Kitabı oku: «Der Graf von Monte Christo», sayfa 64
Zehntes Kapitel.
Heiratspläne
Am andern Tage nach dieser Szene, zu der Stunde welche Debray zu wählen pflegte, um Madame Danglars auf dem Wege nach seinem Bureau einen kleinen Besuch zu machen, erschien sein Coupé nicht im Hofe.
Zu derselben Standes das heißt, gegen halb zwei Uhr, verlangte Madame Danglars nach ihrem Wagen und fuhr aus.
Danglars hatte hinter dem Fenster stehend dieses Ausfahren, welches er erwartete, beobachtet. Er gab Befehl, ihn zu benachrichtigen, sobald Madame Danglars wieder erscheinen würde; doch um zwei Uhr war sie noch nicht zurückgekehrt
Um zwei Uhr forderte er seine Pferde, begab sich in die Kammer und ließ sich einschreiben, um gegen das Budget zu sprechen.
Von Mittag bis zwei Uhr war Danglars in seinem Cabinet geblieben, wo er Depechen entsiegelte, immer düsterer wurde, Ziffern auf Ziffern häufte, und unter anderen Besuchen auch den des Major Cavalcanti empfing, der stets gleich blau. gleich steif und gleich pünktlich zu der am Tage vorher bezeichneten Stunde sich einfand, um seine Angelegenheit mit dem Banquier abzumachen.
In der Kammer gab Danglars Zeichen heftiger Aufregung von sich und war herber und bitterer gegen das Ministerium, als je: als er die Sitzung verließ, stieg er wieder in seinen Wagen und befahl dem Kutscher, ihn nach der Avenue des Champs-Elysées zu führen.
Monte Christo war zu Hause, nur befand sich Jemand bei ihm, und er bat Danglars, einen Augenblick im Salon zu warten.
Während der Banquier wartete, öffnete sich die Thüre, und er sah einen als Abbé gekleideten Mann eintreten, der statt zu warten wie er, ohne Zweifel vertrauter in dem Hause, ihn grüßte, in das Innere der Gemächer ging und verschwand.
Einen Augenblick nachher öffnete sich die Thüre, durch welche der Priester eingetreten war, abermals, und Monte Christo erschien.
»Verzeihen Sie, lieber Baron,« sagte er, »einer von meinen Freunden, der Abbé Busoni, den Sie hier durchgehen sehen konnten, ist so eben in Paris angekommen; wir waren seit langer Zeit getrennt und ich hatte nicht den Mut, ihn sogleich zu verlassen: ich hoffe in Rücksicht auf den Beweggrund werden Sie mich entschuldigen.«
»Wie!,« rief Danglars- »das ist ganz einfach, ich habe meine Zeit schlecht gewählt und entferne mich.«
»Keines Wegs, setzen Sie sich im Gegenteil, doch guter Gott! was haben Sie denn? Sie sehen ganz sorgenvoll aus, in der Tat, Sie erschrecken mich: ein betrübter Kapitalist ist wie die Kometen, er weissagt der Welt stets ein großes Unglück.«
»Mein Herr, das Unglück ruht seit ein paar Tagen auf mir und ich erfahre nur Schlimmes,« antwortete Danglars.
»Mein Gott, haben Sie einen Umschlag an der Börse erlebt?«
»Nein, davon bin ich geheilt, wenigstens auf einige Tage; es handelt sich ganz einfach für mich um einen Bankerott in Triest.«
»Wirklich? Sollte Ihr Bankerottirer zufällig Jacopo Manfredi sein?«
»Ganz richtig! Denken Sie sich einen Menschen, der, ich weiß nicht seit wie langer Zeit, für acht bis neunmal hundert tausend Franken Geschäfte jährlich mit mir macht. Nie ein Verrechnen, nie eine Zögerung; ein Bursche, welcher bezahlte wie ein Fürst . . . der bezahlt. Ich lasse mich auf einen Voraus von einer Million mit ihm ein, und mein Teufel von einem Jacopo Manfredi stellt seine Zahlungen ein!«
»Wirklich?«
»Das ist ein unerhörtes Unglück. Ich ziehe auf ihn sechsmal hundert tausend Livres, welche mir unbezahlt zurückkommen; mehr noch! ich bin der Inhaber von viermal hunderttausend Franken Wechsel von ihm unterzeichnet und zahlbar Ende dieses bei seinem Correspondenten in Paris. Wir haben den dreißigstem ich schicke hin, um einkassieren zu lassen, ah ja wohl! der Correspondent ist verschwunden. Mit meiner spanischen Angelegenheit macht das mir einen schönen Monatsschluß.«
»Sagen Sie, ist Ihre spanische Angelegenheit wirklich ein Verlust?«
»Allerdings, nicht weniger als siebenmal hunderttausend Franken aus meiner Kasse.«
»Wie Teufels kam es, daß Sie, ein alter Fuchs eine solche Schule durchmachen mußten?«
»Es ist der Fehler meiner Frau. Es träumte ihr, Don Carlos wäre nach Spanien zurückgekehrt; sie glaubt an Träume. Es sei Magnetismus, sagt sie, und wenn sie irgend eine Sache träumt, so muß diese, wie sie versichert, notwendig eintreffen. Auf ihre Überredung verspreche ich ihr zu spielen; sie hat ihre Cassette und ihren Wechselagenten, sie spielt und verliert. Es ist allerdings nicht mein Geld, sondern das ihrige, um was sie spielt. Doch gleich, sie Sie begreifen, wenn siebenmal hundert tausend Franken aus der Tasche der Frau gehen, so merkt es der Mann immer ein wenig. Wie! Sie wußten das nicht? Die Sache hat doch ungeheures Aussehen gemacht.«
»Ich habe davon sprechen hören, kannte aber die einzelnen Umstände nicht, auch bin ich im höchsten Maaße unwissend in allen Börsenangelegenheiten.«
»Sie spielen also nicht?«
»Seht wie soll ich spielen? ich, der ich bereits Mühe genug habe, um meine Einkünfte zu ordnen. Ich wäre genötigt, außer meinem Intendanten, noch einen Commis und einen Kassengehilfen zu nehmen. Doch was Spanien betrifft . . . mir scheint, die Frau Baronin hat die Rückkehr von Don Carlos nicht völlig geträumt, sagten nicht die Zeitungen etwas hiervon?«
»Sie glauben also den Zeitungen?«
»Ich, nicht im Geringsten, doch es kam mir vor, als machte der ehrliche Messager eine Ausnahme von der Regel, und als veröffentlichte er nur die gewissen Nachrichten, die telegraphischen Nachrichten.«
»Das ist gerade das Unerklärliche, daß diese Rückkehr von Don Carlos wirklich eine telegraphische Nachricht war.«
»Somit verlieren Sie diesen Monat ungefähr siebzehn mal hundert tausend Franken?«
Es gibt hier kein ungefähr, denn es ist dies genau der Betrag meines Verlustes.«
»Teufel! für ein Vermögen dritten Ranges ist dies ein Schlag,« sprach Monte Christo vergleichend.
»Dritten Ranges,« entgegnete Danglars etwas gedemütigt; was verstehen Sie darunter?«
»Ich mache drei Kategorien bei den Vermögen: Vermögen ersten Rangs, Vermögen zweiten Rangs, Vermögen dritten Rangs. Ich nenne Vermögen ersten Rangs diejenigen, welche aus Schätzen bestehen, die man unter der Hand hat, die Ländereien, die Bergwerke, die Einkünfte aus Staaten, wie Frankreich, Oesterreich und England, vorausgesetzt, daß diese Schätze, diese Bergwerke, diese Einkünfte eine Gesamtsumme von etwa hundert Millionen bilden; ich nenne Vermögen zweiten Ranges die Ausbeutungen von Manufacturen, die Unternehmungen durch Association, die Vicekönigreiche und die Fürstenthümer, welche nicht über fünfzehnmal hunderttausend Franken Einkünfte haben: ich nenne endlich Vermögen dritten Ranges, die durch zusammengesetzte Interessen nutzbaren Kapitalien, die von dem Willen eines Andern oder von den Chancen des Zufalls abhängenden Gewinne, die ein Bankerott beschneidet und eine telegraphische Nachricht erschüttert, die Banken, die eventuellen Speculationen, die Operationen, welche den Wechselfällen des Schicksals unterworfen sind, das man die niedrige Gewalt im Vergleich mit der höheren Gewalt nennen könnte, welche die natürliche Gewalt ist; wobei das Ganze ein eingebildetes wirklichen Kapital von etwa fünfzehn Millionen bildet. Ist das nicht so ungefähr Ihre Lage?«
»Bei Gott, ja!«
»Daraus geht hervor,« fuhr Monte Christo mit unstörbarer Ruhe fort, »daraus geht hervor, daß ein Haus dritten Rangs mit sechs Monatsschlüssen, wie dieser, im Todeskampfe läge.«
»Oh! wie rasch Sie zu Werke gehen!« versetzte Danglars mit einem sehr bleichen Lächeln.
»Setzen wir sieben Monate,« sprach der Graf mit demselben Tone. »Sagen Sie mir, haben Sie zuweilen daran gedacht, daß siebenmal siebzehn mal hunderttausend Franken ungefähr zehn Millionen machen? Nein . . . Nun, Sie haben Recht. denn bei der gleichen Betrachtungen würde man nie seine Kapitalien einsetzen, welche für den Finanzmann ungefähr das sind, was für den zivilisierten Menschen die Haut ist. Wir haben unsere mehr oder minder kostbaren Kleider, das ist unser Credit; doch wenn der Mensch stirbt, hat er nur seine Haut, wie Sie, wenn Sie aus den Geschäften austreten, nur Ihr wirkliches Gut, bestehend in höchstens fünf oder sechs Millionen, haben: denn die Vermögen dritten Ranges stellen kaum das Drittel oder Viertel ihres Anscheins dar, wie die Lokomotive einer Eisenbahn mitten unter dem Rauche, der sie umgibt und verdickt, stets nur eine mehr oder minder starke Maschine ist. Von diesen fünf bis sechs Millionen, welche Ihr wirkliches Aktivvermögen bilden, haben Sie in jüngster Zeit ungefähr zwei verloren, welche eben sowohl Ihr eingebildetes Vermögen, als Ihren Credit vermindern; das heißt, mein lieber Herr Danglars, Ihre Haut ist durch einen Aderlaß geöffnet worden, der, viermal wiederholt, den Tod nach sich ziehen würde. Ei! Ei! nehmen Sie sich in Acht, Herr Danglars. Brauchen Sie Geld, soll ich Ihnen leihen?«
»Was für ein schlechter Rechner sind Sie,« sprach Danglars, seine ganze Philosophie und seine ganze Verstellungsgabe zu Hilfe rufend; »zu dieser Stunde ist das Geld durch andere Speculationen, welche mir gelungen sind, wieder in meine Kasse zurückgeflossen; das durch den Aderlaß abgegangene Blut hat sich durch die Nahrung wieder ersetzt. Ich habe eine Schlacht in Spanien verloren, ich bin in Triest geschlagen worden, doch meine Kriegsflotte in Indien wird wohl einige Gallonen genommen haben, und meine Bergleute in Mexico entdeckten wohl eine Mine.«
»Sehr gut! sehr gut! doch die Narbe bleibt und öffnet sich wieder bei dem ersten Verluste.«
»Nein, ich habe es mit Gewißheiten zu tun,« fuhr Danglars mit der Alltagsberedsamkeit des Charlatan fort, in dessen Stand es liegt, seinen Credit herauszustreichen; »nur mich zu stürzen, müßten drei Regierungen untergehen.«
»Bei Gott! das hat man schon gesehen.«
»Es müßte der Erde an Ernten mangeln.«
»Erinnern Sie sich der sieben fetten und der sieben mageren Kühe.«
»Oder es müßte sich das Meer zurückziehen, wie zur Zeit von Pharao; auch gibt es verschiedene Meere und meine Schiffe hätten sich nur in Karavanen zu verwandeln.«
»Desto besser, tausendmal besser, mein lieber Herr Danglars,« sprach Monte Christo, »ich sehe, daß ich mich getäuscht habe, und daß Sie zu den Vermögen zweiten Ranges gelangen werden.«
»Ich glaube auf diese Ehre Anspruch machen zu können,« sprach Danglars mit jenem stereotypen Lächeln, das auf Monte Christo den Eindruck der teigichten Mondscheine machte, mit denen schlechte Maler ihre Ruinen anstreichen; »doch da wir von Geschäften reden,« fügte er entzückt, einen Grund zur Veränderung des Gespräches zu finden, bei, »sagen Sie mir doch ein wenig, was ich für Herrn Cavalcanti tun kann.«
»Geben Sie ihm Geld, wenn er einen Credit auf Sie hat und dieser Credit Ihnen gut scheint.«
»Vortrefflich! er hat ich diesen Morgen bei mir eingefunden mit einer Anweisung von vierzig tausend Franken, zahlbar nach Sicht, auf Sie, unterzeichnet Busoni, und durch Sie mit Ihrem Indossement an mich zurückgeschickt; Sie begreifen, daß ich ihm auf der Stelle seine vierzig Billets ausbezahlte.«
Monte Christo machte mit dem Kopfe ein Zeichen, das seine ganze Beipflichtung andeutete.
»Doch das ist noch nicht Alles,« fuhr Danglars fort; »er hat seinem Sohne bei mir einen Credit eröffnet.«
»Sagen Sie, wie viel gibt er dem jungen Manne, wenn ich, ohne unbescheiden zu sein, fragen darf?«
»Fünf tausend Franken monatlich.«
»Sechzig tausend Franken jährlich. Ich vermutete es,« sagte Monte Christo die Achseln zuckend. »die Cavalcanti sind Filze. Was soll der junge Mann mit fünf tausend Franken monatlich machen?«
»Sie begreifen, wenn er ein paar tausend Franken mehr braucht . . . «
»Thun Sie das nicht, der Vater würde Sie nicht entschädigen; Sie kennen nicht alle die ultramontanen Millionäre, es sind wahre Harpagons. Und durch wen ist dieser Credit eröffnet worden.«
»Oh! durch das Haus Fenzi, eines der besten in Florenz.«
»Ich bin weit entfernt zu sagen, Sie werden verlieren, doch halten Sie sich genau an den Buchstaben des Creditbriefes.«
»Sie hätten also kein Vertrauen zu diesem Cavalcanti?«
»Ich würde ihm sechs Millionen auf seine Unterschrift geben. Das gehört zu den Vermögen zweiten Ranges, wovon ich so eben sprach, mein lieber Herr Danglars.«
»Und wie einfach ist er dabei! Ich hätte ihn für einen Major gehalten und für nicht mehr.«
»Und Sie würden ihm eine Ehre angetan haben, denn in der Tat, er besticht nicht durch sein Aussehen. Als ich ihn um ersten Male sah, machte er auf mich den Eindruck eines alten, unter der Contreépaulette verschimmelten Lieutenant. Doch alle Italiener sind so, sie gleichen alten Juden, wenn sie nicht wie die Magier des Orients blenden.«
»Der junge Mann sieht besser aus,« sprach Danglars.
»Ja. Vielleicht ein wenig schüchtern, doch im Ganzen kam er mir anständig vor. Ich war darüber in Unruhe.«
»Warum?«
»Weil Sie ihn in meinem Hause, wenigstens wie er mir sagte, beinahe bei seinem Eintritte in die Welt gesehen haben. Er reiste mit einem sehr strengen Hofmeister und war nie in Paris.«
»Alle diese Italiener von Stand haben die Gewohnheit, sich unter einander zu verheiraten, nicht wahr?« fragte mit nachlässigem Tone Danglars; »sie lieben es, ihre Reichtümer zu vereinigen.«
»Gewöhnlich machen sie es allerdings so; doch Cavalcanti ist ein Original und tut nichts wie die Anderen. Ich lasse es mir nicht nehmen, daß er seinen Sohn nach Frankreich schickt, damit er hier eine Frau findet.«
»Sie glauben?«
»Ich bin dessen gewiss.«
»Und Sie haben von seinem Vermögen sprechen hören?«
»Dies ist nur die Frage: die Einen gestehen ihm Millionen zu, die Anderen behaupten, er besitze keinen Paul.«
»Und was ist Ihre Meinung?«
»Darauf können Sie sich nicht stützen, denn sie ist ganz persönlich.«
»Und Sie glauben . . . «
»Ich glaube, daß alle diese alten Podestas. Alle diese ehemaligen Condottieri, denn die Cavalcanti haben Heere befehligt und Provinzen regiert, ich glaube, sage ich, daß sie Millionen in Winkeln vergraben haben, die nur ihre Erstgeborenen kennen und wiederum ihren Erstgeborenen von Geschlecht zu Geschlecht offenbaren: als Beweis hierfür dient, daß sie insgesamt gelb und vertrocknet sind, wie ihre Gulden aus der Zeit der Republik, von denen sie einen Reflex durch das viele Anschauen bewahren.«
»Vortrefflich,« rief Danglars, »und dies ist umso mehr wahr, als man von allen diesen Leuten nicht weiß, daß sie einen Zoll Landes besitzen.«
»Mindestens sehr wenig, ich weiß es wohl, denn ich kenne von diesem Cavalcanti nur seinen Palast in Lucca.«
»Ah, er hat einen Palast!« sprach lachend Danglars, »das ist schon etwas.«
»Ja, und er vermiethet ihn noch an den Minister der Finanzen, während er selbst in einem kleinen Häuschen wohnt. Oh! ich habe es Ihnen gesagt, ich halte diesen Menschen für einen großen Geizhals.«
»Sie schmeicheln ihm nicht.«
»Hören Sie, ich kenne ihn kaum und habe ihn höchstens dreimal in meinem Leben gesehen, was ich weiß, weiß ich von dem Abbé Busoni und von ihm selbst. Er sprach diesen Morgen mit mir über seine Projecte in Beziehung auf seinen Sohn und ließ durchblicken, daß er müde in Italien, was ein totes Land ist, beträchtliche Fonds schlummern zu sehen, ein Mittel zu finden wünsche, um entweder in Frankreich oder in England seine Millionen nutzbar zu machen; doch wollen Sie immerhin bemerken, daß ich für nichts stehe, obschon ich zu dem Abbé Busoni persönlich das größte Zutrauen hege.«
»Gleichviel, ich danke Ihnen für den Kunden, den Sie mir zuschickten; ich habe einen hübschen Namen in meine Register einzutragen, und mein Kassier, dem ich erklärte, wie es mit diesen Cavalcanti steht, ist ganz stolz darauf. Doch sagen Sie, es ist dies nur eine einfache Touristenfrage, geben diese Leute ihren Söhnen, wenn sie dieselben verheiraten, eine Mitgift?«
»Ei, mein Gott! je nachdem. Ich kannte einen italienischen Fürsten, so reich wie ein Goldbergwerk, einen der ersten Namen von Toscana; verheirateten sich seine Söhne nach seinem Gefallen, so gab er ihnen Millionen, verheirateten sie sich gegen seinen Willen, so beschränkte er sich darauf, ihnen eine Rente von dreißig Thalern monatlich auszusetzen. Nehmen wir an, Andrea verheirate sich nach den Ansichten seines Vaters, so wird er ihm vielleicht eine, zwei, drei Millionen geben. Wäre es z. B. Mit der Tochter eines Banquier, so würde er wohl Anteil an dem Hause des Schwiegervaters seines Sohnes nehmen. Setzen Sie dagegen, seine Söhnerin mißfalle ihm: guten Abend, der Vater Cavalcanti steckt den Schlüssel in seine Kasse, dreht ihn zweimal um, und Meister Andrea ist genötigt, wie ein minderjähriger Pariser, dadurch zu leben, daß er die Karten zeichnet und die Würfe kneipt.«
»Der Junge wird eine baierische oder eine peruanische Prinzessin finden; er wird eine geschlossene Krone, ein Eldorado haben wollen.«
»Nein, alle diese vornehmen Herren von der anderen Seite der Berge heiraten häufig einfache Sterbliche; sie sind wie Jupiter, sie lieben es, die Racen zu kreuzen. Doch sagen Sie, wollen Sie Andrea verheiraten, mein lieber Herr Danglars, daß Sie alle diese Fragen an mich stellen?«
»Meiner Treue, das scheint mir keine schlechte Speculation zu sein, und ich bin ein Speculant.«
»Aber ich denke, nicht mit Fräulein Danglars? Sie wollen ohne Zweifel nicht den armen Andrea durch Albert erdrosseln lassen?«
»Albert,« versetzte Danglars die Achseln zuckend, »ah! ja wohl, er kümmert sich etwas darum.«
»Doch er ist der Verlobte Ihrer Tochter, wie ich glaube?«
»Das heißt, Herr von Morcerf und ich sprachen zuweilen von dieser Heirat, aber Frau von Morcerf und Albert . . . «
»Wollen Sie mir nicht sagen, dieser sei keine gute Partie?«
»Ei, ei, Fräulein Danglars ist, wie mir scheint, wohl so viel wert als Herr von Morcerf.«
»Die Mitgift von Fräulein Danglars wird in der Tat schön sein, daran zweifle ich nicht, besonders, wenn der Telegraph keine neue Thorheiten begeht.«
»Oh! es handelt sieh nicht allein um die Mitgift; doch sagen Sie mir bei dieser Gelegenheit . . . «
»Was?«
»Warum haben Sie Morcerf und seine Familie nicht zu Ihrem Mittagsmahle eingeladen?«
»Ich habe dies wohl getan, doch er entschuldigte sich mit einer Reise nach Dieppe mit Frau von Morcerf, der man die Seeluft geraten hat.«
»Ja, ja,« sprach Danglars lachend, »sie muß ihr gut bekommen.«
»Warum dies?«
»Weil es die Luft ist, die sie in ihrer Jugend einatmete.«
Monte Christo ließ diesen Witz vorübergehen, ohne daß es schien, als schenkte er ihm Aufmerksamkeit.
»Aber wenn Albert auch nicht so reich ist, als Fräulein Danglars,« sagte der Graf, »so können Sie doch nicht leugnen, daß er einen schönen Namen führt?«
»Eo mag sein, übrigens ist mir der meinige ebenso lieb.«
»Allerdings, Ihr Name ist volksthümlich, und er hat den Titel geschmückt, mit dem man ihn zu schmücken glaubte; Sie sind jedoch ein zu gescheiter Mann, um nicht begriffen zu haben, daß nach gewissen Vorurteilen, welche zu mächtig eingewurzelt sind, als daß man sie auszureißen vermöchte, der Adel von fünf Jahrhunderten mehr gilt, als der von zwang Jahren.«
»Und gerade darum,« versetzte Danglars mit einem Lächeln, das er sardonisch zu machen suchte, »gerade darum würde ich Herrn Andrea Cavalcanti Herrn Albert von Morcerf vorziehen.«
»Ich denke die Morcerf stehen den Cavalcanti nicht nach,« entgegnete Monte Christo.
»Die Morcerf! . . . Hören Sie, mein lieber Graf, nicht wahr, Sie sind ein wackerer Mann?«
»Ich glaube eo wenigstens,«
»Und auch ein Kenner von Wappen?«
»Ein wenig.«
»Nun wohl! schauen Sie die Farbe des meinigen an; sie ist haltbarer als die vom Wappen von Morcerf.«
»Warum dies?«.
»Weil ich, wenn ich auch nicht Baron von Geburt bin, doch wenigstens Danglars heiße.«
»Hernach?«
»Während er nicht Morcerf heißt.«
»Wie, er heißt nicht Morcerf?«
»Keines Wegs.«
»Gehen Sie doch!«
»Mich hat Jemand zum Baron gemacht, und somit bin ich es; er hat sich ganz allein zum Grafen gemacht und somit ist er es nicht.«
»Unmöglich.«
»Hören Sie, mein lieber Graf,« fuhr Danglars fort, »Herr von Morcerf ist mein Freund, oder vielmehr mein Bekannter seit dreißig Jahren; ich gebe, wie Sie wissen, mein Wappen wohlfeil, insofern ich nie vergessen habe, woher ich abstamme.«
»Das ist der Beweis von einer großen Demuth oder von einem großen Stolze,« sprach Monte Christo.
»Wohl! als ich noch ein kleiner Commis war, war Morcerf ein einfacher Fischer.«
»Und er hieß damals?«
»Fernand.«
»Nur ganz kurz?«
»Fernand Mondego.«
»Wissen Sie das gewiss?«
»Er hat, bei Gott Fische genug an mich verkauft, daß ich ihn kenne.«
»Warum würden Sie ihm dann Ihre Tochter geben?«
»Weil Fernand und Danglars, Beide geadelte, Beide reich gewordene Emporkömmlinge, im Ganzen von gleichem Werte sind, abgesehen jedoch von gewissen Dingen die man von ihm gesagt und nie von mir gesagt hat?«
»Was denn?«
»Nichts.«
»Ah! ja, ich begreife; was Sie hier sprechen, frischt mein Gedächtnis in Beziehung auf den Namen Fernand Mondego auf.. Ich habe diesen Namen in Griechenland gehört.«
»In Betreff der Angelegenheit von Ali Pascha?«
»Ganz richtig,«
»Das ist eben das Geheimnis,« versetzte Danglars, »und ich gestehe, ich hätte viel gegeben, um es zu entdecken.«
»Das wäre nicht schwierig, wenn Sie große Lust dazu hätten.«
»Wie dies?«
»Ohne Zweifel haben Sie einen Correspondenten in Griechenland?«
»Ganz gewiss!«
»In Janina?«
»Ich habe überall.«
»Gut, so schreiben Sie an Ihren Correspondenten in Janiua und fragen Sie ihn, welche Rolle in der Katastrophe von Ali Tependelini ein Franzose Namens Fernand gespielt habe.«
»Sie haben Recht!« rief Danglars rasch aufstehend; »ich werde noch heute schreiben.«
»Thun Sie dies. Und wenn Sie irgend eine sehr ärgerliche Nachricht bekommen . . . «
»So teile ich Ihnen dieselbe mit.«
»Sie werden mir ein Vergnügen bereiten.«
Danglars eilte aus dem Zimmer und machte gleichsam nur einen Sprung in den Wagen.
