Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 30
»Ja, Connetable, ich will es, weil ich muß.«
»Es sei also.«
Dann sich gegen die Bretagner umwendend:
»Meine Kinder, man will eine Schlacht liefern, haltet Euch bereit!. . . Alle diese braven Leute und ich, Sire,« fuhr er fort, »werden diesen Abend todt oder gefangen genommen sein, doch Euer Wille geschehe vor Allem. Erinnert Euch indessen wohl, daß ich nur das Leben oder die Freiheit verliere, während Ihr einen Thron verlieren werdet,« fügte er bei.
Der König neigte das Haupt, wandte sich gegen seine Freunde um und sprach:
»Der gute Connetable ist diesen Morgen hart gegen uns; trefft nichtsdestoweniger Eure Vorkehrungen, edle Herren.«
»Es ist also wahr, daß wir heute getödtet werden?« fragte Musaron laut genug, daß ihn der Connetable hören konnte.
Dieser wandte sich um und erwiderte lächelnd:
»Oh! mein Gott, ja, guter Knappe, es ist die reine Wahrheit.«
»Das ist ärgerlich,« sagte Musaron an seine mit Gold gefüllten Beinkleider klopfend;
»gerade in,dem Augenblick getödtet, wo wir reich sein und uns des Lebens freuen sollten!«
Dreiundvierzigstes Kapitel.
Die Schlacht
Eine Stunde nach dieser trübseligen Betrachtung des guten Knappen, wie Bertrand Musaron nannte, erhob sich die Sonne über der Ebene von Navarrete so rein, so ruhig, als ob sie nicht bald eine der berühmtesten Schlachten, welche die Annalen der Welt blutig gefärbt, beleuchten sollte.
Bei Sonnenaufgang war die Ebene von dem in drei Abtheilungen aufgestellten Corps von Don Enrique besetzt.
Don Tellez, mit seinem Bruder Sancho, behauptete die linke Seite, an der Spitze von fünfundzwanzigtausend Mann.
Duguesclin hatte mit achtzehntausend Pferden die Vorhut.
Don Enrique selbst endlich behauptete die rechte Seite mit einundzwanzig-tausend Reitern und dreißigtausend Fußgängern.
Diese Armee war ungefähr ausgestellt wie die drei Stufen einer Treppe.
Dabei befand sich noch eine Reserve von gut berittenen und von den Grafen d'Aigues und Roquerbertin befehligten Aragoniern.
Dies geschah am 3, April 1368, und der vorhergehende Tag war durch Hitze und Staub sehr angreifend gewesen.
Der König Enrique ritt aus einem schönen aragonischen Maulthier durch die leeren Räume seiner Schwadronen, ermuthigte die Einen, lobte die Anderen und stellte ihnen besonders vor, welcher Gefahr sie preisgegeben wären, wenn sie lebendig in die Hände des grausamen Don Pedro fallen würden.
Den Connetable, der sich kalt und entschlossen auf seinem Posten hielt, umarmte er und sprach:
»Dieser Arm gibt mir aus immer die Krone. Warum ist es nicht die Krone des Weltalls! ich würde sie Euch als die einzige Eurer würdige anbieten.«
Die Könige finden immer solche Worte im Augenblick der Gefahr. Es ist nicht zu leugnen, zieht die Gefahr weiter, so nimmt sie dieselben mit sich fort, wie es der Wirbel mit dem Staub thut.
Dann kniete er aus die kahle Erde nieder, betete zu Gott, und alle Welt ahmte ihm nach.
In diesem Augenblick schossen die Strahlen der ausgehenden Sonne hinter den Bergen von Navarrete hervor, und die Soldaten erblickten die ersten englischen Lanzen aus den Abhängen, von wo sie langsam sich aus den verschiedenen Plateaux an den Flanken des Gebirges ausbreitend, herabstiegen.
Agenor erkannte unter den ersten Bannern das von Caverley, starrer und stolzer, als es im Augenblick des nächtlichen Angriffs gewesen war. Lancaster und Chandos, welche wie unser Kapitän der Niederlage in der Nacht entkommen waren, befehligten mit ihm um so entschlossener, als sie eine furchtbare Genugthuung zu nehmen hatten.
Alle drei stellten sich Duguesclin gegenüber auf.
Der Prinz von Wales und Don Pedro nahmen ihre Stellung Don Sancho und Don Tellez gegen, über.
Der Captal von Buch, Jean Grailly, hatte seinen Standpunkt vor König Don Enrique von Transtamare.
Statt jeder Ermahnung an seine Truppen, vergoß der schwarze Prinz, gerührt bei dem Anblick von so vielen Tausenden von Menschen, die sich erwürgen sollten, Thränen und bat Gott, nicht um den Sieg, sondern um jenes Recht, das der Wahlspruch der Krone von England ist.
Da erscholl die Trompete.
Sogleich fühlte man die Ebene unter dem Hufschlag der Pferde zittern, und ein Geräusch ähnlich dem zweier einander entgegenrollender Donner toste in der Luft.
Die Vorhut auf beiden Seiten, bestehend aus entschlossenen und besonders erfahrenen Männern, rückte indessen nur im Schritt vor.
Nach den Pfeilen, von denen die Luft Anfangs verdunkelt wurde, sprengten die Ritter gegen einander an, kämpften Leib an Leib und stillschweigend; dies war für denjenigen Theil des Heeres, der noch nicht handgemein geworden, ein furchtbares und aufregendes Schauspiel.
Der schwarze Prinz ließ sich hinreißen wie ein einfacher Kriegsmann.
Er führte im Galopp sein ganzes Armeecorps gegen Don Tellez.
Dies war die erste geordnete Schlacht, bei der sich der junge Mann befand, und er sah die Leute auf sich zukommen, die mit den Bretagnern für die ersten Soldaten der Welt galten.
Er bekam bange; er wich zurück.
Als ihn seine Reiter weichen sahen, wandten sie ihre Pferde um, und in einem Augenblick ergriff der ganze linke Flügel die Flucht unter dem Einfluß von einem jener panischen Schrecken, deren hinreißende Gewalt und Schmach die Tapfersten theilen.
Als Don Tellez wieder vor den Bretagnern vorüberkam, die, obgleich die Vorhut bildend, sich nun durch die Bewegung, welche Don Tellez vorrückend gemacht hatte, zurückgestellt fanden, beschleunigte dieser seinen Lauf, indem er den Kopf abwandte.
Don Sancho aber begegnete dem verächtlichen Blick des Connetable, und unter diesem allmächtigen Blick kurz anhaltend, wandte er sich gegen den Feind um und ließ sich fangen.
Don Pedro, der mit dem Prinzen von Wales in Verfolgung der Flüchtigen begriffen war und diesen ersten glücklichen Erfolg eifrig zu benutzen trachtete, wandte sich, als er den linken Flügel völlig aufgelöst sah, sogleich gegen seinen Bruder Enrique, der muthig gegen den Captal von Buch kämpfte.«
Aber von siebentausend frischen und durch den Sieg keck gewordenen Lanzen von der Seite angegriffen, wich Enrique zurück.
Mitten unter dem Geräusch vom Eisen, das am Eisen klirrte, von wiehernden Pferden und Streitern, welche vor Wuth brüllten, hörte man den König Don Pedro, diesen ganzen Lärmen beherrschend, rufen:
»Keine Gnade den Rebellen, keine Gnade!«
Er kämpfte mit einer vergoldeten Art, deren Vergoldung schon von der Schneide bis an den Stiel unter dem Blut verschwunden war.
In ihren letzten Gliedern von Olivier von Cliffon und dem Sire von Retz angegriffen, welche die Schlachtordnung umgangen hatten, war indessen die Reserve niedergeworfen und in die Flucht geschlagen worden.
Nur Duguesclin und seine Bretagner waren, wie sie es versprochen hatten, nicht einen Schritt zurückgewichen, und erschienen in eine unangreifbare Masse zusammengedrängt wie ein eherner Felsen, um den sich, langen gierigen Schlangen ähnlich, die siegreichen Heerhaufen rollten.
Duguesclin warf einen raschen Blick auf die Ebene; er erkannte, daß die Schlacht verloren war. Er sah dreißigtausend Soldaten in allen Richtungen fliehen. er sah den Feind überall, wo eine Stunde vorher Verbündete und Freunde waren. Er begriff, daß man nur noch dem Feind so viel als möglich Schaden zufügend sterben konnte. Nach links schauend gewahrte er eine alte Mauer, welche einer zerstörten Stadt als Wall gedient hatte. Zwei Compagnien von Engländern trennten ihn von diesem Anlehnungspunkte, an welchem man ihn, wenn er ihn einmal erreicht hatte, nur noch von vorne angreifen konnte.
Er gab einen Befehl mit seiner vollen, schallenden Stimme; die zwei englischen Compagnien wurden niedergehauen, und die Bretagner lehnten sich an die Mauer an.
Hier bildete Bertrand seine Linie wieder und athmete einen Augenblick.
Der Stammler von Villaines und der Marschall d'Anderhan schöpften mit ihm Athem.
Agenor, dem sein Pferd im Treffen getödtet worden war, wartete hinter einem von den Strebepfeilern der Mauer auf ein Pferd, das ihm Musaron bringen sollte.
Der Connetable benützte diesen Augenblick, um sein Helmvisir aufzuschlagen, sein von Schweiß und Staub bedecktes Gesicht abzuwischen und, ruhig das, was ihm an Menschen blieb zählend, umherzuschauen.
»Der König,« fragte er, »ist er todt? ist er geflohen?«
»Nein, Messire,« antwortete Agenor, »er ist weder getödtet, noch in der Flucht begriffen; er weicht zurück und kommt zu uns,« Bedeckt mit dem feindlichen Blute, mit dem sich das seinige vermischte, die Krone seines Helmes durch einen Artstreich zerschmettert, stieß Don Enrique, als muthiger Ritter kämpfend, zum Connetable.
Keuchend, athemlos, auf den gebogenen Hacksen seines Pferdes, das nicht einen Augenblick den Feind anzuschauen aufgehört hatte, zurückweichend, kam der tapfere König in der That sachte zu den Bretagnern und lockte zu diesen treuen Verbündeten die Schaar der Engländer, welche wie die Raben nach dieser reichen Beute begehrten.
Bertrand gab hundert Mann Befehl, Don Enrique zu unterstützen und ihn frei zu machen.
Diese hundert Mann stürzten sich auf zehntausend, öffneten einen Pfad und bildeten um den Prinzen einen Gürtel, in dessen Mitte er athmen konnte.
Doch sobald er frei war, tauschte Don Enrique sein Pferd mit seinem Stallmeister, warf seinen zerschlagenen Helm von sich, nahm einen andern aus den Händen eines Pagen, versicherte sich, daß sein Schwert immer noch fest im Griff hielt, und rief, stark wie ein zweiter Anteus, dem es genügte, die Erde zu berühren:
»Freunde! Ihr habt mich zum Könige gemacht, seht, ob ich würdig bin, es zu sein!«
Und er warf sich in's Gemenge.
Man sah ihn viermal sein Schwert, erheben, und bei jedem Streich sah man einen Feind fallen.
»Zum König! zum König!« rief der Connetable; »retten wir den König.«
Es war in der That die höchste Zeit; die Engländer schloßen sich über Don Enrique, wie sich das Meer über dem Schwimmer schließt. Er war nahe daran, gefangen zu werden, als der Connetable an seine Seite gelangte.
Bertrand nahm ihn beim Arm, warf einige Bretagner zwischen den König und den Feind, und sagte:
»Genug der Muthes . . .mehr wäre Tollheit. Die Schlacht ist verloren, flieht! unsere Sache ist es, Euren Rückzug deckend, hier zu sterben.«
Der König weigerte sich, Bertrand machte ein Zeichen, und vier Bretagner ergriffen Enrique von Transtamare.
»Nun aber, Notre-Dame-Guesclin!« rief der Connetable; »auf den Feind! aus den Feind!«
Und seine Lanze senkend, erwartete er mit dem, was ihm an Leuten blieb, den Angriff von dreißigtausend Reitern, einen furchtbaren Angriff, der sogar die Mauer, an welcher sich die kleine Truppe angelehnt hatte, niederstürzen zu müssen schien.
»Hier muß man sich Fahrwohl sagen,« sprach Musaron, als er dem Feind den letzten Bolzen zusandte, der ihm in seinem Köcher blieb, »ah! Herr Agenor, seht die schändlichen Mauren hinter den Engländern.«
»So lebe wohl, mein lieber Musaron,« sprach Agenor, der wieder ein Pferd bestiegen und seinen Platz unmittelbar neben dem Connetable genommen hatte.
Die Menschenwolke kam brausend und zum Ausbruch bereit heran, man sah nur durch den Staub einen Wald horizontal gesenkter Lanzen vorrücken.
Doch plötzlich sprengte in den noch leeren Raum, auf die Gefahr, zwischen den zwei Massen zermalmt zu werden, ein Ritter mit schwarzer Rüstung, mit schwarzem Helm, mit schwarzer Krone, und in der Hand einen Commandostab haltend.
»Haltet ein,« sprach der schwarze Ritter den Arm erhebend, »wer einen Schritt thut, ist des Todes!«
Man sah bei dieser mächtigen Stimme die angesprengten Pferde sich unter dem Gebiß krümmen, einige berührten sogar die Erde mit ihren nervigen Häcksen.
Nun allein in dem frei gewordenen Raum, betrachtete der Prinz mit der ihm eigenthümlichen Traurigkeit, aus der ihm die Nachwelt eine Glorie gemacht hat, die unerschrockenen Bretagner, welche in wenigen Minuten unter der Wucht der Ueberzahl verschwinden sollten.
»Gute Leute,« sagte er, »brave Ritter, Ihr sollt nicht so sterben; schaut: ein Gott würde nicht widerstehen.«
Dann machte er einen Schritt gegen Duguesclin, grüßte ihn und fuhr fort:
»Guter Connetable, ich bin der Prinz von Wales und wünsche, daß Ihr lebet; Euer Tod würde eine zu große Leere unter den Tapferen herbeiführen. Ich bitte Euch, gebt mir Euer Schwert.«
Duguesclin war der Mann, der wahre Großmuth begriff: die des Prinzen rührte ihn und er erwiderte:
»Das ist die Sprache eines ehrlichen Ritters, und so gesprochen verstehe ich das Englische.«
Und er neigte sein Schwert.
Bei der Stimme ihres Prinzen kamen die Engländer mit gesenkter Lanze, ohne Hast, ohne Zorn heran.
Der Connetable nahm sein Schwert bei der Klinge.
Er war im Begriff, es dem Prinzen zu übergeben.
Plötzlich erschien, von Blut bedeckt, seine Rüstung an zehn Stellen verbogen, Don Pedro auf seinem schäumenden Pferde.
Er hatte die Fliehenden verlassen, um zu denen zu eilen, welche noch Widerstand leisteten.
»Wie!« rief er, hastig gegen den Connetable reitend, den Seinigen zu, »wie, Ihr verschont diese Leute? Wir werden nie Herren sein, so lange sie leben. Keine Gnade! schlagt sie todt! schlagt sie todt.«
»Ah! dieser ist ein unvernünftiges Thier und wie ein solches soll er auch sterben,« rief Duguesclin.
Dann, als der Prinz auf ihn losstürzte, hob er sein Schwert bei der Klinge auf und führte mit dem eisernen Griff einen solchen Streich auf den Kopf von Don Pedro, daß dieser, sich biegend unter dem Schlag, der einen Stier niedergeschmettert hätte, betäubt, halb todt, auf das Kreuz seines Pferdes fiel.
Duguesclin erhob seinen furchtbaren Dreschflegel wieder.
Doch indem er seinerseits dem Prinzen entgegen stürzte, ließ er einen leeren Raum hinter sich; zwei Engländer drangen hier ein, und während er beide Arme In die Höhe hob, packte ihn Einer beim Helm, der Andere mitten um den Leib.
Derjenige, welcher ihn beim Helm hielt, zog ihn rückwärts, der, welcher ihn um den Leib hielt, suchte ihn aus dem Sattel zu lüpfen.
»Messire Connetable,« riefen Beide, »ergebt Euch, oder Ihr seid des Todes.«
Bertrand schaute empor, und stark wie ein wilder Stier, schleuderte er den Engländer, der ihn am Helm gepackt hatte, aus dem Sattel, während er die Spitze seines Schwertes an das Halsstück des Engländers, welcher ihn um den Leib hielt, drückte und ihm, die Drohung mit dem Blut erstickend, die Kehle durchstieß.
Doch hundert andere Engländer stürzten sich auf ihn, bereit, jeder einen Schlag auf den Riesen zu führen.
»Horcht auf,« rief der schwarze Prinz mit seiner Donnerstimme, »wer wagt es, ihn mit einem Finger zu berühren!«
Sogleich machten die Hitzigsten einen Schritt rückwärts, und Duguesclin fand sich frei.
»Genug, mein Prinz,« sagte er, »ich bin Euch mein Schwert zweimal schuldig, Ihr seid der großmüthigste Sieger der Welt.«
Und er reichte dem Prinzen seinen Degen.
Agenor bot den seinigen dar.
»Seid Ihr ein Narr?« sprach Bertrand;
»Ihr habt ein gutes frisches Pferd zwischen den Beinen.
Flieht, erreicht Frankreich, sagt dem guten König Karl, ich sei Gefangener; und wenn er nichts für mich thun will, sucht meinen Bruder Olivier auf, er wird handeln.«
»Aber, Monseigneur . . . « entgegnete Agenor.
»Man gibt nicht auf Euch Acht, geht, geht, Ich will es.«
»Geschwinde! geschwinde!« sprach Musaron, dem nichts erwünschter war, als ausreißen zu können.
»Benützen wir den Umstand, daß wir klein sind . . . wir werden groß zurückkommen.«
Der Stammler von Villaines, der Marschall, die großen Kapitäne wurden in der That von den Engländern streitig gemacht. Agenor schlüpfte zwischen ihnen durch, Musaron folgte seinem Herrn, Beide setzten ihre Pferde in Galopp und jagten unter einem Hagel von Pfeilen davon, mit dem sie, jedoch zu spät, Caverley und Mothril begrüßten.
Vierundvierzigstes Kapitel.
Nach der Schlacht
Es wurde an diesem Tag eine beträchtliche Anzahl von Gefangenen gemacht.
Die Sieger zählten und addierten die Menschen, wie man die mit Aufschriften versehenen Geldsäcke zählt.
Nebst Caverley und dem Grünen Ritter zeichneten sich einige französische Abenteurer bei diesem lobenswerthen Geschäft aus, das darin bestand, daß man den Gefangenen auskleidete, nachdem man sorgfältig vom Schreiber seinen Namen, seinen Vornamen, seine Titel und seinen Rang hatte aufzeichnen lassen.
Die Sieger machten ihre Loose aus den Gefangenen. Duguesclin war bei dem Loos des Prinzen von Wales.
Dieser Prinz gab ihn dem Captal von Buch zur Bewachung.
Jean von Crailly näherte sich Bertrand, nahm ihn bei der Hand, und fing damit an, daß er ihm ganz artig den Panzerhandschuh auszog, wonach seine Knappen den Connetable der verschiedenen Stücke seiner Rüstung entkleideten.
Bertrand ließ ruhig gewähren; er zählte wieder und wieder seine Freunde und seufzte, so oft einer bei diesem stillschweigenden Aufruf fehlte.
»Braver Connetable,« sagte Crailly zu ihm, »Ihr habt mich bei Cocherel gefangen genommen; seht, wie das Glück unbeständig ist, heute seid Ihr mein Gefangener.«
»Oh! Oh!« erwiderte Bertrand, »Ihr täuscht Euch, Herr: bei Cocherel nahm ich Euch gefangen; bei Navarrete bewacht Ihr mich; Ihr waret mein Gefangener bei Cocherel; bei Navarrete seid Ihr mein Wächter.«
Jean von Crailly erröthete; doch so groß war die Ehrfurcht, die man in jener Zeit dem Unglück zugestand, daß er es vorzog, nichts zu antworten.
Duguesclin setzte sich an den Rand eines Grabens und forderte den Stammler von Villaines, Andrehan und die Andern auf, sich ihm zu nähern. Denn der Prinz von Wales hatte seine Trompeter blasen lassen und seine Soldaten versammelt.
»Man wird beten,« sprach der Connetable. »Seine Hoheit ist ein tapferer und sehr frommer Prinz. Beten wir auch, wir Andern.«
»Um Gott dafür zu danken, daß er Euch gerettet hat?« fragte der Stammler von Villaines.
»Um Wiedervergeltung von ihm zu erstehen!« erwiderte Bertrand.
Der Prinz von Wales, nachdem er auf den Knieen dem Herrn für diesen großen Sieg gedankt hatte, rief Don Pedro, der mit wilden Blicken umherschaute und, in eine finstere Betrachtung versunken, nicht einen Augenblick das Knie gebeugt hatte.
»Ihr seid nun Sieger,« sprach der schwarze Prinz, »und dennoch habt Ihr eine Schlacht verloren.«
»Wie so?« fragte Don Pedro.
»Ein König ist besiegt, der seine Krone nur dadurch wiedererlangt, daß er das Blut seiner Unterthanen vergießt.«
»Das Blut von Rebellen!« rief Don Pedro.
»Hat sie Gott nicht dafür bestraft, daß sie von Euch abgefallen sind? Sire, fürchtet Euch, daß er Euch nicht wie sie bestraft, wenn Ihr diejenigen verlaßt, welche er Euch anvertraut.«
»Hoher Herr!« murmelte Don Pedro sich verbeugend, »ich habe Euch meine Krone zu verdanken; doch ich bitte,« fügte er vor Zorn und Scham erbleichend bei, »seid nicht unbarmherziger, als der Allmächtige . . .Schlagt nicht mich, der ich Euch danke.«
Er beugte das Knie.
Der Prinz Eduard hob ihn wieder auf und sprach:
»Dankt Gott, mir seid Ihr nichts schuldig.«
Dann wandte ihm der Prinz den Rücken zu und kehrte in sein Zelt zurück, um etwas Speise zu sich zu nehmen.
»Kinder!« rief Don Pedro, der endlich seiner wilden Gier die Zügel schießen ließ, »kleidet die Todten aus, Euch gehört die ganze Beute des Tages.«
Und er schwang sich auf ein frisches Roß, jagte zuerst nach der Ebene, betrachtete aufmerksam jeden Haufen von Leichnamen und wandte sich vorzugsweise nach dem Ufer des Flusses, an die Stelle, wo Don Enrique von Transtamare mit dem Captal von Buch gekämpft hatte.
Sobald er hier war, stieg er ab, steckte einen scharfen langen Dolch in seinen Gürtel und suchte schweigsam, mit den Füßen im Blute watend.
»Ihr seid sicher, daß Ihr ihn habt fallen sehen?« fragte er endlich Crailly.
»Ich bin dessen sicher,« antwortete der Captal; »von einer Axt getroffen, die mein Knappe mit einer Geschicklichkeit ohne Gleichen schleudert, stürzte sein Pferd zusammen.«
»Doch er, doch er?«
»Er verschwand unter einer Wolke von Pfeilen. Ich habe Blut an seinen Waffen gesehen und ein ganzer Berg erschlagener Leute rollte über ihn und begrub ihn.«
»Gut! Gut! . . Suchen wir . . . « erwiderte Don Pedro mit einer wilden Freude. »Ah! dort sehe ich einen goldenen Helmschmuck!«
Und, mit der Behendigkeit eines Tigers sprang er auf die Leichname und zerrte diejenigen, welche den Ritter mit dem goldenen Helmschmuck bedeckten, aus die Seite.
Die Hand zitternd, das Auge erweitert, hob er das Helmvisir auf.
»Sein Schildknappe!« sagte er, »nur sein Schildknappe!«
»Doch das sind die Waffen des Prinzen« entgegnete Crailly; »allerdings ist keine Krone auf dem Helm.«
»List! List! der Feige wird dem Schildknappen seine Waffen gegeben haben, um besser fliehen zu können . . Doch ich hatte Alles vorhergesehen; ich habe die Ebene umschließen lassen, so daß er nicht über den Fluß setzen konnte . . . Ah! dort bringen mir meine getreuen Mauren Gefangene, sicherlich befindet er sich unter ihnen.«
»Sucht immerhin unter den anderen Leichnamen, und fünfhundert Piaster demjenigen, der ihn' lebendig bringt,« sagte Crailly zu den Soldaten, welche mit verdoppeltem Eifer suchten.
»Und tausend Dukaten dem, der ihn todt findet,« fügte Don Pedro bei. »Wir gehen den Gefangenen entgegen, die Mothril bringt.«
Don Pedro stieg wieder zu Pferd und sprengte, gefolgt von zahlreichen Reitern, welche die Scene, die sich vorbereitete, zu sehen begierig waren, nach den Grenzen der Ebene, wo man einen Cordon von Mauren in weißen Kleidern eine Truppe von Flüchtlingen, die sie in der Ferne zusammengebracht, vor sich hertreiben sah.
»Ich glaube ihn zusehen! ich glaube ihn zu sehen!« brüllte Don Pedro, sein Pferd zu rascherem Laus anspornend.
Er schrie so, während er an den bretagnischen Gefangenen vorüber ritt. Duguesclin hörte es, stand auf, befragte mit durchdringendem Auge die Ebene und rief:
»Ah! mein Gott, welch ein Unglück!« Diese Worte erschienen Don Pedro als die Bestätigung des von ihm gehofften Glücks.
Er wollte, um dieses Glücks sich noch mehr zu erfreuen, den Connetable damit niederbeugen, das heißt, zugleich seine zwei mächtigsten Feinde den einen durch den andern schlagen.
»Bleiben wir,« sagte er. »Ihr, Seneschal, befehlt Mothril, mit seinen Gefangenen hierherzukommen . . . hier vor das Angesicht dieser edlen bretagnischen Herren, der getreuen Freunde des Thronräubers, des Besiegten! . . .der Streiter für eine Sache, bei der sie in keiner Beziehung betheiligt waren, und der sie auch den Triumph nicht zu verschaffen wußten.«
Diesem Hohn, dieser eines Mannes unwürdigen, rachsüchtigen Wuth setzte der bretagnische Held nicht einmal eine Antwort entgegen, welche hätte vermuthen lassen, er habe gehört.
Er saß, er blieb sitzen, und plauderte gleichgültig mit dem Marschall d'Andrehan.
Don Pedro war indessen abgestiegen, er stützte sich aus eine lange Art, preßte krampfhaft den Griff seines Dolches und schüttelte den Fuß mit einer Ungeduld, als hätte er die Ankunft von Mothril und seinen Gefangenen dadurch beschleunigen können.
Sobald sich seine Stimme aus der Ferne hörbar machen konnte, rief der König Mothril zu:
»Nun! mein braver Saracen, nun, mein muthiger weißer Falke, welches Wild bringst Du mir?«
»Ein gutes Wild, Hoheit,« erwiderte der Maure, »seht dieses Banner.«
Er hielt in der Thal um seinen Arm geschlungen ein Stück Goldstoff, woraus das Wappen von Transtamare gestickt war.
»Er ist es also,« rief Don Pedro, außer sich vor Freude, »er ist es!«
Und seine Geberde drohte und bezeichnete einen von Kopf bis zu Fuß gewappneten Ritter, mit einer Krone aus dem Haupt, doch ohne Schwert, ohne Lanze, vielfach gefesselt durch eine seidene Schnur, an deren beiden Enden eine schwere bleierne Kugel hing.
»Er floh,« sprach Mothril, »ich sandte ihm zwanzig Reiter der Wüste nach; mein Anführer der Bogenschützen erhielt den Todesstoß: doch ein Anderer umschlang ihn mit den Knoten des Strickes, er fiel mit seinem Pferde, und wir haben ihn. Er hielt sein Banner in der Hand. Leider ist uns einer seiner Freunde entkommen, während er allein Widerstand leistete.«
»Nieder mit der Krone, nieder!« rief Don Pedro, seine Art schwingend.
Ein Bogenschütze näherte sich dem Gefangenen, durchschnitt die Knoten des Halsstückes und schlug mit roher Faust den Helm mit der goldenen Krone von seinem Haupt.
Ein Schrei des Schreckens, der Wuth, kam aus dem Mund des Königs; ein Schrei ungeheurer Freude brach aus der Gruppe der Bretagner hervor.
»Der Bastard von Mauléon!« riefen diese, »Heil! Heil!«
»Der Botschafter! . . . Fluch!« murmelte Don Pedro.
»Der Franke!« stammelte Mothril grimmig.
»Ich!« sagte einfach Agenor, indem er mit dem Blick Bertrand und seine Freunde begrüßte.
»Wir!« sprach ein wenig bleich Musaron, der jedoch rechts und links Fußtritte an die Mauren austheilte.
»Er ist also gerettet?« fragte Don Pedro.
»Mein Gott! ja, Sire,« erwiderte Agenor. »Ich habe hinter einem Gebüsch den Helm Seiner Majestät genommen und ihr mein frisches Pferd gegeben.«
»Du wirst sterben!« brüllte Don Pedro durch die Wuth verblendet.
»Berührt ihn doch!« rief Bertrand, der einen furchtbaren Sprung machte und sich zwischen Agenor und Don Pedro stellte. »Einen wehrlosen Gefangenen tödten! Oh! Ihr seid wohl feig genug hierzu!«
»Dann sollst Du sterben, elender Abenteurer,« sprach Don Pedro zitternd und mit schäumendem Mund.
Und er stürzte, seinen Dolch schwingend, auf Bertrand los, der die Faust schloß, als wollte er einen Ochsen niederschmettern.
Doch es legte sich eine Hand aus die Schulter von Don Pedro, ähnlich der Hand von Minerva, wie sie im Homer den Achill bei den Haaren faßte.
»Haltet ein!« sprach der Prinz von Wales, »Ihr entehrt Euch, König von Castilien! Haltet ein und werft den Dolch von Euch, ich will es!«
Sein nerviger Arm hatte Don Pedro auf den Platz gebannt, der Stahl entschlüpfte den Händen des Mörders.
»Verkauft ihn wenigstens an mich!« schrie der Wüthende, «ich bezahle Euch für ihn sein Gewicht in Gold.«
»Ihr beleidigt mich!« . . . erwiderte der schwarze Prinz. »Nehmt Euch in Acht, ich bin der Mann, Euch für Duguesclin sein Gewicht in Edelsteinen zu bezahlen, wenn er Euch gehörte, und Ihr würdet ihn an mich verkaufen, davon bin ich überzeugt. Doch er gehört mir, erinnert Euch dessen! Zurück!«
»König,« murmelte Duguesclin, den man nur mit Mühe bändigen konnte, »schlimmer König! der Du Deine Gefangenen niedermetzelst, wir werden uns wiederfinden!«
»Ich glaube es,« sprach Don Pedro.
»Ich rechne darauf,« rief Bertrand.
»Führt den Connetable von Frankreich sogleich in mein Zelt,« sprach der schwarze Prinz.
»Noch einen Augenblick Geduld, mein würdiger Prinz, der König würde bei dem Bastard von Mauléon bleiben und ihn erwürgen.«
»Oh! ich sage nicht nein,« erwiderte Don Pedro mit einem wilden Lächeln, »doch dieser, denke ich, gehört wohl mir?«
Duguesclin bebte; er schaute den Prinzen von Wales an.
»Sire,« sagte der Prinz Don Pedro, »es soll an diesem Tag nicht ein einziger Gefangener getödtet werden.«
»An diesem Tag, gut,« rief Don Pedro und schleuderte Mothril einen Blick des Einverständnisses zu.
»Es ist ein zu schöner Siegestag, nicht wahr?« fuhr der Prinz von Wales fort.
«Ganz gewiß, hoher Herr.«
»Und Ihr werdet wohl etwas für mich thun?«
Don Pedro verbeugte sich.
»Ich bitte Euch um diesen jungen Mann,« sagte der Prinz.
Ein tiefes Stillschweigen begleitete diese Worte, worauf Don Pedro, bleich vor Zorn, nicht sogleich etwas erwiderte.
»Oh! mein Prinz/' sagte er dann, »Ihr laßt mich fühlen, daß Ihr der Herr seid. . . Ich soll meine Rache verlieren!. . .«
»Wenn ich der Herr bin, so befehle ich,« rief entrüstet der schwarze Prinz, »man löse die Bande dieses Ritters, man gebe ihm seine Waffen, sein Pferd zurück.«
»Heil! Heil dem guten Prinzen von Wales!« riefen die bretagnischen Ritter.
»Lösegeld wenigstens,« sprach Mothril, um Zeit zu gewinnen.
Der Prinz warf einen schiefen Blick auf den Mauren und fragte mit Ekel:
»Wie viel?« Der Maure antwortete nichts.
Der Prinz machte von seiner Brust ein Diamantkreuz los, reichte es Mothril und rief:
»Nimm, Ungläubiger!«
Erschrocken, beugte Mothril das Haupt und murmelte ganz leise den Namen des Propheten.
»Ihr seid frei, Herr Ritter,« sprach der Prinz zu Mauléon. »Frei werdet Ihr nach Frankreich zurückkehren und, dort verkündigen: zufrieden, die Ehre gehabt zu haben, durch Gewalt eine Zeit lang den furchtbarsten Ritter der Welt zu besitzen, werde der Prinz von Wales Bertrand Duguesclin nach dem Feldzug zurückschicken, und zwar ohne Lösegeld zurückschicken.«
»Almosen, diesen französischen Bettlern!« murmelte Don Pedro.
Bertrand hörte es und sprach zum Prinzen:
»Hoher Herr, seid nicht großmüthig gegen mich, Eure Freunde würden mich erröthen machen.
Ich gehöre einem Herrn, der mein Lösegeld zehnmal bezahlen würde, wenn ich mich zehnmal gefangen nehmen ließe, und wenn ich jedes mal meinen Werth zu dem eines Königs schätzte.«
»So bestimmt selbst Euer Lösegeld,« sagte der Prinz mit freundlichem Ton.
Bertrand dachte einen Augenblick nach und erwiderte:
»Sire, ich bin siebenzigtausend Goldgulden werth.«
»Gott sei gelobt rief Don Pedro, »der Hochmuth stürzt ihn in's Verderben! Es findet sich in Frankreich nicht die Hälfte von dieser Summe bei König Karl V.«
»Das ist möglich,« entgegnete Bertrand, »doch da der Ritter von Mauléon nach Frankreich zurückkehrt, so wird er wohl die Güte haben, die Bretagne zu durchziehen und in jedem Dorf und auf jeder Straße die Worte auszurufen: »»Bertrand Duguesclin ist Gefangener der Engländer! – Spinnt, Ihr Weiber von Bretagne, er erwartet von Euch sein Lösegeld!««
»Bei Gott! das werde ich thun!« rief Mauléon.
»Und Ihr werdet die Summe Seiner Hoheit bringen, ehe ich Zeit gehabt habe, mich hier zu langweilen,« sagte Bertrand, »was ich indessen, und sollte auch meine Gefangenschaft mein ganzes Leben dauern, nicht glaube, da ich mich in Gesellschaft eines so hochherzigen Prinzen befinde.«
Der Prinz reichte Bertrand die Hand.
»Ritter,« sprach er zu Mauléon, der, frei geworden, sich ganz glücklich fühlte, daß er sein Schwert wieder in der Hand hielt, »Ihr habt Such an diesem Tag wie ein redlicher Soldat benommen. Ihr entzieht uns den großen Gewinn der Schlacht dadurch, daß Ihr Enrique von Transtamare gerettet; doch wir grollen Euch nicht, daß Ihr uns neue Bahnen zum Kampf eröffnet. Nehmt diese goldene Kette und dieses Kreuz, das der Ungläubige nicht haben wollte.«
Er sah Don Pedro leise mit Mothril sprechen und diesen mit einem Lächeln antworten, dessen Bedeutung Duguesclin zu fürchten schien.
