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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 35

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Fünfundfünfzigstes Kapitel.
Wie Hafiz seine Reisegefährten irre führte

Dona Maria hatte indessen seit der Rückkehr von Hafiz ihr Einverständniß mit Aissa wieder angeknüpft.

Diese konnte nicht lesen, doch der Anblick des Pergaments, das die Hand ihres Geliebten berührt hatte, dieses Kreuz besonders, die Vertretung seines redlichen Willens, erfüllten mit Freude das Herz von Aissa, und verlangten zwanzigmal nach ihren Lippen, weiche sich trunken von Liebe darauf drückten.

»Theure Aissa,« sprach Maria, »Du wirst abreisen. In acht Tagen bist Du fern von hier, doch Du wirft sehr nahe bei demjenigen sein, welchen Du liebst, und ich glaube nicht, daß Du Dich nach diesem Lande zurücksehnst.«

»Oh! nein! nein! mein Leben ist, die Luft zu athmen, die er athmet.«

»Ihr werdet also wiedervereinigt sein, Hafiz ist ein kluger, sehr treuer Knabe, und voll Verstands, Er kennt die Straße; dann wirst Du dieses Kind nicht fürchten, wie Du einen Mann fürchten würdest, und ich bin überzeugt, Du wirst mit mehr Vertrauen in seiner Gesellschaft reisen. Er ist aus Deinem Land, und Ihr sprecht Beide die Sprache, die Du liebst. Dieses Kistchen enthält alle Deine Juwelen: erinnere Dich, daß in Frankreich ein sehr reicher Herr nicht die Hälfte von dem besitzt, was Du Deinem Geliebten bringen wirst . . . Ueberdies werden meine Wohlthaten den jungen Mann begleiten, und ginge er mit Dir bis ans Ende der Welt. Bist Du einmal in Frankreich, so hast Du nichts mehr zu befürchten. Ich sinne hier aus eine große Veränderung. Der König muß aus Spanien die Mauren, die Feinde unserer Religion, verjagen, denn sie sind ein Vorwand, dessen sich die Neidischen bedienen, um den Glanz von Don Pedro zu trüben. Bist Du nicht mehr hier, so schreite ich, ohne zu zögern, zum Werk.«

»An welchem Tag werde ich Mauléon sehen?« fragte Aissa, welche nichts gehört hattet als den Namen ihres Geliebten.

»Du kannst fünf Tage nach Deiner Abreise aus dieser Stadt in seinen Armen sein.«

»Ich werde die Hälfte weniger Zeit brauchen, als der schnellste Reiter, edle Frau.«

Nach dieser Unterredung ließ Dona Maria Hafiz kommen und fragte ihn, ob er nicht nach Frankreich zurückkehren wolle, um die Schwester von Gildaz zu begleiten.

»Ein armes, über den Tod seines Bruders untröstliches Kind, das gern seinen unglücklichen Ueberresten ein christliches Grab geben möchte,« fügte sie bei.

»Ich will das wohl thun,« erwiderte Hafiz; »bestimmt den Tag der Abreise, Herrin.«

«Morgen besteigst Du ein Maulthier, das ich Dir gebe. Die Schwester von Gildaz wird ein Maulthier haben, um es zu reiten, und ein anderes beladen mit meiner Amme, die ihre Mutter ist, und mit einigen Gegenständen, welche sich auf die Ceremonie beziehen, die sie erfüllen will.«

»Gut, Senora. Wann soll ich morgen abreisen?«

»Am Abend, nachdem die Thore geschlossen, nachdem die Feuer ausgelöscht sind.«

Hafiz hatte nicht sobald diesen Befehl erhalten, als er ihn Mothril hinterbrachte.

Der Maure beeilte sich, Don Pedro aufzusuchen.

»Hoher Herr,« sagte er, »das ist der siebente Tag, Du kannst nach Deinem Lustschloß abreisen.«

»Ich wartete,« sprach der König.

»Reise also ab, mein König, es ist Zeit.«

»Alle Vorkehrungen sind getroffen,« fügte Don Pedro bei. »Ich werde um so lieber abreisen, als der Prinz von Wales morgen einen Wappenherold zu mir schickt, um Geld von mir zu verlangen.«

»Und der Schatz ist heute leer, hoher Herr; denn Du weißt, wir halten die Summe bereit, welche bestimmt ist, die Wuth von Dona Maria zum Schweigen zu bringen.«

»Gut!«

Don Pedro gab alle Befehle zum Aufbruch. Er lud absichtlich zu dieser Reise mehrere Damen des Hofes ein, und that seiner Geliebten Dona Maria keine Erwähnung.

Mothril beobachtete, welche Wirkung diese Beleidigung auf die stolze Spanierin hervorbringen würde; doch Dona Maria beklagte sich nicht.

Sie brachte den Tag mit ihren Frauen hin, spielte Laute und ließ ihre Vögel singen.

Als der Abend kam und der ganze Hof abgereist war, stellte sich Dona Maria, als wäre sie von tödtlicher Langweile heimgesucht, und befahl, ihr ein Maulthier bereit zu halten.

Auf ein Signal von Aissa, welche frei in ihrem Hause waltete, denn Mothril hatte den König begleitet, ging Maria hinab und bestieg ihr Maulthier, nachdem sie sich in einen großen Mantel gehüllt hatte, wie ihn die Duenen trugen.

In diesem Anzug suchte sie selbst Aissa durch den geheimen Gang aus und fand, wie sie es erwartete, Hafiz, der, seit einer Stunde im Sattel, mit seinen scharfen Augen die Finsterniß durchforschte.

Dona Maria zeigte den Wachen ihre Auslaßkarte und nannte das Losungswort. Die Thore wurden geöffnet. Eine Viertelstunde nachher eilten die Maulthiere durch die Ebene.

Hafiz ritt voran. Dona Maria bemerkte, daß er eine schiefe Richtung nach links nahm, statt dem geraden Weg zu folgen.

»Ich kann nicht mit ihm sprechen, denn er würde meine Stimme erkennen,« sagte sie leise zu ihrer Gefährtin; »doch Du, die er nicht erkennen wird, frage ihn, warum er so von der Straße abgehe.«

Aissa fragte in arabischer Sprache und Hafiz antwortete ganz erstaunt:

»Der Weg links ist kürzer, Senora.«

»Gut,« rief Aissa, »doch verirre nicht.«

»Oh! nein,« erwiderte der Saracene, »ich weiß, wohin ich gehe.«

»Seid unbesorgt, er ist treu,« sprach Maria; »überdies bin ich bei Euch, und ich begleite Euch in keiner anderen Absicht, als um Euch frei zu machen, falls Euch eine Truppe in der Umgegend aufhalten würde. Am Morgen habt Ihr fünfzehn Meilen zurückgelegt, und dann sind keine Soldaten mehr zu befürchten. Mothril wacht, doch nur in einem durch seine Sorglosigkeit und durch die Trägheit seines Herrn beschränkten Umkreis. Dann verlasse ich Euch, und Ihr folgt Eurer Straße; und ich durchziehe die Gegend, und klopfe an die Pforten des Palastes, den Don Pedro bewohnt. Ich kenne den König, er beweint meine Abwesenheit und wird mich mit offenen Armen empfangen.«

»Dieses Schloß ist also unsern von hier?« fragte Aissa.

«Es ist sieben Meilen von der Stadt, die wir verlassen, doch weit links, und liegt auf einem Berg, den wir dort am Horizont sehen würden, wenn der Mond aufginge.«

Plötzlich trat der Mond, als gehorchte er der Stimme von Dona Maria, aus einer schwarzen Wolke hervor, deren Ränder er versilberte. Sogleich strömte ein sanftes, reines Licht auf die Felder und Waldungen herab, so daß die Reisenden sich, schnell von Klarheit umgeben sahen.

Hafiz wandte sich gegen seine Gefährten um, er schaute umher, der Weg hatte einer großen Heide Platz gemacht, welche von einem hohen Berge begrenzt war, auf dem sich ein bläuliches, rundes Schloß erhob.

»Das Schloß!« rief Dona Maria, »wir haben uns verirrt!«

Hafiz bebte, er glaubte diese Stimme zu erkennen.

»Du hast Dich verirrt?« sagte Aissa zu dem Mauren, »antworte.«

»Ach! sollte es wahr sein?« versetzte Hafiz voll Naivetät.

Er hatte nicht vollendet, als aus der Tiefe einer von grünen Eichen und Olivenbäumen begrenzten Schlucht vier Reiter auf glühenden Rossen mit entflammten Nüstern und flatternder Mähne hervorsprengten.

»Was soll das bedeuten?« murmelte mit dumpfem Tone Dona Maria.«Sind wir entdeckt?«

Und sie hüllte sich in die Falten ihres Mantels, ohne ein Wort beizufügen.

Hafiz stieß schrille Schreie aus, als ob er Angst hätte; doch einer von den Reitern drückte ihm ein Sacktuch auf die Lippen und zog sein Maulthier fort.

Zwei andere von den Räubern stachelten die Maulthiere der zwei Frauen, so daß diese Thiere in einem wüthenden Galopp in der Richtung des Schlosses hinjagten.

Aissa wollte schreien, sich vertheidigen.

»Schweige!« sagte Dona Maria zu ihr; »mit mir hast Du nichts bei Don Pedro zu befürchten, mit Dir befürchte ich nichts von Mothril. Schweige!«

Die vier Reiter lenkten ihren Fang nach dem Schloß, als ob sie eine Herde nach dem Stall zurücktrieben.

»Es scheint, man erwartete uns,« dachte Dona Maria. »Die Thore sind offen, ohne daß das Horn ertönte.«

Die vier Pferde und die drei Maulthiere zogen mit großem Geräusch in den Hof des Palastes ein.

Ein Fenster war beleuchtet, und ein Mann stand an diesem Fenster.

Er stieß einen Freudenschrei aus, als er die Maulthiere kommen sah.

»Es ist Don Pedro, und er wartete!« murmelte Dona Maria, welche die Stimme des Königs erkannte; »was soll dies Alles bedeuten?«

Die Reiter befahlen den Frauen, abzusteigen, und führten sie in den Saal des Schlosses.

Dona Maria unterstützte die zitternde Aissa.

Don Pedro trat in den Saal, gestützt auf Mothril, dessen Augen vor Freuden funkelten.

»Theure Aissa!« sagte er, indem er auf das Mädchen zustürzte, das vor Entrüstung bebte und, das Auge entstammt, die Lippen zitternd, von seiner Gefährtin Rechenschaft über einen Venrath zu verlangen schien. »Theure Aissa, vergebt mir,« wiederholte der König, »daß ich Euch und diese gute Frau erschreckt habe; erlaubt, daß ich Euch willkommen heiße.«

»Und mich,« rief Dona Maria, die Capuze ihres Mantels zurückschlagend, »mich grüßt Ihr nicht, Herr?«

Don Pedro stieß einen Schrei aus und wich vor Schrecken zurück.

Mothril fühlte sich, bleich und zitternd unter dem niederschmetternden Blick seiner Feindin, einer Ohnmacht nahe.

»Auf! laßt uns ein Gemach geben, Wirth,« fuhr Dona Maria fort, »denn Ihr seid unser Wirth, Don Pedro.«

Wankend, gelähmt, neigte Don Pedro das Haupt und kehrte in die Gallerte zurück.

Mothril entfloh . . . Doch schon war bei ihm die Wuth an die Stelle der Furcht getreten.

Die zwei Frauen schmiegten sich an einander an und warteten stillschweigend. Einen Augenblick nachher hörten sie die Thüre sich schließen.

Der Oberhaushofmeister erschien, verbeugte sich bis auf den Boden und bat Dona Maria, in ihr Gemach hinaufgehen zu wollen.

»Verlaßt mich nicht!« rief Aissa.

»Fürchte Dich nicht, Kind! Ich habe mich gezeigt, und mein Blick genügte, um diese wilden Thiere zu zähmen . . . Vorwärts, folge mir . . .ich wache über Dir, sage ich.«

»Und Ihr! Oh! fürchtet auch für Euch!«

»Für mich!« entgegnete Maria Padilla mit einem stolzen Lächeln, »wer würde es wagen? . . . Es ist in diesem Schloß nicht an mir, Angst zu haben.«

Sechsundfünfzigtes Kapitel.
Der Patio des Sommerpalastes

Die Wohnung, in welche man Maria führte, war dieser wohlbekannt. Sie hatte sie in der Zeit ihrer Herrschaft, ihrer Wohlfahrt inne. Da wußte der ganze Hof den Weg nach ihren Gallerien, mit den Pfeilern von gemaltem und vergoldetem Holz, deren Mittelpunkt ein Patio oder Orangengarten mit einem marmornen Bassin bildete. Man sah da nur Pagen bei den reichen Thürvorhängen von Brocat, und Diener, eifrig bemüht, ihre Pflicht unter den kostbar beleuchteten Gallerien, zu erfüllen.

In dem Patio, unter den dichten Zweigen der blühenden Bäume, verbargen sich die so süßen, so sanft traurigen maurischen Melodien, welche wie Wohlgerüche, eingeathmet vom Himmel, erscheinen, wenn sie von den Lippen des Sängers oder von den Fingern des Spielers aufsteigen.

Heute war Alles nur Stillschweigen. Von dem übrigen Palaste getrennt, erschien diese Gallerie düster und leer. Die Bäume hatten immer noch ihr Blätterwerk, doch es war finster; dem Marmor entströmte die weißliche Woge, aber mit einem Geräusch dem Tosen des aufgebrachten Meeres ähnlich.

An dem Ende von einer der längsten Seiten dieses Parallelograms gelangte man durch eine kleine gewölbte Thüre aus der Gallerie von Dona Maria in die vom König bewohnte Gallerie.

Dieser Gang war lang und schmal wie ein steinerner Kanal. Einst mußte er nach dem Willen von Don Pedro mit kostbaren Stoffen ausgeschlagen sein, und die Platten waren beständig mit Blumen bestreut. Doch in dem so langen Zwischenraum der zwei Aufenthalte waren die Tapeten verwittert und zerrissen, und die verdorrten Blumen krachten unter den Füßen.

Alles, was die Liebe unterstützt hat, verwelkt, wenn die Liebe todt ist. Es ist so mit jenen leidenschaftlichen Schlingpflanzen, welche blühen und sich üppig um den Baum ranken, den sie lieben, aber vertrocknen und leblos herabfallen, wenn sie nicht mehr den Saft und das Leben ihres Verbündeten einzusaugen haben.

Kaum hatte Dona Maria von ihrer Wohnung Besitz ergriffen, als sie nach ihrer Dienerschaft verlangte.

«Senora,« erwiderte der Oberhaushofmeister, »der König ist nicht hierher gekommen, um einen Aufenthalt zu machen, sondern nur um eine Jagd zu halten. Er hat keine Dienerschaft mitgebracht.«

»Gut. Die Gastfreundschaft des Königs gestattet jedoch nicht, daß seine Gäste hier des Nothwendigen entbehren.«

»Senora, ich bin zu Euren Befehlen, und Alles, was Eure Herrlichkeit verlangen wird. . .«

»Gebt uns Erfrischungen und ein Pergament zum Schreiben.«

Der Oberhaushofmeister verbeugte sich und trat ab.

Es war Nacht geworden, die Sterne glänzten am Himmelszelt. Im entferntesten Hintergrund des Patio stieß eine Eule ihr klägliches Geschrei aus, das die unter den Fenstern von Dona Maria hockende Nachtigall schweigen machte.

In dieser Dunkelheit, unter dem Einfluß der düsteren Ereignisse, hielt sich Aissa, erschrocken über die stille Wuth ihrer Gefährten, zitternd in der Tiefe des Gemachs. Sie sah wie einen bleichen Schatten Dona Maria, die Hand am Kinn, das Auge im Raum verloren, aber von Entwürfen funkelnd, hin und hergehen. Sie wagte es nicht, zu sprechen, aus Furcht, diesen Zorn zu stören und diesen Schmerz abzulenken.

Plötzlich erschien der Oberhaushofmeister wieder, brachte Wachskerzen und stellte sie auf einen Tisch.

Ein Sklave folgte ihm, beladen mit einem Bassin von Vermeil, worauf zwei Schalen von ciselirtem Silber, welche eingemachte Früchte und eine weite Flasche mit Xeres-Wein begleiteten.

»Senora,« sagte der Oberhaushofmeister, »Eure Herrlichkeit ist bedient.«

»Ich sehe die Tinte und das Pergament nicht, wie ich es verlangt habe,« sprach Dona Maria.

»Senora, man hat lange gesucht,« erwiderte der Oberhaushofmeister verlegen, »aber der Kanzler des Königs ist nicht hier, und die Pergamente sind in der königlichen Kiste.«

Dona Maria faltete die Stirne.

»Ich begreife,« sagte sie, »gut, laßt uns allein.«

Der Oberhaushofmeister entfernte sich.

«Der Durst verzehrt mich,« sprach nun Dona Maria; »liebes Kind, wollt mir zu trinken einschenken.«

Aissa beeilte sich, Wein in eine von den Schalen zu gießen, und bot sie ihrer Gefährtin, welche gierig trank.

»Hat er kein Wasser gegeben?« fügte sie bei; »dieser Wein verdoppelt meinen Durst, statt ihn zu löschen.«

Aissa suchte umher und erblickte einen irdenen Krug mit gemalten Blumen, wie man sie im Orient hat, um das Wasser selbst in der Sonne frisch zu erhalten.

Sie schöpfte daraus eine Schale reinen Wassers, in die Dona Maria den Rest des Weines aus der andern Schale goß.

Doch schon beschäftigte sich ihr Geist nicht mehr mit den Bedürfnissen des Leibes; anderswo ganz in Anspruch genommen, waren ihre Gedanken wieder in die düsteren Räume zurückgekehrt.

»Was thue ich hier sagte sie zu sich selbst; »warum Zeit verlieren?. . . Entweder muß ich den Verräther seines Verraths überweisen, oder ich muß es versuchen, ihn noch einmal zurückzuführen.«

Sie wandte sich ungestüm gegen Aissa, welche jeder ihrer Bewegungen folgte, und sagte:

»Höre, Mädchen, Du, die Du einen so reinen Blick hast, daß man Deine Seele durch Deine Augensterne zu sehen glaubt, antworte einer Frau, der unglücklichsten der Frauen: bist Du hoffartig? Solltest Du zuweilen diesen Glanz meines Glückes beneiden? Solltest Du zum Rathgeber in den finsteren Stunden der Nacht einen schlimmen Engel haben, der Dich von der Liebe abspänstig macht, um Dich zum Ehrgeiz anzutreiben? Oh! antworte mir! Oh! erinnere Dich, daß mein ganzes Schicksal in dem Wort liegt, das Du aussprechen wirst; antworte mir, wie Du Gott antworten würdest. Wußtest Du etwas von diesem Entführungsplan? Hattest Du eine Ahnung davon? Hofftest Du darauf?«

»Edle Frau,« erwiderte Aissa mit einer zugleich traurigen und sanften Miene, »Ihr, meine gute Beschützerin, Ihr, die Ihr mich meinem Geliebten mit so glühendem Eifer habt entgegenfliegen sehen, Ihr fragt mich, ob ich zu einem Andern zu kommen gehofft habe!«

»Du hast Recht,« sprach Dona Maria ungeduldig, »doch Deine Antwort, welche vielleicht Deine ganz, Seelenreinheit in sich schließt, erscheint mir immer noch als eine Ausflucht; siehst Du, das ist so, weil meine Seele nicht rein ist, wie die Deinige, und weil alle Leidenschaften der Erde sie durchwühlen und vernebeln: ich wiederhole also meine Frage: bist Du ehrgeizig? und würdest Du Dich je für den Verlust Deiner Liebe durch die Hoffnung aus ein großes Glück, auf einen Thron vielleicht, trösten?«

»Edle Frau,« antwortete Aissa bebend, »ich besitze keine Beredtsamkeit und weiß nicht, ob es mir gelingen wird, Euren Schmerz zu überreden; doch beim lebendigen Gott, sei es bei dem meinigen, sei es bei dem Eurigen, schwöre ich Euch, daß ich, falls Don Pedro mich in seiner Gewalt halten würde und mir seine Liebe aufdringen wollte, daß ich, sage ich, einen Dolch haben werde, um mir das Herz zu durchbohren, oder einen Ring, wie der Eurige, um ein tödtliches Gift einzuathmen.«

»Einen Ring, wie der meinige!« rief Dona Maria, indem sie rasch zurückwich und ihre Hand unter der Mantille verbarg, »Du weißt . . .«

»Ich weiß, weil es Jedermann in diesem Palast leise gesagt hat, daß Ihr, Don Pedro ergeben und befürchtend, Ihr könntet nach dem Verlust einiger Schlachten in die Hände der Feinde fallen, in diesem Ring ein scharfes Gift bei Euch zu tragen pfleget, um Euch im Falle der Noth frei zu machen . . . Das ist übrigens auch die Gewohnheit der Leute meines Landes, und ich werde für meinen Agenor weder minder muthig, noch minder treu sein, als Ihr für Don Pedro. Ich werde sterben, wenn ich sehe, daß er sein Gut verlieren soll.«

Dona Maria drückte Aissa die Hände, küßte sie sogar mit wilder Zärtlichkeit auf die Stirne und sprach,:

»Du bist ein edles Kind, und Deine Worte würden, mir meine Pflicht vorschreiben, wenn ich nicht etwas Heiligeres in dieser Welt zu beschützen hätte, als meine Liebe . . . Ja, ich würde sterben, nachdem ich meine Zukunft und meinen Ruhm verloren; doch wer wird über diesem Undankbaren, über diesem Treulosen wachen, den ich noch liebe? Wer wird ihn von einem schmählichen Tod, von einem noch viel schmählicheren Untergang retten? Er hat keinen Freund, wohl aber Tausende von erbitterten Feinden. Du liebst ihn nicht, Du wirst keiner Versuchung nachgeben, das ist Alles, was ich wünsche, weil das Gegentheil das Einzige war, was ich befürchtete. Nun bin ich ruhig, nun ist die Linie, die ich verfolgen will, vorgezeichnet. Ehe das Frühroth morgen angebrochen, wird in Spanien eine Veränderung vorgehen, von der das Weltall sprechen soll.«

»Edle Frau,« sagte Aissa, »hütet Euch vor den Aufwallungen Eures so muthigen Geistes . . . Bedenkt, daß ich allein auf der Welt bin und keine Hoffnung und kein Glück habe, als in Euch und durch Euch.«

»Ich bedenke dies Alles, das Unglück läutert meine Seele: ich habe keine Selbstsucht mehr, da ich keine gewöhnliche Liebe mehr habe. Höre, Aissa, mein Entschluß ist gefaßt: ich will mich zu Don Pedro begeben: suche in dem mit Gold eingelegten Kistchen, das sich im nächsten Zimmer finden muß, und Du wirst einen Schlüssel finden. Dieser Schlüssel ist der einer geheimen Thüre, welche nach den Gemächern von Don Pedro geht.«

Aissa eilte hinaus und brachte in der That den Schlüssel zurück, dessen sich Dona Maria bemächtigte.

»Werde ich allein an diesem traurigen Orte bleiben, edle Frau?« fragte das Mädchen.

»Ich weiß für Dich einen unverletzlichen Aufenthaltsort. Hier könnte man vielleicht bis zu Dir dringen. Doch komm, am Ende des Zimmers, dessen Schlüssel Du geholt, ist ein anderes zwischen Mauern liegendes Zimmer ohne Ausgang. Ich schließe Dich dort ein, und Du hast nichts zu befürchten.«

»Allein! . . . allein, oh! nein, ich hätte Angst.«

»Kind, Du kannst mich doch nicht begleiten! vom König befürchtest Du etwas, und zu ihm will ich mich begeben.«

»Ja, das ist wahr, edle Frau . . . Wohl, ich fügt mich und warte, nicht in jenem schwarzen, entlegenen Zimmer, oh! nein, hier auf den Polstern, wo Ihr geruht, hier, wo Alles an Eure Gegenwart und an Euren Schutz erinnern wird.«

»Du mußt wohl ausruhen.«

»Ich bedarf dessen nicht, edle Frau.«

»Wie Du willst, Aissa; bringe die Zeit meiner Abwesenheit damit hin, daß Du Gott bittest, er möge mich triumphiren lassen, denn morgen bei Tagesanbruch wirst Du ohne Furcht den Weg einschlagen, der nach Rianzares führt; morgen, wenn Du mich verlässest, kannst Du sagen: »»Ich gehe zu meinem Gatten, und keine Macht der Erde wird stark genug sein, um mich von ihm zu entfernen.«

»Ich danke, edle Frau, ich danke,« rief das Mädchen, die Hände seiner hochherzigen Freundin mit Thränen überfluthend. »Oh! ja, ich werde beten, oh! ja, Gott wird mich erhören.«

In dem Augenblick, wo die zwei jungen Frauen dieses zärtliche Lebewohl austauschten, hätte man können aus der Tiefe des Patio allmälig unter den Zweigen der Orangenbäume einen neugierigen Kopf empor tauchen sehen, der seinen Platz auf dem Niveau der Gallerie im dichtesten Schatten nahm.

Dieser so mit den Zweigen und dem Blätterwerk vermischte Kopf blieb unbeweglich.

Dona Maria verließ das Mädchen und ging mit leichten Schritten nach der Geheimthüre.

Ohne sich zu bewegen, richtete der Kopf seine weißen Augen nach Dona Maria, sah sie in den geheimnißvollen Gang dringen und horchte.

Man vernahm wirklich am andern Ende dieses Ganges das Geräusch einer auf ihren verrosteten Angeln ächzenden Thüre, und sogleich verschwand der Kopf aus der Mitte des Baumes, wie der einer Schlange, welche hastig hinabgleiten würde, Es war der Saracene Hafiz, der so an dem glatten Stamm eines Citronenbaums hinabschlüpfte.

Er fand unten ein anderes düsteres Gesicht, das seiner harrte.

»Wie! Hafiz, Du steigst schon wieder herab?« fragte der Andere.

»Ja, Herr, denn ich habe im Zimmer nichts mehr zu sehen. Dona Maria ist so eben hinausgegangen.«

«Wohin geht sie?«

»Nach dem Ende der Gallerie rechts, und dort ist sie verschwunden.«

»Verschwunden!. . . oh! bei dem heiligen Namen des Propheten, sie hat die Geheimthüre benützt und wird den König sprechen. Wir sind verloren!«

»Ihr wißt, daß ich zu Euren Befehlen stehe, Herr Mothril,« sprach Hafiz erbleichend.

»Gut. Folge mir nach den königlichen Gemächern; Alles schläft zu dieser Stunde. Es finden sich weder Wachen, noch Höflinge. Du steigst durch den Patio des Königs bis zu seinem Fenster hinauf, wie Du es so eben gethan, und horchst dort, wie Du hier gehorcht hast.«

»Es gibt ein einfacheres Mittel, Herr Mothril, und Ihr könnt selbst horchen.«

»Welches?. . . Beeile Dich, großer Gott!«

»Folgt mir. . . Ich klettere an einer Säule des Patio hinauf, komme bis an ein Fenster, steige hinein, und schleiche bis zu einer Hinterthüre, die ich Euch öffne. Ihr könnt auf diese Art mit Bequemlichkeit Alles hören, was Don Pedro und Maria Padilla sich sagen werden, oder sich in diesem Augenblick sagen.«

»Du hast Recht, Hafiz, und der Prophet gibt Dir das ein; ich werde Deinen Vorschlag befolgen. . . Zeige mir den Weg.«

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04 aralık 2019
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