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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 29

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»Weil mir nichts am Leben gelegen ist.«

»Es liegt Euch nichts am Leben?«

»Nein,« sprach Agenor, den Kopf schüttelnd.

»Nicht wahr, weil Ihr einen großen Kummer habt?«

»Ja, Madame.«

»Und wenn mir dieser Kummer bekannt wäre?«

»Euch?«

»Wenn ich Euch die Ursache davon zeigte?«

»Ihr! Ihr könntet mich sie sehen lassen . . .«

Maria Padilla wandte sich nach dem seidenen Vorhang, der die Terrasse verschloß.

»Seht!« sagte sie, den Vorhang auf die Seite schiebend.

Man erblickte in der That eine niedrigere Terrasse, welche durch Orangen – und Granatbäume von der ersten getrennt war. Auf dieser Terrasse, mitten unter Blumen und gebadet im Goldstaub der untergehenden Sonne, schaukelte sich eine Frau in einer purpurnen Hängematte.

»Nun?« fragte Dona Maria.

»Aissa!« rief Mauléon, in Extase die Hände faltend.

»Ich glaube, die Tochter von Mothril,« sprach Dona Maria.

»Oh! Madame,« rief Mauléon, mit dem Blick den Raum verschlingend, der ihn von Aissa trennte. »Ja, dort, dort! dort ist das Glück meines Lebens.«

»In der That, so nahe und so fern!« sprach lächelnd Dona Maria.

»Solltet Ihr meiner spotten, Senora?« fragte Agenor unruhig.

»Gott behüte mich, Herr Ritter.

Ich sage nur, daß Dona Aissa in diesem Augenblick das Bild des Glücks ist; oft scheint es, als hätte man nur die Hand auszustrecken, um es zu berühren, und man ist davon durch ein unsichtbares, aber unüberwindliches Hinderniß getrennt.«

»Ach! ich weiß es, sie ist bewacht, gehütet.«

»Eingeschlossen, Herr Franke, eingeschlossen durch gute Gitter mit starken Schlössern.«

»Wenn ich nur wenigstens ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen könnte!« rief Agenor, »wenn ich sie nur sehen, mich von ihr gesehen machen könnte!«

»Das wäre also schon ein großes Glück für Euch?«

»Das höchste.«

»Wohl! ich will es Euch verschaffen. Dona Aissa hat Euch nicht gesehen, würde sie Euch sehen, so wäre ihr Schmerz darum nur um so größer, denn es ist für Liebende ein schlechter Trost, die Arme nach einander auszustrecken und der Luft einen Kuß anzuvertrauen. Thut etwas Besseres, Herr Ritter.«

»Oh! was soll ich thun? Sprecht, sprecht, befehlt, oder rathet vielmehr.«

»Seht Ihr jene Thüre?« sagte Dona Maria, auf einen auf der Terrasse selbst angebrachten Ausgang deutend; »hier ist der Schlüssel dazu, der größte von den drei Schlüsseln, welche an diesem Ring hängen: Ihr braucht nur einen Stock hinabzusteigen. Ein langer Gang, dem ähnlich, welchem Ihr gefolgt seid, um hierher zu kommen, mündet nach dem Garten des nächsten Hauses aus, dessen Bäume in der Höhe der Terrasse von Dona Aissa erscheinen. Ah! ich glaube, Ihr fangt an zu begreifen?«

»Ja, ja,« sprach Mauléon, die Worte verschlingend, wie sie aus dem Mund von Dona Maria hervorkamen.

»Dieser Garten,« fuhr sie fort, »ist mit einem Gitter verschlossen, dessen Schlüssel Ihr hier bei dem ersten seht. Seid Ihr einmal dort, so könnt Ihr Euch Dona Maria noch mehr nähern, denn Ihr könnt bis zu dem Fuß der Terrasse gelangen, wo sie sich in diesem Augenblick schaukelt; nur ist die Terrasse so abschüssig, daß sie sich nicht erklettern läßt; aber einmal dort, seid Ihr wenigstens im Stand, Eurer Geliebten zu rufen und mit ihr zu sprechen.«

»Dank! Dank!l« rief Mauléon.

»Ich sehe, Ihr seid schon mehr zufrieden, desto besser,« sagte Dona Maria, ihn zurückhaltend; »nur ist es gefährlich, in solcher Entfernung zu sprechen, denn man kann gehört werden. Ich sage Euch das, obgleich Mothril abwesend ist; er begleitet den König, der die Truppen beschaut, die aus Afrika für uns eingetroffen sind, er wird um halb zehn Uhr oder um zehn Uhr zurückkommen, und es ist erst acht Uhr.«

»Halb neun Uhr! Oh! Madame, gebt geschwinde, gebt mir den Schlüssel, ich flehe Euch an.«

»Oh! es ist noch keine Zeit verloren. Laßt den letzten Sonnenstrahl erlöschen, der noch den Westen röthet; das ist die Sache von ein paar Minuten. Dann, soll ich Euch etwas sagen?« fügte sie lächelnd bei.

»Sprecht.«

»Ich weiß nicht, wie ich den zweiten Schlüssel vom dritten trennen soll, denn diesen dritten, der von Mothril dem König Don Pedro selbst gegeben worden ist, mir zu verschaffen, hatte ich große Mühe.«

»Dem König Don Pedro?« sagte Agenor bebend.

»Ja,« antwortete Maria, »stellt Euch vor, daß dieser dritte Schlüssel die Thüre öffnet, welche auf die Terrasse selbst führt, daß er an ihrer Base diese unübersteigliche Mauer öffnet und nach einer sehr bequemen Treppe führt, welche nach der Terrasse selbst ausmündet, wo ohne Zweifel in diesem Augenblick Aissa von Euch träumt.«

Agenor stieß einen Schrei toller Freude aus.

»So daß es Euch,« fuhr Dona Maria fort, »daß es Euch, wenn einmal diese Thüre hinter Euch geschlossen ist, freisteht, anderthalb Stunden mit der Tochter von Mothril zu reden, und zwar, ohne daß Ihr eine Belästigung zu fürchten braucht. Denn kommt man, und man kann nur durch das Haus kommen, so steht Euch ein sicherer Rückzug nach dieser Seite offen.«

Agenor fiel auf die Kniee und drückte glühende Küsse auf die Hand seiner Beschützerin.

Edle Frau,« sagte er, »verlangt mein Leben von mir an dem Tag, wo es Euch nützlich sein dürfte, und ich werde es Euch geben.«

»Ich danke, behaltet es für Eure Geliebte, Herr Agenor.

Die Sonne ist verschwunden, in einigen Augenblicken wird es finstere Nacht sein, Ihr habt nur eine Stunde.

Geht, und gefährdet mich nicht bei Mothril.«

Agenor eilte nach der kleinen Treppe der Terrasse und verschwand.

»Herr Franke rief ihm Dona Maria nach, während er fortstürzte, »in einer Stunde wird man Euch Euer Pferd vor der Thüre der Kapelle halten: doch Mothril darf nichts vermuthen, sonst wären wir Beide verloren.«

»In einer Stunde, ich schwöre es Euch!« antwortete die schon entfernte Stimme des Ritters.

Einundvierzigstes Kapitel.
Die Zusammenkunft

Es war in der That Aissa, welche sich allein und träumerisch auf der an die Gemächer ihres Vaters und an die ihrigen anstoßenden unteren Terrasse des Palastes befand und, nachläßig und träumerisch wie eine wahre Tochter des Orients, die Abendluft einathmete und mit dem Blick die letzten Strahlen der Sonne verfolgte.

Als die Sonne untergegangen war, schweifte ihr Blick über die herrlichen Gärten des Alcazar hin und suchte jenseits der Mauern, jenseits der Bäume, was er jenseits des Horizonts, so lange dieser noch bestanden, gesucht hatte, jene Idee, jene Erinnerung, die weder vom Ort, noch von der Zeit abhängt, und die man Liebe nennt, das heißt ewige Hoffnung.

Sie träumte von den grüneren und buschreicheren, wenn auch nicht duftenderen Gefilden Frankreichs, von jenen schönen Gärten von Bordeaux, deren wohlwollende Schatten die süßeste Scene ihres Lebens beschirmt hatten, und da der menschliche Geist bei jeder Sache, bei der er verweilt, eine Aehnlichkeit sucht, mag es eine traurige oder eine freudige sein, so dachte sie zugleich an den Garten von Sevilla, wo sie zum ersten Mal Agenor von Nahem gesehen, ihn gesprochen, seine Hand berührt hatte, die sie jetzt abermals zu drücken vor Begierde brannte.

Es gibt Abgründe im Geiste der Liebenden. Wie im Geiste der Irrsinnigen kreuzen sich darin die Extreme mit der unzusammenhängenden Schnelligkeit der Träume, und das Lächeln des Mädchens, das liebt, löst sich oft, wie das von Ophelia, in bitteren Thränen und in herzzereißendem Schluchzen auf.

Ganz unterjocht durch ihre Erinnerungen lächelte, seufzte Aissa, vergoß sie Thränen.

Sie war also bei den Thränen und wäre wohl bald zum Schluchzen übergegangen, als ein heftiger Tritt auf der steinernen Treppe erscholl.

Sie glaubte, schon zurückgekehrt, beeile sich Mothril, wie er es zuweilen that, sie in ihren süßesten Träumen zu überraschen, als ob bei diesem bis zum Zauberhaften hellsichtigen Mann ein Verstand, einer inneren Fackel ähnlich, wachte, um alle Dinge in seiner Umgebung zu beleuchten und nichts dunkel zu lassen, als seinen unbeweglichen, tiefen, unerschütterlichen Geist.

Und dennoch kam es ihr vor, als wäre dieser Tritt nicht der von Mothril, als käme dieses Geräusch von einer Seite, der entgegengesetzt, von welcher Mothril ercheinen müßte.

Da dachte sie schauernd an den König; an den König, den sie seit der Ankunft von Maria völlig zu fürchten aufgehört und folglich vergessen hatte. Die Treppe, von der das Geräusch herkam, war die, welche Mothril seinem Gebieter als einen Geheimgang vorbehalten hatte.

Sie beeilte sich also, nicht ihre Thränen zu trocknen, was den Geruch einer geheimen Verstellung gehabt hätte und ihres Stolzes unwürdig gewesen wäre, sondern eine zu süße Erinnerung in Gegenwart des Feindes zu vertreiben, der vor ihren Augen erscheinen würde; war es Mothril, so hatte sie ihren Willen, war es Don Pedro, so hatte sie ihren Dolch.

Dann wandte sie absichtlich der Thüre den Rücken zu, als ob nichts Glückliches oder Bedrohliches in der Abwesenheit von Agenor zu ihr gelangen könnte, und hielt ihr Ohr bereit, das harte Wort im Einklang mit dem widrigen Tritt, der sie schon beben gemacht, zu hören.

Plötzlich fühlte sie um ihren Hals zwei mit Eisen beschiente Arme; sie stieß einen Schrei des Zorns und des Widerwillens aus; doch ihre Lippen wurden durch zwei gierige Lippen geschlossen. Da erkannte sie an dem verzehrenden Gefühl, das ihre Adern durchdrang, mehr noch als an dem Blick, den sie auf ihn warf, Agenor, der auf dem Marmor zu ihren Füßen kniete.

Kaum konnte sie den zweiten Schrei der Freude unterdrücken, der ihrem Mund entströmte und ihr übervolles Herz erleichterte. Sie erhob sich, immer von ihrem Geliebten umschlungen, und stark wie der junge Panther, der seine Beute in das Gestrüppe des Atlas schleppt, führte sie, trug sie gleichsam Agenor auf die Treppe, welche in ihrem geheimnißvollen Schatten die Freude der zwei Liebenden verbarg.

Das Zimmer mit den langen Vorhängen von Aissa mündete am Fuße dieser Treppe aus; sie flüchtete sich dahin in den Armen ihres Geliebten, und da das Licht des Himmels durch die dichten Stoffe verzehrt wurde, da kein Geräusch die tapezirten Mauern durchdrang, so hörte man einige Augenblicke nur glühende Küsse, verloren in den langen, schwarzen, wohlriechenden Flechten von Aissa, die sich bei der Umarmung aufgelöst hatten und Beide wie ein Schleier umgaben.

Unsern europäischen Sitten fremd, nicht bekannt mit der Kunst, die Wünsche durch das Verbot zu verdoppeln, gab sich Aissa ihrem Geliebten hin, wie sich das erste Weib hatte hingeben müssen, unter der Herrschaft des Instinctes und unter dem hinreißenden Zauber eines in seiner ganzen Tiefe gefühlten Glückes.

»Du! Du!« flüsterte sie berauscht; »Du im Palast von König Don Pedro! Du, meiner wahnsinnigen Liebe zurückgegeben! Oh! die Tage sind zu lang in der Abwesenheit, und Gott hat für die Zeit zwei Maße gegeben: die Minuten, wo ich Dich sehe, und die wieder Schatten hinziehen, die Tage, wo ich Dich nicht sehe, und die für mich Jahrhunderte sind!«

Dann verloren sich ihre Stimmen abermals in einem süßen und langen Kuß.

»Oh! Du gehörst also mir!» rief endlich Agenor. »Was liegt mir an dem Haß von Mothril? was liegt mir an der Liebe des Königs? Ich kann nun sterben.«

»Sterben!« sagte Aissa, die Augen feucht und die Lippen bebend; »sterben! Oh! nein, Du wirst nicht sterben, mein Vielgeliebter. Ich habe Dich in Bordeaux gerettet, und werde Dich hier abermals retten. Was die Liebe des Königs betrifft, schau, wie mein Herz klein ist, wie es einen unmerklichen Theil meiner Brust emporhebt. Glaubst Du, in diesem ganz von Dir erfüllten, einzig und allein für Dich schlagenden Herzen sei auch nur für den Schatten einer andern Liebe Platz?«

»Oh! Gott behüte mich, daß ich nur einen Augenblick denken könnte, meine Aissa vergesse mich,« sprach Agenor. »Doch da, wo die Ueberredung scheitert, ist die Gewalt oft allmächtig. Hast Du nicht das Abenteuer von Leonor von Ximenes gehört, der die Rohheit des Königs keine andere Zufluchtstätte mehr ließ, als ein Kloster?«

»Leonor von Ximenes war nicht Aissa, Herr. Es wäre also bei der Einen nicht wie bei der Andern, das schwöre ich Dir.«

»Ich weiß wohl, Du würdest Dich vertheidigen, doch indem Du Dich vertheidigtest, würdest Du vielleicht sterben!«

»Wäre es Dir nicht lieber, wenn ich den Tod fände, als wenn ich einem Andern gehörte?«

»Oh! ja, ja!« rief der junge Mann, Aissa an sein Herz drückend. »Oh! ja, stirb, stirb, wenn es sein muß, doch gehöre nur mir!«

Und er preßte sie abermals in seinen Armen mit einer Liebesbewegung, die der Angst glich.

Die Nacht, welche schon die äußeren Mauern schwärzte, hatte den Gegenständen im Zimmer jede Form genommen: wie in dieser Finsterniß voll von Liebesworten und glühendem Athem, wie nicht von jenem Feuer brennen, das verzehrt, ohne zu leuchten, jenen furchtbaren Flammen ähnlich, welche unter den Wellen leben?

Während eines langen Zeitraums herrschte die Stille des Todes, oder die der Liebe in dem Gemach, wo zwei Stimmen geklungen und zwei Herzen vermischt geschlagen hatten.

Agenor entriß sich zuerst diesem unaussprechlichen Glück. Er gürtete sein Schwert um, dessen eiserne Scheide auf dem Marmor klirrte.

»Was machst Du?« rief das Mädchen, den Arm des Ritters ergreifend.

»Du hast es gesagt,« erwiderte Agenor, »die Zeit hat zwei Maße: die Minuten für das Glück, die Jahrhunderte für die Verzweiflung, Ich gehe.«

»Du gehst, doch nicht wahr, Du nimmst mich mit? Wir gehen mit einander?«

Der junge Mann machte sich mit einem Seufzer aus den Armen seiner Geliebten los und sprach:

»Unmöglich!«

»Warum unmöglich?«

»Ich bin mit dem geheiligten Charakter eines Botschafters hierhergekommen; er ist es, der mich beschützt, und ich kann ihn nicht verletzen.«

»Aber ich!« rief Aissa, »ich verlasse Dich nicht.«

»Aissa,« sprach der junge Mann, »ich komme im Namen des guten Connetable, ich komme im Namen von Enrique von Transtamare, die mir, der Eine die Interessen der französischen Ehre, der Andere die Interessen des castilianischen Thrones anvertraut haben; was müßten sie sagen, wenn sie sehen würden, ich habe, statt diese doppelte Sendung zu vollziehen, mich nur um die Interessen meiner Liebe bekümmert?«

»Wer wird es ihnen mittheilen? Wer hindert Dich, mich vor Aller Augen zu verbergen?«

»Ich muß nach Burgos zurückkehren; es sind von Soria nach Burgos drei Tagereisen.«

»Ich bin stark, ich bin an rasche Märsche gewöhnt.«

»Du hast Recht, denn der Marsch der arabischen Reiter ist rasch, rascher als der unsrige wird sein können.

In einer Stunde wird Mothril die Flucht wahrnehmen; in einer Stunde wird er in unserer Verfolgung begriffen sein; ich kann nicht als Flüchtling nach Burgos zurückkehren.«

»Oh! mein Gott! mein Gott! wir sollen uns abermals trennen!«

»Diesmal wenigstens wird die Trennung kurz sein, das schwöre ich Dir, Laß mich meine Sendung erfüllen, laß mich in das Lager von Don Enrique zurückkehren, laß mich des Auftrags, den man mir gegeben, mich entledigen, laß mich wieder Agenor den fränkischen Ritter werden, der Dich liebt, der nur Dich liebt, der nur für Dich lebt, und dann, ich schwöre es Dir, Aissa, kehre ich unter irgend einer Verkleidung, und wäre es die eines Ungläubigen, zu Dir zurück, und dann bin ich es, der Dich mit Gewalt entführt, wenn Du nicht kommen kannst.«

»Nein! nein!« sprach Aissa, »heute erst hat mein Leben begonnen; bis heute lebte ich nicht, denn ich gehörte nicht Dir; von heute an könnte ich nicht mehr ohne Dich leben; ich könnte nicht mehr wie früher, Dich erwartend, seufzen und weinen; nein, ich würde brüllen, ich würde mich in meinem Schmerz zerfleischen; heute bin ich Deine Frau! Wohl! mögen alle diejenigen sterben, die sich widersetzen, daß die Frau dem Mann folgt!«

»Wie! selbst unsere Beschützerin, Aissa? selbst die edelmüthige Frau, die mich zu Dir geführt hat, selbst die arme Maria Padilla, an der Mothril sich rächen würde? Und Du weißt, auf welche Art Mothril sich rächt.«

»Oh! meine Seele schwindet hin,« flüsterte die junge Frau erbleichend, denn sie fühlte, daß eine höhere Macht, die der Vernunft, sie von ihrem Geliebten trennte. »Doch laß mich Dich wiederfinden; ich habe zwei Maulthiere so rasch, daß sie es den raschesten Pferden im Laufe zuvorthun. Du nennst mir einen Ort, wo ich Dich erwarten, oder mit Dir zusammentreffen kann, und sei unbesorgt, ich komme zu Dir.«

»Aissa, wir kehren auf einem andern Weg zu demselben Ziel zurück; unmöglich! unmöglich!«

Das Mädchen glitt auf seine Kniee. Die junge Maurin lag bittend und flehend zu den Füßen von Agenor.

In diesem Augenblick durchdrang der traurige, klagende Ton einer Guzla die Lüfte über ihren Häuptern, den Ruf eines Freundes, der bange hat, nachahmend; Beide bebten.

»Woher kommt dieses Geräusch?« fragte Aissa.

»Ich errathe es,« sagte Agenor; »komm, komm.«

Beide stiegen wieder zur Terrasse hinauf.

Agenor schaute sogleich nach der Terrasse von Maria.

Es herrschte eine dichte Finsterniß; doch bei dem düsteren Schimmer der Gestirne vermochten die zwei jungen Leute ein weißes, über die Brüstung geneigtes und nach ihrer Seite gewendetes Kleid wahrzunehmen.

Nur hätten sie im Zweifel bleiben können, ob es ein Gespenst oder eine Frau sei. Doch in demselben Augenblick erklangen die Saiten in gleicher Richtung wie zuvor.

»Sie ruft mir,« flüsterte Agenor, »sie ruft mir, Du hörst es.«

»Kommt! kommt!« rief wie vom Himmel herab die durch die Zwischenräume halb bedeckte Stimme von Dona Maria.

»Hörst Du sie, Aissa, hörst Du sie?« sagte Agenor.

»Oh! ich sehe nichts, ich höre nichts,« stammelte das Mädchen.

Zu gleicher Zeit erschollen die Trompeten, welche gewöhnlich den König bei seiner Rückkehr in den Palast geleiteten.

»Großer Gott!« rief Aissa, plötzlich in das ängstliche, schwache Weib verwandelt; »sie kommen; fliehe, mein Agenor, fliehe!«

»Noch ein Lebewohl.»

»Ein letztes vielleicht,« flüsterte das Mädchen, ihre Lippen auf die Lippen des Geliebten drückend.

Und sie schob den jungen Mann nach der Treppe.

Seine Tritte hatten nicht zu schallen aufgehört, als die von Mothril hörbar wurden; und die Thüre, welche zu Maria Padilla führte, schloß sich kaum, als sich die von Aissa öffnete.

Zweiundvierzigstes Kapitel.
Die Vorbereitungen zur Schlacht

Drei Tage nach den von uns erzählten Ereignissen, hatte Agenor auf demselben Weg, dem er auf seiner Reise nach Soria folgte, Musaron wieder eingeholt, und legte Enrique von Transtamare Rechenschaft über seinen Auftrag ab.

Niemand verleugnete sich die Gefahren, denen Agenor bei Erfüllung seiner Sendung als Botschafter preisgegeben gewesen war. Der Connetable dankte ihm auch, belobte ihn und hieß ihn seinen Platz an der Seite der bravsten Bretagner unter dem Banner nehmen, das Sylvester von Budes trug.

Auf allen Seiten traf man Anstalten zum Krieg. Der Prinz von Wales hatte den Durchzug durch das Gebiet des Königs von Navarra erlangt und sich mit Don Pedro wiedervereinigt, dem er ein schönes Heer zuführte, das gemeinschaftliche Sache mit den afrikanischen Truppen machen sollte.

Die englischen Abenteurer, die sich entschieden an Don Pedro angeschlossen hatten, führten ihrerseits gute Streiche gegen die Bretagner und die Gascogner, ihre erbitterten Feinde, im Schild.

Es versteht sich, daß die verwegensten und folglich gewinnreichsten Pläne in dem Kopf unseres alten Freundes Messire Hugo von Caverley gohren.

Enrique von Transtamare war nicht zurück bei allen diesen kriegerischen Rüstungen. Seine zwei Brüder Don Tellez und Ton Sancho waren zu ihm gestoßen, er hatte ihnen ein Commando anvertraut, und zog in kleinen Tagemärschen seinem andern Bruder Don Pedro entgegen.

Man spürte durch ganz Spanien die fieberhafte Gluth, welche, so zusagen, die Luft durchzieht und den großen Ereignissen vorhergeht. Stets vorsichtig und zugleich Philosoph, ermahnte Musaron seinen Herrn, das feinste Wildpret zu essen und den besten Wein zu trinken, um in der Schlacht stärker zu sein und sich um so mehr Ehre zu erwerben.

Sich selbst überlassen, verliebter als je durch den Besitz eines Augenblicks, ersann Agenor alle mögliche und unmögliche Mittel, sich Aissa zu nähern und sie zu entführen, um nicht das so zweifelhafte Ereigniß einer Schlacht abzuwarten, in die man stolz und stark geht, während man sie flüchtig und auf den Tod verwundet verlassen kann.

Zu diesem Behuf hatte er von der Freigebigkeit von Bertrand zwei arabische Pferde gekauft, welche Musaron jeden Tag große Strecken Weges zurückzulegen und Hunger und Durst auszuhalten dressirte.

Endlich erfuhr man, der Prinz von Wales sei durch die Engpässe marschirt und in die Ebene gerückt. Er zog mit der Armee, die er aus der Gnienne gebracht, in die Gegend der Stadt Vittoria, unfern von Navarrete.

Er hatte dreißigtausend Reiter und vierzigtausend Mann Fußvolk bei sich. Dies waren Streitkräfte, welche den von Don Pedro befehligten beinahe gleichkamen.

Enrique von Transtamare hatte unter seinen Befehlen sechzigtausend Mann Fußvolk und vierzigtausend Pferde.

Mit seinen Bretagnern in der Nachhut gelagert, ließ Bertrand die Spanier ihre Prahlereien machen und schon auf der einen und der andern Seite den Sieg feiern, den weder die eine noch die andere gewonnen hatte.

Aber er hatte seine Spione, die ihm Tag für Tag meldeten, was in der Armee von Don Pedro und selbst in der von Enrique vorging, aber er wußte alle Pläne von Caverley in demselben Augenblick, wo sie die fruchtbare Einbildungskraft des Abenteurers erzeugte.

Er wußte folglich, daß der würdige Kapitän, verführt durch die Gefangennehmung von Königen, die er schon bewerkstelligt, sich dem Prinzen von Wales mit einem einzigen Schlag den Krieg zu beendigen angeboten hatte.

Sein Plan war äußerst einfach, es war der des Raubvogels, welcher so hoch in den Lüften schwebt, daß er unsichtbar ist, plötzlich sich auf seine Beute stürzt, und sie in seinen Klauen in dem Augenblick entführt wo sie es am wenigsten erwartet.

Messire Hugo von Caverley verband sich mit John Chandos, dem Herzog von Lancaster und einem Theil der englischen Vorhut, fiel unvermuthet über das Quartier von Don Enrique her, entführte ihn mit seinem Hofe, und machte so mit einem einzigen Schlag zwanzig Lösegelder, von denen eines genügt hätte, um sechs Abenteurer zu wohlhabenden Leuten zu machen.

Der Prinz von Wales nahm den Vorschlag an; er hatte nichts dabei zu verlieren und Alles zu gewinnen.

Zum Unglück besaß Bertrand Duguesclin, wie gesagt, Spione, die ihm Alles meldeten, was im feindlichen Lager vorging.

Zu noch größerem Unglück hegte er gegen die Engländer im Allgemeinen einen alten Bretagner-Groll, und gegen Messire Caverley insbesondere einen ganz neuen Haß.

Er befahl deshalb seinen Spionen, nicht einen Augenblick einzuschlafen, oder wenn sie einschlafen würden, wenigstens nur mit einem Auge zu schlafen.

Dem zu Folge wurde er von den geringsten Bewegungen von Messire Hugo von Caverley unterrichtet.

Eine Stunde, ehe der würdige Kapitän das Lager des Prinzen von Wales verließ, nahm der Connetable sechstausend spanische und bretagnische Reiter und schickte aus einem dem seinigen entgegengesetzten Weg Agenor und den Stammler von Villaines ab, um sich in einem Wald aufzustellen, den ein Desilé trennte.

Jede von den zwei Truppen sollte den parallelen Theil des Waldes besetzen und, wenn die Engländer vorbeigezogen wären, das Desilé schließen.

Von dem, was vorging, in Kenntniß gesetzt, hielt Enrique von Transtamare alle seine Leute unter den Waffen.

Caverley mußte also an einer ehernen Mauer anprallen, und wenn er zurückweichen wollte, würde er sich von einer andern ehernen Mauer festgehalten sehen.

Mannschaft und Rosse lagen beim Einbruch der Nacht im Hinterhalt, Jeder Reiter hielt, auf dem Bauch ausgestreckt, sein Pferd am Zaum.

Gegen zehn Uhr rückten Caverley und seine Truppe in das Desilé.

Die Engländer marschirten mit einer solchen Sicherheit, daß sie nicht einmal den Wald sondiren ließen, was übrigens die Nacht unmöglich, oder wenigstens sehr schwierig machte.

Hinter den Engländern verbanden sich die Bretagner und die Spanier wie die zwei Hälften einer Kette, die man schließt.

Gegen Mitternacht hörte man einen gewaltigen Lärmen: es war Caverley, der das Quartier von König Don Enrique angriff, und dieser, der ihn mit dem Ruf: Don Enrique und Castilien! empfing.

Da setzte Bertrand, der Agenor zu seiner Rechten und den Stammler von Villaines zu seiner Linken halte, seine ganze Truppe unter dem Ruf: Notre-Dame-Guesclin! in Galopp.

Zu gleicher Zeit entzündeten sich große Feuer auf den Flanken, beleuchteten die Scene und zeigten Caverley, daß seine fünf bis sechstausend Abenteurer zwischen zwei Heeren gefaßt waren.

Caverley war nicht der Mann, der einen glorreichen, aber fruchtlosen Tod suchte: an der Stelle von Eduard III. wäre er bei Crécy geflohen; an der Stelle des Prinzen von Wales hätte er sich bei Poitiers ergeben.

Doch da man sich nur in der äußersten Roth ergibt, besonders wenn man, sich ergebend, Gefahr läuft, gehenkt zu werden, so setzte er sein Pferd in Galopp und verschwand durch eine der Seitenöffnungen, wie auf dem Theater der Verräther durch eine der schlecht geschlossenen Coulissen verschwindet.

All sein Gepäcke, eine beträchtliche Summe in Geld, eine Kassette mit Edelsteinen und Juwelen aller Art, die Frucht dreijähriger Räubereien, während welcher der würdige Kapitän, um dem Strang zu entgehen, mehr Genie gebraucht hatte, als je von Alexander, Hannibal oder Cäsar entwickelt worden war, fielen in die Hände des Bastards von Mauléon.

Musaron machte eine Berechnung, während man die Todten entkleidete und den Gefangenen Fesseln anlegte; es ergab sich, daß er im Dienste von einem der reichsten Ritter der Christenheit war.

Diese Veränderung, und sie war ungeheuer, hatte sich in weniger als einer Stunde bewerkstelligt.

Die Abenteurer waren in Stücke gehauen worden; nur zwei bis dreihundert hatten sich mit großer Mühe retten können.

Dieser Erfolg flößte den Spaniern eine solche Kühnheit ein, daß Don Tellez, der jüngste Bruder von Enrique von Transtamare, seinem Pferde die Sporen gab und auf der Stelle und ohne eine andere Vorbereitung auf den Feind losmarschiren wollte.

»Einen Augenblick Geduld, Herr Graf,« sagte Bertrand; »Ihr wollt hoffentlich nicht allein gegen den Feind marschiren und Euch der Gefahr aussetzen, ruhmlos gefangen genommen zu werden.«

»Aber ich denke, die ganze Armee wird mit mir marschiren,« erwiderte Don Tellez.

»Nein, Herr, nein,« sprach Bertrand.

»Die Bretagne! mögen bleiben, wenn sie wollen,« rief Don Tellez, »doch ich werde mit den Spaniern marschiren.«

»Warum dies?«

»Um die Engländer zu schlagen.«

»Verzeiht.« entgegnete Bertrand, »die Engländer sind von den Bretagnern geschlagen worden, doch sie würden nicht durch die Spanier geschlagen werden.«

»Was sagt Ihr?« rief mit gebieterischem Tone Don Tellez, indem er auf den Connetable zuritt, »und warum?«

»Well,« erwiderte Bertrand, ohne sich zu rühren, »weil die Bretagner bessere Soldaten sind, als die Engländer, während dagegen die Engländer bessere Soldaten sind, als die Spanier.«

Der junge Prinz fühlte, wie ihm der Zorn gegen die Stirne stieg.

»Es ist doch seltsam, daß der Herr hier in Spanien ein Franzose sein soll,« sagte er; »doch wir werden sogleich erfahren, ob Don Tellez gehorcht, statt zu befehlen. Auf, man folge mir!«

»Meine achtzehn-tausend Bretagner werden sich nicht rühren, wenn ich ihnen nicht durch ein Zeichen befehle, daß sie sich rühren,« erwiderte Bertrand; »was Eure Spanier betrifft, so bin ich nur ihr Herr, wenn Euer Herr und der meinige, Don Enrique von Transtamare, ihnen mir zu gehorchen befiehlt.«

»Wie klug sind doch diese Franzosen!« rief Don Tellez außer sich. »Welche Kaltblütigkeit bewahren sie nicht nur in der Gefahr, sondern auch vor der Beleidigung! Ich mache Euch mein Compliment, Herr Connetable.«

»Ja, hoher Herr, mein Blut ist kalt, wenn es sich im Zaume hält; doch es ist heiß, wenn es fließt.«

Und nahe daran, in Hitze zu gerathen, preßte der Connetable seine großen Fäuste an sein Panzerhemd.

»Es ist kalt, sage ich Euch,« fuhr der junge Mann fort, »es ist kalt, weil Ihr alt seid, und wenn man alt wird, fängt man an Angst zu bekommen.«

»Angst!« rief Agenor, gegen Don Tellez ansprengend; »wer einmal sagt, der Connetable habe Angst, wird es nicht zum zweiten Male sagen.«

»Stille, Freund,« sprach der Connetable; »laßt die Narren ihre Narrheiten machen, und Geduld, Geduld!«

»Achtung vor dem königlichen Blut!« rief Don Tellez, »Achtung, hört Ihr wohl?«

»Achtet Euch selbst, wenn Ihr wollt, daß man Euch achten soll,« sprach plötzlich eine Stimme, welche den Prinzen beben machte, denn es war die seines älteren Bruders, den man von dem ärgerlichen Streit in Kenntniß gesetzt hatte, »beleidigt vor Allem nicht unsern Verbündeten, unsern Helden.«

»Ich danke, Sire,« sagte Bertrand, »Eure Sprache erspart mir großmüthig ein immer ärgerliches Geschäft, das Freche zu bestrafen. Doch ich meine nicht Euch, Don Tellez: Ihr seht schon ein, wie sehr Ihr Unrecht habt.«

»Unrecht, ich! daß ich sagte, wir sollten die Schlacht liefern? Ist es nicht wahr, Sire, daß wir gegen den Feind marschiren?« fragte Don Tellez.

»Gegen den Feind marschiren . . . in diesem Augenblick!« rief Duguesclin, »das ist unmöglich.«

»Nein, mein lieber Connetable,« erwiderte Don Enrique, »es ist so wenig unmöglich, daß wir bei Tagesanbruch handgemein werden.«

»Hoheit, wir werden geschlagen.«

»Und warum dies?«

»Weil unsere Stellung schlecht ist.«

»Es gibt keine schlechte Stellung; es gibt nur Brave oder Feige!« rief Don Tellez.

»Herr Connetable,« sprach der König, »mein Abel verlangt die Schlacht, und ich kann ihm nicht verweigern, was er von mir verlangt.

Er hat den Prinzen von Wales herabziehen sehen, und man könnte glauben, er weiche zurück.«

»Uebrigens steht es dem Connetable frei, uns zuzuschauen und auszuruhen, während wir uns schlagen,« fügte Don Tellez bei.

»Mein Herr,« erwiderte Duguesclin, »ich werde Alles thun, was die Spanier thun, und mehr noch hoffentlich, denn bemerkt wohl: Nicht wahr, in zwei Stunden greift Ihr an?«

»Ja.«

»Wohl! in vier Stunden werdet Ihr dort durch die Ebene vor dem Prinzen von Wales fliehen, und ich und meine Bretagner, wir werden da sein, wo ich bin, ohne daß ein einziger Fußgänger eine Sohle breit zurückgewichen, ohne daß ein einziger Reiter um ein Hufeisen gewichen ist. Bleibt hier, und Ihr werdet sehen.«

»Ah! Sire Connetable, mäßigt Euch,« sprach Enrique.

»Ich sage die Wahrheit, Sire. Ihr wollt eine Schlacht liefern, sagt Ihr?«

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04 aralık 2019
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