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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 32

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Siebenundvierzigstes Kapitel.
Reise

Agenor begriff die ganze Schwierigkeit seiner Stellung.

Frei sein durch die Großmuth des Prinzen von Wales war ein Vorrecht, um dessen Fortbestand ihn viele Menschen beneiden konnten. Agenor trieb sein Pferd, so viel er vermochte, zur Eile an, und dies hauptsächlich in Folge der dringenden Ermahnungen von Musaron, der in der Freude, sie noch zu besitzen, seine Ohren schüttelte und seine ganze Beredtsamkeit aufbot, um die Gefahr einer Verfolgung und die Reise der Rückkehr ins Vaterland zu schildern.

Der ehrliche Musaron verlor übrigens viel Zeit mit Reden: Agenor hörte ihn gewöhnlich nicht. Von Aissa getrennt, hatte der Ritter nur noch seinen Leib. Seine Seele war leidend, verwirrt, unruhig in Spanien!

So stark war übrigens in jener Zeit das Pflichtgefühl, daß Mauléon, dessen Herz sich bei dem Gedanken, seine Geliebte zu verlassen, entrüstete und bei der Idee, sie insgeheim wieder aufzusuchen, zitterte, daß Mauléon, sagen wir, muthig seine Reise auf die Gefahr, auf immer seine schöne Maurin zu verlieren, fortsetzte, um die Sendung zu erfüllen, mit der ihn der Connetable beauftragt hatte.

Das arme Pferd wurde zu wenig geschont. Das edle Thier, das die Strapazen des Krieges ausgehalten und den verliebten Launen seines Herrn Folge geleistet hatte, war in Bordeaux ganz erschöpft, und Mauléon ließ es auch hier stehen, um es bei seiner Rückkehr wieder zu nehmen.

Das System der Post lange vor Ludwig XI. geistreichen Andenkens ersinnend, wechselte unser Ritter von Bordeaux an die Pferde und fiel unerwartet, erschreckend, erschöpft, zu den Füßen des guten König Karl, der in seinem schönen Garten des Hotel Saint-Paul seine Pfirsichbäume an Staketen band.

»Ho! Ho! was ist das, und was wollt Ihr mir melden, Sire von Mauléon?« fragte König Karl, dem die Natur das Vorrecht geschenkt hatte, einen Menschen, den er ein einziges Mal gesehen, immer wiederzuerkennen.

»Sire König,« antwortete Agenor, ein Knie auf die Erde setzend, »ich komme, um Euch eine traurige Kunde zu melden; Eure Armee ist in Spanien besiegt worden.«

»Der Wille Gottes geschehe!. . . « sprach der Fürst erbleichend. »Doch die Armee wird sich wieder sammeln?«

»Es gibt keine Armee mehr, Sire!«

»Gott ist barmherzig,« sagte der König leise.

»Wie befindet sich der Connetable?«

»Sire, der Connetable ist Gefangener der Engländer.«

Der König stieß einen halb unterdrückten Seufzer aus, gab aber kein Wort von sich.

Bald jedoch erheiterte sich seine Stirne wieder, und er sagte einen Augenblick nachher:

»Erzähle mir die Schlacht. Sprich vor Allem, wo hat sie stattgefunden?«

»Bei Navarrete, Sire.«

»Ich höre.«

Agenor erzählte den Unstern, die Vernichtung der Armee, die Gefangennehmung des Connetable, und wie er auf eine wunderbare Weise durch den schwarzen Prinzen gerettet worden.

»Ich muß Bertrand loskaufen, wenn man ihn gegen Lösegeld freizulassen geneigt ist,« sagte Karl V.

»Sire, das Lösegeld ist bestimmt.«

»Zu wie viel?«

»Zu siebzigtausend Goldgulden.«

»Und wer hat dieses Lösegeld bestimmt?« fragte der König bebend, als er das Gewicht dieser Zahl vernahm.

»Der Connetable selbst.«

»Der Connetable! Er kommt mir sehr freigebig vor.«

»Sire, findet Ihr, er habe sich über seinen Werth geschätzt?«

»Wenn er sich zu seinem Werthe geschätzt haben würde,« sprach der König, »so hätten ihn uns alle Reichthümer der Christenheit nicht wiedergeben können.«

Doch während der König Bertrand diese Gerechtigkeit widerfahren ließ, versank er in eine düstere Träumerei, deren Sinn Agenor nicht verkennen konnte.

»Sire,« sagte dieser sogleich, »Eure Majestät kümmere sich nicht um das Lösegeld des Connetable. Herr Bertrand hat mich zu seiner Frau, Madame Tiphaine Raguenel, abgesandt, welche hunderttausend Thaler von ihm in Händen hat und sie hergeben wird, um ihren Gatten loszukaufen.«

»Ah! wackerer Ritter,« sprach Karl sich erheiternd, »er ist also ein ebenso guter Schatzmeister, als Kriegsmann? Ich hätte das nicht geglaubt. Hundert tausend Thaler!. . .Ei! er ist reicher, als ich. Er leihe mir diese siebzigtausend Gulden. Ich werde sie ihm bald zurückgeben. . . Doch glaubst Du, daß er sie wirklich besitzt?. . . Wenn er sie nicht mehr fände!«

»Warum, Sire?«

»Weil Frau Tiphaine Raguenel sehr eifersüchtig auf den Ruhm ihres Gemahls ist und sich dort als eine wohlthätige und prachtliebende Dame benimmt.«

»Sire, für den Fall, daß sie kein Geld mehr besäße, hat mir der gute Connetable einen andern Auftrag gegeben.«

»Welchen?«

»Den, die Bretagne zu durchwandern und auszurufen:

»»Der Connetable ist Gefangener des Engländers, bezahlt sein Lösegeld, Ihr Männer von Bretagne! Und Ihr, Weiber von Bretagne, spinnt!««

»Und,« sagte der König lebhaft, »und Du nimmst eines von meinen Bannern mit dreien von meinen Rittern, und rufst dies in ganz Frankreich aus! Aber,« fügte Karl V. bei, »thue dies nur in der äußersten Noth. Ist es möglich, daß man das Unglück von Navarrete hier gut machen kann . . . Navarrete, ein häßlicher Name! Das Wort Navarra bringt stets jedem Franzosen Unglück.«

»Unmöglich, Sire, Ihr werdet ohne Zweifel bald den flüchtigen Prinzen Enrique von Transtamare sehen. Die Engländer werden durch alle ihre Trompeter von Gascogne Sieg blasen lassen, und die armen Bretagner kehren demnächst verwundet, bettelnd, in ihr Vaterland zurück, um Allen ihre klägliche Geschichte zu erzählen.«

»Das ist wahr! Gehe also, Mauléon, und wenn Du den Connetable wiedersiehst. . .«

»Ich werde ihn wiedersehen.«

»Sage ihm, nichts sei verloren, wenn er mir wiedergegeben werde.«

»Sire, ich habe noch ein Wort für Euch von ihm.«

»Was?«

»»Sage dem König,«« flüsterte er mir in's Ohr, »»mit unserem Plan gehe es gut; durch die Hitze in Spanien seien viele französische Ratten gestorben, ohne daß sie sich an das Klima haben gewöhnen können,««

»Braver Bertrand. . . er scherzte also sogar in diesem grausamen Augenblick?«

»Immer unüberwindlich, Sire, ebenso schön bei der Niederlage, als groß beim Sieg.«

Agenor nahm hiernach Abschied von König Karl V., der ihm dreihundert Livres reichen ließ, ein prächtiges Geschenk, mit dem Agenor zwei gute Kriegspferde um den Preis von fünfzig Livres jedes kaufte. Er gab, zehn Livres Musaron, der sie, ganz verwundert, in seinen ledernen Gürtel steckte und sein Feldgeräthe in de Rue de la Draperie erneuerte. Agenor kaufte ebenfalls in der Rue de la Heaumerie einen von jenen Helme, von neuer Erfindung, die sich mittelst einer Feder schloßen, und schenkte ihn dem Knappen, dessen Kopf sich so leicht den Streichen bei den Saracenen darbot. Dieses nützliche und angenehme Geschenk erhöhte die gute Miene von Musaron und verlieh ihm seinem Herrn gegenüber den zarten Stolz eines adeligen Knappen.

Man begab sich aus den Weg. Frankreich ist so schön! Es ist so süß, jung, stark, muthig zu sein, zu lieben, geliebt zu werden, hundert und fünfzig Livres im Sattelbogen zu haben und eine neue Pickethaube zu tragen, daß Mauléon mit langen Zügen die reine Luft einathmete, daß Musaron sich aus dem Sattel hin und herbewegte und in die Brust warf wie ein Gendarme, und als hätte der Eine sagen wollen: »Schaut mich an, ich lieben das schönste Mädchen Spaniens!« der Andere: »Ich habe die Mauren, die Schlacht von Navarrete gesehen, und trage einen Helm aus dem Kopf, der bei Poinerot, in der Rue de la Heaumerie um acht Livres erkauft worden ist.«

Unter dieser Freude, in dieser schönen Rüstung, kam Agenor an die Grenzen von Bretagne, wo er den Herzog Johann von Montfort, den regierenden Fürsten, um Erlaubniß bitten ließ, aus seinen Ländereien der Dame Raguenel den Besuch abstatten und das erforderliche Lösegeld für den Connetable erheben zu dürfen.

Der Auftrag von Musaron, dem gewöhnlichen Unterhändler von Agenor, war zarter Natur. Der Graf von Montfort, der Sohn des alten Grafen von Montfort, der den Krieg gegen Frankreich mit dem Herzog von Lancaster mitgemacht hatte, konnte einen Groll gegen Bertrand, die Hauptursache der Aushebung der Belagerung von Dinan, im Herzen tragen; doch es war dies, wie gesagt, die Zeit der schönen Handlungen und der edlen Geister.

Als der junge Graf von Montfort das Unglück von Bertrand erfuhr, vergaß er jede Feindschaft und sprach:

»Ob ich es erlaube. . . ich verlange es im Gegentheil. Man erhebe auf meinen Gütern jede beliebige Steuer. Ich will ihn nicht nur frei sehen, sondern ich will ihn auch als meinen Freund sehen, wenn er nach Bretagne zurückkehrt. Es ist eine Ehre für unser Land, daß er hier geboren wurde.«

Nachdem er so gesprochen, empfing der Graf Agenor mit aller Auszeichnung, gab ihm das jedem Botschafter gebührende Geschenk, beehrte ihn mit einer Escorte und ließ ihn zu Frau Tiphaine Raguenel führen, welche in la Roche-d'Airien, ans einer der Besitzungen der Familie, wohnte.

Achtundvierzigstes Kapitel.
Frau Tiphaine Raguenel

Tiphaine, Raguenel, Tochter von Robert Raguenel, Herrn von la Belliére, Vicomte und Mann vom höchsten Stand, war eine von jenen vollendeten Frauen, wie sie die Helden kaum mehr treffen, mag nun Gott nicht mehr in einer Familie alle die kostbaren Eigenschaften vereinigen, mag das Verdienst von einem der Gatten gewöhnlich das des andern verschlingen.

Tiphaine Raguenel wurde in ihrer Jugend von den Bretagnern Tiphaine die Fee genannt. Sie war Wohl unterrichtet in der Arzneiwissenschaft und in der Astrologie; sie hatte in den berühmten Schlachten von Bertand diesem zum großen Erstaunen der ängstlichen Bretagner den Sieg geweissagt; sie warf Bertrand, wenn er des Dienstes müde war und auf seine Güter zurückkehren wollte, durch ihre Rathschläge und ihre Vorhersagungen in das glorreiche Leben zurück, in dem er sich Vermögen und unvergänglichen Ruhm erwarb. Bis zu dem Krieg, den Karl von Alois gegen Johann von Montfort führte, in welchem Krieg Bertrand zum Oberbefehl des Heeres berufen wurde, hatte der bretagnische Held nur Gelegenheit gehabt, die Kräfte, die Geschicklichkeit und den unerschütterlichen Muth des Streiters im Zweikampf und des Anführers von Parteigängern zu entwickeln.

Tiphaine Raguenel genoß auch bei ihrem Gemahl und dem ganzen Lande einen Einfluß, der dem einer großen Königin gleichkam.

Sie war schön gewesen, und sie durfte sich hoher Abstammung rühmen. Ihr angebauter Geist verlieh ihr ein Uebergewicht über viele Sachverständige im Rathe, und sie hatte diesen kostbaren Eigenschaften die beispiellose Uneigennützigkeit ihres Gemahls beigefügt.

Als sie erfuhr, ein Bote von Bertrand käme zu ihr, ging sie ihm mit ihren Fräulein und ihren Pagen entgegen. Die Unruhe war in ihrem Gesicht ausgedrückt; sie hatte gleichsam unwillkührlich Trauerkleider angelegt, was bei dem Zustande der Dinge, denn man wußte im Allgemeinen noch nichts vom Unstern von Navarrete, mit abergläubischem Schrecken die Tischgenossen und die Knechte des Herrenhauses von la Roche-d'Airien erfüllte.

Tiphaine kam also Mauléon entgegen und empfing ihn auf der Zugbrücke.

Mauléon hatte in seiner Heiterkeit vergessen, das ceremoniöse Gesicht eines Trauerboten anzunehmen.

Er verbeugte sich zuerst und setzte dann ein Knie aus die Erde, mehr unterjocht durch das eindrucksvolle Aeußere der edlen Dame, als durch den Ernst der Nachrichten, die er brachte.

»Sprecht, Herr Ritter,« sagte Tiphaine, »ich weiß, daß Ihr mir sehr schlimme Kunde von meinem Gemahl bringt, sprecht!«

Es herrschte ein düsteres Stillschweigen um den Ritter, und in den männlichen bretagnischen Gesichtern war die schmerzlichste Angst zu lesen. Man bemerkte indessen, daß der Ritter weder an sein Banner, noch an sein Schwert Flor gehängt hatte, wie dies bei einem Todesfall üblich war.

Agenor sammelte seine Geister und begann die traurige Erzählung, welche Frau Roguenel, ohne das geringste Zeichen des Erstaunens von sich zu geben, anhörte. Nur ergriff der Schatten, der ihre Züge verdüsterte, dichter und schmerzlicher ihr edles Antlitz, Frau Tiphaine Raguenel hörte, sagen wir, die unheilvolle Geschichte an.

»Nun!« sagte sie, als die bestürzten Bretagner insgesamt Schmerzensschreie ausgestoßen und zu beten angefangen hatten, »Ihr kommt im Auftrag meines Gemahls, Herr Ritter?«

»Ja, edle Frau,« erwiderte Mauléon.

«Und in Castilien gefangen, wird er aus Lösegeld gesetzt werden?«

»Er hat sich selbst auf Lösegeld gesetzt.«

»Auf wie viel?«

»Aus siebzigtausend Goldgulden.«

»Das ist nicht übertrieben für einen so großen Feldherrn . . . Doch woher gedenkt er diese Summe zu nehmen?«

»Er erwartet sie von Euch, edle Frau.«

»Von mir?«

»Ja; habt Ihr nicht hunderttausend Goldthaler, die der Connetable von seinem letzten Zuge mitgebracht und den Mönchen vom Mont-Saint-Michel anvertraut hat?«

»Es ist wahr, die Summe betrug hunderttausend Goldthaler: aber sie ist verbraucht.«

»Verbraucht!« rief unwillkührlich Mauléon, der sich der Worte des Königs erinnerte; »verbraucht! . . .«

»Ich glaube, wie es sich sie zu verbrauchen geziemte,« fuhr die Dame fort. »Ich habe die Summe von den Mönchen genommen, um hundert und zwanzig Reisige zu equipiren, zwölf Ritter unseres Landes zu unterstützen, neun Waisen zu erziehen, und da mir nichts mehr blieb, um zwei Töchter von einem unserer Freunde und Nachbarn zu verheirathen, so verpfändete ich mein Silbergeschirr und meine Juwelen. Es findet sich nichts mehr im Hanse, als das streng Nothwendige. Aber so entblößt wir auch sein mögen, so hoffe ich mich doch nach dem Gefallen von Messire Bertrand benommen zu haben, und ich glaube, daß er mich beloben und mir danken würde, wenn er da wäre.«

Das Wort, wenn er da wäre, brachte, mit Rührung durch diesen edlen Mund, mit dieser edlen Sprache ausgesprochen, Thränen in Aller Augen.

»Edle Dame,« sprach Mauléon, »dem Connetable bleibt nichts mehr übrig, als Euch in der That zu danken, wie Ihr es verdient, und aus die Hilfe Gottes zu warten.«

»Und aus die seiner Freunde,« riefen Einige in ihrer Begeisterung.

»Und da ich die Ehre habe, der getreue Diener von Messire dem Connetable zu sein,« sagte Mauléon, »so will ich anfangen, die Aufgabe zu erfüllen, welche mir Messire Duguesclin, in der Voraussicht dessen, was geschieht, übertragen hat. Ich habe den Trompeter des Königs und ein Banner mit dem Wappen von Frankreich, und will im Land umherziehen, um die Nachricht zu verbreiten. Diejenigen, welche Messire den Connetable frei sehen wollen, werden sich erheben und beisteuern.«

»Ich hätte es selbst gethan,« sprach Tiphaine Raguenel, »aber es ist besser, wenn Ihr es thut, vor Allem mit Erlaubniß des erlauchten Herrn Herzogs von Bretagne.«

»Ich habe diese Erlaubniß, edle Frau.«

»Theure Herren fuhr Tiphaine Raguenel fort, indem sie ihre sicheren Blicke auf der wachsenden Menge umherlaufen ließ, »diejenigen, welche dem Ritter hier die Theilnahme bezeigen wollen, die sie für den Namen von Duguesclin hegen, werden wohl seinen Boten als einen Freund betrachten.«

»Und ich,« rief die stimme eines Reiters, der hinter der Gruppe angehalten hatte, »ich, Robert Graf von Laval, gebe zuerst vierzigtausend Livres zur Lösung meines Freundes Bertrand. Dieses Geld folgt mir, meine Pagen bringen es.«

»Der Adel von Bretagne ahme Euch nach, edelmüthiger Freund, nach Maßgabe seiner Reichthümer, und der Connetable wird diesen Abend frei sein,« sprach Tiphaine Raguenel, sanft bewegt durch diese Großmuth.

»Kommt, Herr Ritter,» sagte der Graf von Laval zu Mauléon, »Ich biete Euch Gastfreundschaft in meinem Hause. . . Ihr werdet schon heute Eure Sammlung beginnen, und bei meiner Ehre! sie wird reichlich ausfallen. Ueberlassen wir Frau Tiphaine ihrem Schmerz.«

Mauléon küßte ehrfurchtsvoll der edlen Dame die Hand und folgte dem Grafen unter den Segnungen eines großen Zusammenlaufs von Volk, welches die Kunde, die Agenor gebracht, herbeizog.

Musaron war außer sich vor Freude. Er wäre beinahe erdrückt worden von der Menge, welche ihm den Schenkel preßte und den Steigbügel küßte, nicht mehr, nicht weniger, als wenn er Bannerherr gewesen wäre.

Die Gastfreundschaft des Grafen von Laval versprach einige gute Tage dem sehr nüchternen und sehr wachsamen Knappen, und dann, gestehen wir es, hatte Musaron die Schwäche, daß er ungemein gern, und wäre es nur der Farbe wegen gewesen, eine große Menge Goldes sah.

Schon vermehrten die Sammlungen von Gemeinde zu Gemeinde die Masse. Die demüthige Hütte steuerte einen Taglohn, das Schloß gab den Preis von zehn Ochsen oder hundert Livres; nicht minder großmüthig, nicht minder national, entäußerte sich der Bürger einer Schüssel von seinem Tisch oder einer Zierrath von den Kleidern seiner Frau.

Agenor brachte in acht Tagen in Rennes hundert und sechzigtausend Livres zusammen, und als der Kreis erschöpft war, beschloß er, die Ausbeutung einer andern, Ader zu beginnen.

Dabei ist es gewiß, daß, wie die Legende sagt, die Frauen von Bretagne emsiger ihren Rocken für die Freiheit von Duguesclin spannen, als sie es für die Nahrung ihrer Kinder und für die Kleidung ihrer Männer thaten.

Neuntes bis elftes Bändchen

Neunundvierzigstes Kapitel.
Der Bote

Mauléon wohnte seit acht Tagen in der Gegend von Rennes, als eines Abends, in dem Augenblick, wo er, beladen mit einem gehörig vom herzoglichen Schreiber und dem Geschäftsführer von Frau Tiphaine Raguenel einregistrirten Sack Geld zurückkehrte, der gute Ritter, der sich eben zwischen der Stadt und dem Schloß befand, in einer von Hecken begrenzten Schlucht zwei Männer von seltsamem Aussehen und einer beunruhigenden Haltung erblickte.

»Wer sind diese Leute?« fragte Agenor seinen Knappen.

»Bei meiner Seele! man sollte glauben, es wären Leute aus Castilien?« rief Musaron, indem er nach einem Reiter und einem Pagen schielte, welche Beide kleine andalusische Pferde mit voller Mähne ritten und, die Pickelhaube auf dem Kopf, den Schild vor der Brust, sich an die Hecke angelehnt hatten, um die Franzosen zu betrachten und im Vorüberziehen zu befragen.

»In der That, es ist die Rüstung eines Spaniers, und die langen, seinen, flachen Klingen bezeichnen den Castilianer.«

»Macht das nicht eine gewisse Wirkung auf Euch, Herr?« fragte Musaron.

»Ja, allerdings, doch dieser Reiter will, glaube ich, mit mir sprachen.«

»Oder Euch Euren Sack nehmen, edler Herr. Zum Glück habe ich meine Armbrust.«

»Laß Deine Armbrust in Ruhe; siehe, weder der Eine noch der Andere hat nach seinen Waffen gegriffen.«

»Senor!« rief der Fremde spanisch.

»Sprecht Ihr mit mir?« fragte Agenor in derselben Sprache.

»Ja.«

»Was wollt Ihr von mir?«

»Bezeichnet mir gefälligst den Weg zum Schloß Laval,« antwortete der Reiter mit jener Höflichkeit, welche den Mann von Stand überall und den Castilianer insbesondere auszeichnet.

»Ich will das thun, Senor,« sagte Agenor, »und ich kann Euch als Führer dienen; doch ich mache Euch darauf aufmerksam, daß der Herr des Ortes, der diesen Morgen einen Ausflug in die Nachbarschaft gemacht hat, abwesend ist.«

»Es ist Niemand im Schloß?« rief der Fremde mit sichtbarem Aerger. »Wie? abermals suchen!« murmelte er.

»Ich habe nicht gesagt, es sei Niemand dort, Senor.«

»Vielleicht mißtraut Ihr,« sprach der Fremde, sein Helmvisir aufschlagend, denn dieses Visir war wie das von Mauléon niedergelassen, eine kluge Gewohnheit, welche alle Reisende befolgten, die in jenen Zeiten des Mißtrauens und der Räuberei stets den Angriff und den Verrath fürchteten.

Doch kaum hatte der Castilianer sein Gesicht entblößt sehen lassen, als Musaron ausrief.

»Oh! Jesus!«

»Was gibt es?« frage Agenor erstaunt.

Der Fremde schaute auch verwundert über diesen Ausruf.

»Gildaz!« flüsterte Musaron seinem Herrn in's Ohr.

»Wer ist Gildaz?« fragte Mauléon in demselben Ton.

»Der Mann, dem wir aus der Reise begegneten, und der damals Frau Maria begleitete; der Sohn jener guten alten Zigeunerin, die Euch in die Kapelle beschied.«

»Gottes Güte!« murmelte Agenor von Bangigkeit ergriffen, »was wollen sie hier?«

»Vielleicht uns verfolgen.«

»Vorsicht!«

»Oh! Ihr wißt, daß es nicht nöthig ist, mir das zu empfehlen.«

Während dieses Gesprächs betrachtete der Castilianer prüfend den Ritter und den Knappen und wich allmälig furchtsam zurück.

»Bah! was kann uns Spanien im Mittelpunkt von Frankreich thun?« sagte Agenor beruhigt, nachdem er einen Augenblick überlegt hatte.

»In der That, wir werden nur irgend eine neue Nachricht bekommen,« sprach Musaron.

»Oh! das ist es, was mich beben macht. Ich fürchte mehr die Ereignisse, als die Menschen. Gleichviel, befragen wir ihn.«

»Seien wir im Gegentheil vorsichtig; wenn es Emissäre von Mothril wären!«

»Aber Du erinnerst Dich, diesen Mann bei Maria Padilla gesehen zu haben.«

»Habt Ihr nicht Mothril bei Don Federigo gesehen?«

»Das ist wahr.«

»Seien wir also aus unserer Hut,« sprach Musaron, indem er wieder seine Armbrust vorzog, die sich am Bandelier schaukelte.

Der Castilianer bemerkte diese Bewegung und rief:

»Warum mißtraut Ihr? wir sind keine Feinde. Haben wir uns unhöflich gezeigt? oder ist es der Anblick meines Gesichts, was Euch mißfallen konnte?«

»Nein,« stammelte Agenor, »doch . . .was wollt Ihr im Schloß des Sire von Laval?«

»Ich will es Euch sagen, Senor, ich muß einen Ritter aufsuchen, der bei dem Grafen wohnt.«

Musaron schoß durch die Löcher seines Visirs einen sprechenden Blick auf seinen Herrn.

»Einen Ritter . . . wie heißt er?«

»Oh! Senor, verlangt nicht eine Indiscretion im Austausch für den Dienst, den Ihr mir leistet; ich würde sonst lieber warten, bis ein anderer, minder neugieriger Reisender auf dieser Straße vorüberkäme.«

»Das ist wahr, Senor, das ist wahr, ich werde Euch nicht mehr befragen.«

»Ich faßte eine große Hoffnung, als ich Euch mir in der Sprache meines Landes antworten hörte.«

»Welche Hoffnung?«

»Die des raschen Gelingens meiner Sendung.«

»Bei jenem Ritter?«

»Ja, Senor.«

»Was kann es Euch schaden, wenn Ihr ihn mir nennt, da ich seinen Namen erfahren werde, sobald wir in's Schloß kommen?«

»Dann, Senor, bin ich unter dem Dache eines edlen Herrn, der es nicht dulden wird, daß man mich mißhandelt.«

Musaron hatte eine glückliche Eingebung. Er war immer tapfer, wenn er vermuthete, es bedrohe seinen Herrn eine Gefahr.

Entschlossen schlug er sein Helmvisir auf und näherte sich dem Castilianer.

»V u l g a m e D i o s!«« rief dieser.

»Guten Morgen, Gildaz,« sprach Musaron.

»Ihr seid der Mann, den ich suche!« rief der Castilianer.

»Und hier bin ich,« erwiderte Musaron, seine schweren Säbel aus der Scheide ziehend.

»Es handelt sich wohl hierum,« sagte Gildaz; »ist dieser Edelmann Euer Herr?«

»Welcher Edelmann, welcher Herr?

»Ist dieser Ritter Don Agenor von Mauléon?«

»Ich bin es,« sprach Agenor, »laßt hören! mein Schicksal gehe in Erfüllung, und es drängt mich, das Gute oder das Böse schleunigst zu erfahren.«

Gildaz schaute sogleich den Ritter mit einer Art von Erstaunen an und fragte:

»Aber wenn Ihr mich täuscht?«

Agenor machte eine ungestüme Bewegung.

»Hört wohl,« sagte der Castilianer, »ein guter Bote muß furchtsam sein.«

»Du erkennst meinen Knappen, Bursche!«

»Ja, aber ich kenne den Herrn nicht.«

»Du mißtraust mir also, Schuft?« rief Musaron wüthend.

»Ich mißtraue der ganzen Erde, wenn es sich darum handelt, meine Pflicht gut zu thun.«

»Nimm Dich in Acht, Gelbgesicht, ich werde Dir eine Lehre geben! . . . Mein Messer ist spitzig.«

»Ei!« sagte der Castilianer, »mein Raufdegen ist es auch . . . Ihr seid nicht vernünftig . . . Wird mein Auftrag besorgt sein, wenn ich todt bin? . . . Wird er es mehr sein, wenn Ihr getödtet werdet? . . .Laßt uns, wenn es Euch beliebt, sachte bis zum Herrenhaus von Laval reiten; dort nenne mir Einer, ohne zuvor in Kenntniß gesetzt zu sein, den Herrn von Mauléon, und sogleich erfülle ich den Befehl meiner Gebieterin.«

Bei diesem Wort machte Agenor eine ungestüme Bewegung und rief:

»Guter Knappe, Du hast Recht, wir haben Unrecht; Du kommst vielleicht im Auftrag von Dona Maria zu mir.«

»Ihr werdet es sogleich erfahren, wenn Ihr wirklich Don Agenor von Mauléon seid,« sagte der hartnäckige Castilianer.

»Komm also!« rief der junge Mann mit dem Fieber der Ungeduld, »komm . . .die Thürme des Schlosses sind dort . . . komm geschwinde! . . . Du wirst jede Befriedigung erhalten, guter Knappe . . . Vorwärts, Musaron, vorwärts!«

»So bitte ich Euch, laßt mich voran reiten,« sagte Gildaz.

»Wie Du willst, doch nur geschwinde.«

Und die vier Reiter gaben ihren Rossen die Sporen.

Türler ve etiketler

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04 aralık 2019
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