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Kitabı oku: «Der Graf von Monte Christo», sayfa 42

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»Diese Ansichten sind es, welche die Überlegenheit Ihrer Nation über die anderen Länder erhalten, mein Herr,« versetzte Monte Christo; »ein Edelmann aus vornehmem Hause, im Besitze eines schönen Vermögens, haben Sie sich von Anfang herbei gelassen, die ersten Grade als unbekannter, dunkler Soldat zu gewinnen, und das ist selten; General, Pair von Frankreich, Commandeur der Ehrenlegion geworden, willigen Sie ein, eine zweite Lehrzeit zu beginnen, ohne eine andere Hoffnung, ohne eine andere Belohnung, als die, eines Tags Ihres Gleichen nützlich zu sein. Ah! mein Herr, das ist in der Tat schön, ich sage noch mehr, es ist er haben.«

Albert betrachtete und hörte Monte Christo mit Erstaunen; er war nicht gewohnt, ihn sich zu solchen enthusiastischen Gedanken erheben zu sehen.

»Ah!« fuhr der Fremde fort, ohne Zweifel, um die unmerkliche Wolke verschwinden zu machen, welche bei diesen Worten über die Stirne von Morcerf hinzog, »ah! wir machen es in Italien nicht so, wir wachsen nach unserem Geschlecht und unserer Gattung, und wir behalten dasselbe Blattwerk, dieselbe Gestalt, häufig sogar dieselbe Nutzlosigkeit unser ganzes Leben hindurch.«

»Aber mein Herr,« entgegnete der Graf von Morcerf, »für einen Mann von Ihrem Verdienste ist Italien kein Vaterland, und Frankreich reicht Ihnen seine Arme; entsprechen Sie dem Rufe, den es an Sie ergehen läßt; Frankreich wird vielleicht nicht gegen Jedermann undankbar sein; es behandelt seine Kinder schlimm, aber die Fremden nimmt es gewöhnlich aus eine großartige Weise auf.«

»Ei! mein Vater.« sagte Albert mit einem Lächeln, »man sieht wohl, daß Sie den Herrn Grafen von Monte Christo nicht kennen. Seine Befriedigung liegt außerhalb dieser Welt; er strebt nicht nach Ehrenauszeichnungen, und nimmt nur soviel davon in Anspruch, als zur Gewichtigkeit eines Passes erforderlich ist.«

»Den ist der richtigste Ausdruck über mich, den ich je gehört habe,« sprach der Fremde.

»Sie sind Herr Ihrer Zukunft gewesen und haben den Blumenpfad gewählt,« sprach der Graf von Morcerf mit einem Seufzer.

»Allerdings,« erwiderte Monte Christo mit jenem Lächeln, das ein Maler nie wiedergeben wird und ein Physiolog zu analysieren verzweifeln muß.

»Heute ich nicht den Herrn Grafen zu ermüden befürchtet,« sagte der General, offenbar entzückt über die Manieren von Monte Christo, »so würde ich ihn in die Kammer geführt haben; es ist heute eine interessante Sitzung für Jeden, der die Senatoren der Neuzeit nicht kennt.«

»Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, doch für heute hat man mir mit der Hoffnung, der Frau Gräfin vorgestellt zu werden, geschmeichelt, und ich will lieber warten.«

»Ah! Hier kommt meine Mutter,« rief der Vicomte.

Rasch sich umwendend, erblickte Monte Christo wirklich Frau von Morcerf auf der Schwelle der Thüre, der gegenüber, durch welche ihr Gatte eingetreten war; unbeweglich und bleich ließ sie, als Monte Christo sich nach ihr umwandte, ihren Arm fallen, mit dem sie sich, Gott weiß warum. auf das Simswerk gestützt hatte; sie stand hier seit einigen Sekunden und hatte die letzten von dem ultramontanen Besuche ausgesprochenen Worte gehört.

Dieser erhob, sich und machte eine tiefe Verbeugung vor der Gräfin, welche sich stumm und zeremoniös verneigte.

»Ei, mein Gott! Madame.« fragte der Graf, »was haben Sie denn? sollte Ihnen vielleicht die Hitze in diesem Salon übel machen?«

»Leiden Sie, meine Mutter?« rief der Vicomte Morcerf entgegen eilend.

Sie dankte Beiden mit einem Lächeln und sprach:

»Nein, ich fühlte mich einigermaßen erschüttert, als ich zum ersten Male denjenigen sah, ohne dessen Vermittlung wir heute in Tränen und Trauer wären. Mein Herr,« fügte die Gräfin mit der Majestät einer Königin vorschreitend bei, »ich verdanke Ihnen das Leben meines Sohnes und segne Sie für diese Wohltat. Erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, welches Vergnügen es mir bereitet, daß Sie mir Gelegenheit verschaffen, Ihnen aus dem Grunde meines Herzens zu danken, wie ich Sie aus dem Grunde meines Herzens gesegnet habe.«

Der Graf verbeugte sich abermals, jedoch noch tiefer als das erste Mali er war bleicher als Mercedes.

»Madame,« sprach er, »der Herr Graf und Sie belohnen mich zu großmütig für eine ganz einfache Handlung. Einen Menschen retten, dem Vater eine Qual ersparen, das empfindliche Herz einer Frau schonen, heißt nicht ein gutes Werk, sondern einen Art der Menschlichkeit vollführen.«

Auf diese mit außerordentlicher Weichheit und Artigkeit gesprochenen Worte erwiderte die Gräfin mit gefühlvoller Betonung:

»Mein Herr, mein Sohn ist glücklich, Sie seinen Freund nennen zu dürfen, und ich danke Gott, der die Dinge so gelenkt hat.«

Und Mercedes schlug ihre Augen mit so grenzenloser Dankbarkeit zum Himmel auf, daß der Graf Tränen darin zittern zu sehen glaubte.

Herr von Morcerf näherte sich ihr und sprach:

»Madame, ich habe bereite dem Herrn Grafen meine Entschuldigung darüber ausgedrückt, daß ich ihn verlassen muß, und bitte Sie, dieselbe zu wiederholen. Die Sitzung beginnt um zwei Uhr, es ist bereits drei Uhr, und ich muß sprechen.«

»Gehen Sie, mein Herr.« entgegnete die Gräfin, »ich werde mich bemühen, Ihre Abwesenheit den Herrn Grafen vergessen zu lassen. Herr Graf,« fuhr sie sich an Monte Christo wendend fort, »werden Sie uns die Ehre erweisen, den Rest des Tages mit uns zuzubringen?«

»Glauben Sie mir, Madame, ich weiß Ihnen den größten Dank für Ihr Anerbieten, aber ich bin diesen Morgen vor Ihrer Thüre aus meinem Reisewagen gestiegen. Ich weiß nicht, wie ich in Paris eingerichtet bin, ich weiß kaum, wo ich bin. Es ist dies eine allerdings leichte, aber dennoch in Anschlag zu bringende Sorge.«

»So versprechen Sie uns wenigstens, daß wir das Vergnügen ein andermal haben werden?« fragte die Gräfin.

Monte Christo verbeugte sich, ohne zu antworten, doch die Gebärde konnte für eine Einwilligung gelten.

»Dann halte ich Sie nicht zurück,« sprach die Gräfin, »denn meine Dankbarkeit soll nicht zu einer Unbescheidenheit oder zu einer Bekräftigung werden.«

»Mein lieber Graf.« sagte Albert, »genehmigen Sie es, so werde ich Ihnen in Paris Ihre Artigkeit von Rom zurückzugeben suchen, und ich stelle mein Coupé zu Ihrer Verfügung, bis Sie Zeit gehabt haben, Ihre Equipagen in den gehörigen Stand zu setzen.«

»Ich danke Ihnen tausendmal für Ihre Zuvorkommenheit Vicomte, aber ich denke, Herr Bertuccio wird die fünf Stunden, die ich ihm gelassen, gut angewendet haben, und ich werde vor der Thüre einen angespannten Wagen finden.«

Albert war an diese Art und Weise des Grafen gewöhnt, er wußte, daß er in der Durchsetzung des Unmöglichen Nero glich, und staunte über nichts mehr; nur wollte er selbst beurteilen, wie seine Befehle ausgeführt worden, und begleitete den Grafen bis an die Thüre des Hotel .

Monte Christo hatte sich nicht getäuscht, sobald er im Vorzimmer des Grafen Morcerf erschien, eilte ein Lackei, derselbe, welcher in Rom den zwei jungen Leuten die Karte des Grafen überbracht und ihnen seinen Besuch angekündigt hatte, aus dem Vorhause, und der Reisende fand wirklich, als er auf die Freitreppe gelangte, seinen Wagen, der auf ihn wartete.

Es war ein Coupé aus der Werkstätte von Keller, und ein Gespann, für welches Drake, wie alle Löwen von Paris wußten, noch am Tage zuvor achtzehn tausend Franken ausgeschlagen hatte.

»Mein Herr,« sagte der Graf zu Albert, »ich mache Ihnen nicht den Vorschlag, mich nach Hause zu begleiten, ich könnte Ihnen nur ein improvisiertes Haus zeigen, und ich habe, wie Sie wissen, in Beziehung auf Improvisationen einen Ruf zu wahren. Bewilligen Sie mir einen Tag und erlauben Sie mir sodann, Sie einzuladen. Ich werde mehr Sicherheit haben, daß ich keinen Verstoß gegen die Gesetze der Gastfreundschaft begehe.«

»Wenn Sie einen Tag von mir verlangen, mein Herr Graf, so bin ich unbesorgt; Sie zeigen mir nicht mehr ein Haus, sondern einen Palast. Offenbar haben Sie irgend einen Geist zu Ihrer Verfügung.«

»Meiner Treue, lassen Sie dies glauben,« sagte Monte Christo, während er den Fuß auf die mit Sammet ausgeschlagenen Stufen seiner glänzenden Equipage setzte; »es wird mir bei den Damen Vorschub leisten.«

Und er sprang vollends in den Wagen, der sich hinter ihm schloß, und fuhr im Galopp von dem Hotel weg, jedoch nicht so schnell, daß er nicht eine unmerkliche Bewegung wahrgenommen hätte, welche den Vorhang des Salon zittern machte, wo er die Gräfin gelassen hatte.

Als Albert zu seiner Mutter zurückkehrte, fand er sie in ein großes Fauteuil von Sammet versenkt; von Schatten übergossen, ließ das ganze Gemach nur einige glänzende Stellen von goldenen Rahmen und kostbaren Gefäßen erblicken.

Albert konnte das Gesicht der Gräfin nicht sehen, denn es war in einer Gazewolke verloren, welche sie wie eine Dunstglorie um ihre Haare gewickelt hatte; aber es kam ihm vor, als bebte ihre Stimme; er erkannte auch unter den Wohlgerüchen von Rosen und Heliotropen der Jardinière die herbe, beißende Spur von Essigäther, und seiner ängstlichen Aufmerksamkeit entging nicht der Flacon der Gräfin, der, aus seinem ledernen Etui genommen, auf einer von den ziselierten Schalen des Kamins stand.

»Leiden Sie, meine Mutter,« rief er eintretend, oder sollte Ihnen während meiner Abwesenheit übel geworden sein?«

»Nein, Albert, aber Du begreifst, diese Rosen, diese Hyacinthen, diese Orangeblüthen strömen während der ersten Wärme, an welche man nicht gewöhnt ist, so starke Wohlgerüche aus . . . «

»Dann muß man sie in Ihr Vorzimmer bringen lassen,« sagte Morcerf, mit der Hand nach der Glocke greifend. »Sie sind in der Tat unpäßlich, schon vorhin, als Sie eintraten, waren Sie sehr bleich.«

»Ich war bleich, sagst Du, Albert?«

»Sie waren von einer Blässe, die Ihnen sehr gut steht, meine Mutter, aber darum meinen Vater und mich nichtsdestoweniger erschreckt hat.«

»Sprach Dein Vater mit Dir hierüber?« fragte Mercedes rasch.

»Nein, Madame, doch erinnern Sie sich, er hat gegen Sie selbst diese Bemerkung gemacht.«

»Ich erinnere mich dessen nicht«.« versetzte die Gräfin.

Ein Diener erschien, er kam auf den Ton der Glocke- welche Albert gezogen hatte.

»Tragt diese Blumen in das Vorzimmer oder in das Toilettecabinet,« sagte der Vicomte, »sie belästigen die Frau Gräfin.«

Der Diener gehorchte.

Es trat ein Stillschweigen ein, das die ganze Zeit dauerte, während welcher man diese Ausräumung vornahm.

»Was für ein Name ist Monte Christo?« fragte die Gräfin, nachdem sich der Diener mit der letzten Blumenvase entfernt hatte. »Ist es ein Familienname, der Name von einem Gute oder ein einfacher Titel?«

»Ich glaube, es ist nur ein Titel, meine Mutter. Der Graf hat eine Insel im toscanischen Archipel gekauft und, wie er selbst diesen Morgen sagte, eine Comthurei gegründet. Sie wissen, daß man das so bei dein Sankt-Stephans-Orden in Florenz, bei dem Constantinischen St. Georgen-Orden in Parma und sogar beim Malteser Orden macht. Übrigens bildet er sich nichts auf den Adel ein und nennt sich einen Zufallsgrafen, obgleich in Rom allgemein die Ansicht herrscht, der Graf sei ein sehr vornehmer Herr.«

»Seine Manieren sind ausgezeichnet,« sagte die Gräfin, »wenigstens nach dem, was ich während der wenigen Augenblicke, die er hier geblieben ist, beurteilen konnte.«

»Oh! sie sind ganz vollkommen, meine Mutter, so vollkommen, daß sie bei Weitem Alles übersteigen, was ich Aristokratisches bei den drei stolzesten Adeln Europas, nämlich bei dem englischen Adel, bei dem spanischen Adel und bei dem deutschen Adel kennen gelernt habe.«

Die Gräfin dachte einen Augenblick nach und fuhr dann nach diesem kurzen Zögern fort:

»Mein lieber Albert . . . Du begreifst, es ist eine Mutterfrage, die ich an Dich richte . . . Du hast Herrn von Monte Christo in seinem Hause, in seinem Innern gesehen, Du bist milder Welt vertraut und besitzest mehr Takt, als man in Deinem Alter zu haben pflegt: glaubst Du, daß der Graf wirklich ist, was er zu sein scheint?«

»Und was scheint er zu sein?«

»Du sagtest es so eben, ein vornehmer Herr.«

»Ich sagte Ihnen, man halte ihn dafür.«

»Und was denkst Du davon, Albert?«

»Ich muß gestehen, ich habe keine bestimmte, abgeschlossene Ansicht über ihn; ich halte ihn für einen Malteser.«

»Ich frage Dich nicht über seinen Ursprung, sondern über seine Person.«

»Ah! über seine Person« das ist etwas Anderes; ich habe so viele seltsame Dinge von ihm gesehen, daß ich, wenn ich sagen soll, was ich von ihm denke, Ihnen antworte, ich hätte Lust den Grafen als einen von den Menschen von Byron zu betrachten, denen das Schicksal einen unseligen Stempel ausgedrückt hat, als einen Manfred, einen Werner, als eines von den Trümmern irgend einer alten Familie, welche, ihres väterlichen Vermögen enterbt, ein neues durch die Kraft ihres abenteuerlichen Geistes fanden, der sie über die Gesetze der Gesellschaft stellt.

»Du sagst?«

»Ich sage, Monte Christo ist eine Insel im mittelländischen Meere, ohne Bewohner, ohne Garnison, ein Schlupfwinkel für die Schmuggler aller Nationen, für die Piraten aller Länder. Wer weiß, ob diese würdigen Gewerbsleute ihrem Herrn nicht eine Asylabgabe bezahlen?«

»Es ist möglich,« sprach die Gräfin träumerisch.

»Doch gleichviel,« versetzte der junge Mann, »Schmuggler oder nicht, Sie werden zugestehen, meine Mutter, da Sie es selbst gesehen haben, der Herr Graf von Monte Christo ist ein merkwürdiger Mann und seine Erscheinung in den Salons von Paris wird von dem glänzendsten Erfolg begleitet sein. Schon diesen Morgen hat er bei mir seinen Eintritt in die Welt damit begonnen, daß er sogar Chateau-Renaud in das höchste Erstaunen versetzte.«

»Wie alt kann der Graf sein?« sagte Mercedes, sichtbar ein großes Gewicht auf diese Frage legend.

»Fünf und dreißig bis sechs und dreißig Jahre, meine Mutter.«

»So jung! das ist unmöglich,« sprach Mercedes, zugleich das, was ihr Albert geantwortet, und das, was ihr der eigene Gedanke sagte, erwidernd.

»Es ist dennoch wahr, drei oder viermal äußerte er, und gewiss ohne Vorbedacht: »»Zu jener Zeit war ich fünf Jahre, damals war ich zehn Jahre, zu dieser Epoche war ich zwölf Jahre alt.»Meine Neugierde bewachte diese Einzelheiten, ich stellte die Data zusammen, und nie fand ich einen Widerspruch bei ihm. Das Alter dieses seltsamen Mannes, der eigentlich kein Alter hat, ist also nach meiner festen Überzeugung fünf und dreißig Jahre. Erinnern Sie sich Überdies, meine Mutter, wie lebhaft sein Auge ist, wie seine Haare schwarz sind, und wie seine Stirne, obgleich bleich, völlig von Runzeln frei ist; er besitzt nicht nur eine kräftige, sondern auch eine noch junge Natur.«

Die Gräfin senkte das Haupt unter einer zu schweren Woge bitterer Gedanken.

»Und dieser Mann hat eine Freundschaft für Dich gefaßt, Albert?« fragte sie mit einem Nervenzittern.

»Ich glaube es«

»Und Du liebst ihn ebenfalls?«

»Er gefällt mir, meine Mutter, was auch Franz d’Epinay sagen mag, der ihn als einen aus der andern Welt zurückkommenden Menschen betrachtet wissen wollte.«

Die Gräfin machte eine Bewegung des Schreckens und sprach mit bebender Stimme:

»Albert, stets war ich bemüht, Dir Behutsamkeit gegen neue Bekanntschaften zu empfehlen. Nun bist Du ein Mann und könntest mir Rathschläge geben, dennoch wiederhole ich Dir: sei klug, Albert.«

»Meine liebe Mutter, wenn mir dieser Rath Nutzen bringen sollte, so müßte ich zum Voraus wissen, gegen was ich mein Mißtrauen zu richten hätte. Der Graf spielt nie, der Graf trinkt nur durch einen Tropfen spanischen Wein vergoldetes Wasser, der Graf hat sich als so reich angekündigt, daß er, ohne sich in das Gesicht lachen zu lassen, kein Geld von mir entlehnen könnte: was soll ich also von ihm befürchten?«

»Du hast Recht, meine Furcht ist töricht, besonders da sie einen Mann zum Gegenstand hat, der Dir das Leben rettete. Doch sprich, hat ihn Dein Vater gut aufgenommen? Es ist von Belang, daß wir auf mehr als gutem Fuße mit dem Grafen stehen. Herr von Morcerf ist zuweilen beschäftigt, seine Angelegenheiten machen ihn sorgenvoll, und es könnte sein, daß er, ohne zu wollen . . . «

»Mein Vater war, wie man es nur immer wünschen konnte; ich sage noch mehr, er schien geschmeichelt durch ein paar sehr geschickte Komplimente, welche der Graf ebenso glücklich, als am geeigneten Orte entgleiten ließ, als hätte er ihn seit dreißig Jahren gekannt. Jeder von diesen Lobpfeilen mußte meinen Vater kitzeln,« fügte Albert lachend bei, »sie trennten sich als die besten Freunde der Welt, und Herr von Morcerf wollte ihn sogar in die Kammer mitnehmen, um ihn seine Rede hören zu lassen.«

Die Gräfin antwortete nicht, sie war in eine so tiefe Träumerei versunken, daß sich ihre Augen allmälig geschlossen hatten. Vor ihr stehend, betrachtete sie der junge Mann mit jener Sohnesliebe, welche zärtlicher und inniger bei den Kindern ist, deren Mütter noch schön und jung sind, als er sah, wie sich ihre Augen schlossen, als er sie eine Minute lang in ihrer sanften Unbeweglichkeit atmen hörte und sie entschlummert glaubte, entfernte er sich auf den Fußspitzen und öffnete behutsam die Thüre des Zimmers, in welchem er seine Mutter zurückließ.

»Dieser Teufel von einem Menschen,« murmelte er, den Kopf schüttelnd, »ich prophezeite ihm dort schon, er würde in der Welt Aufsehen machen; ich ermesse die Wirkung seiner Person nach einem untrüglichen Thermometer! Meine Mutter hat ihn bemerkt, folglich muß er wohl merkwürdig sein.«

Und er ging in seinen Stall hinab, nicht ohne einen gewissen geheimen Ärger darüber, daß sich der Graf, ohne nur daran zu denken, ein Gespann erworben hatte, welches seine Braunen im Geiste der Kenner in Numero 2 zurückstellte.

»Die Menschen sind sich offenbar nicht gleich,« sprach er, »ich muß meinen Vater bitten, dieses Theorem in der hohen Kammer zu entwickeln.«

Zweites Kapitel.
Herr Bertuccio

Mittlerweile war der Graf in seiner Wohnung angelangt; er hatte sechs Minuten gebraucht, um den Weg zurückzulegen Diese sechs Minuten genügten, daß er von zwanzig jungen Leuten wahrgenommen wurde, welche, bekannt mit dem Preise des Gespanns, das sie selbst nicht hatten kaufen können, ihre Rasse in Galopp setzten, um den glänzenden Herrn zu sehen, der sich Pferde um 10, 000 Franken das Stück anschaffte.

Das von Ali gewählte Haus, welches als Residenz in der Stadt für Monte Christo dienen sollte, lag rechts, wenn man die Champs-Elysées hinaufgeht, zwischen Hof und Garten. Eine buschreiche Baumgruppe, die sich mitten im Hofe erhob, verbarg einen Teil der Facade; von dieser Gruppe liefen, zwei Armen ähnlich, zwei Alleen ans, welche sich nach rechts und links erstreckend, die Wagen vom Gitter aus zu einer doppelten Freitreppe führten, die auf jeder Stufe eine Porzellanvase voll Blumen trug. Dieses inmitten eines weiten Raumes vereinzelt stehende Haus hatte außer dem Haupteingang noch einen andern Eingang, der sich nach der Rue de Ponthieu öffnete.

Ehe der Kutscher den Portier angerufen hatte, drehte sich schon das massive Gitterthor auf seinen Angeln; man hatte den Grafen kommen sehen. und er wurde in Paris, wie in Rom, wie überall, mit Blitzesschnelligkeit bedient. Der Kutscher fuhr also hinein, beschrieb den Halbkreis, ohne den Gang seiner Pferde im Geringsten zu hemmen, und die Räder trachten noch auf dem Sande der Aller, als bereits das Gitter wieder geschlossen war.

Auf der linken Seite der Freitreppe hielt der Wagen an, zwei Männer erschienen am Schlage: der eine war Ali, welcher seinem Herrn mit unglaublich treuherziger Freude zulächelte und sich durch einen einzigen Blick von Monte Christo bezahlt fand.

Der Andere verbeugte sich in Demuth und reichte dem Grafen den Arm, um ihm aussteigen zu helfen.

»Ich danke, Herr Bertuccio,« sagte der Graf leicht die drei Stufen des Fußtrittes hinab springend, »der Notar?«

»Er wartet im kleinen Salon Exzellenz,« antwortete Bertuccio.

»Und die Visitenkarten, die Sie meinem Befehle gemäß stechen lassen sollten, sobald Sie die Nummer des Hauses wüßten?«

»Es ist bereits geschehen, Herr Graf, ich war bei dem besten Graveur des Palais Royal und ließ ihn die Platte in meiner Gegenwart ausführen; die erste abgezogene Karte wurde, wie Sie befohlen, dem Herrn Baron Danglars, Deputierten Rue de la Chaussée d’Antin N. 7 überbracht, die anderen liegen auf dem Kamin des Schlafzimmers Euerer Exzellenz.

»Gut. Wie viel Uhr ist es?«

»Vier Uhr.«

Monte Christo gab seine Handschuhe, seinen Hut und seinen Stock dem französischen Bedienten, welcher aus dem Vorzimmer des Grafen von Morcerf weggerannt war, um den Wagen herbei zu rufen, und ging dann in den kleinen Salon, geführt von Bertuccio, der ihm den Weg zeigte.

»In diesem Vorzimmer sind armselige Marmorfiguren.« sprach Monte Christo, »ich hoffe, man wird alle diese Dinge wegnehmen.«

Bertuccio verbeugte sich.

Der Notar wartete, wie der Intendant gesagt hatte, im kleinere Salon.

Es war ein ehrliches Schreibersgesicht mit der unstörbaren Würde eines Tabellion aus dem Pariser Weichbild.

»Ist dieser Herr der Notar, der den Auftrag hat, das Landhaus zu verkaufen, welches ich mir erwerben will?« fragte Monte Christo.

»Ja, mein Herr Graf.« antwortete der Notar.

»Ist der Kaufvertrag geschrieben?«

»Ja, mein Herr Graf.«

»Haben Sie ihn mitgebracht?«

»Hier ist er.«

»Vortrefflich. Und wo liegt das Haus, das ich kaufe?« fragte nachläßig Monte Christo, sich halb an Bertuccio, halb an den Notar wendend.

Der Intendant machte eine Gebärde, welche wohl bedeuten sollte: »Ich weiß es nicht.«

Der Notar schaute Monte Christo erstaunt an und rief:

»Wie, der Herr Graf weiß nicht, wo das Haus liegt, das er kauft?«

»Meiner Treue, nein,« sprach der Graf.

»Der Herr Graf kennt es gar nicht.«

»Wie Teufels soll ich es kennen? Ich komme diesen Morgen von Cadix, bin nie in Paris gewesen, ja es ist sogar das erste Mal, daß ich den Boden von Frankreich betrete.«

»Dann ist es etwas Anderes; das Haus, welches der Herr Graf kauft, liegt in Auteuil.«

Bei diesen Worten erbleichte Bertuccio sichtbar.

»Und wo liegt Auteuil?« fragte Monte Christo.

»Nur ein paar Schritte von hier, Herr Graf.« erwiderte der Notar, »etwas hinter Passy in einer reizenden Gegend, mitten im Bois de Boulogne.«

»So nahe!« sprach Monte Christo, »das ist kein Landhaus. Wie Teufels konnten Sie ein Haus am Thore von Paris wählen, Herr Bertuccio?«

»Ich!« rief der Intendant mit seltsamem Eifer; »der Herr Graf hat mich nicht beauftragt, dieses Haus zu wählen; der Herr Graf wolle die Gnade haben, sich zu erinnern, in seinem Gedächtnisse nachzusuchen.«

»Ah! es ist richtig,« sprach Monte Christo, »ich erinnere mich nun, ich habe die Anzeige in irgend einem Blatte gelesen und mich durch den lügnerischen Titel: Landhaus, verführen lassen.«

»Es ist noch Zeit,« sprach Bertuccio lebhaft, »und wenn mich Euere Exzellenz beauftragen will, anderswo zu suchen, so werde ich das Beste finden, was es gibt, mag es nun in Enghien, in Fontenay-aux-Roses oder in Bellevue sein.«

»Meiner Treue. nein,« erwiderte Monte Christo sorglos, »da ich dieses habe, so werde ich es behalten.«

»Und der gnädige Herr hat Recht,« sagte rasch der Notar, der sein Honorar zu Verlieren befürchtete, »es ist ein reizendes Eigentum: fließendes Wasser, Gebüsch, ein, wenn auch seit geraumer Zeit verlassenes, doch äußerst comfortables Wohngebäude, abgesehen von dem Mobiliar, das, so alt es auch ist, doch seinen Wert hat, besonders heut zu Tage, wo man Alterthümer liebt und sucht. Um Vergebung, aber ich glaube, der Herr Graf hat den Geschmack seiner Zeit.«

»Sagen Sie dies immerhin,« sprach Monte Christo; »es ist also anständig?«

»Mehr noch, es ist herrlich.«

»Den Teufel, eine solche Gelegenheit wollen wir nicht versäumen.« rief Monte Christo; »den Vertrag, wenn es beliebt, Herr Notar.«

Und er unterzeichnete rasch, nachdem er einen Blick auf die Stelle geworfen hatte, wo die Lage des Hauses und die Namen der Eigenthümer bezeichnet waren.

»Bertuccio.« sagte er sodann, »geben Sie diesem Herrn fünf und fünfzig tausend Franken.«

Der Intendant ging mit unsicheren Schritten hinaus und lehrte mit einem Päckchen Bankbillets zurück, welche der Notar wie ein Mensch zählte, der gewohnt ist, sein Geld nur nach der gesetzlichen Bereinigung zu empfangen.

»Und nun ist allen Förmlichkeiten Genüge geleistet?« fragte der Graf.

»Allen, mein Herr Graf.«

»Haben Sie die Schlüssel?«

»Sie sind in den Händen des Concierge, der das Haus bewacht; doch hier ist der schriftliche Befehl, den ich an ihn ergehen lasse, den gnädigen Herrn in sein Eigentum einzuweisen.«

»Sehr gut.«

Und Monte Christo machte ein Zeichen mit dem Kopfes welches sagen wollte:

»Gehen Sie, ich bedarf Ihrer nicht mehr.«

»Aber mir scheint,« bemerkte der ehrliche Notar- »der Herr Graf hat sich getäuscht, es beträgt nur fünfzig tausend Franken, Alles mit einbegriffen.«

»Und Ihr Honorar?«

»Ist mittelst dieser Summe bezahlt, mein Herr Graf.«

»Sind Sie nicht von Auteuil hierher gefahren?«

»Allerdings.«

»Nun, so muß ich doch die Störung bezahlen, die ich Ihnen verursacht habe.« sprach der Graf. Und er entließ ihn mit einer Gebärde.

Der Notar ging rückwärts und sich bis auf den Boden verbeugend hinaus; es war das erste Mal, daß er, seit seiner Einschreibung in die Zunft, einen solch Kunden fand.

»Begleiten Sie diesen Herrn,« sprach der Graf zu Bertuccio.

Der Intendant ging hinter dem Notar hinaus.

Kaum war der Graf allein, als er aus seiner Tasche ein Portefeuille mit einem Schlosse zog, das er mit einem Schlüsselchen öffnete, welches er am Halse trug und nie von sich ließ.

Nachdem er einen Augenblick gesucht hatte, verweilte er bei einem Blättchen, worauf einige Notizen standen, verglich diese mit der auf dem Tische liegenden Verkaufsakte, faßte seine Erinnerungen zusammen und sprach:

»Auteuil, Rue de la Fontaine, Numero 28; so ist es: soll ich es nun auf ein durch den religiösen Schrecken oder durch den körperlichen Schrecken entrissenes Geständnis ankommen lassen? In einer Stunde werde ich übrigens Alles erfahren?«

»Bertuccio!« rief er, mit einem Hämmerchen mit biegsamem Stiele auf ein Glöckchen schlagend, das einen scharfen lange anhaltenden Ton von sich gab, »Bertuccio!«

Der Intendant erschien auf der Schwelle.

»Herr Bertuccio,« sprach der Graf, »sagten Sie mir nicht, Sie wären in Frankreich gereist?«

»Ja, Exzellenz, in einigen Teilen von Frankreich.«

»Sie leimen ohne Zweifel die Gegend von Paris?«

»Nein, Exzellenz,« antwortete der Intendant mit einem gewissen Nervenzittern, welches der Graf, ein Kenner von Bewegungen, mit Recht einer heftigen Unruhe zuschrieb.

»Es ist ärgerlich, daß Sie nie die Gegend von Paris besucht haben,« sagte er, »denn ich will noch diesen Abend mein neues Gut in Augenschein nehmen, und wenn Sie mich begleitet hätten, würden Sie mir ohne Zweifel nützliche Auskunft gegeben haben.«

»Auch Auteuil!»rief Bertuccio, dessen kupferfarbiges Gesicht plötzlich leichenblaß wurde. »Ich nach Auteuil gehen!«

»Ei! sagen Sie mir, was ist denn Erstaunliches daran, daß Sie nach Auteuil gehen sollen? Wenn ich in Auteuil wohnen werde, müssen Sie wohl dahin kommen, insofern Sie zum Hause gehören!«

Bertuccio neigte das Haupt vor dem gebieterischen Blicke des Herrn und blieb unbeweglich und ohne zu antworten.

»Was ist Ihnen denn? Sie lassen mich zum zweiten Male uni den Wagen läuten?« rief Monte Christo mit dem Tone, in welchem Ludwig XIV. das bekannte: »Ich habe warten müssen!« aussprach.

Bertuccio machte nur einen Sprung von dem kleinen Salon in das Vorzimmer und schrie mit einer heiseren Stimme:

»Die Pferde Seiner Exzellenz!«

Monte Christo schrieb ein paar Briefe; als er den letzten versiegelte, erschien der Intendant wieder und meldete:

»Der Wagen Seiner Exzellenz steht vor der Thüre.

»Wohl, so nehmen Sie Ihre Handschuhe und Ihren Hut.« sagte Monte Christo.

»Soll ich mit dem Herrn Grafen fahren?« rief Bertuccio.

»Allerdings, Sie müssen Ihre Befehle geben, da ich dieses Haus zu bewohnen gedenke.«

Es gab kein Beispiel, daß man einem Befehle des Grafen widersprochen hatte; der Intendant folgte auch, ohne eine Einwendung zu machen, seinem Herrn, welcher in den Wagen stieg und ihn durch ein Zeichen dasselbe tun hieß.

Der Intendant nahm seinen Platz ehrfurchtsvoll auf dem Vordersitz.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1870 s. 17 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain