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Kitabı oku: «Der Graf von Monte Christo», sayfa 73

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Zweites Kapitel.
Die Fortschritte von Herrn Cavalcanti Sohn

Herr Cavalcanti Vater war indessen abgereist, um seinen Dienst wieder anzutreten, nicht in der Armee Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich, sondern an der Roulette der Bäder von Lucca, zu deren eifrigsten Höflingen er gehörte. Es versteht sich von selbst, daß er mit der gewissenhaftesten Pünktlichkeit bis auf den letzten Paol die Summe, die ihm für seine Reisen und als Belohnung für die majestätische Art und Weise, wie er seine Vaterrolle gespielt, angewiesen wurde, mitgenommen hatte.

Andrea erbte bei dieser Abreise alle Papiere, welche bestätigten, daß er wirklich die Ehre hatte, der Sohn des Marchese Bartolomeo und der Marchesa Oliva Corsinari zu sein.

Er hatte also gleichsam geankert in dieser Pariser Gesellschaft, welche so leicht die Fremden aufnimmt und sie nicht nach dem behandelt, was sie sind, sondern nach dem, was sie sein wollen.

Was verlangt man übrigens von einem jungen Manne in Paris? Daß er so ungefähr seine Sprache spricht, anständig gekleidet ist, gut spielt und in Gold bezahlt.

Es versteht sich, daß man noch minder schwierig ist gegen einen Fremden, als gegen einen Pariser.

Andrea nahm also nach vierzehn Tagen eine ziemlich hübsche Stellung ein; man nannte ihn den Herrn Grafen, man sagte, er hätte fünfzigtausend Franken Rente, und sprach von den ungeheuren Schätzen seines Vaters, welche in den Steinbrüchen von Saravezza vergraben sein sollten.

Ein Gelehrter, in dessen Gegenwart man des letzteren Umstandes als einer Tatsache erwähnte, erklärte, er habe die fraglichen Steinbrüche gesehen, was ein großes Gewicht den bis dahin im Zweifel schwebenden Behauptungen verlieh, die nun die Kraft der Wirklichkeit erhielten.

Man war so weit in dem Kreise der Pariser Gesellschaft, in welche wir unsere Leser eingeführt haben, als Monte Christo eines Abends einen Besuch bei Herrn Danglars machte. Herr Danglars war ausgegangen, ober man schlug dem Grafen vor, ihn bei der Baronin einzuführen, welche sichtbar wäre, was er annahm.

Seit dem Mittagsmahle in Auteuil und den Ereignissen in Folge davon, hörte Madame Danglars den Namen Monte Christo nie ohne ein gewisses Nervenzittern aussprechen. Folgte die Gegenwart des Grafen nicht auf das Geräusch seines Namens, so wurde die schmerzliche Empfindung noch viel heftiger; erschien der Graf im Gegenteil, so zerstreuten sein offenes Gesicht, seine glänzenden Augen, seine Liebenswürdigkeit, seine Höflichkeit bald bei Madame Danglars den letzten Eindruck von Furcht; es kam der Baronin unmöglich vor, daß ein auf seiner Oberfläche so freundlicher, so liebreicher Mann schlimme Absichten gegen sie hegen sollte; überdies können die verdorbensten Herzen nur an das Böse glauben, wenn sie es auf irgend einem Interesse beruhen lassen; das unnütze Böse, das Böse ohne Ursache widerstrebt als eine Anomalie.

Als Monte Christo in das Boudoir trat, in das wir bereits einmal unsere Leser eingeführt haben, und wo die Baronin mit unruhigem Auge Zeichnungen betrachtete, welche ihr von ihrer Tochter dargeboten wurden, nachdem sie dieselben mit Herrn Cavalcanti Sohn beschaut hatte, brachte seine Gegenwart die gewöhnliche Wirkung hervor, und die Baronin empfing, Anfangs durch seinen Namen ein wenig erschüttert, den Grafen mit einem Lächeln.

Dieser umfaßte seinerseits die ganze Szene mit einem Blicke.

Neben der Baronin, halb auf einer Causeuce liegend, war Eugenie, Cavalcanti stand vor ihr.

Schwarz gekleidet wie ein Held von Goethe, mit gefirnißten Schuhen und durchbrochenen seidenen Strümpfen, fuhr Cavalcanti mit einer ziemlich weißen und gepflegten Hand in seine blonden Haare, unter denen ein Diamant funkelte, denn trotz des Rathes von Monte Christo, hatte der eitle junge Mann dem Verlangen, einen kostbaren Ring an seinen Finger zu stecken, nicht widerstehen können.

Diese Bewegung war begleitet von mörderischen Blicken auf Fräulein Danglars geworfen, und von Seufzern an dieselbe Adresse abgeschickt, wie die Blicke.

Fräulein Danglars war immer gleich, das heißt, schön, kalt und spöttisch. Keiner von diesen Blicken, keiner von diesen Seufzern entging ihr; doch man hätte glauben sollen, sie glitten an dem Panzer der Minerva ab, an dem Panzer, welcher, wie einige Philosophen behaupten, zuweilen die Brust von Sapho bedeckt,

Eugenie begrüßte den Grafen kalt, und benützte das erste Geräusch der Unterhaltung, um sich in ihr Studierzimmer zurückzuziehen, wo bald zwei lachend und klangvoll sich ausströmende Stimmen, vermischt mit den ersten Accorden eines Piano, dem Grafen von Monte Christo andeuteten, daß Fräulein Danglars seiner Gesellschaft und der von Herrn Cavalcanti die von Fräulein Louise d’Armilly, ihrer Gesangslehrerin, vorgezogen hatte.

Während der Graf mit Madame Danglars plauderte und ganz von den Reizen der Unterhaltung eingenommen schien, bemerkte er doch die Unruhe von Herrn Andrea Cavalcanti und die Art, wie er, um auf die Musik zu horchen, an die Thüre ging, deren Schwelle er nicht zu überschreiten wagte, und wie er seine Bewunderung äußerte.

Bald kehrte der Banquier zurück. Sein erster Blick galt allerdings Monte Christo, doch sein zweiter Andrea.

Seine Frau grüßte er auf die Weise, wie gewisse Ehemänner ihre Frauen grüßen, wovon sich Junggesellen nur einen Begriff machen können, wenn einmal ein sehr umfassender Codex über die Verhältnisse des Ehestands erschienen ist.

»Haben Sie die Fräulein nicht eingeladen, Musik mit ihnen zu machen?« fragte Danglars Andrea.

»Ach! nein, mein Herr,« antwortete Andrea mit einem Seufzer, der noch merkwürdiger war, als die andern.

Danglars ging sogleich nach der Zwischenthüre und öffnete sie.

Man sah nun die zwei Mädchen auf demselben Sitze neben einander vor dem Piano. Sie accompaguirten jede mit einer Hand, eine Übung, an welche sie sich aus Laune gewöhnt hatten, und worin sie eine merkwürdige Stärke besaßen.

Fräulein d’Armilly, in welcher man nun mit Eugenie durch den Rahmen der Thüre eines von jenen lebenden Gemälden erblickte, wie man sie häufig in Deutschland macht, war von einer interessanten Schönheit, oder vielmehr von ausgesuchter Zierlichkeit. Es war eine kleine, feenartig schlanke und blonde Frau, mit langen, gelockten Haaren, welche auf einen etwas zu gestreckten Hals fielen, auf einen Hals, wie ihn zuweilen Perugino seinen Jungfrauen gegeben hat, und mit Augen, verschleiert durch die Müdigkeit. Mau sagte, sie hätte eine schwache Brust und würde wie die Antonia der Cremoneser Geige eines Tages beim Singen sterben.

Monte Christo tauche in dieses Frauengemach einen raschen, neugierigen Blick; er sah zum ersten Male Fräulein d’Armilly, von der er so oft im Hause hatte sprechen.hören.

»Nun!« fragte der Banquier seine Tochter, »wir sind ausgeschlossen?«

Dann führte er den jungen Mann in den kleinen Salon, und, war es nun Zufall, war es Geschicklichkeit, hinter Andrea wurde die Thüre so zugestoßen, daß von dem Orte, wo sie saßen, Monte Christo und die Baronin nichts mehr sehen konnten; da der Banquier Andrea gefolgt war, so schien Madame Danglars diesen Umstand nicht einmal zu bemerken.

Bald hernach horte der Graf die Stimme von Andrea bei den Accorden des Klaviers erklingen, das ein corsisches Lied begleitete.

Während der Graf lächelnd auf dieses Lied horchte, das ihn Andrea vergessen machte, um ihn an Benedetto zu erinnern, rühmte Madame Danglars Monte Christo die Seelenstärke ihres Mannes, der an demselben Morgen bei einem Bankerott in Mailand abermals drei bis viermal hundert tausend Franken verloren hatte.

Und dieses Lob war in der Tat verdient, denn wenn es der Graf nicht durch die Baronin oder durch eines von den Mitteln, die ihm zu Gebot standen, um Alles zu erfahren, gewußt hätte, so würde ihm das Gesicht des Barons kein Wort davon gesagt haben.

»Gut!« dachte Monte Christo, »er ist bereits so weit, daß er verbirgt, was er verliert, während er sich vor einem Monat seiner Verluste rühmte.

Dann sagte der Graf laut:

»Oh! Madame, Herr Danglars kennt die Börse so gut, daß er dort stets wieder gewinnen wird, was er anderswo verlieren mag.«

»Ich sehe, daß Sie den allgemeinen Irrtum teilen,« versetzte Madame Danglars.

»Und worin besteht dieser Irrtum?«

»Herr Danglars spiele, während er im Gegenteil nie spielt.«

»Ah! ja, das ist wahr. Madame, ich erinnere mich dessen, was mir Herr Debray gesagt hat . . . Doch was Herrn Debray betrifft, was ist aus ihm geworden? Ich habe ihn seit drei oder vier Tagen mit keinem Auge gesehen.«

»Und ich auch nicht,« sprach Madame Danglars mit einer wunderbaren Haltung. »Sie singen jedoch einen Satz an, welcher unvollendet blieb.«

»Wie dies?«

»Herr Debray habe Ihnen gesagt, behaupteten Sie.«

»Ah! ganz richtig; Herr Debray hat mir gesagt, Sie opferten sich dem Dämon des Spieles.«

»Ich gestehe, ich hatte eine Zeit lang diesen Geschmack, aber ich habe ihn nicht mehr.«

»Und Sie haben Unrecht, Madame. Ei, mein Gott l die Wechselfälle des Glückes sind prekär, und wenn ich eine Frau wäre, und der Zufall aus dieser Frau die eines Banquier gemacht hätte, so würde ich, wie groß auch mein Vertrauen zu dem Glücke meines Mannes sein möchte, denn in der Spekulation ist, wie Sie wissen, Alles Glück und Unglück; so würde ich, sage ich, wie groß auch mein Vertrauen zu dem Glücke meines Mannes sein möchte, immerhin anfangen, mir ein unabhängiges Vermögen zu sichern, und müßte ich dieses Vermögen dadurch erwerben, daß ich meine Interessen in Hände legte, welche ihm unbekannt wären.«

Madame Danglars errötete unwillkürlich.

»Hören Sie,« fuhr Monte Christo fort, als ober nichts gesehen hätte, »man spricht von einem schönen Schlage, der gestern auf den neapolitanischen Bons gemacht worden ist.?

»Ich habe keine, und habe nie gehabt,« sagte rasch die Baronin; »doch in der Tat, es ist nun genug von der Börse gesprochen, mein Herr Graf, wir sehen aus wie zwei Wechselagenten; sprechen wir ein wenig von den armen Villefort, welche in diesem Augenblick so sehr vom Unglück heimgesucht werden.«

»Was ist Ihnen denn widerfahren?« fragte Monte Christo mit einer vollkommenen Naivität.

»Sie wissen doch, daß sie, nachdem sie Herrn von Saint-Meran drei oder vier Tage nach seiner Abreise verloren, auch die Marquise drei oder vier Tage nach ihrer Ankunft verloren haben.«

»Ah! es ist wahr,« versetzte Monte Christo, »ich habe dies gehört; doch es ist, wie Claudius zu Hamlet sagt, das Gesetz der Natur: ihre Väter sind vor ihnen gestorben, und sie haben dieselben beweint: sie werden vor ihren Söhnen sterben, und ihre Söhne werden sie beweinen.«

»Doch das ist noch nicht Alles.«

»Wie, noch nicht Alles?«

»Nein: Sie wissen doch, daß sie ihre Tochter verheiraten sollten?«

»An Herrn Franz d’Epinay . . . Hat die Heirat nicht stattgefunden?«

»Gestern Morgen hat ihnen Franz, wie es scheint, ihr Wort zurückgegeben.«

»Ah! wirklich . . . Kennt man die Ursache dieses Bruches?« ^

»Nein.«.

»Guter Gott! was sagen Sie mir da . . . «

»Und wie nimmt Herr von Villefort alle diese Unglücksfälle auf?«

»Wie immer, als Philosoph.«

In diesem Augenblick kehrte Danglars zurück.

»Nun!« rief die Baronin, »Sie lassen Herrn Cavalcanti mit Ihrer Tochter allein?«

»Und als was sehen Sie denn Fräulein d’Armilly an?« erwiderte der Banquier.

Dann sich an Monte Christo wendend:

»Ein reizender junger Mann, nicht wahr, Herr Graf, dieser Prinz Cavalcanti? Nur fragt es sich, ob er wirklich Prinz ist?«

»Ich stehe nicht dafür. Man stellte mir seinen Vater als Marquis vor; er wäre Graf; doch ich glaube nicht, daß er sich viel auf diesen Titel einbildet.«

»Warum? Wenn er Prinz ist, so hat er Unrecht, sich dessen nicht zu rühmen. Jedem sein Recht. Ich liebe es nicht, daß man seinen Ursprung verleugnet.«

»Oh! Sie sind ein reiner Demokrat,« sagte Monte Christo lächelnd.

»Doch sehen Sie, was Sie sich aussetzen,« sagte die Baronin; »wenn Herr von Morcerf zufällig käme, so würde er Herrn Cavalcanti in einem Zimmer finden, in das er, der Bräutigam, nie eintreten durfte.«

»Sie tun wohl daran, zufällig zu sagen,« erwiderte der Banquier, »denn man sieht ihn so selten, daß man in der Tat glauben sollte, es wäre wirklich der Zufall, der ihn zu uns führt.«

»Kurz, wenn er käme und diesen jungen Menschen bei Ihrer Tochter sehen würde, so könnte er unzufrieden werden.«

»Er! oh, mein Gott! Sie täuschen sich; Herr Albert tut uns nicht die Ehre an, eifersüchtig auf seine Braut zu sein, hierzu liebt er sie nicht hinreichend. Was liegt mir übrigens daran, ob er unzufrieden ist oder nicht.«

»Doch auf dem Punkte, auf welchem wir stehen . . . «

»Ja, auf dem Punkte, auf welchem wir stehen: wollen Sie wissen, auf welchem Punkte wir stehen? Auf dem Balle seiner Mutter tanzte er ein einziges Mal mit meiner Tochter, während Herr Cavalcanti dreimal mit ihr tanzte, und er hat es gar nicht bemerkt.

»Der Herr Vicomte Albert von Morcerf,« meldete der Kammerdiener.

Die Baronin stand rasch auf. Sie wollte in das Studierzimmer gehen, um ihre Tochter zu benachrichtigen, aber Danglars hielt sie am Arme zurück.

»Lassen Sie das,« sagte er.

Sie schaute ihn erstaunt an.

Monte Christo stellte sich, als hätte er dieses Szenenspiel nicht gesehen.

Albert trat ein! er war sehr schön und sehr heiter, grüßte die Baronin mit Leichtigkeit, Danglars mit Vertraulichkeit, Monte Christo mit Liebe, und sprach sodann sich wieder gegen die Baronin wendend:

»Wollen Sie mir erlauben, Sie zu fragen, Madame, wie sich Fräulein Danglars befindet?«

»Sehr gut, mein Herr,« antwortete rasch Danglars; »sie macht in diesem Augenblick Musik in ihrem kleinen Salon mit Herrn Cavalcanti.«

Albert behielt seine ruhige, gleichgültige Miene: er empfand vielleicht einen innern Ärger, aber er fühlte den Blick von Monte Christo auf sich geheftet.

»Herr Cavalcanti hat eine sehr schöne Tenorstimme,« sagte er, »und Fräulein Danglars einen prachtvollen Sopran, abgesehen davon, daß sie das Piano wie Thalberg spielt. Es muß ein entzückendes Concert sein.«

»Sie stimmen allerdings vortrefflich zusammen,« sprach Danglars.

Albert schien diese Zweideutigkeit nicht bemerkt zu haben, obgleich sie so plump war, daß Madame Danglars darüber errötete.

»Ich bin auch ein Musiker, wenigstens wie meine Lehrer sagten,« fuhr der junge Mann fort; »doch seltsamer Weise konnte ich meine Stimme nie mit einer andern Stimme in Einklang bringen, und mit den Sopranen besonders noch weniger, als mit den andern Stimmen.«

Danglars lächelte auf eine Weise, welche wohl bedeuten sollte: »Ärgere Dich doch!« Dann sagte er laut:

»Der Prinz und meine Tochter haben auch gestern die allgemeine Bewunderung erregt. Waren Sie gestern nicht hier, Herr von Morcerf?«

»Welcher Prinz?« fragte Albert.

»Der Prinz Cavalcanti,« erwiderte Danglars, der diesen Titel hartnäckig dem jungen Manne gab.

»Verzeihen Sie, ich wußte nicht, daß er Prinz ist.

Ah! der Prinz Cavalcanti hat gestern mit Fräulein Eugenie gesungen! Das muß in Wahrheit entzückend gewesen sein, und ich bedaure lebhaft, es nicht gehört zu haben. Doch ich konnte Ihrer Einladung nicht entsprechen, denn ich war genötigt, Frau von Morcerf zu der Baronin Chateau-Renaud zu begleiten, wo die Deutschen sangen.«

Daun nach einem Stillschweigen, und als ob von nichts die Rede gewesen wäre, wiederholte Morcerf:

»Wird es mir erlaubt sein, Fräulein Danglars meine Achtung zu bezeigen?«

»Oh! warten Sie, warten Sie, ich bitte Sie,« sprach der Banquier, den jungen Mann zurückhaltend, »hören Sie die köstliche Cavatine: ta, ta, ta, ti, ta, ti, ta, ta; es ist entzückend, es wird sogleich zu Ende sein . . . nur eine Sekunde, vortrefflich! Bravo! brava! bravi!«

Und der Banquier fing an, wie wütend Beifall zu klatschen.

»In der Tat,« rief Albert, »das ist vortrefflich, und man kann unmöglich die Musik seines Landes besser begreifen, als der Prinz Cavalcanti. Nicht wahr, Sie sagten Prinz? Wenn er übrigens nicht Prinz ist, so wird man ihn dazu machen, denn das geschieht leicht in Italien. Doch um auf unsere anbetungswürdigen Sänger zurückzukommen . . . Sie sollten uns ein Vergnügen verschaffen, Herr Danglars: Sie sollten, ohne sie davon in Kenntnis zu setzen, daß ein Fremder da ist, Fräulein Danglars und Herrn Cavalcanti bitten, ein anderes Stück anzufangen. Es ist etwas so Köstliches, die Musik ein wenig aus der Ferne zu genießen, in einem Halbschatten, ohne zu sehen, ohne gesehen zu werden, und folglich ohne den Musiker zu beengen, der sich so dem ganzen Instinkte seines Genie oder dem ganzen Ergusse seines Herzens überlassen kann.«

Diesmal wurde Danglars durch das Phlegma des jungen Mannes aus dem Sattel gehoben.

Er nahm Monte Christo bei Seite und sagte zu ihm:

»Nun! was denken Sie von unserem Verliebten?«

»Verdammt! er kommt mir sehr kalt vor; doch, was wollen Sie? Sie haben sich in eine Verbindlichkeit eingelassen?«

»Allerdings habe ich eine Verbindlichkeit, aber nur die, meine Tochter einem Manne zu geben, der sie liebt, und nicht einem Manne, der sie nicht liebt. Sehen Sie ihn an, er ist kalt wie Marmor, stolz wie sein Vater; wenn er nur reich wäre, wenn er das Vermögen der Cavalcanti besäße, dann könnte man darüber weggehen! Meiner Treue, ich habe meine Tochter nicht befragt; wenn sie jedoch einen guten Geschmack hätte . . . «

»Oh! ich weiß nicht, ob meine Freundschaft für ihn mich verblendet,« erwiderte Monte Christo, »doch ich versichere Sie, Herr von Morcerf ist ein liebenswürdiger junger Mann, der Ihre Tochter glücklich machen und früher oder später etwas erreichen wird; denn die Stellung seines Vaters ist im Ganzen ausgezeichnet.«

»Hm!« machte Danglars.

»Warum dieser Zweifel?«

»Es ist da immer noch die Vergangenheit . . . die dunkle Vergangenheit.«

»Doch die Vergangenheit des Vaters geht den Sohn nichts an.«

»Warum nicht?«

»Seien Sie nicht eigensinnig; vor einem Monat fanden Sie diese Verbindung vortrefflich. Sie begreifen, ich bin in Verzweiflung, denn bei mir haben Sie diesen Cavalcanti gesehen, den ich nicht kenne, . . ich wiederhole es.«

»Ich kenne ihn,« sprach Danglars, »das genügt.«

»Sie kennen ihn? Haben Sie Erkundigungen über ihn eingezogen?« fragte Monte Christo.

»Bedarf es dessen? weiß man nicht bei dem ersten Blicke, mit wem man es zu tun hat? . . . Einmal ist er reich.«

»Ich kann keine Versicherung hierüber geben.«

»Sie haften doch für ihn?«

»Für fünfzig tausend Franken, für eine Erbärmlichkeit.«

»Er hat eine ausgezeichnete Erziehung.«

»Hm!« machte Monte Christo.

»Er ist Musiker.«

»Alle Italiener sind es.«

»Hören Sie, Graf, Sie sind nicht gerecht gegen diesen jungen Mann.«

»Ja, ich gestehe es; bekannt mit Ihren Verbindlichkeiten gegen Herrn von Morcerf, sehe ich zu meinem Schmerze, daß er sich so in die Quere wirft und von seinem Vermögen Mißbrauch macht.«

Danglars schlug ein Gelächter auf und rief:

»Was für ein Puritaner sind Sie! dergleichen fällt täglich in der Welt vor.«

»Sie können indessen nicht so brechen, mein lieber Danglars; die Morcerf rechnen auf diese Heirat.«

»Sie rechnen darauf?«

»Bestimmt.«

»Dann mögen sie sich erklären. Sie sollten von dieser Sache ein paar Worte bei dem Vater fallen lassen, Sie, der Sie so gut im Hause sind.«

»Ich! wo des Teufels haben Sie dies gesehen?«

»Auf ihrem Balle, wie mir scheint. Wie! die Gräfin, die stolze Mercedes, die hochmüthige Catalonierin, welche sich kaum herabläßt, den Mund für ihre ältesten Bekannten zu öffnen, sie hat Sie beim Arme genommen, ist mit Ihnen in den Garten und dort in die kleinen Alleen gegangen und erst nach einer halben Stunde zurückgekommen!«

»Ah! Baron, Baron,« sagte Albert, »Sie hindern uns, zu hören; welche Barbarei für einen Melomanen, wie Sie sind!«

»Gut, gut, Herr Spötter!« rief Danglars.

Dann sich an Monte Christo wendend:

»Sie übernehmen es, dies dem Vater zu sagen?«

»Gern, wenn Sie es wünschen.«

»Doch nun muß es auf eine bestimmte und unumwundene Weise geschehen; er soll meine Tochter von mir verlangen, eine Zeit festsetzen, seine pekuniären Bedingungen nennen, damit man sich verständigt oder entzweit; aber Sie begreifen, keinen Aufschub mehr!«

»Wohl, der Schritt wird gemacht werden.«

»Ich sage nicht, daß ich ihn mit Vergnügen erwarte, doch ich erwarte ihn: Sie wissen, ein Banquier muß der Sklave seines Wortes sein.«

Hier stieß Danglars einen von jenen Seufzern aus, welche Cavalcanti Sohn eine halbe Stunde vorher hören ließ.

»Bravo! bravo! bravo!« rief Morcerf, den Banquier parodierend und am Schlusse des Stückes Beifall klatschend.

Danglars fing an, Albert von der Seite anzuschauen, als ein Diener eintrat und ihm ein paar Worte zuflüsterte.

»Ich komme zurück,« sagte der Banquier zu Monte Christo, »erwarten Sie mich, »ich habe Ihnen vielleicht sogleich etwas zu sagen.« Und er ging hinaus.

Die Baronin benützte die Abwesenheit ihres Mannes, um die Thüre des Studierzimmers ihrer Tochter wieder aufzustoßen, und man sah Andrea, der mit Fräulein Danglars vor dem Klavier saß, wie eine Feder aufspringen.

Albert verbeugte sich lächelnd vor Fräulein Danglars, welche ihm, ohne im Geringsten beunruhigt zu scheinen, wie gewöhnlich einen kalten Gruß zurückgab.

Cavalcanti war sichtbar verlegen; er grüßte Morcerf, der seine Begrüßung mit der geringschätzendsten Miene erwiderte.

Da fing Albert an, sich in Lobeserhebungen über die Stimme von Fräulein Danglars gleichsam zu verwirren und sein Bedauern darüber auszudrucken, daß er nach dem, was er gehört, der Soirée des vorhergehenden Tages nicht beigewohnt habe.

Sich selbst überlassen, nahm Cavalcanti Monte Christo bei Seite.

»Nun ist es genug mit der Musik und den Komplimenten,« sagte Madame Danglars, »wir wollen den Thee nehmen.«

»Komm, Louise,« sprach Fräulein Danglars zu ihrer Freundin.

Man ging in den anstoßenden Salon, in welchem wirklich der Thee bereit stand.

In dem Augenblick, wo man, auf englische Weise, die Löffel in den Tassen zu lassen anfing, öffnete sich die Thüre wieder, und Danglars erschien sichtbar bewegt,

Monte Christo besonders bemerkte diese Aufregung und fragte den Baron mit dem Blicke.

»Ich habe meinen Courier von Griechenland bekommen,« sagte Danglars.

»Ah! Ah!« versetzte der Graf, »deshalb hat man Sie gerufen.«

»Ja.«

»Wie befindet sich König Otto?« fragte Albert mit dem lustigsten Tone.

Danglars schaute ihn von der Seite an, ohne ihm zu antworten, und Monte Christo wandte sich ab, um den Ausdruck des Mitleids zu verbergen, der auf seinem Gesichte hervortrat, bald aber wieder verschwand.

»Nicht wahr, wir gehen mit einander?« fragte Albert den Grafen.

»Ja, wenn Sie wollen,« antwortete dieser.

Albert begriff den Blick des Banquier nicht; er sagte auch, sich an Monte Christo wendend, der ihn vollkommen begriffen hatte:

»Haben Sie gesehen, wie er mich anschaute?«

»Ja,« antwortete der Graf; »finden Sie etwas Besonderes in seinem Blicke?«

»Ganz gewiss; doch was will er mit seinen Nachrichten aus Griechenland sagen?«

»Wie soll ich das wissen?«

»Ich setze voraus, Sie stehen in einem gewissen Vernehmen mit diesem Lande.«

Monte Christo lächelte, wie man immer lächelt, wenn man sich einer Antwort überheben will.

»Sehen Sie, er nähert sich Ihnen,« sagte Albert; »ich will Fräulein Danglars ein Kompliment über ihre Camee machen, und mittlerweile hat der Vater Zeit, mit Ihnen zu sprechen.«

»Wollen Sie ihr ein Kompliment machen, so tun Sie dies wenigstens über ihre Stimme,« versetzte Monte Christo.

»Nein, das würde Jedermann tun.«

»Mein lieber Vicomte,« erwiderte Monte Christo, »Ihr Benehmen kommt mir etwas läppisch vor.«

Albert trat mit lächelnden Lippen auf Eugenie zu.

Während dieser Zeit neigte sich Danglars an das Ohr des Grafen und flüsterte:

»Sie haben mir einen guten Rath gegeben, es liegt eine ganze furchtbare Geschichte in den Worten: Fernand und Janina.

»Ah! bah!«

»Ja, ich werde es Ihnen erzählen; doch nehmen Sie den jungen Mann mit: ich wäre zu verlegen, mit ihm zusammen zu bleiben.«

»Er begleitet mich; muß ich Ihnen immer noch den Vater schicken?«

»Mehr als je.«

»Gut.«

Der Graf machte Albert ein Zeichen.

Beide verbeugten sich vor den Damen und gingen weg: Albert mit einer gegen die Geringschätzung von Fräulein Danglars völlig gleichgültigen Miene; Monte Christo Madame Danglars seine Rathschläge hinsichtlich der Klugheit wiederholend, die eines Banquier Frau haben müßte, um sich ihre Zukunft zu sichern. Andrea Cavalcanti blieb Herr des Schlachtfeldes.

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1870 s. 17 illüstrasyon
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