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Kitabı oku: «Der Frauenkrieg», sayfa 34

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X

Ein schreckenvolles Stillschweigen, nur unterbrochen durch das Geräusch der Tritte des abgehenden Kapitäns der Garden und durch das fortwährend wiederentstehende Gemurmel der Menge, folgte auf diesen Befehl, durch den die Rebellion auf eine noch gefährlichere und furchtbarere Bahn geschleudert wurde, als diejenige war, auf welcher sie sich bis jetzt bewegt hatte. Es hieß durch einen Akt der Prinzessin und ihrer Rathe die Armee und die Stadt gewissermaßen außer das Gesetz stellen; es hieß eine ganze Bevölkerung für die Interessen und Leidenschaften von Wenigen verantwortlich machen; es hieß im Kleinen das thun, was die Gemeinde Paris am 3. September that. Aber die Gemeinde Paris handelte bekanntlich im Großen.

Kein Hauch war in dem Saale zu vernehmen; Aller Augen waren auf die Thüre geheftet, durch welche man die Gefangenen eintreten zu sehen erwartete. Um ihre Präsidenten-Rolle gut zu spielen, gab sich die Prinzessin den Anschein, als blättere sie in den Registern; Herr von Larochefoucault hatte eine träumerische Stellung angenommen, Herr von Bouillon plauderte mit Frau von Tourville über seine Gicht, die ihm viele Schmerzen verursachte.

Lenet näherte sich der Prinzessin, um einen letzten Versuch zu machen; nicht als ob er gehofft hätte, aber er war einer von den strengen Männern, welche eine Pflicht erfüllen, weil es für sie eine Verbindlichkeit ist, sie zu erfüllen.

»Bedenkt doch, Madame,« sagte er, »Ihr setzt auf einen Wurf die Zukunft Eures Hauses.«

»Dabei ist kein Verdienst,« erwiederte die Prinzessin, »ich habe volle Sicherheit, daß ich gewinne.«

»Herr Herzog,« sprach Lenet, sich an Larochefoucault wendend, »Ihr, der Ihr so hoch über den gewöhnlichen Verstandeskräften und menschlichen Leidenschaften steht, nicht wahr, Ihr werdet zur Mäßigung rathen?«

»Mein Herr,« antwortete der Herzog heuchlerisch, »ich discutire die Sache in diesem Augenblick mit meiner Vernunft.«

»Berathet sie mit Eurem Gewissen, Herr Herzog, das wird besser sein!« entgegnete Lenet.

In dieser Sekunde vernahm man ein dumpfes Geräusch. Es war das Gitter, welches wieder geschlossen wurde. Dieses Geräusch wiederhallte in allen Herzen, denn es verkündigte die Ankunft von Einem der beiden Gefangenen. Bald erschallen Tritte auf der Treppe, die Hellebarden klirrten auf den Steinplatten, die Thüre wurde geöffnet, und Canolles erschien.

Nie hatte er so zierlich ausgesehen, nie war er so hübsch gewesen; voll Heiterkeit, hatte sein Antlitz die purpurne Blüthe der Freude und der Unwissenheit beibehalten. Er trat mit einem leichten, ungezwungenen Gange vor, wie er es bei dem Advokaten Lavie oder bei dem Präsidenten Lalasne gethan hatte, und begrüßte ehrfurchtsvoll die Prinzessin und die Herzoge.

Die Prinzessin war selbst erstaunt über diesen vollkommenen Anstand; sie blieb auch eine Zeit lang in Betrachtung des jungen Mannen vertieft.

Endlich brach sie das Stillschweigen mit den Worten:

»Nähert Euch, mein Herr.«

Canolles gehorchte und verbeugte sich zum zweiten Male.

»Wer seid Ihr?«

»Ich bin der Baron Louis von Canolles.«

»Welchen Grad hattet Ihr in dem königlichen Heere inne?«

»Ich war Oberstlieutenant.«

»Waret Ihr nicht Gouverneur der Insel Saint-George?«

»Ich hatte die Ehre.«

»Ihr habt die Wahrheit gesprochen?«

»In jeder Hinsicht, Madame.«

»Habt Ihr die Fragen und die Antworten geschrieben, Greffier?«

Der Greffier machte, sich verbeugend, ein bejahendes Zeichen.

»So unterschreibt mein Herr,« sagte die Prinzessin.

Canolles nahm die Feder, wie ein Mensch, der nicht weiß, in welcher Absicht eine Aufforderung an ihn ergeht, aber aus Achtung vor dem Range der Person, welche dieselbe ausspricht, gehorcht, und unterschrieb lächelnd.

»Es ist gut, mein Herr,« sagte die Prinzessin, »Ihr könnt Euch nun zurückziehen.«

Canolles grüßte abermals seine edlen Richter und entfernte sich mit derselben Ungezwungenheit und Anmuth, ohne irgend eine Neugierde, irgend ein Erstaunen kundzugeben.

Kaum hatte sich die Thüre wieder hinter ihm geschlossen, als die Prinzessin aufstand und rasch fragte:

»Nun, meine Herren?«

»Nun, Madame, stimmen wir ab,« sagte der Herzog von Larochefoucault.

»Stimmen wir ab,« wiederholte der Herzog von Bouillon.

Dann sich gegen die Juraten umwendend fügte er bei:

»Wollen uns diese Herren ihre Ansicht sagen?«

»Nach Euch, Monseigneur,« antwortete einer von den Bürgern.

»Nein, vor Euch!« rief eine schallende Stimme.

Diese Stimme hatte einen solchen Ausdruck von Festigkeit, daß Jedermann darüber erstaunte.«

»Was soll das bedeuten?« fragte die Prinzessin, indem sie das Gesicht desjenigen, welcher gesprochen hatte, zu erkennen suchte.

»Das soll heißen,« rief ein Mann sich erhebend, damit kein Zweifel über die Person des Sprechenden möglich wäre, »das soll heißen, daß ich André Lavie, Advocat des Königs, Rath beim Parlament, im Namen des Königs und besonders im Namen der Menschheit für die in Bordeaux auf Ehrenwort zurückgehaltenen Gefangenen Privilegium und Sicherheit verlange. Dem zu Folge spreche ich meine Meinung dahin aus . . .«

»Oh! Oh! Herr Advocat,« entgegnete die Prinzessin die Stirne faltend, »ich bitte keinen Prozeßstyl in meiner Gegenwart, denn ich verstehe ihn nicht. Die Sache, die wir verfolgen, ist eine Sache des Gefühls, und kein schmutziger, ärgerlicher Rechtsstreit; jeden von den Gliedern welche dieses Tribunal bilden, wird, denke ich, das vorliegende Verhältnis begreifen.«

»Ja, ja,« wiederholten im Chor die Juraten und die Officiere, »stimmen wir ab, meine Herren, stimmen wir ab!«

»Ich habe es gesagt und wiederhole es,« rief Lavie, ohne sich durch die Anrede der Prinzessin aus der Fassung bringen zu lassen, »ich verlange Privilegium und Sicherheit! für die auf Ehrenwort zurückgehaltenen Gefangenen. Das ist kein Prozeßstyl, es ist der Styl des Völkerrechts.«

»Und ich füge bei,« sprach Lenet: »man hat Richon gehört, ehe man so grausam gegen ihn verfahren ist, und die Gerechtigkeit fordert, daß wir die Angeklagten ebenfalls hören.«

Und ich,« sagte d’Espagnet, der Bürger-Anführer, welcher Saint-George mit Herrn den Larochefoucault angegriffen hatte, »ich erkläre, daß morgen die Stadt sich empört, wenn man mit dieser Milde zu Werke geht.«

Ein Gemurre von Außen schien diese Erklärung zu erwiedern und zu bestätigen.

»Beeilen wir uns,« sprach die Prinzessin. »Wozu verurtheilen wir den Gefangenen?«

»Die Gefangenen, Madame,« sagten einige Stimmen, »denn es sind ihrer zwei.«

»Einer genügt Euch also nicht?« sprach Lenet, verächtlich über diese blutige Knechterei lächelnd.

»Welchen denn? Welchen?« wiederholten dieselben Stimmen.

»Den Fettestem Cannibalen!« rief Lavie. »Ah! Ihr beklagt Euch über Ungerechtigkeit, Ihr schreit über schändliche Verletzung, und wollt eine Mordthat durch zwei Morde erwiedern! Eine schöne Versammlung von Philosophen und Soldaten, die sich zu Gurgelabschneidern machen!«

Die flammenden Augen der Mehrzahl der Richter schienen bereit, den muthigen Advocaten des Königs niederzuschmettern. Frau den Condé hatte sich erhoben und blickte auf ihre Fäuste gestützt umher, als wollte sie die Anwesenden befragen, ob die Worte, die sie gehört hatte, wirklich ausgesprochen worden waren, und ob sich auf der Welt ein Mensch fände, der die Kühnheit hätte, solche Dinge in ihrer Gegenwart zu sagen.

Lavie begriff, daß seine Anwesenheit Alles verschlimmern würde, und daß seine Art, die Angeklagten zu vertheidigen, statt sie zu retten, dieselben in das Verderben stürzen müßte. Er beschloß daher, sich zu entfernen, jedoch als ein Richter wegzugehen, der sich seiner Stimme begibt, und nicht wie ein Soldat, der die Flucht ergreift. Und er sprach:

»Im Namen Gottes protestiere ich gegen das, was Ihr thun wollt; im Namen des Königs verbiete ich es Euch.«

Und seinen Stuhl mit einer Geberde majestätischen Zornes umwerfend, verließ er den Saal, die Stirne hoch, der Gang sicher, wie ein Mann, der sich stark fühlt durch eine Pflichterfüllung und sich wenig um das Unglück bekümmert, das aus einer erfüllten Pflicht für ihn hervorgehen kann.

»Frecher!« murmelte die Prinzessin.

»Gut, gut! lassen wir ihn gewähren,« sagten einige Stimmen: »an Meister Lavie wird auch die Reihe kommen.«

»Stimmen wir ab,« riefen beinahe insgesamt die Richter.

»Aber warum abstimmen,« sprach Lenet, »ohne die beiden Angeschuldigten gehört zu haben? Vielleicht wird Euch der Eine schuldiger erscheinen, als der Andere? Vielleicht werdet Ihr auf ein Haupt die Rache fallen lassen, die Ihr an zwei Menschen üben wollt.«

In diesem Augenblick hörte man zum zweiten Male das Geräusch des Gitters.

»Wohl, es sei,« sagte die Prinzessin, »wir stimmen über Beide zugleich ab.«

Das Tribunal hatte sich bereits stürmisch erhoben, setzte sich aber wieder, und man vernahm abermals den Lärmen von Tritten, das Klirren der Hellebarden, die Thüre öffnete sich, und Cauvignac erschien.

Der Eintretende bildete einen schlagenden Contrast mit Canolles: so sehr er sich auch Mühe gegeben hatte, seine dem Pöbel stark beschädigten Kleider wieder auszubessern, so waren doch die Spuren der Unordnung daran zurückgeblieben. Seine Augen warfen sich lebhaft auf die Juraten, auf die Officiere, die Herzoge und die Prinzessin, und umfaßten gleichsam mit einem Kreisblicke das ganze Tribunal; dann rückte er mit der Miene eines Fuchses, der den Jäger von der Fährte abbringen will, so zu sagen bei jedem Schritte mit dem Fuße den Boden sondierend, das Ohr auf der Lauer, bleich und sichtbar unruhig vor, und sprach, ohne abzuwarten, daß man ihn befragte.

»Eure Hoheit hat mir die Ehre erzeigt, mich vor sich rufen zu lassen?«

»Ja, mein Herr,« antwortete die Prinzessin; »ich wollte durch Euch selbst Gewißheit über einige Punkte erlangen, die Euch betreffen und uns in Verlegenheit setzen.«

»Madame,« erwiederte Cauvignac sich verbeugend, »ich bin ganz bereit, der Gunst zu entsprechen, welche mir Eure Hoheit erweist.«

Und er verbeugte sich abermals mit der artigsten Miene, die er anzunehmen vermochte, aber dieser Miene fehlte es sichtbar an der Leichtigkeit des Anstands und an der Natürlichkeit.

»Das wird bald geschehen sein,« sprach die Prinzessin, »besonders wenn Ihr eben so bestimmt antwortet, als wir fragen.«

»Ich erlaube mir Eurer Hoheit zu bemerken,« erwiederte Cauvignac, »da die Frage stete vorbereitet wird, was bei der Antwort nie der Fall sein kann, so ist es viel schwieriger, zu antworten, als zu fragen.«

»Oh! unsere Fragen werden so klar und deutlich sein,« versetzte die Prinzessin, »daß wir Euch jedes Nachdenken dadurch ersparen. Euer Name?«

»Madame, das ist gerade von Anfang an eine Frage, welche zu einer Verlegenheit Anlaß gibt.«

»Wie so?«

»Ja, es kommt oft vor, daß man zwei Namen besitzt, den Namen, welchen man den seiner Familie empfangen,l und den, welchen man sich selbst gegeben hat. Ich, zum Beispiel glaubte einigen Grund zu haben, meinen ersten Namen aufzugeben, um einen andern minder bekannten anzunehmen. Welchen von diesen Namen soll ich Euch nun nennen?«

»Denjenigen, unter welchem Ihr in Chantilly erschienen seid, denjenigen, unter welchem Ihr Euch verbindlich gemacht habt, mir eine Compagnie anzuwerben, denjenigen, unter welchem Ihr sie geworden, den endlich, unter welchem Ihr Euch an Herrn Mazarin verkauft habt.«

»Verzeiht, Madame, aber es scheint mir, ich habe bereite die Ehre gehabt, siegreich alle diese Fragen bei der Audienz zu beantworten, welche Eure Hoheit mir diesen Morgen zu bewilligen die Gnade hatte.«

»Zu dieser Stunde richte ich auch nur eine Frage an Euch,« sagte die Prinzessin, welche ungeduldig zu werden anfing, »Ihr sollt mir nur Euren Namen nennen.«

»Nun, das ist es gerade, was mich in Verlegenheit setzt.«

»Schreibt der Baron den Cauvignac,« sagte die Prinzessin.

Der Angeklagte machte keine Einwendung und der Greffier schrieb.

»Nun Euren Grad?« sprach die Prinzessin; »ich hoffe, es wird Euch nicht schwierig sein, diese Frage zu beantworten.«

»Im Gegentheil, Madame, gerade diese Frage setzt mich in die größte Verlegenheit. Sprecht Ihr von meinem Grad als Gelehrter, als Baccalaurens, als Rechtslicentiat, als Doktor der Theologie, so antworte ich Euch, wie Eure Hoheit sieht, sehne Zögern.«

»Nein, mein Herr-, wir sprechen von Eurem militärischen Grade.«

»Ah! Wohl, über diesen Punkt Eurer Hoheit zu antworten, ist mir nicht möglich.«

»Warum?«

»Weil ich selbst nie genau wußte, was ich war.«

»Sucht Euch hierüber festzustellen, mein Herr, denn ich wünsche es zu wissen.«

»Nun wohl, ich habe mich zuerst aus eigener Machtvollkommenheit zum Lieutenant ernannt; da ich aber nicht beauftragt war, mir ein Patent zu unterzeichnen, und während der ganzen Zeit, die ich diesen Titel führte, nie mehr als sechs Mann unter meinen Befehlen hatte, so halte ich mich nicht für berechtigt, denselben geltend zu machen.«

»Ich, ich,« sagte die Prinzessin, »ich habe Euch zum Kapitän gemacht; also seid Ihr Kapitän!«

»Oh! das ist gerade der Punkt, wo sich meine Verlegenheit verdoppelt und wo mein Gewissen schreit. Jeder militärische Grad im Staate, davon habe ich mich nunmehr überzeugt, muß dem königlichen Willen entfließen, um eine Geltung zu erlangen. Eure Hoheit hatte nun ganz unzweifelbar das Verlangen, mich zum Kapiteln zu machen, aber ich glaube, sie hatte nicht das Recht dazu. Ich wäre also in diesem Fall eben so wenig Kapitän gewesen, als ich Lieutenant war.»

»Es mag sein, mein Herr; aber gesetzt, Ihr wäret nicht Lieutenant durch eigene Machtvollkommenheit, nicht Kapitän durch meine Ernennung gewesen, insofern wir Beide nicht berechtigt waren, ein Patent zu unterzeichnen, so seid Ihr doch wenigstens Gouverneur von Branne. Und da es diesmal der König war, der Euren Bestallungsbrief unterzeichnete, so werdet Ihr die Gültigkeit bis Aktes nicht in Abrede ziehen.»

»Und das ist gerade derjenige von den dreien, welcher am meisten angefochten werden kann, Madame.«

»Wie so?« rief die Prinzessin.

»Ich bin allerdings ernannt worden, aber nicht in Function getreten. Was constituirt den Titel? Nicht der Besitz dieses Titels, sondern die Erfüllung der mit dem Titel verbundenen Funktionen. Ich aber habe keine von den Funktionen des Titels erfüllt, zu dem ich erhoben wurde; ich habe nie den Fuß in mein Gouvernement gesetzt; folglich bin ich eben so wenig Gouverneur von Branne, als ich Kapitän war, bevor ich Gouverneur wurde, und Lieutenant, ehe ich Kapitän war.«

»Man hat Euch jedoch auf der Straße nach Branne gefunden.«.

»Allerdings; aber hundert Schritte den der Stelle, wo ich verhaftet wurde, theilt sich die Straße in zwei Aeste; einer von den Wegen führt nach Branne, der andere nach Ison. Wer kann behaupten, daß ich nicht eben so gut nach Ison, als nach Branne ging?»

»Gut,« sagte die Prinzessin; »das Tribunal wird Eure Vertheidigung in Erwägung ziehen. Greffier, schreibt Gouverneur von Branne.«

»Madame,« sprach Cauvignac, »ich kann mich dem nicht widersetzen, daß Eure Hoheit schreiben läßt, was ihr beliebt.«

»Es ist geschehen, Madame,« sagte der Greffier.

»Gut. Und nun mein Herr,« sprach die Prinzessin zu Cauvignac, »unterzeichnet das Verhör.«

»Es würde dies mit dem größten Vergnügen geschehen,« erwiederte Cauvignac, »und ich wäre entzückt, etwas zu thun, was Eurer Hoheit angenehm sein dürfte; aber bei dem Streite, den ich diesen Morgen mit dem Pöbel den Bordeaux auszuhalten hatte, bei diesem Streite aus dem mich Eure Hoheit so edelmüthig durch den Dazwischentritt ihrer Musketiere zog, verstauchte ich unglücklicher Weise meine rechte Hand, und es ist mir mein ganzes Leben hindurch unmöglich gewesen, mit der linken zu schreiben.«

»Zeichnet die Weigerung des Beklagten auf, mein Herr,« sagte die Prinzessin zu dem Greffier.

»Die Unmöglichkeit, Herr, schreibt die Unmöglichkeit,« rief Cauvignac; »Gott soll mich behütete, daß ich einer so großen Fürstin, wie Ihr seid, irgend etwas verweigere, wenn es in meiner Macht läge.«

Und sich mit der tiefsten Ehrfurcht vorbeugend, ging Cauvignac in Begleitung seiner zwei Wachen hinaus.

»Ich glaube, Ihr habt Recht, Herr Lenet,« sagte der Herzog den Larochefoucault, »und wir haben Unrecht gehabt, uns diesen Mann nicht zu sichern.«

Lenet war in seinem Geiste zu sehr in Einspruch genommen, um zu antworten. Diesmal hatte ihn seine gewöhnliche Scharfsichtigkeit schlecht bedient; er hoffte, Cauvignac würde den Zorn des Tribunals sich allein zuziehen; aber Cauvignac hatte mit seinen ewigen Ausflüchten mehr belustigt, als geärgert. Sein Verhör hatte nun die ganze Wirkung zerstört, welche durch das von Canolles hervorgebracht worden war, und der Adel, die Freimütigkeit, die Loyalität des erstere Gefangenen waren, so zu sagen, unter dem listigen Benehmen von Cauvignac verschwunden.

Als man zur Abstimmung schritt, wurde auch einhellig der Tod ausgesprochen.

Die Prinzessin ließ die Stimmen zusammentragen und verkündigte feierlich das Urtheil, welches gefällt worden war.

Dann unterzeichnete Jeder das Protokoll der Verhandlung. Zuerst der Herzog von Enghien, ein armes Kind, das nicht wußte, was es unterzeichnete, und dessen erste Unterschrift einem Menschen das Leben kosten sollte; dann die Prinzessin, dann die Herzoge, dann die Damen des Rathes, dann die Officiere und die Juraten; und so hatte sich alle Welt der Repressalien theilhaftig gemacht. Adel und Bürgerthum, Armee und Parlament, Jedermann mußte bestraft werden; bekanntlich aber bestraft man in der Regel Niemand, wenn man Jedermann bestrafen soll.

Als endlich Alle unterzeichnet hatten, öffnete die Prinzessin, welche nun ihre Rache in Händen hatte, und deren Stolz diese Rache schmeichelte, das bereits zweimal geöffnete Fenster abermals und sprach, dem Bedürfnis der Volksthümlichkeit nachgebend, mit lauter Stimme:

»Meine Heeren Bordelesen, Richon wird gerächt, würdig gerächt werden, verlaßt Euch auf uns.«

Ein donnerähnliches Hurrah empfing diese Erklärung, und das Volk zerstreute sich in den Straßen, zum Voraus glücklich über das Schauspiel, welches ihm das Wort der Prinzessin verhieß.

Aber kaum war Frau von Condé in ihr Zimmer mit Lenet zurückgekehrt, der ihr traurig folgte, immer noch hoffend, sie zu einer Aenderung ihres Entschlusses zu bewegen, als die Thüre sich öffnete, Frau von Cambes, bleich, schluchzend, zu ihren Füßen stürzte und ausrief:

»Oh! Madame, im Namen des Himmels, hört mich! im Namen des Himmels, stoßt mich nicht zurück!«

»Was gibt es denn, mein Kind?« fragte die Prinzessin, »und warum weinst Du so?«

»Ich weine, Madame, weil ich gehört habe, daß auf den Tod gestimmt worden ist, und das Ihr diese Abstimmung bestätigt habt; und dennoch könnt Ihr Herrn von Canolles nicht tödten lassen.«

»Und warum nicht, meine Liebe? sie haben wohl Richon umgebracht.«

»Madame, weil es derselbe Herr von Canolles ist, der Eure Hoheit in Chantilly gerettet hat.«

»Soll ich ihm dafür Dank wissen, daß er sich durch unsere List bethören ließ?«

»Wohl, Hoheit,« darin liegt gerade der Irrtum: Herr von Canolles wurde nicht eine Minute durch die Unterschiebung betört. Mit dem ersten Blicke hat er mich erkannt.«

»Dich, Claire?«

»Ja, Madame.«

Wir hatten einen Theil des Weges miteinander gemacht, Herr von Canolles kannte mich, Herr von Canolles verliebte sich in mich, und unter diesen Umständen . . . nun, Madame, er hatte vielleicht Unrecht, doch es kommt Euch nicht zu, ihm darüber Vorwürfe zu machen . . . unter diesen Umständen brachte er seine Pflicht der Liebe zum Opfer.«

»Also derjenige, weichen Du liebst . . .?«

»Ja, Madame.«

»Also derjenige, welchen Du heirathen zu dürfen mich um Erlaubniß gebeten hast . . .?«

»Ja.«

»War . . .?«

»Herr von Canolles,« rief die Vicomtesse. »Herr von Canolles, der sich mir in Saint-George ergeben hat, und der ohne mich sich selbst und Eure Soldaten in die Luft, zu sprengen im Begriffe war . . . Herr von Canolles endlich, der fliehen konnte und mir seinen Degen übergab, um nicht von mir getrennt zu werden. Ihr begreift also, Madame, daß ich wenn er stirbt, auch sterben muß, denn ich habe ihn dann in das Verderben gestürzt.«

»Mein liebes Kind,« erwiederte die Prinzessin mit einer gewissen Bewegtheit, »bedenke doch, daß Du etwas Unmögliches von mir verlangst Richon ist todt, Richon muß gerächt werden! Es hat eine Berathung stattgefunden, sie muß vollzogen werden; selbst wenn mein Gemahl von mir forderte, was Du forderst, müßte ich es ihm verweigern.«

»Oh! ich Unglückliche!« rief Frau von Cambes, sich zurückwerfend und in ein gewaltigen Schluchzen ausbrechend; »ich habe meinen Geliebten in das Verderben gestürzt.«

Lenet, welcher noch nicht gesprochen hatte, näherte sich nun der Prinzessin und sagte:

»Madame, habt Ihr nicht genug mit einem Opfer, braucht Ihr zwei Köpfe, um den von Herrn Richon zu bezahlen?«

»Ah! Ah! Gestrenger Herr,« erwiederte die Prinzessin, »das heißt, Ihr fordert von mir das Leben des Einen und den Tod des Andern? Sprecht, ist das gerecht?«

»Madame, wenn zwei Menschen sterben sollen, so ist es einmal gerecht, daß, wo möglich, nur Einer stirbt, wenn überhaupt ein Mund das Recht hat, die von der Hand Gottes angezündete Flamme auszublasen. Sodann ist es gerecht, daß, wenn man zu wählen hat, der ehrliche Mann im Vorzug vor dem Bösewicht am Leben bleibt. Man muß ein Jude sein, um Barnabas in Freiheit zu setzen und Jesus an das Kreuz zu schlagen . . .«

»Oh! Herr Lenet, Herr Lenet, sprecht für mich, ich beschwöre Euch,« rief Claire; »denn Ihr seid ein Mann, und man wird Euch vielleicht Gehör schenken; und Ihr, Madame,« fuhr sie, sich an die Prinzessin wendend, fort, »erinnert Euch nur, daß ich mein Leben im Dienste Euren Hauses zugebracht habe.«

»Und ich auch,« sagte Lenet. »Und dennoch habe ich für dreißig Jahre der Treue nichts von Eurer Hoheit verlangt; aber bei dieser Gelegenheit werde ich, wenn Eure Hoheit unbarmherzig ist, für diese dreißig Jahre der Treue mir eine Gnade von ihr erbitten.«

»Welche?«

»Mir meinen Abschied zu geben, Madame, damit ich mich zu den Füßen des Königs werfen kann, dem ich sodann den Rest meinen Daseins, welchen ich der Ehre Eures Hauses geweiht hätte, widmen werde.«

»Nun wohl,« rief die Prinzessin, besiegt durch die gemeinschaftlichen Bitten, »drohe nicht, mein alter Freund, weine nicht, meine sanfte Claire, beruhigt Euch Beide: ein Einziger wird sterben, da Ihr es so haben wollt; aber man bitte mich nicht mehr um die Begnadigung dessen, welcher zum Tode bestimmt sein wird.«

Claire ergriff die Hand der Prinzessin, bedeckte sie mit Küssen und rief:

»Oh! Dank, Dank,Madame: von diesem Augenblick an gehört mein Leben und das seinige Euch allein.«

»Und indem Ihr so handelt, Madame,« sprach Lenet, »seid Ihr zugleich gerecht und barmherzig, was bin jetzt nur das Vorrecht Gottes gewesen ist.«

»Oh! darf ich ihn nun sehen, darf ich ihn befreien?« rief Claire ungeduldig.

»Eure solche Kundgebung ist in diesem Augenblick unmöglich,« sprach die Prinzessin; »sie würde uns zum Verderben gereichen. Die Gefangenen mögen noch im Kerker bleiben; man läßt sie dann zu gleicher Zeit heraus, den Einen für die Freiheit, den Andern für den Tod.« »Aber kann ich ihn nicht wenigstens sehen, beruhigen, trösten?« fragte Claire.

»Ihn beruhigen, liebe Freundin? ich glaube nicht, daß dies klug wäre: man würde die Entscheidung erfahren, man würde die Gunst deuten; nein, unmöglich, begnügt Euch, daß Ihr ihn gerettet wißt. Ich werde den zwei Herzogen meinen Entschluß ankündigen.«

»Gut, ich füge mich. Dank, Dank, Madame,« rief Claire.

Und Frau von Cambes eilte fort, um in Freiheit zu weinen und Gott aus dem Grunde ihres von Freude und Dankbarkeit überströmenden Herzens zu preisen.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
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