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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 34

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Dreiundfünfzigstes Kapitel.
Gildaz

Dona Maria verweilte auf ihrer Terrasse und zählte die Tage und die Stunden, denn für sich und für Aissa errieth, oder fühlte sie vielmehr ein Unglück in der beharrlichen Ruhe des Mauren.

Mothril war nicht der Mann, der so einschlief; nie hatte er seine Rachgier so zu verstellen gewußt, daß nichts dieselbe während vierzehn langer Tage seinen Feinden verrathen hätte.

Ganz beschäftigt, dem König Feste zu geben, Geld für die Kassen von Don Pedro herbeizuschaffen, ganz bereit, die Saracenen als Hilfstruppen in Spanien einziehen zu lassen und endlich die zwei verheißenen Kronen auf der Stirne seines Herrn zu vereinigen . . . dies war Mothril dem Scheine nach. Er vernachlässigte Aissa, er sah sie nur ein einziges Mal am Abend, und beinahe immer begleitet von Don Pedro, der dem Mädchen die seltensten und prachtvollsten Geschenke schickte.

Gewarnt einmal durch ihre Liebe für Mauléon, sodann durch ihre Freundschaft für Dona Maria, nahm Aissa die Geschenke an, um sie hernach zu verachten, wenn sie dieselben empfangen hatte; indem sie sich dabei mit derselben Kälte gegen den Prinzen benahm, ohne zu vermuthen, daß sie hierdurch ein glühendes Verlangen aufstachelte, suchte sie für dieses Benehmen einen Dank in dem Blick von Dona Maria, wenn sie dieser begegnete.

Dona Maria sagte ihr auch durch einen solchen Blick:

»Hoffe! der Plan, den wir entworfen haben, reift jeden Tag in seinem Schatten; mein Bote wird zurückkommen und Dir sowohl die Liebe Deines schönen Ritters, als die Freiheit bringen, ohne die es keine wahre Liebe gibt,« Endlich glänzte der Tag, nach dem sie sich so glühend sehnte, für Dona Maria.

Es war einer von jenen Morgen, wie sie mit dem Sommer unter dem schönen Himmel Spaniens hervorbrechen; der Thau zitterte an jedem Blatt auf den von Blüthen duftenden Terrassen von Aissa, wo Dona Maria die uns bekannte Alte in ihr Zimmer eintreten sah.

»Senora!« sagte sie mit einem langen Seufzer, »Senora!«

»Nun! was gibt es?«

»Senora, Hafiz ist da.«

»Hafiz! . . . wer ist das?«

»Der Begleiter von Gildaz, Senora.«

»Wie! Hafiz und nicht Gildaz?«

»Hafiz und nicht Gildaz, ja, Senora.«

»Mein Gott! er trete ein; weißt Du sonst noch etwas?«

»Nein, Hafiz wollte mir nichts sagen, nichts; und seht Ihr, Senora, ich weine, weil das Stillschweigen von Hafiz grausamer ist, als alle unheilvolle Worte eines Andern sein könnten.«

»Auf, tröste Dich,« sprach Dona Maria ganz schauernd, »tröste Dich, es ist nichts, eine Zögerung ohne Zweifel, und nicht mehr.«

»Warum ist dann Hafiz nicht aufgehalten worden?«

»Siehst Du, was mich im Gegentheil tröstet, ist die Rückkehr von Hafiz: Gildaz hätte ihn nicht bei sich behalten, da er mich unruhig wußte, er schickt ihn, und folglich sind die Nachrichten gut.«

Die Amme war nicht leicht zu trösten; überdies lag wenig Wahrscheinlichkeit in den zu hastigen Tröstungen ihrer Gebieterin.

Hafiz trat ein.

Er war ruhig und demüthig wie gewöhnlich.

Sein Auge drückte Ehrfurcht aus, wie das Auge der Katzen und Tiger, das, erweitert Jedem gegenüber, der sie fürchtet, sich zusammenzieht und halb schließt, wenn man sie mit einem Zorn oder einem beherrschenden Willen anschaut.

»Wie! allein?« fragte Maria Padilla.

»Ja, allein, hohe Frau,« erwiderte schüchtern Hafiz.

»Und Gildaz?«

»Gildaz, Herrin,« antwortete der Saracene umherschauend, »Gildaz ist todt.«

»Todt!« rief Dona Maria Padilla, voll Angst die Hände faltend; »todt! armer Junge! ist es möglich?«

»Edle Frau, das Fieber hat ihn auf der Reise befallen.«

»Ihn, der so kräftig!«

»Kräftig in der That: doch der Wille Gottes ist stärker, als der des Menschen,« erwiderte spruchartig Hafiz.

»Ein Fieber, oh! . . . und warum hat er mich nicht davon in Kenntniß gesetzt?«

»Hohe Frau, wir waren Beide auf der Reise; in der Gascogne wurden wir in einem Engpaß von Bergbewohnern überfallen, welche der Klang des Goldes angelockt hatte.«

»Der Klang des Goldes: Unvorsichtige!«

»Der französische Herr hatte uns Gold gegeben, er war so freudig! Gildaz glaubte sich allein in diesen Bergen, allein mit mir, und es kam ihm der Gedanke, unsern Schatz noch einmal zu zählen; da wurde er plötzlich von einem Pfeil getroffen, und wir sahen mehrere bewaffnete Männer sich uns nähern. Gildaz war tapfer, wir vertheidigten uns.«

»Mein Gott!«

»Als wir unterlagen, denn Gildaz war verwundet, sein Blut floß . . .«

»Armer Gildaz! und Du?«

»Ich auch, Herrin,« sprach Hafiz, indem er langsam seinen weiten Aermel aufschlug und einen vom Eisen eines Dolches durchfurchten Arm zeigte? »als wir verwundet waren, nahm man uns unser Geld, und sogleich entflohen die Räuber.«

»Hernach, mein Gott! hernach?«

»Hernach, Herrin, wurde Gildaz vom Fieber befallen, und er fühlte sich dem Tode nahe.«

»Hat er nichts gesagt?«

»Doch, Herrin, als seine Augen schwer wurden, sagte er zu mir:

»»Höre, Du wirst entkommen! Sei getreu, wie ich es war; eile zu unserer Gebieterin und händige ihr dieses Päckchen ein, das mir der französische Herr anvertraut hat.«« Hier ist es.«

Hafiz zog aus seinem Busen einen seidenen, ganz von Dolchstichen durchlöcherten und mit Blut befleckten Umschlag.

Dona Maria berührte schauernd die Seide, unter»suchte den Inhalt und sprach:

»Dieser Brief ist geöffnet worden.«

»Geöffnet!« rief der Saracene, und riß die Augen erstaunt weit auf.

»Ja, das Siegel ist zerbrochen,«

»Ich weiß es nicht.« erwiderte Hafiz.

»Du hast ihn geöffnet.Du?«

»Ich! ich kann nicht lesen, Herrin.«

»Irgend Jemand also?«

»Nein, Herrin, schau wohl die Oeffunng an der Stelle des Siegels an: der Pfeil des Gebirgers hat das Wachs und das Pergament durchbohrt.«

»Es ist wahr! es ist wahr!« sagte Dona Maria noch mißtrauisch.

»Und das Blut von Gildaz ist um die Risse verbreitet.«

»Es ist wahr! armer Gildaz!«

Und einen letzten Blick auf den Saracenen heftend, fand die junge Frau diesen so ruhig, so einfältig, fand sie so vollkommen stumm diese kindische Physiognomie, daß sie keinen Verdacht behalten konnte.

»Erzähle mir das Ende, Hafiz.«

«Das Ende, Herrin, ist, daß mir Gildaz kaum den Brief übergeben hatte, als er verschied; sogleich eilte ich von bannen, wie er es mir gesagt hatte, und arm, hungerig, aber stets rennend, bin ich angekommen, um Dir die Botschaft zu bringen.«

»Oh! Du sollst gut belohnt werden, Kind,« sprach Dona Maria bis zu Thränen bewegt; »ja, Du sollst mich nicht verlassen, und wenn Du treu bist, wenn Du verständig bist . .«

Ein Blitz erschien auf der Stirne des Mauren, ein Blitz, der ebenso schnell erlosch, als er sich entzündet hatte.

Nun las Maria den uns bekannten Brief, verglich die Data und sagte, sich dem natürlichen Ungestüm ihres Charakters hingebend, zu sich selbst: »Auf! auf zum Werke.«

Sie schenkte dem Saracenen eine Handvoll Gold und sprach zu ihm:

»Ruhe aus, guter Hafiz, und in einigen Tagen halte Dich bereit; ich werde mich Deiner bedienen.«

Der junge Mensch ging strahlend weg; er berührte, sein Gold und seine Freude mit sich nehmend, die Schwelle, als die Seufzer der Amme stärker hervorbrachen.

Sie hatte die unselige Kunde vernommen.

Vierundfünfzigstes Kapitel.
Vom Auftrag von Hafiz, und wie er ihn vollzogen

Am Vorabend des Tages, wo Hafiz Dona Maria den Brief von Frankreich gebracht, fand sich ein Hirte an den Thoren der Stadt ein und verlangte den edlen Herrn Mothril zu sprechen.

Mothril, der eben sein Gebet in der Moschee verrichtete, verließ Alles, um diesem seltsamen Boten zu folgen, der keinen sehr hohen und mächtigen Gesandten verkündigen mußte.

Als Mothril kaum mit seinem Führer die Stadt verlassen hatte, erblickte er auf einer Heide ein kleines andalusisches Pferd, das hier weidete, und, in dem spärlichen Gras unter Kieselsteinen liegend, den Saracenen Hafiz, der mit seinen großen Augen Alles bespähte, was aus der Stadt kam.

Von Mothril bezahlt, war der Hirte wieder zu seinen magern Ziegen auf den Bergabhang zurückgelaufen. Mothril, der erste Minister, setzte sich, jede Etiquette vergessend, zu dem finsteren Knaben mit dem unbeweglichen Gesichte und sagte:

»Gott sei mit Dir, Hafiz! Du kommst also zurück?«

»Ja, Herr, hier bin ich.«

»Und Du hast Deinen Gefährten fern genug gelassen, daß er nichts vermuthet?«

»Sehr fern, Herr; er vermuthete sicherlich nichts.«

Mothril kannte seinen Boten . . . er wußte, wie sehr der Milderungsausdruck ein allgemeines Bedürfniß für die Araber ist, die es sich zu einer Hauptaufgabe machen, es so lange als möglich zu vermeiden, das Wort todt auszusprechen.

»Du hast den Brief?« fragte er.

»Ja, Herr.«

»Wie hast Du ihn Dir verschafft?«

»Hätte ich Gildaz darum gebeten, so würde er ihn mir verweigert haben. Hätte ich ihm den Brief mit Gewalt nehmen wollen, so würde er mich geschlagen und ohne Zweifel getödtet haben, da er stärker war, als ich.«

»Du hast List gebraucht?«

»Ich wartete, bis er mit mir in das Herz des Gebirges gekommen war, das die Grenze von Spanien und Frankreich bildete; die Pferde waren sehr müde; Gildaz ließ sie ausruhen, und entschlief selbst auf dem Moos am Fuß eines großen Felsen.

»Ich wählte diesen Augenblick, näherte mich Gildaz kriechend, und stieß ihm meinen Dolch in die Brust: er streckte die Arme aus, gab einen dumpfen Schrei von sich, und seine Hände wurden ganz von Blut benetzt.

»Doch er war nicht todt, ich fühlte es wohl. Es gelang ihm, seinen Säbel zu ziehen und mich in den linken Arm zu schlagen; ich durchbohrte ihm das Herz mit meinem Messer, und er starb auf der Stelle.

»Der Brief war im Wamms, ich zog ihn heraus: dann marschirte ich die ganze Nacht in der Richtung des Windes mit meinem kleinen Pferd, und überließ den Leichnam und das andere Pferd den Wölfen und den Raben. Ich zog über die Grenze und vollendete meine Reise, ohne beunruhigt zu werden. Hier ist der Brief, den ich Dir versprochen habe.«

Mothril nahm das Pergament, dessen Siegel zwar unversehrt, der aber von dem Dolch von Hafiz auf dem Herz von Gildaz völlig durchstochen worden war.

Mit einem Pfeil, den er aus dem Köcher einer Wache nahm, durchlöcherte er das Siegel dergestalt, daß die Seide am Wachs zerrissen wurde, und durchlief sofort gierig den Brief.

»Gut,« sagte er, »wir werden Alle bei der Zusammenkunft sein.«

Und er versank in ein Träumen. Hafiz wartete.

»Was habe ich zu thun, Herr?«

»Du steigst wieder zu Pferde, nimmst diesen Brief mit, und klopfst beim Morgenroth an die Thüre von Dona Maria.

Du meldest ihr, die Gebirger haben, Gildaz angegriffen und mit Pfeilen und Dolchen verwundet; sterbend habe er Dir den Brief übergeben. Das! wird Alles sein.«

»Gut, Herr.«

»Auf, reite, die ganze Nacht; Deine Kleider müssen am Morgen vom Thau durchnäßt sein, Dein Pferd muß schwitzen, als ob Du eben erst ankämest. Und dann erwarte meine Befehle und nähere Dich vor acht Tagen meinem Hause nicht.«

»Ist der Prophet mit mir zufrieden?«

»Ja, Hafiz.«

»Ich danke, Herr.«

So war der Brief entsiegelt worden, so war der Sturm beschaffen, der über dem Haupte von Dona Maria toste.

Mothril blieb indessen nicht bei dem stehen, was er gethan hatte. Er erwartete den Morgen, schmückte sich mit prächtigen Kleidern und begab sich zu Don Pedro.

Als der Maure beim König eintrat, fand er den Fürsten, der in einem großen Lehnstuhl von Sammet saß und maschinenmäßig mit den Ohren eines jungen Wolfes spielte, den er zu seinem Vergnügen zähmte.

An seiner Linken saß in einem ähnlichen Lehnstuhl Dona Maria, bleich und wie ergrimmt. Seitdem sie hier so nahe bei Don Pedro war, hatte der Prinz wirklich, ohne Zweifel mit anderen Gedanken beschäftigt, kein Wort an sie gerichtet.

Stolz wie die Frauen ihres Landes, verschlang Dona Maria diese Schmach mit Ungeduld. Sie sprach auch nicht, und da sie keinen vertrauten Wolf zu necken hatte, so häufte sie nur in ihrem Herzen Mißtrauen auf Mißtrauen, Zorn auf Zorn, Pläne auf Pläne an.

Mothril trat ein, und dies war für Maria Padilln eine Gelegenheit, geräuschvoll abzugehen.

»Ihr geht, edle Frau?« sagte Don Pedro, unwillkührlich unruhig über diesen wüthenden Abgang, den er durch den gleichgültigen Empfang, welchen er seiner Geliebten zu Theil werden ließ, hervorgerufen hatte.

»Ja,« antwortete sie, »ich gehe und will die Huld schonen, von der Ihr ohne Zweifel für den Saracenen Mothril Vorrath sammelt.«

Mothril hörte dies, doch er schien sich nicht darüber zu ärgern. Wäre Dona Maria minder wüthend gewesen, so hätte sie errathen, die Ruhe des Mauren entspringe aus der geheimen Sicherheit eines nahe bevorstehenden Triumphes.

Doch der Zorn berechnet nicht; er trägt genug Befriedigung in sich. Er ist wirklich eine Leidenschaft. Wer ihn sättigt, findet ein Vergnügen darin.

»Sire,« sprach Mothril, einen tiefen Schmerz heuchelnd, »ich sehe, mein König ist nicht glücklich.«

»Nein,« erwiderte Don Pedro mit einem Seufzer.

»Wir haben viel Gold,« fuhr Mothril fort, »Cordua hat gesteuert.«

»Desto besser,« sagte der König mit gleichgültigem Ton.

»Sevilla bewaffnet zwölftausend Mann; wir gewinnen zwei Provinzen.«

»Ah!« machte der König mit demselben Ton.

»Wenn der Usurpator nach Spanien zurückkehrt, so denke ich, daß wir ihn im Verlauf von acht Tagen in einer Feste einschließen . . . gefangen nehmen. . .«

Nie hatte der Name des Usurpators einen heftigen Sturm beim König zu erregen verfehlt; diesmal begnügte sich Don Pedro, ohne Wuth zu erwiedern:

»Er komme! Du hast Gold, Soldaten; wir nehmen ihn gefangen, wir lassen ihn richten, und man schlägt ihm den Kopf ab.«

Mothril näherte sich in diesem Augenblick dem König und sagte:

»Ja, mein König ist sehr unglücklich.«

»Und warum, Freund?«

»Weil Dir das Geld nicht mehr gefällt, weil die Macht Dich anekelt, weil Du nichts mehr Süßes in der Rache siehst, weil Du endlich für Deine Geliebte keinen Blick der Liebe mehr findest.«

»Es ist wahr, ich liebe sie nicht mehr, und wegen dieser Leere meines Herzens finde ich nichts mehr wünschenswerth.«

»Wenn dieses Herz so leer scheint, König, so scheint es wohl so, weil es voll von Wünschen ist?Der Wunsch, Du weißt es, ist die in den Schläuchen eingeschlossene Luft.«

»Ich weiß es, ja, mein Herz ist voll von Wünschen,«

»Du liebst also?«

»Ja, ich glaube, daß ich liebe.«

»Du liebst Aissa, die Tochter eines mächtigen Monarchen . . . Oh! ich bedaure und beneide Dich zugleich, denn Du kannst sehr glücklich oder sehr beklagenswerth sein, hoher Herr.«

»Es ist wahr, Mothril, ich bin sehr zu beklagen.«

»Damit willst Du sagen, sie liebe Dich nicht?«

»Nein, sie liebt mich nicht.«

»Glaubst Du, hoher Herr, dieses Blut, so rein wie das einer Göttin, werde von den Leidenschaften bewegt, denen eine andere Frau nachgeben würde? Aissa taugt nicht für den Harem eines wollüstigen Fürsten; Aissa ist eine Königin und wird nur auf einem Thron lächeln. Siehst Du, mein König, es gibt Blumen, die sich nur auf dem Gipfel der Berge erschließen.«

»Ein Thron . . . Ich, Aissa heirathen! Mothril, was würden die Christen sagen?«

»Wer sagt Dir, hoher Herr, Dona Aissa werde nicht, wenn sie Dich liebt, weil Du ihr Gemahl sein wirst, Dir ihren Gott zum Opfer bringen, da sie Dir dann ihre Seele zum Opfer gebracht hat?«

Ein fast wollüstiger Seufzer entschlüpfte der Brust des Königs.

»Sie würde mich lieben! . . .«

»Sie wird Dich lieben!«

»Nein, Mothril.«

»Nun, hoher Herr, versinke in den Schmerz, da Du nicht würdig bist, glücklich zu sein; denn Du verzweifelst vor dem Ziel.«

»Aissa flieht mich.«

»Ich glaubte, die Christen wären geistreicher, um die Liebe der Frauen zu errathen. Bei uns drängen sich die Leidenschaften zusammen und verschwinden scheinbar unter der dichten Lage der Sklaverei; doch unsere Frauen, die so frei sind, Alles zu sagen, und folglich Alles zu verbergen, machen uns hellsichtiger, um in ihren Herzen zu lesen. Wie soll die stolze Aissa sichtbar denjenigen lieben, welcher nur geleitet von einer Frau der Nebenbuhlerin von allen Frauen geht, die Don Pedro lieben würden.«

»Aissa wäre eifersüchtig?«

Ein Lächeln des Mauren war seine Antwort, dann fügte er bei:

»Bei uns ist die Turteltaube eifersüchtig auf ihre Gefährtin, und das edle Pantherthier kämpft mit Zähnen und Klauen mit dem Pantherthier in Gegenwart des Tigers, der das eine oder das andere wählen soll.«

»Ah! Mothril, ich liebe Aissa.«

»Heirathe sie.«

»Und Dona Maria?«

»Der Mann, der seine Frau hat tödten lassen, um seiner Geliebten nicht zu mißfallen, zögert, diese Geliebte, die er nicht mehr liebt, zu verabschieden, um fünf Millionen Unterthanen und eine Liebe, welche köstlicher ist, als die ganze Erde, zu erobern?«

»Du hast Recht, doch Dona Maria würde darüber sterben.«

Der Maure lächelte abermals.

»Sie liebt Dich also sehr?«

»Ob sie mich liebt! Du zweifelst daran?«

»Ja, Herr.«

Don Pedro erbleichte.

»Er liebt sie noch,« dachte Mothril; »wir wollen seine Eifersucht nicht erregen, denn er würde sie allen Anderen vorziehen.«

»Ich zweifle daran,« sagte er, »nicht als ob sie untreu wäre, das glaube ich nicht, sondern weil sie, während sie sich minder geliebt sieht, beharrlich bei Dir zu leben trachtet.«

»Ich hätte das Liebe genannt, Mothril.«

»Ich nenne dieses Gefühl Ehrgeiz.«

»Du würdest Maria wegjagen?«

»Um Aissa zu erhalten, ja.«

»Oh! Nein. . . nein!«

»Leide also, leide.«

»Ich glaubte,« sprach Don Pedro, indem er einen entflammten Blick auf Mothril heftete, »ich glaubte,, wenn Du Deinen König leiden sehen würdest, hättest Du nicht den Muth, zu sagen: »»Leide!«« Ich glaubte, Du würdest unfehlbar ausrufen: »»Ich werde Dich erleichtern, hoher Herr.««

»Auf Kosten der Ehre eines großen Königs meines Landes, nein; eher den Tod.«

Don Pedro blieb in eine düstere Träumerei versunken.

»Ich werde also sterben,« sagte er, »denn ich liebe dieses Mädchen, oder vielmehr,« rief er mit einer unheimlichen Flamme in den Augen, »nein, ich werde nicht sterben.«

Mothril kannte den König genau und wußte, daß kein Damm stark genug war, den Strom der Leidenschaften bei diesem unbändigen Mann aufzuhalten.

»Er würde Gewalt gebrauchen,« dachte er, »verhindern wir es, daß es hierzu kommt.«

»Hoher Herr,« sprach Mothril, »Aissa ist eine schöne Seele, sie würde Schwüren Glauben schenken. . . Wenn Ihr ihr schwören würdet, Ihr werdet sie heirathen, nachdem Ihr Dona Maria feierlich aufgegeben, so würde Aissa ohne allen Zweifel ihr Geschick Eurer Liebe anvertrauen.«

»Machst Du Dich hierfür verbindlich?«

»Ja, Herr.«

»Nun wohl!« rief Don Pedro, »ich werde mit Dona Maria brechen, ich schwöre es.«

»Das ist etwas Anderes: nennt Eure Bedingungen, Hoheit.«

»Ich werde mit Dona Maria brechen und ihr eine Million Thaler geben.

Es wird sich in dem Land, das sie zu ihrem Aufenthalt wählt, keine reichere und geehrtere Fürstin finden.«

»Gut, das ist die Handlungsweise eines hochherzigen Fürsten; doch dieses Land darf nicht Spanien sein!«

»Ist das nothwendig?«

»Aissa wird sich nicht beruhigen, wenn nicht das Meer, ein Meer, das keine Ueberfahrt duldet, Eure alte Liebe von der neuen trennt.«

»Wir werden das Meer zwischen Aissa und Dona Maria setzen, Mothril.«

»Gut, Hoheit.«

»Doch ich bin der König, und Du weißt, daß ich von Niemand Bedingungen annehme.«

»Das ist billig, Sire.«

»Der Handel muß also, ein wenig ähnlich dem Handel der Juden, unter uns abgeschlossen werden, ohne Anfangs eine andere Person, als Dich zu verbinden.«

»Wie so.?«

»Dona Aissa muß mir als Geißel gestellt werden.«

»Nichts sonst?« sagte Mothril spöttisch.

»Wahnsinniger! siehst Du nicht, daß die Liebe mich verzehrt, daß ich in diesem Augenblick Zartheiten übe, die mich lachen machen? als ob der Löwe in seinem Hunger Bedenklichkeiten hätte! Siehst Du nicht, daß ich, wenn Du mich um Aissa feilschen machst, sie nehmen werde? Daß ich, wenn Deine Augen von Zorn entflammen, Dich verhaften und aufhängen lasse, und daß alle christlichen Ritter da sein werden, um Deinen Leib am Galgen anzuschauen, und um meiner neuen Geliebten den Hof zu machen?«

»Es ist wahr,« dachte Mothril; »doch Dona Maria, hoher Herr?«

»Ich habe Liebeshunger, sage ich Dir, und Dona Maria wird sehen, wie Dona Bianca von Bourbon starb.«

»Euer Zorn ist furchtbar, hoher Herr,« erwiderte Mothril demüthig; »ein Narr, der nicht das Knie vor Euch beugen würde.«

»Du wirst mir Aissa überliefern?«

»Wenn Ihr mir befehlt, ja, Hoheit; doch wen, Ihr nicht meine Rathschläge befolgt, wenn Ihr Euch nicht von Dona Maria frei gemacht, wenn Ihr nicht ihre Freunde, welche Eure Feinde sind, niedergeschmettert, wenn Ihr nicht alle Bedenklichkeiten von Aissa gehoben habt, so werdet Ihr, überlegt das wohl, diese Frau nie besitzen, denn sie wird sich tödten!«

Nun war die Reihe am König, zu beben und zu träumen.

»Was willst Du denn?« sagte er.

»Ich wünsche, daß Ihr acht Tage wartet. Unter brecht mich nicht! . . . Aissa wird nach einem königlichen Schloß abgehen, ohne daß Jemand ihre Flucht, oder die Bestimmung ihrer Reise erräth; Ihr werdet Aissa überzeugen, sie wird die Eurige werden und Euch lieben.

»Und Dona Maria, frage ich Dich?«

»Anfangs eingeschläfert, wird sie besiegt erwachen. Laßt sie seufzen und sich erzürnen, Ihr werdet die Geliebte gegen eine Liebende vertauscht haben; nie wird Euch Maria diese Untreue verzeihen, sie wird Euch selbst von ihr befreien.«

»Ja, sie ist stolz, es ist wahr. Und Du glaubst, Aissa werde kommen?«

»Ich glaube nicht, ich weiß es.«

»An diesem Tag, Mothril, verlange von mir die Hälfte meines Königreiches, und sie gehört Dir.«

»Ihr werdet nie mit mehr Recht redliche Dienste belohnt haben.«

»In acht Tagen also?«

»In der letzten Stunde des Tages, ja, hoher Herr, wird Aissa die Stadt, geleitet von einem Mauren, verlassen; ich werde sie zu Dir führen.«

»Gehe, Mothril.«

»Bis dahin erweckt nicht den Argwohn von Dona Maria.«

»Sei unbesorgt. Ich habe wohl meine Liebe, meinen Schmerz verborgen: glaubst Du, ich werde meine Freude nicht verbergen?«

»Verkündet, hoher Herr, Ihr wollet nach einem Schloß auf dem Lande abgehen.«

»Ich werde es thun,« sprach der König.

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04 aralık 2019
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