Sadece Litres'te okuyun

Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.

Kitabı oku: «Der Graf von Bragelonne», sayfa 108

Yazı tipi:

»Von morgen an,« unterbrach ihn Aramis ruhig, »von morgen an, mein lieber Freund, werdet Ihr Euch unabläßig mit dem Feste in Vaux beschäftigen, das eines Tages unter den heroischen Herrlichkeiten Eurer schönen Zeit angeführt werden soll.«

»Ihr seid verrückt, Chevalier d’Herblay.«

»Ich? Das fällt Euch nicht ein,«

»Wie? wißt Ihr denn, was ein Fest, das einfachste der Welt, in Vaux kosten kann? Vier bis fünf Millionen.«

»Ich spreche nicht vom einfachsten der Welt, mein lieber Oberintendant.«

»Da das Fest dem König gegeben wird, so kann es aber nicht einfach sein,« entgegnete Fouquet, der sich in dem Gedanken von Aramis täuschte.

»Ganz richtig, es muß von der größten Pracht sein.«

»Dann werde ich zehn bis zwölf Millionen ausgeben.«

»Ihr werdet zwanzig ausgeben, wenn es sein muß,« erwiederte Aramis ohne alle Aufregung.

»Woher würde ich sie nehmen?« rief Fouquet.

»Das ist meine Sache, Herr Oberintendant, seid deshalb nicht einen Augenblick unruhig. Das Geld wird schneller zu Eurer Verfügung bereit liegen, als Ihr mit dem Plan für Euer Fest mit Euch im Reinen seid.«

»Chevalier! Chevalier!« rief Fouquet vom Schwindel ergriffen, »wohin reißt Ihr mich?«

»Aus die andere Seite des Abgrundes, in den Ihr zu fallen im Begriffe waret,« antwortete der Bischof von Vannes. »Hängt Euch an meinen Mantel an und habt nicht bange.«

»Warum habt Ihr mir das nicht früher gesagt, Aramis! Es ist ein Tag erschienen, wo Ihr mich mit einer Million gerettet hättet; während heute . . . «

»Während ich heute zwanzig ausgeben werde?« sagte der Prälat. »Gut, es mag sein. Doch der Grund ist einfach, mein Freund: an dem Tag, von dem Ihr sprecht, hatte ich die nöthige Million nicht zu meiner Verfügung. Heute habe ich leicht die zwanzig Millionen, die ich brauchen werde.«

»Gott höre Euch und rette mich!«

Aramis lächelte wieder aus eine seltsame Weise wie gewöhnlich und sprach:

»Gott hört mich immer, dies hängt vielleicht davon ab, daß ich ihn sehr laut bitte.«

»Ich überlasse mich Euch ohne Rückhalt.«

»Oh! so verstehe ich es nicht. Ich gehöre Euch ohne Rückhalt. Auch werdet Ihr, der Ihr der feinste, zarteste und erfindungsreichste Geist seid, das ganze Fest bis auf die geringste Einzelheit anordnen. Nur . . . «

»Nun?« fragte Fouquet, wie ein Mensch, der gewohnt ist, den Werth der Parenthesen zu fühlen.

»Nun wohl! wenn ich Euch die Erfindung der Einzelheiten überlasse, so behalte ich mir die Ueberwachung der Ausführung vor.«

»Wie so?«

»Damit will ich sagen, Ihr werdet aus mir, für diesen Tag, einen Haushofmeister, einen Oberaufseher, eine Art von Factotum machen; ich werde als Kapitän der Garden und als Verwalter functioniren, die Leute gehen machen und die Schlüssel der Thüren haben; Ihr ertheilt dann allerdings Sure Befehle, doch Ihr ertheilt sie mir, sie gehen durch meinen Mund, um an ihre Bestimmung zu gelangen, begreift Ihr?«

»Nein, ich begreife nicht.«

»Doch Ihr willigt ein?«

»Bei Gott! ja, mein Freund.«

Mehr brauche ich nicht. Meinen Dank also, und macht die Liste der Einladungen.«

»Und wen werde ich einladen?«

»Alle Welt.«

IX.
Worin es dem Autor scheint, es sei Zeit, zum Vicomte von Bragelonne zurückzukehren

Unsere Leser haben in dieser Geschichte parallel die Abenteuer der neuen Generation und die der vergangenen sich entrollen sehen.

Den Einen der Reflex des Ruhmes von Einst, die Erfahrung der schmerzlichen Dinge dieser Welt. Daher auch der Friede, der sich des Herzens bemächtigt und dem Blute um die Narben, welche grausame Wunden machten, zu entschlummern gestattet.

Den Anderen die Kämpfe der Eitelkeit und der Liebe, der bittere Kummer und die unaussprechlichen Freuden: das Leben statt der Erinnerung.

Ist eine Abwechselung vor den Augen des Lesers bei den Episoden dieser Erzählung aufgetaucht, so liegt die Ursache in den fruchtbaren Nuancen, welche aus dieser doppelten Palette hervorspringen. Zwei Gemälde gehen Seite an Seite, vermengen sich und setzen ihren strengen Ton und ihren freudigen gegenseitig in Einklang.

Die Ruhe der Bewegungen des einen findet sich im Schooße der Bewegungen des anderen. Nachdem man mit den Greisen vernünftig abgehandelt, tollt man gern mit den jungen Leuten.

Würden die Fäden dieser Geschichte nicht hinreichend das Kapitel, das wir schreiben, mit dem verknüpfen, welches wir geschrieben haben, so würde uns das nicht mehr Sorge machen, als es Ruysdael machte, einen Herbsthimmel zu malen, nachdem er einen Frühling vollendet hatte.

Wir fordern den Leser ans, ebenso zu thun und Raoul von Bragelonne an der Stelle wieder auszunehmen, wo ihn unsere letzte Skizze gelassen hatte.

Trunken, erschrocken, trostlos oder vielmehr ohne Vernunft, ohne Willen, ohne einen Entschluß, entfloh er nach der Scene, deren Ende er bei la Vallière gesehen hatte. Der König, Montalais, Louise, dieses Zimmer, diese seltsame Ausschließung, dieser Schmerz von Louise, dieser Schrecken von Montalais, dieser Zorn des Königs, Alles weissagte ihm ein Unglück! Doch welches?

Von London angekommen, weil man ihm eine Gefahr verkündigte, fand er mit dem ersten Blick den Schein dieser Gefahr. War dies nicht genug für eine Liebe? Ja, gewiß, aber es war nicht genug für ein edles Herz, das stolz daraus, sich bei einer der seinigen gleichen Redlichkeit der Gefahr auszusetzen.

Raoul suchte indessen die Erklärungen nicht da, wo sie sogleich eifersüchtige Liebhaber oder schüchterne Ehemänner suchen. Er sprach nicht zu seiner Geliebten: »Louise, liebt Ihr mich nicht mehr? Louise, liebt Ihr einen Anderen?« Ein Mann voll Muth, voll Freundschaft wie er voll Liebe war, gewissenhaft, seinem Worte getreu, wie er an das Wort Anderer glaubte, sagte Raoul zu sich selbst: »Guiche hat mir geschrieben, um mich zu warnen; Guiche weiß etwas, ich will Guiche fragen, was er wisse, und ihm sagen, was ich gesehen habe.«

Der Weg zu diesem war nicht weit. Vor zwei Tagen von Fontainebleau nach Paris zurückgebracht, fing Guiche an, sich von seiner Wunde zu erholen, und machte ein paar Schritte in seinem Zimmer.

Er stieß einen Freudenschrei aus, als er Raoul mit seiner Freundschaftswuth eintreten sah.

Raoul stieß einen Schmerzensschrei aus als er Guiche so bleich, so abgemagert erblickte. Zwei Worte und die Geberde, die der Verwundete machte, um den Arm von Raoul zu entfernen, genügten, um den letzteren von der Wahrheit zu unterrichten.

»Ah! so ist es,« sagte Raoul, während er sich an die Seite seines Freundes setzte, »man liebt und man stirbt.«

»Nein, nein, man stirbt nicht, denn ich stehe und schließe Euch in meine Arme,« erwiederte Guiche lächelnd.

»Ah! ich verstehe.«

»Und ich verstehe Euch auch, Ihr lebt der Ueberzeugung, ich sei unglücklich, Raoul?«

»Leider.«

»Nein. Ich bin der glücklichste der Menschen, ich leide mit meinem Leib, aber nicht mit meinem Herzen, nicht mit meiner Seele, Wenn Ihr wüßtet . . . Oh! ich bin der glücklichste der Menschen!«

»Oh! desto besser, desto besser, wenn es nur fortdauert.«

»Ah! ich habe genug bis zu meinem Tode, Raoul.«

»Ihr, das bezweifle ich nicht, doch sie . . . «

»Hört, Freund, ich liebe sie . . . weil . . . Aber Ihr hört mich nicht.«

»Verzeiht.«

»Ihr seid zerstreut.«

»Ja . . . Doch vor Allem, wie steht es mit Eurer Gesundheit?«

»Das ist es nicht.«

»Mein Lieber, ich glaube Ihr hättet Unrecht, mich zu befragen.«

Und er betonte dieses Ihr so, daß er seinen Freund völlig über die Natur des Uebels und die Schwierigkeiten des Heilmittels aufklärte.

»Ihr sagt mir das, Raoul, wegen dessen, was ich Euch geschrieben habe.«

»Ja . . . Doch wollen wir nicht hiervon sprechen, wenn Ihr mir Eure Freuden und Eure Leiden bis zum Ende erzählt haben werdet?«

»Theurer Freund, ich gehöre Euch, ganz und aus der Stelle Euch.«

»Meinen Dank, ich habe Eile . . . ich brenne, ich bin von London hierher in der Hälfte der Zeit gekommen, welche die StaatsCouriere gewöhnlich brauchen. Nun! was wolltet Ihr?«

»Nichts Anderes, als Euch zur Rückkehr veranlassen.«

»Wohl, hier bin ich.«

»Dann ist es gut.«

»Ah! ich denke, es gibt noch etwas Anderes.«

»Meiner Treue, nein!«

»Guiche!«

»Bei meinem Ehrenwort.«

»Ihr habt mich nicht mit Gewalt Hoffnungen entrissen, Ihr habt mich nicht einer Ungnade des Königs durch diese Rückkehr ausgesetzt, die eine Verletzung seiner Befehle ist, Ihr habt mir nicht die Eifersucht, diese Schlange, ins Herz gebunden, um mir zu sagen: Es ist gut, schlafet ruhig!«

»Ich sage Euch nicht, schlafet ruhige Raoul, aber begreift mich wohl. Ich will und kann Euch nichts Anderes sagen.«

»Oh! mein Freund, für wen haltet Ihr mich?«

»Wie so?«

»Wenn Ihr wißt, warum verbergt Ihr mir? wenn Ihr nicht wißt, warum warntet Ihr mich?«

»Es ist wahr. Ich habe Unrecht gehabt. Ah! seht Ihr, ich bereue es, Raoul. Es ist nichts einem Freunde zu schreiben: Kommt! aber diesen Freund vor dem Antlitz haben, ihn schauern, unter der Erwartung eines Wortes, was man ihm nicht zu sagen wagt, keuchen fühlen!«

»Wagt es, ich habe Muth, wenn Ihr keinen habt!« rief Raoul in Verzweiflung.

»Oh! Ihr seid ungerecht und vergeßt, daß Ihr es mit einem armen Verwundeten, der Hälfte Eures Herzens, zu thun habt . . . Beruhigt Euch! Ich habe Euch geschrieben: Kommt! Ihr seid gekommen, verlangt nicht mehr von diesem unglücklichen Guiche.«

»Ihr habt mich kommen heißen, nicht wahr, in der Hoffnung, ich würde sehen?«

»Aber . . . «

»Kein Zögern! Ich habe gesehen.«

»Ah!« machte Guiche.

»Oder ich glaubte wenigstens . . . «

»Ihr seht, Ihr zweifelt. Doch wenn Ihr zweifelt, mein armer Freund, was bleibt mir zu thun übrig?«

»Ich habe la Vallière in Verwirrung, Montalais erschrocken gesehen . . . den König . . . «

»Den König?«

»Ja, Ihr wendet den Kopf ab; hier ist die Gefahr, hier ist das Uebel, nicht wahr, es ist der König?«

»Ich sage nichts.«

»Oh! Ihr sagt tausend und aber tausendmal mehr. Oh! ich stehe Euch an, habt Mitleid, nennt mir Thatsachen! mein Freund, mein einziger Freund, sprecht. Mein Herz ist tief verwundet, es blutet, ich sterbe vor Verzweiflung!«

»Wenn dem so ist, mein lieber Raoul, so erleichtert Ihr es mir und ich will sprechen, überzeugt, daß ich nur tröstliche Dinge sage, im Vergleich zu der Verzweiflung, in der ich Euch sehe.«

»Ich höre . . . ich höre! . . . «

»Wohl!« sprach der Graf Guiche, »ich kann Euch das sagen, was Ihr aus dem Munde des Ersten, des Besten erfahren würdet.«

»Des Ersten, des Besten? Man spricht also davon?« rief Raoul.

»Ehe Ihr sagt: Man spricht davon, erfahret zuerst, wovon man sprechen kann. Ich schwöre Euch, es handelt sich um nichts, was im Grunde nicht sehr unschuldig ist; vielleicht ein Spaziergang.«

»Ah! ein Spaziergang mit dem König?«

»Ja, mit dem König, doch mir scheint, der König ist schon sehr oft mit Damen spazieren gegangen, ohne daß deshalb . . . «

»Ich muß Euch wiederholen, Ihr hättet mir nicht geschrieben, wäre dieser Spaziergang sehr natürlich gewesen.«

»Ich weiß, daß der König während dieses Sturmes besser daran gethan hätte, ein Obdach zu suchen, als mit entblößtem Haupte vor la Vallière stehen zu bleiben, doch . . . «

»Doch?«

»Der König ist so artig.«

»Ah! Guiche! Guiche! Ihr macht mich sterben.«

»Schweigen wir also.«

»Nein, fahret fort. Auf diesen Spaziergang folgten andere?«

»Nein . . . das heißt, ja; es ist das Abenteuer bei der Eiche vorgefallen. Ist es das? Ich weiß es nicht.«

Raoul stand auf. Guiche suchte ihn, trotz seiner Schwäche, nachzuahmen.

»Seht Ihr,« sagte er, »ich werde kein Wort mehr beifügen; ich habe zu viel oder zu wenig gesagt. Andere werden Euch unterrichten, wenn sie wollen oder wenn sie können; meine Pflicht war. Euch zu warnen; ich habe es gethan. Ueberwacht Eure Angelegenheiten nun selbst.«

»Ausfragen! ach! Ihr seid nicht mein Freund, Ihr, der Ihr so mit mir sprecht,« sagte trostlos der junge Mann. »Der Erste, den ich ausfrage, wird ein Boshafter oder ein Dummkopf sein; ist er boshaft, so wird er mich belügen, um mich zu martern; ist er ein Dummkopf, so wird er noch Schlimmeres thun. Ah! Guiche, Guiche, ehe zwei Stunden vergehen, werde ich zehn Lügen und zehn Duelle gefunden haben. Rettet mich! ist es nicht das Beste, sein Unglück zu kennen?«

»Aber ich weiß nichts, sage ich Euch. Ich war verwundet, lag im Fieber; ich hatte den Geist verloren, und habe hiervon nur eine oberflächliche, verwischte Kenntniß. Doch, bei Gott! wir suchen sehr fern, während wir unsern Mann unter der Hand haben. Ist nicht Herr d’Artagnan Euer Freund?«

»Oh! das ist wahr! das ist wahr!«

»Geht also zu ihm. Er wird das Licht machen und Eure Augen nicht zu verletzen suchen.«

Ein Lackei trat ein.

»Was gibt es?« fragte Guiche.

»Man erwartet den Herrn Grafen im Porzellancabinet.«

»Gut. Ihr erlaubt, lieber Raoul. Seitdem ich gehe, bin ich stolz,«

»Ich würde Euch meinen Arm anbieten, Guiche, erriethe ich nicht, daß die Person, die nach Euch schickt, eine Frau ist.«

»Ich glaube, ja,« erwiederte Guiche lächelnd; und er verließ Raoul.

Dieser blieb unbeweglich, in Gedanken versunken, niedergeschmettert wie der Bergmann, aus den ein Gewölbe eingestürzt ist; er ist verwundet, sein Blut stießt, sein Geist unterbricht sich, er sucht sich aufzuraffen und sein Leben mit seiner Vernunft zu retten. Einige Minuten genügten Raoul, um die Blendungen dieser zwei Offenbarungen zu zerstreuen. Er hatte schon den Faden seiner Ideen wieder ausgegriffen, als er plötzlich durch die Thüre die Stimme von Montalais im Porzellancabinet zu erkennen glaubte.

»Sie!« rief er. »Ja, es ist ihre Stimme. O! das ist eine Frau, die mir die Wahrheit sagen könnte; doch werde ich sie hier befragen? Sie verbirgt sich selbst vor mir. Sie kommt ohne Zweifel im Austrage von Madame. Ich werde sie in ihrer Wohnung sehen. Sie wird mir ihren Schrecken, ihre Flucht, die Ungeschicklichkeit, mit der man mich vertrieben hat, erklären; sie wird mir Alles sagen, hat mir Herr d’Artagnan, der Alles weiß, das Herz wieder gestärkt. Madame . . . eine Coquette. Nun wohl! ja, eine Coquette, die aber in ihren guten Augenblicken liebt, eine Coquette, die wie der Tod oder das Leben ihre Laune hat, die aber Guiche sagen gemacht, er sei der glücklichste der Menschen. Dieser ist wenigstens der Rosen sicher. Vorwärts!«

Er entfloh aus dem Zimmer des Grafen und kam, während er sich zum Vorwurf machte, daß er mit Guiche nur von sich selbst gesprochen, zu d’Artagnan.

X.
Bragelonne setzt seine Fragen fort

Der Kapitän hatte den Dienst, er saß im ledernen Lehnstuhl, den Sporn in den Boden eingedrückt, den Degen zwischen den Beinen und las, seinen Schnurrbart drehend, viele Briefe.

D’Artagnan gab ein Gebrumme der Freude von sich, als er den Sohn seines Freundes erblickte.

»Raoul, mein Junge,« sagte er, »durch welchen Zufall hat Dich der König zurückgerufen?«

Diese Worte klangen schlecht im Ohr des jungen Mannes, er setzte sich und erwiederte:

»Meiner Treue, ich weiß es nicht, ich weiß nur, daß ich zurückgekommen bin.«

»Hm!« machte d’Artagnan, indem er die Briefe, mit einem Blick voll Absicht aus Raoul gerichtet, wieder zusammenlegte

»Was sagst Du da, Junge? der König hat Dich nicht gerufen und Du bist zurückgekommen? Ich begreife das nicht recht.«

Raoul war schon bleich, er rollte schon seinen Hut mit einer trostlosen Miene zusammen.

»Was für eine Teufelsmiene machst Du, und was für ein Leichengesicht ist dies?« rief der Kapitän. »Nimmt man in England dergleichen Manieren an? Mordioux! ich war auch in England und bin munter zurückgekommen wie ein Fink. Wirst Du wohl sprechen?«

»Ich habe zu viel zu sagen.«

»Ah! ah! wie geht es Deinem Vater?«

»Theurer Freund, verzeiht mir, das wollte ich Euch fragen.«

D’Artagnan verdoppelte die Schärfe des Blickes, dem kein Geheimniß widerstand.

»Du hast Kummer,« sagte er.

»Bei Gott! Ihr wißt es wohl, Herr d’Artagnan.«

»Ich?«

»Allerdings. Oh! spielt nicht den Erstaunten.«

»Ich spiele nicht den Erstaunten, mein Freund.«

»Mein lieber Kapitän, ich weiß wohl, daß ich im Spiele der Schlauheit, wie in dem der Stärke von Euch geschlagen würde. In diesem Augenblick bin ich ein Dummkopf, ein winziges Wesen. Ich habe weder Gehirn, noch Arm, verachtet mich nicht, helft mir. Mit einem Worte, ich bin der elendste der lebenden Menschen.«

»Ho! ho! warum das?« fragte d’Artagnan, indem er seinen Gürtel aufschnallte und sein Lächeln milderte.

»Weil Fräulein de la Vallière mich betrügt.«

D’Artagnan veränderte das Gesicht nicht.

»Sie betrügt Dich! sie betrügt Dich! das sind große Worte, Wer hat sie Dir gesagt?«

»Alle Welt.«

»Ah! wenn es alle Welt gesagt hat, muß etwas Wahres daran sein. Ich meinerseits glaube an das Feuer, wenn ich den Rauch sehe. Das ist lächerlich, aber es ist so.«

»Ihr glaubt also?« rief Bragelonne lebhaft.

»Ah! wenn Du Dich an mich hältst . . . «

»Allerdings.«

»Ich mische mich nicht in dergleichen Angelegenheiten, Du weißt das wohl.«

»Wie! für einen Freund, für einen Sohn!«

»Ganz richtig. Wenn Du ein Fremder wärest, würde ich Dir sagen . . . ich würde Dir gar nichts sagen. Wie geht es Porthos, weißt Du es?«

»Herr,« rief Raoul, d’Artagnan die Hand drückend, »im Namen der Freundschaft, die Ihr meinem Vater gewidmet habt.«

»Ah! Teufel, Teufel! Du bist sehr krank . . . an Neugierde.«

»Nicht an Neugierde, an Liebe.«

»Gut. Abermals ein großes Wort. Wärest Du wirklich verliebt, mein theurer Raoul, so würde das ein großer Unterschied sein.«

»Was wollt Ihr damit sagen?«

»Ich sage, wenn Du von einer so ernsten Liebe erfüllt wärest, daß ich mich immerhin an Dein Herz zu wenden glauben könnte . . . Doch das ist unmöglich.«

»Ich sage Euch, daß ich Louise wahnsinnig liebe.«

D’Artagnan las mit seinen Augen im Grunde des Herzens von Raoul.

»Unmöglich, sage ich Dir. Du bist wie alle jungen Leute; Du bist nicht verliebt, Du bist verrückt.«

»Wohl! wenn es nur dieses wäre!«

»Nie hat ein vernünftiger Mensch in einem Schädel ein Gehirn, das sich dreht, in Ordnung gebracht. Ich habe mein Latein hundertmal in meinem Leben verloren. Du würdest mir zuhorchen und mich nicht hören; hörtest Du mich, so würdest Du mich nicht verstehen; verständest Du mich, so würdest Du mir nicht gehorchen.«

»Oh! versucht es, versucht es.«

»Ich sage mehr: wäre ich unglücklich genug, etwas zu wissen, und dumm genug, Dir etwas mitzutheilen . . . Du bist mein Freund, sagst Du?«

»Oh! ja.«

»Wohl! ich würde mich mit Dir entzweien, Du würdest mir nie verzeihen, daß ich Deine Illusion zerstört habe, wie man in der Liebe sagt.«

»Herr d’Artagnan! Ihr wißt Alles. Ihr laßt mich in der Verwirrung, in der Verzweiflung, im Tod! Das ist gräßlich!«

»La! la!«

»Ihr wißt, ich schreie nie. Da es mir Gott und mein Vater nie verzeihen würden, wenn ich mir mit einem Pistolenschuß den Kopf zerschmetterte, nun! so will ich mir das, was Ihr mir verweigert, von dem Ersten dem Besten erzählen lassen; ich werde ihn Lügen strafen . . . «

»Und ihn tödten! Eine schöne Geschichte! Desto besser! Was thut das mir? Tödte, mein Junge, tödte, wenn es Dir Vergnügen macht. Das ist wie bei den Leuten, welche Zahnweh haben; sie sagen: »»Oh! wie leide ich! ich würde in Eisen beißen.«« Ich antworte ihnen: »»Beißet, meine Freunde, beißet, der Zahn wird darin bleiben.««

»Ich werde nicht tödten, mein Herr,« sprach Raoul mit bitterer Miene.

»Ja, oh! ja, das ist so das Wesen von Euch Leuten heut zu Tage, nicht wahr, Ihr werdet Euch tödten lassen? Ah! wie hübsch ist das und wie werde ich Euch bedauern! Wie werde ich den ganzen Tag sagen: Er war ein tüchtiger Dummkopf, der kleine Bragelonne! ein doppelter Einfaltspinsel! Ich hatte mein Leben damit zugebracht, daß ich ihn einen Degen gehörig halten lehrte, und der Bursche hat sich nun spießen lassen, wie ein Vogel. Auf, Raoul! auf, laßt Euch tödten, mein Freund. Ich weiß nicht, wer Euch in der Logik unterrichtet hat; aber, Gott verdamme mich! wie die Engländer sagen, der hat Eurem Vater das Geld gestohlen.«

Schweigend drückte Raoul seinen Kopf in seine Hände und murmelte:

»Man hat keine Freunde, nein!«

»Ah! bah!« rief d’Artagnan.

»Man hat nur Spötter oder Gleichgültige.«

»Possen! Ich bin, obgleich Gascogner, doch kein Spötter. Und gleichgültig! Wenn ich es wäre, so hätte ich Euch schon vor einer Viertelstunde zu allen Teufeln geschickt, denn Ihr würdet einen freudetollen Menschen traurig und einen traurigen Menschen todt machen. Wie, junger Mann, Ihr wollt, daß ich Euch einen Widerwillen gegen Euer Geliebte beibringe und Euch die Frauen verfluchen lehre, die die Ehre und die Seligkeit des menschlichen Lebens sind?«

»Sprecht, sprecht, und ich werde Euch segnen.«

»Ei! mein Lieber, glaubt Ihr, ich habe mir das Gehirn mit allen den Geschichten vom Schreiner und vom Portraitmaler und mit tausend andern Erzählungen, um stehend zu schlafen, vollgepfropft?

»Ein Schreiner? was bedeutet dieser Schreiner?«

»Meiner Treue, ich weiß es nicht; man hat mir gesagt, es sei ein Schreiner gewesen, der einen Boden durchbrochen.«

»Bei la Vallière?«

»Ah! ich weiß nicht, wo.«

»Beim König?«

»Gut! wenn es beim König wäre, würde ich es Dir wohl sagen, nicht wahr?«

»Bei wem denn?«

»Seit einer Stunde bringe ich mich damit um, daß ich Dir wiederhole, ich wisse es nicht.«

»Aber der Maler also? Das Portrait?«

»Es scheint, der König hat das Portrait einer Dame vom Hofe malen lassen.«

»Von la Vallière?«

»Ei! Du hast nur diesen Namen im Mund. Wer spricht von la Vallière?«

»Wen soll es auch denn berühren, wenn nicht von ihr die Rede ist?«

»Es soll Dich nicht berühren. Aber Du befragst mich und ich antworte Dir. Du willst die Chronik der Scandale kennen, ich gebe sie Dir. Ziehe Deinen Nutzen daraus.«

Raoul schlug sich voll Verzweiflung vor die Stirne und rief:

»Das ist zum Sterben!«

»Du hast es schon gesagt!«

»Ja, Ihr habt Recht.«

Und er machte einen Schritt, um sich zu entfernen.

»Wohin gehst Du?« fragte d’Artagnan.

»Ich will Jemand aussuchen, der mir die Wahrheit sagen wird.«

»Wen?«

»Eine Frau.«

»Fräulein de la Vallière selbst, nicht wahr?« versetzte d’Artagnan mit einem Lächeln.

»Ah! Du hast da einen herrlichen Gedanken; Du suchtest getröstet zu werden, Du wirst es sogleich sein. Sie wird Dir nichts Schlimmes von sich selbst sagen.«

»Ihr täuscht Euch, mein Herr,« entgegnete Raoul, »die Frau, an die ich mich wende, wird mir viel Schlimmes sagen.«

»Ich wette, Montalais.«

»Ja, Montalais.«

»Ah! ihre Freundin. Eine Frau, die, in ihrer Eigenschaft, das Gute oder das Böse stark übertreiben wird! Sprich nicht mit Montalais, mein guter Raoul.«

»Das ist nicht der Grund, der Euch antreibt, mich von Montalais fern zu halten.«

»Wohl, ich gestehe es. Warum sollte ich übrigens im Ganzen mit Dir spielen, wie die Katze mit einer armen Maus. Es thut mir leid um Dich. Und wenn ich wünsche, daß Du in diesem Augenblick nicht mit Montalais sprechen mögest, so geschieht es, weil Du Dein Geheimniß preisgeben wirst, und weil man es mißbrauchen wird. Warte, wenn Du kannst.«

»Ich kann nicht.«

»Desto schlimmer. Siehst Du, Raoul, wenn ich einen Gedanken hätte, aber ich habe keinen.«

»Versprecht mir, mein Freund, mich zu beklagen, das wird mir genügen, und laßt mich diese Sache allein abmachen.«

»Ah! ja wohl! daß Du im Koth stecken bleibst! das wäre nicht übel. Setze Dich hierher an diesen Tisch und nimm die Feder.«

»Warum dies?«

»Um an Montalais zu schreiben und sie um eine Zusammenkunft zu bitten.«

»Ah!« rief Raoul, während er aus die Feder zustürzte, die ihm der Kapitän bot.

Plötzlich öffnete sich die Thüre, ein Musketier näherte sich d’Artagnan und sprach:

»Mein Kapitän, Fräulein von Montalais möchte Euch gern sprechen.«

»Mich?« murmelte d’Artagnan. »Sie trete ein, und ich werde wohl sehen, ob ich es bin, den sie sprechen wollte.«

Der schlaue Kapitän hatte richtig gerochen. Montalais sah bei ihrem Eintritt Raoul und rief:

»Mein Herr! mein Herr! verzeiht, Herr d’Artagnan.«

»Ich verzeihe Euch, mein Fräulein,« erwiederte d’Artagnan, »ich weiß, daß in meinem Alter diejenigen, welche mich suchen, meiner sehr bedürfen.«

»Ich suchte Herrn von Bragelonne,« sagte Montalais.

»Wie sich das gut trifft! er suchte Euch ebenfalls. Raoul, wollt Ihr nicht mit dem Fräulein gehen?«

»Von Herzen gern.«

»Geht also.«

»Und er schob Raoul sanft aus dem Cabinet; dann nahm er Montalais bei der Hand und sagte leise zu ihr:

»Seid ein gutes Mädchen, schonet ihn und schonet sie.«

»Ah!« erwiederte sie in demselben Ton, »nicht ich werde mit ihm sprechen.«

»Wie so?«

»Es ist Madame, die ihn holen läßt.«

»Ah! gut!« rief d’Artagnan, »es ist Madame. Ehe eine Stunde vergeht, wird der arme Junge geheilt sein!«

»Oder todt,« versetzte Montalais mitleidig. »Gehabt Euch wohl, Herr d’Artagnan.«

Und sie lief Raoul nach, der unsern von der Thüre sehr besorgt, sehr unruhig über diesen Zwiesprache, welcher nichts Gutes weissagte, aus sie wartete.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
2641 s. 19 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain