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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 33

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Fünfzigstes Kapitel.
Die zwei Boten

Agenor war kaum in das Herrenhaus von Laval eingeritten, als der castilianische Knappe, der weder eine Geberde, noch ein Wort unbeachtet ließ, den Thurmwächter rufen hörte:

»Seid willkommen, Sire von Mauléon!«

Diese Worte in Verbindung mit dem vorwurfsvollen Blick, den Musaron von Zeit zu Zeit auf Zeit heftete, genügten dem Boten.

»Kann ich ein paar Worte insgeheim mit Eurer Herrlichkeit sprechen?« fragte er sogleich den jungen Mann.

»Sagt Euch dieser mit Bäumen bepflanzte Hof zu?« fragte Agenor.

»Vollkommen, Senor.«

»Ihr wißt,« fuhr Mauléon fort, »daß ich Musaron nicht mißtraue, denn er ist mehr ein Freund, als ein Diener für mich; was Euren Gefährten betrifft . . .«

»Edler Herr, Ihr seht, es ist ein junger Maure, den ich vor ungefähr zwei Monaten auf dem Weg fand, der von Burgos nach Soria führt. Er starb Hungers, und war bis aufs Blut von den Leuten von Mothril und von Mothril selbst geschlagen worden, der ihn mit dem Dolch bedrohte wegen der Neigung, die dieser arme Knabe für die Religion Christi offenbarte. Ich fand ihn also ganz bleich und ganz blutig, nahm ihn mit mir zu meiner Mutter, welche Eure Herrlichkeit vielleicht kennt,« fügte der Knappe lächelnd bei, »und wir verbanden ihn und gaben ihm zu essen. Seitdem ist er für uns ein bis auf den Tod ergebener Hund. Als mich vor zwei Wochen meine erhabene Gebieterin Dona Maria. .«

Der Knappe dämpfte die Stimme.

»Dona Maria!« murmelte Mauléon.

»Sie selbst, Senor; als meine erhabene Gebieterin Dona Maria mich rufen ließ, um mir eine wichtige und gefährliche Sendung anzuvertrauen, sagte sie zu mir: »»Gildaz, Du wirst zu Pferde steigen und Dich nach Frankreich begeben; stecke viel Gold in Deine Reisetasche und nimm ein gutes Schwert; Du wirst auf dem Wege nach Paris einen Edelmann finden (hierbei schilderte mir meine Gebieterin Eure Herrlichkeit), der sich sicherlich an den Hof des großen Königs Karl des Weisen begibt; nimm einen treuen Gefährten mit Dir, denn die Sendung, das sage ich Dir, ist gefahrvoll.«« Ich dachte sogleich an Hafiz; und sprach zu ihm:

»»Hafiz, steige zu Pferde und nimm Deinen Dolch.««

»»Gut, Herr,«« erwiderte Hafiz, »»gönnt mir nur so viel Zeit, als ich brauche, um in die Moschee zu gehen.««

»Denn bei uns Spaniern, wie Ihr wißt, edler Herr,« sagte Gildaz seufzend, »gibt es heute Kirchen für die Christen, Moscheen für die Ungläubigen, als ob Gott zwei Wohnstätten hätte. Ich ließ den Knaben in seine Moschee lausen, schirrte selbst sein Pferd mit dem meinigen, befestigte an dem Sattelbogen den großen Dolch, den Ihr dort mittelst einer seidenen Schnur angebunden seht, und als er nach einer halben Stunde zurückkam, brachen wir auf. Dona Maria hatte mir für Euch nur diesen Brief geschrieben.«

Gildaz hob seinen Panzer auf, öffnete sein Wamms und sagte zu Hafiz:

»Deinen Dolch, Hafiz!«

Hafiz, mit seinem rußschwarzen Gesicht, mit seinen weißen Augen und seiner unstörbar steifen Haltung, hatte während der ganzen Erzählung von Gildaz ein vollkommenes Stillschweigen, eine steinerne Unbeweglichkeit beobachtet.

Während der gute Knappe seine Eigenschaften, seine Treue, seine Verschwiegenheit aufzählte, blieb sein Gesicht völlig unverändert; als er aber davon sprach, daß er sich auf eine halbe Stunde entfernt habe, um in die Moschee zu gehen, da überströmte eine Art von Röthe, ein bleiches, unheimliches Feuer seine Wangen und schleuderte in seine Augen etwas wie einen Blitz der Unruhe oder der Reue.

Als Gildaz seinen Dolch von ihm verlangte, streckte er langsam seine Hand aus, zog die Waffe aus der Scheide und reichte sie Gildaz.

Dieser schnitt das Futter seines Wammses auf und nahm einen Brief in einem seidenen Ueberzug heraus.

Mauléon rief Musaron zu Hilfe.

Dieser erwartete, er würde eine Rolle in der Entwickelung der Scene spielen. Er nahm den Umschlag, zerriß ihn, und las Mauléon den Inhalt des Sendschreibens vor, während sich Gildaz und Hafiz in ehrfurchtsvoller Entfernung hielten.

»Edler Don Agenor,« schrieb Maria Padilla, »ich bin sehr überwacht, sehr bespäht, sehr bedroht; aber die bewußte Person ist es noch mehr als ich. Ich bin Euch ungemein zugethan; doch die Person, für die ich Euch schreibe, liebt Euch noch mehr als ich. Wir dachten, es wäre Euch nun, da Ihr auf französischem Boden seid, angenehm, das, was Ihr beklagt, in Eurem Besitz zu haben.

»Haltet Euch also in der Nähe der Gränze, in Rianzares, in einem Monat nach Empfang der gegenwärtigen Kunde auf. Die Zeit Eurer Ankunft in Rianzares werde ich sicher und genau durch den treuen Boten erfahren, den ich Euch schicke; wartet dort in Geduld, ohne etwas zu sagen. Ihr werdet daselbst eines Abends, nicht eine Euch bekannte Sänfte, sondern ein rasches Maulthier nahen sehen, das Euch den Gegenstand aller Eurer Wünsche bringt.

»Dann, edler Herr Mauléon, flüchtet Euch; dann verzichtet auf das Waffenhandwerk, um nie wieder den Fuß nach Castilien zu setzen: dies auf Euer Wort als Christ und Ritter. Reich durch die Mitgift, die Euch Eure Frau bringt, glücklich durch ihre Liebe und ihre Schönheit, bewahrt dann als wachsamer Herr Euren Schatz und segnet zuweilen Dona Maria Padilla, eine arme, sehr unglückliche Frau, deren Lebewohl dieser Brief ist.«

Mauléon fühlte sich gerührt, entzückt, berauscht.

Er sprang ans, entriß den Brief den Händen von Musaron und drückte einen glühenden Kuß darauf.

»Komm,« sagte er zu dem Knappen, »komm, daß ich Dich umarme, Dich, der Du vielleicht die Kleider derjenigen, welche mein Schutzengel ist, berührt hast.«

Und er umarmte Gildaz wie wahnsinnig.

Hafiz verlor nicht einen Umstand von dieser Scene aus dem Blick, aber er näherte sich nicht.

»Sage Dona Maria . . .« rief Mauléon.

»Stille doch, edler Herr!« unterbrach ihn Gildaz, »dieser Name . . . so laut. . .«

»Du hast Recht,« flüsterte Agenor, »sage also Dona Maria, in vierzehn Tagen . . .«

»Nein, edler Herr,« entgegnete Gildaz,«die Geheimnisse meiner Gebieterin gehen mich nichts an; ich bin ein Eilbote, und kein Vertrauter.«

»Du bist ein Muster der Treue und edler Ergebenheit, Gildaz, und so arm ich bin, wirst Du doch eine Handvoll Gulden von mir annehmen.«

»Nein, Herr, nichts, meine Gebieterin bezahlt gut.«

»Dein Page also . . . Dein getreuer Maure.«

Hafiz riß die Augen weit aus, und beim Anblick des Goldes lief ein Schauer über seine Schultern hin.

»Ich verbiete Dir, etwas anzunehmen, Hafiz,« sagte Gildaz.

Eine unmerkliche Bewegung offenbarte dem scharfsichtigen Musaron den wüthenden Zwang von Hafiz.

»Die Mauren sind im Allgemeinen geldgierig,« sagte er zu Gildaz, »und dieser ist es mehr als ein Maure und als ein Jude mit einander. Er hat auch seinem Kameraden Gildaz einen abscheulichen Blick zugeschleudert.«

»Bah! alle Mauren sind häßlich, Musaron, und der Teufel allein versteht etwas von ihren Grimassen,« erwiderte Gildaz lächelnd.

Und er gab Hafiz den Dolch zurück, den dieser beinahe krampfhaft in seiner Hand preßte.

Aus ein Zeichen seines Herrn schickte sich Musaron nun an, eine Antwort an Dona Maria zu schreiben.

Der Schreiber des Grafen von Laval ging durch den Hof.

Man hielt ihn an, Musaron entlehnte von ihm ein Pergament, eine Feder, und schrieb:

»Edle Frau, Ihr erfüllt mich mit Glück. In einem Monat, nämlich am siebenten Tag des nächsten Monats, werde ich in Rianzares bereit sein, den theuren Gegenstand zu empfangen, den Ihr mir schickt. Ich leiste nicht auf das Waffenbandwerk Verzicht, weil ich ein großer Kriegsmann werden will, um meiner viel geliebten Dame Ehre zu machen; doch Spanien wird mich nicht mehr sehen, das schwöre ich Euch bei Christus, wenn Ihr mich nicht dahin ruft, oder wenn nicht das Unglück Aissa verhindert, zu mir zu kommen, in welchem Fall ich bis in die Hölle lausen würde, um sie aufzusuchen. Gott besohlen, edle Dame; betet für mich,«

Der Ritter machte ein Kreuz unten an dieses Pergament, und Musaron schrieb unter das Kreuz:

»Dieses ist die Unterschrift:

»Sire Agenor von Mauléon.«

Während Gildaz unter seinem Panzer den Brief von Mauléon verschloß, beobachtete Hafiz zu Pferde eher wie ein Tiger, als wie ein getreuer Hund jede Bewegung des Knappen. Er sah den Platz, wo das anvertraute Schreiben ruhte, und schien fortan gleichgültig gegen die übrige Scene, als ob er nichts mehr zu sehen gehabt hätte, und als ob ihm seine Augen unnütz geworden wären.

»Was macht Ihr nun, guter Knappe?« fragte Agenor.

»Ich reise auf meinem' unermüdlichen Pferde wieder ab, edler Herr; ich muß in zwölf Tagen bei meiner Gebieterin angekommen sein, so lautet ihr Befehl; ich muß mich also beeilen. Ich bin allerdings nicht sehr entfernt, denn es soll einen Weg durch Poitiers geben, wodurch man abschneidet.«

»Das ist wahr . . . Auf Wiedersehen, Gildaz! Gott befohlen, guter Hafiz! Wahrhaftiger Gott! man soll nicht sagen, Du werdest, wenn Du die Belohnung eines Herrn zurückweisest, das Geschenk eines Freundes nicht annehmen.«

Und Agenor machte seine goldene Kette los, welche hundert Livres werth war, und warf sie Gildaz um den Hals.

Hafiz lächelte, und sein dunkles Gesicht beleuchtete sich auf eine seltsame Weise.

Gildaz nahm das Geschenk erstaunt an, küßte Mauléon die Hand und ritt weg.

Hafiz ritt hinter ihm, wie angezogen durch den Glanz des Goldes, das auf den breiten Schultern des Knappen, seines Herrn, tanzte.

Einundfünfzigstes Kapitel.
Die Rückkehr

Mauléon traf alle seine Vorkehrungen.

Er war außer sich vor Freude. Fortan eine unauflösliche Vereinigung mit der Gebieterin seines Herzens; die Sicherheit in der Liebe . . . Reich, schön, liebend, kam Aissa zu ihm wie einer von jenen Träumen, welche Gott den Menschen bis zum Morgen leiht, um ihnen begreiflich zu machen, daß es noch etwas Anderes gibt, als das irdische Leben.

Musaron theilte die Begeisterung seines Herrn. Ein großes Haus in dem so reichen Lande der Gascogne einrichten, wo die Erde ziemlich gut den Faullenzer ernährt, den Fleißigen wohlhabend macht und ein Paradies für den Reichen wird, Knechten, Leibeigenen befehlen, Vieh ziehen, Pferde abrichten, Jagden anordnen, dies waren die süßen Visionen, welche in Menge die sehr thätige Einbildungskraft des guten Knappen von Agenor ergriffen.

Schon dachte Mauléon, er könnte sich ein Jahr lang nichts mehr um Kriege bekümmern, denn Aissa würde ihn ganz und gar in Anspruch nehmen, denn er wäre ihr, er wäre sich selbst wenigstens ein Jahr ruhigen Glückes für so viele schmerzliche Stunden schuldig.

Mauléon erwartete voll Ungeduld die Rückkehr des Sire von Laval.

Dieser Herr hatte seinerseits bei mehreren edlen Bretagnern beträchtliche Summen bestimmt, das Lösegeld des Connetable zu bezahlen, eingesammelt. Die Schreiber des Königs und des Herzogs von Bretagne trugen ihre Rechnungen zusammen, wonach es sich herausstellte, daß die Hälfte der siebenzigtausend Goldgulden schon gefunden war.

Dies war genug für Mauléon; er hoffte, der König von Frankreich würde das Uebrige thun, und er kannte den Prinzen von Wales hinreichend, um zu wissen, daß, wenn auch nur die erste Hälfte des Lösegelds ankäme, die Engländer den Connetable freilassen würden, riethe ihnen nicht ihre Politik, ihn trotz der völligen Bezahlung der Summe zurückzuhalten.

Doch zur Beruhigung seines scharfen Gewissens, durchzog Mauléon die übrige Bretagne mit der königlichen Standarte und ließ den Aufruf an das Volk ergehen.

So oft er durch einen Flecken zog und den Trauerruf vor sich ertönen ließ:

»Der gute Connetable ist Gefangener der Engländer; Leute von Bretagne, werdet Ihr ihn in der Gefangenschaft lassen?« so oft er unter diesen Umständen die so frommen, so kühnen und so schwermüthigen Bretagner traf, vernahm er dieselben Seufzer, gewahrte er dieselbe Entrüstung, und die Armen sagten zu einander: »Rasch ans Werk, essen wir weniger von unserem Buchweizen, und sammeln wir einen Sou für das Lösegeld von Messire Bertrand Duguesclin.«

Auf diese Art brachte er noch weitere sechstausend Gulden zusammen, die er den Zeisigen des Herrn von Laval, den Vasallen der Frau Tiphaine Raguenel anvertraute, zu der er sich, ehe er aufbrach, noch einmal begab, um Abschied zu nehmen.

Nun aber kam ihn, noch ein Bedenken. Er konnte abreisen, er mußte seine Geliebte holen; doch damit war noch nicht Alles für ihn bei seinem Botschaftersauftrag vollbracht. Agenor, der Dona Maria versprochen hatte, nie mehr nach Spanien zurückzukehren, mußte doch Bertrand Duguesclin Meldung machen von dem durch seine Bemühungen in der Bretagne eingesammelten Geld, kostbaren Geld, nach dessen Ankunft ohne Zweifel der Gefangene des Prinzen von Wales seufzen würde.

Zwischen diese zwei Pflichten gestellt, schwankte Agenor lange. Ein Eid, und er hatte diesen Eid Dona Maria geleistet, war etwas Heiliges; seine Zuneigung, seine Ehrfurcht für den Connetable kamen ihm ebenso heilig vor.

In dieser Beklemmung eröffnete er sich Musaron.

»Nichts kann leichter sein,« sprach der verständige Knappe; »verlangt von Frau Tiphaine eine Escorte von einem Dutzend gewappneter Vasallen, um das Geld zu begleiten, der Herr von Laval wird wohl vier Lanzen beifügen; der König von Frankreich gibt, insofern es ihn nichts kostet, ein Dutzend Reisige; mit dieser Truppe, die Ihr bis an die Grenze befehligt, wird das Geld wohl in Sicherheit sein. Sobald Ihr in Rianzares seid, schreibt Ihr an den Prinzen von Wales, der Euch einen Geleitbrief schickt; das Geld gelangt auf diese Art sicher bis zum Connetable.«

«Aber ich . . . meine Abwesenheit?«

»Ihr nehmt ein Gelübde zum Vorwand.«

»Eine Lüge!«

»Das ist keine Lüge, da Ihr in der That Dona Maria geschworen habt . . . Und wäre es auch eine Lüge, so ist das Glück doch wohl eine Sünde werth.«

»Musaron!«

»Ei! Herr, spielt nicht so den Frommen, Ihr heirathet eine Saracenin . . . Das ist doch wohl eine ganz andere Todsünde, wie mir scheint!«

»Du hast Recht,« seufzte Mauléon.

»Und dann,« fuhr Musaron fort, »dann wäre der Herr Connetable sehr anspruchsvoll, wenn er Euch mit dem Geld haben wollte . . . Doch glaubt mir, ich kenne die Menschen; sobald die Gulden glänzen, wird man den Sammler vergessen. . . Will Euch der Connetable, wenn er einmal in Frankreich ist, sehen, so wird er Euch sehen; ich denke, Ihr werdet Euch nicht begraben?«

Agenor machte es wie immer, er gab nach. Musaron hatte übrigens vollkommen Recht. Der Sire von Laval lieferte zwölf Reisige, Frau Tiphaine Raguenel bewaffnete zwanzig Vasallen, der Seneschall vom Maine stellte zwölf Reisige im Namen des Königs, und Agenor, dem sich einer von den jüngeren Brüdern von Duguesclin anschloß, begab sich in großen Tagemärschen nach der Grenze, denn es drängte ihn, mindestens zwei bis drei Tage vor der von Dona Maria für die Zusammenkunft bestimmten Zeit an Ort und Stelle zu kommen.

Die für die Loskaufung des Connetable bestimmten sechsunddreißig tausend Goldgulden machten einen wahren Triumphmarsch; die wenigen Gesellen, welche seit dem Aufbruch der großen Compagnien in Frankreich zurückblieben, waren Räuber, die sich auf geringeren Erwerb beschränkten, und die allerdings sehr schöne Beute durchaus nicht zu verschlingen gewußt hätten. Sie zogen es also vor, als sie dieselbe an ihren Krallen vorüberkommen sahen, ritterliche Ausrufungen von sich zu geben, den Namen des glorreichen Gefangenen zu segnen und ehrfurchtsvolle Mienen anzunehmen, da sie nicht unehrerbietig sein konnten, ohne Furcht, ihre Knochen auf dem Schlachtfeld zu lassen.

Mauléon lenkte seinen Marsch so geschickt, daß er in der That am vierten Tag des Monats in Rianzares, einem kleinen, seit vielen Jahren zerstörten Flecken ankam, der jedoch als ein gewöhnlicher Durchzugsort zwischen Frankreich und Spanien in einigem Ruf stand.

Zweiundfünfzigstes Kapitel.
Rianzares

Agenor wählte sich in dem auf dem Abhang eines Hügels liegenden Flecken eine Wohnung, von wo aus er leicht die weiße und gekrümmte Straße erschauen konnte, die sich zwischen zwei abschüssigen Felsmauern hinanzog.

Die Truppe ruhte indessen aus, und Jedermann bedurfte der Ruhe.

Musaron hatte mit seinem schönsten Styl ein Sendschreiben an den Connetable und ein anderes an den Prinzen von Wales abgefaßt, um dem Einen und dem Andern Nachricht von der Ankunft der Goldgulden zu geben.

Ein Reisiger, geleitet von einem bretagnischen Knappen, den man aus den Vasallen der Dame Tiphaine auswählte, war gen Burgos abgeschickt worden, wo sich der Prinz, wie man sagte, in diesem Augenblick wegen des neuerdings im Lande ausgebrochenen Kriegslärmens befand.

Jeden Tag berechnete Mauléon mit der vollkommenen Kenntniß, die er von der Oertlichkeit besaß, den Marsch von Gildaz und Hafiz.

Seiner Berechnung nach mußten die zwei Boten seit wenigstens vierzehn Tagen die Grenze überschritten haben.

In diesen vierzehn Tagen hatten sie Zeit gehabt, Dona Maria wiederzufinden, und diese hatte Vorkehrungen zur Flucht von Aissa treffen können. Ein gutes Maulthier macht zwanzig Meilen in einem Tag; fünf bis sechs Tage genügten also der schönen Maurin, um bis Rianzares zu kommen.

Mauléon zog vorsichtig einige Erkundigungen über die Durchreise des Knappen Gildaz ein. Es schien in der That nicht unmöglich, daß die zwei Boten den Weg durch den Engpaß von Rianzares, einen leichten, sicheren und bekannten Ort genommen hatten.

Aber die Bergbewohner antworteten, sie haben in der Zeit, in der Mauléon sprach, nur einem jungen maurischen Reiter von ziemlich wilder Miene durchkommen sehen.

»Einen jungen Mauren?«

»Höchstens zwanzig Jahre alt,« antwortete der Landmann.

»Er war vielleicht roth angezogen?«

»Mit einer Saracenen-Pickelhaube, ja, edler Herr.«

»Bewaffnet?«

»Mit einem breiten Dolch, der an einer seidenen Schnur am Sattelbogen hing.«

»Und Ihr sagt, er sei allein durch Rianzares gekommen?«

»Durchaus allein.«

»Was sprach er?«

»Er suchte ein paar Worte Spanisch, die er schlecht und rasch aussprach, und fragte, ob der Weg durch die Felsen für die Pferde sicher sei, und ob man durch das Flüßchen unten am Bergabhang reiten könne; als wir dies bejahten, gab er seinem flüchtigen Rappen die Sporen und verschwand.«

»Allein! das ist seltsam,« sagte Mauléon.

»Hm!« machte Musaron, »allein, das ist seltsam.«

»Gildaz wird haben an einem andern Punkt über die Grenze ziehen wollen, um weniger Verdacht zu erregen; was denkst Du davon, Musaron.«

»Ich denke, Hafiz hatte ein sehr häßliches Gesicht.«

»Wer sagt uns übrigens, es sei wirklich Hafiz gewesen, der durch Rianzares gekommen,« entgegnete Mauléon nachdenkend.

»Es ist in der That besser, zu glauben, daß dies nicht geschehen.«

»Und dann habe ich bemerkt,« fügte Mauléon bei, »daß der Mensch, der beinahe den Gipfel des Glückes erreicht hat, Allem mißtraut, und in Allem ein Hinderniß sieht.«

»Ah! Herr, Ihr seit dem Glück wirklich sehr nahe, und heute, wenn wir uns nicht getäuscht haben, soll Dona Aissa kommen. . . Es wäre ersprießlich, wenn wir die ganze Nacht hindurch in der Gegend des Flusses gut Wache hielten.«

»Ja, denn ich wünschte nicht, daß unsere Gefährten sie kommen sehen würden. Ich befürchte die Wirkung dieser Flucht auf ihren etwas beschränkten Geist. Ein in eine Maurin verliebter Christ. . . das ist genug, um den Muth der Unerschrockensten zu schwächen; man würde mir alles Unglück, das geschehen ist, als eine Strafe Gottes zuschreiben. Doch der allein reitende, roth gekleidete Maure, mit dem Dolch am Sattelbogen, diese Aehnlichkeit mit Hafiz beunruhigt mich unwillkührlich.«

»Noch einige Augenblicke, einige Stunden, einige Tage höchstens, und wir werden erfahren, woran wir uns zu halten haben,« erwiderte der Philosoph. »Bis dahin, edler Herr, wollen wir, da wir keinen Grund haben, traurig zu sein, in Freuden leben, wenn es Euch beliebt.«

Agenor konnte wahrhaftig nichts Besseres thun. Er lebte in Freuden und wartete.

Doch der erste Tag, der siebente des Monats, verging, und nichts erschien aus der Straße außer Wollenhändlern und verwundeten Soldaten, oder Rittersleuten, welche bei Navarrete geflohen waren und zu Fuß, zu Grunde gerichtet, in kleinen Tagemärschen durch die Wälder, auf großen Umwegen im Gebirge, so nach tausend Aengsten und tausend Entbehrungen in's Vaterland zurückkehrten.

Agenor erfuhr von diesen armen Leuten, daß der Krieg schon wieder an mehreren Orten entflammte, daß die Tyrannei von Don Pedro, erschwert durch die von Mothril, unerträglich aus beiden Castilien lastete, daß viele Emissäre des bei Navarrete besiegten Prätendenten die Städte durchzogen und die weisen Männer gegen den Mißbrauch der wiedereingesetzten Gewalt aufwiegelten.

Diese Flüchtlinge versicherten, sie haben schon mehrere Corps gesehen, die sich mit der Hoffnung auf eine nahe bevorstehende Rückkehr von Enrique von Transtamare gebildet. Sie fügten bei, viele von ihren Gefährten haben auch Briefe von diesem Fürsten gesehen, worin er bald mit einem in Frankreich angeworbenen Heere zurückzukehren versprochen.

Alle diese Gerüchte entflammten den kriegerischen Geist von Agenor, und da Aissa nicht ankam, so konnte die Liebe in ihm jenes Fieber nicht dämpfen, das sich in jungen Männern beim Waffengeklirre entzündet.

Musaron fing an zu verzweifeln; er faltete die Stirne öfter, als er es gewöhnlich that, und kam äußerst verdrießlich wieder aus Hafiz zurück, dem er hartnäckig als einem bösen Dämon die Zögerung von Aissa zuschrieb, um nicht mehr zu sagen, fügte er bei, wenn seine üble Laune den höchsten Grad erreicht hatte.

Mauléon irrte, dem Leib ähnlich, der seine Seele sucht, unabläßig auf der Straße umher, von der seine Augen, mit allen Krümmungen vertraut, jeden Busch, jeden Stein, jeden Schatten kannten, und er errieth den Tritt eines Maulthiers auf eine Entfernung von zwei Meilen.

Aissa kam nicht; es kam nichts von Spanien.

Im Gegentheil aber kamen von Frankreich in Zwischenräumen, welche wie durch den Zeiger einer Uhr abgemessen waren, Truppen von Kriegsleuten, welche ihre Stellung in der Umgegend nahmen und ein Signal abzuwarten schienen, um gleichzeitig über die Grenze zu ziehen.

Die Anführer dieser verschiedenen Truppen pflogen eine Unterredung bei der Ankunft jeder neuen Truppe, und tauschten in einigen Minuten ein Losungswort und Instructionen aus, die ihnen genügend erschienen, denn ohne eine andere Vorsichtsmaßregel verkehrten Leute von allen Waffen und allen Ländern mit einander und lebten in vollkommenem Einverständniß.

An dem Tag, wo Mauléon, minder mit Aissa beschäftigt, mehr über diese Ankunft von Menschen und Pferden wissen wollte, erfuhr er, daß diese verschiedenen Truppen auf einen Oberanführer und auf neue Verstärkungen warteten, um in Spanien einzuziehen.

»Und wie heißt dieser Anführer?« fragte er.

»Wir wissen es nicht; er wird uns mit seinem Namen selbst bekannt machen.«

«So wird alle Welt in Spanien einziehen, nur ich nicht!« rief Agenor in Verzweiflung.

»Oh! mein Schwur, mein Schwur!«

»Ei! edler Herr erwiderte Musaron, »der Schmerz macht, daß Ihr den Kopf verliert. Es gibt keinen Schwur mehr, wenn Dona Aissa nicht kommt; sie kommt nicht, ziehen wir weiter.«

»Es ist noch nicht Zeit, Musaron; die Hoffnung bleibt mir, ich habe noch Hoffnung! Ich werde sie immer haben, denn ich werde sie immer lieben!«

»Ich möchte nur eine halbe Stunde mit dem kleinen schwarzbraunen Hafiz sprechen,« brummte Musaron. »Ich möchte ihm nur ins Gesicht schauen,. .«

»Ei! was vermag Hafiz gegen den allmächtigen Willen von Dona Maria?. . . Sie muß man anklagen, Musaron, sie. . . oder vielmehr mein Mißgeschick!«

Es vergingen noch acht Tage, und nichts kam aus Spanien. Agenor wäre beinahe vor Ungeduld und Musaron beinahe vor Zorn wahnsinnig geworden. Nach Verlauf dieser acht Tage waren fünftausend Mann an der Grenze ausgebreitet. Wagen mit Lebensmitteln, einige, wie man sagte, auch mit Geld beladen, begleiteten diese imposanten Streitkräfte.

Die Leute des Sire von Laval, die Bretagner von Frau Tiphaine Raguenel warteten auch voll Ungeduld auf die Rückkehr ihres Boten, um zu erfahren, ob der Prinz von Wales den Connetable freizulassen einwilligte.

Endlich kam der Bote an und Agenor eilte ihm bis zum Fluß entgegen.

Der Bote hatte den Connetable gesehen, er hatte ihn umarmt; er war von den, englischen Prinzen festlich bewirthet worden und hatte von der Prinzessin von Wales ein herrliches Geschenk erhalten. Diese Prinzessin hatte ihm gnädigst gesagt, sie erwarte den braven Ritter von Mauléon, um seine Ergebenheit zu belohnen, und die Tugend ehre alle Menschen, von welcher Nation sie auch sein möchten.

Dieser Bote fügte bei, der Prinz habe die sechsunddreißig tausend Goldgulden auf Abschlag angenommen, und die Prinzessin habe, da sie ihn einen Augenblick zögern gesehen, gesagt:

»Mein Herr Gemahl, der gute Connetable soll durch mich, die ich ihn ebenso sehr bewundere, als seine Landsleute, frei werden. Wir sind ein wenig Bretagner, wir von Großbritannien; ich werde dreißigtausend Goldgulden zum Lösegeld von Messire Bertrand bezahlen.«

Daraus ging hervor, daß der Connetable frei werden sollte, wenn er es nicht schon vor der Bezahlung war.

Diese Nachrichten machten alle Bretagner, die das Lösegeld geleiteten, vor Freude springen, und da sich die Freude leichter mittheilt, als der Schmerz, so stießen alle bei Rianzares versammelten Truppen ein Freudengeschrei aus, worüber die alten Berge bis in ihre Granitwurzeln erbebten.

»Ziehen wir in Spanien ein und führen wir unsern Connetable zurück!« riefen die Bretagner.

»Wir müssen wohl,« sagte ganz leise Musaron zu Agenor.

»Keine Aissa mehr, kein Schwur mehr; die Zeit vergeht, vorwärts, Herr!«

Und seiner glühenden Ungeduld nachgebend, erwiderte Mauléon:

»Vorwärts!«

Neun Tage nach der von Maria Padilla für die Ankunft der Maurin festgesetzten Frist zog die kleine Truppe, begleitet von den Wünschen und Segnungen Aller, durch den Engpaß.

»Wir werden sie vielleicht unter Weges finden,« sprach Musaron, um seinen Herrn vollends zu bestimmen.

Wir unsererseits gehen ihnen an den Hof des Königs Don Pedro voran; wir entdecken wohl die Ursache dieses Verzugs von schlimmer Vorbedeutung, und theilen sie dann dem Leser mit.

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
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