»Ihr seid König, und beim Tod der unglücklichen Bianca konnte sie Königin werden. Uebrigens ist man eifersüchtig, ohne zu lieben. Ihr waret eifersüchtig aus Dona Bianca. . . liebtet Ihr sie, Sire?«
In diesem Augenblick, als wären die von Mothril gesprochenen Worte ein verabredetes Zeichen gewesen, vernahm man die Töne der Guzla, und zu weit entfernt, um verstanden zu werden, klangen die Worte von Aissa wie ein harmonisches Gemurmel an das Ohr von Don Pedro.
»Aissa,« flüsterte der König, »singt nicht Aissa?«
»Ich glaube, ja, gnädigster Herr,« antwortete Mothril.
»Deine Tochter, oder deine Lieblingssklavin, nicht wahr?« fragte Don Pedro zerstreut.
Mothril schüttelte lächelnd den Kopf und erwiderte:
»O nein! vor einer Tochter kniet man nicht nieder, Sire; vor einer um Gold erkauften Sklavin faltet ein vernünftiger und alter Mann nicht die Hände.«
»Wer ist es denn?« rief Don Pedro, dessen Gedanken, insgesamt einen Augenblick bei dem geheimnißvollen Mädchen zusammengedrängt, ihren Damm durchbrachen. »Du treibst Dein Spiel mit mir, verdammter Maure, oder Du brennst mich nach Herzenslust mit einem glühenden Eisen, um das Vergnügen zu haben, mich wie einen Stier springen zu sehen.«
Mothril wich beinahe erschrocken zurück, so heftig und ungestüm war der Ausbruch gewesen.
»Wirst Du antworten?« rief Don Pedro von einem jener Wuthanfälle erfaßt, die den König in einen Wahnsinnigen, den Menschen in ein wildes Thier verwandelten.
»Sire, ich wage es nicht, es Euch zu sagen.«
»So führe diese Frau zu mir, daß ich sie selbst fragen kann,« rief Don Pedro.
»Oh! Sire,« murmelte Mothril, als wäre er erschrocken über einen solchen Befehl.
»Ich bin der Herr, ich will es!«
»Ich flehe Euch an, Hoheit!«
»Auf der Stelle soll sie hier sein, oder ich reiße sie selbst aus ihrem Gemach.«
»Hoher Herr,« sprach Mothril, der sich mit dem ruhigen, feierlichen Ernste der Orientalen erhob, »Aissa ist von zu erhabenem Blut, als daß prosane Hände sie berühren dürften; beleidiget Aissa nicht, König Don Pedro!«
»In welcher Hinsicht könnte die Maurin durch meine Liebe beleidigt werden?« fragte der König Don Pedro, »meine Frauen waren Töchter von Fürsten, und mehr als einmal hatten meine Geliebtinnen denselben Werth, wie meine Frauen.«
»Gnädigster Herr,« sprach Mothril, »wäre Aissa meine Tochter, wie Ihr denkt, so würde ich sagen: »»König Don Pedro, schont mein Kind, entehrt nicht Euren Diener.«« Und Ihr würdet vielleicht, die Stimme von so vielen und so guten Rathschlägen erkennend, mein Kind schonen. Doch Aissa hat in ihren Adern ein edleres Blut, als das Blut Eurer Frauen und Geliebtinnen; Aissa ist edler, als eine Prinzessin, Aissa ist die Tochter von König Mahomet, dem Abkömmling von Mahomet dem großen Propheten. Ihr seht, Aissa ist mehr, als eine Prinzessin, mehr, als eine Königin, und ich befehle Euch, König Don Pedro, Aissa zu achten und zu schonen.«
