Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 36
Siebenundfünfzigstes Kapitel.
Erklärung
Dona Maria täuschte sich nicht über die große Gefahr, in der sie schwebte.
Müde eines Besitzes von mehreren Jahren, übersättigt durch die günstigen Erfolge und verdorben durch das Mißgeschick, das verirrte gute Naturen läutert, bedurfte Don Pedro der Aufstachelungsmittel für das Böse, und keineswegs der Rathschläge für das Gute.
Es handelte sich darum, die Neigungen dieser Seele zu umwandeln und nichts wäre mit Liebe unmöglich gewesen, aber es war zu befürchten, daß Don Pedro keine Liebe mehr für Dona Maria hatte.
Sie ging also blindlings auf dem Weg, der für Mothril, ihren Feind, so gut beleuchtet war.
Es unterliegt keinem Zweifel; wäre sie Mothril begegnet und hätte sie einen Dolch bei sich gehabt, sie würde ihn ohne Barmherzigkeit niedergestoßen haben, denn sie fühlte, daß dieser verfluchte Einfluß seit einem Jahr auf ihrem Leben lastete und sie zu beherrschen anfing.
Maria dachte dies Alles, als sie die geheime Thüre öffnete und in die Wohnung des Königs trat.
Erschrocken, unentschieden, irrte Don Pedro wie ein Schatten in seiner Gallerie umher.
Dieses Stillschweigen von Dona Maria, dieser ruhige Zorn flößten ihm die lebhaftesten Befürchtungen und den gefährlichsten Grimm ein.
»Man trotzt mir sogar an meinem eigenen Hof,« sagte er, »man zeigt mir, daß ich nicht der Herr bin, und ich bin es wirklich nicht, da die Ankunft eines Weibes alle meine Pläne umstürzt und die Hoffnung auf alle meine Vergnügungen zerstört. Das ist ein Joch, das ich brechen muß. . . Bin ich nicht stark genug, um allein zu handeln, so wird man mir helfen.«
Er sprach diese Worte, als Maria, welche wie eine Fee über die glatten Porzellanplatten hingeschlüpft war, ihn beim Arm faßte und zu ihm sagte:
»Wer wird Euch helfen, Senor?«
»Dona Maria!« rief der König, als hätte er ein Gespenst gesehen.
»Ja, Dona Maria! welche Euch fragt, Euch, den König, in welcher Hinsicht der Rath, das Joch, wenn Ihr wollt, einer edlen Spanierin, einer Frau, die Euch liebt, entehrender und drückender sei, als das Joch, das Don Pedro von Mothril, einem christlichen König von einem Mauren auferlegt wird?«
Don Pedro ballte voll Wuth die Fäuste.
»Keine Ungeduld,« sagte Dona Maria, »es ist hierzu weder die Stunde, noch der Ort.
Ihr seid hier zu Hause, und ich, Eure Unterthanin, komme nicht, das begreift Ihr wohl, um Euch einen Willen vorzuschreiben. Als Gebieter, wie Ihr seid, Senor, nehmt Euch also nicht die Mühe, in Zorn zu gerathen. Der Löwe streitet nicht gegen die Ameise.«
Don Pedro war nicht an diese demüthigen Versicherungen seiner Geliebten gewöhnt.
Er blieb erstaunt stehen und fragte:
»Was wollt Ihr denn?«
»Wenig, Senor; Ihr liebt, wie es scheint, eine andere Frau, das ist Euer Recht; ich werde nicht untersuchen, ob Ihr gut oder schlecht verfahrt, es ist Euer Recht. Ich bin nicht Eure Gemahlin, und wäre ich es, so würde ich mich erinnern, welchen Kummer, welchen Qualen Ihr mir zu Liebe denjenigen bereitet habt, die Eure Gemahlinnen waren.«
»Werst Ihr mir das vor?« rief mit stolzem Tone Don Pedro, der eine Gelegenheit, sich zu erzürnen, suchte.
Dona Maria hielt seinen Blick mit Festigkeit aus und erwiderte:
»Ich bin nicht Gott, um den Königen Verbrechen vorzuwerfen? Ich bin eine Frau, heute lebendig, morgen todt; ein Atom, ein Hauch, das Nichts; doch, ich habe eine Stimme und benütze sie, um Euch das zu sagen, was Ihr nur von mir hören werdet. Ihr liebt, König Don Pedro, und so oft Euch dies begegnete, ist eine Wolke vor Euren Augen vorübergezogen und hat das ganze Weltall vor Euch verborgen. . . Doch Ihr wendet Euren Kopf ab. . . Auf was horcht Ihr? Was beschäftigt Euch?. . .«
»Ich glaubte im nächsten Zimmer gehen zu hören,« sagte Don Pedro. . .«
Nein, das ist unmöglich.«
»Warum unmöglich?. . . Alles ist möglich hier. . . Ich bitte, schaut nach, Sire. . . Sollte man uns behorchen?«
»Nein, es ist keine Thüre an diesem Zimmer, und ich habe keinen Diener in meiner Nähe. Der Abendwind wird einen Vorhang aufgehoben, oder einen Fensterflügel schlagen gemacht haben.«
»Ich wollte Euch sagen,« fuhr Dona Maria fort, »da Ihr mich nicht mehr liebet, so habe ich den Entschluß gefaßt, mich zurückzuziehen.«
Don Pedro machte eine Bewegung.
»Ihr freut Euch hierüber, und das ist mir lieb, ich thue es deshalb,« sprach Dona Maria mit kaltem Tone. »Ich werde mich also zurückziehen, und Ihr sollt nie mehr von mir sprechen hören. Von diesem Augenblick an, Senor, habt Ihr nicht mehr als Geliebte Dona Maria Padilla; es ist eine demüthige Dienerin, die Euch die Wahrheit über Eure Lage hören lassen wird. Ihr habt eine Schlacht gewonnen, doch man wird Euch sagen. Andere haben sie für Euch gewonnen; Euer Verbündeter ist in diesem Fall Euer Herr und wird es Euch früher oder später beweisen. Schon verlangt sogar der Prinz von Wales beträchtliche Summen, die man ihm schuldig ist. . . Dieses Geld habt Ihr nicht: seine zwölftausend Lanzen, welche für Euch gefochten haben, werden sich gegen Euch wenden. Mittlerweile hat der Prinz, Euer Bruder, Unterstützung in Frankreich gefunden, und von Allen geliebt, die einen französischen Namen führen, wird der Connetable, nach einer Wiedervergeltung dürstend, zurückkehren. Das sind zwei Heere, die Ihr zu bekämpfen haben werdet. Was werdet Ihr ihnen entgegensetzen? Ein Heer von Saracenen? O christlicher König! Ihr habt ein einziges Mittel, in das Bündniß der Kirchenfürsten zurückzukehren, und Ihr beraubt Euch dieses Mittels! Ihr zieht auf Euch, außer den weltlichen Waffen, den Zorn des Papstes und den Kirchenbann! Bedenkt wohl, die Spanier sind religiös, sie werden Euch verlassen; die Nähe der Mauren erschreckt sie schon und erfüllt sie mit Ekel. Das ist noch nicht Alles. . . Der Mensch, der Euch zu Eurem Verderben antreibt, findet es nicht vollständig im Elend und in der Erniedrigung, das heißt, in der Verbannung und im Verlust des Thrones; er will Euch eine schändliche Verbindung auferlegen, er will aus Euch einen Abtrünnigen machen. Gott hört mich: ich hasse nicht, ich liebe Aissa; ich beschütze sie, ich vertheidige sie wie eine Schwester, denn ich kenne ihr Herz und ich kenne ihr Leben. Aissa, wäre sie die Tochter eines Saracenenkönigs, was sie nicht ist, Senor, ich werde es beweisen, hat nicht mehr Werth, um Eure Frau zu sein, als ich, die Tochter der alten Ritter Castiliens, die edle Erbin von zwanzig Ahnen, die christlichen Königen gleichkommen. Habe ich jedoch je von Euch verlangt, Ihr sollet unsere Liebe durch eine Heirath heiligen? Gewiß konnte ich es. Sicherlich, liebtet Ihr mich, Don Pedro!«
Don Pedro seufzte.
»Das ist noch nicht Alles. Mothril erwähnt gegen Euch der Liebe von Aissa, was sage ich? er verspricht sie Euch vielleicht.«
Don Pedro schaute sie unruhig und lebhaft ergriffen an, als wollte er die Worte von Maria auffassen, ehe sie ertönt hätten.
»Er verspricht Euch, daß sie Euch lieben werde, nicht wahr?«
»Wenn dem so wäre!«
»Das könnte sein, Sire, denn Ihr verdient mehr als Liebe; es gibt gewisse Personen in Eurem Königreich, und diese Personen stehen, glaube ich, auf einer Höhe mit Aissa, welche für Euch mehr als Anbetung hegen.«
Die Stirne von Don Pedro klärte sich auf, Dona Maria ließ geschickt jede empfindliche Saite seiner Seele vibriren.
»Aber,« fuhr die junge Frau fort, »Dona Aissa wird Euch nicht lieben, weil sie einen Andern liebt.«
»Das ist wahr?« rief Don Pedro voll Wuth; »das ist keine Verleumdung?«
»So wenig eine Verleumdung, hoher Herr, daß, wenn Ihr sie sogleich fragt, daß, wenn Ihr sie fragt, ehe ich mich mit Ihr, habe besprechen können, Aissa Euch Wort für Wort sagen wird, was ich Euch sage.«
»Sprecht, sprecht: Ihr leistet mir hierdurch einen wahren Dienst. Aissa liebt Einen? Wen liebt sie?«
»Einen französischen Ritter Namens Agenor von Mauléon.«
»Den Botschafter, den man zu mir nach Soria schickte? Und Mothril weiß es?«
»Er weiß es.«
»Ihr könnt das behaupten?«
»Ich schwöre es.«
»Und ihr Herz ist dergestalt gefesselt, daß mir ihre Liebe versprechen von Mothril eine schamlose Lüge, ein hassenswerther Verrath war?«
»Eine schamlose Lüge, ein hassenswerther Verrath.«
»Ihr werdet es beweisen, Senora?«
»Sobald Ihr befehlt, hoher Herr.«
»Wiederholt es mir, daß ich mich überzeuge.«
Dona Maria beherrschte den König mit ihrer ganzen Höhe. Sie hielt ihn durch den Stolz und durch die Eifersucht gefangen.
»»Bei dem lebendigen Gott,«« sagte so eben Aissa, und ihre Worte ertönen noch in meinem Ohr, »»beim lebendigen Gott schwöre ich Euch, daß ich, falls Don Pedro mich in seiner Gewalt halten würde und mir seine Liebe aufdringen wollte, einen Dolch haben werde, um mir das Herz zu durchbohren, oder einen Ring, wie der Eurige, um ein tödtliches Gift einzuathmen.«« Und sie deutete auf den Ring, den ich am Finger trage, Senor.«
»Dieser Ring?. . .« rief Don Pedro erschrocken.
»Was hat denn dieser Ring?«
»Er enthält in der That ein scharfes Gift, Senor. Ich trage ihn seit zwei Jahren, um mir die Freiheit des Leibes und der Seele an dem Tage zu sichern, wo mich einer der Wechselfälle Eures Schicksals, dem ich so getreu gefolgt bin, in die Hände Eurer Feinde brächte.«
Don Pedro fühlte etwas wie einen Gewissensbiß beim Anblick dieses einfachen und rührenden Heldenmuths.
»Ihr seid ein edles Herz, Maria,« sprach er, »ich habe nie eine Frau geliebt, wie ich Euch geliebt habe. . . doch die schlimmen Wechselfälle sind fern . . Ihr könnt leben!«
»Wie er mich geliebt hat!« dachte Maria erbleichend, doch ohne sich zu verrathen. »Er sagt nicht, wie er mich liebt.«
»Und das ist der Gedanke von Aissa?« fuhr Don Pedro nach einem Stillschweigen fort.
»Ganz und gar, Senor.«
»Es ist Vergötterung des französischen Ritters.«
»Es ist eine Liebe, welche der gleichkommt, die ich für Euch gehabt habe,« antwortete Dona Maria.
»Die Ihr gehabt habt?« sagte Don Pedro, schwächer als seine Geliebte, denn er zeigte seine Wunde beim ersten Schmerz.
»Ja, hoher Herr.«
Don Pedro faltete die Stirne.».
Kann ich Aissa befragen? . . .«
»Wann es Euch beliebt.«
»Wird sie vor Mothril sprechen?«
»Vor Mothril, ja, hoher Herr.«
»Sie wird alle Umstände ihrer Liebe bekennen?«
»Sie wird sogar das gestehen, was einer Frau zur Schmach gereicht.«
»Maria!'' rief Don Pedro mit einem furchtbaren Ausbruch:
»Maria, was habt Ihr gesagt?«
»Stets die Wahrheit.«
»Aissa entehrt! . .«
»Aissa, die man auf Euern Thron setzen und in Euer Bett bringen will, ist dem edlen Herrn von Mauléon durch Bande angetraut, welche nur Gott allein zerreißen kann, denn es sind die Bande einer vollendeten Heirath.«
»Maria! Maria!« sprach der König, trunken vor Wuth.
»Ich war Euch dieses Geständniß schuldig . . ich, die sie gebeten, den Franzosen in das Zimmer zu führen, wo sie Mothril eingeschlossen hielt, ich, die ich ihre Liebe beschützte, sollte sie auf dem Boden Frankreichs wiedervereinigen.«
»Mothril! Mothril! alle Strafen wären zu schwach, alle Qualen wären zu gelinde, um Dich dieses schändliche Unterfangen sühnen zu lassen! Bringt mir Aissa, ich bitte Euch.«
»Hoher Herr, ich gehe . . . doch bedenkt wohl: ich habe das Geheimniß dieses Mädchens verrathen, um dem Interesse, der Ehre meines Königs zu dienen . . . Wäre es nicht besser, wenn Ihr Euch in mein Wort halten würdet? Könnt Ihr mir nicht glauben, ohne diesen Beweis, der dem armen Kind die Ehre raubt?«
»Ah! Ihr zögert, Ihr täuscht mich!«
»Hoher Herr, ich zögere nicht, ich suche Eurer Majestät wieder ein wenig Vertrauen zu verleihen! diesen Beweis werden wir auch in einigen Tagen bekommen, ohne Aufsehen, ohne ein Aergerniß, welches das Mädchen zu Grunde richten wird.«
»Diesen Beweis will ich auf der Stelle haben, und ich fordere Euch auf, ihn mir zu liefern, oder ich werde Such keinen Glauben schenken.«
»Herr, ich gehorche.«
»Ich Erwarte Euch mit Ungeduld.«
»Hoher Herr, man gehorcht Euch.«
»Wenn Ihr die Wahrheit gesprochen habt, Dona Maria, soll morgen in ganz Spanien nicht ein Maure mehr sein, der nicht geächtet oder flüchtig wäre.«
»Morgen also, hoher Herr, werdet Ihr ein großer König sein; und ich, eine arme Flüchtige, eine arme Verlassene, werde Gott für das größte Glück danken, das er mir auf dieser Welt bewilligt hat: für die Gewißheit Eurer Wohlfahrt.«
»Senora, Ihr erbleicht, Ihr wankt, soll ich Leute rufen?«
»Ruft nicht, Sire. . . Nein . . . Ich will in mein Gemach zurückkehren. . . Ich habe Wein bringen lassen und eine Erfrischung bereitet, die meiner auf meinem Tisch harrt; ich brenne, und sobald einmal mein Durst gelöscht ist, wird es mir wieder ganz wohl sein; ich bitte, denkt also nicht mehr an mich. Doch ich schwöre Euch,« sagte plötzlich Dona Maria, nach dem anstoßenden Zimmer stürzend, »ich schwöre Euch, daß Jemand da war; ich täusche mich nicht, ich habe diesmal die Tritte eines Mannes gehört.«
Don Pedro nahm eine Kerze, Maria eine andere, und Beide eilten in dieses Zimmer; es war verlassen, nichts deutete an, daß Jemand darin gewesen.
Es zitterte nur noch ein Vorhang an der äußeren Thüre, von der Hafiz gesprochen.
»Niemand!« sprach Maria erstaunt, »ich habe es doch deutlich gehört.«
«Ich sagte Euch wohl, es wäre unmöglich. . . Oh! Mothril! Mothril! welche Rache werde ich für Deinen Verrath nehmen! Ihr kommt also zurück, edle Frau?«
»Ich benachrichtige nur Aissa und kehre auf dem geheimen Weg zurück.«
Nachdem sie so gesprochen, nahm Dona Maria Abschied vom König, der im Fieber seiner Ungeduld beinahe die Dankbarkeit für den geleisteten Dienst mit der Erinnerung an die vergangene Liebe vermengte.
Dona Maria war in der That eine schöne und leidenschaftliche Frau, eine Frau, die man nicht mehr vergessen konnte, wenn man sie gesehen hatte.
Stolz und kühn, flößte sie Achtung ein, entriß sie die Liebe. Mehr als einmal zitterte dieser despotische König, wenn er sie aufgebracht sah, und noch öfter bebte dieses übersättigte Herz in Erwartung ihrer Ankunft.
Als sie, nachdem sie sich so erklärt, abgegangen war, wollte Don Pedro ihr nachlaufen, um ihr zu sagen: »Was liegt mir an Aissa, was liegt mir an den kleinen Verräthereien, die man in der Finsterniß anspinnt? Ihr seid das, was ich liebe, Ihr seid die Frucht, nach der mein Durst glühend verlangt.«
Doch Dona Maria hatte die äußere Thüre geschlossen, und der König hörte nichts mehr, als das Rauschen ihres Kleides an den Wänden hin und das Knistern der dürren Zweige, welche unter ihren Füßen brachen.
Achtundfünfzigstes Kapitel.
Der Ring von Maria und der Dolch von Aissa
Der Fuß von Mothril hatte sehr leicht den Boden gestreift, als Maria eine Bewegung im Zimmer zu hören glaubte. Mothril hatte seine Sandalen abgelegt, um an der Tapete das zu behorchen, was gegen ihn gesprochen wurde.
Die Offenbarung des Geheimnisses von Aissa durchdrang ihn mit Furcht und Schrecken. Daß Dona Maria ihn haßte, daran zweifelte er nicht; daß sie ihn durch Anschwärzung seiner Politik, durch Entschleierung seines Ehrgeizes zu Grunde zu richten suchte, dessen war der Maure gewiß; aber was er nicht ertragen konnte, war der Gedanke, Don Pedro werde gegen Aissa gleichgültig werden.
Aissa, Mauléon angetraut, Aissa ihrer kostbaren Reinheit beraubt, würde für Don Pedro ein reizloser, werthloser Gegenstand, und Don Pedro nicht mehr durch die Liebe von Aissa halten hieß das Band verlieren, das den unbezähmten Renner hält.
Noch einige Augenblicke, und dieses Ganze so mühsam aufgebaute Gerüste stürzte ein. Sicher, beschützt zu sein, käme Aissa mit ihrer Gefährtin, um Don Pedro das ganze Geheimniß zu enthüllen. Dann würde Dona Maria wieder in alle ihre Rechte treten; Aissa würde die ihrigen verlieren, Mothril müßte schmachvoll fortgejagt, wie ein elender Betrüger mißhandelt, mit seinen Landsleuten den unseligen Weg der Verbannung einschlagen, angenommen, er würde nicht auf der Stelle durch diesen Orkan des königlichen Zorns in das Grab geschleudert. Dies entrollte sich vor den Augen des Mauren, während Maria mit Don Pedro sprach und ihre Worte, eines nach dem andern, wie Tropfen geschmolzenen Bleis auf die offene Wunde dieses Ehrgeizigen fielen.
Keuchend, bestürzt, bald kalt wie Marmor, bald heiß wie siedender Schwefel, fragte sich Mothril, die Hand an seinem getreuen Dolch, warum er nickt mit einem Stoß den Gebieter, der hörte, und die Frau, die ihm die Offenbarung machte, tödte, das heißt, warum er nicht sein Leben und seine Sache rette.
Wenn Don Pedro einen andern Schutzengel in seiner Nähe gehabt hätte, als Dona Maria, so würde ihm dieser Engel unfehlbar entdeckt haben, er laufe eine furchtbare Gefahr.
Plötzlich hellte sich die Stirne von Mothril auf, der Schweiß fiel minder stark, minder eisig. Zwei Worte von Maria hatten ihm zugleich den Weg der Rettung und den Gedanken eines Verbrechens geöffnet. Er ließ sie ruhig vollenden; sie konnte ihren ganzen Gedanken Don Pedro sagen, und erst bei den letzten Worten der Unterredung, als er nichts mehr zu erfahren halte, ging er aus seinem Versteck, und der Vorhang zitterte hinter ihm, wie es Don Pedro und Dona Maria bemerkten.
Sobald Mothril außen war, hielt er zwei Secunden lang an und sagte:
»Sie wird durch den geheimen Gang dreimal weniger Zeit brauchen, als ich brauche, um durch den Patio in ihr Zimmer zu gelangen.
»Hafiz,« sprach er, indem er dem jungen Tiger, der auf jeden seiner Befehle lauerte, auf die Schulter klopfte, »laufe in den Gang der Gallerie, halte Dona Maria auf, wenn sie erscheint, bitte sie um Verzeihung, als ob Dich die Reue ergriffen hätte, klage mich an, wenn Du willst, gestehe, enthülle . . . thue Alles, was Dir einfällt, doch halte sie nur fünf Minuten zurück, ehe sie in die Gallerie tritt.«
»Gut, Herr,« sagte Hafiz.
Und er kletterte wie eine Eidechse an der hölzernen Säule des Patio hinauf und gelangte in den Gang, wo schon der Tritt von Dona Maria hörbar wurde.
Mothril machte während dieser den Gang durch den Garten, stieg die Treppe der Gallerie hinauf und drang bei Dona Maria ein.
Mit einer Hand hielt, er einen Dolch, mit der andern ein kleines goldenes Fläschchen, das er aus seinem weiten Gürtel genommen hatte.
Als er eintrat, lief das Wachs halb verzehrt in langen Streifen an der Kerze herab, Aissa schlief mit geschlossenen Augen sanft auf den Polstern. Ihren halb geöffneten Lippen entströmte ein theurer Name mit dem Wohlgeruch ihres Athems.
»Sie zuerst,« sagte der Maure mit einem düsteren Blick, »ist sie todt, so wird sie nicht gestehen, was Dona Maria sie will sagen lassen . . . Oh! . . . mein Kind schlagen, mein Kind, das schläft,« murmelte er. . . »sie, der, wenn ich nicht zu voreilig Angst habe, der Allerhöchste vielleicht eine Krone vorbehält! Warten wir! . . . sie sterbe erst zuletzt, damit ich mir noch einen Augenblick der Hoffnung bewahre.«
Er ging sogleich auf den Tisch zu, nahm die noch mit dem von Maria selbst bereiteten Trank halb volle Schaale, und goß den ganzen Inhalt des goldenen Fläschchens darein.
»Maria,« sagte er leise mit einem furchtbaren Lächeln, »dieses Gift, das ich Dir eingieße, ist vielleicht nicht so viel werth, als das, welches Dein Ring verbirgt; doch wir armen Mauren sind Barbaren; entschuldige mich: wenn Dir mein Trank nicht gefällt, biete ich Dir meinen Dolch an.«
Er hatte kaum vollendet, als die flehende Stimme von Hafiz mit der belebteren Stimme von Dona Maria, welche im geheimen Gang aufgehalten Wurde, zu ihm drang.
»Habt Mitleid,« sagte das Ungeheuer-Kind, »verzeiht meiner Jugend, ich wußte nicht, was mein Herr mich thun ließ.«
»Ich werde später sehen,« antwortete Dona Maria,«laß mich! Ich werde mich erkundigen und aus den Zeugnissen, die man mir über Dich gibt, die Wahrheit, die Du verbirgst, herausfinden.«
Mothril kauerte sich rasch hinter den Vorhang, der das Fenster verkleidete.
Von hier aus konnte er Alles sehen, Alles hören. Er konnte auf Maria losstürzen, wenn sie würde weggehen wollen.
Von ihr entlassen verschwand Hafiz langsam unter der düsteren Gallerte.
Man hätte nun Maria in ihr Gemach zurückkehren und mit unbeschreiblicher Rührung die in den Schlaf versunkene Aissa betrachten sehen können.
»Ich habe vor den Augen eines Mannes Dein süßes Liebesgeheimniß enthüllt,« sprach sie, »ich habe Deine Taubenschönheit geschwärzt, doch das Unrecht, das ich Dir zugefügt, soll wieder gut gemacht werden. Armes Kind, Du schläfst unter meinem Schutz. . . schlafe! diese Minute überlasse ich Dich noch Deinen süßen Träumen!«
Sie machte einen Schritt gegen Aissa, Mothril preßte seinen breiten Dolch mit den Fingern.
Doch die Bewegung, welche Dona Maria gemacht hatte, näherte sie dem Tisch, wo sie ihre silberne Schale und das rothe Getränke sah, das ihre vertrockneten Lippen anlockte.
Sie nahm die Schale und trank mit langen Zügen.
Der letzte Schluck berührte noch ihren Gaumen, als schon die verzehrende Kälte des Todes ihr Herz berührt hatte.
Sie wankte, ihre Augen wurden starr, sie drückte ihre Hände auf die Brust und schaute, in diesem unbegreiflichen Schmerz ein neues Unglück, einen neuen Verrath vielleicht ahnend, voll Angst, voll Schrecken umher, als wollte sie die Einsamkeit und den Schlaf, diese zwei stummen Zeugen ihres Leidens befragen.
Der Schmerz brach in ihrem Busen aus wie ein Brand: Maria erröthete, ihre Hände zogen sich krampfhaft zusammen, es kam ihr vor, als stiege ihr Herz in ihre Kehle empor, und sie öffnete den Mund, um einen Schrei auszustoßen.
Rasch wie der Blitz kam Mothril diesem Schrei durch ein tödtliches Umschlingen zuvor.
Maria sträubte sich vergebens in seinen Armen, sie biß vergebens in die Finger des Saracenen, die ihren Mund verschlossen.
Während Mothril so die Arme und die Stimme der Unglücklichen gefesselt hielt, löschte er die Kerze aus, und Maria sank zu gleicher Zeit in die Finsterniß und in den Tod.
Ihre Füße schlugen einige Secunden den Boden mit einem Geräusch, das die Zunge Maurin, ihre Gefährtin, aufweckte.
Aissa erhob sich, wollte in der Finsterniß gehen, und stolperte über, den Leichnam.
Sie fiel in die Arme von Mothril, der sie bei den Händen faßte, zu Maria niederwarf und ihr die Schulter durch einen Dolchstoß zerfleischte.
Von Blut übergossen, wurde Aissa ohnmächtig.
Da riß Mothril vom Finger von Maria den Ring, in welchem das Gift enthalten war.
Er leerte diesen Ring in die silberne Schale und steckte ihn wieder an den Finger seines Opfers.
Dann färbte er im Blut den Dolch, den die junge Maurin an ihrem Gürtel trug, und legte ihn neben Maria, so daß ihre Finger denselben berührten.
Diese geheimnißvolle Gräuelthat geschah in weniger Zeit, als eine Schlange in Indien braucht, um zwei Gazellen zu ersticken, die sie in der Sonne im Grase einer Savane spielend belauerte.
Um seine Aufgabe ganz zu erfüllen, hatte sich Mothril nur noch vor dem Verdacht sicher zu stellen.
Nichts war leichter. Er trat in den nahen Patio ein, als ob er von einem Gang, den er zur Ueberwachung der Umgegend unternommen, zurückkäme, und fragte die Diener des Königs, ob dieser sich schon niedergelegt habe. Man antwortete ihm, man sehe den König mit einer gewissen Ungeduld in seiner Gallerie auf und abgehen.
Mothril verlangte seine Polster, befahl einem Diener, ihm einige Verse des Koran vorzulesen, und schien sich einem tiefen Schlaf zu überlassen.
Hafiz hatte, ohne daß er sich mit seinem Herrn berathen konnte, diesen durch seinen Instinct begriffen und sich mit seinem gewöhnlichen Ernst unter die Leibwachen von Don Pedro gemischt. So verging eine halbe Stunde. Das tiefste Stillschweigen herrschte im Palast. Plötzlich erscholl ein herzzerreißender, furchtbarer Schrei aus der Tiefe der königlichen Gallerie, und die Stimme des Königs ließ die erschreckenden Worte: »Zu Hilfe! zu Hilfe!« vernehmen.
Jeder stürzte nach der Gallerie, die Wachen mit ihren bloßen Schwertern, die Diener mir der ersten der besten Waffe, die ihnen unter die Hand kam.
Mothril rieb sich die Augen, erhob sich, als lastete der Schlaf schwer auf ihm, und fragte: »Was gibt es?«
»Der König! der König!« antwortete die eifrige Menge. Mothril stand auf und ging hinter den Andern; er sah in derselben Richtung Hafiz gehen, der sich ebenfalls die Augen rieb und ganz verdutzt zu sein schien.
Man erblickte nun Don Pedro, eine Kerze in der Hand, auf der Schwelle des Gemaches von Dona Maria. Er stieß gewaltige Schreie aus, war bleich, wandte sich von Zeit zu Zeit gegen das Zimmer um und verdoppelte sein Stöhnen und seine Verwünschungen, Mothril durchschnitt die Menge, welche stumm und zitternd den halb wahnsinnigen Fürsten umgab.
Zehn Fackeln warfen ihren blutigen Schimmer auf die Gallerie.
»Seht! seht!« rief Don Pedro! »todt! todt, Beide!«
»Todt!« wiederholte dumpf die Menge.
»Todt!« sagte Mothril; »wer ist todt, Hoheit?«
»Schau, frecher Saracene!« rief der König, dem sich die Haare auf dem Haupte sträubten.
Der Maure nahm eine Fackel aus den Händen eines Soldaten, trat langsam in das Zimmer und wich, wirklich oder zum Schein, bei dem Anblick der zwei Leichname und des Blutes, das die Platten färbte, zurück.
»Dona Maria! . . .« sagte er; »Dona Maria! . . .« rief er; »Allah!«
Die Menge wiederholte schauernd: »Dona Maria! Dona Aissa! todt!«
Mothril kniete nieder und betrachtete die zwei Opfer mit schmerzlicher Aufmerksamkeit.
Der König sprach nichts . . . Mothril machte ein Zeichen, und alle Anwesenden zogen sich langsam zurück.
»Hoher Herr,« sagte der Maure mit dem Ton theilnehmender Ergriffenheit, »es ist ein Verbrechen begangen worden.«
»Verruchter!« rief Don Pedro, der nun wieder zu sich kam, »ich sehe Dich hier, Dich, der Du mich verrathen hast?«
»Mein hoher Herr leidet sehr, da er so seine besten Freunde mißhandelt,«
»Maria . . . Aissa . . . todt!« wiederholte Don Pedro wie im Wahnsinn.
»Hoher Herr, ich beklage mich nicht,« sprach Mothril.«
»Du! Dich beklagen, Schändlicher! Und worüber solltest Du Dich beklagen?«
»Darüber, daß ich in der Hand von Dona Maria die Waffe sehe, welche das edle Blut meiner Könige vergossen, die Tochter meines hochverehrten Herrn, des großen Kalifen, getödtet hat.«
»Es ist wahr,« murmelte Don Pedro. »Der Dolch ist in der Hand von Dona Maria . . . doch sie selbst, sie, deren Züge einen so gräßlichen Anblick bieten, deren Auge droht, deren Mund schäumt, sie, Dona Maria, wer hat sie getödtet? . . .«
»Wie sollte ich das wissen? ich, der ich schlief und hinter Euch hier eintrete.«
Und nachdem er das bleifarbige Gesicht von Dona Maria betrachtet hatte, schüttelte der Saracene den Kopf, ohne etwas zu sagen; er untersuchte nur aufmerksam die noch halb volle Schale und murmelte:
»Gift!«
Der König bückte sich über den Leichnam, dessen starre Hand er mit einem finsteren Schrecken ergriff.
»Ah!« rief Don Pedro, »der Ring ist leer!«
»Der Ring?»wiederholte Mothril, Erstaunen heuchelnd; »welcher Ring?«
»Ja,« fuhr der König fort, »der Ring mit dem tödtlichen Gift . . . Ah! schaut! Maria hat sich den Tod gegeben! . . . Maria, die ich erwartete, Maria, die auf meine Liebe hoffen konnte.«
»Nein, hoher Herr, ich glaube, Ihr täuscht Euch: Dona Maria war eifersüchtig und wußte seit langer Zeit, daß Euer Herz sich mit einer andern Frau beschäftigte. Dona Maria, bedenkt wohl, hoher Herr, mußte von Schrecken ergriffen und tödtlich in ihrem Stolze verletzt sein, da sie Aissa, die Ihr riefet, zu Euch kommen sah. Sobald ihr Zorn vorüber war, wird sie den Tod der Verlassenheit vorgezogen haben . . . Ueberdies starb sie nicht, ohne sich zu rächen, und für eine Spanierin ist die Rache ein Vergnügen, das sie dem Leben vorzieht.«
Diese Rede war von einer gewandten Treulosigkeit; der Ton naiven Vertrauens, mit dem sie gesprochen wurde, machte einen Augenblick Eindruck auf Don Pedro. Doch plötzlich ward er vom Schmerz, vom Zorn fortgerissen und schrie, den Mauren an der Gurgel packend:
»Mothril, Du lügst! Mothril, Du spottest meiner! Du schreibst den Tod von Dona Maria dem Kummer darüber zu, daß ich sie verlassen; Du weißt also nicht, oder stellst Dich, als wüßtest Du nicht, daß ich Dona Maria, meine edle Freundin, Allem vorzog.«
»Hoheit, so äußertet Ihr Euch neulich nicht, als Ihr Dona Maria beschuldigtet, sie ermüde Euch.«
»Verfluchter, sage das nicht in Gegenwart dieses Leichnams!«
»Hoheit, ich werde meine Zunge in Fesseln schlagen, ich werde mir das Leben eher nehmen, als mich dem Mißfallen meines Königs aussetzen, doch ich möchte gern seinen Schmerz beschwichtigen, und hiernach trachte ich als treuer Freund,« »
Maria! Aissa!« sprach Don Pedro ganz außer sich. »Mein Königreich, um eine Stunde Eures Lebens zu erkaufen,«
»Gott thut wohl, was er thut,« sprach mit traurigem Tone der Maure.
»Er hat mir die Freude meiner alten Tage, die Blüthe meines Lebens, die Perle der Unschuld genommen, die mein Haus bereicherte.«
»Ungläubiger!« rief Don Pedro, bei dem diese mit Absicht gesprochenen Worte die Selbstsucht und folglich die Wuth erweckten, »Du sprichst abermals von der Reinheit und der Unschuld von Aissa, Du, der Du ihre Liebe für den fränkischen Ritter, Du, der Du ihre Schande kanntest!«
»Ich!« erwiderte der Maure mit erstickter Stimme, »ich kannte die Schande von Dona Aissa? Aissa war entehrt! . . Ah!« schrie er mit einem Brüllen des Zorns, das, obgleich geheuchelt, darum doch nicht minder furchtbar war, »wer hat dies gesagt?«
»Diejenige, welcher Dein Haß keinen Nachtheil mehr bringen wird, diejenige, welche nicht log, diejenige, welche der Tod mir entrissen hat.«
«Dona Maria!« versetzte der Saracene mit Verachtung; »sie hatte ein Interesse, es zu sagen . . . sie konnte das wohl aus Liebe sagen, da sie aus Liebe gestorben ist; sie konnte wohl aus Rache verleumden, da sie aus Rache getödtet hat.«
Don Pedro blieb schweigsam, nachdenkend vor dieser so logischen und kühnen Anschuldigung.
»Wäre Aissa nicht von einem Dolchstich durchbohrt,« fügte Mothril bei, »so würde man Euch vielleicht behaupten, sie habe Dona Maria ermorden wollen.«
Diese letzte Beweisführung überschritt, alle Grenzen der Frechheit. Don Pedro faßte sie auf, um sich derselben zu bedienen.
»Warum nicht?« . . . sagte er. »Dona Maria hatte mir das Geheimniß Deiner Maurin enthüllt: kann sich diese nicht an der Enthüllerin gerächt haben?«
»Bemerkt wohl, daß der Ring von Dona Maria leer ist,« entgegnete Mothril.
»Wer aber hat ihn geleert, wenn nicht sie selbst? König, Du bist sehr blind, wenn Du ans dem Tode dieser zwei Frauen nicht ersiehst, daß Dona Maria Dich hintergangen hatte.«
