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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 31

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»Niemand rühre sich,« rief der Prinz. »Ich bestrafe Jeden mit dem Tod, der den Umkreis meines Lagers überschreitet. . . wäre er ein Anführer, wäre er ein Prinz, wäre er der König. Chandos«, fügte er bei, »Ihr seid der Connetable von England, und als braver Rittersmann werdet Ihr den Sire von Mauléon bis zur ersten Stadt führen und ihm den nöthigen Geleitbrief geben.«

Abermals niedergeschmettert durch diese verständige, beharrliche Auslegung seiner gehässigen Komplotte schaute Mothril seinen Gebieter mit wehmüthigem Auge an.

Don Pedro war von der Höhe seiner Siegesfreude herabgefallen; er konnte sich nicht mehr rächen.

Agenor senkte ein Knie vor dem Prinzen von Wales auf die Erde und wollte dann Duguesclin- die Hand küssen, doch dieser schloß ihn in seine Arme und sagte ihm ganz leise:

»Meldet dem König, unsere Fresser haben sich überladen; sie gehen ein wenig schlafen, und wenn er mir mein Lösegeld schicke, werde ich ihn dahin führen, wohin ich es ihm versprochen habe. Heißt meine Frau unser letztes Grundstück veräußern, damit ich viele Bretagner loskaufen kann.«

Gerührt stieg Agenor zu Pferde, nahm von seinen Gefährten Abschied und brach auf.

Musaron brummelte:

»Wer mir gesagt hätte, ich würde einen Engländer mehr lieben, als einen Mauren!«

Fünfundvierzigstes Kapitel.
Allianzvertrag

Zu gleicher Zeit, da sich der Sieg zu Gunsten von Don Pedro entschied, da Duguesclin in die Hände des Feindes fiel und Mauléon auf die Ermahnung des Connetable das Schlachtfeld verließ, wohin er mit dem Helm und dem Mantel von König Enrique zurückgebracht werden sollte, verließ ein Eilbote dasselbe Schlachtfeld und wandte sich nach dem Dorfe Cuello.

In einer Entfernung von hundert Schritten von einander warteten hier zwei Frauen, die eine in einer Sänfte, mit einem Geleite von Arabern, die andere auf einem andalusischen Maulthier reitend, mit einem Gefolge castilianischer Ritter, unter allen Beklemmungen der Furcht und der Hoffnung.

Dona Maria befürchtete, der Verlust der Schlacht könnte den Ruin der Angelegenheiten von Don Pedro und für sie den Verlust der Freiheit zur Folge haben.

Aissa wünschte, irgend ein Ereigniß, Sieg oder Niederlage, möchte ihren Geliebten zu ihr zurückführen. Ihr lag wenig an dem Sturz von Don Pedro oder der Erhebung von Enrique, wenn sie nur hinter dem Sarge des Einen oder dem Triumphwagen des Andern Agenor erscheinen sah.

Die zwei Frauen begegneten sich so eines Abends mit diesem doppelten Schmerz. Maria war mehr als unruhig, sie war eifersüchtig. Sie wußte, daß Mothril als Sieger sich nur noch mit den Vergnügungen des Königs zu beschäftigen haben würde. Sie harte seine ganze Politik errathen, und Aissa hatte in ihrer Einfalt diesen instinctartigen Verdacht bestätigt.

So gut diese von zwanzig getreuen Sklaven von Mothril bewacht wurde, und obgleich sie der Maure seiner Gewohnheit gemäß in seiner Sänfte eingeschlossen hatte, verlor sie Maria doch nicht aus dem Blick.

Der Maure, der diesen kostbaren Schatz nicht den Gefahren des Kampfes und der Rohheit der englischen Hilfstruppen aussetzen wollte, hatte die Sänfte in dem Dorf Cuello zurückgelassen, das aus zwanzig Hütten bestand und ungefähr zwei Meilen von dem Schlachtfeld von Navarrete entfernt war. Er hatte seinen Sklaven strenge Befehle gegeben.

Einmal sollten sie auf ihn warten und die sorgfältig geschlossene Sänfte nur ihm öffnen.

Für den Fall, daß er nicht zurückkäme, daß er im Kampf getödtet würde, hatte er andere scharfe Befehle ertheilt, wie man später sehen wird.

Aissa erwartete also den Ausgang der Schlacht im Dorfe Cuello.

Als Don Pedro von Soria aufmarschirte, ließ er Maria wohl bewacht zurück. Sie sollte auf Nachricht von ihm warten; Maria hatte eine große Summe an Geld und Edelsteine, und Don Pedro vertraute so sehr dieser ergebenen Liebe, daß er wußte, im Falle eines Umschlags würde ihm Maria redlicher zugethan sein, als im Glück.

Doch Maria wollte nicht die Qual gewöhnlicher Frauen, die Eifersucht, ausstehen I Sie hatte den Grundsatz, es sei besser, ein Unglück zu berühren, als einen Verrath nicht zu wissen. Sie mißtraute Mothril, sie fürchtete die Schwäche von Don Pedro, sie wußte, daß Cuello in zu geringer Entfernung von Navarrete lag.

Sie nahm sechs Knappen und zwanzig Reisige, welche mehr Freunde als Diener waren, bestieg ein ausgesuchtes aragonisches Maulthier, und lagerte sich, ohne daß man etwas davon erfuhr, am Fuße eines Hügels, hinter welchem die Gebäude von Cuello sich erhoben.

Wenn sie auf den Hügel stieg, sah sie die Schaaren der zwei Heere vorrücken; sie hätte den Kampf sehen können, aber es gebrach ihr an Muth dazu wegen der Wichtigkeit der Ereignisse.

Hier hatte sie Aissa getroffen.

Sie hatte auf das Schlachtfeld einen verständigen Eilboten geschickt, und sie erwartete ihn in geringer Entfernung von Aissa, welche die auf dem Grase liegenden Sklaven bewachten.

Dieser Eilbote kam an. Er meldete das Gewinnen der Schlacht. Als ein Kriegsmann und einer der Kämmerlinge des Palastes von Don Pedro, kannte er die vornehmsten Ritter der feindlichen Armee. Er hatte Mauléon gesehen, als dieser in feierlicher Audienz in Soria empfangen wurde. Ueberdies hatte ihm Maria Agenor genau bezeichnet, und er war dabei an dem Balken erkennbar, der auf seinem Schilde einen rothen Löwen in vier Felder theilte.

Er meldete also, Enrique von Transtamare sei besiegt, Mauléon auf der Flucht begriffen, und Duguesclin gefangen genommen.

Während diese Nachricht bei Maria Padilla alle Wünsche des Ehrgeizes und des Stolzes erfüllte, erweckte sie in ihrem Geist alle Befürchtungen der Eifersucht.

Don Pedro siegreich, wieder auf dem Thron befestigt, war in der That der Traum ihrer Liebe und ihres Stolzes; aber Don Pedro glücklich, beneidet, den Versuchungen von Mothril ausgesetzt, war das Gespenst dieser so unglücklichen, so ergebenen Liebe.

Maria faßte ihren Entschluß mit der Kühnheit, die sie charakterisierte.

Sie befahl den Reisigen, ihr zu folgen, und ritt den Berg hinab, indem sie sich mit ihrem Boten besprach.

»Ihr sagt, der Bastard von Mauléon sei geflohen «« fragte sie.

»Ja wohl, edle Frau, wie der Löwe flieht, unter einem Hagel von Pfeilen.«

Der Bote sprach von der ersten Flucht von Mauléon, denn er hatte sich schon entfernt, als man den Bastard in der Rüstung von Enrique zurückbrachte.

»Wohin denkt man, daß er gegangen sei?«

»Nach Frankreich, wie der entwichene Vogel nach seinem Neste flieht.«

»In der That,« dachte sie. »Ritter, wie viel Tagereisen rechnet man von hier nach Frankreich?«

»Zwölf, Senora, für eine Dame wie Ihr.«

»Doch um nicht eingeholt zu werden, wenn man entweicht, wie der Bastard von Mauléon, zum Beispiel?«

»Oh! hohe Frau, in drei Tagen würde man dem erbittertsten Feinde trotzen. Uebrigens verfolgt man den jungen Mann nicht, da man den Connetable hat.«

»Aber was ist aus Mothril geworden?«

»Er hat den Befehl erhalten, die Ebene zu umschließen und das Entkommen der Flüchtlinge, besonders das von Enrique von Transtamare, wenn er noch lebt, zu verhindern.«

»Er wird sich also nicht mehr um Mauléon bekümmern,« dachte sie.

»Folgt mir, Ritter.«

Sie begab sich zur Sänfte von Aissa; doch als ihre Truppe in die Nähe der maurischen Wächter kam, erhoben sich diese aus dem Grase, in dem sie in einem nachlässigen Halbschlummer ausgestreckt lagen.

»Hollah!« rief Mana, »wer befehligt hier?«

»Ich, Senora,« antwortete der Führer, der an dem Purpur seines Turbans und an seinem flatternden Gürtel erkenntlich war.

»Ich will mit der jungen Frau sprechen, die in dieser Sänfte verborgen ist.«

»Unmöglich, Senora,« erwiderte lakonisch der Anführer.

»Ihr kennt mich vielleicht nicht?«

»Oh! doch,« sagte der Maure lächelnd, »Ihr seid Dona Maria Padilla.«

»Ihr müßt also wissen, daß ich durch den König Don Pedro alle Gewalt habe?«

»Ueber die Leute von König Don Pedro,« entgegnete der Maure mit ernstem Tone, »nicht über die des Saracenen Mothril.«

Dona Maria sah mit Bangen diesen Anfang eines Widerstandes.

»Habt Ihr denn entgegengesetzte Befehle?« fragte sie sanft.

»Ich habe, Senora.«

»Nennt sie mir wenigstens.«

»Jeder Andern, Senora, würde ich mich weigern, den Befehl zu nennen; doch Euch, der Allmächtigen, werde ich ihn sagen.

Ist die Schlacht verloren, und der edle Herr Mothril zögert zu kommen, so soll ich Alssa nur ihm allein übergeben; ich habe mich folglich mit meiner Truppe zurückzuziehen.«

»Die Schlacht ist gewonnen,« sagte Dona Maria.

»Dann wird Mothril kommen.«

»Wenn er todt ist?«

»So muß ich Dona Aissa zu König Don Pedro führen,« antwortete der Maure mit unstörbarem Wesen; »es wird doch das Wenigste sein, daß sich Don Pedro zum Vormund der Tochter des Mannes macht, der für ihn gestorben ist.«

Maria bebte.

»Aber er lebt, er wird kommen, und mittlerweile kann ich doch wohl zwei Worte mit Dona Aissa reden. Versteht Ihr mich, Senora?« fragte sie.

»Hohe Frau,« sprach rasch der Anführer, indem er sich der Sänfte näherte, »zwingt die Senora nicht, mir Euch zu reden, denn ich habe für diesen Fall einen furchtbaren Befehl.«

»Welchen?«

»Ich muß sie mit eigener Hand tödten, sollte eine Verbindung zwischen ihr und einem Fremden die Ehre meines Herrn beflecken und seinem Willen entgegentreten.«

Dona Maria wich erschrocken zurück. Sie kannte die Sitten des Landes und des Volks, wilde, unerbittliche Sitten, dumpfe Vollstreckerinnen jedes höheren Willens, in dessen Dienst sie sich mit der Hitze des Bluts und der Brutalität des Klimas stellen.

Sie kehrte zu ihrem Ritter zurück, der sie, die Lanze in der Faust, mit seinen andern Reisigen erwartete, welche unbeweglich wie eherne Bildsäulen auf ihren Pferden saßen.

»Ich müßte diese Sanfte haben,« sagte sie; »doch sie ist gut vertheidigt, und der Anführer der Mauren droht die unter den Vorhängen verborgene Frau zu tödten, sollte man sich ihr nähern.«

Der Ritter war ein Castilianer, das heißt ein Mann voll Einbildungskraft und Galanterie: er besaß den erfindenden Geist, den unternehmenden, Muth und die vollziehende Stärke.

»Senora,« sagte er, »dieser Bursche mit gelbem Gesicht macht mich lachen; ich verarge es ihm, daß er Euch erschreckt hat.

Er bedenkt also nicht, daß er, wenn ich ihn an die Sänfte nageln würde, die Dame, die sie enthält, nicht tödten könnte!«

»Oh! diesen Menschen tödten, der seinem Befehl gehorcht!«

»Seht, wie er gut Wache hält; er läßt seine Gefährten zu den Waffen greifen!«

Diese Worte wurden in reinem Castilianisch gesprochen.

Die Mauren schauten mit aufgerissenen, erstaunten Augen, denn wenn sie auch das Arabische verstanden, das Dona Maria mit ihnen gesprochen, wenn sie auch die furchtbaren Geberden der Ritter begriffen, so verstanden sie doch nicht das Spanische, indem sie in dieser Hinsicht den Satzungen der mahometanischen Religion gehorchten, welche in der arabischen Sprache und im Koran jede Macht und jede Erhabenheit zusammendrängen.

»Seht, hohe Frau, sie werden uns zuerst angreifen, wenn wir uns nicht zurückziehen. « sagte der Ritter; »es sind blutdürstige Hunde, diese Mauren, und sie haben große Lust, ein paar gute Lanzenstiche unter den Augen einer schönen und edlen Dame auszutheilen.«

»Wartet!« sagte Maria, »wartet! Ihr denkt, sie verstehen das Castilianische nicht?«

»Ich bin dessen sicher; versucht es, mit ihnen zu sprechen, Senora.«

»Ich habe einen andern Gedanken,« erwiderte Maria Padilla.

»Dona Aissa,« sprach sie spanisch mit lauter Stimme, jedoch, indem sie sich gegen den Ritter wandte, »Ihr hört mich ohne Zweifel? Wenn Ihr mich hört, schüttelt die Vorhänge Eurer Sänfte.«

Bei diesen Worten sah man wiederholt die Brocatvorhänge zittern.

Ganz von ihrem Ueberwachungsgeschäft in Anspruch genommen, rührten sich die Mauren nicht.

»Ihr seht, daß sich nicht Einer umgedreht hat,« bemerkte der Ritter.

»Das ist vielleicht eine List,« sagte Dona Maria; »warten wir noch.«

Dann fuhr sie fort, indem sie sich ans dieselbe Weise an die junge Frau wandte:

»Ihr werdet nur auf einer Seite der Sänfte beobachtet; ganz beschäftigt, uns zu bewachen, lassen Euch die Mauren die uns entgegengesetzte Seite frei. Ist die Sänfte geschlossen, so durchschneidet die Vorhänge mit Eurem Messer und schlüpft hinaus; es ist dort, zwei, hundert Schritte von hier, ein dicker Baum, hinter den Ihr Euch flüchten könnt; gehorcht rasch, es handelt sich darum, dem Bewußten nachzueilen; ich bringe Euch die Mittel dazu.«

Kaum hatte Padilla, scheinbar immer gleichgültig, diese Worte gesprochen, als man die Sänfte unter einem unmerklichen Schwanken zittern sah. Die Ritter machten zum Schein eine feindselige Bewegung gegen die Mauren, welche, ihrerseits ihre Bogen spannend und ihre Waffen entwickelnd, vorrückten.

Doch das Gesicht gegen die Mauren gewendet, sahen die Castilianer jenseits der Sänfte die schöne Aissa wie eine Taube in dem zwischen der Sänfte und dem Baum mit dem dicht verwachsenen Astwerk leer gebliebenen Raum entfliehen.

Als sie die andere Seite des Baumes erreicht hatte, sagte Dona Maria zu den Mauren:

»Gut! fürchtet nichts; behaltet Euren Schatz; wir werden ihn nicht berühren; nur tretet auf die Seite und laßt uns vorbeiziehen.«

Der Anführer, dessen Züge sich alsbald entrunzelten, verbeugte sich und trat auf die Seite; seine Gefährten ahmten ihn nach.

In Folge hiervon zog die Escorte von Dona Maria rasch und sicher vorüber, um sich zwischen Aissa und diejenigen zu stellen, welche einen Augenblick zuvor ihre Wächter gewesen waren.

Aissa hatte Alles begriffen; als sie diese beschützende Mauer von zwanzig ehernen Männern vor sich ausgedehnt sah, warf sie sich in die Arme von Dona Maria und küßte ihr in freudigem Erguß die Hände.

Der Anführer der maurischen Bogenschützen bemerkte, daß die Sänfte leer war, begriff die List und stieß einen Schrei der Wuth aus; er sah sich hintergangen, verloren! . . . Einen Augenblick hatte er den Gedanken, blindlings gegen die Reisigen von Dona Maria loszustürzen; doch erschrocken über die Ungleichheit des Kampfes, zog er es vor, sich auf ein Pferd zu schwingen, das ihm der Stallmeister von Mothril hielt, und sprengte im Galopp nach dem Schlachtfeld.

»Es ist keine Zeit zu verlieren,« sagte Dona Maria zu dem Ritter; »Senor, seid meiner ganzen Dankbarkeit versichert, wenn es Euch gelingt, diese junge Frau von Mothril zu entfernen und nach der Straße zu führen, der der Bastard von Mauléon folgt.«

»Senora,« erwiderte der Ritter, »Mothril ist der Günstling unseres Königs, diese Frau ist seine Tochter und gehört folglich ihm, ich raube ihm also seine Tochter.

»Ihr gehorcht mir, Herr Ritter.«

»Das ist mehr, als es bedarf, edle Frau, und wenn ich sterben soll, so habe ich mein Leben für Euch hingegeben . . . Doch wenn der König Don Pedro mich entfernt von dem Posten trifft, den zu behaupten mir befohlen ist, was werde ich antworten? Dieses Versehen wird ernster sein, denn ich bin gegen meinen König ungehorsam gewesen.«

»Ihr habt Recht, Senor, man soll nicht sagen, das Leben und die Ehre eines braven Rittersmanns, wie Ihr, seien durch die Laune eines Weibes gefährdet worden! . . . Zeigt uns den Weg, Dona Aissa wird zu Pferde steigen, mich zu der Straße begleiten, der der Bastard von Mauléon gefolgt ist, und dort. . . nun! dort verlassen wir sie, und Ihr führt mich zurück.«

Doch dies war nicht die Absicht von Dona Maria, sie wollte nur, die Bedenklichkeiten des Ritters schonend, Zeit gewinnen. Sie war eine Frau gewohnt, zu wollen und durchzudringen, und rechnete auf ihr gutes Glück.

Der Ritter setzte sein Pferd in den Schritt des Zelters von Dona Maria; man brachte für Aissa ein weißes Maulthier von seltener Schönheit und Stärke; die Escorte schlug einen Galopp an und wandte sich, die Ebene links vom Schlachtfeld durchschneidend, mit verhängtem Zügel nach der Straße, welche nach Frankreich führt und am Horizont durch große, unter dem Ostwind wogende Birken bezeichnet war.

Niemand sprach, denn Alle dachten nur daran, die Geschwindigkeit der schäumenden Pferde zu verdoppeln.

Schon waren zwei Meilen zurückgelegt; das Schlachtfeld mit seinen Blutlachen, mit den Todten, mit der niedergetretenen Ernte, mit den zerschmetterten Bäumen erschien wie ein riesiges Todtentuch voll von Leichnamen, als Maria an der Biegung einer Hecke einen Ritter im Galopp auf sich zukommen sah.

Sie erkannte den Helmstutz und das Wehrgehäng,

»Don Ayalos!« rief sie dem klugen Boten zu, der schon einen Umweg machte, um ein verdächtiges Zusammentreffen zu vermeiden, »seid Ihr es?«

»Ja, edle Dame, ich bin es,« erwiderte der Castilianer, die Geliebte des Königs erkennend.

»Welche Kunde?« fragte Maria, ihren Zelter kurz auf seinen stählernen Häcksen anhaltend.

Eine seltsame: man glaubte den König Enrique von Transtamare gefangen genommen zu haben, da Mothril die Flüchtigen verfolgte: als man aber dem Unbekannten, der den Helm des Königs trug, das Visir aufschlug, erkannte man, daß es kein Anderer war als der Ritter von Mauléon, jener französische Botschafter, der, nachdem er geflohen, sich gefangen nehmen ließ, um Don Enrique zu retten.«

Aissa stieß einen Schrei aus.

»Er ist gefangen!« rief sie.

»Er ist gefangen; und als ich mich von dort entfernte, bedrohte ihn der König, von seinem Zorn fortgerissen, mit seiner Rache.«

Aissa schlug die Augen voll Verzweiflung zum Himmel auf und sprach:

»Er sollte ihn tödten? Unmöglich.«

»Er hätte beinahe den Connetable getödtet.«

»Aber ich will nicht, daß er stirbt?« rief die junge Frau, und sprengte mit ihrem Maulthier nach dem Schlachtfeld.

»Aissa, Aissa! Ihr richtet mich zu Grund! Ihr stürzt Euch selbst ins Verderben rief Dona Maria.

»Er darf nicht sterben!« wiederholte fanatisch Aissa.

Und sie jagte weiter.

Unsicher, keuchend, suchte Dona Maria das Gefühl, die Vernunft wieder zu erlangen als man die Erde unter dem Gewicht einer Truppe rascher Reiter donnern hörte.

»Wir sind verloren,« sagte der Ritter, sich auf den Steigbügeln erhebend, »das ist eine Abtheilung von Mauren, welche schneller kommen als der Wind, lind ihr Anführer eilt ihnen voran.«

In der That, ehe Aissa sich von der Straße entfernt hatte, öffnete sich diese wüthende Reiterschaar wie eine an den Winkel eines Brückenjochs stürzende Woge, umhüllte sie, umzingelte ihre Gefährten, und Dona Maria selbst, welche trotz ihrer Entschlossenheit ohnmächtig und bleich neben dem Ritter blieb, dessen Unerschrockenheit sich nicht einen Augenblick verleugnete.

Da sprengte Mothril auf seinem arabischen Roß aus der Gruppe hervor, faßte das Maulthier von Aissa beim Zügel und fragte mit einer von der Wuth beinahe erstickten Stimme:

»Wohin eilt Ihr?«

»Ich suche Don Agenor, den Ihr tödten wollt,« antwortete Aissa.

Mothril erblickte Dona Maria und rief, auf eine gräßliche Weise die Zähne bleckend:

»Ah! . . . in Gesellschaft von Dona Maria! Ich errathe! ich errathe!«

Der Ausdruck seines Gesichtes wurde so furchtbar, daß der Ritter seine Lanze einlegte.

»Zwanzig, gegen hundert und zwanzig,« sagte er, »wir sind verloren.«

Sechsundvierzigstes Kapitel.
Der Waffenstillstand

Ein Kampf war nicht das, was Mothril wollte.

Er wandte sich langsam nach der Ebene um, warf einen letzten Blick auf das Schlachtfeld und sagte, sich an Maria Padilla wendend:

»Senora, ich glaubte, unser Herr der König hätte Euch einen bestimmten Ort angewiesen, wo Ihr verweilen solltet; wäre er anderer Gesinnung geworden, und gehorcht Ihr etwa einem neuen Befehl?«

»Befehl,« erwiderte die stolze Castilianerin, »vergißt Du, Saracene, daß Du mit derjenigen sprichst, welche Befehle nicht anzunehmen, sondern zu geben gewohnt ist.«

Mothril verbeugte sich.

»Aber, hohe Frau,« sagte er, »wenn Ihr auch im Stande seid, nach Eurem Wunsch zu handeln, so könnt Ihr doch nicht annehmen, daß Ihr über Dona Aissa nach Eurem Willen zu verfügen habt. . . Dona Aissa ist meine Tochter.«

Aissa wollte mit einem wütenden Ausruf antworten, doch Maria unterbrach sie und sagte:

»Herr Mothril, Gott behüte mich, daß ich Eure Familie in Unruhe versetze! Diejenigen, welche geachtet sein wollen, achten auch die Andern. Ich habe Dona Aissa allein, in Thränen, vor Angst sterbend gesehen und mit mir genommen.«

Aissa konnte sich nicht mehr länger halten und rief:

»Agenor! was habt Ihr mit meinem Ritter Don Agenor von Mauléon gethan?«

»Ah!« versetzte Mothril, »war meine Tochter nicht über diesen Herrn unruhig?«

Und ein unheimliches Lächeln klärte sein finsteres Gesicht auf.

Maria antwortete nicht.

»Habt Ihr nicht etwa zu diesem Herrn mildherziger Weise meine thränenreiche Tochter führen wollen?« fuhr Mothril sich an Maria wendend fort; »sprecht, Senora.«

»Ja,« sagte Aissa, »und ich verlange, daß man mich zu ihm läßt. Oh! Dein Blick macht mir nicht bange, mein Vater. Wenn Aissa will, will sie sehr. Ich will Don Agenor von Mauléon aufsuchen, führt mich zu ihm.«

»Zu einem Ungläubigen?« versetzte Mothril, dessen Gesicht immer bleicher wurde, sich immer mehr entstellte.

»Zu einem Ungläubigen, ja, denn dieser Ungläubige ist . . . «

Maria unterbrach sie und rief: »Dort erscheint der König, er kommt zu uns.«

Sogleich machte der Maure seinen Sklaven ein Zeichen, und Aissa wurde umzingelt und von Maria Padilla getrennt.

»Ihr habt ihn getödtet! Ihr habt ihn getödtet!« rief das Mädchen, »nun! so werde ich auch sterben!«

Sie zog aus ihrer goldenen Scheide eine kleine Klinge, so spitzig wie eine Schlangenzunge, aus der in der Sonne der Ebene ein Blitz hervorsprang.

Mothril stürzte auf sie zu . . . seine ganze Wuth hatte ihn verlassen, seine ganze Wildheit hatte einer schmerzlichen Angst Platz gemacht.

»Nein,« sagte er, »nein; er lebt! er lebt!«

»Wer wird mir hierüber Sicherheit geben?« entgegnete Aissa, den Mauren mit ihrem Feuerblick befragend.

»Erkundige Dich bei dem König selbst: wirst Du dem König glauben?«

»Es ist gut, fragt ihn, und er antworte.«

Don Pedro näherte sich. Maria Padilla warf sich ihm in die Arme.

»Hoheit,« sagte plötzlich Mothril, dessen Geist dem Wahnsinn nahe zu sein schien, »ist es wahr, daß der Franzose Mauléon todt ist?«

»Nein, bei der Hölle!« erwiderte der König mit finsterem Tone, »nein, ich konnte diesen Verräther, diesen Teufel nicht einmal treffen; nein, er flieht, der Elende, vom schwarzen Prinzen nach Frankreich zurückgeschickt; er flieht, frei, glücklich, spottend wie Sperling, der dem Geier entkommen ist.«

»Er flieht!« wiederholte Dona Aissa, »er flieht! ist das wirklich wahr?«

Und ihr Blick befragte alle Anwesenden.

Doch mittlerweile bedeutete Maria Padilla, Welche bestimmte Erkundigung eingezogen hatte und wußte, wie es sich mit der Rettung von Mauléon verhielt, Aissa durch ein Zeichen, ihr Geliebter sei unversehrt, und sie könnte bleiben.

Plötzlich legte sich der ganze Wahnsinn des Mädchens, wie sich die Stürme bei der Rückkehr des Sonnenscheins legen. Sie ließ sich durch Mothril führen, dem sie, die Stirne senkend, folgte, ohne zu bemerken, daß der König Don Pedro einen entflammten Blick auf sie heftete, so sehr war sie einzig und allein durch den Gedanken, Agenor lebe, durch die Hoffnung, sie könne ihn wiedersehen, in Anspruch genommen.

Maria Padilla gewahrte diesen Blick und errieth seinen Sinn; zu gleicher Zeit las sie aber auch in dem Gesicht der jungen Maurin den tiefen Widerwillen, den die grausamen Worte von Don Pedro in Beziehung auf Agenor bei ihr erregt hatten.

»Gleichviel,« sagte sie, »Aissa wird nicht am Hof bleiben, sie wird sich entfernen, und ich werde sie mit Mauléon wiedervereinigen. Es muß sein! Mothril wird sich mit aller Gewalt widersetzen; doch es ist entschieden, Mothril oder ich, eines von uns Beiden muß im Kampf unterliegen.«

Und als sie diesen Plan in ihrem Innern zur Reise gebracht hatte, hörte sie den König dem Mauren ins Ohr seufzen:,

»Sie ist in der That sehr schön, ich habe sie nie so schön gesehen wie heute.«

Mothril lächelte.

»Ja!« fuhr Maria, bleich vor Eifersucht fort, »das ist die Ursache des ganzen Krieges! . . .«

Die Rückkehr von Don Pedro nach Burgos erfolgte mit all dem Glanz, den ein entscheidender Sieg der legitimen Macht verleiht.

Die Rebellen konnten nichts mehr hoffen, sie unterwarfen sich, und die Begeisterung ihres Widerrufs war ebenso mächtig, als die Ermahnungen des schwarzen Prinzen, um die gewöhnliche Grausamkeit von Don Pedro in Milde zu verwandeln.

Dieser Fürst begnügte sich daher, ungefähr ein Dutzend Bürger hängen, von den Soldaten etwa hundert der berüchtigtsten Meuterer mit Ruthen streichen zu lassen, und einige gute Confiscationen für seinen Schatz an einer der reichsten Städte Spaniens vorzunehmen.

Und dann, da er dieser heftigen Kämpfe müde war, da er sah, daß ihm das Glück lächelte, da er das Bedürfniß fühlte, in der freudigen Sonne der Feste seinen Geist und sein Herz wieder zu erwärmen, so machte er aus Burgos eine königliche Stadt. Die Bälle und Turniere folgten sich ununterbrochen; man vertheilte Würden, Belohnungen, man vergaß den Krieg, man vergaß sogar den Haß. Mothril wachte jedoch; aber, statt sich als ein kluger Minister mit den Ereignissen, mit einem wahrscheinlichen Wiederausbruch des Krieges zu beschäftigen, schläferte er den König zu einer tiefen Sicherheit ein.

Schon hatte Don Pedro die Engländer unzufrieden entlassen; einige befestigte Plätze, welche in der Gewalt der letzteren blieben, entschädigten dieselben schlecht und auf eine gefährliche Weise für die ungeheuren Kriegskosten.

Der Prinz von Wales hatte seinem Verbündeten seine Rechnung gemacht und übergeben. Die Summe war furchtbar. Don Pedro fühlte, es wäre im Augenblick der Wiederherstellung des Thrones gefährlich, Steuern zu erheben, und verlangte Zeit, um zu bezahlen. Doch der englische Prinz kannte seinen Verbündeten und wollte nicht warten. Es gab daher wirklich um Don Pedro selbst bei seinem Wohlergehen so bedeutende Keime des Unglücks, daß der unglücklichste Fürst, der Ruinirteste von allen Besiegten seine Lage vorgezogen hätte.

Doch dies war der Augenblick, den Mothril erwartete und vielleicht vorhergesehen hatte. Ohne daß es den Anschein hatte, als wäre er unruhig, lächelte er über die Ansprüche des Engländers und suchte dem spanischen Fürsten einzugeben, hunderttausend Sarazenen wären wohl so viel werth als zehntausend Engländer, würden weniger kosten, Spanien den Weg zu einer afrikanischen Herrschaft öffnen, und eine doppelte Krone müßte der Erfolg dieser Politik sein.

Dann blies er ihm zu gleicher Zeit ein, das einzige Mittel, auf eine solche Weise die zwei Kronen auf einem Haupte zu vereinigen, wäre eine Verbindung durch Heirath; eine Tochter der alten arabischen Fürsten vom verehrten Blut der Kalifen würde neben Don Pedro auf dem Thron Castiliens sitzend in einem Jahr ganz Afrika, ja selbst den Orient enge mit diesem Thron verketten.

Und diese Tochter der Kalifen war, wie man leicht begreift, Aissa.

Von da an ebnete sich der Weg für den Mauren. Er stand der Verwirklichung seiner Träume nahe. Mauléon zählte nicht mehr als ein Hinderniß, da er sich entfernt hatte.

War übrigens dieses Hinderniß wirklich ein Hinderniß? Was bedeutete Mauléon? Ein Ritter, ein Träumer, redlich und leichtgläubig! War dies ein Gegner, den der schlaue und finstere Mothril zu fürchten hatte? . . .

Das ernste Hinderniß kam also von Aissa, von Aissa allein.

Doch die Kraft bezähmt jeden Widerstand. Es war nur die Aufgabe, dem Mädchen eine Untreue von Mauléon zu beweisen. Dies hatte keine Schwierigkeit. Seit wie lange trieben nicht die Araber die Späherei, um die Wahrheit zu entdecken, die falsche Zeugschafl, um die Lüge zu begründen?

Ein anderes, entfernteres Hinderniß, das den Mauren die Stirne falten machte, war die stolze, schöne Frau, welche ihre Allmacht über den Geist von Don Pedro durch die Gewohnheit und die Herrschaft der Lust übte.

Maria Padilla arbeitete den Plänen von Mothril, seitdem sie dieselben eingesehen hatte, mit einer in jeder Hinsicht ihrer ausgezeichneten, seltenen Natur würdigen Gewandtheit entgegen.

Sie war mit dem geringsten Wunsche von Don Pedro vertraut, sie fesselte seine Aufmerksamkeit, sie erstickte das, kleinste Feuer, das sie nicht entzündet hatte.

Gelehrig und nachgiebig, wenn sie mit Don Pedro allein war, gebieterisch in Gegenwart Aller, immer Herrin, unterhielt sie fortwährend mit Aissa, die sie sich zur Freundin gemacht hatte, ein geheimes Einverständniß.

Sie sprach unablässig mit ihr von Mauléon, sie verhinderte sie, an Don Pedro zu denken . . . Uebrigens war es nicht nöthig, die glühende, treue Aissa von ihrer Liebe zu unterhalten, denn ihre Liebe, das fühlte man wohl, sollte nur mit ihrem Leben erlöschen.

Mothril hatte diese geheimnißvollen Unterredungen noch nicht erlauern können; sein Mißtrauen schlummerte; er sah nur einen von den Fäden der Intrigueden, welchen er in der Hand hielt; der andere entging ihm, in einem kunstreichen Schatten verloren.

Aissa war nicht wieder bei Hofe erschienen; sie wartete in der Stille auf die Verwirklichung des Versprechens von Maria, ihr sichere Nachrichten von ihrem Geliebten zu geben.

Maria hatte wirklich nach Frankreich einen Emissär mit dem Auftrag abgesandt, Mauléon aufzusuchen, ihn von der Lage der Dinge zu unterrichten, und der armen in Erwartung einer baldigen Wiedervereinigung schmachtenden Maurin ein Andenken zurückzubringen.

Dieser Emissär, ein gewandter Gebirger, war kein Anderer, als der Sohn der alten Amme, mit der sie Mauléon als Zigeunerin verkleidet getroffen hatte.

So verhielten sich die Angelegenheiten sowohl in Spanien, als in Frankreich; so standen einander gegenüber zwei lebendige Interessen, wüthende Feinde, die, um auf einander loszustürzen, nur den Augenblick abwarteten, wo sie durch die Ruhe und die Forschung die ganze Fülle ihrer Kräfte erlangt haben würden.

Wir können also schon jetzt zum Bastard von Mauléon übergehen, welcher, unbeschadet der standhaften Liebe, die ihn wieder nach Spanien bringen sollte, leicht, freudig und stolz, frei zu sein wie der Sperling, von dem der König von Castilien sprach, in sein Vaterland zurückkehrte.

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04 aralık 2019
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