Sadece Litres'te okuyun

Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.

Kitabı oku: «Der Graf von Bragelonne», sayfa 120

Yazı tipi:

»Oh! sehr gern: in seinem Cabinet. Nur . . . «

»Nur, darf man nicht hinein?«

»Unzugänglich.«

»Für Jedermann?«

»Für Jedermann. Er hat mich hier hereingelassen, damit ich nach meinen Bequemlichkeiten meine Beobachtungen machen könnte, dann ist er weggegangen.«

»Wohl! mein lieber Molière, nicht wahr, Ihr benachrichtet ihn, daß ich da bin?«

»Ich!« rief Molière mit dem Tone eines muthigen Hundes, dem man den Knochen nimmt, welchen er rechtlicher Weise erworben hat; »ich soll meinen Platz verlassen? Ah! Herr d’Artagnan, wie schlecht behandelt Ihr mich!«

»Wenn Ihr nicht aus der Stelle Herrn Percerin meldet, ich sei da, mein lieber Herr Molière,« sagte d’Artagnan leise, »so erkläre ich Euch Eines: ich lasse Euch den Freund nicht sehen, den ich mitgebracht habe.«

Molière bezeichnete mit einer unmerklichen Geberde Porthos.

»Diesen, nicht wahr?« sagte er.

»Ja.«

Molière heftete auf Porthos einen von den Blicken, welche die Gehirne und die Herzen durchwühlen. Die Prüfung kam ihm ohne Zweifel vielversprechend vor, denn er stand sogleich aus und ging in das anstoßende Zimmer.

V.
Die Muster

Mittlerweile verlief sich die Menge langsam, wobei sie indessen an jeder Ecke des Arbeitstisches ein Gemurre oder eine Drohung zurückließ, wie an den Sandbänken des Meeres die Wellen ein wenig Schaum oder zermalmtes Meergras hinterlassen, wenn sie sich bei Eintritt der Ebbe zurückziehen.

Nach zehn Minuten erschien Molière wieder und machte d’Artagnan unter dem Thürvorhang ein anderes Zeichen. Dieser eilte, Porthos mit sich ziehend, fort, und führte ihn durch verschiedene ziemlich verworrene Gänge in das Cabinet von Percerin. Die Aermel zurückgeschlagen, untersuchte der Greis ein Stück Brocat mit großen goldenen Blumen, um schöne Reflexe darauf hervorzubringen. Als er d’Artagnan erblickte, ließ er seinen Stoff liegen und ging ihm entgegen, nicht strahlend, nicht höflich, doch im Ganzen ziemlich artig,

»Herr Kapitän der Garden,« sagte er, »nicht wahr, Ihr werdet mich entschuldigen? doch ich habe zu thun.«

»Ah! ja, Ihr seid mit den Kleidern des Königs beschäftigt; ich weiß das, mein lieber Herr Percerin, Ihr macht drei, wie man mir gesagt hat?«

»Fünf, mein lieber Herr, fünf.«

»Drei oder fünf, das kümmert mich nichts, Meister Percerin, und ich weiß, daß Ihr die schönsten der Welt machen werdet.«

»Man weiß es, ja, einmal gemacht, werden sie die schönsten der Welt sein, damit es aber die schönsten der Welt sind, müssen sie zuvor gemacht werden, und hierzu, mein lieber Herr Kapitän, brauche ich Zeit.«

»Ah bah! noch zwei Tage! das ist mehr, als Ihr braucht, mein lieber Herr Percerin,« sagte d’Artagnan mit dem größten Phlegma.

Percerin schaute empor, wie ein Mensch, der wenig an den Widerspruch gewöhnt ist, selbst nicht einmal in seinen Launen; d’Artagnan merkte aber nicht aus die Miene, welche der erhabene Brocatschneider allmälig annahm.

»Mein lieber Herr Percerin,« fuhr er fort, »ich bringe Euch einen Kunden.«

»Ah! ah!« machte Percerin mit einem verdrießlichen Tone.

»Den Herrn Baron du Vallon de Bracieux de Pierrefonds,« sagte d’Artagnan.

Percerin versuchte eine Begrüßung, welche nichts Sympathetisches bei dem furchtbaren Porthos fand, der seit seinem Eintritt in das Cabinet den Schneider schel anschaute.

»Einen von meinen Freunden,« vollendete d’Artagnan.

»Ich werde den Herrn bedienen, aber später,« erwiederte Percerin.

»Später! und wann dies?«

»Wann . . . wann ich Zeit haben werde.«

»Ihr habt das schon meinem Bedienten gesagt!« rief Porthos unzufrieden.

»Das ist möglich, ich bin beinahe immer mit dringenden Geschäften überhäuft.«

»Mein Freund,« entgegnete Porthos pathetisch, »man hat immer Zeit, wenn man will.«

Percerin wurde carmosinroth; was bei den durch das Alter weiß gewordenen Greisen ein ärgerliches Merkmal ist.

»Es steht dem Herrn, meiner Treue! frei, sich anderswo bedienen zu lassen,« sagte er.

»Ah! ah! Percerin,« flüsterte d’Artagnan, »Ihr seid heute nicht liebenswürdig. Wohl denn! ich will Euch ein letztes Wort sagen, wonach Ihr aus die Kniee fallen werdet: dieser Herr ist nicht nur ein Freund von mir, sondern auch ein Freund von Herrn Fouquet.«

»Ah! ah!« versetzte der Schneider, »das ist etwas Anderes.« Dann sich gegen Porthos wendend, fragte er: »Der Herr Baron gehört dem Herrn Oberintendanten?«

»Ich gehöre mir,« brach Porthos gerade in dem Augenblick los, wo der Thürvorhang ausgehoben wurde, um eine neue Person durchzulassen.

Molière beobachtete. D’Artagnan lachte. Porthos fluchte.

»Mein lieber Herr Percerin,« sagte d’Artagnan, »Ihr werdet dem Herrn Baron ein Kleid machen, ich bitte Euch darum.«

»Bei Euch sage ich nicht nein, Herr Kapitän.«

»Doch das ist nicht Alles, Ihr werdet ihm das Kleid sogleich machen.«

»Unmöglich vor acht Tagen.«

»Dann ist es, als ob Ihr es abschlüget, ihm eines zu machen, da das Kleid bei dem Feste in Vaux zu erscheinen bestimmt ist.«

»Ich wiederhole, daß es unmöglich ist,« entgegnete der hartnäckige Greis.

»Nein, lieber Herr Percerin, besonders, wenn ich Euch darum bitte,« sagte an der Thüre eine sanfte Stimme, eine metallische Stimme, welche d’Artagnan das Ohr spitzen machte. Es war die Stimme von Aramis.

»Herr d’Herblay,« rief der Schneider.

»Aramis!« murmelte d’Artagnan.

»Ah! unser Bischof!« sagte Porthos.

»Guten Morgen, d’Artagnan, guten Morgen, theure Freunde,« sprach Aramis. »Auf, Herr Percerin, macht das Kleid für diesen Herrn, und ich stehe Euch dafür, daß Ihr, indem Ihr es macht, Herrn Fouquet etwas Angenehmes erweist.«

Und er begleitete diese Worte mit einem Zeichen, welches besagen wollte: Bewilligt und entlaßt. Es scheint, Aramis hatte aus Percerin einen höheren Einfluß, als selbst d’Artagnan, denn der Schneider verbeugte sich zum Zeichen der Einwilligung, wandte sich gegen Porthos um und sprach ungeschlacht:

»Laßt Euch das Maß auf der andern Seite nehmen.«

Porthos erröthete aus eine furchtbare Art.

D’Artagnan sah den Sturm kommen und sagte mit halber Stimme zu Molière:

»Mein lieber Herr, der Mann, den Ihr seht, hält sich für entehrt, wenn man das Fleisch und die Knochen mißt, die ihm Gott zugetheilt hat; studirt mir diesen Typus, Meister Aristophanes, und benützt es.«

Molière bedurfte der Ermuthigung nicht; er umfaßte mit den Augen die ganze Person von Porthos und sagte dann zu ihm:

»Mein Herr, wenn es Euch gefällig ist, mit mir zu kommen, so werde ich Euch das Maß von einem Kleid nehmen lassen, ohne daß Euch der Messer berührt.«

»Ah! was sagt Ihr da, mein Freund?« rief Porthos.

»Ich sage, man werde weder die Elle, noch den Fuß aus Eure Nähte anwenden. Das ist ein neues Verfahren, das wir ersonnen haben, um das Maß von Leuten von Stand zu nehmen, deren Empfindlichkeit es widerstrebt, sich von gemeinen Burschen berühren zu lassen. Wir haben empfindliche Leute, die es nicht ertragen können, gemessen zu werden, eine Ceremonie, die, meines Erachtens, die natürliche Majestät des Menschen verletzt, und solltet Ihr zufällig zu diesen Leuten gehören . . . ?«

»Alle Hagel! ich glaube wohl, daß ich dazu gehöre.«

»Wohl! das kommt vortrefflich, Herr Baron, und bei Euch soll von unserer Erfindung zuerst Gebrauch gemacht werden.«

»Wie, des Teufels, benimmt man sich aber hierbei?« fragte Porthos entzückt.

»Mein Herr.« antwortete Molière, sich verbeugend, »wollt Ihr die Gnade haben, mir zu folgen, so werdet Ihr es sehen.«

Aramis schaute diese Scene mit allen seinen Augen an. Vielleicht glaubte er an der Belebtheit von d’Artagnan zu erkennen, dieser würde mit Porthos weggehen, um das Ende von einer so gut begonnenen Scene nicht zu verlieren; doch so scharfsichtig Aramis auch war, er täuschte sich. Porthos und Molière gingen allein weg, D’Artagnan blieb bei Percerin. Warum? aus Neugierde, das ist das Ganze; wahrscheinlich um noch einige Augenblicke länger die Gegenwart seines guten Freundes Aramis zu genießen. Sobald Molière und Porthos verschwunden waren, näherte sich d’Artagnan dem Bischof von Bannes, was diesem besonders ärgerlich zu sein schien, und sagte:

»Nicht wahr, auch ein Kleid für Euch, lieber Freund?«

»Nein,« erwiederte Aramis lächelnd.

»Ihr geht doch nach Vaux?«

»Ich gehe dahin, doch ohne ein neues Kleid. Ihr vergeßt, mein lieber d’Artagnan, daß ein armer Bischof von Vannes nicht reich genug ist, um sich für alle Feste neue Kleider machen zu lassen.«

»Bah!« versetzte lachend der Musketier, »und die Gedichte, machen wir keine mehr?«

»Oh! d’Artagnan,« erwiederte Aramis, »es ist lange her, daß ich nicht mehr an alle diese Nichtswürdigkeiten denke.«

»Gut,« sagte d’Artagnan, schlecht überzeugt.

Percerin hatte sich wieder in seine Brocatbetrachtungen versenkt.

»Bemerkt Ihr nicht, daß wir diesem braven Mann sehr zur Last sind, mein lieber d’Artagnan,« sagte Aramis lächelnd.

»Ah! ah!« murmelte mit halber Stimme der Musketier, »das heißt, ich bin Dir zur Last, mein lieber Freund.« Dann sprach er laut: »Wohl! so gehen wir. Ich habe nichts mehr hier zu thun, und wenn Ihr so frei seid, als ich, lieber Aramis . . . «

»Nein, ich wollte . . . «

»Ah! Ihr wolltet Herrn Percerin etwas insgeheim sagen?«

»Insgeheim,« wiederholte Aramis, »ja, gewiß, doch nicht für Euch. Nie, das bitte ich Euch, mir zu glauben, nie werde ich etwas Geheimes haben, das ein Freund, wie Ihr, nicht hören darf.

»Oh! nein, nein, ich entferne mich,« erwiederte d’Artagnan, wobei jedoch seine Stimme einen merklichen Ausdruck von Neugierde hatte, denn die Bewegung von Aramis, so gut sie auch verkleidet war, entging ihm nicht, und er wußte, daß in dieser unerforschlichen Seele Alles, selbst die scheinbar geringfügigsten Dinge, gewöhnlich aus ein Ziel losging, ein unbekanntes Ziel, das aber, wie der Musketier bei seiner genauen Kenntniß des Charakters seines Freundes wohl begriff, wichtig sein mußte.

Aramis aber sah seinerseits, daß d’Artagnan nicht ohne Verdacht war, und entgegnete beharrlich:

»Ich bitte, bleibt und höret, wie sich die Sache verhält.« Dann sich an den Schneider wendend: »Mein lieber Herr Percerin . . . Ich freue mich sogar sehr, daß Ihr da seid.«

»Ah! wahrhaftig!« sagte zum dritten Mal der Gascogner, diesmal so wenig bethört, als die anderen Male.

Percerin rührte sich nicht. Aramis weckte ihn gewaltsam dadurch aus, daß er ihm den Stoff, den Gegenstand seines Nachsinnens, aus den Händen zog.

»Mein lieber Herr Percerin,« sagte er, »ich habe hier nebenan Herrn Lebrun, einen der Maler von Herrn Fouquet.«

»Ah! sehr gut,« dachte d’Artagnan, »doch warum Herr Lebrun?«

Aramis schaute d’Artagnan an, der sich die Miene gab, als betrachtete er Kupferstiche.

»Und Ihr wollt ihm ein Kleid, dem der Epicuräer ähnlich, machen lassen?« fragte Percerin.

Und indem er dies aus eine ganz zerstreute Art sagte, suchte der gute Schneider sein Stück Brocat wieder zu erwischen.

»Ein Epicuräer-Kleid?« fragte d’Artagnan mit ausforschendem Tone.

»Ah!« sagte Aramis mit seinem reizenden Lächeln, »es steht geschrieben, daß dieser liebe d’Artagnan heute Abend alle unsere Geheimnisse erfahren soll; ja, mein Freund; nicht wahr, Ihr habt wohl von den Epicuräern von Herrn Fouquet reden hören?«

»Gewiß. Ist es nicht eine Art von Gesellschaft von Dichtern, bei der die Herren La Fontaine, Loret, Pelisson, Molière sind, was weiß ich? und die ihre Academie in Saint-Mandé hält?«

»Ganz richtig. Wohl! wir geben unseren Dichtern eine Uniform und reihen sie in den Dienst des Königs ein.«

»Oh! sehr gut, ich errathe, eine Ueberraschung, die Herr Fouquet dem König bereitet. Oh! seid unbesorgt, wenn hierin das Geheimniß von Herrn Fouquet liegt, ich werde es nicht sagen.«

»Immer zum Entzücken, mein Freund. Nein, Herr Lebrun hat nichts aus dieser Seite zu thun; das Geheimniß, das ihn betrifft, ist noch viel wichtiger, als das andere.«

»Wenn es so wichtig ist, will ich es lieber nicht wissen,« erwiederte d’Artagnan, indem er sich einen falschen Abgang machte.,

»Tretet ein, Herr Lebrun, tretet ein,« rief Aramis.

Und er öffnete mit der rechten Hand eine Seitenthüre, während er mit der linken d’Artagnan zurückhielt.

»Meiner Treue, ich begreife nicht mehr,« sagte Percerin.

Aramis nahm ein Tempo, wie man in Theatersachen sagt.

»Mein lieber Herr Percerin,« sprach er., »nicht wahr. Ihr macht fünf Kleider für den König? eines von Brocat, eines von Jagdtuch, eines von Sammet, eines von Atlas und eines von Florentiner Stoff?«

»Ja. Doch woher wißt Ihr dies Alles, Monseigneur?« fragte Percerin erstaunt.

»Das ist ganz einfach, mein lieber Freund; es wird Jagd, Festmahl, Concert, Spazierfahrt und Empfang stattfinden, diese fünf Stoffe sind nach der Etiquette.«

»Ihr wißt Alles, Monseigneur.«

»Und noch viele andere Dinge,« murmelte d’Artagnan.

»Aber was Ihr nicht wißt,« rief der Schneider triumphirend. »obgleich Ihr Kirchenfürst seid, Monseigneur, was Niemand erfahren wird, was der König allein, Fräulein de la Vallière und ich wissen, das ist die Farbe der Stoffe und die Art der Verzierungen, es ist der Schnitt, es ist die Tournüre von dem Allem.«

»Wohl!« sagte Aramis, »das ist es gerade, womit ich Euch mich bekannt zu machen bitte, lieber Herr Percerin.«

»Ah bah!« rief der Schneider erschrocken, obgleich Aramis diese Worte mit seinem weichsten, honigreichsten Tone gesprochen hatte. Das Verlangen erschien Percerin, wenn er darüber nachdachte, so übertrieben lächerlich, so ungeheuer, daß er Anfangs ganz leise, dann laut lachte und endlich in ein schallendes Gelächter ausbrach. D’Artagnan ahmte ihn nach, nicht als hätte er die Sache so tief lächerlich gefunden, sondern um Aramis nicht erkalten zu lassen. Dieser ließ Beide gewähren, dann, als sie wieder ruhig waren, sagte er:

»Beim ersten Anblick, nicht wahr, sehe ich aus, als ließe ich mir eine Albernheit zu Schulden kommen? doch d’Artagnan, der die eingefleischte Weisheit ist, wird Euch wohl sagen, daß ich nicht umhin kann, Euch dies zu fragen.«

»Laßt hören,« rief der aufmerksame Musketier, der mit seinem wunderbaren Geruchssinn witterte, man habe bis jetzt nur scharmutzirt, und der Augenblick der Schlacht nahe heran.

»Laßt hören,« sagte Percerin ungläubig.

»Warum gibt Herr Fouquet dem König ein Fest?« fuhr Aramis fort. »Nicht wahr, um ihm zugefallen?«

»Sicherlich,« erwiederte Percerin.

D’Artagnan nickte billigend mit dem Kopf.

»Durch eine Galanterie, durch eine gute Erfindung, durch eine Reihe von Ueberraschungen, ähnlich der, von welcher wir vorhin in Beziehung aus die Einreihung der Epicuräer sprachen?«

»Vortrefflich.«

»Nun also die Ueberraschung, mein guter Freund. Herr Lebrun hier ist ein Mann, der sehr pünktlich zeichnet.«

»Ja,« sagte Percerin, »ich habe Gemälde von dem Herrn gesehen und bemerkt, daß die Kleider sehr sorgfältig behandelt waren. Darum habe ich sogleich eingewilligt, ihm eine Kleidung zu machen, sei es eine mit denen der Herren Epicuräer übereinstimmende, sei es eine besondere.«

»Lieber Herr, wir nehmen Euer Wort an und werden später davon Gebrauch machen; für den Augenblick aber bedarf Herr Lebrun nicht der Kleider, die Ihr für ihn machen werdet, sondern derjenigen, welche Ihr für den König gemacht habt.«

Percerin machte einen Sprung rückwärts, den d’Artagnan, der ruhige Mann und der vorzugsweise Schätzer, nicht zu übertrieben fand, so viel seltsame und Schauer erregende Seiten enthielt das Verlangen, das Aramis gestellt hatte.

»Die Kleider des Königs! irgend Jemand in der Welt die Kleider des Königs geben! Oh! oh! Herr Bischof, Eure Herrlichkeit ist toll!« rief der arme Schneider außer sich.

»Helft mir doch, d’Artagnan,« sagte Aramis immer lächelnder und ruhiger; »helft mir doch den Herrn überreden, denn nicht wahr, Ihr begreift?«

»Ei! ich gestehe, nicht ganz.«

»Wie! Ihr begreift nicht, daß,Herr Fouquet dem König die Ueberraschung, bei seiner Ankunft in Vaux sein Portrait zu finden, bereiten will, und daß das Portrait, dessen Ähnlichkeit treffend sein wird, gekleidet sein muß, gerade wie der König an dem Tage, wo das Portrait erscheinen soll, gekleidet sein wird.

»Ah! ja, ja,« rief der Musketier, beinahe überzeugt, so wahrscheinlich war der Grund; »ja, mein lieber Aramis, Ihr habt Recht; ja, der Gedanke ist glücklich. Wetten wir, daß er von Euch kommt, Aramis?«

»Ich weiß nicht,« erwiederte der Bischof mit nachläßigem Tone, »von mir oder von Herrn Fouquet.«

Dann das Gesicht von Percerin befragend, nachdem er die Unentschiedenheit von d’Artagnan wahrgenommen hatte, sprach er:

»Nun! Herr Percerin, was sagt Ihr?«

»Ich sage, daß . . . «

»Ich weiß wohl, es steht Euch frei, es abzuschlagen, und ich gedenke Euch durchaus nicht zu zwingen, lieber Herr; ich sage mehr, ich begreife sogar, mit welchem Zartgefühl Ihr zu Werke geht, daß Ihr dem Gedanken von Herrn Fouquet nicht entgegenkommt. Ihr befürchtet, es habe den Anschein, als wolltet Ihr dem Könige schmeicheln. Adel des Herzens, Herr Percerin, Adel des Herzens!«

Der Schneider stammelte ein unverständliches Wort.

»Es wäre allerdings eine sehr schöne Schmeichelei, die man dem jungen Fürsten machen könnte,« fuhr Aramis fort; »doch, sagte der Herr Oberindendant zu mir, schlägt es Herr Percerin ab, so erklärt ihm, es thue ihm dies in meinem Geiste keinen Eintrag, und ich schätze ihn immerhin. Nur . . . «

»Nur . . . « wiederholte der Schneider unruhig.

»Nur,« fuhr Aramis fort, »werde ich genöthigt sein, dem König zu sagen: »»Sire, ich beabsichtigte Eurer Majestät ihr Bild anzubieten, doch in einem vielleicht übertriebenen, obgleich achtungswerthen Zartgefühl hat sich Herr Percerin widersetzt.««

»Widersetzt!« rief der Schneider, erschrocken über die Verantwortlichkeit, die aus ihm lasten sollte; »ich mich dem widersetzen, was Herr Fouquet will, wenn es sich darum handelt, dem König ein Vergnügen zu machen! Oh! was für ein abscheuliches Wort habt Ihr da gesagt, Herr Bischof! ich mich widersetzen! Oh! Gott sei Dank! ich habe es nicht ausgesprochen! Ich nehme den Herrn Kapitän der Musketiere zum Zeugen. Nicht wahr, Herr d’Artagnan, ich widersetze mich nicht?«

D’Artagnan machte ein Zeichen der Zurückweisung, welches bedeutete, er wünsche neutral zu bleiben; er fühlte, daß hierunter eine Intrigue, ein Lustspiel oder ein Trauerspiel stak; er wußte es durchaus noch nicht zu errathen, vor der Hand wollte er sich aber jeder Einmischung enthalten.

Doch von dem Gedanken verfolgt, man könnte dem König sagen, er habe sich dem, daß man ihm eine Ueberraschung bereite, widersetzt, hatte Percerin schon einen Stuhl zu Lebrun gerückt; geschäftig zog er sodann aus einem Schranke vier glänzende Kleidungen – die fünfte war noch in den Händen der Arbeiter – und legte die genannten Meisterwerke aus eben so viele Gliedermänner von Bergamo, die, zur Zeit von Concini nach Frankreich gekommen, Percerin vom Marschall d’Ancre nach der Niederlage der in ihrer Concurrenz zu Grunde gerichteten italienischen Schneider geschenkt worden waren.

Der Maler fing an die Kleider zu zeichnen und dann zu malen.

Doch Aramis, der mit den Augen alle Phasen seiner Arbeit verfolgte, von Nahem überwachte, unterbrach ihn plötzlich und sagte;

»Ich glaube, Ihr seid nicht im rechten Ton, Herr Lebrun; Eure Farben werden Euch täuschen, und aus der Leinwand wird sich diese vollkommene Aehnlichkeit verlieren, die für uns durchaus nothwendig ist, Ihr müßtet mehr Zeit haben, um die Nuancen aufmerksam zu betrachten.«

»Es ist wahr,« erwiederte Lebrun; »doch es gebricht uns an Zeit, und hierbei, Ihr werdet das zugeben, Herr Bischof, vermag ich nichts.«

»Dann wird die Sache verfehlt sein, und zwar!n Ermangelung der Wahrheit der Farben,« sprach Aramis ruhig.

Lebrun copirte indessen Stoffe und Zierrathen mit der größten Treue, was Aramis mit einer schlecht verhehlten Ungeduld anschaute.

»Ei! welch ein verteufeltes Imbroglio spielt man hier?« fragte sich der Musketier.

»Das wird offenbar nicht gehen,« sagte Aramis; »Herr Lebrun, schließt Eure Schachteln und rollt Eure Leinwand zusammen.«

»Das Licht ist aber auch abscheulich hier!« rief der Maler ärgerlich.

»Ein Gedanke, Herr Lebrun, ein Gedanke! . . . « Wenn man, zum Beispiel, ein Muster von den Stoffen hätte, und mit der Zeit und bei besserem Licht! . . . «

»Oh! dann würde ich für Alles stehen,« rief Lebrun.

»Gut!« sagte d’Artagnan, »das muß der Knoten der Handlung sein; man bedarf eines Musters von jedem Stoff. Mordioux! wird er es geben, dieser Percerin?«

In seinen letzten Verschanzungen geschlagen, überdies bethört durch die geheuchelte Treuherzigkeit von Aramis, schnitt Percerin fünf Muster ab und übergab sie dem Bischof von Bannes.

»Das ist mir lieber. Nicht wahr, es ist auch Eure Ansicht?« sagte Aramis zu d’Artagnan.

»Meine Ansicht ist, daß Ihr immer derselbe seid,« antwortete d’Artagnan.

»Und folglich immer Euer Freund,« sprach Aramis mit seinem reizendsten Stimmtone.

»Ja, ja,« sagte d’Artagnan laut. Dann fügte er leise bei: »Wenn ich mich von Dir bethören lasse, so will ich wenigstens nicht Dein Genosse sein, und damit ich nicht Dein Genosse bin, ist es Zeit, daß ich von hier weggehe. Gott befohlen, Aramis,« sprach er laut, »Gott besohlen, ich will zu Porthos zurückkehren.«

»So wartet auf mich,« versetzte Aramis, die Muster einsackend, »denn ich bin fertig, und es wäre mir nicht unangenehm, unserem Freunde ein letztes Wort zu sagen.«

Lebrun packte zusammen, Percerin legte seine Kleider wieder in den Schrank, Aramis drückte mit seiner Hand an seine Tasche, um sich zu versichern, daß die Muster wohl eingeschlossen waren, und Alle verließen das Cabinet.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
2641 s. 19 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain